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Heute beschäftigen wir uns mit dem nächsten Abschnitt unserer Predigtreihe. Diese Reihe führt uns durch die letzte Woche im Leben unseres Herrn, bis er schließlich am Freitag ans Kreuz geht.

Wir schlagen Lukas 20 auf und ich lese die Verse 1-8.

„Es geschah aber an einem jener Tage, als er das Volk im Tempel lehrte und das Evangelium verkündigte, da traten die obersten Priester und die Schriftgelehrten samt den Ältesten herzu und redeten mit ihm, und sprachen: Sage uns, in welcher Vollmacht tust du dies? Und wer hat dir diese Vollmacht gegeben? Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Auch ich will euch ein Wort fragen! So sagt mir: War die Taufe des Johannes vom Himmel oder von Menschen?

Da überlegten sie bei sich selbst und sprachen: Wenn wir sagen: Vom Himmel, so wird er fragen: Warum habt ihr ihm dann nicht geglaubt? Wenn wir aber sagen: Von Menschen, so wird das ganze Volk uns steinigen; denn es ist überzeugt, dass Johannes ein Prophet war! Und sie antworteten, sie wüssten nicht woher. Da sprach Jesus zu ihnen: So sage ich euch auch nicht, in welcher Vollmacht ich dies tue.“

In diesem traurigen Gespräch macht Jesus den Führern Israels klar, dass er ihnen nichts mehr zu sagen hat. Sie fragen ihn nach seiner Autorität und er antwortet ihnen, dass er mit ihnen fertig ist. Das Wort „Autorität“ kennen wir. Und wir verstehen auch, was es heißt, Autorität zu haben und unter Autorität zu stehen. „Autorität“ ist ein Wort mit einer reichhaltigen Bedeutung. Es bedeutet Erlaubnis, Macht, Privileg, Herrschaft, Kontrolle oder Beherrschung.

Und unsere Welt ist voll von Autorität. In unseren Familien haben Vater und Mutter Autorität über ihre Kinder. Wir sehen Autorität in unseren Schulen und sind damit auch an unseren Arbeitsplätzen konfrontiert. Wir stehen unter Regierungen, die dafür verantwortlich sind, Gesetze zu erlassen und sie mit Autorität auszuüben. Wegen all dem sind wir daran gewöhnt, unter einer Autorität zu stehen. Manchmal besitzen wir sogar selber eine gewisse Autorität und wissen, was es heißt, Autorität zu haben. Aber obwohl wir alle eine gewisse Autorität über andere haben, stehen wir in der Regel deutlich häufiger unter der Autorität Anderer.

Wenn es jedoch um Jesus Christus geht, müssen wir Autorität anders verstehen. In Matthäus 28,18 sagt Jesus: „Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden.“ „Alle Macht“ bedeutet auch: alle Autorität. Es bedeutet, absolut souverän zu sein. Es bedeutet, niemandem außer sich selbst Rechenschaft abzulegen und alle Autorität zu besitzen. Jesus bewies auf verschiedene Weise, dass er diese Autorität besitzt.

Im Matthäusevangelium hält er mit der Bergpredigt eine meisterhafte evangelistische Predigt. Er beginnt damit, dass er die falsche Religion des Judentums zerschlägt, und endet mit der Aufforderung, den schmalen Weg einzuschlagen. Am Ende der Bergpredigt beschreibt Matthäus 7,28-29, dass die Reaktion des Volkes sehr erstaunt ausfiel, denn „er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat“. Das war absolut einzigartig, weil sie keinen Menschen kannten, der seine eigene Autorität war. Sie kannten nur Menschen, die andere zitierten, sich mit anderen identifizierten und somit ihre Autorität von anderen ableiteten. Aber Jesus sprach wie einer, der selber eine Autorität war.

Später heißt es im Matthäus-Evangelium, in Kapitel 9,6-8: „Er hatte Vollmacht, Sünden zu vergeben“. Die Menschen wussten, dass diese Vollmacht nur einer inne hatte, und das war Gott. In Matthäus 10,1 wird deutlich, dass Jesus Autorität besaß über dämonische Kräfte und alle Mächte der Hölle. In Johannes 1,12 beansprucht er die Vollmacht, zu retten, d. h. die Vollmacht, geistliches Leben und Erlösung zu schenken. In Johannes 5,27 heißt es, dass ihm die Vollmacht gegeben wurde, alle Menschen zu richten. In Johannes 10,18 sagt er: „Ich habe Macht, mein Leben hinzugeben, und ich habe Macht, es wieder zu nehmen.“ Das heißt, er hatte Vollmacht über den Tod und Vollmacht über das Leben. In der Offenbarung wird wunderbar beschrieben, dass Jesus die Schlüssel zum Tod und zum Hades besitzt.

Dann sagt Johannes 17,2, dass er außerdem Autorität über die gesamte Menschheit hat. Er untersteht niemandem außer Gott, und er ist als Gott in vollkommener Übereinstimmung mit Gott. Er hat die Autorität. Er besitzt eine Art von Autorität, von der wir Menschen keine Ahnung haben. Er hat die absolute, einseitige Autorität, zu tun, was er will, wann er will, mit wem er will.

Zwei griechische Wörter, die mit „Autorität“ übersetzt werden, helfen uns, das Wesen dieser Autorität besser zu verstehen. Das erste ist dunamis, was üblicherweise mit „Kraft“ übersetzt wird. Das englische Wort „Dynamit“ leitet sich davon ab. Dunamis bezieht sich auf die Fähigkeit, etwas zu tun. Das andere Wort ist exousia. Exousia wird üblicherweise mit „Autorität“ übersetzt, so wie auch in diesem Text, wo das Wort „Autorität“ dreimal vorkommt. Dieses Wort meint das Recht zu haben, etwas zu tun. Alle Autorität zu haben, bedeutet also, die Fähigkeit zu besitzen und alles Recht zu haben, alles zu tun, was man will.

