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Es ist ein sehr großes Privileg, das nie als selbstverständlich angesehen werden sollte, das Wort des Herrn zu hören, und genau das werden wir heute Morgen gemeinsam tun. Schlagt eure Bibel in Lukas 19 auf und wir werden uns den letzten Abschnitt im 19. Kapitel ansehen - Lukas 19, die Verse 45 bis 48.

Wenn wir uns diesen Text anschauen, müssen wir uns kurz daran erinnern, dass für unseren Herrn Jesus Christus die letzte Woche seines irdischen Lebens begonnen hat. Am Freitag wird er sterben. Dies ist der Dienstag, der Tag nach seiner demütigen Krönung, der Tag nach seinem Einzug in Jerusalem. Sicher erinnert ihr euch noch daran. Wenn du in den letzten Wochen hier warst, hast du mitbekommen, dass er am Montag unter Hosianna-Rufen in die Stadt eingezogen war. An jenem Montag hat er sich Israel als der wahre König vorgestellt, und das Volk rief ihm zu, dass er derjenige ist, der im Namen des Herrn kommt. Dass er der Sohn Davids ist, der Thronfolger, der Messias, der Gesalbte. Nachdem er an jenem Montag von der Stadt Jericho auf den Ölberg hinaufgestiegen war, und von dort den westlichen Abhang hinabgestiegen war und durch das Osttor in die Stadt Jerusalem hineingegangen war, haben an der Prozession Zehntausende von Menschen teilgenommen, manche schätzen, möglicherweise mehr als zweihunderttausend. Es war ein Fest, wie es in Jerusalem seit langer Zeit nicht mehr stattgefunden hatte.

Als er an jenem Montag unter dem, zwar wankelmütigen, aber trotzdem lauten und anhaltenden Beifall der Menge durch das Osttor gekommen war, ging er sofort in den Tempel, der sich gleich hinter dem Osttor befindet. In Markus 11,11 heißt es, dass die Feier im Tempel zu Ende ging, weil es schon spät war, und er dann nach Bethanien zurückkehrte, um die Nacht mit seinen Freunden Maria, Martha und Lazarus und seinen Jüngern zu verbringen, die ebenfalls bei ihm waren. Was für ein Tag, dieser Montag, an dem er auf dem Fohlen eines Esels ritt, während die Menschen ihm ihre Gewänder und Palmzweige zu Füßen warfen und ihn als den kommenden Messias bejubelten.

Er begab sich direkt zum Tempel und muss sich in der Dämmerung dieses Montags einen Überblick über die Zustände im Tempel verschafft haben, die ja im großen Vorhof, dem sogenannten Hof der Heiden, deutlich sichtbar waren. Und was er in dieser Dämmerung gesehen hat, hat das Programm festgelegt für das, was er dann am nächsten Tag getan hat. Aber an diesem Montagabend zog er sich zuerst nach Bethanien zurück, um sich auszuruhen. Er brauchte die Ruhe nach einem langen, anstrengenden Tag, an dem er mit der Menschenmenge zu tun hatte, und auch nach einem langen vorigen Tag, an dem er mit den Menschen zu tun hatte, die ihn in Bethanien besuchen wollten, und noch davor nach einem langen beschwerlichen Weg von Jericho nach Bethanien. Er muss so müde gewesen sein, dass er bestimmt sofort eingeschlafen ist.

Übrigens war die Unterbringung ein weiteres Problem. Es war die Zeit des Passahfestes. Bis zu zwei Millionen Juden hielten sich in und um Jerusalem auf. Es gab Gasthäuser. Die füllten sich sehr schnell und wenn nicht mit Familie oder Verwandtschaft, dann wahrscheinlich vor allem mit guten Bekannten des Gastwirtes.

In der Stadt gab es verstreute religiöse Gruppen, Essener, Zeloten, Pharisäer, Sadduzäer und ein paar weitere, die hatten auch Leute, die mit ihren Gruppen verbunden waren und zur Wallfahrt kamen, und die nahmen die Leute auf, die zu ihren Gruppen gehörten. Wahrscheinlich gab es sogar Menschen, die wirklich an Jesus glaubten und die beherbergten andere wahre Gläubige, die aus Galiläa kamen.

Und um Jerusalem herum verstreut gab es ausländische Synagogen. Das waren Synagogen, die Menschen aus anderen Ländern beherbergten, die aus anderen Sprachen kamen und zum Judentum übergetreten waren. Diese ausländischen Synagogen betrieben Gasthäuser für ihre Leute, die ebenfalls zum Passahfest kamen und Jerusalem zu diesem besonderen Anlass besuchten. Es gab eine Reihe von Juden, die so wohlhabend waren, dass sie eigentlich an einem anderen Ort im Land Israel lebten, die aber auch ein Haus in Jerusalem besaßen, und sie kamen in ihr Haus, um dort Freunde und andere Gäste zu beherbergen. Es gab sogar reiche, wohlhabende Familien, die große Paläste in und um Jerusalem besaßen, in denen sie eine ganze Reihe von Menschen unterbringen konnten.

Aber obwohl alles vollgestopft war, reichte es nicht für die Massen an Menschen aus. Deshalb wurde aus Jerusalem eine Zeltstadt. Überall standen Zelte, die von den Menschen rund um die Stadt aufgestellt worden waren. Sie reichten sicherlich die zwei Meilen bis nach Bethanien und die Straße hinunter nach Süden in Richtung Bethlehem und in alle anderen Richtungen. Das jüdische Gesetz schrieb vor, dass jeder, der am Passahfest teilnehmen wollte, die Nacht davor in Jerusalem verbringen musste. Das war unmöglich, weil die Menge an Menschen so groß war. Zu diesem Anlass erweiterten sie also die offiziellen Grenzen Jerusalems, um die Zeltstädte einzugliedern, die die Stadt selbst und die Mauer umgeben haben.

Einige Leute hielten sich tatsächlich die ganze Zeit nur in der Nähe des Tempels auf. Sie konnten zwar nicht in den Tempel hinein, aber sie hielten sich so nah wie möglich am Tempel auf. Der Tempel hatte auch angrenzende Gebäude in den Außenbereichen des Tempels, in denen sich Wohnungen und Unterkünfte befunden haben, und auch die wurden vermietet. Um es ganz einfach auszudrücken: Der Ort war vollgestopft mit Menschen, mehr als er fassen konnte. Weil es verboten war im Tempel zu übernachten, war es sehr gut, dass Jesus und seine Jünger ihre Freunde in Bethanien hatten und dass sie sogar ein Haus besaßen, das groß genug war, um ihn und die Zwölf unterzubringen.

