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Heute schauen wir uns im ersten Korintherbrief in Kapitel 11 die Verse 17 bis 34 an. Das ist ein sehr wichtiger Abschnitt im Neuen Testament, weil es um das Abendmahl geht – das Mahl des Herrn. Jeder von euch, der schon länger Christ ist oder in die Gemeinde geht, weiß, wie wichtig zwei bestimmte Handlungen für die Gemeinde sind: die Taufe und das Abendmahl. Wir messen diesen beiden so viel Bedeutung bei, weil der Herr selbst uns sagte, dass wir sie tun sollen. Es sind göttliche Ordnungen für die Gemeinde. Beide hat der Herr Jesus Christus angeordnet, eingeführt und vorgelebt. Deshalb haben Taufe und Abendmahl einen hohen Stellenwert für uns. Ich bin überzeugt, dass ein Christ seine Hingabe und seinen Gehorsam hinterfragen muss, wenn er in diesen beiden Bereichen nicht gehorsam ist.

Manchmal fällt es uns schwer, Gottes Willen zu erkennen und gehorsam zu sein. Aber hier müssen wir gar nicht lange nach Gottes Willen suchen, den Jesus sagt ganz klar: „Lasst euch taufen und erinnert euch beim Abendmahl an meinen Tod.“ Und ich hoffe, dass wir das nicht nur tun, wenn wir als Gemeinde zusammenkommen, sondern auch in der Bibelstunde, in unseren Kleingruppen, zu Hause in der Familie oder im Kreis von Freunden. Das gehört zum Glaubensleben unbedingt dazu. Dies darf nicht fehlen und nicht vernachlässigt werden. Dies darf auch kein Anhängsel sein am Ende eines Gottesdienstes. Dies darf kein leeres Ritual sein. Sondern dies soll fest in das Leben eines Gläubigen eingebunden sein. Und ich möchte dich ermutigen, das umzusetzen.

Wir werden sicher ermutigt, wenn wir uns anschauen, was Paulus in den Verse 17 bis 34 sagt. Lasst mich kurz den Hintergrund erklären, damit klar wird, worum es hier geht. Wir haben uns im 1. Korintherbrief mit den Missständen beschäftigt, die in der Gemeinde von Korinth entstanden waren. Einer dieser Missstände war das Mahl des Herrn, das sie wirklich völlig entstellt hatten. Es ist kaum zu glauben, aber sie hatten das Abendmahl in ein Trink- und Fressgelage verwandelt. Darum schreibt Paulus die Verse 17 bis 34 im 11. Kapitel. Er ist sehr sehr aufgebracht und benutzt sehr deutliche Worte, um ihr Verhalten zu korrigieren. Er sagt, dass die Sache so schwerwiegend ist, dass Gott in ihre Gemeinde eingegriffen und einigen das Leben genommen hat. Genau genommen wurden sie von Gott hingerichtet für das, was sie beim Mahl des Herrn gemacht hatten. Das ist sehr ernst. Andere, sagt er, sind krank. Manche sind schwach. Und ihr solltet besser etwas dagegen unternehmen.

Weil das so dringlich ist, müssen wir etwas über das Abendmahl verstehen. Darum gehen wir jetzt ein bisschen zurück in der Geschichte. In der Nacht vor seinem Tod kam unser Herr Jesus Christus mit seinen Jüngern im Obergemach zusammen, um das Passah zu essen. Das war die Zeit, zu der sich die Juden traditionell trafen, um das Passah zu feiern. Das Passah war ein besonderes Mahl, das Gott eingesetzt hatte, um an Israels Befreiung aus Ägypten zu erinnern. Ihr wisst, dass Israel über 400 Jahre lang in Ägypten versklavt war. Gott beschloss schließlich, sie zu befreien und in das Land Kanaan zu bringen, das ihr eigenes Land sein sollte, das verheißene Land. Und er begann, sie durch eine Reihe von Plagen zu befreien. Sie waren dazu bestimmt, Pharaos Griff zu lösen und das Volk freizusetzen. Als schließlich die letzte Plage kam – die Tötung aller Erstgeborenen im ganzen Land Ägypten –, sagte der Pharao: „Nehmt euer Volk und geht.“ Die Kinder Israels hatten nur eine Möglichkeit, vor dem Todesengel verschont zu werden, der den Erstgeborenen in jedem Haus töten würde. Und zwar mussten sie ein Lamm schlachten, sein Blut an die Türpfosten und an die Oberschwelle streichen und dann das Lamm mit ungesäuertem Brot, Kräutern usw. als Passahmahl essen. Sie aßen also eine Mahlzeit und brachten Gott ein Opfer. Sie strichen Blut an die Tür, der Engel ging vorüber, und das war der Schlüssel zur Befreiung Israels aus Ägypten.

Wenn ein Jude sich an Gott als Befreier, Gott als Erlöser erinnern wollte, dann dachte er immer an diese Begebenheit als Gott sein Volk aus der Knechtschaft in Ägypten befreit hatte. Gott hat das Passah eingesetzt, damit es jährlich zur Erinnerung gefeiert werden sollte. Und das ist bis heute so geblieben. Die Juden erinnern sich auch heute noch daran als den Berührungspunkt mit einem rettenden Gott – das ist tragisch, denn dabei müssen sie direkt am Kreuz vorbeigehen und übersehen es völlig.

In der Nacht vor Jesu Tod aßen die Jünger das Passah, dieses alte Festmahl, das an Gottes Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten erinnert. Aber Jesus wandelt dieses Mahl in ein neues Mahl um. Er nahm den Kelch vom Passahmahl. Er nahm das Brot vom Passahmahl und leitete einen entscheidenden Übergang ein, als er sagte: „Dieser Kelch ist mein Blut, dieses Brot ist mein Leib, und das ist etwas Neues, das ihr zu meinem Gedächtnis tut.“ Wenn wir jetzt auf den entscheidenden Moment der Heilsgeschichte schauen, gehen wir nicht mehr nach Ägypten. Sondern wir gehen nach Golgatha. Wir schauen nicht zurück auf das Blut an den Türpfosten und der Oberschwelle. Wir gehen zurück zu dem Blut, das am Kreuz vergossen wurde. Das ist der Berührungspunkt mit Gottes rettender Kraft. Und genau das hat Jesus in der Nacht vor seinem Tod getan. Er hat das Passah in das Abendmahl umgewandelt.