Jesus besitzt die Fähigkeit, zu tun, was er will. Und er hat das Recht, zu tun, was er will, mit wem er will und womit er will. Das heißt, er hat alle Autorität. Er hat sowohl dunamis als auch exousia. Er besitzt die Macht, und er besitzt die Erlaubnis. Er hat beides, weil er Gott ist. Und obwohl er Fleisch wurde, obwohl er Gott in Menschengestalt war, obwohl er sich selbst zum Diener erniedrigt hatte, hatte er doch die Macht und die Autorität, genau das zu tun, was Gott von ihm wollte.

Seine Macht kennt keine Grenzen. Niemand kann seiner Macht widerstehen. Weder seine Fähigkeit, noch sein Recht kennen Grenzen, so dass er sowohl das Recht hat als auch die Fähigkeit, alles zu tun, was er tun will. Und er will das tun, was in vollkommener Harmonie mit dem Vater ist.

Daraus folgt, dass Jesus in seinem irdischen Leben nie um die Erlaubnis bat, etwas zu tun. Das ist ein wichtiger Punkt: Er bat niemals die üblichen Stellen um Erlaubnis, etwas tun zu dürfen. Denn es gab keinen Höheren als seinen eigenen Vater, weshalb er auch sagte: Ich tue immer, was der Vater mir sagt. Ich tue immer und ausschließlich das, von dem der Vater will, dass ich es tue. Deshalb gab es keine menschliche Autorität, zu der Jesus ging, um sich Autorität von jemandem zu erbitten, egal worum es ging.

Das war für die jüdischen Führer ein riesiger Affront. Für sie war es einfach unerhört, dass er so wie in der Bergpredigt lehrte. Sie waren schockiert, dass er ohne eine Autorität außerhalb von sich selbst zu haben, jedes Heiligtum der jüdischen, gesetzlichen Religion angriff, um es zu zerschlagen. Er griff ihre Bereitschaft an, zu geben. Er griff ihr Fasten an. Er griff ihr Gebet an. Er griff ihre Opfer an. Er griff ihre Selbstgerechtigkeit an. Er griff alles an, was ihnen heilig war.

Ohne einen Rabbi zu zitieren, prangerte er in seiner Lehre das Ergebnis und den Inhalt ihres gesamten religiösen Systems an. Dafür besaß er keine Erlaubnis des Sanhedrins. Er war keinem rabbinischen Rat Rechenschaft schuldig. Er war nicht auf dieselbe Art und Weise ordiniert worden wie alle anderen Lehrer und Rabbiner. Und seine Theologie war ebenfalls nicht vom Sanhedrin geprüft und abgesegnet worden.

Er bat niemanden um Erlaubnis, als er zu Beginn seines Dienstes die Peitsche schwang und alle Käufer und Verkäufer aus dem Haus seines Vaters hinauswarf. Er tat es einfach. Er wandte sich nicht an den Rat des Tempels, der aus Hohepriestern, Oberpriestern und allen anderen bestand, die dieses Tempelunternehmen leiteten. Ebenso wenig ging er zum Sanhedrin, dem Führungsgremium, das aus Hohepriestern, Schriftgelehrten und anderen offiziellen Ältesten wie Sadduzäern und Herodianern bestand. Er bat sie weder beim ersten noch beim letzten Mal um Erlaubnis.

Letzten Sonntag sahen wir in Lukas 19,45, wie er in den Tempel kam, die Verkäufer hinauswarf und zu ihnen sagte: „Es steht geschrieben: „Mein Haus ist ein Bethaus.“ Ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht.“ Und dann schaffte er ohne Erlaubnis den ganzen herumliegenden Krempel fort. Damit unterbrach er alles, was dort vor sich ging, ohne dazu befugt zu sein. Aber es ging ihm nie um menschliche Autorität.

Das war für die Juden, die in Israel das Sagen hatten, eine weitere große Beleidigung. Sie regten sich vor allem darüber auf, dass er mit dem Angriff auf ihre Theologie ihre Glaubwürdigkeit untergrub. Er entlarvte sie als Heuchler der schlimmsten Sorte. Und nun wurde er auch noch in ihrem ureigensten Bereich handgreiflich. Zudem lehrte er, ohne auf einen früheren Mentor oder Rabbiner Bezug zu nehmen, ohne Beglaubigung oder Ordination, die nur vom Sanhedrin erteilt werden konnte. Sein Verhalten an sich war schon unerhört, und weil es unbefugt war, war es doppelt unerhört.

Jesus war seine eigene Autorität. Er sprach prophetisch. Er sprach wahrhaftig. Er legte die Schriften des Alten Testaments richtig aus. Er sprach das wahre Wort Gottes. Das gaben sie sogar zu. Er vergab Sünde. Er heilte kranke Menschen. Er weckte Tote auf. Er trieb Dämonen aus. Und er tat das alles, ohne jemals irgendjemanden um Erlaubnis zu bitten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass er ihr gesamtes religiöses System so behandelte, als ob es nicht existieren würde. Er scherte sich weder um den Sanhedrin, noch um die Hohenpriester oder die öffentliche Meinung. Den Priestern und Rabbinern gegenüber war er völlig gleichgültig. Die Juristen, die Schriftgelehrten und die Theologen waren ihm egal. Das Opfersystem und das ganze Tempelunternehmen waren ihm egal. Er behandelte sie so, als ob es das alles nicht gäbe. All dies hatte weder Einfluss auf sein Leben, noch auf seine Lehre, noch auf das, was er sagte. Und trotzdem griff er es mit aller Macht an.

Man kann sich die zunehmende Feindseligkeit an diesem Punkt kaum vorstellen. Wie Jesus die Führer behandelte ist einfach unglaublich. Sie lebten doch dafür, erhoben zu werden. Sie lebten dafür, lange Gewänder und Quasten an ihren Kleidern zu tragen und Heiligkeit vorzutäuschen. Sie fasteten in der Öffentlichkeit. Sie trugen Asche auf dem Kopf und spendeten im Tempel vor aller Augen, während jemand in die Trompete blies, um ihre Ankunft anzukündigen. Sie strebten nach den Plätzen in der Chefetage und danach, „Meister“, „Lehrer“ und „Vater“ genannt zu werden.

