Unser heutiger Text steht in Lukas 20,27-40. Das darin beschriebene Ereignis offenbart uns auf erstaunliche Weise die Majestät unseres Herrn Jesus Christus. Jesu Feinde starten erneut einen Angriff auf ihn mit dem Ziel, ihn tot zu sehen. Aber am Ende geht er —wie immer— als glorreicher Sieger hervor.
Vers 27: „Da traten aber etliche der Sadduzäer herzu, die bestreiten, dass es eine Auferstehung gibt, und sie fragten ihn und sprachen: Meister, Mose hat uns vorgeschrieben: Wenn jemandes Bruder eine Frau hat und kinderlos stirbt, so soll dessen Bruder die Frau nehmen und seinem Bruder Nachkommenschaft erwecken. Nun waren da sieben Brüder. Der erste nahm eine Frau und starb kinderlos. Da nahm der zweite die Frau und starb auch kinderlos. Und der dritte nahm sie, ebenso alle sieben, und sie hinterließen keine Kinder bei ihrem Tod. Zuletzt aber, nach allen, starb auch die Frau. Wessen Frau wird sie nun in der Auferstehung sein? Denn alle sieben haben sie zur Frau gehabt. Und Jesus antwortete ihnen und sprach: Die Kinder dieser Weltzeit heiraten und lassen sich heiraten; diejenigen aber, die gewürdigt werden, jene Weltzeit zu erlangen und die Auferstehung aus den Toten, die werden weder heiraten noch sich heiraten lassen, denn sie können nicht mehr sterben; denn sie sind den Engeln gleich und Söhne Gottes, da sie Söhne der Auferstehung sind. Dass aber die Toten auferstehen, hat auch Mose angedeutet bei der Stelle von dem Dornbusch, wo er den Herrn den Gott Abrahams und den Gott Isaaks und den Gott Jakobs nennt. Er ist aber nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebendigen; denn für ihn leben alle. Da antworteten etliche der Schriftgelehrten und sprachen: Meister, du hast gut geantwortet! Und sie getrauten sich nicht mehr, ihn etwas zu fragen.“
Es hat mich schon immer fasziniert, dass die Menschheit eine Vorstellung vom Leben nach dem Tod hat. Das zieht sich durch jede Kultur und jede Zeitepoche hindurch. Man kann bis zum ägyptischen Totenbuch zurückgehen und feststellen, dass selbst in den frühesten Zeiten der Menschheitsgeschichte der Glaube an ein Leben nach dem Tod eine wichtige Rolle spielte. So wurde beispielsweise das Grab des Pharaos Cheops vor 5 000 Jahren versiegelt. Archäologen entdeckten darin ein Sonnenboot. Es war von ihm angefertigt worden, um damit im Jenseits durch die Himmel zu segeln.
In der altgriechischen Religion wurde oft eine Silbermünze in den Mund eines Leichnams gesteckt. Dies sollte ihm ermöglichen, seine Fahrt über den mystischen Fluss des Todes in das Land der Auferstehung zu bezahlen. Amerikanische Indianer legten einem toten Krieger für die glücklichen Jagdgründe des Jenseits oft Pfeil und Bogen und manchmal sogar sein totes Pferd ins Grab. Die Nordmänner wurden ebenfalls in ihrer Rüstung und mit einem toten Pferd begraben, um das Leben in der kommenden Welt fortzusetzen. In Grönland wurden tote Eingeborenenkinder mit einem Hund begraben, der sie durch die kalte Einöde führen sollte.
Selbst in den primitivsten Kulturen spürte die Menschheit also schon immer die Anziehungskraft des Jenseits. Benjamin Franklin stammte aus einer weitaus höher entwickelten Kultur. Doch auch er glaubte an ein Leben nach dem Tod. Franklin verfasste seine eigene Grabinschrift, die sich bis heute auf seinem Grabstein in der Christuskirche in Philadelphia befindet.
Er war kein Christ und so drückte er seine Einstellung zum Leben nach dem Tod folgendermaßen aus: „Der Körper von Franklin, von Beruf Drucker, liegt hier wie der Einband eines alten Buches und ist Nahrung für die Würmer. Der Inhalt wurde herausgerissen und seiner Beschriftung und Vergoldung beraubt. Aber das Werk soll nicht verloren gehen, denn es wird in einer neuen und eleganteren Ausgabe, die vom Autor überarbeitet und korrigiert wurde, neu aufgelegt werden.“ Das sind Franklins eigene Worte. Egal, ob man sich in einer primitiven alten Kultur oder in einer hoch entwickelten modernen Kultur befindet, der Glaube an ein Leben nach dem Tod wohnt demnach im Herzen der Menschen.
Das war auch bei den Juden nicht anders. Sie glaubten fest an das Leben nach der Auferstehung. Man findet das in vielen ihrer Schriften, so zum Beispiel im 2. Makkabäerbuch. Das ist eines der Bücher der Apokryphen. Die Apokryphen entstanden in den 400 Jahren zwischen dem Alten Testament und dem Neuen Testament. Sie gehören jedoch nicht zum Kanon der Bibel. 2. Makkabäer wurde schätzungsweise 1 v. Chr. geschrieben. Es ist ein ganz besonderes Buch, weil es einen Einblick bietet in eine barbarische und primitive Vorstellung von der Auferstehung.
In 2. Makkabäer ist die Rede von einem Ältesten namens Razis. Um nicht in die Hände der verhassten Griechen zu fallen, nahm er ein Schwert und schlitzte sich auf und nahm die Eingeweide heraus. Es heißt in 2. Makkabäer 14,46: Er „stand auf einem steilen Felsen, griff hinein, riss seine restlichen Eingeweide heraus und warf sie in die Menge“. Und so starb er „und rief den an, der Herr des Lebens und des Geistes ist, sie ihm wieder einzusetzen“. Dies ist zwar apokryph, und damit keine historische und erst recht keine biblische Wahrheit, aber es ist ein Hinweis auf das Denken der damaligen Zeit.
Das Buch Baruch ist eine andere jüdische Schrift aus dem ersten Jahrhundert vor Christus. Sie enthält ähnliche Hinweise. Dort heißt es: „Die Erde wird dann ganz sicher die Toten wiederherstellen. Sie wird deren Gestalt nicht verändern, sondern wie sie sie empfangen hat, so wird sie sie bewahren. Und wie sie ihr übergeben wurden, so wird sie sie auch wieder erhöhen.“ Auch hierbei handelt es sich um eine Schrift aus der Zeit Christi. Die Menschen waren also mit der Vorstellung vertraut, dass es eine Auferstehung geben würde. Aber sie glaubten, dass man auf dieselbe Weise auferstehen würde, wie man gestorben war, in derselben Form und in denselben Beziehungen.
