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Heute Morgen schauen wir uns nochmals Matthäus 18 an. Ich möchte heute diesen Abschnitt nicht nur zu Ende bringen, sondern auch meine Gedanken zu einigen Themen äußern, über die ich in den letzten Wochen nachgedacht und gebetet habe.

Ich lese ab Kapitel 18,15, während du in deiner Bibel mitliest: „Wenn aber dein Bruder an dir gesündigt hat, so geh hin und weise ihn zurecht unter vier Augen. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder gewonnen. Hört er aber nicht, so nimm noch einen oder zwei mit dir, damit jede Sache auf der Aussage von zwei oder drei Zeugen beruht. Hört er aber auf diese nicht, so sage es der Gemeinde. Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, so sei er für dich wie ein Heide und ein Zöllner. Wahrlich, ich sage euch: Was ihr auf Erden binden werdet, das wird im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, das wird im Himmel gelöst sein.

Weiter sage ich euch: Wenn zwei von euch auf Erden übereinkommen über irgendeine Sache, für die sie bitten wollen, so soll sie ihnen zuteilwerden von meinem Vater im Himmel. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich in ihrer Mitte.“

Hier gibt uns der Herr den Auftrag, dafür zu sorgen, dass die Heiligkeit seiner Gemeinde bewahrt bleibt. Jesus Christus will, dass seine Gemeinde rein ist und gibt uns eine Anleitung, wie wir zu dieser Reinheit beitragen können. Offenbarung 1,12-13 vermittelt uns ein interessantes Bild von Christus. Dort bewegt er sich zwischen den sieben Leuchtern, die die sieben Gemeinden repräsentieren, die wiederum die gesamte Gemeinde repräsentieren. Bekleidet ist er mit dem Gewand eines Priesters, Königs und Propheten, was bedeutet, dass er in seiner ganzen Herrlichkeit da ist.

Und in Vers 14 heißt es: „Sein Haupt aber und seine Haare waren weiß, wie weiße Wolle, wie Schnee“ – das spricht von seiner Reinheit – „und seine Augen waren wie eine Feuerflamme“ – das spricht von seinem Suchen nach jedem Makel oder jeder Unheiligkeit – „und seine Füße wie schimmerndes Erz, als glühten sie im Ofen, und seine Stimme wie das Rauschen vieler Wasser.“ Hier siehst du ihn in seiner richterlichen Rolle, bereit, die Sünde zu zertreten und ein richterliches Wort zu sprechen, das wie ein zweischneidiges Schwert ist, wie es später in der Offenbarung heißt. So wirkt der Herr in seiner Gemeinde und das Weiße zeigt, dass er rein ist. Seine Augen sind durchdringend und suchen nach Sünde, weil die Sünde bekämpft werden muss.

Offenbarung 1 beschreibt also bildhaft wie der Herr mit Sünde in der Gemeinde umgeht, aber wie macht er das tatsächlich? Sein Vorgehen besteht aus drei Elementen. Element Nummer eins ist der Dienst des Wortes. Die Schrift ist ein Instrument der Heiligkeit. Epheser 5 spricht davon, durch das Wasser des Wortes gewaschen zu werden. Es ist ein Reinigungsmittel.

Zweitens wird der Heilige Geist in Römer 1,4 als „Geist der Heiligkeit” bezeichnet. Der Dienst des Geistes ist unverzichtbar für die Heiligkeit der Gemeinde. Das wären also der Dienst des Wortes und der Dienst des Geistes.

Aber drittens glaube ich, dass man Offenbarung 1 mit Matthäus 18 verbinden muss. Der Herr wirkt in seiner Gemeinde mit der Absicht, sie zu reinigen. Dies tut er, indem er Sünde aufspürt, sie aufdeckt und bereit ist, sich damit auseinanderzusetzen. Und zwar nicht nur durch den Dienst des Wortes und den Dienst des Geistes, sondern auch durch den Dienst der Menschen.

Darum wird Offenbarung 1 in Matthäus 18 umgesetzt. Dort ist Christus an der Reinigung seiner Gemeinde beteiligt, indem er diejenigen dafür einsetzt, die ihn in der Welt vertreten. Und aus diesem Grund sagt er am Ende des Abschnitts: „Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich in ihrer Mitte.“ Mit anderen Worten: Wenn die Gemeinde danach strebt, rein zu sein, ist Christus mitten unter ihr, bewegt sich zwischen den Leuchtern und tut sein reinigendes Werk.

Niemals ist die Gemeinde Jesus Christus ähnlicher als dann, wenn sie sich mit Sünde auseinandersetzt. Und niemals bist du als Einzelperson Jesus Christus ähnlicher als dann, wenn du danach strebst, dass seine Gemeinde rein ist. Und doch ist dies heute in der Gemeinde in unserem Land eigentlich nicht in den Köpfen der Menschen verankert. Und das erstaunt mich.

Als ich vor zwei Wochen wegfuhr, musste ich erst nach Chicago und dann zu einer Bibelkonferenz in eine andere Stadt. Ich musste mich fahren lassen, weil ich seit fast einem Jahr an einem Buch arbeite und schon seit zehn Jahren Gedanken dazu sammle. Das Buch heißt „The Ultimate Priority“ („Die höchste Priorität“) und handelt von Anbetung. Darin trage ich Stück für Stück meine Gedanken zum Thema Anbetung zusammen.

Wenn man ein Buch schreibt, schreibt man ein Kapitel und schickt es zur Bearbeitung, bekommt es zurück, überarbeitet es, schickt es zurück, schreibt dann ein weiteres Kapitel, schickt es wieder hin und so weiter. Dann wird es umgestellt, Kapitel zwei wird zu Kapitel sieben und Kapitel acht wird zu Kapitel drei. Auf diese Weise hatte ich es so lange überarbeitet, dass ich es in meinem Kopf nicht mehr zusammenbrachte und den Sinn des Ganzen verloren hatte.

Aber bevor das Buch am 1. Juni in den Druck gehen kann, bestand der Verlag darauf, dass ich mich hinsetzte und jedes Wort auf jeder Seite in einem Rutsch durchlas und alle letzten Korrekturen vornahm. Und so boten sie mir freundlicherweise an, dass sie mich die sieben Stunden fahren würden, die ich dazu brauchen würde, damit ich es durchgehen könne. Und genau das habe ich sieben Stunden lang gemacht, und wurde nur von einer heißen Schokolade unterbrochen, weil es draußen kalt war.

