Bitte schlagt eure Bibeln im Lukasevangelium, Kapitel 20 auf. Wir wollen zur Passionswoche zurückkehren, an deren Ende unser Herr Jesus Christus gekreuzigt wird. Lukas protokolliert sowohl die irdischen Ereignisse, die dazu führen, als auch deren geistliche Komponente. Wir beginnen in Lukas 20,9, weil das Gleichnis vom letzten Mal auch für unser heutiges Thema von wesentlicher Bedeutung ist:
„Er fing aber an, dem Volk dieses Gleichnis zu sagen: Ein gewisser Mensch pflanzte einen Weinberg und verpachtete ihn an Weingärtner und hielt sich längere Zeit außer Landes auf. Und als es Zeit zur Ernte war, sandte er einen Knecht zu den Weingärtnern, damit sie ihm seinen Anteil von der Frucht des Weinbergs gäben. Die Weingärtner aber schlugen ihn und schickten ihn mit leeren Händen fort. Und er fuhr fort und sandte einen anderen Knecht. Sie aber schlugen auch diesen und beschimpften ihn und jagten ihn mit leeren Händen davon. Und er fuhr fort und sandte einen dritten; aber auch diesen verwundeten sie und warfen ihn hinaus. Da sprach der Herr des Weinbergs: Was soll ich tun? Ich will meinen Sohn schicken, den geliebten; wenn sie den sehen, werden sie sich vielleicht scheuen! Als aber die Weingärtner diesen sahen, sprachen sie untereinander: Das ist der Erbe! Kommt, lasst uns ihn töten, damit das Erbgut uns gehört! Und sie stießen ihn zum Weinberg hinaus und töteten ihn. Was wird nun der Herr des Weinbergs mit ihnen tun? Er wird kommen und diese Weingärtner umbringen und den Weinberg anderen geben! Als sie das hörten, sprachen sie: Das sei ferne!
Er aber blickte sie an und sprach: Was bedeutet denn das, was geschrieben steht? „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden?“ Jeder, der auf diesen Stein fällt, wird zerschmettert werden; auf wen er aber fällt, den wird er zermalmen! Da suchten die obersten Priester und die Schriftgelehrten Hand an ihn zu legen in derselben Stunde; aber sie fürchteten das Volk; denn sie erkannten, dass er dieses Gleichnis im Blick auf sie gesagt hatte. Und sie lauerten ihm auf und sandten Aufpasser ab, die sich stellen sollten, als wären sie redlich, um ihn bei einem Wort zu fassen, damit sie ihn der Obrigkeit und Gewalt des Statthalters ausliefern könnten.
Und sie fragten ihn und sprachen: Meister, wir wissen, dass du richtig redest und lehrst, und nicht die Person ansiehst, sondern den Weg Gottes der Wahrheit gemäß lehrst. Ist es uns erlaubt, dem Kaiser die Steuer zu geben, oder nicht? Da er aber ihre Arglist erkannte, sprach er zu ihnen: Was versucht ihr mich? Zeigt mir einen Denar! Wessen Bild und Aufschrift trägt er? Sie aber antworteten und sprachen: Des Kaisers. Er aber sagte ihnen: So gebt doch dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist! Und sie konnten ihn nicht bei diesem Wort fassen vor dem Volk; und sie verwunderten sich über seine Antwort und schwiegen.“
Die Geschichte Israels ist eine lange und tragische Geschichte voller Rebellion und Sünde gegen Gott. Sie zeigt auf, wie gleichgültig das Volk Gottes war gegenüber Gottes Offenbarung und ungehorsam gegenüber seinem Gesetz und seinem Willen. Sie töteten die Propheten, die Gott als Boten gesandt hatte, um Gnade und Barmherzigkeit, Vergebung, Segen, Heil und ewiges Leben anzubieten. Dieser andauernde Krieg gegen Gott gipfelte darin, dass sie den Sohn Gottes ermordeten, den Herrn Jesus Christus. Das Gleichnis in Lukas 20,9-18 fasst die komplette Geschichte Israels kurz und knapp zusammen.
Trotz aller prophetischen Offenbarungen des Alten Testaments, die unmissverständlich auf Jesus als den Messias hinweisen, lehnt die damalige Generation den Sohn ab. Deshalb würden sie auch die letzte Tat des Gleichnisses vollbringen, nämlich ihn, den Sohn, zu töten. Sie wissen um seine jungfräuliche Geburt, sein sündloses Leben und sie kennen seine göttlichen Worte und Werke. Sie wissen, dass er Macht über Dämonen, Krankheiten und den Tod hat. Sie wissen um seine Autorität über die geschaffene Welt und dass er Macht hat, Wasser und Wind zu beruhigen und Nahrung zu schaffen. Sie wissen, dass er ihnen das Reich Gottes, Rettung, ewiges Leben und Segen anbietet.
Alle diese Dinge sind mit alttestamentlichen Prophezeiungen verbunden und man kann sie an Jesus erkennen. Deshalb leugnen die Menschen seine Macht, seine Wunder und seine Weisheit nie. Aber trotzdem lehnen sie ihn ab. Dieses Muster begann mit den Führern und unter ihrem Einfluss zeichnet es schließlich auch das Volk Gottes aus.
Warum lehnen ihn die religiösen Führer, die Gelehrten und Theologen des Alten Testaments ab? Sie waren doch so religiös und angeblich mit Gott und der Heiligen Schrift besser vertraut als alle anderen? Wir werden sehen, dass die Antwort darauf ganz einfach ist und lautet, dass ihre Herzen von einer sehr, sehr hässlichen Mischung von Sünden beherrscht werden.
Ich möchte euch ein wenig mit in die Situation hineinnehmen. Es ist der Mittwoch der Passionswoche. Am Freitag wird Jesus gekreuzigt werden. Er verbringt den ganzen Mittwoch im Tempel, umgeben von Menschenmassen, die wegen des bevorstehenden Passahfestes nach Jerusalem geströmt waren. Sie waren vor Hoffnung euphorisch gewesen, als Jesus in die Stadt eingezogen war. Sie wünschten sich so sehr, dass er der Messias sei, auf den sie so lange gewartet hatten. Deshalb hatten sie ihm einen triumphalen Einzug bereitet und hängen ihm auch am Mittwoch noch an den Lippen, als er im Tempel lehrt.
