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Wir beschäftigen uns heute nochmals mit Matthäus 18,15-20 und ich lese zu Beginn diesen Abschnitt einmal ganz vor:

„Wenn aber dein Bruder gegen dich gesündigt hat, so geh hin und weise ihn zurecht unter vier Augen. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder gewonnen. Hört er aber nicht, so nimm noch einen oder zwei mit dir, damit jede Sache auf der Aussage von zwei oder drei Zeugen beruht. Hört er aber auf diese nicht, so sage es der Gemeinde. Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, so sei er für dich wie ein Heide und ein Zöllner. Wahrlich, ich sage euch: Was ihr auf Erden binden werdet, das wird im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, das wird im Himmel gelöst sein.

Weiter sage ich euch: Wenn zwei von euch auf Erden übereinkommen über irgendeine Sache, für die sie bitten wollen, so soll sie ihnen zuteilwerden von meinem Vater im Himmel. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich in ihrer Mitte.“

Letzte Woche stellten wir fest, dass es in diesem Abschnitt darum geht, wie Züchtigung innerhalb des Volkes Gottes durchgeführt werden soll. Dabei dürfen wir das Wort „Züchtigung“ nicht negativ verstehen. Es meint etwas Positives, das mit Ausbildung zu tun hat. Im Englischen hängt es mit dem Wort „Jüngerschaft“ zusammen. Züchtigen heißt, jemanden an einen Standard anzupassen. Und wenn ich über Gemeindezucht spreche, dann meine ich damit, dass wir Menschen mit Gottes Standard in Einklang bringen wollen. Das dient neben Gottes Ehre und dem Fortbestehen seines Reiches auch dem Wohl des Einzelnen. 

Züchtigung ist also ein gutes Wort. Es hat mit Erziehung zu tun, und so verwende auch ich es. Dieser Abschnitt hilft uns zu verstehen, dass es im Grunde zwei Arten gibt, wie Menschen durch Züchtigung erzogen werden. Und weil das ganze Kapitel eine Analogie auf die Kindhaftigkeit des Gläubigen ist, gilt das genauso für Kinder wie für jeden Gläubigen.

Jesus hält in Matthäus 18 einen Säugling im Arm, während er lehrt. Und mit diesem Kind als lebendigem Beispiel spricht er über sein Reich. Sein Hauptpunkt ist, dass die Menschen in seinem Reich wie Kinder sind. In den Versen 3 und 4 sagt er, dass sie wie Kinder sein müssen, um hineinzukommen. In den Versen 5 bis 9, dass sie wie Kinder beschützt werden sollen. In den Verse 10 bis 14, dass sie wie Kinder umsorgt werden müssen. In den Versen 15-20 schließlich sollen sie wie Kinder erzogen werden. Und dann erinnert er in den Versen 21-35 daran, dass ihnen wie Kindern vergeben werden soll.

Wir sind Kinder. Und Kinder müssen erzogen werden. Diese Erziehung kann auf zwei Arten stattfinden. Entweder durch die sogenannte positive Verstärkung oder durch negative Verstärkung. Positive Verstärkung bedeutet einfach: Wenn du das tust, bekommst du eine Belohnung. Das machen wir ständig bei unseren Kindern. Räum dein Zimmer auf, dann gehe ich mit dir zu McDonald's. Oder: Wenn du ein neues Fahrrad willst, dann musst du erst einmal deine Noten verbessern. Wir wenden bei unseren Kindern sowohl positive, als auch negative Verstärkung an.

Die Heilige Schrift warnt davor, dass du dein Kind verwöhnst, wenn du die Rute sparst. Darum ist es wichtig, dass du ihm die Konsequenzen seines Tuns oder Lassens aufzeigst. Und dasselbe Prinzip der Verstärkung gilt auch in Gottes Familie. In Gottes Wort sehen wir, dass Gott positive Verstärkung anwendet, indem er sagt: „Wenn du dies tust, werde ich dich segnen und dich belohnen. Und wenn du jenes tust, werde ich dein Leben mit Freude erfüllen und mit Frieden und allem, was man sich nur wünschen kann.“

Die negative Verstärkung lautet hingegen: Wenn du das nicht tust, dann wirst du gezüchtigt werden. Denn jeden Sohn, den der Herr liebt, züchtigt und straft er. Und so finden sich in der Schrift beide Arten der Verstärkung an unterschiedlichen Stellen. In diesem speziellen Text nun sagt unser Herr, wie wichtig die negative Verstärkung ist. Die Versammlung der Gläubigen ist dafür verantwortlich, Menschen, die sündigen, zur Ordnung zu rufen. Sie sollen diese durch bestimmte Konsequenzen dorthin zurückführen, wo Gott sie haben will.

Schon letzte Woche sprach ich darüber, dass die Gemeinde diesen Bereich oft vernachlässigt hat. Das heißt aber nicht, dass es nicht immer wieder Gemeinden gab, die sich damit beschäftigten, unter anderem auch unsere. Aber wir scheinen in der Minderheit zu sein. Das ist jedoch nichts Neues. Wenn man unserer Generation einen Gedanken vorstellt, wie den, den Jesus in dieser Passage äußert, dann sind die Leute schockiert. Sie sagen: „Ich kann doch Menschen nicht mit ihrer Sünde konfrontieren. Und ich kann auch nicht der ganzen Gemeinde sagen, dass sie Böses getan haben oder sie gar hinauswerfen. Schließlich möchte ich liebevoll und tolerant sein und das ist mit dieser Denkweise nicht möglich.“

Aber trotzdem ist das das Wort, das Christus zu seiner Gemeinde sprach. Doch die Gemeinde kann dieses Wort schon immer nur schwer akzeptieren. Ich las diese Woche die Schriften von Jonathan Edwards, der schon im 18. Jahrhundert eine Predigt hielt, in der er Folgendes sagte: „Wenn ihr sichtbare Bosheit unter euren Mitgliedern toleriert, entehrt ihr damit in hohem Maße Gott, unseren Herrn Jesus Christus, die Religion, zu der ihr euch bekennt, die Gemeinde im Allgemeinen und euch selbst im Besonderen. So wie die Mitglieder der Gemeinde, die Bosheit praktizieren, Schande über den ganzen Leib bringen, so tun dies auch diejenigen, die sie darin tolerieren.“

 

Er fährt fort: „Wenn strenge Züchtigung und damit strenge moralische Gesetze in der Gemeinde aufrechterhalten würden, wäre dies eines der wirksamsten Mittel, um diejenigen, die außerhalb stehen, zu überzeugen und zu bekehren.“ Und dann stellte er die entscheidende Frage: „Wie könnt ihr wahre Jünger Christi sein, wenn ihr diese klaren, positiven Gebote missachtet?“

Es ist also wirklich nichts Neues, wenn schon der große Kirchenmann des 18. Jahrhunderts, Jonathan Edwards, sich in seiner Gemeinde mit derselben Missachtung konfrontiert sah. Deshalb ist es eine grundlegend wichtige Aufgabe, sich in der Gemeinde des Herrn für ihre Reinheit und Heiligkeit einzusetzen.

Das gesamte Kapitel handelt davon, dass Gläubige wie Kinder sind. Und Kinder müssen in Bezug auf ihr Fehlverhalten durch Züchtigung, Regeln und Konsequenzen dazu gebracht werden, zu gehorchen. Das Gleiche gilt auch im geistlichen Bereich. Wenn du es versäumst, mit Sünde umzugehen, driftet nicht nur der Sünder immer weiter ab. Sondern gleichzeitig setzt du auch für andere einen Maßstab, nach dem sie glauben, denselben Weg der Sünde gehen zu können, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen.