Für uns Christen hat das Passah deshalb keinerlei Bedeutung mehr. Es ist wichtig, dies zu studieren und zu verstehen. Aber für uns ist das Mahl des Herrn das Erinnerungszeichen, das Christus selbst eingesetzt hat. Wir schauen nicht mehr zurück auf die Vorbilder für die Erlösung in Ägypten. Sondern wir schauen auf die erlösende Erfüllung, die im Herrn Jesus Christus kam, als er am Kreuz starb und sein Blut vergoss, um uns von unserer Sünde zu reinigen. Markus 14,22 gibt uns einen kleinen Einblick in das, was unser Herr tat.

In Markus 14,22 heißt es: „Und während sie aßen“ – was aßen sie? Sie aßen das Passah, ganz nach jüdischer Tradition. „Während sie aßen, nahm Jesus Brot, sprach den Segen, brach es, gab es ihnen und sprach: Nehmt, esst! Das ist mein Leib.“ Wir wissen, dass er damit nicht buchstäblich seinen Leib meint. Sondern es ist ein Symbol. „Und er nahm den Kelch, dankte und gab ihnen denselben; und sie tranken alle daraus. Und er sprach zu ihnen: Das ist mein Blut, das des neuen Bundes“. Hiermit beginnt etwas völlig Neues. Wir kehren nicht zurück zu den früheren Erinnerungszeichen, den alten Mustern und dem alten Bund, sondern dies ist etwas Neues. Dies ist der neue Bund, das Neue Testament – das meint dasselbe. „Welches für viele vergossen wird. Wahrlich, ich sage euch: Ich werde nicht mehr von dem Gewächs des Weinstocks trinken, bis zu jenem Tag, da ich es neu trinken werde im Reich Gottes.“

Das wird in Matthäus, Markus und Lukas berichtet und in Johannes 13 angedeutet. Paulus geht in 1. Korinther 11 darauf ein. In allen vier Evangelien wird also auf diesen Abend und das letzte Abendmahl im Obergemach hingewiesen, als Jesus das Passah in das Abendmahl umwandelte. Das wurde dann zur üblichen Praxis der Urgemeinde. Christus wollte, dass das Kreuz zum Mittelpunkt wird. Durch das Abendmahl gab er darum der Gemeinde eine Möglichkeit, immer wieder an seinen Tod erinnert zu werden. Und genau das hat die Urgemeinde auch gemacht.

Apostelgeschichte 2 hilft uns, das zu verstehen. Sehen wir uns dazu Apostelgeschichte 2,41–42 an: „Diejenigen, die nun bereitwillig sein Wort annahmen, ließen sich taufen“ – das war die Reaktion auf die Botschaft von Petrus an Pfingsten. „Und es wurden an jenem Tag etwa 3.000 Seelen hinzugetan“ – hinzugetan zu denen, die schon an Christus glaubten. Das ist die Geburtsstunde der Gemeinde. „Und sie blieben beständig in“ vier Bereichen des Gemeindelebens. Zunächst in der Lehre der Apostel – das ist Theologie, also das zu lehren, was die Apostel als Offenbarung von Gott empfangen hatten. In der Gemeinschaft, also im Dienen, im Erfüllen der Pflichten und Aufgaben, die Gläubige in der christlichen Gemeinschaft haben. Im Brotbrechen. Das ist mehr als nur Gemeinschaft und schließt das Abendmahl ein. Denn in der Nacht, in der Jesus verraten wurde, nahm er Brot und brach es. Dieses Brotbrechen weist auf das Abendmahl hin, geht aber darüber hinaus – wie wir gleich sehen werden. Und schließlich in den Gebeten. Das sind die vier Bereiche des Lebens der Urgemeinde: Lehre, Dienst, Gemeinschaft mit dem lebendigen Herrn, der für sie gestorben war, und Gebet.

Das sehen wir noch einmal teilweise in Vers 46: „Und jeden Tag waren sie beständig und einmütig im Tempel“ – sehr wahrscheinlich trafen sie sich dort, um die Lehre der Apostel zu hören – „und brachen das Brot in den Häusern, nahmen die Speise mit Frohlocken und in Einfalt des Herzens“. Auch hier geht es wieder um das Brotbrechen und die Gemeinschaft; und sicher gehörte auch Gebet dazu.

Wir sehen also, dass es zum Leben der Gemeinde gehörte, jeden Tag das Brot zu brechen. Ich bin überzeugt – und viele andere Bibelausleger und Historiker dieser Zeit sehen das genauso –, dass die Urgemeinde regelmäßig das Mahl des Herrn gefeiert hat. Es ist sogar ziemlich wahrscheinlich, dass sie am Ende jeder gemeinsamen Mahlzeit das Abendmahl feierten. Der Ausdruck „Brotbrechen” in Vers 42 hat nämlich eine historische Bedeutung, die zunächst nichts mit dem Tod Christi zu tun hat. Dieser Brauch bezeichnete den damaligen Brauch, gemeinsam zu essen. Damals war es üblich, dass Gemeinschaft am Tisch stattfand. Das ist auch heute noch so. Zu dieser Zeit war es üblich, Menschen einzuladen und miteinander zu essen.

Wenn wir jemanden zum Essen einladen, kennen wir den Ablauf ja. Das Essen steht auf dem Tisch, alle sitzen da und schauen sich an, und jeder wartet auf das Signal. Man versucht herauszufinden, ob in diesem Haus gebetet wird, ob alle Hände halten und ein Lied singen, ob man sitzen bleibt oder aufsteht oder was auch immer den Startschuss gibt. Wie fängt das Essen hier eigentlich an? Die Frau des Hauses ist vielleicht noch in der Küche – wartet man auf sie oder wird ohne sie gebetet? Wie läuft das ab? Also sitzen wir irgendwie herum, bis es losgeht.

Damals war das ganz klar: Der Gastgeber setzte sich einfach hin, nahm ein Stück Brot, brach es und das war das Zeichen. Dann griff jeder zu. So wurde das Brotbrechen zum Synonym für gemeinschaftliches Essen. Für die meisten Historiker, die sich mit der Urgemeinde in der Apostelgeschichte beschäftigen, ist es aber offensichtlich, dass zu diesem gemeinsamen Essen auch das Brotbrechen dazugehörte, das Jesus beim Abendmahl eingesetzt hatte. Nachdem sie das Gemeinschaftsessen beendet hatten, gingen sie direkt zum Mahl des Herrn über.