Aber unter der großen Menschenmenge sind auch die religiösen Führer, und zwischen ihnen und Jesus kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen. Das Volk möchte hören wie er lehrt und will, dass er ihnen die lang ersehnten Dinge sagt. Sie wissen, dass er ein Wundertäter ist und dass er Lazarus von den Toten auferweckt hatte. Und zu diesem Zeitpunkt, am Mittwoch, hoffen sie immer noch, dass er tatsächlich der langersehnte Messias sein würde.
Der Wunsch der religiösen Führer hingegen ist nur, ihm in seinen eigenen Worten eine Falle zu stellen. Sie hassten ihn schon seit vielen Jahren und jetzt wollen sie ihn nur noch tot sehen. Dieses Ziel würden sie bis Freitag erreichen. Sie sind brilliant, denn sie würden dafür sorgen, dass die Menge eine Drehung um 180 Grad machen wird. Dieselben Menschen, die am Montag „Hosianna“ riefen, würden am Freitag „Kreuzige ihn“ schreien.
Wie kann man innerhalb weniger Tage Hunderttausende von Menschen dazu bringen, jemanden nicht mehr als Möchtegern-Messias zu bejubeln, sondern ihn als Betrüger zu beschimpfen und nach seinem Blut zu verlangen? Die Führer wollen ihn tot sehen und alles, was er sagt, verstärkt nur ihre Feindseligkeit. Jede Konfrontation mit Jesus bekräftigt ihr Ziel und ihre Absicht, bis sie sich schließlich in Lukas 20,19 in einem Zustand fieberhafter Erregung befinden.
Bis zu diesem Zeitpunkt ist Jesus überaus beliebt. Er hat die Aufmerksamkeit der Menschenmassen und sagt ihnen Dinge, die für die religiösen Führer zerstörerisch sind. Und die Menschen wissen das. Sehen wir uns Vers 19 an.
„Da suchten die obersten Priester und die Schriftgelehrten Hand an ihn zu legen in derselben Stunde, aber sie fürchteten das Volk; denn es erkannte, dass er, Jesus, dieses Gleichnis im Blick auf sie, d. h. die religiösen Führer, gesagt hatte.“ Das Volk versteht, dass es Jesus hier nicht nur um Theologie geht, sondern dass er die Falschheit der religiösen Führer entlarvt. Die Menschen waren immer von falschen Führern geleitet worden. Diese waren es, die in der Vergangenheit die Propheten getötet hatten. Und sie würden auch die Hinrichtung des Gottessohnes anführen.
Zu diesem Zeitpunkt steht wirklich viel auf dem Spiel. Das Volk ist für Jesus und wendet sich zunehmend gegen die mächtigen und einflussreichen Führer aus dem Komplex der Pharisäer, Sadduzäer und Herodianer. Die Führer müssen dem unbedingt ein Ende bereiten, indem sie die Menge in die entgegengesetzte Richtung lenken. Das ist keine leichte Aufgabe. Wenn es nach ihnen ginge, würden sie Jesus auf der Stelle auf die gute, altmodische jüdische Art steinigen. Sie würden ihn von einem Felsvorsprung stürzen und unter Steinen zermalmen. Das können sie aber nicht machen, weil der Kaiser ihnen das Recht genommen hatte, die Todesstrafe zu vollstrecken. Nun hat nur noch der Kaiser die Macht, Leben zu nehmen. Um ihre eigene Position zu sichern und Jesus loszuwerden, müssen sie sich deshalb etwas anderes einfallen lassen. Sie müssen die Menschenmenge um 180 Grad in die andere Richtung lenken. Und in diesem Text sehen wir ihr bösartiges Genie am Werk.
Es gibt viele Möglichkeiten, diesen Text zu verstehen. Aber am einfachsten ist es, ihn als eine Anhäufung von Sünden zu sehen. Deshalb gab ich der Predigt die Überschrift: „Eine Diagnose derer, die Christus ablehnen“. Ich möchte die geistliche Symptomatik untersuchen und die Sünden genauer betrachten, die ihre Bemühungen kennzeichnen. Beginnen wir in Vers 19 mit der Sünde des Hasses. Diese Sünde stand über allen anderen. Sie hassten Jesus.
„Da suchten die obersten Priester und die Schriftgelehrten Hand an ihn zu legen in derselben Stunde.“ Hier werden Priester und Schriftgelehrte erwähnt. Die obersten Priester waren die bedeutendsten Priester. Die Schriftgelehrten waren Theologen und Juristen des Gesetzes. Wenn es nach ihnen gegangen wäre, hätten sie ihn gleich an Ort und Stelle ergriffen.
Matthäus berichtet über dieselbe Konfrontation in Matthäus 22 und Markus in Markus 12. Wir haben also drei verschiedene Darstellungen, die alle wunderbar ineinandergreifen. Und im Verlauf der Predigt werde ich auf Teile der anderen Berichte verweisen. Z. B. heißt es in Matthäus 22,15, dass auch die Pharisäer darunter waren. Es sind also die Hohenpriester, die Schriftgelehrten und die Pharisäer, deren Hass inzwischen sehr ausgeprägt ist. Matthäus und Markus berichten außerdem noch von einer weiteren Gruppe, den Herodianern.
Die Herodianer waren eine weitere Sekte, nämlich eine politische Partei aus Anhängern des herodianischen Hauses. Sie waren Außenseiter, weil sie Hasmonäer waren und die Juden sie deshalb nicht besonders mochten. Aber weil die Herodianer reich waren, hielten viele es trotzdem für sinnvoll, für sie zu sein. So besaßen sie Macht und herrschten im Land Israel. Das war keine glückliche Situation für die Juden, vor allem nicht für die Pharisäer und die anderen Eiferer für das Judentum. Im Grunde genommen hassten die Pharisäer die Herodianer, weil sie reine Politiker waren. Die Herodianer wollten sich an die herrschende Macht dranhängen und wussten, dass man sich dazu auf das Spiel mit Rom einlassen musste. Das machten zwar auch die Pharisäer, jedoch nicht in dem Ausmaß wie die Herodianer.