Wenn du aber gegen die Sünde vorgehst, holst du nicht nur den Sünder zurück, sondern stellst auch das richtige Vorbild der Tugend wieder her. Weil die Gemeinde rein sein soll, muss Züchtigung stattfinden. In 5. Mose 13,12 schickte Gott sich an, das Volk Israel für seinen Ungehorsam gegenüber seinem Wort zu bestrafen und sagte: „Ganz Israel soll es hören und sich fürchten, damit niemand mehr eine solche böse Tat in deiner Mitte tut.“ Das bedeutet, dass du nur einige wenige bestrafen musst, damit die übrigen die Botschaft verstehen.

Letzte Woche stellte ich aus Matthäus 18 mehrere Elemente der Züchtigung vor. Das erste Element ist in Vers 17 der Ort der Züchtigung, nämlich ekklēsia, die Gemeinde. Das Wort wird dort zweimal verwendet, und zwar nicht in seiner technischen Bedeutung. Ekklēsia meint nicht die Baptistengemeinde oder presbyterianische Gemeinde oder irgendeine andere Denomination. Es meint nicht einmal die Gemeinde nach Pfingsten, wie wir sie kennen, sondern jede Art Versammlung von Gottes erlöstem Volk.

In unserem Fall spricht Jesus zu den Aposteln, die ihm in einem Haus in Kapernaum zu Füßen sitzen. Die Gemeinde in ihrer heutigen Form war noch nicht entstanden und würde erst nach seiner Auferstehung in ihrer offiziellen Form entstehen. Und trotzdem spricht er hier zu einer Versammlung des erlösten Volkes Gottes. Das ist der Kontext, in dem Züchtigung stattfinden soll. Und natürlich nimmt er dabei die Gemeinde vorweg, zu der wir heute gehören. Aber grundsätzlich muss immer dort, wo Gottes erlöstes Volk zusammenkommt, mit Sünde umgegangen werden.

Zweitens sehen wir am Ende von Vers 15 den Zweck der Züchtigung. Dort heißt es: „dann hast du deinen Bruder gewonnen.“ Die Absicht der Züchtigung ist nicht, Menschen auszuschließen, sondern sie dazubehalten. Letztes Mal sprach ich darüber, dass jemand, der in Sünde und Ungehorsam gegenüber Gott verfällt, der Gemeinschaft im Volk Gottes und dem Dienst verloren geht. Außerdem geht die Vertrautheit verloren. Darum wollen wir ihn zurückgewinnen, und das Wort dort ist ein wirtschaftlicher Begriff. Es hat damit zu tun, einen verlorenen Schatz wiederfinden zu wollen, weil er so viel wert ist, dass man über seinen Verlust sehr unglücklich ist.

Der Zweck der Züchtigung ist also, dass wir einen wertvollen Bruder zurückgewinnen wollen. Behalte das immer im Hinterkopf. Gemeindezucht dient nicht dazu, Menschen auszuschließen, sondern sie zurückzubringen. Drittens ging es letzte Woche darum, wer die Züchtigung ausübt. Es war der Ort, der Zweck und dann die Person. In Vers 15 steht dazu: „Wenn aber dein Bruder an dir gesündigt hat, so geh hin und weise ihn zurecht unter vier Augen. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder gewonnen.“ Das macht ziemlich deutlich, wer diese Person ist. Es sind du und ich. Es ist die Angelegenheit eines jeden von uns und nicht von einer geistlichen SS. Es gibt keinen Gemeinde-Geheimdienst. Sondern jeder Einzelne ist gemeint.

Jeder von uns sollte den sündigen Bruder aufsuchen, der sich von der Gemeinschaft des Volkes Gottes entfernt hat, um ihn wiederherzustellen und zurückzugewinnen. Das sollten wir alle füreinander tun. Die Voraussetzungen dafür nannte ich ebenfalls schon letztes Mal. Das wäre zunächst deine Bereitschaft, hinzugehen. Jesus sagt: „Geh hin und sage es ihm.“ Diese Aufforderung bedeutet, dass du handeln wollen musst.

Zweitens musst du für Gott brennen. David schrieb in Psalm 69,10: „Denn der Eifer um dein Haus hat mich verzehrt, und die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gekommen.“ David empfand Gottes Herrlichkeit so stark, dass es ihn schmerzte, wenn Gott verletzt wurde. Diese Art von Reaktion brauchen auch du und ich. Es muss dir weh tun, wenn Gott entehrt wird, weil dein Herz so eng mit Gottes Herzen verbunden ist.

Und das Dritte ist persönliche Heiligkeit. Wie Jesus in Matthäus 7 sagt, kannst du nicht den Splitter aus dem Auge eines anderen herausziehen, wenn du selbst einen Balken im eigenen Auge hast. Also brauchst du Bereitschaft, Eifer für Gott und persönliche Heiligkeit. Paulus fasst das in Galater 6,1 wunderbar zusammen, wenn er sagt: „Brüder, wenn auch ein Mensch von einer Übertretung übereilt würde, so helft ihr, die ihr geistlich seid, einem solchen im Geist der Sanftmut wieder zurecht“. Die Person, die die Züchtigung ausführen soll, bist also du und ich. Wir alle müssen uns daran beteiligen. In den letzten Tagen dachte ich oft darüber nach, dass es wunderbar wäre, wenn die ganze Gemeinde Gottes sich voll und ganz für die Wiederherstellung jedes sündigen Bruders und jeder sündigen Schwester einsetzen würde. Damit wären wir „Diener der Heiligkeit“.

Wir haben für alles Mögliche Diener. Und jeder möchte darin geschult werden, zu lehren, zu predigen, Jünger zu machen, zu evangelisieren und so weiter. Aber wo sind die Diener der Heiligkeit, die sich für die Reinheit der Gemeinde einsetzen?

Das bringt mich nun zu einem vierten Punkt, den wir uns heute anschauen wollen, nämlich dem Anlass der Züchtigung. Was führt zur Züchtigung? Woher weißt du, wann du jemanden ansprechen sollst?

Vers 15 beginnt mit dem Wort „aber“: „Wenn aber“. Das bedeutet im Grunde „jetzt“. Bisher haben wir gehört, was über die Fürsorge und den Schutz des Volkes Gottes gesagt wurde und dass sie wie Kinder sind und geschützt werden müssen. Sie müssen versorgt werden und wenn sie abhauen, müssen sie gesucht werden. Das zeigen die Verse 12-14, wo der gute Hirte das verlorene Schaf sucht. Und nach all dem wird es jetzt ganz konkret. Was machst du, wenn dein Bruder gegen dich sündigt?

Schau dir an, was hier über den Anlass steht. „Wenn dein Bruder sündigt“, hamartanō, das ist das grundlegende Wort für Sünde im Neuen Testament. Es bedeutet „das Ziel verfehlen“. Gott legt das Ziel fest, und die Menschen verfehlen es. Es bedeutet, sein Gesetz zu übertreten. Vom Wort hamartanō leiten wir unser theologisches Wort Hamartiologie ab. Hamartiologie ist die Lehre von der Sünde. Vollständig heißt es in dem Vers: „Wenn dein Bruder sündigt, geh zu ihm und weise ihn zurecht.“

Das bringt uns zu der heutigen Frage: Welche Sünde erfordert Züchtigung? Welche Sünden müssen korrigiert werden? Und die Antwort ist: alle. Deshalb ist der Text so allgemein gehalten. Es gibt keine guten oder schlechten Sünden. Es gibt auch keine „Sünden-mess-Skala“ von leicht bis schwer. Sondern Sünde ist immer das Gegenteil von der vollkommenen Heiligkeit Gottes. Sie befleckt die Gemeinschaft mit ihm und beeinträchtigt sie. Deshalb ist jede Sünde eine Sünde, die korrigiert werden muss. Das heißt, dass der Prozess sofort in Gang gesetzt wird, sobald ein Mitglied der christlichen Gemeinschaft in irgendeiner Weise gegen Gottes Maßstäbe verstößt. Gott will, dass jede Sünde konfrontiert wird, und zwar sofort. Denn ihm geht es darum, die Heiligkeit zu bewahren.