Wir sehen das immer wieder in der Apostelgeschichte. Und schließlich wurde dieses Gemeinschaftsessen als Liebesmahl bekannt, als Agape. Es war das gemeinsame Mittagessen der frühen Gemeinde, gefolgt vom Abendmahl.

Offenbar haben sie das in der Anfangszeit der Urgemeinde jeden Tag praktiziert. Sie haben sich überall getroffen und hatten ständig Gemeinschaft. Als Petrus an Pfingsten predigte – auch dieses Fest gehörte noch zu der großen Passahfeier dazu –, waren viele Pilger in der Stadt. Sie kamen für die lange Festzeit nach Jerusalem und wohnten bei jüdischen Familien. Das entsprach der damaligen Kultur. Als dann viele dieser Pilger gläubig wurden, wollten sie nicht zurück nach Hause. Also blieben sie einfach dort und die Christen mussten sie versorgen. Darum heißt es in Kapitel 2,44, dass sie alle Dinge gemeinsam hatten und ihren Besitz und ihre Güter verkauften und sie unter den Bedürftigen verteilten. Da waren ja all diese Menschen, die in die Stadt gekommen waren und versorgt werden mussten. Sie hatten dort keinerlei Mittel zum Lebensunterhalt. Außerdem wurden in dem Moment, als die Gemeinde entstand, Sklaven gläubig. Und plötzlich gab es eine Gemeinschaft aus Sklaven und Reichen. Die Sklaven wurden dann von den Reichen versorgt, die die Mittel dazu hatten. So entstand eine schöne Gemeinschaft. Sie aßen in verschiedenen Häusern. Sie begannen, ihr Leben miteinander zu teilen. Und ein Teil davon war das Brotbrechen, das Gedenken an das Abendmahl unseres Herrn.

Wir sehen an anderen Stellen der Apostelgeschichte, wie sich diese Sache weiterentwickelt. Zum Beispiel in Apostelgeschichte 20,7. Paulus kam nach Troas und „am ersten Tag der Woche aber, als die Jünger versammelt waren, um das Brot zu brechen“. Zu dieser Zeit war es offenbar bereits zur Gewohnheit geworden, einmal in der Woche das Brot zu brechen. Ihr fragt euch vielleicht, was das hier bedeutet. Es meint wahrscheinlich wieder das Abendmahl, das Erinnern an den Tod Christi. Aber dazu kam noch etwas in Vers 11: „Und er ging wieder hinauf und brach Brot, aß und unterredete sich noch lange mit ihnen“. Das deutet eindeutig darauf hin, dass weiterhin ein gemeinsames Essen dazugehörte.

Geht noch einmal zurück zu Vers 7, und ihr seht, dass Paulus ihnen dann predigte. Das wurde zur festen Ordnung der Urgemeinde: Die Gemeinde kam am ersten Tag der Woche zusammen. Sie aßen zusammen, dann feierten sie das Abendmahl und danach predigte jemand. Das wurde zur festen Ordnung und blieb über die Jahrhunderte erhalten. Auch heute noch versammeln sich viele Gemeinden jeden Sonntag, brechen das Brot und hören dann eine Predigt. Das Liebesmahl ist schon vor langer Zeit verschwunden. Es war nicht von unserem Herrn eingesetzt worden und auch nicht von den Aposteln. Es war einfach ein kulturelles Überbleibsel. Darum hielt es sich nicht dauerhaft. Die frühe Praxis, das Abendmahl an die täglichen Mahlzeiten zu knüpfen, hat nach und nach an Bedeutung verloren. Sie haben es nicht mehr bei jeder Mahlzeit gemacht, dann einmal pro Woche beim gemeinsamen Essen. Und schließlich verschwand auch das mit der Zeit.

Du fragst dich vielleicht, warum sie das so miteinander verbunden hatten. Es gibt mehrere Gründe, warum die frühe Gemeinde das Abendmahl mit einem gemeinsamen Essen verknüpfte. Einer davon ist, dass der Herr Jesus das Abendmahl mit dem Passahmahl verbunden hatte und das wurde gewissermaßen zur Norm. Jesus hatte mit seinen Jüngern gegessen und dann das Abendmahl eingesetzt, also sahen sie darin das vorgegebene Muster.

Außerdem hatten die Juden das Passah schon immer mit diesem Mahl verbunden. Die jüdischen Christen konnten diese Verbindung also leicht herstellen. Aber die nichtjüdischen Christen schauten auf ihre Vergangenheit zurück und sagten: „Immer, wenn wir zum Tempel gehen und unserem Gott etwas opfern, gehört auch ein Essen dazu.“ Es gab viele Feste. Eines davon nannten sie Eranos und es war ein gemeinsames Essen unter den Heiden, zu dem jeder etwas beitrug. Danach verehrten sie irgendeinen Gott. Das war also sowohl in der jüdischen als auch in der nichtjüdischen Kultur üblich. Und die Urgemeinde wich davon nicht ab. Sie kamen zu einem gemeinsamen Essen zusammen, das als Liebesmahl oder Agapē bekannt war, und danach feierten sie das Abendmahl.

Aber ich will gleich etwas hinzufügen: Nichts davon ist ausdrücklich in der Schrift vorgeschrieben. Wir können das Mahl des Herrn sogar nach jeder Mahlzeit feiern und damit dem biblischen Vorbild entsprechen. Oder wir können das Abendmahl feiern und ein Liebesmahl anschließen. Oder wir können es in der Gemeinde — ohne Liebesmahl — feiern, ganz egal. Wichtig ist, dass wir es tun. Wichtig ist, dass wir dem gehorchen, was der Herr sagt, und dass wir das wunderbare Vorrecht und die Gelegenheit nutzen, Gemeinschaft um das Kreuz herum zu haben.

Korinth ist ein Beispiel für eine Gemeinde, die dazu beigetragen hat, dass das Liebesmahl aufgegeben wurde. In Korinth gab es zuerst ein reichhaltiges Abendessen und dann das Abendmahl, aber sie hatten es zu einer absoluten Katastrophe gemacht. Sie hatten die eigentliche Bedeutung völlig zerstört und es zu dem gemacht, was sie von ihren Götzenfesten kannten. Es wurde zu einer trunkenen, gefräßigen, selbstsüchtigen Veranstaltung. Und als sie danach mit der Mahlfeier weitermachten, ekelte es Gott an. Es ekelte Gott so sehr an und verärgerte ihn so sehr, dass er entschied, einige der Korinther krank zu machen. Er machte einige von ihnen so krank, dass sie starben. Gott war sehr verärgert. Sie kamen mit einer völlig befleckten, verdorbenen Haltung zum Mahl des Herrn und dadurch wurde es zu einer Verhöhnung und Gotteslästerung gegen das Kreuz. Und Gott konnte das nicht tolerieren.