Aber um Jesus loszuwerden können sich die Pharisäer und die Herodianer erstaunlicherweise zusammentun. Das ist nichts Neues. Lange vorher, in Markus 3,6, heißt es zu Beginn von Jesu Wirken in Galiläa: „Da gingen die Pharisäer hinaus und hielten sogleich mit den Herodianern Rat gegen ihn, wie sie ihn umbringen könnten.“ Sie hatten sich schon seit Jahren verbündet und abgesprochen, um Jesus loszuwerden.
Hier sehen wir also, wie das damalige Expertengremium des Judentums gemeinsam ein Komplott schmiedet. Alle sind mit von der Partie: Schriftgelehrte, Pharisäer, Priester und Herodianer. Einige der Priester waren zweifellos auch Sadduzäer, also religiöse Liberale. Die Pharisäer waren religiöse Fanatiker und Fundamentalisten. Die Herodianer waren hingegen politisch motiviert. Es handelt sich also um ein hochrangiges, multilaterales Treffen, bei dem trotz aller Differenzen alle Beteiligten das gemeinsame Ziel verfolgen, Jesus loszuwerden. Sie wollen keine Stunde länger warten, um ihn zu ergreifen und zu töten.
Trotzdem können sie ihn nicht in diesem Moment zu fassen bekommen, denn „sie fürchteten das Volk, denn sie erkannten, dass er dieses Gleichnis im Blick auf sie gesagt hatte.“ Sie erkannten, dass sie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung schaffen würden, wenn sie etwas täten, was Jesus in diesem Gleichnis angekündigt hatte. Damit würden sie den Zorn des Volkes auf sich ziehen. Sie mussten in diesem Fall sehr vorsichtig sein. Es ging ihnen darum, einen Weg zu finden, wie diese riesige Menschenmenge von ihrer positiven Einstellung zu Jesus zu einer negativen bewegt werden könnte. Die Menschen sollten aufhören, ihn als König haben zu wollen und ihn stattdessen tot sehen wollen.
Wie würden sie dieses Ziel erreichen? Es gab nur eine einzige Autorität im Land, die eine Exekution vollstrecken konnte, und das war Rom. Letzten Endes musste Rom ihn töten. Aber Jesus brauchte gar nicht tot sein, damit das Volk sich gegen ihn wenden würde. Es würde schon reichen, wenn Jesus von Rom verhaftet würde. Sie waren alle gegen Rom, absolut alle. Die Führer spielten zwar jedes Machtspielchen mit Rom, das notwendig war, aber sie hassten alles Römische und wussten, dass auch die Bevölkerung alles Römische verachtete. Aber nun brauchten sie die Hilfe Roms um ihn zu verhaften, und zwar schnell. Man muss wissen, dass Rom in Bezug auf Aufstand oder Aufruhr überempfindlich war.
Denn die Römer waren stolz auf ihren Pax Romana, den römischen Frieden. Sie waren stolz darauf, Aufstände oder Rebellionen niederzuschlagen und deren Anführer hinzurichten. Die jüdischen Führer mussten Jesus deshalb bei einer rebellischen Äußerung erwischen. Dann könnten die Herodianer ihn anzeigen, denn sie verfügten über alle Kommunikationswege zu den Römern. Die Römer würden dann diesen Aufrührer schnell hinrichten, so wie sie es auch mit anderen Rebellen taten.
Die Strategie der Pharisäer, der Schriftgelehrten, der Hohenpriester und Herodianer war also, die Römer dazu zu bringen, ihn zu verhaften.
Das würde die Menschen gegen ihn aufbringen, weil sie glaubten, dass der im Alten Testament versprochene Messias kommen und ein Königreich errichten würde. Und damit lagen sie ja auch nicht falsch. Sie glaubten, dass der Messias kommen und seinen Thron in Jerusalem in Israel aufstellen würde. Dann würde er Israel von aller heidnischen Herrschaft befreien, und Israel würde die wichtigste Nation der ganzen Welt sein. Sie glaubten, dass der Messias bei seinem Kommen ein Reich errichten würde, das aller fremden, heidnischen, gotteslästerlichen, götzendienerischen Tyrannei das Rückgrat brechen würde.
Jeder, der ein Messias sein wollte und als solcher akzeptiert werden wollte, musste deshalb gegen die Heiden und damit auch gegen Rom sein. Wenn die Führer also Jesus dazu bringen könnten, gegen Rom aufzutreten, würde Rom schnell eingreifen müssen. Und sobald klar wäre, dass Rom die Macht über diesen Möchtegern-Messias hätte und nicht er die Macht über Rom, würde sich das Blatt schnell wenden. Denn dann würden alle begreifen, dass er nicht der Messias sein konnte. Um zu beweisen, dass Jesus nicht der Messias ist, mussten die Führer also nur Jesus von den Römern festnehmen lassen.
Für die Römer wiederum mussten die Führer Jesus in einen scheinbar gefährlichen Revolutionär verwandeln. Sie wollten Rom dazu bringen, ihn zu verhaften, denn dann „konnten sie ihn der Herrschaft und der Autorität des Statthalters übergeben“. Das war ihr ganzes Ziel. Ihre Wut und ihr Hass haben den Höhepunkt erreicht. Sie wollen ganz unbedingt seinen Tod, fürchten aber des Volkes wegen um ihre Position. Dies beschreibt neben ihrem Hass als zweite Sünde ihren Stolz und ihren Hochmut. In Vers 19 heißt es: „aber sie fürchteten das Volk; denn sie erkannten, dass er ihnen das Gleichnis im Blick auf sie gesagt hatte.“ Sie erkannten, dass sie es waren, die, wie er sagte, den Sohn Gottes töten würden.
