Seit einigen Monaten beschäftigen wir uns mit dem ersten Brief des Paulus an die Gemeinde in Thessalonich. Unser heutiger Text ist 1. Thessalonicher 5,14-15. Schlagt bitte eure Bibeln dort auf.
Henry Ward Beecher sagte einmal: „Die Gemeinde ist keine Galerie, in der hervorragende Christen ausgestellt werden, sondern eine Schule, in der unvollkommene Christen erzogen werden.“ Und damit hat er recht. Die Gemeinde ist kein Ort für perfekte Menschen, sondern ein Krankenhaus für Menschen, die wissen, dass sie krank sind. Wir behaupten nicht, dass die Gemeinde perfekt ist. Im Gegenteil: Wir sind bereit, das zuzugeben, dass sie es nicht ist.
Charles Morrison schrieb: „Die christliche Gemeinde ist eine Vereinigung von Sündern.“ Und dann wird er sogar noch genauer und sagt: „Es ist die einzige Vereinigung der Welt, in der die Mitgliedschaft ausschließlich auf der Voraussetzung beruht, dass der Kandidat unwürdig ist, Mitglied zu werden.“
Die Gemeinde ist voller Probleme, weil sie voller Menschen ist, die Problemen haben. Denn wir alle sind Sünder. Auch wenn wir durch Gnade gerettet sind, leben wir trotzdem noch im unerlösten menschlichen Fleisch und kämpfen deshalb mit Sünde.
Das geistliche Wachstum einer Gemeinde steht in direktem Verhältnis dazu, wie gut sie mit der Sünde in ihrer Mitte umgeht. Wenn die Gemeinde kraftvoll vorangehen will, dann muss sie sich mit der Sünde in ihrer Mitte auseinandersetzen. Daher verläuft Gemeindewachstum wie ein fortschreitender Prozess, in dem Verfehlungen, Ungerechtigkeit und Sünde fortwährend beseitigt werden.
Bisher bekam die Welt noch keine absolut reine und heilige Gemeinde zu sehen. Dem kam am nächsten wahrscheinlich die erste Gemeinde aus der Apostelgeschichte. Sie entstand in einer solchen Reinheit und brachte Feuer und Hitze und damit eine Energie mit sich, die in der Geschichte ihresgleichen sucht.
Vom geistlichen Standpunkt aus steht also das Wachstum der Gemeinde in direktem Verhältnis dazu, wie gut wir mit den Fehlern umgehen, die unter uns geschehen. Und mit diesen beiden Versen, die wir uns heute anschauen werden, möchte Paulus uns helfen, diesen Zusammenhang zu verstehen. Aber zuvor gehen wir noch einmal einen Schritt zurück und schauen uns an, ob es Kategorien gibt, in die man schwierige Menschen in der Gemeinde einordnen könnte.
Paulus zeigt uns fünf Kategorien von schwierigen Menschen, die das Wachstum und die Kraft der Gemeinde aufhalten. Die erste Gruppe sind die Eigensinnigen. Sie halten nie Schritt und tanzen immer aus der Reihe, weil sie ihrer eigenen Agenda folgen. Während alle anderen vorangehen, gehen sie zurück. Während alle anderen ihren Platz einnehmen, stehen sie irgendwo abseits. Weder tun sie ihre Pflicht, noch sind sie besonders am Dienen oder Geben interessiert. Sie sind untätig, vielleicht sogar faul. Dadurch stehen sie dem Wachstum der Gemeinde im Weg. Sie können unordentlich sein und fehlen vielleicht sogar unentschuldigt. Sie können streitsüchtig sein und man findet bei ihnen das ganze Spektrum von Gleichgültigkeit bis hin zur Rebellion.
Das sind die Eigensinnigen. Sie fügen sich einfach nie in die Gruppe ein und gehen nicht in dieselbe Richtung wie alle anderen. Sie stehen mit allem im Konflikt.
Eine zweite Gruppe, die das Wachstum, das Leben und die Kraft der Gemeinde hindert, sind die Besorgten. Diese Gruppe wird hauptsächlich von Angst angetrieben. Das sind die Menschen in der Gemeinde, denen es an Mut fehlt. Von ihnen kommen die berühmten Worte: „So haben wir das aber noch nie gemacht“. Sie können dir auf Anhieb zehn Gründe nennen, warum das geplante Vorhaben nicht klappen wird.
Sie hassen Veränderungen, lieben aber die Tradition. Sie fürchten das Unbekannte, weil es ihnen an Abenteuerlust fehlt. Deshalb wollen sie kein Risiko eingehen. Sie machen sich um alles Sorgen. Die ganzen Probleme des Lebens sind weit mehr, als sie ertragen können. Meist sind sie traurig, immer besorgt, manchmal verzweifelt, oft deprimiert, entmutigt und niedergeschlagen. Bei ihnen findet sich nichts von dem Eifer, der Freude, dem Nervenkitzel und dem Überschwang, den das Abenteuer mit sich bringt.
Eine dritte Gruppe sind die Schwachen. Das sind die, die einfach geistlich und moralisch schwach sind. Diese Christen sind anfällig für Sünde, weil sie einen schwachen Glauben und wenig Disziplin in ihrem Leben haben. Sie fallen immer wieder in dieselben Sünden und kaum hat man sie aufgerichtet und sauber gemacht, fallen sie wieder in dasselbe Loch. Sie tun sich sehr schwer damit, beständig den Willen Gottes zu tun. Und neben dem, dass sie sich selbst blamieren, beschämen sie so auch noch die Gemeinde und den Herrn. Sie beanspruchen sehr viel Aufmerksamkeit und testen, wie gut eine Gemeinde die Gemeindezucht beherrscht. In der Regel fordern sie es mindestens bis zum zweiten Schritt der Gemeindezucht heraus.