Wir sehen dort, dass die Reichen das Essen mitbrachten. Es sollte ein gemeinsames Essen sein, zu dem jeder etwas beitrug – als Ausdruck dafür, dass Christen alles miteinander teilen. Und so hätte es auch sein sollen. Das Christentum hatte gewaltige Mauern niedergerissen, und jetzt fingen sie an, diese Barrieren nur 20 Jahre nach Jesu Himmelfahrt wieder aufzurichten. Sie kamen also zusammen, und die Reichen waren sehr früh vor Ort, und aßen ihr Essen auf, bevor die Armen ankamen. Dann kamen die Armen und bekamen nur noch zu hören: „Oh, tut uns leid, es ist alles weg.“ Manche wurden zu Nimmersatten und andere gingen hungrig nach Hause.

In 1. Korinther 11,33 erkennt man an Paulus‘ Ermahnung, dass genau das passierte. „Darum, meine Brüder, wenn ihr zum Essen zusammenkommt, so wartet aufeinander.“ Ein Mitbring-Essen funktioniert nur, wenn man wartet, bis die anderen da sind und man etwas zum Teilen hat. Wenn du Hunger hast, sagt er in Vers 34, wenn du nur deinen Bauch vollschlagen willst, bleib zu Hause. Das ist nicht der Sinn der Sache. Dafür musst du ganz sicher nicht kommen. Und komm mir nicht mit: „Ich hatte eben Hunger.“ Unsinn. Wenn du Hunger hast, geh nach Hause. Wenn du hierher kommst, dann um zu teilen.

In Korinth gibt es also Reiche und Arme. Die einen konnten viel bringen, die anderen fast nichts. Und einige Historiker sagen sogar, dass ein Sklave vielleicht nur eine richtige Mahlzeit pro Woche bekam – und das wäre dann das Liebesmahl gewesen. Aber es lief völlig verkehrt. Die Reichen teilten nicht mit den Armen. Sie aßen in ihren kleinen exklusiven Gruppen. Sie beeilten sich, damit nichts mehr übrig war, wenn die Armen kamen. Dieses gemeinsame Mahl, das eigentlich die Unterschiede beseitigen sollte, errichtete dadurch am Ende riesige Mauern zwischen den Menschen. Und wenn sie dann zum Mahl des Herrn übergingen, war das eine Entweihung, eine Gotteslästerung. Es war ein Hohn, die Einheit zu feiern, die das Kreuz schenkt, während sie gleichzeitig alles taten, um Mauern aufzubauen zwischen sich und den Menschen, die Gott genauso liebt.

Also schreibt Paulus diesen Abschnitt, um die Missstände zu korrigieren. Und er geht wirklich hart mit ihnen ins Gericht. Sehen wir uns Vers 17 als Einstieg an. Wir werden den Abschnitt nicht ganz lesen, sondern nur einen Teil davon. „Das aber kann ich, da ich am Anordnen bin, nicht loben“. In Kapitel 11,2 konnte er sie für einiges loben. Er lobte sie, weil sie wenigstens Fragen stellten und die Überlieferung der Lehre bewahrt hatten. Aber hier sagt er: Ich kann euch nicht loben, „dass eure Zusammenkünfte nicht besser, sondern schlechter werden.“

Für euch ist es das Schlimmste, überhaupt zur Gemeinde zu kommen. Stellt euch das einmal vor. Das ist wirklich erstaunlich. Paulus sagt: „Hört zu, ich ordne euch an“. Und er verwendet das Wort paraggellō, das „befehlen“ bedeutet. „Ich mache keine Vorschläge mehr. Das ist eine klare Ansage, Leute. Jetzt muss ich euch ein paar Dinge befehlen, und ich werde euch in nichts davon loben. Also vergesst das mit dem Lob. Eure Zusammenkünfte werden nicht besser, sondern schlechter. Ihr wärt besser dran, wenn ihr zu Hause bleiben würdet.“ Das hat es wirklich in sich. Statt hilfreich und erbauend zu sein, richtet euer Gottesdienst Schaden an. Bleibt lieber zu Hause.

Man möchte so etwas kaum denken, aber ich bin sicher, dass das in manchen Gemeinden wahrscheinlich auch heute so ist – vielleicht sogar in solchen, die ihr kennt. Es wäre wirklich besser, wenn niemand käme. Denn entweder hört man dort nicht die Wahrheit, oder man gerät ins Kreuzfeuer zwischen der Gemeinde und dem Mann auf der Kanzel. Oder es gibt Streit und Reibereien, und der Gottesdienst ist nur noch ein Auslöser für neue Feindseligkeiten. Vielleicht kennst du das auch. Man fängt an, nur noch die Menschen zu sehen, mit denen man nicht übereinstimmt. Das ist wirklich alles andere als eine gute Erfahrung.

Für die Gemeinde in Korinth war ihr Zusammenkommen das Schlimmste für ihr geistliches Leben. Das klingt unglaublich, wenn man Hebräer 10 bedenkt. Ja, dort steht, wir sollen „unsere eigene Versammlung nicht verlassen“. Die Gläubigen sollten sich gegenseitig zu Liebe und guten Werken anzuspornen. Aber in Korinth spornten sie einander nur zu Zorn und Selbstsucht an. Stell dir vor, es kommt in einer Gemeinde so weit, dass die Zusammenkünfte nicht besser, sondern schlechter werden – dann ist man wirklich in Schwierigkeiten. Sie hatten das Liebesmahl herabgewürdigt zu einer selbstsüchtigen, gefräßigen, trunksüchtigen Ausschweifung gemacht, und das Mahl des Herrn wurde bloß noch drangehängt. Die armen Geschwister wurden tief verletzt. Sie hatten das Mahl des Herrn zu einer gewöhnlichen Mahlzeit gemacht, um ihren Hunger zu stillen. Brot und Kelch wurden ehrfurchtslos behandelt. Und Paulus sagt: Ich werde diese Sache in Ordnung bringen. Vers 17 ist also eine allgemeine Zurechtweisung.

