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Das Lukasevangelium ist eine großartige und gleichzeitig inspirierte Geschichte. Sie enthält das Leben und Wirken unseres Herrn Jesus Christus. Heute beschäftigen wir uns mit einem prophetischen Gleichnis über die Ermordung des Sohnes Gottes. Schlagt bitte mit mir Lukas 20,9 auf.

Es ist die letzte Lebenswoche unseres Herrn, bevor er stirbt. In diesem Abschnitt ist es Mittwoch der Passionswoche. Am Freitag wird er gekreuzigt werden. Am Sonntag wird er wieder auferstehen. Heute ist Mittwoch.

Lukas 20,1 berichtet, dass unser Herr den Mittwoch im Tempelbezirk verbrachte. Am Tag zuvor, also am Dienstag, hatte er den Tempel gereinigt. In Lukas 19,45 heißt es: „Und er ging in den Tempel hinein und fing an, die Verkäufer und Käufer darin hinauszutreiben. Und er sprach zu ihnen: Es steht geschrieben: ‚Mein Haus ist ein Bethaus‘. Ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht!“.

Am Montag war er triumphal in die Stadt eingezogen. Am Abend diesen Tages ging er in den Tempel und sah sich an, was dort vor sich ging. Am Dienstagmorgen kehrte er zurück und reinigte den Tempel. Er warf die dort anwesenden Verkäufer hinaus, weil sie unerlaubt handelten, den Namen Gottes lästerten und sein Haus entweihten. Nachdem er so den Tempel gereinigt hatte, übernahm er das Kommando und nutzte ihn als Ort für seine eigene Verkündigung. Er lehrte die Wahrheit über das Reich der Himmel und verkündigte das Evangelium. Darüber hinaus heilte er Lahme und Blinde.

Dieser letzte Angriff auf das jüdische religiöse Establishment brachte schließlich das Fass zum Überlaufen. Indem er nämlich die Tempelschänder hinauswarf, beendete er die Geschäfte, die unter der Schirmherrschaft der Hohenpriester im Tempel betrieben wurden. Aus diesem Grund wollten die jüdischen Führer ihn tot sehen. Ihr Hass hatte immer mehr zugenommen, und sie wollten ihn schon lange Zeit unbedingt töten. Und dieser Vorfall gab ihnen schließlich den Rest.

Jesus wusste, dass es so kommen würde. Er wusste, dass dieser Vorfall seinen Tod am Freitag auslösen würde. Er tat es trotzdem, weil es das Richtige war. Er würde nach göttlicher Vorsehung am Freitag sterben, weil an diesem Tag die Passahlämmer geschlachtet wurden. Und er sollte als das einzig wahre Passahopfer für die Sünde sterben. Aber bis dahin waren es noch zwei Tage. Jetzt war Mittwoch, und er wollte ein letztes Mal sein Mitgefühl, seine Sympathie, Freundlichkeit, Güte und Gnade zeigen. Deshalb verbringt unser Herr diesen und sogar den nächsten Tag, den Donnerstag, damit, das Evangelium zu lehren und zu predigen. Er bringt den Menschen die Botschaft der Erlösung, der Vergebung und des ewigen Lebens.

Immer noch überwältigt von seinem triumphalen Einzug am Montag hören sie gespannt zu. Sie hoffen immer noch, dass er ihr verheißener König und Messias sein würde und all das erfüllen würde, was Abraham und David und den Propheten im Alten Testament versprochen worden war. Sie hoffen immer noch, dass er der lang erwartete Erlöser wäre, der ihre Feinde vernichten und Israel zur endgültigen Vorherrschaft im Königreich führen würde. Deshalb hören sie sehr aufmerksam zu.

Und auch den Führern entgeht nichts von dem, was er sagt. In jeder Menschenmenge, zu der er spricht, befinden sich einige von ihnen. Sie wollen ihn tot sehen und überlegen Schritte, wie sie das erreichen könnten, auch wenn es nicht einfach werden würde. Kapitel 19 endet mit diesen Worten: „Und er lehrte täglich im Tempel; die obersten Priester aber und die Schriftgelehrten und die vornehmsten Männer des Volkes trachteten danach, ihn umzubringen; doch sie fanden keinen Weg, wie sie es tun sollten; denn das ganze Volk hing an ihm und hörte ihm zu.“

Letztes Mal sahen wir, dass er so beliebt war, dass sie Angst hatten, gegen ihn Stellung zu beziehen. Und doch wollten sie ihn unbedingt tot sehen, weil er ihre Theologie, ihre Religion und ihr Finanzimperium bedrohte.

Ab Vers 9 spricht Jesus zur Menge, mit einem Gleichnis über die Führer. Drei seiner Gleichnisse sind direkt an die Führer gerichtet und dieses ist eines davon. Matthäus hielt alle drei Gleichnisse fest, Lukas nur das eine.

Am Mittwoch ging Jesus von frühmorgens bis abends im Tempel umher und lehrte. Es kann also gut sein, dass er dieses Gleichnis mehrmals wiederholte und es dabei leicht veränderte. Deshalb gibt es zwischen den Gleichnissen bei Matthäus, Markus und Lukas ein paar Abweichungen, aber im Wesentlichen sind sie alle gleich. Das mittlere der drei Gleichnisse, [bei Matthäus], entspricht dem Gleichnis in unserem heutigen Abschnitt bei Lukas. Ich lese das Gleichnis vor, ab Lukas 20,9.

„Er fing aber an, dem Volk dieses Gleichnis zu sagen: Ein gewisser Mensch pflanzte einen Weinberg und verpachtete ihn an Weingärtner und hielt sich längere Zeit außer Landes auf. Und als es Zeit zur Ernte war, sandte er einen Knecht zu den Weingärtnern, damit sie ihm seinen Anteil von der Frucht des Weinbergs gäben. Die Weingärtner aber schlugen ihn und schickten ihn mit leeren Händen fort. Und er fuhr fort und sandte einen anderen Knecht. Sie aber schlugen auch diesen und beschimpften ihn und jagten ihn mit leeren Händen davon. Und er fuhr fort und sandte einen dritten; aber auch diesen verwundeten sie und warfen ihn hinaus.

Da sprach der Herr des Weinbergs: Was soll ich tun? Ich will meinen Sohn schicken, den geliebten; wenn sie den sehen, werden sie sich vielleicht scheuen. Als aber die Weingärtner diesen sahen, sprachen sie untereinander: Das ist der Erbe! Kommt, lasst uns ihn töten, damit das Erbgut uns gehört. Und sie stießen ihn zum Weinberg hinaus und töteten ihn. Was wird nun der Herr des Weinbergs mit ihnen tun? Er wird kommen und diese Weingärtner umbringen und den Weinberg anderen geben.“

In einer sehr einfachen Sprache erzählt Jesus hier eine mitreißende und umfassende Geschichte. Sie ist verblüffend und bedeutungsvoll, ja sogar bizarr und schockierend. Mit ihr und den darauffolgenden Aussagen weist unser Herr auf seinen kommenden Tod hin und dessen Auswirkungen. Weil das Gleichnis einerseits auf dieses bevorstehende Ereignis vorausschaut und andererseits einen Blick auf die Geschichte Israels zurückwirft, ist es sehr wichtig.