Ihnen ging es ausschließlich darum, erhöht zu werden. Aber Jesus behandelte sie buchstäblich mit der größtmöglichen Geringschätzung. Für ihn gab es sie gar nicht. Sie hatten für ihn nichts mit Gott und seinem Reich zu tun. Sie hatten auch nichts mit dem wahren Volk Gottes zu tun. Sie waren fern von den Absichten Gottes und vom Leben Gottes.

Wenn sich nun jemand selber für wirklich wichtig hält, ist nichts schlimmer, als so behandelt zu werden, als sei man unwichtig. Und als nun eine entsprechende Situation nach der anderen folgte, wuchs in ihnen eine solche Wut, dass ihre Seelen vor Hass buchstäblich lichterloh brannten. Die Situation eskalierte rapide und mündete am Freitag mit der Kreuzigung in einen Großbrand.

Nun möchte ich zunächst noch auf ein paar Hintergründe eingehen. Jesus hatte das letzte Jahr seines Lebens überwiegend in Judäa gewirkt. Jetzt beendete er seinen kurzen Dienst in Galiläa, und wollte zum Passahfest in Jerusalem sein. Dazu stieg er östlich der Jordankreuzung hinab, durchquerte Jericho, stieg den Berg hinauf und ging nach Jerusalem hinein.

An einem Samstag des Monats Nissan im Jahr 30 n. Chr. kam er in der Gegend von Jerusalem an, um sich auf seinen Tod am darauffolgenden Freitag vorzubereiten. An diesem Tag würden die Passahlämmer geschlachtet werden. Und Jesus ist das wahre Passahlamm. Er würde an jenem bestimmten Tag in jenem bestimmten Jahr geschlachtet werden, und zwar in genau dem Jahr, das Daniel prophezeit hatte. Er kam also an einem Samstag in der Gegend von Jerusalem an und ging zu einer Familie, die er kannte und liebte. Das war in Bethanien, zwei Meilen östlich von Jerusalem. Dort übernachtete er von Samstag auf Sonntag im Haus Marias, Marthas und Lazarus.

Am Sonntag wusste jeder, dass er da war. Eine große Menschenmenge aus Jerusalem und den umliegenden Dörfern kam nach Bethanien. Sie wollten ihn und Lazarus sehen, den er einige Wochen zuvor von den Toten auferweckt hatte. Am Sonntag blieb er also in Bethanien und eine große Menschenmenge kam zu ihm.

Am Montag ritt er triumphierend auf dem Fohlen eines Esels in Jerusalem ein. Damit erfüllte er die Prophetie aus Sacharja 9,9, dass der Messias in Jerusalem „auf einem Füllen, dem Fohlen eines Lasttiers“ einziehen würde. Er kam durch das östliche Tor und wurde von der riesigen Menschenmenge als Messias bejubelt. Die große Parade endete am Tempel, der beim Osttor steht. Jesus ging einfach durch das Tor in diese Masse von Menschen hinein und befand sich direkt in der Tempelanlage. Das alles geschah am Montag.

Der Montag endete also im Tempel. Es war Abend und dämmerte. Er verließ Jerusalem, bahnt sich seinen Weg durch die Menge und kehrte nach Bethanien zurück. Dort wollte er die Nacht bei Maria, Martha und Lazarus verbringen, zusammen mit seinen Jüngern.

Am Dienstagmorgen kehrte er in heiligem Zorn zurück. Denn sein letzter Blick am Abend zuvor hatte dem Tempel gegolten. Als er nach dem triumphalen Einzug durch das Osttor kam und auf den Tempel blickte, empfing ihn dort eine katastrophale Lärmkulisse. An dem Ort, der eigentlich Gottes Haus sein sollte, sorgten Räuber für einen verheerenden Missklang. Dieses Bild blieb ihm sicher über Nacht im Gedächtnis, so dass er am Morgen mit aller Macht zurückkehrte. In heiligem Zorn kam er herein und warf die elenden, bösen Menschen hinaus, die sein Vaterhaus entweiht hatten.

Einer der anderen Evangelienschreiber berichtet, dass ihm währenddessen einige Jungen im Tempel „Hosianna“ zuriefen. Dies erzürnte die Führer noch mehr. Mit ihren Hosianna-Rufen machten die Jungen es noch notwendiger, Jesus zu ermorden, damit er endlich aufhören würde, die scheinheilige Religion der Führer zu entweihen.

Sie konnten Jesus nicht tolerieren, der ohne Erlaubnis ihre falsche Anbetung umstürzte und ihre fanatische Heuchelei entlarvtet. Nachdem Jesus am Dienstag den Tempel gereinigt hatte, ging er zurück nach Bethanien.

Am Mittwoch kehrte er zum Tempel zurück. Wenn ihr eine MacArthur Studienbibel habt, dort steht in den Notizen „Dienstag“. Wir müssen das korrigieren. Du musst nicht zwingend eine neue kaufen, du kannst es selbst korrigieren. In Lukas 20,1 war es also Mittwoch. Jesus kehrte zu dem Tempel zurück. Der Tempel war sauber. Die Händler und Räuber waren nicht zurückgekommen. Das zeugte von der Macht, die er ausgeübt hatte. Wie der Prophet sagte, würde er „plötzlich zu seinem Tempel kommen“. Nun war der Herr in seinen Tempel gekommen und hatte ihn gereinigt. Jetzt würde Christus der Mittelpunkt des Tempels werden.