Und noch etwas zum Nachdenken: Vers 17 leitet auch eine Zurechtweisung wegen des Missbrauchs geistlicher Gaben ein, die dann von Kapitel 12 bis 14 geht. Das schauen wir uns an, sobald wir mit diesem Abschnitt fertig sind. In ihrer Versammlung tadelt er also den Missbrauch des Abendmahls und den Missbrauch der geistlichen Gaben. Aber hier geht es ihm um das Abendmahl. Ich habe das in drei Punkte eingeteilt, aber heute betrachten wir nur den ersten. Die anderen beiden folgen beim nächsten Mal.

Zuerst spricht Paulus über die Entweihung des Abendmahls. Den Hintergrund habe ich schon kurz beschrieben. In den Versen 18 bis 22 geht es genau darum. Vers 18: „Denn (...) wenn ihr in der Gemeinde zusammenkommt“. Das Wort „Gemeinde“, ekklesia, bezeichnet im Neuen Testament nie ein Gebäude. Es steht immer für eine Versammlung von Menschen – ob lebend, gestorben, weltweit oder lokal. Es sind immer Menschen. Die Gemeinde ist ein Organismus. Paulus sagt also: „Denn erstens höre ich,“ – „immer wieder“, steht da im Griechischen – „dass Spaltungen unter euch sind, wenn ihr in der Gemeinde zusammenkommt“ – wenn ihr als Gläubige zusammenkommt – „und zum Teil glaube ich es“.

Das griechische Wort für Spaltungen, „schismata“, ist ein interessanter Begriff. Er beschreibt im Grunde Meinungsverschiedenheiten. Es ist wichtig, dass ihr das Wort hier versteht, denn es zeigt uns eine weitere Seite des völlig durcheinandergeratenen Gemeindelebens in Korinth. Es geht im Grunde um Meinungsverschiedenheiten. So sagt Johannes in Johannes 7,43 und Johannes 9,16 über Jesus, dass seinetwegen eine Spaltung unter den Menschen entstand. In diesen beiden Fällen bedeutet es, dass einige sagten, Jesus sei von Gott, und andere sagten, Jesus sei nicht von Gott. Johannes kommentiert, dass es eine Spaltung, ein schisma, unter den Menschen gab. Damit meint er eine Meinungsverschiedenheit über eine bestimmte Sache.

Paulus sagt also: Wenn ihr zusammenkommt, höre ich immer wieder, dass es Meinungsverschiedenheiten unter euch gibt. Wenn die Gemeinde zusammenkommt, seid ihr nicht eins, sondern ihr streitet nur. Das zeigt uns eine weitere Ebene ihres durcheinandergeratenen Gemeindelebens. Sie hatten die Gemeinde ja bereits aus mindestens zwei anderen Gründen gespalten. Die Reichen und die Armen hatten eine deutliche Trennlinie zwischen sich gezogen und entfremdeten sich völlig voneinander. Da war also eine soziale Spaltung. Außerdem waren sie theologisch gespalten, denn sie sagten: „Ich gehöre zu Paulus. Ich gehöre zu Apollos. Ich gehöre zu Kephas. Ich gehöre zu Christus.“ Jeder hatte seine kleine theologische Clique, wie man in Kapitel 1 und 3 nachlesen kann. Das Erstaunliche daran war, dass sich diese Gruppen nicht einmal in Lehrfragen unterschieden – sie scharten sich einfach um verschiedene Persönlichkeiten.

So gab es hier Persönlichkeitskulte, die alle in Lager spalteten. Da war eine soziale Spaltung zwischen Arm und Reich. Dazu kommt, dass im alltäglichen Gemeindeleben ständig Konflikte aufflammten wegen allen möglichen Meinungsverschiedenheiten.

Das ist wirklich traurig und genau deshalb sagt Paulus gleich am Anfang des Briefes, in 1. Korinther 1,10: „Ich ermahne euch aber, ihr Brüder, kraft des Namens unseres Herrn Jesus Christus, dass ihr alle einmütig seid in eurem Reden und keine Spaltungen unter euch zulasst, sondern vollkommen zusammengefügt seid in derselben Gesinnung und in derselben Überzeugung.“ Ihr solltet denselben Sinn haben, dieselbe Haltung und dasselbe sagen. Stattdessen kommt ihr zusammen und streitet über alles.

Du fragst dich vielleicht, was die Gemeinde dazu bringt, so zu streiten. Warum spaltet sie sich in kleine Gruppen? Paulus hat es so klar wie möglich gesagt: „Und ich, meine Brüder, konnte nicht zu euch reden als zu geistlichen, sondern als zu fleischlichen [Menschen] [...]. Solange nämlich Eifersucht und Streit und Zwietracht unter euch sind, seid ihr da nicht fleischlich [...]?“ Die Ursache dafür ist Fleischlichkeit. Im Fleisch zu wandeln und dem eigenen Denken zu folgen, statt im Geist zu wandeln und Gottes Willen zu tun, verursacht Spaltung.

Nichts ist so gefährlich für eine Gemeinde wie Spaltung. Paulus sah das genauso. Bei den Korinthern gab es die in jeder erdenklichen Form. Nicht nur die Grüppchen aus Kapitel 1 und 3, nicht nur die soziale Trennung zwischen Armen und Reichen, sondern es bildeten sich auch kleine Gruppen, die sich wegen aller möglichen Meinungen voneinander abgrenzten und entfremdeten. Ein Geist der Spaltung durchdrang alles in der Gemeinde von Korinth, und die Uneinigkeit breitete sich aus wie ein lodernder Waldbrand. Dann kamen sie zum Mahl des Herrn, setzten sich zusammen zum Essen und wollten sich über ihr gemeinsames Leben in Christus austauschen. Es war aber so offensichtlich, dass sie gespalten waren, dass es das Ganze zu einer Farce machte. Paulus sagt: „und zum Teil glaube ich es“. Warum nur zum Teil? Weil er es so oft gehört hatte, dass sicher einiges übertrieben war – und er wollte klarstellen, dass er nicht völlig leichtgläubig ist.