Nun schauen wir uns diesen Text noch genauer an. Es heißt: „Wenn aber dein Bruder an dir gesündigt hat“. Dieses „an dir“ oder „gegen dich“ ist ein sehr interessanter Einschub. Einige Manuskripte haben ihn, andere nicht. Es herrscht keine Einigkeit darüber, ob er rein gehört oder nicht. Ich habe mich diese Woche viel damit beschäftigt, aber letztlich kam ich zu dem Schluss, dass das niemand weiß. In einigen alten Manuskripten, die wirklich zuverlässig sind, ist er drin, in anderen, die genauso zuverlässig sind, nicht.

Es ist also selbst anhand der sogenannten Textkritik, mit der wir Texte analysieren, nicht möglich, zu sagen, ob er dazugehört oder nicht. Ich selbst denke, dass es gut ist, ihn drin zu behalten. Denn wenn du dir Vers 21 anschaust, siehst du, dass es genau darum geht, wie oft ich meinem Bruder vergeben soll, der „gegen mich sündigt“. Und in diesem Fall gibt es keine Unstimmigkeiten mit den Manuskripten. Deshalb gehe ich davon aus, dass Petrus in seiner Frage das „gegen mich“ von Jesus übernommen hat, der es zuvor so formuliert hatte.

In Lukas 17,3 spricht unser Herr über dasselbe Thema. Dort heißt es ebenfalls: „Habt acht auf euch selbst! Wenn aber dein Bruder gegen dich sündigt, so weise ihn zurecht; und wenn es ihn reut, vergib ihm.“ Hier zitiert Lukas Jesus. Und dieser sagt „gegen dich sündigt“. Deshalb denke ich, dass es auch in den Text von Matthäus 18 rein gehört.

Für manche Leute ist das ein Problem. Sie verstehen es so, dass dann nur der, gegen den diese Person gesündigt hat, dafür verantwortlich sei, ihr nachzugehen. Verstehst du? Das „an dir“ oder „gegen dich“ heißt für sie, dass du nur für jemanden verantwortlich bist, wenn er gegen dich gesündigt hat.

Und damit haben sie sogar recht. Wenn er nicht gegen dich gesündigt hat, dann bist du nicht verantwortlich. Aber bei alldem musst du beachten, dass es zwei Arten gibt, wie gegen dich gesündigt werden kann: direkt und indirekt. Kommen wir zuerst zur direkten Art. Eine direkte Art, wie dir Unrecht getan werden kann, wäre, wenn jemand dir auf die Nase schlagen würde, weil er sauer auf dich ist. Wenn jemand dich bestiehlt. Wenn jemand dich betrügt. Wenn jemand dich anlügt. Wenn jemand dich missbraucht. Wenn jemand dich verleumdet. Wenn jemand ein unmoralisches Verbrechen gegen dich begeht und dir deine Reinheit nimmt. Das sind Sünden, die direkt gegen dich gerichtet sind.

Und der Text sagt, wenn jemand auf diese Weise gegen dich sündigt, geh zu ihm. Sprich mit ihm, um deinen Bruder zu gewinnen. Es geht nicht darum, dass du hingehst und sagst: „Du Dreckskerl, ich will dir sagen, was du mir angetan hast. Und sei sicher, dass ich nicht eher ruhen werde, bis ich es dir heimgezahlt habe.“ Das ist nicht damit gemeint. Sondern wenn dir von deinem Bruder Unrecht getan wird, wenn du betrogen, belogen, verleumdet oder missbraucht wirst, dann tust du als Christ Folgendes: Du gehst zu ihm und sagst ihm, was er falsch gemacht hat. Du bringst ihn dazu, zu bekennen und Buße zu tun, damit du ihn als Bruder in Jesus Christus zurückgewinnen kannst. Das ist ein wunderbarer Gedanke.

Denn damit zeigst du eine großmütige Herzenshaltung, die sagt: „Du hast zwar gegen mich gesündigt, aber das ist nicht das Problem. Das Problem ist, dass ich dich als meinen Bruder verloren habe. Und mein Herz sehnt sich danach, dich als solchen wiederherzustellen.“ Das wird den anderen umhauen, der doch damit rechnet, dass du bitter bist und auf deine Vergeltung wartet.

Denn wir neigen ja wirklich dazu, jemanden, der uns auf irgendeine Weise direkt verletzt oder eine Tat begeht, die Gott ungehorsam ist, auf unsere Feindes-Liste zu setzen, nicht wahr?  Und wir lassen Bitterkeit, Groll und Wut in unseren Herzen wachsen. Doch Jesus sagt: „Wenn dir Unrecht getan wird, geh in einer Haltung der Vergebung hin und gewinne deinen Bruder zurück.“ Und wenn du die Passage bei Lukas anschaust, dann siehst du genau das: „Geh zu ihm, weise ihn zurecht, und wenn er Buße tut, vergib ihm.“ Das ist wunderbar.

Wie viele Leute fallen dir ein, auf die du wütend bist und mit denen du einfach nicht redest? Du willst nichts mehr mit ihnen zu tun haben und rümpfst jedes Mal die Nase, wenn das Gespräch auf sie kommt. Du bist wütend und verbittert, weil sie dir etwas angetan haben. Dazu hat Epheser 4,32 etwas zu sagen: „Vergebt einander, gleichwie auch Gott euch vergeben hat in Christus.“ Wer glaubst du, dass du bist, dass du Groll hegst, obwohl Gott dir so viel vergeben hat? Also geh hin, konfrontiere deinen Bruder und versuche, ihn zurückzugewinnen.

Aber was ist mit den indirekten Sünden? Nicht alle Sünden gegen dich sind direkt gegen dich gerichtet. Sie können genauso gut indirekt gegen dich gerichtet sein. Es ist so wichtig, zu verstehen, dass jede Sünde, die in der Versammlung von Gottes Volk geschieht, sich gegen jedes Mitglied von Gottes Volk richtet, weil sie uns alle befleckt.

Ich erinnere mich, wie Sam Erickson einmal zu mir sagte, bevor er zur Christian Legal Society in Washington ging: „Ich bin echt schockiert. Ich habe einen Anwaltskollegen aus Los Angeles eingeladen, mit mir in die Gemeinde zu kommen. Und er fragte mich: In welche Gemeinde gehst du? Und ich antwortete: Zur Grace Community Church. Da meinte er: Oh, die kenne ich. Da geht der korrupteste Anwalt der Stadt hin. Da würde ich nicht hingehen.“

Nun hat dieser korrupte Anwalt Sam nicht direkt Unrecht getan. Aber er hatte einen Einfluss auf ihn und auf mich und auf unsere ganze Gemeinde. Wir alle waren davon beeinflusst, dass unter uns ein Anwalt war, der ein gottloses Leben führte und behauptete, er ginge zur Grace Community Church. Das befleckte den ganzen Leib Christi. Ich erinnere mich, dass ich am nächsten Sonntag vorne stand, diese Geschichte erzählte und sagte: „Ich weiß nicht, wer du bist. Aber ich wünsche mir, dass du entweder dein Leben in Ordnung bringst oder gehst, denn du bist kein gutes Zeugnis für unsere Gemeinde.“

Wenn jemand sündigt, ist er für unsere Gemeinschaft verloren. Und das betrifft uns alle. Wenn jemand ein ungehorsames Leben führt, bringt er Schande über Christus. Und weil wir Christi Leib sind, tragen wir seine Schande. Darum ist indirekt all diese Sünde gegen uns gerichtet. Sobald du also von einer Sünde weißt, ist sie gegen dich gerichtet, weil du bereit bist, eifrig für die Heiligkeit von Gottes Namen und seine Herrlichkeit einzustehen.