Wenn man alle Berichte vergleicht, war es Mittwochmorgen. Er kam, um zu lehren: „Es geschah aber an einem jener Tage, als er das Volk im Tempel lehrte und das Evangelium verkündete.“ Es war nun an der Zeit, dass Wahrheit in den Tempel kam. Es war nun an der Zeit, die Lügner, die Fälscher, die Manipulatoren, die Irrlehrer, die Heuchler und die Betrüger zu vertreiben. Es war nun an der Zeit, die Wahrheit aufzurichten. Es war nun an der Zeit, dass Gottes wahrer Lehrer, Gottes wahres Wort und Gottes wahres Evangelium der Errettung kam. Es war nun Zeit für die wirklich gute Nachricht. Und als er dann kam, stand er im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

In Vers 47 heißt es: „Und er lehrte täglich im Tempel; die obersten Priester aber und die Schriftgelehrten und die Vornehmsten des Volkes trachteten danach ihn umzubringen; doch sie fanden keinen Weg, wie sie es tun sollten, denn das ganze Volk hing an ihm und hörte ihm zu.“ Während dieser paar Tage hingen sie an seinen Lippen.

Das Kapitel 21 endet mit Vers 37: „Er war aber tagsüber im Tempel und lehrte“, und Vers 38: „Alles Volk stand frühmorgens auf und kam zu ihm in den Tempel, um ihn zu hören.“ Das war also mittwochs und donnerstags seine tägliche Routine. Am Freitag würden die Ereignisse rund um seinen Prozess und seine Kreuzigung stattfinden. An diesem Mittwoch kam er also zurück, um Wahrheit an einen Ort zu bringen, an dem es nur Lügen gab. Er kam, um Gottes wahre Botschaft an einen Ort zu bringen, an dem es nur satanische Fälschungen und Betrug gab. Deshalb kam er in den Tempel, lehrte die Menschen und verkündete das Evangelium.

Sein Lehren zieht sich übrigens durch das gesamte Kapitel 20 bis ins Kapitel 21 durch. Ich denke Kapitel 20 beschreibt den Inhalt seines Lehrens vom Mittwoch. Weil diese so wichtig ist, berichten Matthäus und Markus noch mehr davon. Der Mittwoch ist ein bedeutsamer Tag, weil Jesus nun ein letztes Mal zum Volk sprach und es lehrte.

Er verkündigte das Evangelium und belehrte die Menschen über das wahre Wort Gottes. Das ist Gnade. Das ist Barmherzigkeit. Das ist Mitgefühl. Das ist Zärtlichkeit. Das ist Geduld. Das ist Ausdauer. Und er war hier voll in seinem Element. Er hatte nur noch ein paar letzte Tage, um Israel zur Umkehr und zum Heil zu rufen. Deshalb wollte er einem ungläubigen Volk keine soziale, politische oder militärische Reform bringen. Sondern er wollte sie die Wahrheit lehren und das Evangelium verkünden.

Markus berichtet uns, dass Jesus genau das tat, während er im Tempelhof umherging, mit all seinen Plätzen, Säulengängen und Höfen. Er bewegte sich durch diese riesige Menschenmenge, immer verfolgt durch die Führer. In Kapitel 19,47 heißt es: „Er lehrte täglich im Tempel; die obersten Priester aber und die Schriftgelehrten und die Vornehmsten des Volkes trachteten danach, ihn umzubringen; doch sie fanden keinen Weg, wie sie es tun sollten; denn das ganze Volk hing an ihm und hörte ihm zu.“

Sie hatten Angst vor den Menschen. Und gleichzeitig wollten sie etwas finden, womit sie ihn in eine Falle locken könnten. Doch das gelang ihnen nicht. Die rabbinische Art, Dinge zu tun, war, dass man umherlief, reagierte und interagierte. Man führte Dialoge und Auseinandersetzungen. Und genau so lehrte Jesus.

Seine Botschaft war wahrscheinlich dieselbe, die in Apostelgeschichte 1,3 steht. Er redete „über das Reich Gottes“. Es ging nicht um Politik. Es ging nicht um Wirtschaft. Es ging nicht um Höflichkeit. Es ging nicht um die Dinge, von denen die Menschen wollten, dass der Messias sie ihnen bringen sollte. Sondern es ging um Themen, die das Königreich betrafen.

Wahrscheinlich sprach er über das Elend der Sünde und darüber dass jede heuchlerische Religion töricht ist, weil sie für die Sünde keine Lösung hat. Er lehrte wahrscheinlich, dass das göttliche Gericht unvermeidlich ist und er sprach über die Hölle. Wahrscheinlich lehrte er über Rechtschaffenheit und darüber, wie aussichtslos es ist, Gerechtigkeit aus eigener Kraft zu erreichen. Ich bin mir sicher, dass er über Demut und die Notwendigkeit der geistlichen Kapitulation lehrte. Er lehrte sicher auch über Zerbrochenheit und ein bußfertiges Herz. Er sprach davon, dass Gott Sünder mit einer barmherzigen Liebe liebt. Und er redete über die Möglichkeit, Frieden mit Gott zu haben und in das Reich Gottes einzugehen. Er sprach vom ewigen Leben und der Hoffnung auf die Herrlichkeit.

Wahrscheinlich sprach er auch über die Torheit falscher Gebete, sinnlose Wiederholungen und oberflächliche religiöse Taten. Er sagte ihnen, dass es töricht sei, von Menschen gesehen zu werden und damit zufrieden zu sein, anstatt Gottes Anerkennung zu haben. Vermutlich redete er über falsche Demut und geistlichen Stolz und über den Preis der Nachfolge, die Selbstverleugnung und das Aufnehmen des eigenen Kreuzes.

Vielleicht sprach er über Verfolgung und über das Leiden eines Menschen, der sich mit ihm identifiziert. Vielleicht sprach er auch über die Schrift, das Wort Gottes, über Ehrlichkeit, Vergebung, wahren Reichtum, Glauben, Gnade, Barmherzigkeit. All diese Dinge sind Teil des Verbs euaggelizomai, was die „Verkündigung des Evangeliums“ bedeutet. Sicher sprach er über all diese Themen, die mit Erlösung zu tun haben.