Auf dieser Fahrt wurde ich von meinem eigenen Gewissen überführt. Oft, wenn man etwas schreibt, legt man es beiseite und will es nie wieder sehen, weil es für eine lange Zeit eine Last war. Aber ich wühlte mich durch diese ganzen Bibelstellen zum Thema Anbetung hindurch, und es war eine tiefgreifende Erfahrung. Tatsächlich habe ich mich gefragt, was mein Fahrer wohl über meine Reaktion auf mein eigenes Buch gedacht haben mag. Dabei war es weniger eine Reaktion auf mich selbst als vielmehr eine Reaktion auf Gott. Denn ich wurde direkt mit der Heiligkeit Gottes und der Sündhaftigkeit der Sünde konfrontiert. Und so hatte ich auf dieser stillen Fahrt eine sehr intensive Zeit, in der ich mich selbst reflektierte.

Schließlich erreichte ich den Ort, wo ich auf der Bibelkonferenz sprechen sollte. Ich hatte eine Botschaft vorbereitet und war bereit, an diesem Abend zu sprechen, als mich ein Mitglied der Fakultät anrief und fragte: „Ich weiß nicht, welche Botschaft Sie für heute Abend vorbereitet haben, aber könnten Sie über die Heiligkeit Gottes sprechen?“ Ich antwortete: „Aber natürlich.“ Er meinte: „Das ist genau das, was wir brauchen. Ich habe lange gebetet, dass Gott Ihnen das aufs Herz legt, und dachte mir, ich rufe einfach an und schlage es vor.“

Bevor ich das Hotelzimmer verließ, bekam ich einen zweiten Anruf, der in etwa so ging: „Was machst du denn an so einem Ort? Weißt du nicht, dass dieser Ort für unlautere Dinge bekannt ist?“ Als er fertig war, sagte ich: „Das klingt genau nach einem Ort, an dem ich sein sollte. Denn vor langer Zeit habe ich beschlossen, dass ich nicht mein ganzes Leben damit verbringen werde, Menschen, die bereits an Gott glauben, Dinge zu sagen. Aber ich werde sie den Menschen sagen, die sie vielleicht hören müssen.“

Und ich erklärte ihm, dass ich gebeten worden war, über das Thema Heiligkeit zu sprechen, und dass ich darauf vertrauen würde, dass der Herr mich aus einem bestimmten Grund hierher geführt hatte. Also tat ich es. Dabei hatte ich kaum Notizen. Ich nahm nur meine Bibel und meinen Kopf voller Gedanken über Anbetung und die Heiligkeit Gottes und die Sündhaftigkeit der Sünde. Und ich schüttete einfach mein Herz in dieser Hinsicht aus. Es waren vermutlich so um die 4-5.000 Leute, die mucksmäuschenstill dasaßen. Wahrscheinlich waren sie zum Teil so still, weil sie überführt wurden. Vielleicht fragten sie sich aber auch im Stillen, wo dieser Typ nur herkam? Ich weiß nicht, ob sie an diese Herangehensweise gewöhnt waren. Aber was passierte, war echt interessant. 

Ich schüttete mein Herz über die Heiligkeit Gottes und die Sündhaftigkeit der Sünde aus. Ich sprach darüber, dass echte Erneuerung und Erweckung in der Gemeinde nur dann geschieht, wenn wir wieder die Heiligkeit Gottes und die Sündhaftigkeit der Sünde erkennen und zerbrochen vor einem heiligen Gott niederfallen, um ihn anzubeten. Als ich fertig war, dauerte es etwa eine Stunde und 15 Minuten, bis ich die Tür erreicht hatte, weil so viele Leute mit mir sprechen wollten.

Und schließlich wartete noch eine letzte Person, die sagte: „Ich bin Student im letzten Jahr am Seminar, und ich muss Ihnen einfach sagen, dass mir Ihre Botschaft überhaupt nicht gefallen hat. Sie lagen völlig daneben.“ Auf meine Nachfrage, wie er darauf käme, meinte er, dass mir die Liebe fehle. „Unsere Botschaft ist Liebe, und ich habe in Ihrer Botschaft nichts von Liebe gehört.“

Das tat mir wirklich weh. Also fragte ich diesen Studenten, ob er verstanden habe, welche Bibelstellen ich erklärt hatte? Er bejahte. Ich fragte ihn weiter: „Ging es in diesen Stellen um Liebe?“ Er musste zugeben, dass das nicht der Fall war. Also fragte ich ihn:
„Ist es okay, eine Bibelstelle so zu erklären, wie Gott sie geschrieben hat, oder müssen wir in jede Stelle eine Botschaft der Liebe hineinlesen? Ich meine, wenn wir das tun, sind wir dann fair gegenüber dem Wort Gottes? Und vielleicht zeigt die Tatsache, dass du so empfunden hast, nur, dass du ein unausgewogenes Verständnis von Gottes Liebe im Gegensatz zu seiner Heiligkeit hast. Und wahrscheinlich hast du deshalb genau diese Botschaft gebraucht. Das zeigt sich auch in deiner Reaktion darauf.“

All das versuchte ich ihm so liebevoll wie möglich zu sagen. Später fragte mich ein Kollege, worum es in dem Gespräch gegangen war. Ich berichtete ihm einen Teil davon und er meinte, dass das eigentliche Problem nicht sei, dass meine Botschaft nicht liebevoll genug war. Das eigentliche Problem aus der Sicht der Studenten sei, dass ich nicht ausschließlich Liebe verkündet hatte. Denn für sie gab es keinen Platz für etwas anderes.

Das machte mich ein wenig traurig. Denn an Liebe an sich ist nichts auszusetzen. Ich bin der Erste, der dafür dankbar ist. Bist du nicht auch dankbar für Gottes Liebe? Aber ich glaube, dass manche Leute bei Liebe nicht einmal an die heilige Liebe Gottes denken. Ich bin mir nicht sicher, an welche Art Liebe sie denken. Und ich befürchte, dass in den Gemeinden niemals das Werk Christi in der Art und Weise getan wird, wie er es will, solange Seminare Menschen hervorbringen, die nur über Liebe reden wollen.

Interessant finde ich, dass viele dieser von den Instituten geprägten Leute wie dieser Student denken und reden. Wir sprechen scheinbar immer über Erweckung, Erneuerung und Wiederherstellung in der Gemeinde.