In Vers 19 führt er den Gedanken fort und macht eine wirklich interessante Aussage. Er sagt: Ich glaube es, „denn es müssen ja auch Parteiungen unter euch sein, damit die Bewährten offenbar werden unter euch!“ Was für eine seltsame Aussage. Versteht ihr, was er gesagt hat? Er sagt: Ich glaube, dass es Spaltungen gibt, weil es Spaltungen unter euch geben muss, damit die Bewährten offenbar werden. Vielleicht fragst du dich: „Meint Paulus damit, dass die Gemeinde Parteiungen haben muss?“ Ja. Im Griechischen steht für „Parteiungen“ das Wort hairesis, also „Häresie“, aber es bedeutet nicht das, was wir heute darunter verstehen (meist „Irrlehre). Es kommt von einem Wort, das „wählen“ bedeutet, und bezeichnet eine Gruppe, die eine bestimmte Sicht teilt. Es wird im Neuen Testament oft mit „Sekte“ wiedergegeben. Das ist nicht zwingend negativ. In Apostelgeschichte 24 wird es zum Beispiel neutral für die „Sekte der Nazarener“ verwendet. In Galater 5,20 dagegen steht es in einer Liste der Werke des Fleisches – dort meint es egoistische Streitigkeiten. Und genau so gebraucht Paulus es hier.

Es muss Auseinandersetzungen geben, wenn man so will. Es muss Gruppierungen in der Gemeinde geben. Es muss Probleme in der Gemeinde geben. Es muss Meinungsverschiedenheiten in der Gemeinde geben. Aber warum? In Kapitel 1, Vers 10 hatte Paulus noch gesagt, man soll das alles beseitigen, und jetzt sagt er, dass sie notwendig sind. Sucht er Leute, die den Dienst des Spaltens übernehmen? Wenn ja, kenne ich da ein paar Kandidaten, die darin schon sehr geübt sind. Was meint Paulus hier eigentlich? Er meint, dass es so sein muss, damit die Bewährten offenbar werden unter euch.

Moment mal. Paulus sagt also: Ich glaube, dass es diese Gruppen gibt, weil sie notwendig sind. Achtet auf die Formulierung: „es müssen … sein“. Da steht das Wort dei im Griechischen. Es bedeutet, dass etwas notwendig ist. Man müsste den Satz so übersetzen: Es ist notwendig, dass es Spaltungen unter euch gibt. Dieses kleine Wort „es ist notwendig“ begegnet uns im Neuen Testament immer wieder. Es ist ein ganz gewöhnliches, aber sehr hilfreiches Wort. Oft bezeichnet es etwas, das notwendig ist, weil es Gottes Wille ist. Zum Beispiel ist es notwendig, dass Jesus leidet und stirbt und wieder aufersteht. Es ist notwendig, dass ich nach Jerusalem gehe. Dieses Wort taucht immer wieder in Verbindung mit Dingen auf, die Jesus tun muss, weil es Gottes Wille ist.

Und hier ist es auch so. Es ist notwendig. Warum? Weil Gott etwas tut, das es erfordert. Was tut er? Er bewährt bestimmte Menschen und macht sie euch offenbar. Wie? Wenn Probleme auftauchen und wenn Spaltungen entstehen, dann zeigt sich schnell, wer die Guten sind – die dokimoi, die Bewährten, das Gold, das im Feuer geläutert wird. Das Böse ist notwendig, um das Gute zu offenbaren.

Die Friedensstifter in der Gemeinde erkennt man erst, wenn man jemanden braucht, der Frieden stiftet, oder? Die wirklich Liebevollen erkennt man erst, wenn man sieht, wie sie mit den Lieblosen umgehen. Erst durch Widerstände, Kämpfe und Streitigkeiten treten die wahren Leiter hervor. Dann werden die wahrhaft gottesfürchtigen Menschen, die wirklich geistlichen Menschen für alle sichtbar. Schwierigkeiten bringen den Charakter und auch die geistliche Haltung zum Vorschein. Die dokimoi sind die, die durchhalten und mitten in schwierigen Situationen beweisen, dass sie im Geist wandeln.

In 1. Thessalonicher 2,4 erfahren wir zum Beispiel etwas über diese dokimoi. Das Wort bedeutet „bewährt“, „erprobt“. Dort steht: „so wie wir von Gott für tauglich befunden wurden, mit dem Evangelium betraut zu werden“. Der Gedanke ist: Wir waren die dokimoi Gottes, auch wenn das nicht wörtlich so übersetzt ist. Wir waren die Bewährten, die Erprobten Gottes, denen das Evangelium anvertraut wurde. Paulus sagt hier etwas über die Bewährten: Sie sind diejenigen, denen Christus den Dienst anvertraut. Als Älteste und Leiter in der Gemeinde ist es eine unserer Aufgaben, nach Menschen zu suchen, denen wir Dienste übertragen. Wir brauchen Menschen für bestimmte Aufgaben oder wir wollen erkennen, an wem Gott wirklich wirkt, wen er bewegt, um einen Dienst für den Herrn übernehmen zu können. Darum muss ein Mensch bewährt sein, bevor man ihm einen Dienst gibt. Am deutlichsten zeigt sich Bewährung darin, wie jemand mit Schwierigkeiten im Leib Christi umgeht – mit Widrigkeiten, mit Kämpfen, mit Meinungsverschiedenheiten. Dadurch werden die dokimoi, die Bewährten, dem Leib offenbart. Genau diese Menschen eignen sich für besonderen Dienst.

Ich bin zutiefst überzeugt, dass manche in ihrem Dienst für Christus – sogar als Pastoren oder auf dem Missionsfeld – teilweise daran scheitern, dass sie die Bewährungsprobe nicht bestehen. Wenn sie vor Konflikten und Meinungsverschiedenheiten stehen, können sie nicht geistlich damit umgehen und erreichen darum nie den Punkt, an dem Gott ihnen das Evangelium anvertraut. Die Bewährten werden also in Schwierigkeiten offenbar. Im Kampf wird das Gold durch das Feuer geläutert. Deshalb sagt Gott: In der Gemeinde wird es das geben, denn nur so könnt ihr erkennen, wer führen und wer dienen kann.