Und das Volk hörte zu. Aber die Führer waren ebenfalls da, und sie konnten es nicht ertragen. Deshalb suchten sie nach einem Weg, ihn in eine Falle zu locken. Das fiel ihnen aber sehr schwer. Am Ende von Kapitel 19 waren sie so wütend, dass es nicht mehr lange dauerte, bis sie etwas unternahmen. Und so sehen wir in Kapitel 20,1 den ersten Punkt: Wir sehen die Konfrontation. Wir sehen die Konfrontation. „Da traten die obersten Priester und die Schriftgelehrten samt den Ältesten herzu und redeten mit ihm“.

Das griechische Verb hier ist ephistēmi. Es bedeutet „angreifen, überfallen, sich auf etwas stürzen“. Weil sie ihre Empörung einfach nicht unterdrücken konnten, war das unvermeidlich. Zwar versuchten sie, sich zurückzuhalten, indem sie ihre Feindseligkeit hinter einer Art theologischer Frage verbargen. Aber sie wollten sich unbedingt rächen.

Hierbei handelte es sich um die obersten Priester, die Schriftgelehrten und die Ältesten. Zu den obersten Priestern gehörten auch die Hohepriester. Sie wurden aus den Priestern ausgewählt und hatten in ihrer Führungsposition unter anderem die Verantwortung, alles zu überwachen. Dann gab es unter den Priestern noch Ranghöhere. Da gab es Priester, die über den Priestern standen, die dort nur ihren jährlichen zweiwöchigen Dienst leisteten. So waren unter der Bezeichnung „Hohepriester“ alle Arten von Autoritäten und Würdenträgern zusammengefasst.

Die Schriftgelehrten verkörperten dann die Theologen. Nicht alle, aber viele von ihnen waren Pharisäer. Nun waren noch die Ältesten übrig. Die Hohenpriester wurden hauptsächlich von Sadduzäern gestellt, die Ältesten aus einigen Sadduzäern, ein paar Herodianern, sowie Pharisäern. Sie bildeten den Sanhedrin, jene 70 Mann starke Gruppe, die alles bestimmte, was die Religion betraf.

Nun kam also von dieser gesamten Organisation eine Abgesandtschaft zu Jesus. Und das Interessante daran ist, dass es sich um komplett unterschiedliche Gruppen handelte. Die Sadduzäer hatten ihre Ansichten. Die Pharisäer hatten völlig andere Überzeugungen. Und die Herodianer hatten wieder andere Vorstellungen. Diese ganz unterschiedlichen Gruppen waren sich aber in einem Punkt völlig einig: Sie wollten diesen Mann tot sehen. Dieser Wunsch vereinigte das gesamte religiöse Establishment. Das zeigt uns wie nichts anderes, wie weit das Judentum von Gott entfernt war. Sie hatten nicht viele Übereinstimmungen, aber in diesem Punkt waren sie sich einig. Sie wollten Jesus tot sehen. Das ist eine wichtige Lektion. Alle falschen Religionen haben ihre Eigenheiten. Aber sie stimmen alle darin überein, das Evangelium von Jesus abzulehnen.

Was ist eine falsche Religion? Eine falsche Religion ist jede Religion, die nicht mit dem Evangelium von Jesus Christus übereinstimmt. Sei es der Islam, der Buddhismus, der Hinduismus oder eine abweichende Form des Christentums. Unabhängig von ihrem Namen sind sich alle falschen Religionen darin einig, dass sie gegen das Evangelium sind. Das ist der größte Angriff auf die Wahrheit, den es gibt.

So kamen sie alle zusammen, um gegen Christus zu sein. Dasselbe wird übrigens auch am Ende des Zeitalters noch einmal passieren, wenn die Weltreligionen sich gegen Christus vereinigen werden. In unserem Text hier wussten sie jedoch nicht, wie sie diese Aufgabe zu Ende bringen sollten. Sie wollten nicht preisgeben, wie es wirklich um ihren Verstand, ihre Herzen und ihre Überzeugungen stand. Und weil sie Feiglinge waren, versuchten sie, Jesus eine Falle zu stellen. Vers 2 sagt, sie: „redeten mit ihm und sprachen: Sage uns, in welcher Vollmacht tust du dies? Und wer hat dir diese Vollmacht gegeben?“

Ich möchte kurz noch etwas erläutern. In der damaligen Welt spielte Autorität eine große Rolle. Es gab eine sehr komplexe Hierarchie, z. B. extra Abteilungsleiter für die Organisation von Festen. Es gab Abteilungsleiter für die Musik, Trompeten, Backwaren, Salz, Holz, die Trankopfer, das Loswerfen, die Brandopfer, das Wasser, die Zeichen, den Weihrauch, sowie die Vorhänge, die Gewänder, für einfach alles. Es gab eine hierarchische Ordnung von oben nach unten. Oben war der Hohepriester, direkt unter ihm der Hauptmann des Tempels und dann alle anderen ranghohen Leute. Und wenn man keine Amtsgewalt hatte, hielt man einfach still.

Aber nun verbündeten sie sich, weil sie im Grunde genommen alle in den Ruin getrieben worden waren. Sie waren sich alle einig, dass es sich bei Jesus um einen unverschämten Menschen handelte, der ungeheuerliche Dinge tat und ihnen keine Beachtung schenkte. Sie stellten ihm die Frage nach der Autorität, weil sie glaubten, dass die Menschen das verstehen würden. „Sage uns, in welcher Vollmacht tust du diese Dinge?“

Um welche Dinge geht es hier? Dazu gibt es unterschiedliche Meinungen. Für einige bezieht sich das auf das Lehren, was auch der Fall sein könnte. Denn ohne vom Sanhedrin ordiniert zu sein, durfte man im Tempel nicht lehren. Einige Leute denken, dass mit „solche Dinge“ Wunder gemeint sind. Und er hatte ja auch wirklich einige Wunder getan. Die Blinden und Lahmen waren zu ihm gekommen, und er hatte sie geheilt. Aber darum geht es hier nicht wirklich. Was sie zu dieser Frage veranlasste, war die Reinigung des Tempels. Das ist mit „diese Dinge“ gemeint. Wie konnte Jesus es wagen, diesen Ort zu übernehmen? Mit „diese Dinge“ meinten sie den triumphalen Einzug, als er reinkam, den Tempel reinigte und ihn übernahm. Es meint den Anspruch, dass Jesus bereit war, als Messias akzeptiert zu werden.