Markus sagt uns in Kapitel 11, dass Jesus am Höhepunkt dieses Einzugs am Montag Jerusalem verließ, als die Dämmerung hereinbrach, weil es schon spät war. Er ging mit seinen Jüngern die drei Kilometer zurück, den Hang des Ölbergs hinauf, über den Kamm, hinunter nach Bethanien, um dort die Nacht zu verbringen. Als er in der Dunkelheit zu seinem Schlafplatz ging, musste er an das gedacht haben, was er im Tempel gesehen hatte. Es war ihm ja nicht fremd. Er hatte es schon oft gesehen, aber das war sein letzter Besuch dort, und er wollte nach dem handeln, was er gesehen hatte. Und so tut er es dann auch.

Am Dienstagmorgen kommt er zurück, und wir lesen ab Vers 45, Lukas 19,45: „Und er ging in den Tempel hinein und fing an, die Verkäufer und Käufer darin hinauszutreiben, und sprach zu ihnen: Es steht geschrieben: ‚Mein Haus ist ein Bethaus‘. Ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht! Und er lehrte täglich im Tempel; die obersten Priester aber und die Schriftgelehrten und die Vornehmsten des Volkes trachteten danach, ihn umzubringen; doch sie fanden keinen Weg, wie sie es tun sollten; denn das ganze Volk hing an ihm und hörte ihm zu.“

Das ist ein überaus erstaunliches Ereignis, und es kennzeichnet wieder einmal die Erscheinung Jesu als König. Dies ist ein Beweis für seine königliche Stellung. Was Jesus hier tut und die Reaktion, die es hervorruft, weist auf ihn als Gottes wahren König hin, als Gottes wahren Messias, als Gottes eigenen ewigen Sohn. Er tut etwas Schockierendes. Die Menschen, die gehofft haben, ihn als Messias zu deklarieren, hatten erwartet, dass er Fort Antonia angreifen würde, wo die römische Armee stationiert war. Vielleicht hatten sie zumindest erwartet, dass er das Haus von Pilatus angreifen würde, des erbärmlichen, von den Römern ernannten Herrscher Israels.

Aber er greift nicht die heidnischen, götzendienerischen, belagernden Römer an. Er greift den Tempel an. Er greift das Herz des Judentums an. Er greift die Seele der Nation an. Er greift diejenigen an, die von allen Menschen im Land am meisten respektiert werden, die am höchsten angesehen sind und denen am meisten vertraut wird, diejenigen die angeblich Gott repräsentierten. Er greift das an, was in Jerusalem am stärksten verdorben war: die Religion. Das raubt einem den Atem. Es ist schockierend und beweist wieder einmal seine Glaubwürdigkeit.

Ich möchte euch eine Handvoll Dinge zeigen, die beweisen, dass er tatsächlich Gottes König ist. Erstens zeigt er, dass er in göttlichem Auftrag unterwegs ist. Er zeigt, dass er in göttlicher Mission unterwegs ist, Vers 45: „Und er ging in den Tempel hinein...“ Das sagt genug aus. Es gibt viele Orte, an die er hätte gehen können. Sehr viele Orte. Das sagt alles, was wir wissen müssen.

Die Leute hatten gehofft, dass er zu Pilatus oder zu der römischen Armee gehen würde. Sie hatten gehofft, dass er eine Befreiung von der Unterdrückung und Besatzung durch Rom herbeiführen würde. Sie hatten gehofft, dass er das Land von allen Symbolen und römischen Gegenständen des Götzendienstes befreien würde und dass er das Steuersystem angreifen würde, das Rom ihnen auferlegt hatte.

Das hatten sie sich schon die ganze Zeit gewünscht, und zwar seit der ersten großen Demonstration seiner Macht in Galiläa zu Beginn seines Dienstes. Sie versuchten, ihn mit Gewalt zum König zu machen, als sie erkannten, dass er Wundermacht über Krankheiten und Dämonen hatte und dass er Essen erschaffen konnte. Sie sahen in ihm den ultimativen Befreier, der sie militärisch, politisch, sozial und wirtschaftlich befreien würde.

Deshalb waren sie die ganze Zeit auf irdische Themen fixiert. Aber Jesus, der am Tag zuvor informell als König eingeführt worden war, kam ohne Waffen und ohne Armee und griff keine irdische Institution an. Er griff den Tempel an. Er hatte keine Würdenträger bei sich, nur ein paar einfache, unbedeutende Niemande. Aber dennoch wird uns deutlich, dass er der König Gottes ist, weil er auf einer göttliche Mission war.

Lukas sagt, dass er den Tempel betrat. Matthäus sagte, dass er in den Tempel Gottes ging. Es ist in der Tat der Tempel Gottes. Aber Gott wurde in diesem Tempel entweiht, entehrt und gelästert. Für Jesus war das Problem in Israel nicht die römische Besatzung, das Problem war die jüdische religiöse Korruption. Dem Herrn geht es nicht um die Beziehung des Volkes zu Rom. Es geht ihm um die Beziehung der Menschen zu Gott. Er kümmert sich nicht um ihre Politik. Er kümmert sich nicht um ihre sozialen Belange. Es gibt viele Dinge, die hätten angegriffen werden können. Es gibt viele Gräueltaten, Ungerechtigkeiten, Raub, Misshandlungen, Missbrauch. Er hat sich nie mit diesen Dingen befasst.

Wie ihr euch erinnert, begann er seinen Dienst, in Johannes Kapitel 2, indem er den Tempel reinigte. Als er zu Beginn seines Dienstes in Jerusalem ankam, ging er in den Tempel, setzte sich mit Bedacht hin, machte eine Peitsche und reinigte den Tempel. So begann es in Johannes 2,13-17, und so endete es drei Jahre später - mit dem zweiten Angriff auf die Verdorbenheit des Tempels.

Um euch zu zeigen, wie wenig sich doch in diesen drei Jahren geändert hatte, hört euch die Beschreibung seines ersten Angriffs auf den Tempel an, Johannes 2,13: „Und das Passah der Juden war nahe, und Jesus zog hinauf nach Jerusalem. Und er fand im Tempel die Verkäufer von Rindern und Schafen und Tauben und die Wechsler, die dasaßen. Und er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle zum dem Tempel hinaus, samt den Schafen und Rindern, und den Wechslern verschüttete er das Geld und stieß die Tische um; und zu den Taubenverkäufern sprach er: Schafft das weg von hier! Macht nicht das Haus meines Vaters zu einem Kaufhaus!“ Und seine Jünger erinnerten sich daran, dass in Psalm 69,10 geschrieben stand: „Denn der Eifer um dein Haus hat mich verzehrt“. So fing es an. Und so ging es zu Ende.