Andersherum betrachtet kann man auch die Frage stellen, ob wir keine Verantwortung haben, wenn ein Bruder außerhalb der Gemeinde einen Ungläubigen anlügt? Oder zu einer Prostituierten geht? Oder jemanden verleumdet oder misshandelt? Denn wenn wir uns darauf beschränken würden, nur auf den zu reagieren, der direkt gegen uns sündigt, dann könnten Geschwister außerhalb der Gemeinde gegen Menschen der Welt sündigen, und niemand würde sie damit konfrontieren. Und das macht keinen Sinn.

Der Punkt ist, dass jede Sünde eine Sünde ist, die die Gemeinschaft befleckt, egal ob direkt oder indirekt. In seinen Briefen fasst Paulus das zweimal sehr gut zusammen. Einmal in 1. Korinther 5 und einmal in Galater 5, wo es heißt: „Ein wenig Sauerteig durchsäuert den ganzen Teig.“ Man kann Sünde nicht begrenzen, weil es ihr Wesen ist, sich auszubreiten. Sauerteig ist in der Bibel immer ein Symbol für Beeinflussung. Deshalb mussten die Israeliten auch ungesäuertes Brot aus Ägypten mitnehmen. Sie sollten nicht den Sauerteig aus dem letzten Teig mitnehmen, den sie in Ägypten gebacken hatten. Sie sollten aus Ägypten keine Überreste mitnehmen, die ihr neues Leben beeinflussen könnten, sondern die Verbindung vollständig kappen. Es war vorbei. Sie sollten ungesäuertes Brot mitnehmen, das nichts von der Vergangenheit in sich trug. Analog zum Bild des Sauerteigs beeinflusst also selbst eine kleine Sünde alle.

Deshalb sind wir dazu aufgerufen, jede Sünde zu ahnden. In unserer Gemeinde mussten wir schon ein paar Mal Maßnahmen zur Gemeindezucht ergreifen. Ich denke dabei an Irrlehren, mit denen wir uns auseinandersetzen mussten. Oder an Unmoral, Ehebruch, Unzucht, Homosexualität, Scheidung, Unehrlichkeit, mangelnde Unterordnung, Grausamkeit, Spaltung, Klatsch, Gotteslästerung, Verleumdung, Obszönität und vermutlich noch mehr. Jede Sünde, die Gottes Ehre und die Reinheit der Gemeinschaft betrifft, die betrifft dich. Deshalb solltest du, sobald du davon weißt, den Prozess in Gang setzen.

Das bringt uns zu Punkt fünf, dem Prozess der Züchtigung. Wie züchtigst du? Du weißt, dass es in Gottes erlöster Gemeinde durchgeführt werden soll. Du weißt, dass du die Person bist. Du weißt, dass es das Ziel ist, deinen Bruder zurückzugewinnen. Du weißt, dass jede Sünde so geahndet werden muss. Und wie gehst du nun genau vor? Dazu gebe ich dir vier Schritte, die hier sehr klar umrissen und beschrieben sind.

Schritt eins steht in Vers 15: „Geh hin und weise ihn zurecht unter vier Augen.“ Das ist doch ganz einfach, oder? Geh hin und weise ihn auf seine Sünde hin. „Geh hin“ ist der Imperativ Präsens. Mach dich auf den Weg. Leg los. Die Idee des Imperativ Präsens ist, dass du weitergehst und diese Sache verfolgst. Lass dich nicht ablenken. Verfolge sie. Und dann heißt es: „weise ihn zurecht“, und das ist ein Aorist-Imperativ. Er beinhaltet die Idee, deinen Standpunkt klar zu machen, überzeugend zu sein, den Punkt rüberzubringen.

Das Verb elenchō bedeutet „ans Licht bringen“. Mit anderen Worten: Bleib dran, bis er es wirklich sieht. Du gehst nicht einfach hin und sagst: „Hey, ich habe dich schon eine Weile nicht mehr in der Gemeinde gesehen und mich gefragt, ob du dich vielleicht von der Gemeinde entfernst?“ Und das war es dann. Nein, sondern geh hin, konfrontiere ihn klar und deutlich, bringe die Sünde ans Licht und hilf ihm, diese Sünde zu erkennen. Lege sie offen. Das ist die Idee dieses Aorist-Imperativs. Zeige sie ihm so, dass er ihr nicht entkommen kann. Nimm dir dazu die Zeit, die notwendig ist und gib dir Mühe. Sünde anzusprechen ist eine schwierige und heikle Aufgabe. Es ist schwierig mit Menschen, die du kennst, weil sie dich auch kennen. Wenn du zu ihnen gehst und anfängst, über ihre Sünde zu sprechen, drehen sie vielleicht den Spieß um und konfrontieren dich mit deiner eigenen Sünde.

Aber es ist ebenso schwierig mit Leuten, die du nicht kennst, weil du dir denkst: Wer bin ich, dass ich das tun sollte? Ich kenne ihn doch gar nicht. So neigen wir dazu, vor Leuten, die wir kennen, Angst zu haben. Und fremden Leuten gegenüber neigen wir dazu, gleichgültig zu sein. Trotzdem gab uns Jesus diese Verantwortung. Und weißt du, was passiert, wenn du sie übernimmst und in der richtigen Einstellung ausführst? Dann verbinden sich zwei Seelen auf wunderbare Weise.

Und wieder kommen wir zu Galater 6,1 zurück. Dort zeigt Paulus die richtige Einstellung auf. „Wenn auch ein Mensch von einer Übertretung übereilt würde, so helft ihr, die ihr geistlich seid, einem solchen im Geist der Sanftmut wieder zurecht; und gib dabei acht auf dich selbst, dass du nicht auch versucht wirst!“ Paulus nennt hier zunächst Sanftmut. Du gehst demütig vor, weil du erkannt hast, dass es auch dich treffen könnte. Auch du könntest in Versuchung geraten. Dann sagt er, dass du damit, dass du in Sanftmut vorgehst und seine Last trägst, das Gesetz Christi erfüllst. Und was ist dieses Gesetz Christi? Es ist das königliche Gesetz, das Gesetz der Freiheit und der Liebe.

Die richtige Einstellung ist daher, in Sanftmut und Liebe hinzugehen, mit dem Wunsch, dem anderen zu helfen, die Last zu tragen. Du gehst nicht zu ihm in einer belehrenden Haltung oder auf fromme, selbstgerechte Weise. Du gehst nicht voller Selbstzufriedenheit. Du gehst auch nicht aus Bosheit oder Rache. Sondern du sorgst dich um ihn und gehst liebevoll und demütig zu ihm, um ihn zurückzuholen und wiederherzustellen.

Und zunächst soll es ein Gespräch unter vier Augen sein. Nur du und er, von Angesicht zu Angesicht. Weil du deinen verlorenen Bruder zurückgewinnen willst, gehst du alleine zu ihm. Denn weißt du, wie wir normalerweise sind? Sobald wir von der Sünde von jemandem hören, erzählen wir es allen: „Hast du schon von Bruder XY gehört?“ Und der andere sagt dann: „Oh, das ist so traurig. Lass uns für ihn beten.“ Und schon verbreitet sich die Nachricht.