Was ist damit gemeint, „sie fürchteten das Volk“? Sie befürchteten, dass sie die Wertschätzung und das Vertrauen der Bevölkerung verlieren würden. Sie waren sehr beliebt beim Volk, und es brachte ihnen Akzeptanz, Ansehen, Ehre und Respekt entgegen. Davon zehrten sie und es war für ihre selbstgerechten Egos überlebensnotwendig. Sie liebten es, alle Augen auf sich gerichtet zu sehen und trugen deshalb bestimmte Kleidung, benahmen sich auf bestimmte Weise und legten bestimmte Verhaltensweisen an den Tag. Dies sollte sie fromm, heilig und erhaben wirken lassen und sollte ihnen die Aufmerksamkeit der Menschen sichern. Sie strebten nach den besten Plätzen bei den Festmahlen, sagt Jesus in Matthäus 23. Sie wollten, dass man sie „Vater, Lehrer, Meister“ nannte. Sie brauchten das Volk, wie es alle falschen religiösen Führer tun.
All ihre Macht, all ihre Ehre, all ihr Ansehen, ihre Position und ihre Bedeutung kamen vom Volk. Aber in diesem Moment waren die Menschen immer noch in Hochstimmung von dem triumphalen Einzug Jesu und hofften, dass er der Messias sein könnte. In Matthäus 21,46 heißt es: „Diese Führer fürchteten sich vor der Menge, weil die Menge Jesus für einen Propheten hielt“. Und so hatten die Führer Angst, sich gegen die Volksmenge zu stellen.
Dabei hatten sie kein bisschen Liebe für das Volk. Jesus bezeugt ihnen das in Matthäus 23. Tatsächlich gebrauchten und missbrauchten sie die Menschen für ihre eigenen Zwecke. Sie bürdeten ihnen durch gesetzliche Auflagen schwere Lasten auf und machten keinen Finger krumm, um ihnen beim Tragen dieser Lasten zu helfen. Jesus nannte es ein Joch, das kein Mensch tragen konnte. Sie herrschten wie alle falschen religiösen Führer durch Angst und Einschüchterung. Sie drohten dem Volk mit der Hölle und sagten, dass sie das Reich Gottes verpassen würden, wenn sie ihnen nicht gehorchten. Diese Führer taten nichts für die Menschen, außer dass sie sie durch ihre Irrlehre zu Söhnen der Hölle machten.
Sie hatten in Wahrheit nichts als Verachtung für das Volk übrig und suchten keinen Kontakt zu ihnen. Sie hielten sie für minderwertig und luden sie nie zum Essen zu sich nach Hause ein. Die Führer waren weder gottgefällig, noch menschengefällig, sondern ausschließlich selbstgefällig. Ihre stolzen Seelen labten sich an der Anerkennung derer, die sie einschüchterten und missbrauchten. Und die Führer wussten, dass die Hoffnungen des Volkes auf Jesus zunichte gemacht würden, wenn die Römer ihn verhafteten. Und so versuchten sie ihn loszuwerden damit sie ihre Vormachtstellung behalten.
Sie sind also voller Hass und voller Stolz. Aber sie können nicht einfach Hand an Jesus legen, sondern müssen unbedingt einen anderen Weg finden. Der Begriff bedeutet so viel wie „ergreifen“, oder „wegbringen“. Sie können nicht einfach grundlos Hand an ihn legen, um ihn entweder zu töten oder von den Römern töten zu lassen. Denn wenn sie das ohne einen offensichtlichen Grund tun würden, würde sich das Volk gegen sie wenden. Also müssen sie die Einstellung der Menschen ändern.
Das bringt in diesem Sündenkomplex eine dritte Sünde ins Spiel, nämlich die Sünde der Heuchelei. Darin sind sie Experten. Alle falschen religiösen Führer sind Heuchler, damals, heute und immer. Sie sind Meister der Tarnung. So heißt es in Vers 20: „Sie lauerten ihm auf“. Sei überwachten ihn. Wonach suchten sie?
Sie „sandten Aufpasser ab, die sich stellen sollten, als wären sie redlich, um ihn bei einem Wort zu fassen, damit sie ihn der Obrigkeit und der Gewalt des Statthalters ausliefern könnten“. Das Ziel des ganzen Planes war es, ihn zu Pilatus zu bringen, dem römischen Statthalter und Stellvertreter des Kaisers. Dieser hielt sich zu der Zeit in der Stadt auf. Zwar hatte er seinen Wohnsitz an einem anderen Ort, aber weil Jerusalem wegen Passah überfüllt war mit Pilgern, wollte er selbst die Dinge unter Kontrolle behalten. Er hatte die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass es in Israel keine Unruhen gab, und würde mit jedem Rebellen oder Aufrührer fertig werden. Sie mussten Jesus zum Statthalter bringen.
Um ihn aber dort hinbringen zu können, mussten sie Jesus im richtigen Moment bei einer Aussage erwischen, die die Römer veranlassen würde, ihn zu verhaften und zu töten. Und so beobachteten sie ihn und schickten Spione, die sich als ehrliche wahrheitssuchende Menschen ausgaben.
Matthäus ergänzt übrigens, dass die Spione Jünger der Pharisäer und der Herodianer waren. Sie steckten eng unter einer Decke. Die Idee war, dass sie ihn bei irgendetwas erwischen würden, was dann die Herodianer in aller Eile den Römern überbringen würden. Denn weil die Herodianer nur politische Anliegen in der ganzen Sache hatten und keine religiösen, würde es viel glaubwürdiger sein, wenn die Geschichte von den Herodianern erzählt würde.
Der kleine Satz, dass sie sich „stellen sollten, als wären sie redlich“ war damals ein Standard für falsche Religion und ist es heute immer noch. Sie würden nur vorgeben, rechtschaffen zu sein. So wollten sie ihm eine Falle stellen und ihn bei einer Aussage ertappen, die zu seiner Verhaftung führen würde. Dann würde er zu den römischen Behörden gebracht und als Rebell und Anführer einer Rebellion hingerichtet werden.
Wie ich schon sagte, war Pilatus dort und sie hatten vor, ihn zu benutzen, um Jesus zu töten. Aber hört gut zu. Um das Blatt zu wenden, bestand für sie eigentlich keine Notwendigkeit, dass Jesus getötet würde. Trotzdem wollten sie ihn tot sehen, und ihr Wunsch würde erfüllt werden. Sie mussten nur dafür sorgen, dass er verhaftet würde. Das war alles. Das Volk der Juden erwartete, dass der Messias kommen und alle heidnische Herrschaft stürzen würde. Dann würde er das von den Propheten verheißene Reich errichten. Er würde Israel von den Nationen befreien und es über alle Nationen einsetzen.