Sein ganzer Dienst war immer auf das Geistliche ausgerichtet. Er war immer auf das ausgerichtet, was die Beziehung der Menschen zu Gott betrifft. Es geht ihm um die wahre Anbetung des wahren Gottes in der wahren Weise; und nicht um Politik, nicht um irdische Angelegenheiten. In Johannes 4 sagt er im Gespräch mit einer samaritanischen Frau: „Gott sucht wahre Anbeter, die ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.“ Es geht immer um Anbetung.

Drei Jahre haben nichts geändert. Sein Blick ist unverändert auf den Tempel gerichtet. Er hat viele Themen übersprungen: soziale Angelegenheiten, wirtschaftliche Angelegenheiten, politische Angelegenheiten, Fragen nach Gerechtigkeit und Gleichheit. Er hat alles gesehen, was aus dem Lot geraten ist. Er hat alles gesehen, was nicht so war, wie es sein sollte. Aber er wusste auch, dass die einzige Möglichkeit, dem Abhilfe zu verschaffen, darin besteht, eine richtige Beziehung zu Gott zu haben. In seinem Dienst ging es immer um das Reich Gottes und um wahre Anbetung.

Es gab Dinge in diesem Land, die nur Soldaten in Ordnung bringen konnten. Es gab Dinge in diesem Land, die nur gerechte Führer in Ordnung bringen konnten. Es gab Dinge in diesem Land, die nur mitfühlende Wohltäter in Ordnung bringen konnten. Es gab dort Dinge, die ohne eine soziale Reform nicht geändert werden konnten, aber das ist alles nicht wichtig. Das wäre nur ein Umstellen der Liegestühle auf der Titanic – vergebliche Liebesmüh, denn was zählt, ist die Beziehung eines Menschen zu Gott. Wie Petrus es ausdrückte: „Das Gericht muss im Haus Gottes beginnen“.

Wenn der Herr heute und hier und jetzt in diese Welt käme, würde er nicht nach Washington gehen und die politischen Mächte angreifen. Er würde in die Gemeinden gehen und die Ketzer und Heuchler angreifen, die Ausbeuter, die Schwindler und Betrüger. Und er würde zur wahren Anbetung seines Vaters aufrufen. Solange die Dinge im Tempel nicht in Ordnung sind, ist alles andere Chaos. Der Maßstab für jede Gesellschaft ist ihre Beziehung zu Gott. Es geht immer um die Anbetung. Immer. Das Gericht muss am Haus Gottes beginnen.

Ich steh auf der Seite Christi. Ich kann mich nicht in politische, militärische oder soziale Fragen einmischen. Ich bin betrübt über die Ungerechtigkeit, die in den Institutionen der Welt herrscht. Aber letztlich ist meine Sorge die Reinigung der Gemeinde, denn das einzige Heilmittel ist das wahre Evangelium, das in einer wahren Gemeinde gepredigt wird. Jesus ging in den Tempel. Das war der einzige Ort, an dem man sich für das Werk Gottes einsetzen konnte.

Aber was fand er vor, als er dort ankam? Das Wort „Tempel“ ist hier das allgemeine Wort für Tempel, hieron. Es bezieht sich einfach auf das gesamte, riesige Gelände, auf dem sich der Tempel und alle seine benachbarten Einrichtungen befanden, auf dem Berg im Osten Jerusalems, direkt am Hang des Kidronbachs. Die Ostmauer der Stadt war in Wirklichkeit die Ostmauer des Tempels: Tempelgrund und -boden. Dies ist der allgemeine Begriff für den Tempel und seine Gesamtheit, was bedeuten würde, dass er durch den ersten Durchgang auf das weite Tempelgelände ging. Es ist ein anderes Wort als das Wort naos, das ebenfalls mit Tempel übersetzt wird.

In Lukas 1 heißt es, dass Zacharias ein Priester war, und in Lukas 1,9 heißt es: „Er ging in den Tempel des Herrn, um zu räuchern.“ Das Wort für Tempel heißt dort naos und bezieht sich auf das Innere des Tempels, wo nur die Priester hingehen durften, um Weihrauch zu verbrennen und Opfergaben in den inneren Teil zu bringen.

Im Deutschen würde man den Unterschied nicht auf Anhieb sehen, weil beide Worte mit „Tempel“ übersetzt wird. Das Wort hier in Lukas 19 bezeichnet den gesamten Grund und Boden des Tempels. Die heilige Stätte befand sich direkt auf dem Plateau, ganz oben auf dem Hügel. Es war natürlich ein sehr, sehr großer Ort, der Zehntausenden von Menschen fassen konnte. Um den Tempel herum gab es große Mauern, Kolonnaden, alle möglichen Gebäude und Treppen, die zum Tempel hinaufführten.

Innerhalb dieses großen Areals mit seiner Außenmauer gab es mehrere Innenhöfe, die immer enger und enger und enger wurden, bis man schließlich in das Innere des Tempels gelangte, das aus dem Allerheiligsten und dem Heiligtum bestand. Zunächst hat man den Hof der Heiden betreten, der so genannt wurde, weil die Heiden nicht weiter gehen durften. Jeder konnte dorthin gehen. Absolut jeder konnte in den Hof der Heiden gehen, aber wenn ein Heide darüber hinausging, war das sein Tod.

Innerhalb des großen Hofes der Heiden befand sich ein weiterer Hof mit dem Namen „Hof der Frauen“. So weit konnten die Frauen gehen, aber auch jeder Jude konnte dorthin gehen. Man betrat diesen Hof durch ein Tor namens „die schöne Pforte“ - ein beliebtes Tor für Bettler. Jeder Jude konnte in den so genannten Hof der Frauen eintreten.

Die Männer konnten dann in den nächsten Innenhof gehen: den Hof der Israeliten. Er wurde durch ein Tor mit dem Namen Nikanor-Tor getrennt, das im herodianischen Tempel aus korinthischer Bronze gefertigt wurde und so massiv war, dass 20 Männer nötig waren, um es zu öffnen und zu schließen. Hier haben sich die Menschen versammelt, um zu beten, und sie konnten durch das Tor in den nächsten Hof schauen, den Priesterhof. Und obwohl sie nicht hineingehen durften, konnten sie zusehen, wie die Priester Weihrauch darbrachten und Tiere opferten.

Im hinteren Teil des Priesterhofs befand sich der eigentliche Tempel. Nämlich das Heiligtum und das Allerheiligste. So konnten die Menschen durch die Türen schauen und zusehen, wie die Priester zu bestimmten Zeiten das Morgen- und Abendopfer darbrachten, Weihrauch verbrannten und natürlich am Passahfest den ganzen Tag opferten. Der gesamte große Komplex wird „Tempel Gottes“ genannt.