Ich selbst glaube, dass diese letzte Ansicht zutrifft. Denn in Johannes 2, zu Beginn seines Dienstes, als er den Tempel das erste Mal reinigte, „da antworteten die Juden und sprachen zu ihm: Was für ein Zeichen zeigst du uns, dass du dies tun darfst?“ Schon damals stellten sie die Frage, mit welcher Erlaubnis er das tat. Nun stellten sie dieselbe Frage noch einmal: Mit welcher Autorität tust du das, und wer hat sie dir gegeben?

Diese Frage verstand jeder. Alle Menschen verstanden, dass es Regeln und Autoritäten gab, mit denen man sich abstimmen musste. Sie wussten auch, dass Jesus schon immer behauptete, dass seine Autorität von Gott stamme, indem er z.B. sagte: „Ich tue, was mein Vater mir sagt, das ich tun soll. Ich tue, was mein Vater mir zeigt. Ich tue den Willen meines Vaters.“ Wahrscheinlich hatten sie gehofft, dass er einmal sagen würde: „Ich habe meine Autorität von Gott“. Dann hätten sie ihn endlich als Gotteslästerer bezeichnen und ihn steinigen können.

Jesus war absolut gleichgültig gegenüber diesen menschlichen Autoritäten. Damals war es üblich, dass Rabbiner nicht nur offiziell eingesetzt waren, sondern dass sie außerdem einen Hut trugen, um zu zeigen, wer ihr Lehr-Meister war. Der Hut identifizierte also denjenigen, dessen Lehre man sich angeschlossen hatte. Jesus trug vermutlich keinen Hut. Deshalb waren sie besorgt um die Autorität, mit der er sprach und stellten ihm diese Frage.

Die Antwort Jesu entlarvte sie und zeigt auf, was sie wirklich waren. So kommen wir von ihrer Konfrontation zum zweiten Punkt, nämlich eine Gegenfrage. In Vers 3 stellt Jesus ihnen eine Gegenfrage: „Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Auch ich will euch ein Wort fragen, so sagt mir.“ Das entspricht dem traditionellen rabbinischen Stil. Gute Lehrer machen das immer. Sie beantworten eine Frage mit einer Gegenfrage, um den Schüler zu zwingen, sich mit dem Thema, bzw. dem Dilemma näher zu befassen. Jesus wich der Antwort also nicht aus, sondern er entlarvte ihre Heuchelei.

Er hatte schon so oft gesagt, woher seine Autorität kam. Sie wussten es also. Sie versuchten nur, ihn dazu zu bringen, es zu sagen, damit sie ihn der Gotteslästerung anklagen und töten könnten. Doch anstatt ihre Frage zu beantworten, entlarvte er ihre Heuchelei. Eigentlich sollten sie die großen Lehrer Israels sein. Von ihnen wurde erwartet, dass sie alle Antworten auf alle Fragen kannten. Sie sollten die Führer des Volkes sein. Sie sollten über alle geistlichen und theologischen Fragen umfassend und allwissend Bescheid wissen. Also sagte er: „Lasst mich euch eine Frage stellen“.

Übrigens machte Jesus das sehr oft so. Wir sehen es in den Kapiteln 5, 6, 11 und wieder in Kapitel 20,4, wo er sagt: Ich stelle dir eine Frage, und du antwortest mir. Hier ist die Frage: „War die Taufe des Johannes vom Himmel oder von Menschen?“

Nun wusste jeder der Anwesenden über Johannes Bescheid. Es ging schließlich um Johannes den Täufer. Das war der Prophet, der in der Wüste am Jordan die Menschen mit einer Taufe der Buße auf das Kommen des Messias vorbereitete. Erinnerst du dich, wie das Buch Lukas beginnt? Der Engel kam zu Zacharias und sagte: Du wirst ein Kind bekommen, obwohl deine Frau unfruchtbar ist und du schon sehr alt bist. Deine Frau Elizabeth und du, ihr werdet ein Kind bekommen. Das Kind wird der Vorläufer des Messias sein.

Sie bekamen das Kind. Das Kind hieß Johannes. Johannes wurde erwachsen und verkündete, dass der Messias kommen würde. Er bereitete das Volk auf das Kommen des Messias vor, indem er zur Taufe aufrief: „Kommt her, bekennt eure Sünde, geht symbolisch ins Wasser, das die Reinigung von der Sünde symbolisiert, und bereitet euer eigenes Herz auf das Kommen des Messias vor.“ Ganz Judäa strömte zu Johannes hinaus. Alle diese Menschen ließen sich taufen, weil sie bereit sein wollten, wenn der Messias käme.

Eines Tages tauchte Jesus auf und Johannes sagte: „Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!“ Johannes taufte Jesus und die Stimme des Vaters ertönte: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen.“

Bei der Taufe des Johannes ging es nicht nur um den eigentlichen Akt der Taufe, sondern sie stand für sein gesamtes prophetisches Wirken. Wenn unser Herr also sagt: „War die Taufe des Johannes vom Himmel oder von Menschen?“, dann sagt er damit, dass der Dienst des Johannes in Wahrheit eine Taufe der Bekehrung war. Dem Aufruf des Johannes zur Buße folgte die entsprechende Taufe, um diese Umkehr nach außen hin zu demonstrieren. Dadurch waren die Juden aufgefordert, sich selbst wie Nichtjuden zu sehen. Denn diese Art der Taufe wurde verwendet, wenn Nichtjuden sich den Juden in ihrem Gottesdienst anschließen wollten.

Weil sie Außenstehende waren, mussten sie ein Ritual durchlaufen. Johannes sagte also: Du musst dich als Jude so sehen, als wärst du ein ausgestoßener Heide, und deine Sünde bekennen, deine Sünde bereuen und dies in einer Zeremonie demonstrieren. Das war die Taufe des Johannes. Damit sie für den Messias bereit sein würden, wies Johannes auf Jesus als den Messias hin. Ich werde jetzt nicht noch näher darauf eingehen, denn Lukas 3 beschreibt das alles ausführlich.