Ich möchte euch auf vier Merkmale dieser Geschichte aufmerksam machen. Erstens, auf die Illustration, die Geschichte selbst. Zweitens auf die Erklärung. Nächste Woche dann werden wir uns mit ihrer Tragweite und der Anwendung befassen. Doch zunächst kommen wir zur Illustration und Erklärung.

Vers 9: „Er fing aber an, dem Volk dieses Gleichnis zu sagen“. Jesus spricht im Tempelbereich zu der riesigen Menge an Menschen, die ihn seit seinem Einzug in die Stadt ein paar Tage zuvor begleitet hat. Er spricht zu ihnen, und unter ihnen verstreut sind natürlich auch die Führer. Die Geschichte wird also dem Volk erzählt, aber die Führer hören zu. Das Gleichnis betrifft vor allem sie.

Es ist ganz einfach zu verstehen. „Ein gewisser Mensch pflanzte einen Weinberg“. Das kommt in Israel sehr häufig vor. Vom landwirtschaftlichen Gesichtspunkt aus betrachtet, ist Israel in zwei Arten von Land unterteilt: In Hügelland und Flachland. Im Flachland baut man Getreide an. An den Hängen wird in Terrassen Wein angebaut. Dafür entfernen sie die Steine und errichten kleine Mauern. Diese terrassierten Hänge füllen sie dann mit Weinreben. Das ist auch heute noch so.

Bei Matthäus findet man dieselbe Erzählung etwas ausführlicher. Vielleicht erzählte Jesus die Geschichte jeweils mit anderen Details an unterschiedlichen Orten im Tempel, als er lehrte. Matthäus berichtet noch mehr über die Bemühungen des Mannes, der den Weinberg pflanzte. Er spricht davon, dass er eine Hecke um sie herum anlegt, eine Kelter aufstellt und einen Turm baut, auf dem jemand sitzen und beobachten kann, damit der Weinberg nicht von Tieren oder Feinden angegriffen wird.

Es war also viel Sorgfalt nötig, um einen Weinberg anzulegen. Dieses Bild war den Zuhörern sehr vertraut, weil es gang und gäbe war. Denn jeder der vielen Hänge Israels war mit solchen Weinbergen bedeckt. Es heißt weiter: „Und er verpachtete ihn an Weingärtner.“ Auch das war üblich. Viele Besitzer wohnten nicht selbst auf ihren Grundstücken. Der Eigentümer war also nicht vor Ort. Ihm gehörte zwar das Grundstück, aber er war nicht anwesend. Bei den Männern in der Geschichte handelt sich um Pächter. Ich denke, so könnte man sie nennen. Oder Lohnbauern. Sie besitzen selbst kein Land, verfügen aber über bestimmte landwirtschaftliche Kenntnisse. Sie pachten das Land von einem abwesenden Landbesitzer, um eine Ernte zu erwirtschaften und zahlen dem Eigentümer des Landes einen bestimmten, vertraglich vereinbarten Prozentsatz. Es handelt sich also um Vertragsarbeiter, die das Land zu ihrem eigenen Nutzen bearbeiten.

Sie haben wirklich von allem das Beste. Sie haben die Freiheit, das Land so zu bestellen, wie sie es wollen. Sie können dabei so kreativ sein, wie sie wollen. Da ist keiner, der ihnen über die Schulter schaut. Es ist eine wunderbare Möglichkeit und damit sowohl ein großes Privileg, als auch eine große Verantwortung. Wenn sie hart arbeiten, können sie eine reiche Ernte einbringen. Dann müssen sie dem Eigentümer das zahlen, was sie ihm vertraglich zugesichert haben. Aber alles andere dürfen sie behalten.

Ohne das Land kaufen zu müssen, können sie also das Beste daraus machen. Wenn sie fleißig sind, können sie recht viel verdienen. Der Besitzer, so heißt es in Vers 9, „hielt sich längere Zeit außer Landes auf“. „Längere Zeit“. Damals dauerten alle Reisen sehr lange. Er war sogar so lange weg, dass er zwischen dem Zeitpunkt des Vertragsabschlusses und der Aussaat und dem Zeitpunkt der Ernte kein einziges Mal zurückkommt. Also muss er sehr lange abwesend gewesen sein.

Diese Situation konnte jeder nachvollziehen. Es gab in Israel Landbesitzer, die aber nicht in Israel lebten. Es waren Juden, die an einen anderen Ort gezogen waren. Das war also ein verbreitetes Szenario.

Dann kommt in Vers 10 die Erntezeit: „Zur Erntezeit - zur rechten Zeit - sandte er einen Sklaven zu den Weinbauern“, das ist das Wort Doulos. Er kommt als Bevollmächtigter des Grundbesitzers. Und der Grund dafür liegt nahe. Sie sollen ihm das vertraglich Vereinbarte von ihren Erträgen aushändigen. So, wie die Pächter und der Eigentümer es in gegenseitigem Einvernehmen vereinbart hatten. Diese Art von Pachtlandwirtschaft wird übrigens auch heute noch überall auf der Welt betrieben.

Der Anteil des Besitzers ist jetzt also fällig. Daran ist nichts Ungewöhnliches, sondern es ist seit Jahrtausenden ein ganz normaler Vorgang.

Was nicht normal ist, ist die Reaktion der Pächter. Zurück zu Vers 10. „Die Weingärtner aber schlugen ihn – “ d. h. den Sklaven „ - und schickten ihn mit leeren Händen fort.“ Das ist ein schockierendes Element in dieser Geschichte. In vielen der biblischen Geschichten, die der Herr erzählte, gibt es diesen Moment der Empörung, diesen Moment des Schocks, diesen Moment des beschämenden, inakzeptablen, oder sogar kriminellen Verhaltens. Die Zuhörer konnten verstehen, dass das undankbar, bösartig, kriminell und sogar illegal war.