Jetzt möchte ich eure Aufmerksamkeit auf den Hof der Heiden lenken. Man betritt den Hof der Heiden an der Ostseite der Altstadt von Jerusalem und man ist schockiert über das, was man dann sieht. Denn wenn man den Herrn liebt und an die wahre und reine Anbetung glaubt, ist man empört. Jesus war wütend über das, was er sah. Er war wütend, seit er es in der Nacht zuvor gesehen hatte.

Was war dort los? Der Hof der Heiden war im Wesentlichen zu einem Handelszentrum gemacht worden. Und der Handel war der Verkauf von Tieren für die benötigten Opfergaben. Ich habe euch vor ein paar Wochen gesagt, dass bei einem Passahfest 260 000 Lämmer geschlachtet wurden. Ihr könnt euch also vorstellen, wie viele Tiere dort gewesen sein müssen.

Außerdem musste man für die Opfergaben auch die zusätzlich benötigten Bestandteile kaufen, und es gab dort Geldwechsler. All dies wurde im Prinzip als der „Basar des Hannas“ bezeichnet. Hannas und Kaiphas, waren beide Hohepriester, und leiteten diese Geschäfte und wurden dadurch stinkreich. Sie verkauften Lizenzen an Geldwechsler und an Händler, die Tiere, Öl und andere notwendige Dinge verkauften. Diese Lizenzen verkauften sie zu sehr, sehr hohen Preisen und schöpften dann einen großen Prozentsatz des Gewinns der Ladenbesitzer ab. Der Hof der Heiden war überfüllt mit diesen Läden.

Lightfoot schreibt, dass im Tempel zu jeder Zeit ein Markt im Gange war. Sie wurden „Läden“ genannt, in denen täglich Wein, Salz, Öl und andere Opferutensilien verkauft wurden. Außerdem wurden auch Tiere verkauft.

So funktionierte also die ganze Angelegenheit! Man könnte sich fragen: „Warum bringen sie nicht ihre eigenen Tiere mit?“ Das sollten sie eigentlich tun: Wähle das beste Tier aus der Herde ohne Flecken und ohne Makel. Aber wenn man sein eigenes Tier mitgebracht hatte, war das ein ziemlich riskantes Geschäft, denn jedes einzelne Tier, das geopfert wurde, musste die priesterliche Prüfung bestehen.

Und es kam den Priestern zugute, dein Tier zurückzuweisen, denn wenn sie dein Tier zurückweisen, muss man ihr Tier kaufen. Und du wärst somit gezwungen, einen sehr hohen Preis zu bezahlen. Davon floss ein großer Prozentsatz in die Taschen der Hohenpriester.

Du hast dein Tier mitgebracht. Sie haben dein Tier abgelehnt, und in einigen Unterlagen steht, dass du das Zehnfache des angemessenen Preises zahlen musst. Das Zehnfache! Das ist Raub, das ist Erpressung durch die Priester. Der Lärm des Ortes, der Schmutz, der Gestank all der Tiere, das Chaos eines Viehhofes im Tempel Gottes war Christus zuwider - die Korruption, der Raub, der Diebstahl, die Art von Menschen, die so handelten, die ohne Gewissensbisse die Armen betrogen.

Und dann gab es Verkäufer von weißen und anderen Tauben, denn es gab Leute, die so arm waren, dass sie sich nicht einmal ein Lamm leisten konnten, und so konnten die armen Leute gemäß 3. Mose 12,6 und 8 zwei Tauben opfern. Tauben wären wahrscheinlich etwa 10 Cent wert pro Stück. Aber dort würden sie dir etwa 10 Euro pro Stück abknöpfen. Diese Abscheulichkeit, diese Gaunerei, diese Verdorbenheit, diese Korruption waren einfach abscheulich und ungeheuerlich.

Dann gab es die Geldwechsler, und Teil des Wortes Geldwechsler ist das Wort kollubos. Es bedeutet „kleine Münzen“. Jeder Jude musste im Zeitraum des Passahfestes einen halben Schekel Tempelsteuer zahlen. Man konnte sie einen Monat zuvor im Heimatort bezahlen, aber wenn man nach Jerusalem kam und sie nicht bezahlt hatte, musste man sie im Tempel bezahlen, und zwar mit einer bestimmten Münze. Und wenn man nicht den genauen Betrag hatte, musste man sein Geld wechseln, wofür 25 Prozent Wechselgebühr verlangt wurden.

Das ist so, als würde man ins Ausland reisen und am Flughafen Geld wechseln, nicht wahr? Es ist besser, zur Bank zu gehen, bevor man zum Flughafen kommt. Die Gebühr war eine Ausbeutung. Der ganze Basar von Hannas war abscheulich. Es wurde zu einem Treffpunkt für Gauner, Scharlatane und Betrüger aller Art, die dort ihr Unwesen trieben. Und dorthin ging Jesus.

Die Religion war korrupt. Darauf richtete er seine Aufmerksamkeit. Sein ganzes Wesen wurde abgestoßen von dem, was er sah, roch und hörte. Jesus war in seinem Revier. In Vers 46 sagt er „Mein Haus“. Dieses Wort Gottes, ist dem Alten Testament entnommen: es stammt aus Jesaja 56. „Mein Haus“ - das ist mein Haus. „Ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht.“

Sein Haus ist nicht die kleine politische Institution der Welt, wo es soziale Strukturen gibt. Sein Haus ist das Haus, in dem der Name Gottes wohnt. „Ihr habt meine Welt, mein Haus, meine Herrlichkeit und die Reinheit der Anbetung verdorben.“ Er ist der Herr über den Sabbat. In Matthäus 12,6 heißt es, dass er auch der Herr über den Tempel ist und somit auf göttlicher Mission ist, die darin besteht, falsche Anbetung im Namen des wahren Gottes zu bekämpfen. Das ist eine Offenbarung dessen, wer er ist. Er geht dorthin, um Gott und Gottes Haus gegen die Gotteslästerer zu verteidigen.

Zweitens sehen wir seine königliche Person nicht nur in einer göttlichen Mission, sondern auch in göttlicher Autorität dargestellt. Er „fing an, die Verkäufer und Käufer darin hinauszutreiben“. Ich kann das nicht so eindringlich erklären, wie ich es mir vorstelle. Wie kann eine einzelne Person dieses ganze Unternehmen lahmlegen?

Das ist die erste Amtshandlung des anerkannten Königs. Es ist eine mächtige, mächtige Handlung. Er wirft die Verkäufer raus. Wie viele Hunderte oder Tausende von ihnen waren dort? Und sollen wir annehmen, dass sie sich alle in Reih und Glied aufstellten und freiwillig gingen, ohne Kampf, ohne Streit, ohne Widerstand?