Dann sagt Baruch weiter: „Es wird geschehen, wenn sie die, die sie jetzt kennen, einzeln erkannt haben, dann wird ihre Pracht in Veränderungen verherrlicht werden. Sie werden in den Glanz der Engel verwandelt und den Sternen gleichgemacht. Und sie werden in jede Form, die sie wünschen, verwandelt werden, von Schönheit zu Lieblichkeit und von Licht zum Glanz der Herrlichkeit“. Mit anderen Worten kommen alle so zurück, wie sie weggegangen sind, so dass zunächst jeder wiedererkannt werden wird. Erst dann beginnt eine Metamorphose, in der man sich allmählich in das verwandelt, was man werden will.
Dieselbe Auferstehungshoffnung wird in der Esra-Apokalypse, der Henoch-Apokalypse und weiteren jüdischen Schriften vermittelt. Doch auch bei ihnen sind die Berichte sehr wirr und durcheinander. Zu allen Zeiten hatten alle Völker das Gefühl, dass dieses Leben nicht alles ist, was es gibt. Der Talmud ist die Quelle der rabbinischen Lehre. Er bringt in geballter Form die traditionelle jüdische Theologie zum Ausdruck. In ihm wird häufig von der Auferstehung des Körpers gesprochen.
Aber zusätzlich hatten die Juden natürlich die Heilige Schrift. Und sie wussten, dass die Heilige Schrift eine Auferstehung zum Leben verspricht. In Psalm 16,9 schreibt der Psalmist David: „Darum freut sich mein Herz, und meine Seele frohlockt; auch mein Fleisch wird sicher ruhen, denn du wirst meine Seele nicht dem Totenreich preisgeben und wirst nicht zulassen, dass dein Getreuer die Verwesung sieht. Du wirst mir den Weg des Lebens zeigen; vor deinem Angesicht sind Freuden in Fülle; liebliches Wesen zu deiner Rechten ewiglich.“ Damit drückt David seine Hoffnung aus, dass er nicht im Grab bleiben wird, auch wenn er stirbt. Er wird den Weg des Lebens finden. Der Herr wird ihn in seine Gegenwart holen, wo er für immer in Freude leben wird.
Dieser Auferstehungsglaube ist biblisch und findet sich noch an weiteren Stellen. So sagt der Psalmist z. B. in Ps 49,16: „Aber Gott wird meine Seele aus der Gewalt des Totenreichs erlösen; denn er wird mich aufnehmen.“ Auch hier zeigt sich wieder sein Vertrauen. Hiob drückt es so aus: „Auch wenn er mich tötet, will ich mich freuen und will trotzdem auf ihn vertrauen.“ Der Psalmist sagt: „Ich werde sein Angesicht schauen, wenn ich erwache“. Sie hatten diese Hoffnung, die ihnen gemäß der Schrift schon vorbereitet war.
Psalm 139,8 macht eine sehr ähnliche Aussage. Dort heißt es: „Stiege ich hinauf zum Himmel, so bist du da; machte ich das Totenreich zu meinem Lager, siehe, so bist du auch da!“ Mit anderen Worten: Wo immer man hingeht, ob in den Himmel oder ins Grab, ist man in der Gegenwart des Herrn. Das bedeutet, dass man in seiner Gegenwart immer noch existiert. Dasselbe sagen Hosea 6 als auch Jesaja 26.
Eine weitere Stelle, die ich vorlesen möchte, befindet sich am Ende der Prophezeiung Daniels, in Daniel 12,2. „Und viele von denen, die im Staub der Erde schlafen, werden aufwachen; die einen zum ewigen Leben, die anderen zur ewigen Schmach und Schande.“ Alle werden auferstehen. Die einen zum ewigen Leben, die anderen zur ewigen Schande. Die einen zum Himmel, die anderen zur Hölle. Die Juden glaubten also im Laufe ihrer Geschichte und sicherlich auch zur Zeit Jesu an ein Leben nach dem Tod.
Dazu hatten sie sowohl die Aussagen der Heiligen Schrift als auch ihre traditionellen Vorstellungen. Sie glaubten, dass man nach der Auferstehung entweder ein Leben in der Gegenwart Gottes oder außerhalb der Gegenwart Gottes haben würde. Es wäre entweder eine Auferstehung zum Leben oder zu ewiger Schande und Schmach. Und man würde einen Auferstehungsleib haben. Das ist der Hintergrund des vorliegenden Textes.
Nun gab es unter den Juden einige, die dieser Ansicht nicht zustimmten. Sie waren als Sadduzäer bekannt. Vers 27 stellt sie kurz vor und beschreibt, was sie nicht glaubten: „Da traten aber etliche der Sadduzäer herzu, die bestreiten, dass es eine Auferstehung gibt“. Trotz des weit verbreiteten jüdischen Glaubens an die Auferstehung und trotz der alttestamentlichen Schriften gab es also eine Gruppe von Juden, die diese Idee strikt ablehnte. Das waren die Sadduzäer. Sie hatten keine Hoffnung für die Zukunft.
Apostelgeschichte 23,8 charakterisiert sie noch etwas differenzierter. „Die Sadduzäer sagen nämlich, es gebe keine Auferstehung, auch weder Engel noch Geist; die Pharisäer aber bekennen sich zu beidem.“ Die Auffassung der Sadduzäer war also konträr zu der der Pharisäer, die an die Auferstehung glaubten, an Engel und an Geister.
Nun war diese Gruppe der Sadduzäer keine zahlenmäßig beeindruckende jüdische Sekte. Sie war sehr klein, aber ihre Macht war umso beeindruckender. Lukas 19,47 nennt die Sadduzäer „die Vornehmsten“. Sie waren die Aristokraten, die Wohlhabenden und Einflussreichen.
Auch waren die obersten Priester zum größten Teil Sadduzäer. Die Hohenpriester waren Sadduzäer. Die meisten Mitglieder des Sanhedrins waren Sadduzäer. Das war der Rat, der Urteile für das Volk fällte. Er bestand aus 70 Männern, die die Führer Israels waren. Auch wenn also die Sadduzäer nur wenige waren, besaßen sie trotzdem hohe Positionen mit Macht und Einfluss.