Den Besitzer nicht zu bezahlen, war illegal. Und den Diener zu schlagen und mit nichts zurückzuschicken, war kriminell. Das Wort „schlagen“ ist ein starkes Wort und kann buchstäblich „am ganzen Körper verprügeln“ bedeuten. Es war eine echte Misshandlung. Sie schickten ihn mit nichts zurück. Vers 11 zeigt die Antwort des Landbesitzers: Er sendet einen zweiten Sklaven hin. „Sie aber schlugen auch diesen und beschimpften ihn“ – hier steht das griechische Verb, von dem wir das deutsche Wort „traumatisieren“ ableiten. Sie „jagten ihn mit leeren Händen davon. Und er fuhr fort und sandte einen dritten; aber auch diesen verwundeten sie und warfen ihn hinaus.“

Bei Matthäus werden sogar noch mehr Diener geschickt, von denen manche getötet und andere gesteinigt werden. Das Verhalten dieser Pächter war absolut schändlich. Sie hatten ein Privileg erhalten mit der Möglichkeit, üppig abzusahnen. Man hatte ihnen Unabhängigkeit und Freiheit eingeräumt. Sie hatten Zusagen gemacht und Verträge abgeschlossen. Aber trotzdem offenbaren sie sich in ihrer Haltung als egoistisch, nachtragend, rebellisch und kriminell, bis hin zu Mord. Sie sind kurz gesagt bösartige, respektlose Kriminelle.

Überaus erstaunlich ist deshalb die unglaubliche Geduld des Besitzers in der Geschichte, nachdem sie den ersten Sklaven verprügelt und zurückgeschickt hatten. Er hätte jedes Recht gehabt, selbst zu kommen, die zuständigen Behörden einzuschalten und für Gerechtigkeit und Vergeltung zu sorgen. Das tut er aber nicht, sondern er schickt einen zweiten Sklaven. Er ist barmherzig, zeigt Freundlichkeit und Geduld. Mit dem zweiten Sklaven tun sie das Gleiche. Er schickt einen dritten. Sie tun dasselbe mit ihm. Dieser Eigentümer gibt ihnen geduldig eine Gelegenheit nach der anderen, das Richtige zu tun, nämlich das, was sie versprochen und vereinbart hatten.

Dann kommt Vers 13. „Da sprach der Herr des Weinbergs: Was soll ich tun?“ Das scheint eine dumme Frage zu sein, nicht wahr? Inzwischen hätte doch jeder mit Vergeltung gerechnet. Man hätte schon Rache erwartet für den ersten Diener, aber auf jeden Fall für den zweiten und dritten. Warum stellt er diese Frage überhaupt, „Was soll ich tun?“ Das ist doch eigentlich offensichtlich, oder? Das Volk zumindest ergriff Partei für den angegriffenen Eigentümer. In Gedanken sagten sie sich: Ihm bleibt nur eines übrig. Komm und nimm Rache, übe Vergeltung, Auge um Auge, Zahn um Zahn, Leben um Leben.

Aber der Besitzer hat immer noch Geduld und beschließt, dass er es noch einmal versuchen wird. Am Ende von Vers 13 heißt es: „Ich will meinen Sohn senden, den geliebten; wenn sie den sehen, werden sie sich vielleicht scheuen!“ In der Erzählung von Matthäus heißt es: „Zuletzt werde ich meinen Sohn senden.“ Als allerletzte Maßnahme werde ich meinen einzigen geliebten Sohn schicken, vielleicht respektieren sie den.

Damit sagt er, was er eigentlich erwarten würde. Sie sollten ihm Respekt erweisen, entrepō, was wörtlich heißt: sich schämen, ihn nicht zu respektieren. Nach all ihren schändlichen Taten bisher könnte man doch sicher erwarten, dass sie den eigenen geliebten Sohn gerecht und zivilisiert behandeln. Vielleicht hatten sie einfach ein schlechtes Bild von den Sklaven, die der Besitzer schickte. Vielleicht sahen die Pächter Sklaven als Tiere, so wie viele Menschen in der säkularen und heidnischen Welt dies taten. Der Besitzer äußert also den einleuchtenden Gedanken, dass sie zumindest seinen Sohn respektieren würden, wenn sie das schon bei seinen Sklaven nicht taten.

Aber schaut euch an, was in Vers 14 passiert. „Als aber die Weingärtner diesen sahen, sprachen sie untereinander“, dialogizomai, sie unterhielten sich. Sie diskutierten und kamen ohne dass der Sohn überhaupt etwas sagt, zu folgendem Ergebnis: „Das ist der Erbe! Kommt, lasst uns ihn töten, damit das Erbgut uns gehört.“ Die Pächter wissen genau, wer er ist und schmieden einen Plan. Sie planen seine Ermordung, damit sie alles kontrollieren und besitzen können. So wollen sie verhindern, dass er sie einschränkt oder ihnen etwas wegnimmt, von dem sie glauben, dass es ihnen gehören sollte. Und um das zu erreichen, müssen sie ihn töten.

Man könnte diese Geschichte so verstehen, dass sie aufgrund seines Schweigens dachten, dass der Eigentümer gestorben sei und das Eigentum an seinen Sohn vererbt hatte. Und alles, was sie nun tun müssten damit es ihnen gehörte, wäre, den Sohn zu töten.

Laut Talmud fiel das Land nach drei Jahren, in denen niemand Anspruch darauf erhob, an diejenigen, die es bewirtschafteten. Wenn sie also den Sohn loswerden könnten, in der Annahme, dass der Sohn kam, weil der Vater vielleicht schon tot war, würde alles ihnen gehören. Sie wollten verhindern, dass der Sohn irgendwie die Kontrolle oder Autorität hatte oder irgendetwas von ihnen verlangte. Sie wollten alleinige Besitzer des Erbes sein.

Vers 15 berichtet, dass sie ihr geplantes Vorhaben unverzüglich ausführten: „...sie stießen ihn zum Weinberg hinaus und töteten ihn.“ Das ist wie so viele Gleichnisse unseres Herrn eine schockierende Geschichte. Die Zuhörer sollten sich gegen diese Pächter empören. Als gesetzestreue, religiöse Menschen konnten sie ein solches Verhalten einfach nicht akzeptieren. Sie dachten von sich, gute Menschen zu sein, weil sie Gott anbeteten und versuchten, das Richtige zu tun. Für sie war ein solches Verhalten ungeheuerlich. So würde sich nur ein Heide verhalten. Sie identifizierten sich also voll und ganz mit dem Eigentümer und waren empört über die Pächter.

In Vers 15 stellt Jesus am Ende des Verses genau die Frage, die sie in den Bann zieht: „Was wird nun der Herr des Weinbergs mit ihnen tun?“ Der Eigentümer war nicht tot. Er war am Leben. Was würde er tun? Jesus fordert somit seine Zuhörer auf, das Gleichnis zu vervollständigen.