Er „fing an, die Verkäufer und Käufer darin hinauszutreiben“. Er begann damit, sie alle zu loszuwerden, er warf sie buchstäblich aus dem Haus. Die Führer hatten keinen Eifer für Gottes Herrlichkeit, für Gottes Ehre, Jesus aber schon. Vielleicht hat er eine zweite Peitsche gemacht. Ich weiß es nicht. Hier steht nichts darüber, wie er es gemacht hat. Markus beschreibt diese Begebenheit in Markus 11 ab Vers 15. In Matthäus 21 wird es ab Vers 12 beschrieben.

Dort heißt es, er „stieß die Tische der Wechsler um“. Er kam nicht höflich daher und bat diese Leute: „Hört zu, ihr müsst damit aufhören und von hier verschwinden.“ Nein! Das war eine körperliche Angelegenheit. Er warf die Leute unter Körpereinsatz hinaus. Er drehte unter Einsatz von Körperkraft Tische um. Er schleuderte die Geldwechsler von ihren Stühlen und warf sie unter Körpereinsatz aus dem Haus.

Ich weiß nicht, wie lange das dauerte, aber es muss ein beeindruckender Anblick gewesen sein, und sie müssen sehr vor seiner körperlichen Kraft erschrocken sein, denn sie gingen weg. Er drehte ihre Tische um und verstreute ihre Münzen überall.

Matthäus berichtet auch, dass er die Stühle der Taubenverkäufer umwarf. Wahrscheinlich hatten sie ihre Tauben in kleinen Kisten und saßen auf kleinen Schemeln, und er hob sie auf, warf sie hinaus, kippte ihre Schemel um und ließ sie auf dem Tempelboden umherrollen. Und Markus fügt in Kapitel 11,16 hinzu, dass er niemandem erlaubte, ein Gerät durch den Tempel zu tragen. Das heißt, sie gingen ohne ihre Sachen. Wie kann eine einzige Person den Ort leeren?

Ich wünschte, ich wäre dort gewesen. Ich hoffe sogar, dass Gott es aufgezeichnet hat und dass es im Himmel eine DVD davon gibt. Das möchte ich sehen. Wenn nicht, möchte ich mit einigen der Jünger sprechen, die dort waren, um einen genauen Bericht aus erster Hand zu erhalten. Er warf die Schemel um, warf die Tische um, warf die Leute raus und erlaubte ihnen nicht, etwas mitzunehmen. Was für eine Macht, was für eine Kraft, was für eine Autorität, und was für eine verblüffende Tat: Israel anzugreifen, den Tempel anzugreifen und nicht Israels Feinde und nicht die Heiden?

Ich bin überzeugt, wenn der Herr Jesus heute in diese Welt käme, würde er die Gemeinde angreifen, nicht Washington und nicht die Universitäten. Er würde die Gemeinde mit göttlicher Autorität angreifen.

Es wäre legitim zu beten: „Herr, reinige deine Gemeinde“. Zusammen mit Petrus: „Das Gericht muss im Haus Gottes beginnen“. Wo sind die Martin Luthers heute, die die Geldwechsler und die Gotteslästerer angreifen, die im Namen Christi Menschen ausbeuten und ihnen ihre Heuchelei und ihre Irrlehren aufzwingen?

Wir haben heute unsere falschen Propheten, so wie sie damals ihre hatten, und alle sind auf schmutzigen Gewinn aus. Deshalb hat uns Petrus in 1. Petrus 5 daran erinnert, dass wir unseren Dienst nicht für Geld tun sollen. Oh, wie sehr hasst der Herr diejenigen, die die Anbetung verdrehen. Er hasst besonders diejenigen, die die Anbetung im Namen Gottes pervertieren und es für Geld tun und die Menschen ausnutzen. Das sind Heuchler und Scharlatane, die Heilungen und Wohlstand versprechen. Sie tun dies im Namen Gottes, im Namen Christi.

Ich sage euch, ich möchte nicht in ihrer Haut stecken, wenn die Zeit der Reinigung kommen wird. Und sie wird gewiss kommen. Und so sehen wir, dass er der König ist, weil er durch seine göttliche Mission und seine göttliche Autorität ausgezeichnet wird.

Drittens: Er ist der göttlichen Schrift verpflichtet. Er ist der göttlichen Schrift verpflichtet. Vers 46: Das, was er zu ihnen sagte, hat er immer wieder wiederholt während er sie hinaustrieb: „Mein Haus ist ein Bethaus. Ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht“, und er zitiert zwei Stellen aus dem alten Testament – eine aus Jesaja und eine aus Jeremia. Das ist das Haus Gottes. Das ist ein Ort, zu dem Menschen kommen, um Gemeinschaft mit Gott zu haben. Dies ist ein Ort des Gebets. Gebet ist der Kern von Anbetung.

Was ist Gebet? Es ist ein Gespräch mit Gott, und es ist genau das, was man im Gottesdienst tut. Es ist das, was man in der Anbetung tut. Du verherrlichst Gott. Du ehrst Gott. Du sprichst mit Gott. Du singst zu Gott. Du verherrlichst Gott. Das ist eine Form von Gebet. Du bekennst deine Sünde. Du tust Buße. Und genau dafür wurde der Tempel bestimmt.

Jesus zitiert Jesaja 56,7: „Und mein Haus soll ein Bethaus [...] genannt werden“. Jesaja fügt hinzu: „Für alle Völker“, die Parallelstelle in Markus enthält diese Aussage ebenfalls.

Der Tempel war von Gott immer als Ort des Gebets beabsichtigt: als ein Heiligtum der Anbetung, als ein Ort der Hingabe, der Besinnung, der Stille, der Buße, der Zerbrochenheit, des Bekenntnisses, des Lobes. Aber dieser Platz wurde in einen Zirkus der Gotteslästerung verdreht, in einen Ort des Raubes. Denkt an eine der großen Mütter der Bibel, Hannah. In 1. Samuel 1, ging sie in den Tempel um zu beten. Im Tempel fand sie eine Umgebung für stille Besinnung und Flehen. Zur Zeit Jesu wäre das im Tempel nicht möglich gewesen.

Vielleicht ist es hilfreicher, 1. Könige 8, aufzuschlagen. Als der erste Tempel von Salomo gebaut wurde, betete Salomo bei der Einweihung ein Gebet, und sein Gebet sagt uns, was der Zweck des Tempels war. 1. Könige 8,27: „Aber wohnt Gott wirklich auf der Erde? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen, wie sollte es denn dieses Haus tun, das ich gebaut habe!“ Dieses Haus wird Gott nicht fassen. Es wird den unendlichen Gott nicht aufnehmen können.