Wer den Titel des Messias für sich beanspruchte, musste daher bereit sein, einen Bruch mit der heidnischen Macht zu fordern. Jeder wahre Messias würde Rom als unerwünschten, gottlosen, götzendienerischen, heidnischen Eindringling und Besatzer betrachten. Der Messias musste also von Natur aus ein Revolutionär sein. Es musste seine Aufgabe sein, das Reich Gottes zu errichten, die heidnische Herrschaft zu brechen und dem Götzendienst bei der Errichtung des Reiches Gottes ein Ende zu setzen.
Und das stimmt. All das haben die Propheten tatsächlich gesagt. Und das nächste Mal, wenn Jesus kommt, wird er genau das tun. Die Propheten sprechen jedoch auch davon, dass er bei seinem ersten Kommen ein Opfer für die Sünde sein würde. Aber das Volk damals blickte nur auf das Ende. Alle Juden hätten in einem einstimmigen Chor bekräftigt, dass der Messias kommen würde und dass er die heidnischen Gotteslästerer, die dieses Land beherrschten, vernichten und den Standard Gottes und sein Reich hier wieder aufrichten würde. Die Führer wussten, dass die Menschen das wollten. Und sie nahmen an, dass Jesus gezwungen sein würde, dem zuzustimmen, wenn er weiterhin als Messias angesehen werden wollte.
Nun hielten die Führer Jesus nicht für den Messias, sondern waren im Gegenteil fest davon überzeugt, dass er nicht der Messias sei. Sie dachten, er sei nur ein Typ, der den Leuten weismachen wollte, dass er der Messias sei. Und um dieses Spiel aufrechtzuerhalten, wäre er gezwungen, die populäre Ansicht zu vertreten, dass sie Rom stürzen müssten. Sie müssen ihn also nur in eine Lage bringen, in der er das sagen muss. Und sobald die Römer ihn verhaften würden und sich zeigen würde, dass Rom zwar Macht über ihn, er aber nicht die Macht über Rom hätte, würde sich das Volk augenblicklich von ihm abwenden. Das Spiel wäre vorbei und die Römer würden ihn töten.
Sie suchen also nach einer Gelegenheit. Das führt uns zur vierten Sünde, der Schmeichelei. Schließlich finden sie ihren Moment in Vers 21: „Und sie fragten ihn und sprachen: Meister“. Dieses Wort war nur den höchsten Rabbinern vorbehalten. Sie erheben ihn mit ihrer Schmeichelei in den Himmel. In ihrem Hass auf ihn muss es für sie schmerzhaft gewesen sein, dies zu sagen. Aber sie sagen es, weil sie glauben, es sagen zu müssen.
Es gibt zwei Gründe, warum sie so reden, wie sie reden. Erstens wollen sie Jesus in seiner eigenen Meinung überhöhen, damit er sich stolz fühlt und ihrer Schmeichelei entsprechend handelt. Zweitens wollen sie zeigen, dass sie mit dem Volk übereinstimmen, denn so denkt das Volk über ihn. Das Volk hält ihn für einen klugen Lehrer und die gängige Meinung ist: „Meister, wir wissen, dass du richtig redest und lehrst.“ Die Führer wollen so erscheinen, als ob sie so dächten wie die Leute. Du lehrst und sprichst richtig. Du bist niemandem gegenüber parteiisch, sondern lehrst den Weg Gottes in Wahrheit.
Das ist zwar einerseits wahr, andererseits reine Schmeichelei, mit der sie zerstören wollen. Du sprichst und lehrst richtig, hier haben wir das griechische Wort orthōs, orthōs. Ich erwähne dies, weil wir von diesem Wort unser deutsches Wort „orthopädisch“ herleiten. Es bedeutet „gerade“ oder „aufrecht“. Das Wort „orthodox“ kommt eigentlich von zwei Wörtern, orthōs und doxology, oder doxa, das heißt, Gott die rechte Ehre geben. Sie sagen also: Du sprichst orthodox, also die Wahrheit. Du ergreifst für niemanden Partei.
Eine kleine Variante im Text von Matthäus sagt im Griechischen wörtlich: „Du schaust nicht in das Gesicht der Menschen“. Mit anderen Worten: Du passt deine Botschaft nicht an die Reaktion an, die du erhältst, oder daran, mit wem du sprichst. Du redest nicht zweideutig um der menschlichen Meinung oder der Konsequenzen willen.
All dies ist absolut richtig. Aber sie glauben es nicht. Und dann kommen sie zu ihrem Höhepunkt: „Du lehrst den Weg Gottes in Wahrheit“. Du lehrst den Weg Gottes in Wahrheit. Diese heuchlerischen, stolzen Hasser wollen Jesus nur schmeicheln und sein Ego überhöhen. So soll er gezwungen werden, etwas zu tun und zu sagen, das mit dem Bild übereinstimmt, wie sie ihn öffentlich darstellen.
Weil sie glauben, dass er alles tun würde, um sein Gesicht nicht zu verlieren, bringen sie ihn in eine Lage, in der er gezwungen ist, ihnen eine klare Antwort zu geben. Und wenn er das Volk gewinnen will, muss diese direkte Antwort das sein, was auch das Volk sagen würde.
Nun ist mit der Sünde der Heuchelei und der Schmeichelei die Sünde der Täuschung verbunden. Das ist die fünfte Sünde, in Vers 22. Ich frage mich, wie lange sie gebraucht haben, um auf diese Frage zu kommen. Aus ihrer Sicht ist diese Frage wirklich brillant, das Beste, was sie hätten tun können. „Ist es uns erlaubt, dem Kaiser die Steuer zu geben, oder nicht?“
Erinnert euch, in Vers 20 kamen sie und gaben vor, gerecht zu sein. Aber in Vers 23 sagt Lukas: „Da er aber ihre Arglist erkannte“. Die fünfte Sünde ist also die Täuschung oder der Betrug. Sie wollen, dass er eine antirömische Erklärung abgibt. Dann würden sie ihn anzeigen, ihn verhaften lassen und wegen seiner großen Anhängerschaft würden die Römer ihn hinrichten.