Die Antwort gibt er selbst in Vers 16: „Er wird kommen und diese Weingärtner umbringen und den Weinberg anderen geben“. Hier scheint es, als hätte Jesus die Frage beantwortet, ohne ihre Antwort abzuwarten. Aber wenn wir die Gleichnisse aus den einzelnen Evangelien zusammensetzen, erhalten wir einen vollständigen Bericht dieser Geschichte. Matthäus z. B. fügt seinem Bericht in Matthäus 21,41 ein sehr hilfreiches Detail hinzu: „Sie sprachen zu ihm: Er wird die Übeltäter auf üble Weise umbringen“.

Genau zu dieser Schlussfolgerung sollte das Volk auch kommen. Und tatsächlich stimmte das Volk dem zu. Sie sagten zu ihm: „Er wird die Übeltäter auf üble Weise umbringen“. Und weiter sagten sie auch: „Und den Weinberg anderen Weingärtnern verpachten, welche ihm die Früchte zu ihrer Zeit abliefern werden.“

Ihr Fazit umfasst zwei Dinge: Der Eigentümer wird sie vernichten und das Land in die Obhut anderer geben. Das ist die einzig vernünftige und die einzige angemessene Antwort. Und genau das war es, was die Leute sagten. Und unser Herr bestätigt es in Lukas 20,16: Ja, „er wird kommen und diese Weingärtner umbringen und den Weinberg anderen geben!“ Das ist logisch. Wenn man sie umgebracht hat, muss man den Weinberg natürlich jemand anderem zur Pflege überlassen. Diesem angemessenen Urteil würde niemand widersprechen. Die Leute bei Jesus stimmten damit überein und sagten genau dasselbe: Er sollte diese Schufte vernichten und sein Land jemand anderem geben. Und sie hatten absolut Recht damit. Jesus hatte erreicht, dass sie sich mit der Geschichte identifizierten.

Das war die Illustration. Nun kommen wir zur Erklärung. Was bedeutet diese Geschichte? In der zweiten Hälfte von Vers 16 heißt es: „Als sie das hörten, sprachen sie: Das sei ferne!“ Nun, das ist seltsam. Was soll das heißen? Als die Leute das hörten, sagten sie: Möge das niemals geschehen, mē genoito auf Griechisch. Das ist die stärkste mögliche Verneinung in der griechischen Sprache. Nein, nein, nein und nochmals nein. Nein, das kann nicht sein. Das darf nicht passieren. Nein, niemals, nie.

Wenn sie doch gerade gesagt hatten: „Er wird diese Weingärtner umbringen und den Weinberg anderen geben“, warum sollten sie dann jetzt sagen: Nein, nein, nein, und nochmals nein. Lass das nicht zu. Das darf nicht sein! Ich sage euch, warum. Der Grund ist, dass sie die Bedeutung verstanden hatten. Bitte beachte noch einmal den Satz am Ende von Vers 16: „Als sie das hörten – “. Das griechische Verb ist akouō, von dem wir „akustisch“ ableiten. Es bedeutet „begreifen“, „durch Hören wahrnehmen“. Es bedeutet „verstehen“, „durchblicken“.

In den Kapiteln 2 und 3 der Offenbarung heißt es zum Beispiel immer und immer wieder: „Wer ein Ohr hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt!“. Es geht dabei nicht um das Hören von Geräuschen oder Worten, sondern um das Verstehen von Botschaften. Und genau so wird akouō im gesamten Neuen Testament verwendet. Als Hören im Sinne von Verstehen.

Zunächst sagten sie: „Tötet diese Weinbauern und ersetzt sie“. Und dann verstanden sie es. Ob es nun eine so offensichtliche Geschichte war, dass die Erleuchtung augenblicklich kam, oder ob Jesus es ihnen erklärte, sie verstanden es jedenfalls. Und in dem Moment, als sie es verstanden hatten, sagten sie: „Nein, nein, nein, niemals. Nein, nein, nein, und nochmals nein. Das dürfen wir nicht zulassen. Man darf diese Menschen nicht töten, und man darf ihnen den Weinberg nicht wegnehmen. Das darf einfach nicht passieren.“ Nachdem sie die Bedeutung der Geschichte verstanden hatten, gerieten sie in Panik.

Was hatten sie verstanden? Lasst uns die Geschichte noch einmal durchgehen und schauen, was sie verstanden hatten. „Ein gewisser Mensch pflanzte einen Weinberg“. Der gewisse Mensch war Gott. Der Weinberg war Israel. Dies beschreibt eindeutig die Gründung Israels durch Gott. Der Urheber und Besitzer Israels war Gott. Israel war sein Volk, erwählt, auserwählt, aus den Lenden Abrahams geformt, durch die Patriarchen getragen, zu einer vollen Nation erblüht, aus der ägyptischen Gefangenschaft wiedergewonnen. Tatsächlich benutzt Jesaja in den wunderbaren ersten Versen seiner Prophezeiung denselben Ausdruck: „Gott hat einen Weinberg gepflanzt“. Dort wird auch die Frage beantwortet, wer dieser Weinberg sei. Dieser Weinberg ist laut Jesaja 5,7 das Haus Israel.

Jesaja beschreibt weiter ausführlich, wie Gott Israel gepflanzt hatte, nämlich „auf einem fruchtbaren Hügel“, dem wunderbaren Land Kanaan. Dass Gott „einen auserlesenen Weinstock“ gepflanzt hatte, meint, dass die Nation der Juden zum edelsten der ganzen Menschheit gehört. Gott beschützte sie, umgab sie mit einem Graben und einer Hecke, baute eine Kelter, was das Symbol des Opfersystems sein könnte, und einen Turm. Jesajas Beschreibung verdeutlicht, dass Gott alles getan hatte, was er konnte, so dass er allen Grund hatte, gute Trauben zu erwarten. Aber er erhielt saure Beeren (hebräisch bu’uschim).

Gott tat bei der Pflanzung Israels alles, was er konnte, um eine gute Ernte zu erhalten. Er erhielt jedoch gar nichts, und Jesaja prophezeit, dass Gott seinen Weinberg zertrampeln wird und kein Regen darauf fallen wird. Er wird zerstört werden und austrocknen. Und weiter beschreibt Jesaja ein abtrünniges, untreues, ungehorsames, rebellisches, gotteslästerliches Israel, das im Jahr 586 v. Chr. von den Babyloniern in Gefangenschaft genommen werden wird.

Die Sprache hier im Matthäusevangelium erinnert sehr stark an Jesaja 5. Jesus sagt: Es hat sich nichts geändert. Israel ist Gottes Weinberg, gepflanzt und ausgestattet mit den zuvor schon erwähnten Elementen Kelter, Schutzhecke und Turm. Gott hat Israel gepflanzt. Dieselbe Sprache findet sich auch in Psalm 80,8-16, wo Gott Israel mit einem Weinberg vergleicht, und auch in Jeremia 2,21. Dieses Bild von Israel war dem damaligen Volk also sehr vertraut. Sie wussten um die babylonische Gefangenschaft. Auch den Jesaja-Text kannten sie sehr gut, denn unmittelbar danach folgt die große Vision Gottes in Jesaja 6.