Dabei sind sie davon überzeugt, dass wir einfach nur über Liebe sprechen müssen, um die Gemeinde zu erneuern, wiederherzustellen, eine Erweckung zu bringen und die Verlorenen zu gewinnen. Ganz gefühlvoll müssen wir über Liebe, Liebe, und nochmals Liebe sprechen. Aber sie verstehen einfach nicht, dass es niemals eine Erweckung, Erneuerung und Wiederherstellung geben wird, solange man kein Gespür für die Heiligkeit Gottes und die Sündhaftigkeit des Menschen hat. Denn nur daraus entstehen echte Buße und eine echte Erweckung. Eine tolerante Sentimentalität wird die Gemeinde niemals erneuern, weil keine der Liebes-Botschaften das bewirken kann.

Wenn man zurückblickt auf die große Erweckungsbewegung unter Jonathan Edwards im 18. Jahrhundert, dann findet man charakteristische Merkmale der Erweckung. Das betrifft sowohl jene erste große Erweckungsbewegung als auch jede andere Erweckung seit biblischen Zeiten. Und man wird feststellen, dass zwei Dinge alle diese Erweckungen charakterisieren. Das ist zum einen eine kraftvolle Verkündigung der Heiligkeit Gottes und zum anderen die kraftvolle Verkündigung der Sündhaftigkeit der Sünde. Tatsächlich waren die sogenannten „Altarrufe“ (wo Menschen nach vorne gerufen werden) zur Zeit von Jonathan Edwards noch nicht einmal erfunden worden. Sie kamen erst später mit Finney auf. Und wir haben nicht viel Grund, Finney für das Vermächtnis seiner manipulativen Einladungsmethode besonders dankbar zu sein.

Aber von Edwards wird berichtet, dass er über die Heiligkeit Gottes und die Sündhaftigkeit der Sünde predigte und die Menschen nicht zu irgendetwas auffordern musste. Sondern die Menschen schrien und weinten mitten in seinen Predigten und baten, dass er aufhören solle, weil sie so sehr von ihrer Schuld überführt worden waren. Und es kam zu einer echten Erweckung. Doch leider gab es einige Exzesse, und manches war ein wenig zu hart und extrem. So kam es, dass man Ende des 18. Jahrhunderts und Anfang des 19. Jahrhunderts immer weniger entschlossen, streng und kraftvoll über die Heiligkeit Gottes und die Sündhaftigkeit der Sünde predigte. Doch die Menschen hatten Angst vor einigen dieser Extreme und wollten sie abmildern, indem sie begannen, mehr über Liebe zu sprechen.

Dazu schreibt Richard Lovelace vom Gordon-Conwell Seminary: „Die gesamte Gemeinde mied das biblische Bild des souveränen und heiligen Gottes, der jeden Tag zornig war auf die Gottlosen und dessen Zorn auf denen lastet, die seinen Sohn nicht annehmen. Die Gemeinde packte dieses Bild in einen vergessenen Winkel ihres Bewusstseins und ersetzte es durch einen neuen Gott. Auf diesen projizierten sie eine großmütterliche Güte, gemischt mit der Sanftmut und Liebenswürdigkeit eines Jesus, der nicht wirklich für unsere Sünden sterben musste. Viele amerikanische Gemeinden bezahlten sozusagen ihre Pastoren dafür, dass sie sie auf diese Weise vor dem wahren Gott schützten.“

Was er dann weiter sagt, ist sehr aufschlussreich: „Dies ist teilweise verantwortlich für den allgemeinen geistlichen Zusammenbruch der Gemeinde in diesem Jahrhundert, ebenso wie für einen Großteil der evangelistischen Flaute. Denn in einer Welt, in der der souveräne heilige Gott regelmäßig Plagen, Hungersnöte, Kriege, Krankheiten und Tod als Mittel einsetzt, um Sünde zu bestrafen und die Menschheit zur Umkehr zu bewegen, ist das götzendienerische Bild von Gott als reinem Wohlwollen und Liebe nicht sehr glaubhaft. Dieses Bild kann auch nicht so gefürchtet und verehrt werden, wie es sowohl im Alten als auch im Neuen Testament vorgeschrieben ist.“

Was er damit sagen will, ist Folgendes: Wenn man nur diese sentimentale Sichtweise von Liebe hat, wird das erstens niemals die Gemeinde erneuern, weil es die Menschen nie wirklich dazu bringt, sich ihrer Sünde zu stellen. Zweitens wird es die Gemeinde niemals dazu anspornen, zu evangelisieren, und das ist die schlimmste Täuschung von allen. Die Leute denken, Evangelisation sei, über Gottes Liebe zu sprechen und darüber, wie Gott alle Menschen liebt. Aber apologetisch gesehen hat man damit ein riesiges Problem. Denn einerseits verkündet man einen Gott, der nur Liebe ist, und andererseits versucht man den Menschen zu erklären, wie ein solcher Gott Plagen, Krankheiten, Katastrophen, Kriege, Hungersnöte und Schrecken zulassen kann.

Deshalb müssen wir einen heiligen Gott verkünden, der eine heilige Abscheu vor der Sünde hat, damit all das einen Sinn ergibt. Verstehst du das? Die Gemeinde wird nie erneuert werden, wenn sie nicht zu einer Botschaft der Heiligkeit Gottes und der Sündhaftigkeit der Sünde zurückkehrt. Sie wird oberflächlich und ineffektiv evangelisieren, weil sie nicht in der Lage ist, das Offensichtliche zu erklären. Denn wie kann ein Ungläubiger, der nur eine Botschaft der Liebe hört, verstehen, dass ein liebender Gott zulässt, was er zulässt? Wenn man Gottes heiligen Hass auf die Sünde entfernt, wird die Gemeinde buchstäblich entmachtet. Und das behindert die Evangelisation, anstatt sie zu unterstützen.