Die größte Ehre, die man als Jude einem geschätzten Lehrer erweisen konnte, war, ihm eine schwierige Frage zu stellen. Vor allem eine Frage über das Gesetz Gottes. Genau darum geht es bei der Frage „Ist es uns erlaubt?“. Es geht nicht um die Erlaubnis im Sinne des römischen Rechts, sondern im Sinne des Gesetzes Gottes. „Ist es uns erlaubt, dem Kaiser die Steuer zu geben, oder nicht?“
Für sie gibt es biblisch gesehen nur eine mögliche Antwort, und die lautet: „Nein“. Auch das Volk würde sagen: Nein. Es ist nicht rechtmäßig. Aber wir werden gezwungen, dem Kaiser Steuern zu zahlen. Wir sollten keine Steuern auf Getreide, Öl, Wein, Land und die Einkünfte zahlen müssen, die Gott uns in diesem seinem Land gibt. Alles, was es hervorbringt, gehört Gott. Und wir sollten es nicht einer heidnischen, götzendienerischen Besatzungsmacht geben müssen, die Gottes Volk unterdrückt und kein Anrecht auf Gottes Land hat.
Die Juden hassten es nicht nur, Steuern an Rom zu bezahlen, weil sie ihr Geld nicht hergeben wollten, sondern auch, weil sie es nicht an Heiden, Götzendiener und Besatzer abgeben wollten. Das Wort, das hier für Steuern benutzt wird, ist phoros, und steht im Plural und ist ein ganz allgemeines Wort für Steuer. Es gab viele verschiedene Steuern. Es gab eine Grundsteuer, die ein Zehntel des Getreides, sowie je ein Fünftel des Öls und des Weins betrug. Es gab eine Einfuhrsteuer an jedem Hafen, jeder Grenze und jedem Stadttor. Es gab einen Zoll auf alle Waren, die durch die Stadt kamen.
Es gab eine Einkommenssteuer in Höhe von einem Prozent des Lohns. Und dann gab es eine Kopfsteuer, die jeder bezahlen musste. Sie betrug einen Denar pro Jahr. Josef und Maria waren übrigens unterwegs nach Bethlehem, um die Kopfsteuer zu zahlen, als Jesus geboren wurde. Matthäus verwendet für das Wort „Kopfsteuer“, das Wort kēnsos, von dem wir das Wort Zensus ableiten, d. h. Volkszählung. Die Juden hassten es, Steuern an Rom zu zahlen, weil Rom ein gotteslästerliches, götzendienerisches Volk war.
Josephus erzählt uns eine interessante Geschichte aus der Zeit vor Christi Geburt. Ein Mann namens Judas von Galiläa führte einen Aufstand gegen die Römer an. Seine Begründung war, dass sie keine Steuern an Rom zahlen müssten. Er sagte: Gott ist unser einziger Herr und Herrscher. Und er wandte sich gegen die Zahlung der Zensussteuer und aller anderen Steuern, weil er meinte, dass damit im Grunde genommen Heidentum und Götzendienst finanziert würden.
Nun, sie töteten Judas. Und alle, die versuchten, seiner Rebellion zu folgen, zerstreuten sich in alle Himmelsrichtungen. Aber das Gefühl, das Judas hervorgebracht hatte, blieb und schwelte weiter in den Herzen der Menschen, auch wenn es über 30 Jahre her war. In diesem Moment erinnerten sie sich daran und sagten zueinander: „Erinnert ihr euch noch, als Judas versuchte, uns zu befreien, damit wir keine Steuern mehrt zahlen bräuchten?“ Und Josephus, der Historiker, berichtet, dass 66 n. Chr. die große Revolution begann. Die Ursache dieses Aufstands war 72 Jahre nach Judas immer noch die unerträglich hohe Besteuerung. Der Aufstand endete 70 n. Chr., als die Römer einmarschierten, Jerusalem zerstörten und das Volk abschlachteten.
Die Überzeugung, ungerecht behandelt zu werden schwelte also in den Herzen der Menschen, weil sie täglich an die Realität der römischen Besatzung und des Götzendienstes erinnert wurden. Die Juden sahen die Besteuerung durch Rom als Verrat an Gott, dem wahren und einzigen König Israels.
Die Führer waren sich also sicher, dass Jesus nichts anderes übrigbleiben würde, als die gängige Meinung zu vertreten. Ihm war ja gerade gesagt worden: Du sprichst nur die Wahrheit Gottes, redest richtig und orthodox. Und es ist dir egal, was am Ende dabei herauskommt. Du sprichst die Wahrheit. Deshalb glaubten sie, dass sie ihn in mit der Frage „Sollen wir dem Kaiser Steuern zahlen?“ in die Enge treiben könnten. Und sobald er sagen würde, was er sagen müsste, nämlich: Nein, es ist nicht richtig, das zu tun, es ist gegen das Gesetz Gottes, würden sie die Herodianer zu den Römern senden. Dann würden die Römer kommen und die große Menschenmenge sehen. Sie müssten annehmen, dass er diese Dinge verbreitete und ein weiterer Aufstand bevorstünde. Deshalb würden sie ihn verhaften. Und in dem Moment, in dem sie ihn verhafteten, wäre er wie Judas ein Opfer der Heiden und jeder würde wissen, dass er ganz sicher nicht der Messias war. Mit all diesen Gedanken im Hinterkopf brachten sie Jesus also in diese prekäre Lage und stellten ihre Frage.
Aber er durchschaute ihre Arglist. Matthäus sagt: Er erkannte ihre Bosheit. Damit bezieht er sich auf die Motivation hinter dem Betrug, das war ihre Bosheit. Jesus wusste, was in ihnen war. Johannes 2,25 sagt: „Er wusste selbst, was im Menschen war“. Er war Gott und zeigte das auch.