Aber wer sind die Weingärtner? Ihnen hatte Gott die Verantwortung für die Pflege seines Weinbergs, seines Volkes, übertragen. Wer könnte das sein? Die Aufsicht über das Volk war den religiösen Führern übertragen worden. Diese waren dafür verantwortlich, das Volk auf den Wegen Gottes zu führen, es zum Gehorsam und zur wahren Anbetung zu leiten. Sie waren niemals die Besitzer von Gottes Eigentum, sondern immer nur dessen Verwalter. Gottes Volk gehörte zu jeder Zeit ausschließlich Gott. Den Führern, darunter Königen, Propheten, aber vor allem der Priesterschaft war nur die Verantwortung für das geistliche Wohl Israels übertragen worden.

So gründete Gott sein Volk aus den Lenden Abrahams. Er legte es in die Hände der Priesterschaft und bestimmter Machthaber, allesamt Gottesmänner, Älteste und weise Männer. Und Gott selbst machte sich auf eine lange Reise. Was ist damit gemeint? Mit der „langen Reise“ ist zweitausend Jahre Geschichte des Alten Testaments gemeint.

Gott beschloss, in bestimmten Zeitabständen bestimmte Sklaven zu schicken, um seine Ernte einzuholen. Er selbst blieb weg und kam erst in der Gestalt seines Sohnes wieder. Seit der Zeit der Patriarchen, von Abraham an, übertrug Gott die Sorge für das Volk den religiösen und geistlichen Führern Israels. Etwas später waren das die Könige und Priester; zur Zeit Jesu war es der Hohepriester, die obersten Priester, Schriftgelehrten, Pharisäer, Sadduzäer, Ältesten und Führer. Sie verwalteten das Land in geistlichen Belangen.

In Vers 10 heißt es wörtlich im Griechischen: „Zur vorgeschriebenen Zeit, zur geeigneten Zeit“. Die englischsprachige NAS sagt „Erntezeit“. „Zu geeigneten Zeiten in der Geschichte Israels sandte Gott Knechte“. Wer sind diese Knechte? Es sind Propheten des Alten Testaments, wahre Propheten. Sie wurden zu Israel gesandt, um dem Volk das Gesetz Gottes zu bringen und es zu Gehorsam und Gerechtigkeit zurückzuführen. Die Propheten kamen, um das Volk aufzurufen, geistliche Frucht zur Ehre und zum Ruhm Gottes hervorzubringen.

Von Mose bis hin zu Johannes dem Täufer hatten alle die gleiche Verantwortung. Sie alle riefen die Menschen auf, nach Gottes Gesetz zu leben, Gott zu lieben, über ihre Sünden Buße zu tun, sich Gott zuzuwenden, Gott um Vergebung und Rettung zu bitten und seinem Gesetz gehorsam zu sein. Das war die Botschaft und dafür wirkten alle wahren Propheten. Sie wurden von Gott gesandt, um das Volk von seiner Sünde abzubringen und es zum wahren Gott, zum Gesetz Gottes, zur Heiligkeit, zur echten Umkehr und zum Streben nach Gerechtigkeit zurückzuführen. In den mehr als zweitausend Jahren der Geschichte des Alten Testaments gab es viele von ihnen.

Wie wurden sie behandelt? Sie wurden misshandelt, geschlagen, geschändet, verwundet, ausgestoßen. Viele wurden getötet, manche gesteinigt. Die Geschichte Israels ist eine Geschichte des Abfalls, der Abtrünnigkeit und geistlichen Rebellion. Sie ist eine Geschichte von Propheten, die Israel zur Umkehr aufrufen, und von Propheten, die abgelehnt, misshandelt, verleumdet, missbraucht und getötet werden.

Justin der Märtyrer beschuldigt in seinem Dialog mit Trypho die Juden, Jesaja mit einer Holzsäge in zwei Hälften gesägt zu haben. Vermutlich ist in Hebräer 11,37 Jesaja gemeint, der zersägt wurde. Jeremia wurde ständig misshandelt. Er wurde in eine Grube geworfen und der Überlieferung nach steinigten ihn die Juden zu Tode. Hesekiel sah sich demselben Hass und derselben Feindseligkeit ausgesetzt. Amos musste fliehen, um sein Leben zu retten. Sacharja wurde abgelehnt und gesteinigt, und Micha wurde ins Gesicht geschlagen.

Ein Autor drückt es so aus: „Die übereinstimmende Feindseligkeit von Königen, Priestern und dem Volk gegenüber den Propheten ist eines der bemerkenswertesten Merkmale in der Geschichte der Juden. Das Ausmaß der Feindseligkeit variierte und drückte sich auf unterschiedliche Weise aus, wobei die Intensität zunahm, aber sie war immer vorhanden. So sehr die Juden auch das Ausbleiben der Propheten nach dem Tod Maleachis beklagten, so sehr bekämpften sie sie normalerweise, solange es ihnen gewährt wurde. Sie schienen bis zur Wegnahme dieser Gabe der Propheten wenig stolz auf diese außergewöhnliche Gnade zu sein, die der Nation erwiesen wurde, und sie schienen wenig Wertschätzung oder Dankbarkeit dafür zu empfinden.“

Du erinnerst dich, dass die Pharisäer und Schriftgelehrten zu Jesus sagten: „Weißt du, wenn wir dabei gewesen wären, als unsere Vorväter die Propheten misshandelten, hätten wir das nie so gemacht.“ Als Christus kam, war es 400 Jahre her, dass es einen Propheten gab. Sie schätzten sich selbst so ein, dass sie den Propheten niemals das angetan hätten, was ihre Vorväter getan hatten. Und wenn es damals Propheten gegeben hätte - sie selbst hätten es nie so gemacht. Das war jedoch reines Wunschdenken, denn sie waren es, die unbedingt nicht nur die Propheten, sondern sogar den Sohn selbst töten wollten.