Nun kann es sein, dass viele Menschen Emotionen mit einer Erweckung verwechseln. Auch Jonathan Edwards war sich dessen sehr wohl bewusst. In einer 1746 verfassten Abhandlung über religiöse Gefühle war es ihm ein großes Anliegen, darauf hinzuweisen, dass die gefallene menschliche Natur ein fruchtbarer Boden für eine fleischliche Religiosität ist. Diese erscheint zwar fromm, ist aber letztlich in Selbstliebe verwurzelt. Er sagt:

„Starke emotionale Erlebnisse, überschwängliche, schwülstige religiöse Reden, ja sogar der Lobpreis Gottes und liebevolle Gefühle gegenüber Gott und den Menschen können egozentrisch und eigennützig sein. Im Gegensatz dazu sind echte Erneuerungserlebnisse durch den Heiligen Geist gottzentriert. Sie basieren auf Anbetung und zeichnen sich dadurch aus, dass die Würde und Größe Gottes losgelöst von Eigeninteressen wertgeschätzt wird.“ Damit wollte Edwards darauf hinweisen, dass solche echten Erfahrungen beim Bekehrten eher Demut als Stolz hervorrufen. Sie führen zu einer neuen Schöpfung mit einem neuen Geist der Sanftmut, Freundlichkeit, Vergebung und Barmherzigkeit. Sie lassen den Gläubigen nach Gerechtigkeit hungern und dürsten, anstatt sich mit Selbstzufriedenheit zufrieden zu geben.

Mit anderen Worten: Wahre Erweckung bedeutet nicht, dass Menschen sagen: „Wir sind spirituell angekommen.“ Im Gegenteil: es bedeutet, dass Menschen empfinden, dass sie eben noch nicht angekommen sind und darüber zerbrochen sind. Wenn man also die Erweckungen in unserer Kultur betrachtet, stellen sich in Bezug auf ihre Echtheit einige Fragen. Zeichnen sie sich durch ein überwältigendes Gefühl der Heiligkeit Gottes aus? Durch ein umfassendes Verständnis davon, wie groß unsere Sünde ist? Führt es eher zu Zerbruch oder zu Selbstzufriedenheit? Das alles sind Dinge, die eine echte Erweckung ausmachen.

Im Gegensatz dazu ist eine Gemeinde, die unaufhörlich über Liebe, Akzeptanz und Toleranz redet, getrieben von ihrem Wunsch nach Selbstachtung. Sie möchten sich einfach nur gut fühlen über sich selbst und glauben, dass es Gottes Wille ist, dass sie gesund, reich und glücklich sind. Damit befinden sie sich jedoch am anderen Ende der Skala einer echten Erweckung.

Der Grund dafür ist, dass eine Gemeinde, die Gottes Heiligkeit und die Sündhaftigkeit der Sünde nicht versteht, sich nie wirklich reinigt. Und wie ich ganz am Anfang gesagt habe, ist das, was Christus in seiner Gemeinde tun möchte. Niemals ist die Gemeinde Jesus Christus ähnlicher als dann, wenn sie Matthäus 18,15-20 umsetzt und sich mit Sünde auseinandersetzt.

Lovelace sagt auch: „Die meisten Gemeinden bekennender Christen sind heute von einer Art „toter Güte“ und moralischer Anständigkeit durchdrungen, deren motivierende Wurzeln eher im Fleisch als im Heiligen Geist liegen. Dabei handelt es sich um oberflächliche Gerechtigkeit, die nicht aus dem Glauben und dem erneuernden Wirken des Geistes entspringt. Sondern aus religiösem Stolz und der Anpassung an Traditionen als einer Form der Frömmigkeit, die ihre Kraft leugnet.“ Er nennt das eine falsche Frömmigkeit.

Wir müssen zu den wahren Elementen der Erweckung zurückkehren. John Owens sagte: „Die Kraft und Stärke des geistlichen Lebens hängt von der Abtötung der Sünde ab. Die Sünde muss angegangen, aufgedeckt und bekämpft werden.“ Und genau das möchte Christus in seiner Gemeinde tun. Er kam in die Welt, um eine Sache zu tun. Das sagt er in Johannes 5,19.30; 6,38; 7,16 und anderen Stellen. Darin wiederholt er immer wieder: „Ich bin nicht gekommen, um meinen Willen zu tun, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat. Den Willen meines Vaters.“ Und der Wille des Vaters lässt sich auf einen Satz reduzieren. Schauen wir uns 1. Petrus 1,15 an: „Wie der, welcher euch berufen hat, heilig ist, sollt auch ihr heilig sein in eurem ganzen Wandel“. In allem sollt ihr heilig sein. Und dann zitiert er den Grund dafür aus 3. Mose 11: „Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig!“

Dieser Satz umfasst den ganzen Willen Gottes in seiner umfassendsten Bedeutung. Gott will, dass sein Volk heilig ist. Das ist die Botschaft. Und deshalb bewegt sich Christus mit suchenden Augen durch die Gemeinde. Er ist heilig und gegenwärtig und bereit, durch sein Urteil zu reinigen und zu läutern. In Jesaja 35,8 heißt es über das Reich Gottes, dass Gott einen Weg bereitet, den man „den heiligen Weg“ nennen wird.

In Jakobus 4,8 sagt Jakobus: „Naht euch Gott, so naht er sich euch! Reinigt die Hände, ihr Sünder und heiligt eure Herzen, die ihr geteilten Herzens seid! Fühlt euer Elend, trauert und heult! Euer Lachen verwandle sich in Trauer und eure Freude in Niedergeschlagenheit! Demütigt euch vor dem Herrn, so wird er euch erhöhen.“

Gott der Vater will, dass wir uns reinigen und läutern, weil er will, dass wir heilig sind. Das ist die Aufgabe von Christus in der Gemeinde, die er durch das Wort, den Geist und das Werk der Menschen dort vollbringt. Das Wort tut seinen Teil, wenn es verkündet wird. Der Geist tut seinen Teil, indem er in den Herzen wirkt. Und wir Menschen sollen uns dem Wort und dem Geist anschließen und im Namen Christi in seiner Gemeinde danach trachten, sie rein zu halten. Das Rezept dafür steht in den Versen 15-20: Wir sollen wie Christus sein, der in seiner Gemeinde wirkt.

Nun wollen wir herausfinden, wie das geht und kehren zu unserem Text in Matthäus 18 zurück. Zunächst nennt uns Vers 17 den Ort der Züchtigung: „Sage es der Gemeinde“. „Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht“. Der Ort, wo die Züchtigung stattfindet ist die Gemeinde als Versammlung der Erlösten Gottes. Dort wirkt der Herr, um sie zu reinigen.