Eigentlich war also die von Jesus gestellte Frage ziemlich einfach. War dieses Werk von Menschen oder von Gott? Kam es vom Himmel oder von Menschen? Trotzdem brachte das die Führer in ein unmögliches Dilemma. Eigentlich wollten sie sagen, dass es vom Menschen kam, doch das war problematisch. Aber sie wollten auf keinen Fall sagen, dass es von Gott kam. Das glaubten sie nicht und sie hassten allein schon die Vorstellung.

Bereits in Lukas 7 wird berichtet, wie sie zu Johannes dem Täufer Stellung nahmen. In Vers 29 heißt es: „das ganze Volk, das ihn hörte, und die Zöllner gaben Gott recht, indem sie sich taufen ließen mit der Taufe des Johannes“. Die Bevölkerung ging also hinaus, ließ sich taufen und sagte damit: Ja, wir wollen bereit sein. Ja, wir wollen unsere Sünden bekennen und Buße tun. Wir wollen dabei sein, wenn der Messias kommt, um das Reich Gottes aufzurichten.

Aber es geht weiter in Lukas 7,30: „Die Pharisäer aber und die Gesetzesgelehrten verwarfen den Ratschluss Gottes, sich selbst zum Schaden, indem sie sich nicht von ihm taufen ließen.“ Sie lehnten es ab. Sie ließen sich nicht taufen. Das wäre ja ein Eingeständnis gewesen, dass sie außerhalb des Bündnisses standen. Sie hätten zugegeben, dass sie sich außerhalb des Königreichs befanden und dass sie nicht heilig waren. Das würden sie auf gar keinen Fall zugeben. Also antworteten sie: „Johannes ist nicht von Gott, er ist von den Menschen.“

Jesus stellte sie also vor ein Dilemma. „War die Taufe des Johannes vom Himmel oder von Menschen?“ Übrigens heißt es im Parallelbericht in Markus 11,29-30: „Jesus sprach zu ihnen: ... Antwortet mir.“ Damit drehte er die Schrauben noch ein bisschen fester. Sie saßen also in der sprichwörtlichen Zwickmühle. Entweder gaben sie zu, dass Jesus der Messias war, oder sie bestritten, dass Johannes der Täufer ein Prophet Gottes war. Dass Jesus der Messias war, konnten sie unmöglich zugeben. Aber genauso sollten sie lieber nicht leugnen, dass Johannes ein Prophet war, denn das hätte ernste Konsequenzen. Was machten sie also? Lukas sagt in Kapitel 20,5: „Da überlegten sie bei sich selbst“. Das ist ein interessantes Wort aus dem Griechischen, das „beraten“ bedeutet. In der Parallelstelle in Matthäus 21,25 verwendet Matthäus ein anderes Wort, das „Dialog“ bedeutet. Sie berieten sich also, indem sie einen Dialog führten.

In Lukas 20,5-6 heißt es, dass sie sprachen: „Wenn wir sagen: Vom Himmel, so wird er fragen: Warum habt ihr ihm dann nicht geglaubt? Wenn wir aber sagen: Von Menschen, so wird das ganze Volk uns steinigen, denn es ist überzeugt, dass Johannes ein Prophet war.“

Weswegen sollte das Volk sie zu Tode steinigen wollen? Wegen Gotteslästerung. Das Volk würde ins Alte Testament zurückgehen, zu Stellen wie 2. Mose 17,4 oder 4. Mose 14,10. Sie würden sie der Gotteslästerung beschuldigen, weil sie einen Propheten Gottes nicht als Propheten Gottes bezeichneten. Die Führer hatten hier also ein echtes Problem. „Wenn wir sagen, dass es vom Himmel kommt, dann haben wir keine Entschuldigung dafür, nicht an ihn zu glauben. Wenn wir sagen, dass es von Menschen kommt, werden sie uns zu Tode steinigen.“

Das zeigt, wie aufgeheizt diese Menschenmenge war. In ihrer vorübergehenden Begeisterung für Jesus war sie vollkommen unberechenbar. Deswegen konnten die Führer die Wahrheit nicht frei heraus sagen. Was taten sie also? Vers 7 sagt: „Und sie antworteten, sie wüssten nicht, woher die Taufe des Johannes stamme.“ Sie wichen einer Antwort aus, was viel über ihre angebliche Allwissenheit aussagte. Schließlich war es ihre Pflicht, in religiösen Angelegenheiten die Wahrheit zu ermitteln. Indem sie nicht bereit waren, diese Frage zu beantworten, klagten sie sich also selbst an. Es gab für sie keinen Ausweg aus diesem Dilemma. Und wie ich schon sagte, brachte Jesus sie viele Male in eine solche Situation.

Nun komme ich zum letzten Punkt, zur Verurteilung. Die Konfrontation führte zu einer Gegenfrage und schließlich zur Verurteilung. „Da sprach Jesus zu ihnen: So sage ich euch auch nicht, in welcher Vollmacht ich dies tue.“ Diese Aussage Jesu ist unglaublich traurig. Denn damit sagte Jesus im Wesentlichen: „Wegen dem, was ihr mit den euch vorliegenden Informationen gemacht habt, gebe ich euch keine weiteren mehr.“ Es ist vorbei.

Während er das Volk weiterhin lehrte und ihm das Evangelium verkündete, hatte er den Führern absolut nichts mehr zu sagen. Sie kannten das Wirken des Johannes. Sie wussten, dass Jesus behauptete, er und auch Johannes kämen von Gott. Johannes und Jesus waren unzertrennlich. Wenn man einen nahm, bekam man beide. Jesus sah jedoch keinen Sinn darin, weiterhin Perlen vor die Säue zu werfen. Sie lehnten das ganze Licht bewußt ab, so dass es keinen Grund gab, ihnen mehr zu geben. Das ist Gericht über die religiösen Führer Israels, unentrinnbares Gericht.