Um das zu verstehen, gehen wir zurück zu Jeremia 7. Ich möchte nur ein paar allgemeine Aussagen Gottes zu diesem Thema zeigen, ohne die Geschichte jedes einzelnen Propheten durchzugehen. In Jeremia 7,23 heißt es: „Sondern dieses Wort habe ich ihnen befohlen: Gehorcht meiner Stimme, so will ich euer Gott sein, und ihr sollt mein Volk sein; und wandelt auf dem ganzen Weg, den ich euch gebieten werde, damit es euch wohlergehe. Aber sie gehorchten nicht und neigten mir ihre Ohren nicht zu, sondern sie wandelten nach den Ratschlägen nach dem Starrsinn ihres bösen Herzens, und sie wandten mir den Rücken zu und nicht das Angesicht.“

Und Vers 25: „Von dem Tage an, als eure Väter aus dem Land Ägypten zogen, bis zu diesem Tag habe ich euch alle meine Knechte, die Propheten, gesandt, täglich, indem ich mich früh aufmachte und sie immer wieder sandte. Aber sie haben mir nicht gehorcht und mir kein Gehör geschenkt, sondern sie zeigten sich noch halsstarriger und böser als ihre Väter.“ Es wurde immer schlimmer, selbst als Gott seine Propheten sandte.

Jeremia 25,4 sagt: „Dazu hat der Herr alle seine Knechte, die Propheten zu euch gesandt, indem er sich früh aufmachte und sie immer wieder sandte; aber ihr wolltet nicht hören und neigtet eure Ohren nicht, um auf sie zu hören, wenn er euch sagen ließ: Kehrt doch um, jeder von seinem bösen Weg und von der Bosheit eurer Taten, damit ihr in dem Land, das der Herr euch und euren Vätern gegeben hat, von Ewigkeit zu Ewigkeit wohnen könnt! Und wandelt nicht fremden Göttern nach, um ihnen zu dienen und sie anzubeten; und reizt mich nicht zum Zorn mit dem Werk eurer Hände, so will ich euch nichts Böses tun!“

Diese Botschaft wurde von den Propheten immer und immer wieder überbracht. Vers 7: „Aber ihr habt mir nicht gehorcht, spricht der Herr, sondern habt mich erzürnt durch das Werk eurer Hände, euch selbst zum Schaden.“ Und dann fährt er fort, ab Vers 11 Gericht und Zerstörung durch Nebukadnezar und die Babylonier zu verkünden: „und dieses ganze Land soll zu Trümmerhaufen, zur Wüste werden, und diese Völker sollen dem König von Babel dienen, 70 Jahre lang.“ Die babylonische Gefangenschaft war das Gericht Gottes über ein Volk, das rebellisch, abtrünnig und ungehorsam war und nicht auf die Propheten hören wollte.

Schlagt Matthäus 23 im Neuen Testament auf, das ist ein höchst bemerkenswertes Kapitel. Ich möchte euch zeigen, wie bekannt die Geschichte der Ermordung der Propheten unter den Juden tatsächlich war. In Matthäus 23,29 spricht Jesus gegen die Führer: „Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler, dass ihr die Gräber der Propheten baut und die Denkmäler der Gerechten schmückt“. Das war Teil ihrer Heuchelei, denn sie waren in jeder Hinsicht Heuchler. Und eine ihrer heuchlerischen Handlungen bestand darin, dass sie vorgaben, die Propheten zu verehren, die ihre Vorväter gehasst, missbraucht, misshandelt und getötet hatten. Und so versuchten sie, die Denkmäler der Propheten zu schmücken. Sie wollten nicht, dass die Leute dachten, dass sie so wie ihre Vorfahren waren. Sie waren ja viel besser, denn sie würden das einem wahren Propheten niemals antun. So bauten sie größere Gräber zu Ehren der Propheten und schmückten die Denkmäler der Gerechten.

Das wird ganz deutlich in ihrer Aussage in Vers 30: „Hätten wir in den Tagen unserer Väter gelebt, wir hätten uns nicht mit ihnen des Blutes der Propheten schuldig gemacht“. Sie wollten sich selbst besser darstellen als ihre Vorfahren, die dafür bekannt waren, dass sie die Propheten abschlachteten.

Aber Jesus sah sie so, wie sie wirklich waren in Vers 33: „Ihr Schlangen! Ihr Otterngezücht! Wie wollt ihr dem Gericht der Hölle entgehen? Siehe, darum sende ich zu euch Propheten und Weise und Schriftgelehrte; und etliche von ihnen werdet ihr töten und kreuzigen, und etliche werdet ihr in euren Synagogen geißeln und sie verfolgen von einer Stadt zur anderen.“ Jesus sagt ihnen: Ihr seid auch nicht anders. Denn sobald meine Apostel und die Verkündiger des Evangeliums hinausgehen werden, werdet ihr ihnen genau das antun, was eure Väter den früheren Propheten angetan haben. Ihr werdet sie verfolgen. Ihr werdet sie hinrichten. Und genau das taten sie. Alle Apostel wurden gemartert, mit Ausnahme von Johannes. Ein Gemetzel stand bevor.

In Vers 35 heißt es: „damit über euch alles gerechte Blut kommt, das auf Erden vergossen worden ist, vom Blut Abels, des Gerechten, bis zum Blut des Zacharias, des Sohnes Barachias, den ihr zwischen dem Tempel und dem Altar getötet habt.“ Das zeigt, wie weit sie schon abgewichen waren. Sie hatten den letzten ihrer ermordeten Propheten im Tempel zwischen dem Altar und dem Heiligtum umgebracht.

Deshalb sagt Jesus in Vers 37: „Jerusalem, Jerusalem, die du die Propheten tötest und steinigst, die zu dir gesandt sind!“ Das ist die Geschichte Israels. Sie sind abtrünnig, ungehorsam, ungläubig, rebellisch, götzendienerisch, gotteslästerlich, und sie schlachten die Propheten ab.

In Lukas 6,22 lautet eine der Seligpreisungen unseres Herrn: „Glückselig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen, und wenn sie euch ausschließen und schmähen und euren Namen als einen lasterhaften verwerfen um des Menschensohnes willen.“ Jesus sagt das, weil er weiß, dass es genau so mit der ersten Generation jüdischer Gläubiger geschehen wird, und zwar durch die Hand der jüdischen Führer. Weil er das weiß, sagt er in Vers 23: „Freut euch an jenem Tag und hüpft! Denn siehe, euer Lohn ist groß im Himmel. Denn ebenso haben es ihre Väter mit den Propheten gemacht“. Es ist also wirklich nichts Neues.

In Lukas 11,49 heißt es: „Darum hat auch die Weisheit Gottes gesprochen: Ich will Propheten und Apostel zu ihnen senden, und sie werden etliche von ihnen töten und verfolgen, damit von diesem Geschlecht das Blut aller Propheten gefordert werde, das seit Grundlegung der Welt vergossen worden ist, vom Blut Abels an bis zum Blut des Zacharias, der zwischen dem Altar und dem Tempel umkam. Ja, ich sage euch, es wird gefordert werden von diesem Geschlecht!“ - oder von diesem Volk.