In Vers 24 geht es weiter. Er sprach zu ihnen: „Zeigt mir einen Denar!“ Es war unwahrscheinlich, dass jemand einen Denar bei sich hatte. Denn das waren römische Münzen und somit wäre es so, als hätte man einen kleinen Götzen in der Tasche. Aber es gab in Israel nach der babylonischen Gefangenschaft keinen Götzendienst mehr. Deshalb trugen sie nur Kupfermünzen und hebräische Schekel bei sich. Der Denar war eine wertvolle Münze aus Silber oder Gold. Er hatte ungefähr den Wert eines Tageslohnes und wurde zwischen 300 v. Chr. und 300 n. Chr. verwendet. Die Münzen wurden vom aktuellen Kaiser geprägt, und trugen je nachdem, wer gerade Kaiser war, das entsprechende Bildnis.
Alle Caesaren ließen also während ihrer eigenen Herrschaft ihre eigenen Köpfe auf die Münzen prägen. Die Münze trug auf der einen Seite das eingravierte Bild des Kaisers und auf der anderen Seite die Inschriften und Angaben zur Person. Kaiser Augustus ließ beispielsweise im Jahr 17 v. Chr. Münzen prägen, die ihn als Sohn Gottes auswiesen. Die Münzen von Kaiser Tiberius wiesen ihn als Hohepriester Gottes aus. Solche Münzen waren für die Juden besonders abstoßend und sie trugen sie nicht bei sich, weil sie kleine Götzen waren. Und trotzdem sagte Jesus: Sucht mir einen Denar und zeigt ihn mir. Wessen Bild und Inschrift trägt er? Jeder kannte die Antwort auf diese Frage: „Des Kaisers“. Und ich bin mir sicher, dass sich in diesem Moment die Spione und Fragesteller die Hände rieben und dachten: Er antwortet genau so, wie wir es uns vorgestellt haben. Er bezeichnet die Münze als Eigentum des Kaisers und damit als blasphemisch und götzendienerisch.
Schließlich behauptete Jesus, der Sohn Gottes zu sein. Und er beanspruchte, der Vermittler zwischen den Menschen und Gott zu sein. Wenn er also wirklich der wahre Messias und ein wahrer Prophet Gottes war, dann würde er diese gotteslästerlichen Götzenmünzen sicherlich als das bezeichnen, was sie wirklich waren. Ihr Plan war wirklich klug.
Aber sie hatten nicht mit seiner Antwort gerechnet. In Vers 25 sagt er: „So gebt doch dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.“ Dieser Satz ist so einfach, dass man seine Tiefgründigkeit leicht übersehen kann. Jemand fragte nach: Bedeutet das jetzt: Zahlt eure Steuern? Die Antwort ist: Ja. Aber es geht weit darüber hinaus. „Geben“ ist das griechische Verb apodote und bedeutet „zurückgeben, weil es geschuldet ist“, oder auch: „wiedererstatten“.
Es gibt einige Dinge auf dieser Welt, die rein irdisch sind und durch die Vorsehung Gottes in den zeitlichen Bereich gehören. Deshalb sagt Jesus hier: Der heilige Gott selbst hat Israel unter die römische Herrschaft gebracht. Tut also eure gegenwärtige Pflicht unter Gottes Vorsehung in der Geschichte und ordnet euch der von Gott eingesetzten Regierung unter. Das steht genauso in Römer 13. Die Mächtigen sind von Gott eingesetzt, und sie tragen das Schwert nicht umsonst. Denn die Regierung ist dazu bestimmt, die Unschuldigen zu schützen und die Bösen zu bestrafen.
Die Römer erfüllten diesen Auftrag. Sie waren militärisch mächtig und sorgten für Frieden, Sicherheit und Schutz. Sie bauten sehr gute Straßen und Schifffahrtswege und trugen zum Wohlstand des Lebens bei. Das war viel wert, aber man bezahlte auch dafür. Das können wir gut nachvollziehen. Als Christen leben wir in zwei Welten. Einerseits leben wir in einem weltlichen Bereich, dem wir verpflichtet sind und dem wir schulden, was zu ihm gehört. Für uns ist dieser weltliche Bereich nach dem Willen Gottes die Bundesrepublik Deutschland. Und wenn sie mit unseren Steuergeldern Autobahnen bauen und Brücken reparieren wollen, dann ist das ihr gutes Recht. Es gehört zu der Welt, in der wir leben. Gibt das Christus die Ehre? Erhebt es Gott? Nein. Aber das soll es auch nicht.
Das Bezahlen unserer Steuern wird von irdischen Regierungen festgesetzt. Und selbst heidnische, götzendienerische, gotteslästerliche, kommunistische, unterdrückerische, selbstherrliche Regierungen, oder solche, die sogar im Begriff sind, den Sohn Gottes hinzurichten, sind immer noch von Gott eingesetzte Regierungen. Und wir sind verpflichtet, ihnen die Schuld zu zahlen, die ihnen zusteht.
Der 1. Petrusbrief sagt: Ehrt den König und unterwerft euch allen, die Autorität über euch haben. Dabei ist es egal, ob es sich um die demokratisch gewählte Bundesregierung oder um lokale Behörden, die Polizei, einen kommunistischen Diktator oder den Kaiser handelt. Alle haben ihren Einflussbereich nach Gottes Plan, und in der Vorsehung Gottes sind wir der jeweiligen Regierung das schuldig, was sie verlangt. Die Regierung hat das Recht, Steuern für ihren Unterhalt zu erheben, weil sie von Gott zum Wohl und zum Schutz der Menschen eingesetzt wurde und ohne sie Anarchie, Chaos und Zerstörung herrschen würde. Jesus bekräftigt diese Rolle der Regierung.
Du fragst dich vielleicht: Und was ist, wenn die Regierung mich auffordert, etwas zu tun, was Gott verbietet? Oder andersherum, wenn die Regierung verbietet, was Gott verlangt? Dann haben wir einen Fall wie in Apostelgeschichte 5,29 und müssen beurteilen, ob wir Gott oder Menschen mehr gehorchen. Wenn mir jemand zum Beispiel sagt, ich solle aufhören, das Evangelium von Jesus Christus zu predigen, dann antworte ich: Tut mir leid, ich habe ein höheres Gebot. Ich gehorche Gott, tu mit mir, was du willst. Hier kreuzen sich die beiden Welten und Herrschaftsbereiche.