Zweitens nennt uns Vers 15 die Absicht der Züchtigung: „Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder gewonnen.“ Die Absicht ist Wiederherstellung. Wer in Sünde lebt, ist für die Gemeinschaft und den Dienst dort verloren. Er muss wie ein verlorener Schatz wiedergewonnen werden.

Drittens zeigt Vers 15 auch, wer die Züchtigung vornimmt: „Wenn aber dein Bruder an dir gesündigt hat, so geh hin und weise ihn zurecht unter vier Augen. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder gewonnen.“ Hier geht es um dich. Es sind du und ich und alle Gläubigen. Wir alle sind verantwortlich. Jeder von uns soll ein Diener der Heiligkeit sein. Galater 6,1 sagt dazu: „So helft ihr, die ihr geistlich seid, einem solchen im Geist der Sanftmut wieder zurecht; und gib dabei acht auf dich selbst, dass du nicht auch versucht wirst!“ Und Hebräer 10 fordert auf, zusammenzukommen, um uns gegenseitig anzuspornen „zur Liebe und zu guten Werken“. Wir brauchen also Menschen, die bereit sind, dem zu gehorchen. Sie müssen einen heiligen Eifer für Gottes Namen haben und ihr eigenes Herz gereinigt haben, damit sie diese Arbeit tun können. Wir brauchen Diener der Heiligkeit.

Wie schon die letzten Male möchte ich das auch jetzt noch einmal betonen, ohne darauf herumzureiten. Wir brauchen in unseren Gemeinden Diener der Heiligkeit, die das Werk Christi tun, und die Gemeinde rein halten. Das bedeutet, Sünde anzusprechen und zu bekämpfen.

Also ist der Ort der Züchtigung die Gemeinde. Die Absicht ist, deinen Bruder zu gewinnen. Die Person bist du. Jetzt fehlt noch der Anlass für die Züchtigung. Wann züchtigen wir? Vers 15 sagt: „Wenn aber dein Bruder an dir gesündigt hat“. Und letztes Mal sahen wir, dass jede Sünde eine Sünde gegen dich ist, entweder direkt oder indirekt. 

Wann immer also eine Sünde nicht bekannt wird, sondern weiter betrieben wird und keine Buße stattfindet, ist das ein Anlass für die Züchtigung. Dabei ist es egal, um welche Sünde es sich handelt. Die vier Schritte im Prozess der Züchtigung haben wir dann in den Versen 15-17 betrachtet. Schritt eins: Geh zu ihm und sprich ihn unter vier Augen auf seine Sünde an. Wenn er darauf reagiert, ist der Prozess beendet. Wenn nicht, dann kommt Schritt zwei in Vers 16: Nimm einen oder zwei mit, damit seine Haltung und seine Reaktion durch zwei oder drei Zeugen bestätigt werden kann. Dieses Vorgehen ist gemäß dem Gesetz in 5. Mose der Maßstab für Rechtmäßigkeit.

Wenn er auch darauf nicht reagiert, dann folgt Schritt drei in Vers 17: „Sage es der Gemeinde.“ Das bedeutet, dass dann die ganze Gemeinde versucht, ihn wiederherzustellen und ihn zurückzuholen. Der erste war erfolglos, ebenso die zwei oder drei. Aber jetzt versuchen es alle. Dabei kann das Ausmaß variieren, in dem die Gemeinde informiert wird. Vielleicht möchtest du die ganze Gemeinde informieren. Vielleicht auch nur eine Gruppe in der Gemeinde oder die Leiter der Gemeinde. Aber grundsätzlich gilt, dass du den Kreis der Menschen erweiterst, die dem sündigen Bruder oder der sündigen Schwester nachgehen in der Absicht, diese zurückzuholen und durch die Abkehr von der Sünde zurück zur Reinheit zu bringen.

Wenn sie darauf immer noch nicht hören wollen, dann folgt Schritt vier: Behandle sie wie einen Heiden oder Zöllner. Diese zwei Arten von Menschen symbolisieren die Idee des Ausgestoßen seins. Du sollst sie wie jemanden außerhalb der Gruppe behandeln. Auch dazu haben wir uns einige Schriftstellen angesehen. Schließe sie aus. Belasse sie nicht in der Gemeinschaft, wo sie mit anderen zusammensein können und sich wohlfühlen. Mach ihnen das Leben schwer. Übergib sie dem Satan, wie Paulus es nannte. Der letzte Punkt ist dann, dass du sie zurückrufst.

Kurz zusammengefasst ist der Ort der Züchtigung die Gemeinde; die Absicht ist, deinen Bruder zurückzugewinnen; die Person bist du; der Anlass ist jede Sünde; der Prozess als solcher geschieht in vier Schritten. Und nun kommen wir zum letzten Teil, der Kraft oder Autorität zur Züchtigung.

Selbst wenn du am Ende von Vers 17 angekommen bist, könnte es sein, dass du immer noch das Gefühl hast, dass das alles irgendwie unangemessen ist. Wenn du so bist wie ich, sagst du: „Wer bin denn ich, dass ich zu jemand anderem gehen und ihn mit seiner Sünde konfrontieren könnte?“ Schließlich leben wir hier in einer Welt, in der die Privatsphäre sehr wichtig ist. Jeder sieht sich und den anderen irgendwie als Privatmenschen an. Deshalb kann ich doch nicht einfach in das Leben eines anderen Menschen eindringen und sagen: „Du sündigst.“ Welches Recht hätte ich denn dazu? Weder bin ich ein Apostel, noch bin ich selbst perfekt. Und dann interpretieren die Leute auch noch Matthäus 7 falsch, wo es heißt: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet.“ Welches Recht haben wir um jemanden zu züchtigen? Wieso können wir die Sünden der Menschen vor der ganzen Gemeinde öffentlich machen und gewissermaßen alle auf sie hetzen? Und wieso können wir Menschen öffentlich aus der Gemeinde ausschließen? Vielleicht hast du den Eindruck, dass wir als schwache und fehlbare Sünder damit weit über die erlaubten Grenzen hinausgehen?

Woher nehmen wir die Autorität dazu? Mit welcher Macht und mit welchem Recht tun wir das? Die Antwort steht in den Versen 18-20, und das ist auch der absolute Höhepunkt dieses Textes. Es ist schwer, Züchtigung auszuüben, weil es eine schwierige Aufgabe ist. Aber wenn die Gemeinde jemals echte Erweckung und echte Erneuerung erleben soll, dann muss es getan werden. Denn alle Anstrengungen um Erneuerung sind vergebliche Liebesmüh, wenn man niemals die Sünde anspricht oder die Heiligkeit und Furcht Gottes verkündigt. Wir müssen das tun, auch wenn es schwierig ist. Aber woher nehmen wir die Autorität dazu?