„Wende dich aber zum Gebet deines Knechtes und zu seinem Flehen, o Herr, mein Gott, dass du hörst auf das Rufen und das Gebet, welches dein Knecht heute vor dich bringt!“ In anderen Worten: Ich weiß, dass dieses Haus dich nicht fassen wird, aber ich möchte einfach dafür beten, dass es seinen Zweck erfüllt. Was ist der Zweck? Vers 29: „Lass deine Augen Tag und Nacht offen stehen über diesem Haus, über dem Ort, von dem du gesagt hast: Mein Name soll dort sein, dass du das Gebet erhörst, das dein Knecht zu dieser Stätte gerichtet betet.“

Der Tempel ist ein Ort des Gebets, und wurde mit diesem Gebet Salomos feierlich eingeweiht. Vers 30: „So höre doch das Flehen deines Knechtes und deines Volkes Israel, das sie zu diesem Ort hin richten werden!“ Man kann also im Tempel beten, um den Tempel herum oder einfach von einem anderen Ort aus in Richtung des Tempels. Er symbolisiert die Gegenwart Gottes. Vers 30 „Und wenn sie zu diesem Ort beten, der deine Gegenwart symbolisiert höre du es am Ort deiner Wohnung, im Himmel, und wenn du es hörst, so vergib.“

Was für Gebete haben sie also gebetet? Wofür haben sie gebetet? Es waren Gebete des Schuldbekenntnisses, der Buße, der Zerbrochenheit. Vers 31: „Wenn jemand gegen seinen Nächsten sündigt, und man erlegt ihm einen Eid auf, den er schwören soll, und er kommt und schwört vor deinem Altar in diesem Haus, so höre du es im Himmel und greife ein und schaffe deinen Knechten Recht, indem du den Schuldigen verurteilst und sein Tun auf sein Haupt zurückfallen lässt, den Gerechten aber rechtfertigst und ihm nach seiner Gerechtigkeit vergibst. Wenn dein Volk Israel vor dem Feind geschlagen wird, weil sie gegen dich gesündigt haben, und sie kehren wieder zu dir um und bekennen deinen Namen, beten und flehen zu dir in diesem Haus, so höre du es im Himmel und vergib die Sünde deines Volkes Israel....“, und so geht es weiter durch das ganze Kapitel hindurch.

Wenn sie an diesem Ort oder in Richtung dieses Ortes beten, höre. Vers 35: „Wenn der Himmel verschlossen ist und es nicht regnet, weil sie gegen dich gesündigt haben, und sie dann zu diesem Ort hin beten und deinen Namen bekennen und sich von ihrer Sünde abwenden, weil du sie gedemütigt hast, so höre du es im Himmel und vergib die Sünde deiner Knechte und deines Volkes Israel.“ Vers 38: „was immer dann irgendein Mensch von deinem ganzen Volk Israel betet und fleht, wenn jeder von ihnen die Plage seines Herzens erkennen wird, und sie ihre Hände ausbreiten zu diesem Haus hin, so höre du es im Himmel“

Der ganze Sinn dieses Ortes war, dass es ein Ort des Gebets sein soll. Und die Opfer, die gebracht wurden – das Morgenopfer, das Abendopfer – waren einfach ein Symbol dafür, dass Gott das Gebet erhörte, weil er gesühnt und versöhnt worden war.

Weiter heißt es in Vers 42: „Denn sie werden hören von deinem großen Namen und von deiner mächtigen Hand und von deinem ausgestreckten Arm –, wenn er kommt, um zu diesem Haus hin zu beten.“ Es geht weiter bis hin zu Vers 61: „Euer Herz aber sei ungeteilt mit dem Herrn, unserem Gott, dass ihr in seinen Satzungen wandelt und seine Gebote bewahrt, wie an diesem Tag. Und der König brachte Opfer dar, vor dem Herrn, und ganz Israel mit ihm.“ Man bringt ein Opfer dar, um Gott zu versöhnen. Man bringt ein Opfer dar, um Gott zufriedenzustellen, und das eröffnet einen Zugang, und dieses Haus wird zu einem Haus des Gebets.

Es ist ein Haus des Gebets. Genau das war der Tempel. Man ging dorthin, um zu beten. Hat man Gott gelobt? Natürlich hat man Gott gelobt. Hat man Gott angebetet und verehrt? Natürlich hat man das getan. Aber in erster Linie hat man vorher seine Sünde bekannt und gesagt, was der Zöllner in Lukas 18 tat, indem er sich an die Brust schlug und sagte: „O Gott, sei mir Sünder gnädig.“ Nimm das Opfer an, das gerade jetzt dargebracht wird.

Psalm 27,4: „Eines erbitte ich von dem Herrn, nach diesem will ich trachten: dass ich bleiben darf im Haus des Herrn mein ganzes Leben lang“, das ist der Tempel, „um die Lieblichkeit des Herrn zu schauen und ihn zu suchen in seinem Tempel.“ Es ist ein Ort der Besinnung, es ist ein Ort des Schuldbekenntnisses. Es ist ein Ort des Gebets.

Psalm 65,4: „Wohl dem, den du erwählst und zu dir nahen lässt, dass er wohne in deinen Vorhöfen! Wir werden uns sättigen von den Gütern deines Hauses, deines heiligen Tempels!“ Der Tempel ist ein Ort der Güte, ein Ort des Bekenntnisses, ein Ort des Lobes, ein Ort der Gemeinschaft mit Gott. Im Jahr 30 n. Chr. während des Passahfestes ging in diesen Tempel des Herodes alles andere vor sich, nur nicht das, wozu es den Tempel gab.

„Ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht“, sagt Jesus, eine Formulierung aus Jeremia 7,11. „Ist denn dieses Haus [...] in euren Augen zu einer Räuberhöhle geworden?“ In Jeremia 7 ist sogar von all den Gräueln die Rede. „Mein Name ist zu einer Räuberhöhle geworden“, sagt Gott in Jeremia 7.

Diebe versteckten sich gerne in Höhlen. Es ist anzunehmen, dass sich Straßenräuber in den Höhlen versteckten. Nun war der Tempel zu ihrem Versteck geworden. Er war zu einer Räuberhöhle geworden, zu einem Zufluchtsort für Räuber, zu einem Ort der Gotteslästerer schützte und war nicht mehr ein Ort für Anbeter. Man brauchte sich nicht in einer Höhle zu verstecken. Man konnte einfach eine Verkaufslizenz im Tempel kaufen.

Es war so schlimm, dass Gott im Jahr 70 n. Chr., 40 Jahre nach dieser kurzweiligen Tempelreinigung durch Jesus, die römische Armee schickte und den Tempel völlig zerstörte, der seit 2 000 Jahren nicht wieder aufgebaut worden ist. So schlimm war es. Jesus ging dorthin, weil das sein Ort ist. Und wie ich schon sagte: Wenn er heute zurückkäme, würde er nicht die Institutionen dieser Welt angreifen. Er würde die Gemeinde angreifen, die korrupte, untreue, unehrliche Gemeinde. Wir sehen also den König auf göttlicher Mission mit göttlicher Autorität, der das göttliche Wort erfüllt.