So machen wir es nicht! Sondern wenn du von einer Sünde erfährst, geh zu der Person und sprich unter vier Augen mit ihr. Das könnte schon ausreichen. Denn wenn du zuerst mit anderen darüber redest, könnte das in Zukunft eine sinnvolle Beziehung zu dieser Person verhindern, selbst wenn sie zurückkäme. Andererseits kann ich dir versprechen: Wenn du zu dieser Person gehst, ohne jemand anderem etwas zu sagen, und sie in Liebe und Demut unter vier Augen mit ihrer Sünde konfrontierst, und diese Person bereut, dann werdet ihr eine innige Verbindung haben, die nichts jemals zerstören kann. Dann hast du deinen Bruder wirklich wiederhergestellt und das ist eine wunderbare Sache.

Die Geheimhaltung sorgt also dafür, dass die innige Vertrautheit im Leib Christi beschützt wird. Und darum sagt Gott nicht, dass man es von den Dächern rufen soll. Sondern du sollst es zwischen euch beiden behalten, weil du die menschliche Natur kennst und weißt, dass wir alle Sünder sind. So baust du in dieser Eins-zu-eins-Beziehung eine tiefe Verbindung und Rechenschaftsverpflichtung auf. Das ist der richtige Weg: eins zu eins, unter vier Augen. Vielleicht ist das nicht immer möglich und jemand anders hört zu. Aber trotzdem sollte es eins zu eins sein.

Und dein Ziel ist das, was Vers 15 sagt: Du möchtest deinen Bruder gewinnen. Frag dich selbst: Wann hast du das letzte Mal jemanden, der gesündigt hat, unter vier Augen angesprochen, ohne jemand anderem davon zu erzählen, als du davon erfahren hast? Das ist so wichtig, denn Gerüchte verbreiten sich so schnell. Und dann kursieren alle möglichen Meinungen über das, was im Leben eines Menschen vor sich geht, obwohl es vielleicht in einem Gespräch unter vier Augen hätte verhindert werden können.

Wir kommen gleich noch darauf zu sprechen, was passiert, wenn sich der Andere weigert, zuzuhören. Deine Verantwortung ist, hinzugehen. Für diesen ersten Schritt der Züchtigung gibt es ein perfektes neutestamentliches Beispiel. Petrus kam nach Antiochia und sündigte, indem er sich von der Versammlung des Volkes Gottes absonderte, weil er die aus der Beschneidung fürchtete.

Darum berichtet Paulus in Galater 2,11: „Als aber Petrus nach Antiochia kam, widerstand ich ihm ins Angesicht, denn er war im Unrecht.“ Hat Petrus darauf reagiert? Ja, das hat er, sogar so sehr, dass er ihn in 2. Petrus 3,15 „unser geliebter Bruder Paulus“ nennt.

Damit drückt er zum einen aus, dass Paulus sein geliebter Bruder war. Vermutlich kam es zu dieser innigen Verbindung, weil Paulus bereit war, ihn mit seiner Sünde zu konfrontieren. Er liebte ihn genug, um sich um ihn zu kümmern. Und so entstand zwischen diesen beiden Männern eine wunderbare vertraute Bindung. Wenn du also jemanden unter vier Augen konfrontierst, wachsen eure Herzen zusammen.

Aber was, wenn sich der Andere weigert, zuzuhören? Vers 16 sagt, dass du dann zu Schritt zwei übergehst: „Hört er aber nicht, so nimm noch einen oder zwei mit dir, damit jede Sache auf der Aussage von zwei oder drei Zeugen beruht.“ Natürlich wussten die Juden genau, dass Gott dieses Gesetz in 5. Mose 19,15 festgelegt hatte. Jede Sache sollte „auf der Aussage von zwei oder drei Zeugen“ beruhen. Dies sollte dem Schutz dienen, damit niemand unbestätigte verleumderische Informationen über andere weitergab.

 

Es kann sein, dass der Andere sich im ersten Schritt eindeutig weigert, sich überführen zu lassen. Wenn damit, wie Lenski sagt, „der Teufel in die Grube der Unbußfertigkeit gestürzt ist“, machst du den zweiten Schritt und nimmst noch ein oder zwei weitere Personen mit. Dadurch steigt der Druck. Alle haben dasselbe Ziel vor Augen, nämlich euren Bruder zurückzugewinnen. Du willst, dass er seine Sünde wirklich versteht und legst sie ihm noch einmal so dar, dass es ganz klar und offensichtlich ist. Dadurch könnte es zu einem echten Bekenntnis, zu echter Buße und Wiederherstellung kommen. Das ist der zweite Angriff im Kampf um diesen abtrünnigen Bruder oder diese abtrünnige Schwester.

Doch warum sollst du noch einen oder zwei mitnehmen? Gründe dafür sind, dass es die Herangehensweise verstärkt und die fürsorgliche Anteilnahme und Liebe vervielfältigt. Aber es gibt noch einen weiteren Grund, der darüber hinausgeht: Durch die Aussage der zwei oder drei Zeugen wird jedes Wort bestätigt. Das ist der Zweck dieses Vorgehens. Es geht nicht um ein oder zwei weitere Leute, die die Sünde gesehen oder von der Sünde gewusst haben. Sondern sie fungieren als Zeugen der Konfrontation, die hinterher bestätigen können, was gesprochen wurde.

Sie bieten damit ebenso sehr einen Schutz für denjenigen, der angesprochen wird, wie für denjenigen, der anspricht. So soll verhindert werden, dass jemand voreingenommen ist und nach dem Gespräch sagt: „Nun, ich habe versucht, ihn zu konfrontieren, aber er zeigt keine Reue und sein Herz ist verhärtet.“ Keine Person kann diese endgültige Entscheidung alleine treffen. Vor allem nicht jemand, der vielleicht selbst Opfer der Sünde des anderen wurde und verbittert ist. Um dich davor zu schützen, nimmst du ein oder zwei andere Personen mit, die die zweite Konfrontation miterleben. Und diese können hinterher entweder berichten: Ja, es gab ein reuevolles Herz; ja, es gab ein bekennendes Herz; ja, es gab ein Herz, das sich von der Sünde abgewandt hat; oder nein, das gab es nicht. Mit diesen beiden Zeugen an der Seite kannst du den zweiten Schritt gehen. Denn sie können alles bestätigen und du stehst mit deiner Aussage nicht alleine da.

Es geht also nicht darum, dass zwei oder drei die Sünde an sich bezeugen. Sondern es geht darum, dass zwei oder drei als Gruppe zu ihm hingehen und bezeugen können, was er gesagt hat. Sollte er später nämlich einmal bestreiten, dies oder jenes gesagt zu haben, dann können sie bestätigen, dass es tatsächlich so war, weil sie es selbst gehört haben. Gott möchte, dass die zwei oder drei Zeugen sich anhand dieses Vorgehens Gewissheit über die Einstellung des sündigen Bruders verschaffen. Und dann sollen sie entweder dessen Bußfertigkeit oder Unbußfertigkeit bestätigen.

Das ist Gott wichtig, weil er nicht möchte, dass falsche Berichte über sein Volk verbreitet werden. Er will nicht, dass gesagt wird, sie wären nicht bußfertig, wenn sie es doch sind. Er will auch nicht, dass gesagt wird, sie wären bußfertig, wenn sie es nicht sind. Und davor schützen die zwei oder drei Zeugen. Diese Gruppe deckt seine Sünde erneut auf und bittet ihn, Buße zu tun, sich davon abzuwenden und zurückzukommen. Die Hoffnung ist, dass der sündige Bruder darauf reagiert. Und wenn er es nicht tut, melden sie es der Gemeinde. Er könnte sich nicht dagegen wehren, weil es durch zwei oder drei Zeugen bestätigt wird.