Seit dem Ende des alttestamentlichen theokratischen Königtums gibt es keine heilige Gesellschaft mehr. Stattdessen leben wir bis zur Errichtung des zukünftigen theokratischen Reiches Christi in zwei Welten.
Bis er wiederkommt, um sein Reich auf Erden aufzurichten, sind wir Bürger dieser zeitlichen Welt unter einer menschlichen Regierung. Gleichzeitig sind wir aber auch Bürger des Reiches Gottes unter der Herrschaft Gottes und Christi. Deshalb soll sich die Gemeinde nicht gegen die zivile Regierung auflehnen oder sie kritisieren. Wir sollen nicht versuchen, die zivile Regierung durch Krieg, zivilen Ungehorsam oder politische Macht zu kontrollieren. Das Ziel ist nicht, dass die Gemeinde hier auf der Erde die zivile Regierung übernimmt. Denn weder Deutschland noch irgendein anderes Land auf der Welt ist eine abgesonderte Gesellschaft oder ein theokratisches Reich.
Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und dankt Gott, dass ihr eine Regierung habt. Denn es gibt durch die ganze Weltgeschichte weitaus schlimmere Regierungen als unsere. Aber unabhängig von unserer Regierung sollen wir Christen als gute Bürger bekannt sein. Wenn ihr euch erinnert, ist genau das die Botschaft des Apostels Paulus an Timotheus und Titus.
Die Botschaft, die Jesus an die Menge richtet, ist jedoch noch wichtiger als das. Er spricht nämlich voller Barmherzigkeit und Gnade eine weitere Einladung aus: „Und gebt Gott die Dinge, die Gott gehören“.
Was gehört Gott? Jede einzelne Seele. Dein ganzes ewiges Sein gehört Gott. So, wie die Menschen der Regierung bestimmte Dinge schulden, schulden sie auch Gott bestimmte Dinge. Die Menschen schulden der Regierung, was ihr aufgrund ihrer Gesetzgebung gehört. Ebenso schulden sie Gott, was Gott gehört. Und was gehört Gott? Jeder Einzelne gehört Gott. Jeder Einzelne gehört Gott. Jesus sagt ihnen damit: Warum beugt ihr nicht eure Knie vor dem größeren, wichtigeren, endgültigen Thron? Gebt doch Gott die Ehre.
Gott gebührt Anbetung, Lob, Verehrung, Ehre, Gehorsam, Liebe und Vertrauen. Gebt ihm euer ganzes Leben. Sie gaben Gott nicht das, was er befahl: Sie gaben ihm nicht ihre Herzen, ihre Seelen und ihr Leben. Jesus sagt: Die Münze gehört dem Kaiser. Aber du gehörst Gott. Die Münze zeigt das Bild des Kaisers. Du bist das Ebenbild Gottes. Die Münze gehört dem Kaiser. Du gehörst Gott. Das war damals seine Einladung an die Menschenmenge. Und dies ist eine Einladung, die sich auch heute noch an dich richtet.
Dies führte nach Hass, Stolz, Heuchelei, Schmeichelei und Betrug zur letzten Sünde Nummer sechs: Zur Sturheit. Ich werde jetzt zum Ende kommen. In Vers 26 sehen wir ihre Verbohrtheit: „Und sie konnten ihn nicht bei diesem Wort fassen vor dem Volk; und sie verwunderten sich über seine Antwort und schwiegen.“ Ich wünschte, dort würde stehen, dass sie Buße taten. Aber sie sind so starrköpfig und die Situation bleibt unaufgelöst. Sie gehen frustriert nach Hause, weil sie ihn nicht bei einer Aussage erwischt hatten, mit der sie seine Verhaftung und Hinrichtung in die Wege hätten leiten können.
Sie hätten auch weggehen können und sich wundern und sagen: „Seine Weisheit ist umwerfend und erstaunlich. Wir haben erkannt, dass wir Verpflichtungen gegenüber Gott haben. Das müssen wir erst einmal überdenken“. Aber sie sind so stur. Sturheit entspricht wohl dem alten Wort Verbohrtheit, Hartnäckigkeit. Alle diese Sünden zusammen ergeben eine hoffnungslose Mischung.
Schlagt jetzt bitte Lukas 23,1 auf. Sie bringen Jesus zu Pilatus. Vers 1: „und sie führten ihn vor Pilatus. Sie fingen aber an, ihn zu verklagen und sprachen: Wir haben gefunden, dass dieser das Volk verführt und es davon abhalten will, dem Kaiser Steuern zu zahlen.“ Das ist eine glatte Lüge. Sie wussten, dass sie ihn auf diese Weise verhaften und hinrichten lassen könnten. Und wenn er ihnen keinen Grund dazu gab, würden sie, stur, wie sie waren, eben selbst eine Grund erfinden.
Und so werden sie in dem Versuch, Christus abzulehnen, auch noch zu selbstgerechten Lügnern. Ein solcher Hass ist unverständlich. Aber durch diese ganze Mischung an Sünden würden sie im Plan Gottes erfolgreich sein. Sie würden ihn verhaften und hinrichten lassen, während die Menge nach seinem Blut schrie. Und dann sollten wieder sie als geistliche Helden gefeiert werden.
Ich hoffe, dass niemand von den Anwesenden heute vor Jesus Christus wegläuft. Wähle eine Seite. Du stehst entweder auf der Seite für ihn, oder gegen ihn.
Vater, es liegt so viel Reichtum und Kraft in unserer intensiven Auseinandersetzung mit dieser Konfrontation. Möge jeder Einzelne hier das Gehörte direkt auf sein eigenes Leben anwenden. Herr, wir wollen nicht auf der Seite dieser sturen Menschen stehen, die dich ablehnen. Wir wollen zu Christus kommen. Für diejenigen unter uns, die dich bisher abgelehnt haben, bitten wir, dass du dein Werk in ihren Herzen wirkst. Bitte gib, dass sie es sich nicht in ihrer Ablehnung gemütlich machen. Sei ihnen gnädig und lass sie in Liebe, Buße und Glauben zu Christus kommen. Wir beten in seinem Namen. Amen.
ENDE
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