Im Text sehen wir ab Vers 27, wie die Sadduzäer an die Sache herangingen: „Da traten aber etliche der Sadduzäer herzu“. Sie traten an Jesus heran. Markus berichtet davon in Markus 12. Und durch die parallele Darstellung dieses Ereignisses in Matthäus 22 wissen wir, dass am selben Tag das Verhör durch die Pharisäer stattfand. Es war also Mittwoch.
Dieser Mittwoch in der letzten Woche seines Lebens war ein arbeitsreicher Tag für Jesus. Am Freitag würde er gekreuzigt werden. Am Mittwoch lehrt er noch im Tempel. Er führt einen Dialog mit dem Volk und gerät in Konflikt mit den Führern. Die Pharisäer hatten es auf ihn abgesehen. Die Herodianer hatten es auf ihn abgesehen. Und jetzt sind die Sadduzäer an der Reihe. Auch sie sind wütend auf Jesus.
Wenn man die Evangelien studiert, begegnet man den Sadduzäern nicht sehr oft. Sie tauchen nicht auf, während Jesus in Galiläa wirkt und auch nicht, als er im Land Judäa umherzieht. Sie kommen nur bei den Gelegenheiten ins Spiel, in denen Jesus den Tempel reinigt; sowohl zu Beginn seines Dienstes, als auch am Ende seines Dienstes.
Warum? Die Sadduzäer leiteten den sehr lukrativen und mächtigen Tempelbetrieb, der ihnen großen Wohlstand bescherte. Sie hassten Jesus. Ihre Wut war nun noch größer, weil er nur wenige Stunden zuvor den Tempel gereinigt und die Käufer, Verkäufer und Geldwechsler hinausgeworfen hatte. Damit hatte er sie angegriffen. So wie Jesus die Theologie der Pharisäer angegriffen hatte, hatte er auch die Wirtschaft der Sadduzäer angegriffen.
Ich möchte euch noch ein paar Hintergrundinformationen über die Sadduzäer geben. Sie waren politisch bestrebt, mit Rom zusammenzuarbeiten. Denn da es keine Auferstehung gab, und damit nichts, worüber man sich im kommenden Leben Sorgen machen musste, setzten sie alles auf dieses Leben. Sie strebten nach aller Macht, allem Reichtum und aller Kontrolle, die sie bekommen konnten.
Um das zu erreichen, mussten sie mit Rom zusammenarbeiten, denn sie waren ein besetztes Land unter römischer Macht. Sie hatten delegierte Autorität; von Rom übertragene Vollmacht. Und so taten sie alles, was notwendig war, um ihre Position zu sichern. Für die Gunst Roms waren sie auch bereit, einen Bückling vor ihm zu machen.
Das Volk hasste sie für ihr Entgegenkommen gegenüber Rom und für das korrupte Tempelsystem, dem das Volk ausgesetzt war. Deshalb gab es auch nicht viele Sadduzäer. Man wollte nicht zu ihnen gehören. Sie verfolgten eine Politik, die Rom gefiel, und damit eine Politik, die die Juden verärgerte. Und vor allem ihr korrupter Tempelbetrieb war ein ständiges Ärgernis für das Volk.
Übrigens unterwarfen sich die Römer im Jahr 70 n. Chr. alles. Sie marschierten ein, zerstörten Jerusalem, den Tempel, zerschlugen die ganze Nation und ermordeten Menschen in hunderten von Städten in ganz Israel. Und als die Römer dann endlich alles hatten, was sie den rebellierenden Juden wegnehmen konnten, gab es keine Sadduzäer mehr. Sobald ihre priesterliche Stellung und Macht gebrochen war, war ihre Geschichte vorbei.
Im religiösen Sinn waren die Sadduzäer sehr strikt und streng. Immer wieder gab es jedoch auch Leute, die sie für liberal hielten. Ja, sie waren liberal in dem Sinne, dass sie nicht an die Auferstehung und an Engel und Geister glaubten. Sie waren genauso liberal wie liberalen Theologen von heute, die auch dieselben Ansichten vertreten.
Josephus berichtet, dass die Sadduzäer bei der Ausübung des Rechts und der Anwendung des Gesetzes grausamer und wilder waren als jede andere jüdische Gruppe. Verglichen mit ihnen waren sogar die Pharisäer regelrecht nachsichtig im Umgang mit Menschen. Das Ziel der Sadduzäer war, um jeden Preis die Grundlage ihrer Macht zu erhalten, auch wenn sie es auf Kosten des Volkes tun müssten. Sie zwangen dem Volk brutal ihren Willen auf und legten das Gesetz Gottes ausschließlich zu ihren eigenen Gunsten aus. Sie galten als Fundamentalisten und Traditionalisten, die sich weigerten, das mündliche Gesetz und das Gesetz der Schriftgelehrten anzuerkennen. Im Gegensatz dazu akzeptierten die Pharisäer sowohl die Heilige Schrift und die von Schriftgelehrten verfassten Schriften, als auch die mündliche Überlieferung. Aber die Sadduzäer akzeptierten nur die Heilige Schrift.
Sie waren stolz darauf, ausschließlich dem reinen Glauben verpflichtet zu sein. Sie legten das mosaische Gesetz wörtlicher aus als irgendjemand sonst und waren in Bezug auf die levitische Reinheit pingeliger als alle anderen. Laut Josephus glaubten sie, dass Seele und Körper beim Tod zusammen vergehen. Es gab für sie kein zukünftiges Leben mit Segen, Belohnung oder Strafe. Dafür waren sie bekannt und so werden sie auch im Neuen Testament beschrieben.
Nun stellt sich die Frage, wie in aller Welt können sie sich selbst als schriftgetreue Puristen bezeichnen, und dabei die Schriftstellen über die Auferstehung nicht wahrhaben wollen? Die Antwort ist, dass sie als Hüter des reinen Glaubens sehr wahrscheinlich an der Vorrangstellung des mosaischen Gesetzes festhielten. Sie ordneten alles dem Pentateuch, den 5 Büchern Mose, unter.
Für die Sadduzäer waren alle anderen Bücher des Alten Testaments lediglich Kommentare der 5 Bücher Mose. Und da in den 5 Büchern Mose nirgends von Auferstehung die Rede sei, gehöre sie auch nicht zum reinen Glauben.