Viertens: Er beweist göttliches Erbarmen. Wer Jesus wirklich ist, zeigt sich hier auch durch göttliches Mitleid. Vers 47: „Und er lehrte täglich im Tempel.“ Das ist wirklich eine verblüffend einfache Aussage: er lehrte täglich im Tempel. Was hat er gelehrt? Was würde er diesen Menschen sagen?

Schaut euch Kapitel 20,1 an. „Es geschah aber an einem jener Tage, als er das Volk im Tempel lehrte und das Evangelium verkündete...“ Ist das nicht Mitleid? Was tut er? Er verkündet das Evangelium. Was ist das Evangelium? Es ist die gute Nachricht von Erlösung, Vergebung, Himmel und ewigem Leben. Das ist wirklich das Schöne nach all dem Hässlichen.

Glaubt mir, der Innenhof des Tempels war nicht sauber und aufgeräumt. Überall haben sich Tiere herumgetrieben, deren Besitzer hinausgeworfen worden waren, Geld lag verstreut, Vögel flatterten, Tische waren umgeworfen, Stühle rollten herum, und alle möglichen Trümmer waren in alle Richtungen zerstreut. Aber die Entweihung war für einige Tage gestoppt, und eine Zeit lang beherrschte der Sohn Gottes das Haus Gottes mit Barmherzigkeit, indem er täglich lehrte – Dienstag, Mittwoch, Donnerstag.

Der Erlöser verkündet einem widerspenstigen Volk ein letztes Mal das Evangelium von der Erlösung. „Täglich“ bedeutet, dass er das an jedem verbleibenden Tag der Woche tat.

Der Inhalt seiner Lehre war das Evangelium. In Kapitel 20,21 heißt es: „Und sie fragten ihn und sprachen: Meister, wir wissen, dass du richtig redest und lehrst und nicht die Person ansiehst, sondern den Weg Gottes der Wahrheit gemäß lehrst“. Du lehrst das Evangelium. Du lehrst den wahren Willen Gottes. Das was er lehrte ist in Lukas 20 und 21 enthalten. Dann, am Ende von Kapitel 21 heißt es in Vers 37: „Er war aber tagsüber im Tempel und lehrte, bei Nacht aber ging er hinaus und übernachtete an dem Berg, welcher der Ölberg heißt. Und alles Volk kam früh zu ihm in den Tempel, um ihn zu hören.“

Jesus lehrte tagein, tagaus, und die Menschen kamen. Sie füllten den Platz, um zu hören, wie er mitleidig das Evangelium lehrte: Gottes Weg zu leben, Gottes Weg zum Himmel. So zeigt sich die Liebe Gottes: ist er zornig? Ja; ist er ärgerlich? Ja; hat er Mitleid? Ja; ist er voller Liebe? Ja.

Mit großer Entrüstung trieb Jesus die Verkäufer hinaus. Die Schuldigen gingen, aber einige blieben zurück. Wie wir gleich sehen werden, waren die Tempelbehörden wütend, aber auch das Volk war da, und er wollte ein letztes Mal mit ihnen sprechen.

Wenn wir durch Lukas 20 und 21 durchgehen, werden wir entdecken, dass er sie das Evangelium und den Willen Gottes lehrte. Das sind die positiven Aspekte. Und dann lehrte er einige sehr, sehr unangenehme Dinge. Er wandte sich gegen die Führer, gegen die Irrlehrer und gegen die Heuchler. Er verhieß die Zerstörung Jerusalems und seine eigene Rückkehr zum Gericht. Auch das ist barmherzig.

Es ist barmherzig, das Evangelium zu predigen. Es ist barmherzig, den Wille Gottes zu predigen. Es ist barmherzig, vor falschen Führern, Irrlehrern und Heuchlern zu warnen. Es ist barmherzig, vor dem göttlichen Gericht zu warnen. All das ist barmherzig und ruft die Menschen zur Erlösung auf, angesichts des Gerichts.

Aber Matthäus berichtet uns noch etwas anderes. Er sagt, dass Jesus nicht nur gelehrt hat, sondern er berichtet auch sehr schön, dass die Blinden und Lahmen zu ihm kamen und geheilt wurden. Die Blinden und Lahmen kamen zu ihm und wurden geheilt. Er zeigte immer noch sein Erbarmen, er zeigte immer noch seine Macht, er zeigte immer noch, was wir in Psalm 103 gesungen haben. Er heilt alle deine Krankheiten. Er treibt aus? Ja. Er stürzt um? Ja.

Aber er heilt auch und predigt mitfühlend das Evangelium, und die Schuldigen fliehen, und der Rest bleibt zurück. Wir sehen hier Zorn und Liebe in vollkommenem göttlichem Gleichgewicht. Er erschreckt die Schuldigen. Er zieht die Leidenden an. Sie kamen ohne Furcht vor dem sanften Heiler, ohne Furcht vor dem Prediger des Evangeliums, und doch machte er ihnen Angst, indem er sie vor dem Gericht warnte.

Die Blinden und die Lahmen, von denen Matthäus spricht, hielten sich oft im Tempel auf, denn dorthin kamen die Menschen, die sich wirklich fromm fühlten. Das war ein guter Ort zum Betteln. Dieses Mal erhielten sie mehr als nur ein paar Münzen. Sie erhielten Augenlicht und sie konnten wieder gehen. Das sind die wunderbaren Dinge, die Jesus getan hat, wunderbare, erstaunliche Beweise für seine Gottheit.

Man sollte meinen, dass eine solch große, herrliche Demonstration von Wundern an diesem Dienstag ausreichen würde, um das Volk davon zu überzeugen, dass dies wirklich der Messias ist, aber die Reaktion der Führer war nur umso verärgerter. Und letztendlich beeinflussten sie die Menge, die später in der Woche, in Kapitel 23,21 schreien wird: „Kreuzige ihn, Kreuzige ihn!“ Kreuzige ihn! Die Führer werden sogar zornig über das Erbarmen Jesu.

Matthäus berichtet, dass sie sich noch mehr aufregten, weil auf dem Tempelgelände Kinder waren, die ihn für die Erfüllung von Psalm 8 lobten. Die Anführer verloren die Kontrolle, und so lesen wir vom letzten Beweis für seinen göttlichen Charakter. Jesus war erstens auf einer göttliche Mission, zweitens er hatte göttlicher Autorität, drittens er war der göttlichen Offenbarung treu, viertens er zeigte göttliches Mitgefühl und zum Schluss erfüllte er dadurch die göttlichen Ziele.