Es gibt zwei Gründe, warum wir Autorität haben. Erstens: Der Vater im Himmel wirkt mit uns. Hast du das verstanden? Du solltest das irgendwo an den Rand deiner Bibel schreiben. Der Vater im Himmel wirkt mit uns.

Als ich zu diesem Teil meiner Studie kam, lehnte ich mich einfach zurück und dachte darüber nach. Ich kann nicht in Worte fassen, was mein Herz empfindet. Es ist unvorstellbar, dass ich in Übereinstimmung mit dem unendlich heiligen Gott handeln könnte. Aber genau das wird hier gesagt. Schau dir Vers 18 an. „Wahrlich, ich sage euch –“ es ist gut, dass der Heilige Geist das Wort „wahrlich“ hier eingefügt hat, denn es ist so schwer zu glauben. Wahrlich „– was ihr auf Erden binden werdet, das wird im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, das wird im Himmel gelöst sein.“

Das ist zunächst schwer zu verstehen. Doch dieselben Begriffe begegneten uns vor ein paar Jahren in Matthäus 16,19 und in Johannes 20,23. Es sind rabbinische Begriffe, die den jüdischen Zuhörern zur Zeit Jesu sehr vertraut waren. Jesus und Matthäus benutzen also sehr gebräuchliche Begriffe. Sie beziehen sich darauf, dass die Rabbiner jemandem seine Sünden auferlegen oder ihm seine Sünden vergeben. Im Grunde geht es darum, dass man zu jemandem entweder sagt: „Du bist an deine Sünde gebunden“ oder „Du bist von deiner Sünde erlöst“. Mit anderen Worten: Du bist immer noch unter der Knechtschaft der Sünde oder du bist frei von Sünde.

Wenn du nun auf Erden zu jemandem sagst: „Du bist immer noch an die Sünde gebunden“, dann ist es zuvor im Himmel schon gebunden worden. Wenn du auf Erden zu jemandem sagst: „Deine Sünden sind dir erlassen worden“ und „du bist von ihnen befreit“, dann ist das ebenfalls zuvor im Himmel schon geschehen. Die Verben stehen im passiven Perfekt, was bedeutet, dass es bereits geschehen ist und weiterhin wirkt.

Das heißt, dass die Gemeinde mit ihrer Aussage, ob jemand an die Sünde gebunden oder von ihr gelöst ist, anfängt, im Einklang mit dem Vater zu handeln. Denn dieser hat im Himmel bereits gesagt, dass sie entweder gebunden oder gelöst sind, je nachdem, ob die Person auf die Überführung von der Sünde reagiert hatte oder nicht.

Es ist ganz einfach: Der Himmel bestätigt, was auf Erden geschieht, wenn die Gemeinde diesem Prozess der Züchtigung folgt. Das ist die Autorität. Wenn du als Gemeindemitglied sündigst und einer, dann zwei oder drei, dann die ganze Gemeinde zu dir kam und du bereust immer noch nicht, dann können wir sagen, dass du an deine Sünden gebunden bist, weil wir den Prozess durchlaufen haben. Dabei war das Wort Gottes und seine Offenbarung die Grundlage, auf der wir das feststellten. Und wenn wir es dann aussprechen, dann sagen wir einfach nur, was der Vater bereits im Himmel gesagt hat. Mit anderen Worten handelt die Gemeinde hier gemäß des Willens Gottes. Der Vater im Himmel handelt mit uns. Das ist ein großartiger Gedanke.

Wenn du aber in Sünde lebst und einer kommt zu dir und du bereust die Sünde nicht, so dass zwei oder drei kommen müssen und dann bereust du doch, dein Herz ist gebrochen, und du trauerst und wendest dich von deiner Sünde ab. Dann sagen wir: „Deine Sünden sind dir vergeben. Willkommen in der Fülle der Gemeinschaft.“ Damit führen wir auf Erden lediglich das aus, was im Himmel bereits geschehen ist. Die Autorität besteht also darin, dass wir im Namen des Vaters im Himmel handeln, der in deinem Fall bereits das Richtige getan hat.

Wir sagen also als Gemeinde, dass wir den Willen Gottes tun wollen. Wir beten. Wie in vielen anderen Gemeinden stehen sonntags alle auf und sagen: „Unser Vater im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden“. Und doch tun wir nie, was dieser Abschnitt sagt. Du willst, dass sein Wille auf Erden geschieht, wie er im Himmel geschieht? Dann musst du das tun, was wir vorhin gesagt haben, und der Himmel wird bereits getan haben, was du hier tust. Damit antwortest du auf das Gebet, das Jesus den Jüngern in Matthäus 6,9-12 gegeben hat.

Ich wiederhole es noch einmal. Niemals ist die Gemeinde Jesus Christus ähnlicher und niemals erfüllt sie den Willen Gottes mehr, als wenn sie die Prinzipien dieser Passage umsetzt. Das bedeutet, das Himmelreich auf die Erde zu bringen. Unsere Autorität ist also, dass der Himmel hinter uns steht. Und das tut er, weil wir dem biblischen Muster folgen. Wenn ich zu jemandem gehe und sage: „Du bist an deine Sünden gebunden“, dann habe ich das Recht dazu, weil diese Person nicht Buße getan hat. Andererseits können du und ich zu jemandem sagen: „Deine Sünde ist gelöst“, weil derjenige Buße getan hat.

Kürzlich traf ich einen Mann, der mir eine sehr bizarre Sache beschrieb, von der er überzeugt war, dass man dies tun müsse, um in den Himmel zu kommen. Er war seit Jahren in einer bestimmten „christlichen Organisation“. Und ich versuchte es ihm so sanft wie möglich aufzuzeigen und sagte: „Mein Freund, du bist in deiner Sünde verloren.“ Ich hatte die Autorität, seine Sünde an ihn zu binden, weil er die biblischen Bedingungen der Buße nicht erfüllte. Ich sagte ihm: „Mein Freund, du bist verloren, weil du Gott nicht kennst. Du hast keine Vergebung deiner Sünden. Du kennst Jesus Christus nicht.“

Und dann erklärte ich ihm das Evangelium. Wenn du so vorgehst, dann hast du das Recht, zu einem sündigen Christen zu sagen: „Du, mein Freund, bist in deiner Sünde gefangen“, und der Vater im Himmel handelt mit dir, wenn du das dem sündigen Christen sagst. Ist das nicht wunderbar? Du wirst hier auf der Erde zum Botschafter des Himmels. Deshalb muss die Gemeinde das tun. Und wie ich schon zu Beginn sagte: Wenn man den Willen Gottes in seiner ganzen Tragweite auf einen Punkt bringen wollte, dann wäre es: „Seid heilig, denn ich bin heilig.“ Wir erfüllen den Willen Gottes also niemals mehr, als wenn wir die Heiligkeit seines Volkes anstreben.