Somit war für die Sadduzäer jede Äußerung zur Auferstehung ein Irrtum, selbst wenn sie vom Verfasser eines anderen biblischen Autoren kam. Sie dachten, dass es einen anderen Weg geben müsse, diesen Kommentar zu verstehen, als an die Auferstehung zu glauben.
Auf der anderen Seite verteidigten die Pharisäer die Auferstehung vehement. Sie liebten es, über Fragen zu diskutieren wie zum Beispiel: „Wenn man von den Toten auferweckt wird, wird man dann nackt sein oder Kleider tragen?“
Sie konnten sich nicht vorstellen, dass bei der Auferstehung alle nackt sein würden, also kamen sie zu dem Schluss, dass man bekleidet sein würde. Dadurch stellte sich natürlich die Frage, „Woher kamen die Kleider?“ „Würden man neue Kleider bekommen, oder in den Kleidern auferstehen, in denen man begraben wurde?“ Und die Frage, die sie besonders gerne diskutierten, lautete: „Würde man im kommenden Leben dieselben körperlichen Gebrechen oder geistigen Störungen haben wie in diesem Leben?“
Viele der Pharisäer waren der Meinung, dass man in denselben Kleidern auferstehen würde, in denen man begraben wurde, und dass man mit denselben Gebrechen auferstehen würde, die man in diesem Leben hatte. Deshalb scheint es mir, dass sie dem Einfluss von Baruch und anderen Autoren folgten, nämlich dass man so auferweckt wird, wie man gestorben ist. Einige von ihnen glaubten sogar, dass alle Juden, die im Laufe der Geschichte gestorben waren, unabhängig von ihrem Todesort im Land Israel wieder auferstehen würden.
Es gibt sogar eine Theorie, dass unter der Erde ein riesiges Netz von Tunneln angelegt sei, die alle irgendwie schräg verlaufen. Dadurch würden die Juden, wenn sie in die Erde gelegt würden, eine Reihe von Tunneln hinunterrollen, bis sie schließlich alle auf einem Haufen in Israel landen würden. Dieses Tunnelsystem hätte den Vorteil, dass praktischerweise alle Juden dort versammelt wären und an Ort und Stelle auferweckt werden könnten.
Die Pharisäer liebten es, über solche Dinge zu diskutieren. Das taten sie gelegentlich auch mit den Sadduzäern. Diese hielten das für lächerlich und bizarr (was es in der Tat auch ist), und sie machten sich darüber lustig. Sie waren so geprägt von ihrem Unglauben an die Auferstehung, dass sie die Pharisäer und das übrige Volk durch ihren Spott wütend machten.
Eines der Dinge, das ihnen an der Auferstehung bizarr und irrational vorkam, hatte mit der Frage zu tun: Was ist, wenn jemand in diesem Leben mehrfach verheiratet war? Wenn du im nächsten Leben in denselben Kleidern, in derselben Gestalt, mit denselben Gebrechen und in denselben Beziehungen zurückkommst, wer wird dann dein Mann und deine Frau sein? Und anscheinend wurde diese Frage nie ausreichend beantwortet. Denn als sie an der Reihe sind, dem Meisterrabbi eine Frage zu stellen, setzen sie mit dieser Frage alles auf eine Karte. Sie sind schon seit langem sehr gut und geschickt darin, ihren Unglauben an die Auferstehung zu verteidigen und geben hier nun ihr Bestes.
Es ist also Mittwoch. Und weil Jesus eine Bedrohung für sie ist, kommen sie zu ihm mit der Absicht, ihn loszuwerden. Das wird deutlich in Johannes 11,47. Dort heißt es: „Da versammelten die obersten Priester –“ das waren die Sadduzäer, „- und die Pharisäer den Hohen Rat“. Sie können sich zwar nicht auf eine Theologie einigen, aber sie sind sich darin einig, dass sie Jesus tot sehen wollen. Letzte Woche sprach ich darüber, wie die Pharisäer vorgingen, um ihn von den Römern verhaften zu lassen.
Aber die obersten Priester verfolgen einen anderen Ansatz. Ich denke nicht, dass sie zuvor wirklich wollten, dass er von den Römern verhaftet wird. Im Gegenteil: Ich denke, dass sie sehr besorgt darüber waren, Rom hineinzuziehen, denn alles, was Rom verärgern könnte, bedrohte ihre Sicherheit. Aber letztendlich schlossen sie sich dem Plan dennoch an. Und in Johannes 11,47 sehen wir, dass der Zusammenschluss der Pharisäer und Sadduzäer Rat hält und sich die Frage stellt: „Was sollen wir tun? Denn dieser Mensch tut viele Zeichen!“
Sie leugneten weder seine Wunder, noch die Auferweckung des Lazarus von den Toten. Aber sie befürchteten, „wenn wir nichts tun, werden alle an ihn glauben; und dann kommen die Römer und nehmen uns das Land und das Volk weg!“ Die Pharisäer wollten Jesus unbedingt durch die Römer verhaften lassen. Denn dann würde das Volk sofort erkennen, dass er nicht der Messias sei, weil er den Feind nicht besiegt hatte.
Die Sadduzäer hingegen wollten eigentlich nicht, dass die Römer in die Sache verwickelt würden. Aber sie hatten noch mehr Angst davor, ihre sichere Position und ihre Stellung zu verlieren, wenn sie nichts gegen Jesus unternähmen. „Einer aber von ihnen, Kajaphas, der in jenem Jahr Hoherpriester war, sprach zu ihnen: Ihr erkennt überhaupt nichts, und ihr bedenkt nicht, dass es für uns besser ist, dass ein Mensch für das Volk stirbt, als dass das ganze Volk zugrunde geht!“ Mit anderen Worten sagt er: Wir müssen ihn töten lassen. Er muss sterben, oder wir werden alle untergehen.
Und obwohl sie so unterschiedliche Motive haben, sind nun alle entschlossen, dass Jesus sterben muss und arbeiten daran.
Der Ansatz der Sadduzäer ist, ihn vor dem Volk unglaubwürdig erscheinen zu lassen. Dazu stellen sie ihm ihre ultimative Frage zur Auferstehung, auf die bisher niemand eine Antwort hatte. Ich bin sicher, es ist die Frage, die in ihren Debatten jedes Mal jeden ratlos zurückließ. Sie geben ihr Bestes, um ihn dumm dastehen zu lassen.