In seiner langen Geschichte des Alten Testaments wurden die Boten Gottes vom Volk missbraucht, verfolgt und abgeschlachtet. Es waren die Propheten, die Gott gesandt hatte, um sein Recht auf die guten Trauben des von ihm gepflanzten Weinbergs einzufordern.

Vor Kurzem lasen wir in Lukas 13,34 dieselbe Formulierung, die auch in Matthäus 23 steht: „Jerusalem, Jerusalem, die du die Propheten tötest und steinigst, die zu dir gesandt sind“. In Apostelgeschichte 7 predigt Stephanus, der erste christliche Märtyrer zu den Juden in Jerusalem und sagt in Vers 51: „Ihr Halsstarrigen und Unbeschnittenen an Herz und Ohren! Ihr widerstrebt allezeit dem Heiligen Geist, wie eure Väter, so auch ihr! Welchen Propheten haben eure Väter nicht verfolgt?“ Das ist deutlich. Stephanus fragt: „Welchen Propheten haben eure Väter nicht verfolgt? Und sie haben die getötet, die vorher das Kommen des Gerechten ankündigten, dessen Verräter und Mörder ihr nun geworden seid.“

Ihr habt die Propheten getötet, die das Kommen des Gerechten ankündigten, und jetzt habt ihr den Gerechten getötet. „Als sie aber das hörten, schnitt es ihnen ins Herz und sie knirschten mit den Zähnen über ihn.“ Dann steinigten sie ihn zu Tode. Und der junge Saulus war dabei als er starb und absolut damit einverstanden. Davon angespornt machte er sich auf zu einem Amoklauf in dieser ersten Generation, indem er mordete und die Gemeinden verwüstete. Er glaubte, dass er so das Judentum aufrechterhalten würde. Damit stand er in einer guten Tradition: So war es schon immer gewesen.

Gott ist so geduldig. Er schickt einen Propheten, einen weiteren Propheten, noch einen und den nächsten. Sie alle werden gleich behandelt. Um die Geschichte vollständig zu erklären, müssen wir letztendlich zu Lukas 20 zurückkehren. Der Eigentümer des Weinbergs stellt die alles entscheidende Frage: „Was soll ich tun?“ und antwortet in Vers 13: „Ich will meinen Sohn senden, den geliebten; wenn sie den sehen, werden sie sich vielleicht scheuen!“ Das kann man doch nicht falsch verstehen, oder? In Markus' Bericht über dieses Gleichnis heißt es: „Nun hatte er noch einen einzigen Sohn, seinen geliebten; den sandte er zuletzt auch noch zu ihnen“. Das ist unmissverständlich. Gott sandte seinen geliebten Sohn. In Lukas 3,22 bei der Taufe Jesu sagt er: „Du bist mein geliebter Sohn“. In Matthäus 17,5 sagt Gott bei der Verklärung Jesu: „Dies ist mein geliebter Sohn“. Und in Johannes 3,16 heißt es: „Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab.“

Dieser Bote unterscheidet sich von allen anderen. Er ist kein Sklave, sondern er ist ein Sohn, der einzige Sohn, den Gott hat. Er ist Gottes letzter alttestamentlicher Gesandter, der Prophet aller Propheten. Er ist der Erbe von allem, was Gott besitzt. Er ist derjenige, der alle göttliche Autorität hat, alle göttlichen Rechte auf Gehorsam und Ehre und ebenso jedes göttliche Recht zu richten. Sie hätten ihn respektieren und Ehrfurcht vor ihm haben sollen. Sie hätten ihn verehren sollen. Nach alldem, was sie den Propheten angetan hatten, die sein Kommen ankündigten, hätten sie sich schämen und ihn respektieren sollen.

Und es ist ja nicht so, dass sie nicht gewusst hätten, wer er war. Bitte beachtet in der Geschichte den Satz: „Als aber die Weingärtner diesen sahen“. Das ganze Leben Jesu war geprägt von unendlichen Beweisen dafür, dass er tatsächlich der Sohn Gottes, der Messias, war. Es war unmissverständlich klar. Und auch die Weingärtner sagen: „Das ist der Erbe“. Ihre Anklageschrift ist, dass sie sagen: „Das ist der Erbe.“

Sie wussten, welche Ansprüche er stellte und sie wussten, dass er diese Ansprüche mit seiner Macht über Krankheiten, Tod und Dämonen bestätigte. Sie kannten seine Wunderkraft. Sie wussten, dass es keine andere Erklärung für diese gab als die, dass er göttlich war. Warum glaubten sie ihm trotzdem nicht? Dazu sagt Johannes 12,42 folgendes: „Doch glaubten sogar von den Obersten viele an ihn, aber wegen der Pharisäer bekannten sie es nicht, damit sie nicht aus der Synagoge ausgeschlossen würden. Denn die Ehre von Menschen war ihnen lieber als die Ehre Gottes.“

Es war nie eine Frage von Beweisen. Niemals. Sie gaben sogar zu, zu wissen, dass er die wahren Worte Gottes sprach. Die ganze Zeit über leugneten sie nicht eines seiner Wunder und bestritten diese nie. Es war für sie einfach nicht akzeptabel, an ihn zu glauben. Denn sie liebten ihre eigene Religion und den damit verbundenen Ruhm mehr als Gott. Es war keine Kopfsache, sondern eine Herzenssache, zuzugeben, dass er der Messias und der einzige und geliebte Sohn Gottes war.

Und langsam dämmerte es der Menge, zu der Jesus im Tempel sprach. Deshalb sagt Jesus in dieser Geschichte seinen eigenen Mördern, dass er genau weiß, was sie in zwei Tagen tun würden. Sie würden ihn töten. Sie würden ihn töten, weil sie die Kontrolle über das Erbe haben wollen, „damit das Erbgut uns gehört“. Sie wollten Kontrolle über das religiöse System, Kontrolle über ihre eigene Version vom Reich Gottes.

Sie wollten die Ketzer verbrennen. Das war genau das, was die selbsternannten Verwalter des Reiches Gottes in der gesamten christlichen Kirchengeschichte taten. Sie wollten Kontrolle. Auch die jüdischen Führer wollten ihre Synagogenwelt und Tempelwelt so belassen, wie sie war. Deshalb stellte Jesus für sie ein echtes Problem dar. Und damit sie an ihrer Religion festhalten konnten, beschlossen sie, ihn zu töten.

Was ist mit dem Ausspruch „Lasst uns ihn töten“ gemeint? Es bezieht sich auf die Kreuzigung in zwei Tagen, die schon lange geplant war. Nun wollten sie es so schnell wie möglich hinter sich bringen. Es heißt weiter: „Und sie stießen ihn zum Weinberg hinaus und töteten ihn“. Sie lehnten ihn völlig ab und warfen ihn als Ausgestoßenen aus ihrem Volk hinaus. Einige Einleger verknüpfen dies mit der Tatsache, dass Jesus außerhalb der Stadt gekreuzigt wurde und starb. Wahrscheinlich sollte das symbolisieren, dass er vom Volk abgelehnt worden war.