Auch für dieses Prinzip gibt es im Neuen Testament ein Beispiel, und zwar in 2. Korinther 13. Das ist eine etwas schwerer zu übersetzende Stelle. Paulus schreibt hier an die Korinther: „Dies ist das dritte Mal, dass ich zu euch komme. ›Durch zweier oder dreier Zeugen Mund soll jede Sache bestätigt werden!‹“ Die Erwähnung des Prinzips aus 5. Mose 19,15 zeigt uns, dass es hier um eine Situation geht, in der er Züchtigung vornimmt. Weiter schreibt er: „Ich habe es im Voraus gesagt und sage es im Voraus; wie bei meiner zweiten Anwesenheit, so schreibe ich auch jetzt in meiner Abwesenheit denen, die zuvor gesündigt haben, und allen übrigen, dass ich nicht schonen werde, wenn ich nochmals komme.“

Was er damit meint, ist folgendes: Er hatte es den Sündern in der Gemeinde von Korinth schon einmal und dann noch ein zweites Mal gesagt. Und es wurde durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen bestätigt. Wenn er nun kommen würde und sie immer noch nicht Buße getan hätten, würde er nicht auf die Züchtigung verzichten. Deshalb fordert er sie auf, auf seine zweite Mahnung wegen ihrer Sünde zu reagieren. Es ist sehr hilfreich, dass uns das Neue Testament dieses Beispiel für das Prinzip gibt. Doch was passiert, wenn ein Bruder in Sünde nicht auf die zwei oder drei hört, die zu ihm kommen?

In Matthäus 18,17 heißt es dazu: „Hört er aber auf diese nicht, so sage es der Gemeinde.“ Sag es der ganzen Gemeinde. Das kann eine öffentliche Verkündigung vor allen bedeuten. Es kann bedeuten, dass man einer Auswahl von Leuten sagt, die die Gemeinde repräsentieren. Wenn man es der Gemeinde sagt, sind sicherlich inzwischen auch die Gemeindeleiter in gewissem Maße involviert, weil die Zeugen davon berichtet haben.

Doch egal, wie man es macht, es soll bekannt werden, dass diese Person sündigt und nicht bereit ist, umzukehren. Dabei ist die Absicht entscheidend. Manchmal verbreiten es die Leiter über die Gruppen. So machen wir es hier. Manchmal sagen wir es vielleicht beim Abendmahlsgottesdienst. Manchmal wird es in einer Klasse, einer Gemeinschaft oder einer Bibelstunde verkündet, wo die Person bekannt ist. Dabei lautet die Aussage: Unser Bruder sündigt und ist für uns verloren. Und die Absicht hinter diesem Vorgehen ist immer noch die Wiederherstellung.

Denn nun soll die ganze Gemeinde ihm nachgehen. Eine Person war zu ihm gekommen, und er zeigte keine Reaktion. Dann kamen zwei oder drei und er zeigte immer noch keine Reaktion. Und jetzt gehen alle und überhäufen ihn einfach. Wäre das nicht wunderbar? Weißt du, wie oft im Leben einer Gemeinde Menschen einfach abwandern? Ich habe über die letzten Jahre nachgedacht und mein Herz geprüft: Wie viele Menschen kenne ich, die sich wegen ihrer Sünde entfernt haben? Wie viele habe ich verloren, weil ich Schritt eins nicht weiterverfolgte? Vielleicht bin ich Schritt eins gegangen und war dann der Ansicht: „Die werden sowieso nicht Buße tun.“ Manchmal ging ich vielleicht sogar den zweiten Schritt. Doch dann habe ich es einfach gut sein lassen.

Es hilft auch nicht, wenn Leute schulterzuckend sagen: „Nun ist er weg. Na ja, er war sowieso nie eine große Hilfe.“ Der Punkt ist, wenn ein Bruder in die Sünde abdriftet, dann gehst du hin. Du darfst das nicht einfach zulassen. Wenn er nicht mehr kommt, oder du weißt, dass etwas in seinem Leben nicht stimmt, gehst du hin. Dann nimmst du jemanden mit und zuletzt sagst du allen, dass sie mitkommen sollen. Die Idee dahinter ist, dass wir uns dann alle um die Person scharen, die in Sünde verharrt und ihr das Leben schwer machen. Wir gehen sanftmütig und mit Liebe vor und rufen sie aus der Sünde zurück in die Gemeinschaft.

Übrigens wird hier für Älteste und Pastoren kein Unterschied gemacht. In 1. Timotheus 5,19-20 schreibt Paulus an Timotheus, dass Älteste genauso diszipliniert werden sollen. Jede Anschuldigung gegen sie soll durch „zwei oder drei Zeugen“ bestätigt werden. Wenn sie sündigen und dabei bleiben, sollen sie ebenso vor allen anderen zurechtgewiesen werden. Das soll dazu führen, dass sich diese fürchten und nicht dem gleichen Sündenmuster folgen, weil sie die öffentlichen Konsequenzen kennen.

Ich weiß nicht, ob unsere Gemeinde überhaupt im Sinn hat, diesen Prozess der Wiederherstellung zu verfolgen. Neulich bekannte ich jemandem, den der Herr mir nach vielen Jahren wieder über den Weg geschickt hatte: „Ich habe dich im Stich gelassen, weil ich dir nicht nachgegangen bin. Ich habe dich gehen lassen. Und damit, dass ich dich im Stich gelassen habe, habe ich auch den Herrn im Stich gelassen.“

Diese Art der Züchtigung ist nicht die Aufgabe einer einzelnen Person. Wir haben niemanden, der speziell dafür zuständig ist. Ich weiß von einer einzigen Gemeinde, dass sie jemanden hatte, der dafür zuständig war, und es war eine Katastrophe. Darf ich ihn dir vorstellen? Sein Name ist Diotrephes. Johannes schrieb in seinem dritten Brief über ihn: „Ich habe der Gemeinde geschrieben; aber Diotrephes, der unter ihnen der Erste sein möchte, nimmt uns nicht an.“ Dieser Typ hatte ein unglaubliches Ego. Er konnte oder wollte nicht einmal den Apostel Johannes aufnehmen, weil er von ihm eingeschüchtert war.

„Darum will ich ihm, wenn ich komme, seine Werke vorhalten, die er tut, indem er uns mit bösen Worten verleumdet; und damit nicht genug, er selbst nimmt die Brüder nicht auf und verwehrt es auch denen, die es tun wollen, und stößt sie aus der Gemeinde hinaus.“ Hier ist ein Typ, der aus eigenem Antrieb Leute aus der Gemeinde rauswirft. Aber es ist nicht die Aufgabe eines einzelnen Mannes, das zu entscheiden. Wenn wir jemals jemanden aus der Gemeinde ausschließen müssen, dann nicht, weil eine Person zu ihm gegangen ist und er nicht bereut hat. Es ist auch nicht, weil zwei oder drei zu ihm gegangen sind und er nicht bereut hat. Es ist, weil alle zu ihm gegangen sind und er nicht bereut hat. Niemand darf das alleine entscheiden. Wir alle versuchen, diese Person wieder einzubinden, und wenn sie immer noch nicht reagiert, dann wird der Prozess wirksam. Wir schließen erst dann jemanden aus der Gemeinde aus, wenn die gesamte Gemeinde bei ihm war.

Auch für diese dritte Stufe der Züchtigung gibt uns das Neue Testament ein Beispiel. In 2. Korinther 2,5 steht Folgendes: „Hat aber jemand Betrübnis verursacht, so hat er nicht mich betrübt, sondern zum Teil – damit ich nicht zu viel sage – euch alle.“ Paulus sagt hier, dass die Sünde nicht nur ihn betrifft, sondern sie alle. Und das bringt uns wieder zu unserem Punkt zurück, dass an uns auch indirekt gesündigt werden kann.