Gott wird dasselbe tun - genau das bedeutet dieser Vers. Das ist sehr beruhigend für mich. Denn oft denken die Leute, dass ich lieblos sei, wenn ich hinausgehe und versuche, die Sünde aggressiv anzugreifen und konfrontativ beim Namen zu nennen. Dabei kämpfe ich in Wirklichkeit Gottes Kampf und stehe auf der Seite des Himmels. Leider ist es heutzutage sehr schwierig, die Menschen davon zu überzeugen, da ihre Sicht von Liebe sentimental und schwammig und mittlerweile völlig außer Kontrolle geraten ist.

Weil nun das, was in Vers 18 gesagt wird, so schwer zu glauben ist, wiederholt Vers 19 es im Grunde genommen noch einmal. Es fällt uns schwer zu glauben, dass der Vater im Himmel mit uns handelt. Deshalb sagt Jesus:
„Weiter sage ich euch: Wenn zwei von euch auf Erden übereinkommen über irgendeine Sache, für die sie bitten wollen ...“ Das heißt, dass im Prozess der Züchtigung zwei die geringste Anzahl von Menschen sind, die die Sünde einer Person bestätigen können.

Wenn diese also hingegangen sind und die Sünde der Person bestätigt haben und sich einig sind und Gottes Willen dazu suchen, dann wird es ihnen zuteilwerden von dem Vater im Himmel. Gott wirkt mit ihnen zusammen. Sie bestätigen entweder das unbußfertige oder das bußfertige Herz. Und wenn sie diese Tatsache bestätigen, dann handelt Gott im Himmel entsprechend.

Das ist eine große Autorität. Wir sind hier auf der Erde Botschafter des Himmels. Das ist einfach ein überaus herrlicher, unfassbarer Gedanke. Hier ist noch das Wort „übereinkommen” erwähnenswert, sumphōneō, von dem wir das Wort „Symphonie” ableiten. Es bedeutet „gemeinsam einen Klang erzeugen“. Wenn ihr alle, die ihr euch mit dem Leben dieser Person beschäftigt, euch einig seid, dass ihre Sünde noch da ist oder dass sie ihre Sünde bereut hat, wird der Vater mit euch übereinstimmen. Dieser Vers wird oft aus dem Zusammenhang gerissen und total falsch verstanden. Ich glaube nicht, dass er von einem Blankoscheck für Gebete spricht. Es geht nicht darum, dass zwei beliebige Leute sich auf irgendetwas einigen und dann wird Gott ihnen geben, worauf sie sich geeinigt haben.

Sondern diese beiden hier sind die beiden Zeugen in einem Fall von Gemeindezucht. Sie wollen wirklich das Richtige und dass Gottes Wille geschieht. Und wenn sie sich in dieser Sache einig sind und dem biblischen Muster folgen, können sie sich sicher sein, dass sie in ihrem Streben nach Gottes Willen diesen erhalten werden und Gott das Richtige tun wird. 

Es ist sehr wichtig, darauf zu vertrauen. Denn wenn du den Prozess der Züchtigung beginnst, kann es sein, dass du dir die Frage stellst, ob du das Richtige oder vielleicht doch das Falsche tust. Vielleicht zweifelst du auch, ob du nicht doch urteilst. Auch ich hatte dieses Gefühl schon ein paarmal, wenn ich einer Person nachgegangen war und nun in dem Prozess steckte. Manchmal sage ich dann zu Patricia, meiner Frau: „Weißt du, vielleicht bin ich einfach zu streng. Vielleicht bin ich nicht sensibel genug. Vielleicht liege ich falsch, aber ich sehe einfach keine Reue. Ich sehe keinen Zerbruch oder Bußfertigkeit.“ Und sie antwortet mit ihrer einfachen Weisheit: „Nun, du weißt, was die Schrift sagt.“ Und dann weiß ich es wieder und sage: „Ja. Wenn es bestätigt wurde und wir alle einer Meinung sind und wir alle die gleichen Zeichen auf die gleiche Weise deuten und wir um Gottes Weisheit bitten, können wir wissen, dass der Vater im Einklang mit uns handelt.“ Es ist wunderbar, dass wir darauf vertrauen dürfen. Deshalb haben wir auch keine Angst davor, Gemeindezucht auszuüben, weil wir mit ihr den Willen des Vaters ausführen, dass sein Volk heilig sein soll.

Der zweite Grund für unsere Autorität ist, dass nicht nur der Vater im Himmel mit uns handelt, sondern auch der Sohn auf der Erde. Es ist also eine zweifache göttliche Autorität. Vers 20 sagt, dass der Sohn hier auf der Erde mit uns handelt. Und auch dieser Vers wird oft falsch ausgelegt: „Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich in ihrer Mitte.“ Wahrscheinlich hast du das auch schon oft in Bezug auf Gebetstreffen gehört. Wenn wir nur zwei oder drei Leute zusammenbringen, wird Gott da sein. Doch Gott ist auch da, wenn nur eine Person da ist. Als Kind hörte ich immer wieder in Predigten: „Wo zwei oder drei versammelt sind, da bin ich in ihrer Mitte.“ Und schon damals dachte ich: „Und was ist, wenn nur eine Person betet?“

Doch darum geht es hier nicht. Die zwei oder drei in diesem Zusammenhang meinen die zwei oder drei Zeugen bei der Züchtigung. Deshalb ist es so wichtig, die Schrift fortlaufend zu lehren und den Kontext zu beachten. Jesus sagt hier, dass die zwei oder drei Zeugen zusammenkommen, um sein Werk zu tun. Und sein Werk ist es, sich in der Gemeinde zu bewegen. Wenn sie deshalb in seinem Namen zusammenkommen, um seinen Charakter und seinen Willen widerzuspiegeln, dann ist er mitten unter ihnen.