Dies war ihre Geschichte und sie hatte weitreichende Auswirkungen. Und als die Menschen das verstanden, wurde ihnen klar, was sie zuvor gesagt hatten, als sie sagten: Vernichtet diese elenden Weingärtner, gebt den Weinberg jemand anderem! Sie erkannten, dass sie gerade ihre eigene Religion und ihre eigene Nation verurteilt hatten. Deshalb antworten sie am Ende von Vers 16: „Das sei ferne!“ Nein, nein, nein, niemals. Wir nehmen alles zurück. Wir nehmen alles zurück, wir hätten das nie sagen dürfen.

Was bedeutet die Aussage aus Vers 16, wo es heißt: „Er wird kommen und diese Weingärtner umbringen“? Das göttliche Gericht wurde ja bereits in Lukas 13,35 vorhergesagt: „Siehe, euer Haus wird euch verwüstet gelassen werden.“ Und später in Kapitel 19,42: „Wenn doch auch du erkannt hättest, wenigstens noch an diesem deinen Tag, was zu deinem Frieden dient! Nun aber ist es vor deinen Augen verborgen. Denn es werden Tage über dich kommen, da deine Feinde einen Wall um dich aufschütten, dich ringsum einschließen und von allen Seiten bedrängen werden; und sie werden dich dem Erdboden gleichmachen, auch deine Kinder in dir, und in dir keinen Stein auf dem anderen lassen, weil du die Zeit deiner Heimsuchung nicht erkannt hast!“ Das meint die Zeit, als der Sohn Gottes sie besuchte.

Mit „umbringen“ bezieht sich Jesus auf die Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 n. Chr. durch die Römer. Zehntausende, wenn nicht Hunderttausende von Juden würden abgeschlachtet und die Stadt und der Tempel dem Erdboden gleichgemacht werden. Von diesem Moment an gab es in Israel kein Priestertum mehr. Es gab keinen Tempel, keine Opfer, keine Zeremonien, keine Sadduzäer, keine Pharisäer, keine Hohenpriester mehr. Das ganze System war zerstört und wurde nie wieder hergestellt. Die Menschen verstanden die Geschichte: Hier geht es um die Zerstörung unserer Führer, um unsere Vertreibung vom Ort des Segens. Und sie gerieten in Panik.

Es dauerte nicht lange. Hier sagen sie noch entsetzt: Nein, nein, nein, nein, wir wollen, dass du unser König bist. Wir würden niemals den Sohn töten. Wir wollen, dass du unser Messias bist. Dieselben Leute würden dann ein paar Tage später rufen: „Kreuzige ihn, kreuzige ihn, kreuzige ihn“. Damit würde das Volk seinen Führern folgen, direkt ins Gericht, direkt ins Verderben und direkt in die Hölle.

Und es gibt noch einen weiteren Aspekt in dem Gleichnis, wenn es heißt: „Er wird den Weinberg anderen überlassen.“ Wer diese anderen sind, darum wird es nächste Woche gehen. Denn das ist der Höhepunkt der Geschichte, sozusagen die Krönung des Ganzen.

Ihr sagt vielleicht: „Moment mal, das ist doch die Gemeinde“. So einfach ist das aber nicht. Wenn es so einfach wäre, hätte ich es schon längst gesagt. Da steckt noch viel mehr dahinter, wirklich kraftvolle Wahrheit. Nächste Woche wird es darum gehen.

Wie können wir das zusammenfassen? Es ist eigentlich ganz einfach. Die Folgen für diejenigen, die Jesus Christus ablehnen, sind ewig. Es ist egal, ob es sich dabei um die Juden aus Jesu Zeit handelte oder um Juden und Heiden in der heutigen Zeit: Für alle gilt, entweder du liebst den Herrn Jesus Christus oder du bist verflucht.

Entweder du erkennst ihn an als den Sohn Gottes, den einzigen Erlöser, und setzt dein Vertrauen und deinen Glauben in ihn, oder du wirst verdammt und verflucht. Und all denen, die Christus abgelehnt haben, ist das Gericht verheißen. Die Schrift sagt: Wer den Herrn Jesus Christus nicht liebt, der sei verflucht. Er soll verdammt werden.

Gott gab dir ein gewisses Vorrecht, indem du die Botschaft Christi die Wahrheit hörst um die Wahrheit zu erkennen. Nicht jeder auf der Welt hat dieses Privileg. Du hast es. Und dass du mit der Wahrheit bekannt gemacht worden bist, bringt Verantwortung mit sich. Was wirst du mit dieser Wahrheit tun? Wirst du sein wie die Führer Israels, weil dir etwas anderes wichtiger ist, das du besitzt? Ist dir die Liebe zu deiner eigenen Sünde oder deinem eigenen System oder deiner eigenen Philosophie oder deinen eigenen Beziehungen wichtiger? Wirst du Christus verschmähen und an dem festhalten, was dich verurteilt und verdammt? Jetzt ist es an der Zeit, all das loszulassen und dein Vertrauen auf Christus zu setzen. Sonst wirst du zerstört und gehörst zu denen, die alle angebotenen Segnungen seines Reiches verwirkt haben.

Vater, wir sind heute Morgen zwar am Ende der Predigt angelangt, aber noch bei weitem nicht am Ende des Textes. Aber wir können jetzt schon erkennen, wie notwendig es ist, Jesus Christus als Herrn und Erlöser anzuerkennen. Alle hier hatten das Privileg, offenbart zu bekommen, wer Christus ist. Sie haben nun die Verantwortung, zu glauben und ihn als Erlöser anzunehmen, oder sie werden die schrecklichsten und ewigen Konsequenzen erleiden. Möge deine Gnade heute reichlich vorhanden sein in einer Welt, die weitgehend von denen beherrscht wird, die Christus nicht kennen und lieben.

Mögen wir nicht der Mehrheit auf dem Weg ins Verderben folgen. Sondern möge jeder, der hier ist, den schmalen Weg einschlagen und Jesus Christus mit einem Herzen der Buße als Herrn und Erlöser annehmen. Bitte gib, dass wir in Freude und Segen eintreten können. Ich bete, dass wir zu den neuen Verwaltern von Wahrheit und Segen des Königreichs gehören, nicht nur für die Zeit, sondern für die Ewigkeit. Möge dein mächtiges Werk der Gnade und des Heils heute in den Herzen wirken. Wir beten in Jesu Namen, dass du viele zu deinem Sohn führst. Amen.

ENDE

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