In Lukas 20,28 erkennen wir den Denkansatz der Sadduzäer, als sie ihre Frage wie eine Absurdität aussehen lassen: „Und sie fragten ihn und sprachen: Meister“. Wir erinnern uns aus Vers 21, dass das eine sehr ehrenvolle Bezeichnung war und den angesehensten Rabbinern vorbehalten war.
Und indem sie ihn auf diese ehrenvolle Weise anerkennen, legen sie sozusagen die Messlatte noch höher. Sie erwarten, dass er eine weise Antwort gibt. „Meister, Mose hat uns vorgeschrieben: Wenn jemandes Bruder eine Frau hat und kinderlos stirbt, so soll dessen Bruder die Frau nehmen und seinem Bruder Nachkommen erwecken.“ Natürlich erwähnen sie Mose. Und natürlich beziehen sie sich auf den Pentateuch. Sie berufen sich auf 5. Mose 25 und damit auf einen Teil von Gottes Gesetz für das Volk.
In 5. Mose 25,5 heißt es: „Wenn Brüder beieinander wohnen und einer von ihnen stirbt, und er hatte keinen Sohn, so soll die Frau des Verstorbenen nicht einem fremden Mann von auswärts gegeben werden“. Da sind also mehrere Brüder, und einer von ihnen heiratet. Er stirbt, bevor er ein Kind zeugen kann, um die Familie fortzupflanzen. In diesem Fall soll die Frau keinen Fremden heiraten, „sondern ihr Schwager soll zu ihr eingehen und sie sich zur Frau nehmen und ihr die Schwagerpflicht leisten. Und es soll geschehen: Der erste Sohn, den sie gebiert, soll den Namen seines verstorbenen Bruders weiterführen, damit sein Name nicht aus Israel ausgelöscht wird.“
Zu der Zeit im 5. Buch Mose stand Israel kurz davor, in das verheißene Land zu ziehen. Das Land würde aufgeteilt werden und Familien und Stämme würden bestimmte Teile des Landes erhalten. Daher war es für diese Stämme sehr wichtig, Nachkommen zu haben, um Gottes Bundesverheißung fortzusetzen. Was sollte also geschehen, wenn jemand eine Frau hatte und ihm nie ein Sohn geboren wurde? Damit die Familie weiterbestehen würde, sollte ein Bruder aus derselben Familie sich diese Frau zur Frau nehmen und mit ihr den Samen erwecken, um Gottes Bundesverheißung und Absicht zu erfüllen. Auf diese Weise würde die Nation, die Identität der Menschen, sowie ihre von Gott gegebenen Ländereien geschützt und bewahrt. Dieser Vorgang wird als Leviratsehe bezeichnet. Der Begriff stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Schwagerehe.
Er taucht im Alten Testament erstmals in 1. Mose 38 auf, im Haushalt von Juda, dem Sohn Jakobs. Dort weigerte sich Onan, zu gehorchen und der Frau seines toten Bruders ein Kind zu schenken. Das führte letztendlich dazu, dass Gott Onan tötet. Um sicherzustellen, dass sich sein Plan und seine Prophezeiung erfüllen würde, schützte und bewahrte Gott auf diese Weise die Stämme seines Volkes.
Die bemerkenswerteste Illustration der Schrift dafür finden wir im Buch Rut. Dort starb Elimelech, ohne einen Erben zu hinterlassen. Als Rut nach Israel zurückkehrte, kam Elimelechs Verwandter Boas, nahm Rut zur Frau und zog ein Kind namens Obed auf. Gott verfolgte seit den Anfangsjahren seiner Geschichte mit diesem Gesetz eine bestimmte Absicht. Denn von Obed kam Isai, von Isai kam David und von David schließlich der Herr Jesus Christus.
So wie alle Juden kennen auch die Sadduzäer den Pentateuch und dieses Gesetz. Deshalb stellen sie Jesus eine absurde Frage. Es geht los in Vers 29: „Nun waren da sieben Brüder.“ In Matthäus heißt es übrigens: sieben Brüder „bei uns“. Vielleicht wollten sie damit sogar sagen, dass es wirklich passiert ist. Lukas hingegen formuliert rein hypothetisch, dass da irgendwo einmal sieben Brüder waren. „Der erste nahm eine Frau und starb kinderlos. Da nahm der zweite die Frau und starb auch kinderlos. Und der dritte nahm sie, ebenso alle sieben, und sie hinterließen keine Kinder bei ihrem Tod.“
Wow. Das ist eine gefährliche Frau. Ich glaube, als Bruder Nummer vier würde ich die Stadt verlassen. Und als Bruder Nummer fünf, sechs und sieben wäre ich nirgends mehr zu finden. Diese Frau ist tödlich. Sieben Brüder heiraten sie, und jeder stirbt.
Und dann heißt es in Vers 32 gnädigerweise: „Zuletzt aber, nach allen, starb auch die Frau“. Was für ein Geschenk. Wer weiß, wie viele Leben dadurch gerettet wurden. Und so schaffen die Sadduzäer diese bizarre Situation und fragen dann: „Wessen Frau wird sie nun in der Auferstehung sein? Denn alle sieben haben sie zur Frau gehabt.“
Man konnte das Grinsen in ihrem Gesicht sehen. Wie oft hatten sie sich diese Frage schon gestellt? Wie oft hatten sie mit solchen Illustrationen schon Witze gemacht über die Absurdität der Auferstehung? Im Gegensatz zu ihnen sagten die Pharisäer, dass das nächste Leben genauso sein würde wie dieses Leben. Der Mensch wäre dieselbe Person mit denselben Merkmalen, derselben Kleidung, denselben Schwächen und Stärken, denselben Beziehungen. Und es gab einige, wie z. B. Maimonides, der tatsächlich behauptete, dass nach der Auferstehung Kinder geboren werden würden. Er war der erste Mormone. Es war also nichts Neues.
Für die Sadduzäer war es einfach nur lachhaft, wie Auferstehung damals verstanden wurde. Deshalb führen sie die Auferstehung ad absurdum. Nun kommen wir von ihrem Vorgehen über die Absurdität zu Vers 34: „Und Jesus antwortete ihnen und sprach:“ Die Parallelstelle von Matthäus 22,29 ergänzt das noch folgendermaßen: „Aber Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Ihr irrt, weil ihr weder die Schriften noch die Kraft Gottes kennt.“
Was für eine Aussage. Wenn ihr glaubt, dass es für die Sadduzäer schon schmerzhaft war, als Jesus mit der Peitsche ihr Tempelgeschäft zerschlug, wie schmerzhaft war dann erst dieser Schlag gegen ihre Theologie?