Später, in Kapitel 22,66 finden wir dieselbe Gruppe noch einmal. Dort „versammelten sich die Ältesten des Volkes, die obersten Priester und Schriftgelehrten, und führten ihn vor ihren Hohen Rat; und sie sprachen: Bist du der Christus? Sage es uns! Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich es euch sagte, so würdet ihr es nicht glauben; wenn ich aber auch fragte, so würdet ihr mir nicht antworten, noch mich loslassen. Von nun an wird der Sohn des Menschen sitzen zur Rechten der Macht Gottes.“ Alles, was euch bleibt, ist das Gericht. „Und da sprachen sie alle: Bist du also der Sohn Gottes?“ Darauf antwortete er nur noch: „Ihr sagt es, denn ich bin es.“ Und was war ihre Antwort darauf? „Was brauchen wir ein weiteres Zeugnis? Denn wir haben es selbst aus seinem Mund gehört!“ Tötet ihn.

Es brachte nichts mehr, ihnen irgendetwas zu sagen. Sie waren so festgefahren in ihrem Unglauben. Es geht weiter in Lukas 23,8-9: „Herodes aber freute sich sehr, als er Jesus erblickte; denn er hätte ihn schon längst gern gesehen, weil er viel von ihm gehört hatte, und er hoffte, zu sehen, wie ein Zeichen von ihm vollbracht wurde. Er legte ihm denn auch viele Fragen vor; aber er gab ihm keine Antwort.“

Herodes hielt sich für einen ziemlich wichtigen Mann, aber Jesus beantwortete keine der Fragen, die er stellte. Es gab nichts zu sagen. Es gab nichts mehr zu sagen. Das ist ein Gerichtsurteil, wie es in 1. Mose 6,3 steht: „Mein Geist soll nicht für immer mit dem Menschen rechten“. Die Geduld Gottes hat ein Ende. In Nehemia 9,30 heißt es: „Du aber hattest viele Jahre lang Geduld mit ihnen und hast gegen sie Zeugnis ablegen lassen durch deinen Geist, durch deine Propheten; aber sie wollten nicht hören. Darum hast du sie in die Hand der Völker der Länder gegeben.“

Es würde eine Zeit kommen, in der Gott sagen würde: Ich habe euch nichts mehr zu sagen. Jesaja bekräftigt dies in Jesaja 63,10: „Sie aber waren widerspenstig und betrübten seinen Heiligen Geist; da wurde er ihnen zum Feind und kämpfte selbst gegen sie.“ Oder Jeremia 11,7.11: „Denn ich habe euren Vätern eindringlich bezeugt von dem Tag an, als ich sie aus dem Land Ägypten herausführte, bis zu diesem Tag, indem ich mich früh aufmachte und es immer wieder bezeugte und sprach: Hört auf meine Stimme! ... Darum, so spricht der Herr: Siehe, ich will ein Unheil über sie bringen, dem werden sie nicht entfliehen können; und wenn sie dann zu mir schreien, werde ich sie nicht erhören.“

Lukas 19,41 beschreibt dasselbe: „Und als er näher kam und die Stadt sah, weinte er über sie und sprach: Wenn doch auch du erkannt hättest, wenigstens noch an diesem deinem Tag, was zu deinem Frieden dient! Nun aber ist es vor deinen Augen verborgen.“

Dem Volk wurde immer noch Barmherzigkeit zuteil. Ihm wurde weiterhin die Botschaft des Evangeliums verkündigt. Und an Pfingsten würden 3 000 Menschen glauben und danach weitere Tausende. Aber für die Führer war es vorbei. Ein für allemal vorbei. Und selbst wenn er von den Toten auferstehen würde, würden sie nicht glauben. Sondern sie würden eine Lüge erfinden, um sie zu vertuschen.

Solche Menschen gibt es sogar in einer Gemeinde wie der unsrigen heute Morgen. Und der Herr reicht immer noch die Hand. Aber für diejenigen, die wie die Führer sind, wird die Türe für immer geschlossen werden. Wie oft kann man das Evangelium hören und es ablehnen, bevor der Herr sagt: „Ich habe dir nichts mehr zu sagen“? Lass das nicht geschehen.

Wenn wir nun heute Morgen vor das Kreuz kommen, stelle bitte sicher, dass dein Wissen über den gekreuzigten Christus persönlich, vertraut und lebensverändernd ist. Betrachte ihn nicht nur als historische Tatsache.

Unser Vater, wir kommen nun zu deinem Tisch und sind zutiefst besorgt um die Herzen aller Anwesenden. Es ist uns ein Anliegen, dass wir eine Gemeinde sind, die dich wirklich kennt. Die Religion kann ein großartiges Versteck sein für Heuchler. Wir beten, Herr, dass jedes heuchlerische Herz entlarvt wird. Wir beten, dass jeder, der nicht mit dir versöhnt ist, in der Furcht lebt, dass ein Ende kommen könnte wo du sagst: „Ich habe dir nichts mehr zu sagen“. Herr, lass diesen erkennen, dass das Gericht alles Licht auslöscht und nur ewige Dunkelheit zurückbleiben wird.

Deshalb bitten wir, dass heute der Tag ist, an dem diejenigen, die das Evangelium immer wieder gehört und es abgelehnt haben, umkehren und es annehmen. Und für uns Gläubige bitte ich, dass wir erkennen, dass der Hass dieser Männer, die die Menge dazu anstachelte zu schreien „Kreuzige ihn, kreuzige ihn“, der größte Akt der Gnade war, der jemals vollbracht wurde. So schrecklich das auch war.

Denn indem sie den Sohn Gottes hassten und töteten, kam das Opfer für unsere Sünden. Und während wir einerseits verabscheuen, was sie unserem Erlöser angetan haben, lieben wir, was du durch ihn getan hast. Und so kommen wir mit dankbaren und bußfertigen Herzen, um uns an seinen Tod für uns zu erinnern.

Amen.

ENDE

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