Das ist unsere feste Zuversicht. Nicht nur wirkt der Vater im Himmel mit uns, sondern auch der Sohn hier auf der Erde. Darum erfüllst du niemals mehr den Willen Gottes und das Werk des Sohnes, als wenn du an der Reinigung und Läuterung seiner Gemeinde mitwirkst. Und ihr Lieben, als Diener der Heiligkeit müssen wir alle unseren Teil dazu beitragen.

Zum Schluss noch ein Wort zu dem Opfer in dieser Sache. Wir müssen diesen Bruder oder diese Schwester wirklich zurückholen. Man kann sie nicht einfach gehen lassen. Das geht nicht. Sie müssen zurückgebracht werden.

Dietrich Bonhoeffer war ein deutscher Theologe mit eher liberaler Gesinnung. Er durchlebte einige der Schrecken des nationalsozialistischen Deutschlands. Vor vielen Jahren las ich als Theologiestudent sein kleines Buch „Gemeinsames Leben“. Darin finden sich einige sehr tiefgründige Gedanken, die uns bei dem helfen könnten, was wir gerade betrachten. Hör zu, was er sagt:

„Die Sünde will mit dem Menschen allein sein. Sie entzieht ihn der Gemeinschaft. Je einsamer der Mensch wird, desto zerstörerischer wird die Macht der Sünde über ihn. Und je tiefer die Verstrickung, desto heilloser die Einsamkeit. Sünde will unerkannt bleiben. Sie scheut das Licht. Im Dunkel des Unausgesprochenen vergiftet sie das ganze Wesen des Menschen. Das kann mitten in der frommen Gemeinschaft geschehen.

In der Beichte bricht das Licht des Evangeliums in die Finsternis und Verschlossenheit des Herzens hinein. Die Sünde muss ans Licht. Das Unausgesprochene wird offen gesagt und bekannt. Alles Heimliche und Verborgene kommt nun an den Tag. Es ist ein harter Kampf, bis die Sünde im Geständnis über die Lippen kommt. Aber Gott zerbricht eherne Türen und eiserne Riegel (Ps 107,16).

Indem das Sündenbekenntnis im Angesicht des christlichen Bruders geschieht, wird die letzte Festung der Selbstrechttfertigung preisgegeben. Der Sünder liefert sich aus, er gibt all sein Böses hin, er gibt sein Herz Gott, und er findet Vergebung aller seiner Sünde in der Gemeinschaft Jesu Christi und des Bruders. Die ausgesprochene, bekannte Sünde hat alle Macht verloren. Sie ist als Sünde offenbar geworden und gerichtet. Sie vermag die Gemeinschaft nicht mehr zu zerreißen.

Nun trägt die Gemeinschaft die Sünde des Bruders. Er ist mit dem Bösen nicht mehr allein, sondern er hat sein Böses mit der Beichte „abgelegt“, Gott hingegeben. Es ist ihm abgenommen. Nun steht er in der Gemeinschaft der Sünder, die von der Gnade Gottes im Kreuze Jesu Christi leben. Nun darf er Sünder sein und doch der Gnade Gottes froh werden. Er darf seine Sünden bekennen und gerade darin erst Gemeinschaft finden. Die verborgene Sünde trennte ihn von der Gemeinschaft, machte alle scheinbare Gemeinschaft unwahr, die bekannte Sünde half ihm zur wahren Gemeinschaft mit den Brüdern in Christus.“

Der Dienst der Wiederherstellung eines sündigen Bruders ist ein wundervoller Dienst. Er ist der Schlüssel zur Reinheit der Gemeinde. Er ist der Schlüssel zur Erweckung der Gemeinde, zur Erneuerung der Gemeinde und dazu, die Welt durch eine erneuerte Gemeinde zu erreichen. Wir müssen auf diese Worte unseres Herrn hören. Neigen wir uns zum Gebet.

Vater, wir bitten dich, dass du deine Gemeinde wiederbelebst. Oh Gott, wir bitten dich, dass du uns wirklich erneuerst und die heilige Kraft deines Volkes wiederherstellst. Wir wissen, dass dies dadurch geschieht, dass deine Heiligkeit und unsere Sündhaftigkeit verkündigt werden. Möge die Gemeinde sich dem verpflichten. Und bitte schenke, dass unsere Gemeinde ein Werkzeug der Heiligkeit sein will, wenn sie dich, den heiligen Gott und den sündigen Menschen sieht. Mögen wir der Leib Christi sein, und möge der Geist Christi und das Wort Christi durch uns die Gemeinde reinigen. Mach uns zu Werkzeugen der Gerechtigkeit, damit wir den Willen des Vaters tun und damit das Volk Gottes heilig ist, wie er heilig ist.

Vater, hilf uns, bei uns selbst anzufangen, und möge unser heutiges Zusammenkommen am Tisch des Herrn ein Anfang sein, an dem wir unsere Herzen reinigen, unsere Sünden bekennen und dem Geist erlauben, das zu tun, was nur er tun kann. Und dann, Herr, lass uns die Reinheit deiner Gemeinde suchen, nicht als diejenigen, die sich fromm aufspielen, sondern als diejenigen, die demütig die Wiederherstellung eines Bruders suchen, in dem Bewusstsein, dass auch wir versucht werden und sündigen. Vater hilf uns, das Licht anzuschalten, damit die Sünde sich nicht in einer dunklen Ecke verkriechen und ihr tödliches Werk verrichten kann.

Wir danken dir für die Klarheit, mit der unser Herr gesprochen hat, und möge die Gemeinde diese Worte hören und anwenden. Unser Vater, wir wissen jetzt, was das Wort uns sagt und dass dies dein Wunsch ist. Das Einzige, was nun noch offen ist, ist unsere Bereitschaft, darauf zu reagieren. Möge es uns gelingen, all deine heiligen Absichten in deiner Gemeinde in Liebe zu erfüllen, damit die Welt, wenn sie einen heiligen Gott sieht, der die Sünde hasst, auch wirklich die Gnade und Liebe der Vergebung versteht. Mach diesen Tag zu einem besonderen Tag für uns alle. Und wir preisen dich für das, was du in jedem Herzen tust. In Jesu Namen, Amen. 

ENDE

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