Sie waren doch so stolz darauf, Ausleger der Heiligen Schrift zu sein. Und nun sagt Jesus zu ihnen: Ihr irrt euch. Das kommt vom Verb planaō, und bedeutet in die Irre gehen, in die Irre führen. Er sagt damit: Ihr habt euch selbst in die Irre geführt und seid weit entfernt von der Wahrheit und der Realität. Ihr versteht es nicht, und zwar deshalb nicht, weil ihr die Heilige Schrift nicht versteht. Das ist eine unerhörte Anklage.
Allein bei dieser Aussage könnte ich noch lange verweilen und auf die Anwendung dessen eingehen. Denn wenn man die Schrift nicht richtig versteht, versteht man überhaupt nichts richtig. Die Schrift korrekt auszulegen ist die Grundlage für ein gründliches Verständnis. Aber weil wir nicht Matthäus durchnehmen, werde ich mich nicht lange hier aufhalten.
Jesus hätte ihnen nichts Schmerzhafteres sagen können, als dass sie die Schriften nicht verstanden hätten. Ihr habt euch selbst in die Irre geführt. Ihr habt euch von der Wahrheit entfernt. Ihr versteht die Schrift nicht richtig. Diese Beschreibung trifft auf jeden Irrlehrer zu.
Sie waren so stolz auf ihre Kenntnis der Heiligen Schrift. Und er sagt ihnen: Ihr kennt weder die Schriften noch die Macht Gottes. Hätten sie die Heilige Schrift wirklich gekannt, hätten sie gewusst, dass Gott die Auferstehung verheißt. Hätten sie die Macht Gottes gekannt, hätten sie verstanden, dass Gott Menschen in einen Zustand versetzen kann, in dem all ihre vermeintlichen Absurditäten nicht mehr vorhanden sind. Sie waren geistlich blind.
Deshalb sagt er ihnen die Wahrheit, als er in Lukas 20,34 spricht: „Die Kinder dieser Weltzeit heiraten und lassen sich heiraten;“ „Die Kinder dieser Weltzeit“ ist ein Hebraismus für „Menschen, die in dieser Welt leben“. Das sind wir, die zeitlichen Menschen. Jesus will damit sagen, dass Ehe, Sexualität, Fortpflanzung, Geburt und alles, was damit zusammenhängt, für dieses Leben bestimmt ist und nicht für das nächste. In dieser Weltzeit wird geheiratet. Es ist ein Teil dieses Zeitalters.
Mormonen passt auf: Ihr werdet nicht ewig auf eurem eigenen Planeten verbringen, himmlischen Sex haben und übernatürliche Kinder zeugen. Muslime passt auf: Auch ihr werdet im nächsten Leben nicht auf grünen Kissen liegen und Sex mit 72 Jungfrauen haben. Die Ehe ist nur für dieses Leben bestimmt.
Vers 35 spricht von jener Weltzeit. Das meint nicht dieses Zeitalter hier, sondern das ewige Leben in der Gegenwart Gottes. Dort heißt es: „Diejenigen aber, die gewürdigt werden, jene Weltzeit zu erlangen und die Auferstehung aus den Toten, die werden weder heiraten noch sich heiraten lassen“. Es wird keine Ehe und keine Familien mehr geben. Warum das so sein wird, sehen wir in Vers 36: „denn sie können nicht mehr sterben“. Niemand wird sterben, also müssen sie sich auch nicht fortpflanzen und niemand wird ersetzt werden müssen.
Stattdessen werden sie „den Engeln gleich“. Das Verb isangeloi, „den Engeln gleich sein“, wurde durch Lukas geprägt. Es taucht nur ein einziges Mal in der Schrift auf, und zwar hier an dieser Stelle. Die Engel wurden alle auf einmal geschaffen. Ihre Zahl ist festgelegt. Sie pflanzen sich nicht fort und sterben nicht und haben deshalb die Ehe und diese Art der Vereinigung nicht nötig. In der Herrlichkeit des Himmels werden wir Menschen in der perfekten Beziehung zu Gott und zu Christus sein als unserem wahren Bräutigam. Und dann werden wir auch vollkommene Gemeinschaft mit allen anderen haben. Das macht alle weiteren Beziehungen unnötig.
Und so sagt Jesus zu den Sadduzäern: Ihr versteht die Schrift nicht. Ihr versteht die Macht Gottes nicht. Die Ehe ist für dieses Zeitalter, „diejenigen aber, die gewürdigt werden, jene Weltzeit zu erlangen und die Auferstehung von den Toten, die werden weder heiraten noch sich heiraten lassen“.
Beachtet den kleinen Satz in Vers 35: „die gewürdigt werden, jene Weltzeit zu erlangen und die Auferstehung aus den Toten“. Da stellt sich die Frage: Warum sagt er das? Ich denke, es ist eine direkte Warnung an die Sadduzäer. Denn sie glauben ja nicht an Engel, an Söhne Gottes, an Söhne der Auferstehung, an das kommende Zeitalter, die Auferstehung von den Toten. Sondern sie lehnen das alles ab. Deshalb sagt er ihnen damit, „ihr seid nicht gewürdigt jene Weltzeit zu erlangen, da ihr nicht einmal daran glaubt!“
Da stellt sich die Frage: „Wann wäre man andererseits als würdig erachtet, in den Himmel zu kommen?“ „Wann wird man als würdig angesehen, ein Sohn Gottes, ein Sohn der Auferstehung zu werden?“ Die Antwort lautet: Durch den Glauben an den Herrn Jesus Christus. Die Bibel ist diesbezüglich eindeutig. Wir besitzen aus uns selbst keine Würdigkeit. Jesaja im Alten Testament sagt es klar und deutlich: All unsere Gerechtigkeit ist ein schmutziger Lumpen.
Wir sind nur würdig, weil uns die Gerechtigkeit Gottes als Christi Verdienst durch den Glauben an Christus aus souveräner Gnade zuerkannt wird. Aber zu den Sadduzäern sagt Jesus: „Diejenigen aber, die gewürdigt werden, jene Weltzeit zu erlangen“, und meint damit, dass sie es offensichtlich zu diesem Zeitpunkt nicht sind. Ihre Frage ist absurd, denn im Himmel gibt es überhaupt keine Ehe. Und damit fordert er sie auf, ihre Vorstellung von den Toten, was Heirat betrifft, zu vergessen.