Paulus hat das wohl auch in seinem eigenen Leben als Gnade Gottes gesehen, nicht als etwas, dessen er würdig war. Er war sich bewusst, dass Gott ihn aus Gnade als bewährt erwiesen hatte. Es ist interessant, dass es in Jakobus 1,12 heißt: „Glückselig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet; denn nachdem er sich bewährt hat“ – im Griechischen steht da dokimos. Das zeigt uns eine weitere Möglichkeit, einen bewährten Menschen zu erkennen. Er ist derjenige, der siegreich aus Anfechtung hervorgeht. Wenn du dich fragst, wer die bewährten Heiligen sind, ist das deine Antwort: Es sind die, die den Kampf bestehen, die die Anfechtung erdulden und – nachdem sie sich bewährt haben – die Krone des Lebens empfangen, die der Herr, der gerechte Richter, ihnen geben wird. Das sind die dokimoi.

Ich würde noch hinzufügen, dass die dokimoi die wahren Christen sind, der Weizen, im Gegensatz zur Spreu. In 1. Johannes 2,19 heißt es: „Sie sind von uns ausgegangen, aber sie waren nicht von uns“, aber sie sind ausgegangen, denn „es sollte offenbar werden, dass sie alle nicht von uns sind.“ Schwierigkeiten hatten einige vertrieben und dadurch wurde sichtbar, wer die Spreu und wer der Weizen war.

Als ich zum ersten Mal zur Grace Church kam, stießen wir gleich zu Beginn auf eine sehr schwierige Situation und zwei Familien haben deswegen die Gemeinde verlassen. Wir hatten immer wieder Schwierigkeiten im Laufe der Jahre, aber in diesem Fall wurde unmittelbar danach klar, dass diese beiden Familien überhaupt keine Christen waren. Sie waren nicht einmal im einfachsten Sinn dokimoi. Sie waren nicht einmal errettet. Durch den Konflikt wurde das offenbar und hatte eine reinigende Wirkung. Es stimmt, dass in einer Gemeinde im Reinigungsprozess Spaltungen entstehen werden. Es wird Anfechtung geben, damit die Bewährten hervortreten und für uns alle klar wird, wer die Leiter sind, wer sich als geistlich fähig und verantwortungsvoll erwiesen hat.

In Titus 3,10 steht: Einen Menschen, der Spaltungen in der Gemeinde verursacht, weise zurecht – einmal, zweimal. Wenn er nicht hört, dann schließe ihn aus, um die Reinheit der Gemeinde zu bewahren. Die Reinheit der Gemeinde steht auf dem Spiel. Paulus sagt also, dass Spaltungen und Sünden in die Gemeinde kommen werden. Macht euch darauf gefasst – es wird kommen. Manche meinen jetzt vielleicht, ihre Aufgabe erkannt zu haben und wollen dabei helfen, Leiter hervorzubringen, indem sie überall Probleme verursachen. Wenn es ja sowieso nötig ist, bin ich bereit, das Opfer zu sein.

Diesen Menschen muss ich sehr dringend etwas sagen, das ihnen helfen könnte: Denk das besser noch einmal durch. Du könntest dich sonst in echte Schwierigkeiten bringen. Denn in Matthäus 18,7 steht: „Wehe“, und das bedeutet Unheil, „Unheil über die Welt wegen der Anstöße [zur Sünde]!“ Hör zu: „Denn es ist zwar notwendig, dass die Anstöße [zur Sünde] kommen, aber wehe jenem Menschen, durch den der Anstoß [zur Sünde] kommt!“ Verstehst du das? Wenn du meinst, es verstanden zu haben, dann hör dir auch noch Lukas 17 an. Dann wirst du es sicher verstehen. Lukas 17,1: „Er sprach aber zu den Jüngern: Es ist unvermeidlich, dass Anstöße [zur Sünde] kommen“ – Leute, ihr müsst euch auf Schwierigkeiten gefasst machen – „wehe aber dem, durch welchen sie kommen! Es wäre für ihn besser, wenn ein großer Mühlstein um seinen Hals gelegt und er ins Meer geworfen würde“. Hast du das gehört? Das könnte deinem Dienst in diesem Bereich sehr schnell ein Ende versetzen.

Es wird also passieren – aber sei nicht du derjenige, der es verursacht. Die Gemeinde ist nicht der Ort, an dem du Streit schürst. Überlass das dem Herrn. In der Zurüstung der Heiligen verkünden wir das Wort – der Heilige Geist bringt die Prüfungen. Überlass ihm, auf welche Weise er das tut.

Paulus sagt also: Euer Verhalten hat alles so sehr verdorben, eure Grüppchen und Meinungsverschiedenheiten, eure sozialen und theologischen Auseinandersetzungen haben eine solche Ungeheuerlichkeit geschaffen, dass er in Vers 20 sagt: „Hört zu: Wenn ihr zusammenkommt, ist es euch unmöglich, das Mahl des Herrn zu essen“. Das griechische ouk estin mit einem Infinitiv bedeutet „es ist unmöglich“. Ihr denkt vielleicht, das sei das Mahl des Herrn, was ihr da tut. Aber ich sage euch: Das ist nicht das Mahl des Herrn. Ihr trinkt vielleicht aus einem Kelch und sprecht ein paar Worte. Ihr esst vielleicht ein Stück Brot und sprecht ein paar Worte, aber das ist nicht das Mahl des Herrn.

Es ist unmöglich, das Mahl des Herrn zu feiern mit solchen Herzen, wie ihr sie habt. Das geht einfach nicht, weil es in Vers 21 heißt: „denn jeder nimmt beim Essen sein eigenes Mahl vorweg“. Was ist das für ein Mitbring-Essen, bei dem man sich in eine Ecke setzt und allein sein eigenes Essen isst? Das ist reine Selbstsucht. „Sodass der eine hungrig ist“ – der arme Mann bekommt gar nichts – „der andere betrunken ist.“ Da gibt es Extreme. Die Reichen sind betrunken und die Armen haben nichts. Und das nennt ihr ein Liebesmahl? Das nennt ihr das Mahl des Herrn? Ihr behauptet, das sei Gemeinschaft – und dann geht ihr in dieser Atmosphäre direkt zum Abendmahl über? Während ihr einander hasst, gegeneinander kämpft, einander provoziert? Wie könnt ihr da die Einheit der Heiligen feiern? Wie könnt ihr das tun, was er in 10,16 sagt? Wie kann das die Gemeinschaft des Blutes des Christus sein? Die Gemeinschaft des Leibes? Wie könnt ihr das eine Brot und der eine Leib sein, den Vers 17 beschreibt? Wie könnt ihr feiern, dass ihr eine Familie seid, die durch ein Brot vereint ist? Ihr habt das alles zerstört. Dafür gibt es keinen Raum mehr.