Jede Sünde betrifft den ganzen Leib Christi. Paulus geht davon aus, dass sich nun die ganze Gemeinde dessen bewusst ist und sich darüber Gedanken macht. In Vers 6 sagt er weiter: „Für den Betreffenden sei die Bestrafung vonseiten der Mehrheit genug“. Vermutlich war die ganze Gemeinde übereingekommen, dass dieser gesündigt hatte. Sie hatten ihn zur Rede gestellt und er tat Buße.

Deshalb sagt Paulus in Vers 7: „Sodass ihr ihm nun im Gegenteil besser Vergebung und Trost gewährt, damit der Betreffende nicht in übermäßiger Traurigkeit versinkt. Darum ermahne ich euch, Liebe gegen ihn walten zu lassen.“

Das wäre also so ein Fall, in dem schon die ganze Gemeinde in den dritten Schritt involviert war. Und offenbar hat der Mann darauf reagiert, weil Paulus nun sagt: „Jetzt, wo er reagiert hat, lasst ihn nicht draußen stehen. Haltet ihn nicht auf Distanz und schüchtert ihn nicht ein wegen dem, was er getan hat. Nehmt ihn wieder auf, vergebt ihm und liebt ihn.“

So sollte die Gemeinde vorgehen. Vielleicht fragst du dich, wie lange man das machen muss. Darauf kann ich dir keine genaue Antwort geben. Wahrscheinlich so lange, bis man merkt, dass er sich immer mehr verhärtet. Manchmal hält der Andere unerbittlich an seiner Sünde fest und möchte einfach nicht damit aufhören. Und manchmal sieht man, wie sie weicher werden. Deshalb glaube ich, dass der Geist Gottes dir eine Art subjektive Weisheit geben muss. Er muss dir helfen, zu erkennen, wann es Zeit ist, mit dem Nachgehen aufzuhören, wenn der Andere einfach nicht reagiert. Und weil Gott eine Reaktion möchte, ist das normalerweise eine kürzere Zeitspanne, als wir glauben.

Was geschieht, wenn er nicht reagiert? Schau dir noch mal Vers 17 an, wo es heißt: „Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht –“ Dieser Satz steht nach Schritt eins, nach Schritt zwei und nach Schritt drei. Machen wir das als Gemeinde? Kennst du jemanden, dem du nachgehen musst? Wenn du davon weißt, solltest du gehen. Vielleicht schreibst du einfach eine Karte. Vielleicht schickst du ihm eine Nachricht. Vielleicht siehst du ihn persönlich und bist mutig genug, ihn anzusprechen.

Aber was, wenn er auf die ganze Gemeinde nicht reagiert? Dann heißt es in Schritt vier: „so sei er für dich wie ein Heide und ein Zöllner.“ Vielleicht denkst du jetzt insgeheim, dass das Neue Testament wirklich kein gutes Haar an den Zöllnern lässt. Und in gewisser Weise stimmt das auch. In Israel gab es das Bundesvolk. Und ein Heide war im Grunde genommen jemand, der außerhalb des Bundes stand. Es war nicht so, dass man ihn nicht aufnehmen wollte. Aber wenn er nicht aufgenommen wurde, blieb er einfach draußen und konnte keinen Umgang mit ihnen haben. Er konnte sich nicht mit ihnen versammeln oder beten, weil er einfach nicht zu ihnen gehörte. Er war ein Heide und damit ausgestoßen.

Aber die andere Art von Ausgestoßenen war in vielerlei Hinsicht vielleicht sogar noch schlimmer. Das waren die Juden, die sich an die römische Regierung verkauft hatten, um Steuern von ihrem eigenen Volk zu erheben. Sie waren deshalb nicht von Geburt an Ausgestoßene wie die Heiden, sondern Ausgestoßene aus eigener Entscheidung. Ein Zöllner war zum Feind übergelaufen. Wenn man also zur Zeit Jesu Christi von einem Heiden und einem Zöllner sprach, verstanden die Menschen, dass damit jene gemeint waren, die außerhalb der Gemeinschaft, außerhalb der Synagoge, außerhalb des Bundes standen. Und genau das wollte Jesus damit sagen. Nicht, dass man sich nicht um diese Menschen kümmern sollte. Matthäus, der diese Passage in seinem Evangelium niederschrieb, war schließlich selber ein Zöllner gewesen. Jesus sah es als seine Aufgabe, Zöllner und Sünder zu retten.

Erinnere dich nur an die wunderbare Geschichte von Zachäus. Es geht also nicht darum, die unbußfertigen Sünder herabzuwürdigen. Sondern es geht darum, dass man sie so behandelt, als stünden sie außerhalb der Gemeinschaft. Das bedeutet zweierlei, und damit komme ich zum Schluss. Hör gut zu, denn es ist echt wichtig. Was passiert, wenn der ganze Prozess nichts bringt? Schritt eins: Entfernt sie. Schließt sie aus der Gemeinschaft aus. Lasst sie nicht weiter dabei sein. Lasst sie nicht an den Segnungen und Vorteilen teilhaben, sondern schließt sie aus.

1. Korinther 5 macht das ganz deutlich. In der Gemeinde von Korinth hatte ein Mann eine sexuelle Beziehung mit seiner Stiefmutter, der Frau seines Vaters. Gott verabscheut eine solche Form von Inzest. Aber anstatt über den Inzest untröstlich zu sein, waren die Leute stolz darauf. Das wirft Paulus ihnen vor und schreibt: „Ihr seid aufgebläht und hättet doch eher Leid tragen sollen“. Anstatt traurig zu sein, seid ihr froh. Ihr denkt, es sei eine Leistung, eine Affäre mit der eigenen Stiefmutter zu haben. Aber das geht gar nicht.

Darum weist er sie in Vers 4 an, diesen, wenn sie das nächste Mal in der Gemeinde zusammenkommen „im Namen unseres Herrn Jesus Christus und nachdem euer und mein Geist sich mit der Kraft unseres Herrn Jesus Christus vereinigt hat, dem Satan zu übergeben“. Sie sollen ihn entfernen und ausschließen. Und deshalb werden auch wir, wenn wir uns im Namen und in der Kraft des Herrn Jesus Christus am Tisch des Herrn versammeln, wenn jemand sich jedem dieser Schritte widersetzt hat, seinen Namen nennen und ihn ausschließen. Er kann nicht mehr Teil der Gemeinschaft sein. Wenn er weiterhin in Sünde leben will, dann kann er nicht länger die Seligkeit des Volkes Gottes erfahren und die heiligende Gnade der Versammlung seiner Auserwählten. Er wird ausgeschlossen, indem er dem Satan übergeben wird „zum Verderben des Fleisches, damit der Geist gerettet werde am Tag des Herrn Jesus.“

Das bedeutet, dass am Ende ihr Geist erlöst werden kann. Gott wird ihren Geist erhalten, auch wenn sie vielleicht hinnehmen müssen, dass ihr Fleisch zerstört wird, das sie zur Sünde hinzieht. Römer 6 sagt uns, dass die Sünde vom Fleisch kommt. Daher muss das Fleisch getötet werden. Wenn man also einen solchen Bruder ausschließt, dann sinkt er vielleicht noch tiefer. Und trotzdem muss man es tun, weil es in Vers 6 heißt: „Wisst ihr nicht, dass ein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert? Darum fegt den alten Sauerteig aus“. Werft ihn weg. Er muss beseitigt werden.