Warum das so ist, sehen wir in Vers 36: „denn sie können nicht mehr sterben, denn sie sind den Engeln gleich und Söhne Gottes.“ Das bedeutet, dass sie Gottes ewiges Leben annehmen, das nicht sexuell ist. So werden sie zu Söhnen der Auferstehung. In den Evangelien ist immer wieder die Rede von „Söhnen“, „Söhnen dieses Zeitalters“, „Söhnen Gottes“ oder „Söhnen der Auferstehung“. Das sind einfach Beschreibungen, von welcher Art die Söhne sind und welche Wesenseigenschaften sie dadurch besitzen.
Bei einem Sohn des Belials ist die wesentliche Eigenschaft satanisch. Bei einem Sohn Gottes ist das grundlegende Wesen göttlich. Wenn man ein Sohn der Auferstehung ist, besitzt man das Leben der Auferstehung. Das ist die Realität, die einen ausmacht. Wenn du ein Sohn dieses Zeitalters bist, ist das Menschsein die Realität, die dich definiert. Wenn du dagegen ein Sohn des kommenden Zeitalters bist, ist das Ewige die Realität, die dich definiert.
Jesus sagt also, dass diejenigen, die in das Zeitalter der Auferstehung kommen, das Wesen von Engeln annehmen werden, die sich nicht fortpflanzen und nicht diese Art von Beziehungen haben. Sie werden das Wesen von Söhnen Gottes annehmen und das reine, erfüllende Leben Gottes besitzen. Eine Heirat wird nicht notwendig sein, weil kein Aspekt des kommenden Zeitalters die Ehe betrifft.
Und so korrigiert unser Herr ihre Theologie. Wenn ihr mehr darüber erfahren wollt, lest 1. Korinther 15. Beginnt bei Vers 35 und lest bis zum Ende des Kapitels, wo der Herr uns durch den Apostel Paulus einen Blick auf die Gestalt des Auferstehungsleibes gibt. In Philipper 3,21 heißt es, dass es ein Leib sein wird, der dem herrlichen Auferstehungsleib Jesu gleicht.
Jesus klärt sie also darüber auf, dass die Ehe nicht für die Auferstehung bestimmt ist und dass sich ihre Frage dadurch erübrigt. Aber der wichtigste Teil seiner Antwort kommt in Vers 37 und hat eine durchschlagende Wirkung. Hört euch an, wie er sie in ihrem eigenen Kompetenzbereich angreift: „Dass aber die Toten auferstehen, hat auch Mose angedeutet bei der Stelle von dem Dornbusch“. Damit sagt er ihnen, dass in dem Abschnitt über den brennenden Dornbusch nicht das steht, was sie behaupten. Vielmehr beweist Mose in diesem Abschnitt die Tatsache der Auferstehung.
Wie tut Gott das? Gott sagte in 2. Mose 3,6 mit Nachdruck von sich selbst: „Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs.“ Damit weist er darauf hin, dass die Auferstehung wirklich wahr ist. Er sagte nicht: Ich war der Gott Abrahams. Ich war der Gott Isaaks. Ich war der Gott Jakobs. Sondern „Ich bin“. Ich bin der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs weil sie immer noch leben. Dieses „Ich bin“ steht auch in der Parallelstelle bei Matthäus, in Matthäus 22,32. Gott sagt: Ich bin und sie sind. Er sagt nicht ich war ihr Gott. Sondern ich bin ihr Gott. Verstehst du das? Das ist sorgfältige Auslegung.
In 1. Mose 26,24 und in 1. Mose 28,13 nennt sich Gott „der Gott deines Vaters Abraham“, und Abraham ist tot. In 2. Mose 3,6.15.16, und erneut in Kapitel 4, nennt sich Gott „der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs“, obwohl alle drei bereits gestorben sind. Ist Gott also der Gott der Toten? Dazu sagt Lukas 20,38: „Er ist aber nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebendigen; denn für ihn leben alle.“ Aus unserer Perspektive sind sie tot, aber aus Gottes Perspektive sind sie lebendig und leben für ihn.
Der Gott, der sagt: „Ich bin der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs“, gründet seine Herrlichkeit nicht darauf, dass er von Leichen angebetet wird. Das würde ihm keine Ehre machen. Beachtet auch, dass jeder einzeln genannt wird: der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Das bekräftigt die Tatsache, dass jeder Einzelne persönlich davon betroffen ist. Jeder ist in Gottes Gegenwart in einer Beziehung zu ihm und lebendig für Gott, obwohl er aus weltlicher Perspektive tot ist.
Schon das Alte Testament sagt also, dass der Mensch nicht mit dem Tod aufhört zu existieren. Für diejenigen, die zu Gott gehören, gibt es in der Auferstehung ein anderes Leben nach dem Tod. Jesus sagt über sich selbst in Johannes 11: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.“ Wir werden ewig leben. Und wenn wir zu Christus gehören, werden wir ewig in der Gegenwart Christi und in der Gegenwart Gottes leben.
Das war eine verheerende Nachricht für die Sadduzäer. Sie waren fix und fertig, regelrecht besiegt und zerschlagen. Da brachten sie ihm ihr stärkstes Argument und er zerlegte sie einfach, indem er ihnen sagte, dass sie weder die Schrift noch die Macht Gottes verstanden. Und zugleich widerlegt er die falschen Vorstellungen der Pharisäer über die Auferstehung, die annahmen dass man dort verheiratet sein würde und ein sehr ähnliches Leben führen würde, das man von hier kannte. Und dann holte er zum letzten Schlag aus, als er ihnen durch Moses Schriften bewies, dass Gott selbst bestätigte, dass er der Gott der Lebenden ist.
Das führt uns zum letzten Punkt, nämlich dem Erstaunen der Menge, dem Erstaunen der Schriftgelehrten und man könnte auch sagen, dem Erstaunen der Sadduzäer. „Da antworteten etliche der Schriftgelehrten und sprachen: Meister, du hast gut geantwortet!“ Die Schriftgelehrten waren die Rechtsexperten und Theologen. Sie waren diejenigen, die am sorgfältigsten und gründlichsten über die Heilige Schrift nachdachten. Und selbst sie waren von Jesu Antwort beeindruckt und überwältigt.