Dass es so kam, wie es kam, war kein Schock. In Vers 47 lesen wir: „...die obersten Priester aber und die Schriftgelehrten und die Vornehmsten des Volkes trachteten danach, ihn umzubringen, doch sie fanden keinen Weg, wie sie es tun sollten, denn das ganze Volk hing an ihm und hörte ihm zu.“

Nach der Feier am Montag war ihm der Pöbel noch sehr stark emotional zugewandt. Er hatte den Tempel gereinigt. Für die meisten Menschen die dort waren, war das ein Pluspunkt für Jesus. Denn sie, das Volk, waren die geschädigten. Und dann gingen die Wunder weiter, und dann war diese unglaubliche Lehre da von einem Mann, der all das mit massivem körperlichen Einsatz und geistiger Präsenz getan hatte! Natürlich waren sie vorübergehend an ihm interessiert und von ihm angezogen.

Die führenden Männer waren sich alle einig: Sie wollten Jesus tot sehen! Dazu gehörten die Hohenpriester, das waren diejenigen, die den Tempel betrieben. Dazu gehörten die Schriftgelehrten. Sie waren die Juristen, die religiösen Anwälte, die Gelehrten, die mit ihren angeblichen Studien der Heiligen Schrift die Hohenpriester unterstützten. Die führenden Männer waren die Ansammlung von Leuten, die das Sagen hatten, vermutlich der Sanhedrin, die Führungsschicht. Sie waren sich alle einig: Jetzt wollten sie ihn tot sehen! Mehr denn je. Und, wie Markus 11,18 berichtet, suchten sie, „wie“ sie ihn töten könnten. Es fiel ihnen schwer, sich etwas einfallen zu lassen, weil er im Moment so beliebt war. Das ganze Volk hing an seinen Worten.

Die Formulierung in Vers 48 ist ziemlich anschaulich. Sie waren nicht in der Lage, eine Strategie zu finden, weil alle Menschen „an seinen Lippen hingen“, so die wörtliche Übersetzung des Griechischen. Sie schenken ihm große Aufmerksamkeit. Natürlich! Denn bis jetzt hatte noch nie jemand so gesprochen wie er.

Leider lichtet sich die Menge nach ein paar Tagen und schreit nach seinem Blut. Nach seiner Auferstehung kommen nur 120 Gläubige in Judäa und 500 in Galiläa zusammen. Er wird verworfen, verworfen vom Volk, verworfen von den Führern, aber auch das erfüllt Gottes Absicht. Jesaja 53 sagt: „Verachtet war er und verlassen von den Menschen.“

Es verlief genau nach Plan. Sie wollten ihn vernichten und suchten nach einem Weg, das zu tun, und zwar genau nach Plan, denn er sollte als Gottes auserwähltes Opferlamm am Freitag sterben. Sie brauchten nur einen Weg, um an ihn ran zu kommen. Den fanden sie schließlich auch in Judas und durch die Manipulation der Menge, deren Erwartung davon, was Jesus tun sollte, bis Freitag unerfüllt geblieben war.

In gewisser Weise ist es immer noch so. Die religiösen Führer, die Theologen, die Gelehrten, die Bürokraten sind gegen Jesus. Und die Mehrheit der Menschen lehnt ihn ab, weil er nicht in ihr Bild von einem großen Messias, Befreier, König passt. Und es ist immer nur eine kleine Gruppe von Gläubigen. Aber dennoch ist seine Majestät auch heute noch ebenso deutlich, deutlich in seiner Mission, seiner Autorität, seiner Hingabe zur Schrift, seinem Erbarmen und sogar in seiner Verwerfung. Genau so hat Gott es geplant.

Ihr Lieben: Jesus Christus ist der göttliche Läuterer. Er ist vollkommen in Liebe, aber er ist auch vollkommen in Heiligkeit. Er ist vollkommen in seiner Güte, aber er ist auch vollkommen in seinem Gericht. Er ist vollkommen in seiner Barmherzigkeit und vollkommen in seiner Rache. Er kann weder Ungerechtigkeit noch Betrug dulden. Und wenn seine angebotene Erlösung abgelehnt wird, wird er zum Richter deines Lebens. Ich bete für dich, dass du ihn als Erlöser und nicht als Richter kennenlernst.

Unser Vater, wir kommen nun zum Ende unserer Zeit der Anbetung für diesen Moment, und wurden dahin gebracht über die Ewigkeit nachzudenken. Wir werden für immer entweder Jesus Christus als Retter anbeten oder ihn als Richter verfluchen, entweder in den Freuden und der Herrlichkeit der himmlischen Glückseligkeit oder in den Schrecken und Qualen der Höllenqualen. Und das Gericht muss im Haus Gottes beginnen. Dies ist deine Gemeinde, gefüllt mit Menschen. Dies ist dein Ort. Du kommst hierher und jedem von uns wird die Frage gestellt: „Ist deine Anbetung wahrhaftig? Oder bist du ein Räuber, der sich an diesem Ort versteckt? Bist du ein Heuchler, ein Betrüger?“

Herr, tu dein Werk der gnädigen Erlösung. Komm auch heute zu dieser Ortsgemeinde und deiner globalen Gemeinde und zu denen, die sich zu deinem Namen bekennen. Komm mit Mitleid. Komm, um zu heilen, zu vergeben und zu retten und den Willen Gottes in Wahrheit zu zeigen. Komm mit dem Evangelium, damit die Sünder Buße tun, bevor du sie als Gotteslästerer hinauswerfen musst.

Oh Herr wir lieben deine Gemeinde, weil wir dich lieben. Wir sind traurig über die Heuchler und Betrüger und Lügner und Gotteslästerer, die deinen Namen in ihren Munde nehmen aber die Menschen zu ihrem eigenen Vorteil und Gewinn ausnutzen. Wir möchten dich bitten, Herr, dass du deine Gemeinde reinigst, von oben bis unten, von rechts nach links, von vorne bis hinten, damit sie deinem Namen wirklich Ehre macht.

Komm herab in diese Gemeinde und erleuchte buchstäblich jede Seele, die Christus noch nicht im bußfertigen Glauben angenommen hat, damit sie das noch heute tun kann. Dann werden wir dich als Erlöser kennenlernen und nicht als Richter. Das bringt die Fülle der Freude, für jetzt und für immer. Herr, tu dein Werk zu deiner eigenen Ehre. Reinige diesen Ort und diese Gemeinde, indem du dein gnädiges Heil in die Herzen derer bringst, die dich dringend kennenlernen müssen.

Wir danken Dir, Vater, dass Du Deinen Sohn in die Welt gesandt hast, nicht um uns zu verurteilen, sondern um uns zu retten. Wir bitten dich, dass du heute dein Erlösungswerk tust, dass es dir gefällt, es zu deiner eigenen Freude zu tun. Darum bitten wir dich im Namen deines Sohnes. Amen.

ENDE

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