In 1. Timotheus 1,20 erklärt Paulus: „Ich habe Hymenäus und Alexander dem Satan übergeben, damit sie lernen, nicht mehr zu lästern.“ Das war eine Art Nachhilfe. Sie mussten lernen, dass sie sich so nicht verhalten konnten. Dazu mussten sie die Konsequenzen ihrer Sünde voll und ganz spüren. Denn wenn man jemanden ausschließt passiert Folgendes: Er wird von der heiligenden Gnade der Gemeinde Gottes weggenommen und muss ohne diese Gnade zurückbleiben. Und wenn sie diese Gnade nicht mehr haben und ihr nicht mehr nahe kommen können, dann beginnen sie darüber nachzudenken, wie viel sie ihnen wirklich bedeutet hat. Verstehst du das? Wenn er diese Konsequenz nicht hätte, würde er vielleicht länger in seiner Sünde verharren, weil er ja Teil der Gemeinde bleibt wie bisher. Deshalb habe ich schon viele Menschen vor die Wahl gestellt: „Entweder die Welt und der Teufel oder das Volk Gottes und Gott. Beides geht nicht.“ Und auch du solltest das tun.

2. Thessalonicher 3,6 sagt dasselbe: „Wir gebieten euch aber, Brüder, im Namen unseres Herrn Jesus Christus, dass ihr euch von jedem Bruder zurückzieht, der unordentlich wandelt und nicht nach der Überlieferung, die er von uns empfangen hat.“ Das Wort „zurückziehen“ bedeutet „zurückschrecken“ oder „meiden“. Ihr meidet sie. Ihr lasst sie nicht in eure Versammlung hinein und meidet die Gemeinschaft mit ihnen. Dadurch lasst ihr sie nicht an der heiligenden Gnade teilhaben, die von Christus kommt. Wir sprechen hier nicht von Menschen, die den Herrn nicht kennen. Wir sprechen nicht von Außenstehenden, bei denen wir wollen, dass sie damit in Berührung kommen. Sondern wir sprechen von Familienmitgliedern, die in Sünde leben.

Paulus sagt in 2. Thessalonicher 3,14: „Wenn aber jemand unserem brieflichen Wort nicht gehorcht, den kennzeichnet und habt keinen Umgang mit ihm, damit er sich schämen muss“. Überlasst ihn seiner Scham und seiner Sünde. Wenn er zu Gott gehört, dann wird dieser ihn nicht gehen lassen, sondern ihn vielleicht erst einmal sehr tief runterziehen müssen. Doch zurück zu 1. Korinther 5,9. Paulus sagt: „Ich habe euch in dem Brief geschrieben, dass ihr keinen Umgang mit Unzüchtigen haben sollt; und zwar nicht mit den Unzüchtigen dieser Welt überhaupt, oder den Habsüchtigen oder Räubern oder Götzendienern; sonst müsstet ihr ja aus der Welt hinausgehen. Jetzt aber habe ich euch geschrieben, dass ihr keinen Umgang haben sollt mit jemand, der sich Bruder nennen lässt und dabei ein Unzüchtiger oder Habsüchtiger oder Götzendiener oder Lästerer oder Trunkenbold oder Räuber ist; mit einem solchen sollt ihr nicht einmal essen.“ Essen ist ein Symbol für Gemeinschaft, Gastfreundschaft, Herzlichkeit und Geselligkeit. Nichts davon sollen sie mit diesem pflegen.

Wenn du jemanden ausschließt, dann schließt du ihn ganz aus. Du lädst ihn nicht zum Essen ein. Du behandelst ihn nicht wie einen Bruder. Du behandelst ihn wie einen Ausgestoßenen.

Bist du bereit für zweitens? Ruf ihn zurück. Schick ihn weg, aber ruf ihn zurück. In 2. Thessalonicher 3,15 heißt es: „Doch haltet ihn nicht für einen Feind, sondern weist ihn zurecht als einen Bruder.“ In gewisser Weise lässt du ihn also nie wirklich gehen. Du schickst ihn aus der Gemeinschaft weg, aber du rufst ihn immer wieder zurück. Wenn mich jemand fragt, ob es in Ordnung ist, sich mit einem Bruder zu treffen, der sich von seiner Frau scheiden ließ und in Ehebruch lebt, dann antworte ich immer: „Es ist in Ordnung, wenn du ihn siehst, solange du ihn die ganze Zeit, die du mit ihm zusammen bist, ermahnst, ermahnst und nochmals ermahnst: ‚Komm zurück. Bring dein Leben in Ordnung. Bekenne deine Sünde. Bereue deine Sünde.‘“ Das sind die einzigen Bedingungen, unter denen du mit ihm zusammen sein kannst. Es könnte dazu führen, dass ein solches Treffen schnell beendet wird. Aber das sind nun mal die Bedingungen.

Auch dieser vierte Schritt kommt also im Neuen Testament vor. Ich habe gerade 1. Timotheus 1,20 vorgelesen, wo Paulus sagt: „Ich habe Hymenäus und Alexander dem Satan übergeben.“ In Römer 16,17 sagt er: „Ich ermahne euch aber, ihr Brüder: Gebt acht auf die, welche Trennungen und Ärgernisse bewirken im Widerspruch zu der Lehre, die ihr gelernt habt und meidet sie! Denn solche dienen nicht unserem Herrn Jesus Christus, sondern ihrem eigenen Bauch, und durch wohlklingende Reden und schöne Worte verführen sie die Herzen der Arglosen.“ Das ist Schritt Nummer vier.

Wir erkennen also eine Art Balance. Wir schicken sie weg und rufen sie zurück. Es kann sein, dass du dich nun fragst, mit welcher Autorität du so etwas tun könntest? Und die Antwort darauf ist absolut schockierend. Komm nächstes Mal wieder und ich werde dir sagen, was der Kern dieser ganzen Passage in Bezug auf deine Autorität ist. Lasst uns zum Gebet niederknien.

Vater, in unserer Beziehung zu dir sind uns Gefühle sehr wichtig. Deshalb ist das eine gute und wichtige Botschaft für unsere Herzen. Wir singen gerne Lieder und mögen die schöne Musik und uns gut zu fühlen. Aber wir schätzen es überhaupt nicht, uns mit der Sünde auseinanderzusetzen, obwohl uns nicht gefällt, was sie aus uns macht. Aber Herr, hilf uns dabei. Hilf uns zu verstehen, dass du wirklich nicht möchtest, dass wir es dabei belassen, Lieder zu singen, unser Bibelstudium zu genießen und uns gut zu fühlen. Du willst, dass wir genauso eifrig danach streben, Diener der Heiligkeit zu sein und die Schafe zu suchen, die vom Weg abgekommen sind. 

Und mögen wir in deinem Namen handeln, denn du bist der gute Hirte, der den verlorenen Schafen nachgeht. Du lässt die 99 zurück, um das eine verlorene zurückzuholen. Gib uns einige davon, dass wir sie uns um den Hals legen und zurück zur Herde bringen. Hilf uns, in der Kraft deines Heiligen Geistes genauso eifrig das Schwierige zu tun, wie wir eifrig sind, den Segen zu empfangen. Hilf uns, für dein Haus und dein Volk einen Eifer zu haben wie David und wie Jesus.

Und Vater, hilf uns, in unserem eigenen Leben nach Heiligkeit zu streben. Und hilf uns, Werkzeuge der Heiligkeit im Leben anderer zu sein, damit du in allen Dingen verherrlicht wirst. Danke, dass du uns segnest, obwohl wir in diesen Bereichen ungehorsam waren. Mögen wir diese Gnade nicht missbrauchen, sondern danach streben, so zu sein, wie du uns haben möchtest. Wir beten im Namen Christi, Amen. 

ENDE

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