Sichtlich frustriert und geradezu nach einer Erklärung tastend fragt Paulus dann in Vers 22: „Wie soll ich das verstehen? Was ist der Grund? Habt ihr etwa keine Häuser, wo ihr essen und trinken könnt?“ Lebt ihr auf der Straße und habt keinen Ort zum Essen, sodass ihr hierherkommen müsst, um euch den Bauch vollzuschlagen? Ist das der Grund? Habt ihr kein Zuhause, wo ihr hingehen könnt, wenn ihr Hunger habt? Müsst ihr aus dem gemeinsamen Essen Völlerei und Trunkenheit machen, weil ihr keine Häuser habt, wo ihr essen und trinken könnt? Ist das der Grund? Oder vielleicht liegt es gar nicht daran, dass ihr keine Häuser habt, vielleicht verachtet ihr die Gemeinde Gottes. Vielleicht ist euer Problem, dass ihr die Gemeinde hasst und sie am liebsten zerstören würdet. Vielleicht wollt ihr das zugrunde richten, was Jesus mit seinem kostbaren Blut erkauft hat. Wollt ihr das?

Daran muss ich jedes Mal denken, wenn jemand versucht, in der Gemeinde Zwietracht zu säen. Oh, machst du das, weil du die Gemeinde hasst? Ist das deine Art zu sagen: „Herr, nur damit du es weißt: Ich nehme mir die Freiheit, die Gemeinde zu zerstören, die du gebaut hast.“ Ist das der Grund, warum du das tust? Wenn du Zwietracht oder Uneinigkeit säst, fragt Paulus: Ist das deine Absicht? Oder vielleicht willst du einfach nur die Armen beschämen. Vielleicht macht es dir einfach nur Spaß, dem Bedürftigen die Ferse in den Nacken zu drücken. Vielleicht handelst du deshalb so. Also entweder hast du kein Haus, oder du hasst Gott, oder du hasst Menschen. „Was soll ich euch sagen?“, fragt Paulus. „Soll ich euch etwa loben? Dafür lobe ich euch nicht!“ Dafür gibt es kein Lob.

Die Gemeinde ist ein Ort – vielleicht sogar der einzige –, an dem Reiche und Arme miteinander Gemeinschaft haben sollten, an dem Reiche und Arme einander lieben sollten. Jesus hat das deutlich gemacht. Die Apostel haben das deutlich gemacht. Es wurde zum Muster der Urgemeinde, als sie alles miteinander teilten. In Galater 2,10 sagt Paulus: „Hey, vergesst die Armen nicht.“ Die Gemeinde ist der eine Ort, an dem Mauern fallen sollten. Im Altertum waren diese Mauern unüberwindbar. Es gab Freie und Sklaven, Männer und Frauen, Griechen und Barbaren, Menschen, die Griechisch sprachen, und Menschen, die kein Griechisch sprachen, Gebildete und Ungebildete, Juden und Heiden, Reiche und Arme, Römer und Nicht-Römer, Kultivierte und Unkultivierte – all diese Mauern. Dann kam die Gemeinde zusammen und riss sie alle einfach ein. Die Mauern wurden niedergerissen, heißt es in Epheser 2. Aber dann – 20 Jahre später – bauen sie alle wieder auf.

Vielleicht fragst du dich, was dir das zu sagen hat. Eine ganze Menge. Erstens bedeutet es für dich, dass du lieber zum Mahl des Herrn kommen solltest. Zweitens bedeutet es für dich, dass du lieber vorsichtig mit der Gemeinde umgehen solltest. Du solltest dich davor hüten, etwas zu tun, was sie spalten könnte. Wenn du zum Mahl des Herrn kommst oder zur Gemeinschaft der Heiligen, hoffe ich, dass du keine rassistische Haltung mitbringst, denn in Christus gibt es so etwas nicht. Ich hoffe, du bringst keine sexistische, elitäre, selbstsüchtige oder gleichgültige Haltung mit. Denn wenn du das tust, verdrehst und verdirbst du diese Gemeinschaft und das Mahl des Herrn – genau wie es die Gemeinde in Korinth getan hat. Und was werde ich dir dann sagen? Ich werde dir dasselbe sagen, was Paulus gesagt hat: „Dafür lobe ich [euch] nicht!“

Ihr Lieben, wir kommen zusammen, um Gemeinschaft zu haben. Wir kommen zusammen, um Gott anzubeten. Wir kommen zusammen, um unsere Einheit zu feiern. Lasst sie rein sein. Lasst sie echt sein. Überlasst es dem Heiligen Geist in seiner Vorsehung, Spaltungen zur Reinigung der Gemeinde zuzulassen – aber verursacht sie nicht selbst. Ich vertraue darauf, dass unsere Gemeinde nicht wie die Gemeinde in Korinth sein wird, sondern wie die Gemeinde in Thessalonich, von der Paulus sagte: „Wir danken Gott allezeit für euch alle, wenn wir euch erwähnen in unseren Gebeten, indem wir unablässig gedenken an euer Werk im Glauben und eure Bemühung in der Liebe und euer standhaftes Ausharren in der Hoffnung auf unseren Herrn Jesus Christus vor unserem Gott und Vater.“ Und dann sagte er etwas sehr Schönes: „Über die Bruderliebe aber braucht man euch nicht zu schreiben; denn ihr seid selbst von Gott gelehrt, einander zu lieben“.

Unser Vater, wir danken dir an diesem Morgen für das klare Wort, das wir gehört haben, für die hohe Berufung, die du uns gegeben hast. Wir sehen, wie die Korinther alles verdreht haben. Vater, genau das wollen wir vermeiden. Lehre uns, Frieden zu stiften. Lehre uns, Einheit zu bewahren. Gib uns den Wunsch, dir über alles gehorsam zu sein. Rette uns vor unserer Selbstsucht. Lass uns nicht in theologische Grüppchen zerfallen, in soziale Gruppen oder in Gruppen, die sich um Meinungen bilden, die kommen und gehen. Erhalte in uns die Schönheit dieser Einheit, über die der Chor heute Morgen gesungen hat, dieses Band, das uns verbindet. Vertiefe unsere Liebe zueinander, damit wir Opfer bringen, um die Bedürfnisse der anderen zu erfüllen. Wir danken dir in Jesu Namen, Amen.

 

ENDE

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