„Du hast gut geantwortet“ ist eine Untertreibung. In Matthäus 22,33 heißt es: „Und als die Menge dies hörte, erstaunte sie über seine Lehre.“ Im Griechischen könnte man für das Wort „erstaunt“ mehrere Wörter verwenden. Das Wort, das Matthäus verwendete ist ekplēssō, und bedeutet im Wesentlichen „den Verstand verlieren“. Es haut sie einfach um. Sie waren schwer beeindruckt von der Lehre Jesu, und gleichzeitig darüber erstaunt, überrascht, verblüfft und verwundert.
Und was ist mit den Sadduzäern? Die waren fix und fertig. In Lukas 20,40 steht, dass sie keinen Mut mehr hatten. Das griechische Verb ist „wagen“ oder „sich erdreisten“. „Und sie getrauten sich nicht mehr, ihn etwas zu fragen.“ Zunächst hatte Jesus sie wirtschaftlich ruiniert und nun auch noch geistlich und theologisch zerlegt. Sie hatten ihr Bestes gegeben, aber nun sind sie erledigt und sie verschwinden.
Übrigens ist das im Lukasevangelium die allerletzte Begegnung Jesu mit den Führern und es ist die letzte Frage, die ihm jemand stellt. Nun beginnt Jesus ab Vers 41 die Fragen zu stellen, die ihn zum Kreuz führen. Ich bringe hier Matthäus noch einmal ins Spiel. Im Gegensatz zu Lukas berichtet Matthäus darüber, dass die Pharisäer nicht nachgeben wollten und noch einen Versuch wagen. So heißt es in Matthäus 22,33: „Und als die Menge dies hörte, erstaunte sie über seine Lehre. Als nun die Pharisäer hörten, dass er den Sadduzäern den Mund gestopft hatte, versammelten sie sich; und einer von ihnen, ein Gesetzesgelehrter, stellte ihm eine Frage.“
Sie sind geradezu versessen auf Strafe, nicht wahr? Er hatte die Sadduzäer zum Schweigen gebracht. Und trotzdem stellten die Pharisäer ihm eine weitere Frage. „Meister, welches ist das größte Gebot im Gesetz?“
Matthäus berichtet dann in Vers 46, dass nach dieser Frage selbst die Pharisäer ruhiggestellt waren. „Und niemand konnte ihm ein Wort erwidern. Auch getraute sich von jenem Tag an niemand mehr, ihn zu fragen.“
Die hasserfüllten religiösen Führer konfrontieren ihn, weil sie ihn diskreditieren wollen. Dabei verfolgt jede Gruppe ihren spezifischen Ansatz in ihrem eigenen Stil. Aber er lässt sich von ihren plumpen Angriffen nicht beeindrucken. Er offenbart nur größere Herrlichkeit, löst größere Verwunderung und größeres Erstaunen aus. Das tut er solange, bis sie nicht mehr den Mut haben, zu ihm zu kommen und ihn über irgendetwas zu befragen.
Was lernen wir aus diesem Abschnitt? In diesem Abschnitt können wir wie sonst überall im Lukasevangelium das erstaunliche Wunder Christi erkennen. Man erkennt hier die majestätische Weisheit von Jesus. Diese Weisheit erlaubte es ihm, jedes Gespräch und jede Diskussion zu kontrollieren. Es war offensichtlich eine übernatürliche Weisheit. Zweitens sieht man hier seine Hingabe an die Heilige Schrift, und deren richtige Auslegung. Und drittens wird die Verheißung der Auferstehung bekräftigt.
Die Feinde Jesu, die Sadduzäer, geben ihm eine glorreiche Gelegenheit, seine übernatürliche Weisheit, seine unerbittliche Hingabe an die Schrift und seine Verheißung der Auferstehung zu beweisen. Und so ist dieser Abschnitt zwar eine Niederlage für seine Feinde, aber zugleich einen Triumph für seine Freunde. Während seine Feinde wie betäubt in kaltem Schweigen erstarrt sind, freuen wir uns. Denn unser Herr ist unendlich weise. Er ist einer wahren und genauen Auslegung der Schrift und ihrer Anwendung verpflichtet. Und er bestätigt mit eigenen Worten die Verheißungen der Bibel bezüglich der Auferstehung.
Und deshalb verlasse ich mich noch mehr auf meinen allweisen, allmächtigen, ganz und gar wahren und immer lebendigen Herrn Jesus Christus. Aber diese Freude gilt nur für diejenigen, die würdig sind, dieses Zeitalter und die Auferstehung von den Toten zu erreichen. Wer sind diejenigen? Es sind diejenigen, die ihr Vertrauen auf den Herrn Jesus Christus und auf sein Opfer, seinen Tod und seine Auferstehung allein setzen und nicht auf ihre eigenen Werke. Diese kehren um und sagen: Gott, ich habe keine eigene Gerechtigkeit. Ich bitte dich, mir zu vergeben und die Gerechtigkeit, die nur Christus gehört, mir zuzurechnen.
Dann werden uns in einem Akt des Glaubens alle Sünden vergeben. Wir werden mit der Gerechtigkeit Christi bedeckt. Wir erhalten die Verheißung des ewigen Lebens. Wir sind durch seine Würdigkeit würdig geworden, die Auferstehung von den Toten zu erlangen. Das ist die Hoffnung, in der wir leben, und die unser Erlöser in dieser großartigen Begegnung selbst bekräftigt.
Herr, wir beenden nun diese gemeinsame Zeit. Hoffentlich hören wir noch lange den Widerhall der Worte: Söhne Gottes, Söhne der Auferstehung. Was für ein Privileg! Wir danken dir für die Hoffnung auf ewiges Leben, die in Christus und in Christus allein zu finden ist. Weil er lebt, werden auch wir leben. Wer an ihn glaubt, wird niemals sterben.
Wir danken dir, dass wir in Christus und allein in Christus zu Söhnen der Auferstehung geworden sind. Wir werden in ein Auferstehungsleben eintreten, das nicht wie dieses Leben ist, sondern wie dein Leben und wie das der heiligen, verherrlichten, ewigen Engel. Wir sind dieser herrlichen Verheißung nicht würdig, aber wir klammern uns an die Würdigkeit von Christus. Mach uns treu, dass wir leben, um ihn zu ehren und sein Evangelium zu verkünden. Amen.
ENDE
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