Die vierte Gruppe könnte man die Anstrengenden nennen, oder auch die Frustrierenden. Das sind die Bremser, die sich zwar in die Gruppe eingefügt hatten, sich aber einfach mit der falschen Geschwindigkeit vorwärtsbewegen. Sie holen nie auf. Man lehrt sie ständig, unterweist sie ständig und leitet sie ständig in der Nachfolge an. Man investiert so viel Kraft in sie, aber wenn man sich nach ihnen umschaut, scheinen sie jedes Mal weiter weg zu sein. Sie werden von allem abgelenkt und haben große Schwierigkeiten, sich konzentriert zu fokussieren. Es ist einfach zum Verzweifeln mit ihnen, weil man sich die größte Mühe gibt und die geringste Gegenleistung erhält. Sie bewegen sich nicht und wachsen nicht in einem normalen Tempo.
Die fünfte Gruppe schließlich sind Christen, die offen böse sind. Diese Bösen sündigen in der Gemeinde direkt gegen andere Christen. Sie zerstören Ehen. Sie schänden ihre Töchter. Sie stehlen. Sie tratschen. Sie verleumden. Sie beschuldigen andere zu Unrecht. Sie sind einfach böse.
Es ist wichtig, zu verstehen, dass eine Gemeinde, die wachsen will, mit diesen fünf Gruppen fertig werden muss. Mit den Eigensinnigen, den Besorgten, den Schwachen, den Anstrengenden und den Bösen. Kein Wunder, dass das Aufziehen einer gesunden Herde ein so schwieriges Unterfangen ist, denn all diese Menschen brauchen geistliche Heilung.
Die Eigensinnigen müssen sich wieder einfügen. Die Besorgten müssen mehr Mut, Glauben, Kühnheit und Zuversicht bekommen. Die Schwachen müssen mehr Disziplin für ein heiliges Leben aufbringen. Die Anstrengenden müssen sich aufraffen und die Bösen müssen rechtschaffen handeln. Somit gibt es viel zu tun, um sie alle in Einklang zu bringen. Über Gemeindeaufbau und Gemeindewachstum wird viel gesagt und geschrieben.
Der Schlüssel dazu sind angeblich komplexe Daten, Prinzipien für Homogenität, ein Verständnis der kulturellen Demografie, subtile Strategien, Unterhaltungsmethoden und Werbetechniken. Aber bei all dem wird nur sehr wenig darüber gesagt, wie man die oben genannten Probleme beseitigt und eine gesunde Herde geistlich zur Christus-Ähnlichkeit bringt
Die Bibel sagt an keiner Stelle etwas über Homogenität. Die Bibel sagt an keiner Stelle etwas über kulturelle Demografie, subtile Strategien oder Unterhaltungsmethoden und Werbetechniken. Aber sie sagt etwas darüber, dass man Hindernisse aus dem Weg räumen muss, wenn eine Gemeinde wachsen soll. Man muss mit dem fertig werden, was das Wachstum der Gemeinde hindert. Und wenn sie dann rein und heilig wird, wird sie sich in Bewegung setzen und die Macht Gottes erfahren. Und dann wird sie großen Einfluss auf ihre Kultur ausüben.
Der Apostel Paulus hatte das verstanden. Deshalb kann man von ihm die sehr guten Prinzipien des Gemeindewachstums lernen. Dazu sollte man zuallererst herausfinden, was sein Ziel ist, was er anstrebt und welche Entwicklung er sich für die Gemeinde wünscht. Soll sie größer sein, wohlhabender, beliebter, mehr von der Öffentlichkeit akzeptiert?
Um herauszufinden, was Paulus’ Ziel für die Gemeinde war, gehen wir zurück zu 1. Thessalonicher 1. Diese Gemeinde ist ein Vorbild und ein Beispiel für das, was Paulus sich für jede Gemeinde gewünscht hätte. Er sagt über sie: „Wir danken Gott allezeit für euch alle, wenn wir euch erwähnen in unseren Gebeten.“ Er war sehr, sehr dankbar für diese Gemeinde.
Was machte ihn so dankbar, dass er sogar am Ende von Kapitel 2 sagt: „Ihr seid unsere Ehre und Freude!“ und in Kapitel 5,26: „Grüßt alle Brüder mit einem heiligen Kuss!“? Er fühlte eine große Zuneigung zu dieser Gemeinde. Das liegt vermutlich daran, dass sie auf dem Weg das richtige Ziel vor Augen hatten.
Während ich mir all diese heutigen selbsternannten Experten für Gemeindewachstum anschaue, kommt mir David in den Sinn. Bevor er hinausging und gegen Goliath kämpfte, gab Saul ihm seine Rüstung. Und weißt du noch, was in 1. Samuel 17,39 steht? Dort heißt es von David: Er „bemühte sich zu gehen; denn er hatte es noch nicht versucht. Da sprach David zu Saul: Ich kann darin nicht gehen; denn ich bin es nicht gewohnt!“ Weil er es nicht gewohnt war, konnte David die schwere Rüstung nicht tragen. Also legte er alles ab, ging hinaus und nahm seine Schleuder. Daran war er gewohnt. Und das war das Ende von Goliath.
Die Ortsgemeinde kann ihre Goliaths nur töten, wenn sie das tut, was sie gewohnt ist und wenn sie das tut wozu sie beauftragt, gelehrt, ausgebildet und aufgebaut wurde. Es werden immer wieder Sauls in den Startlöchern stehen, die den kleinen Davids ihre Rüstung aufladen wollen. Aber wir sind viel besser dran mit den Waffen, die wir kennen.
Paulus war sich über das Ziel seines Dienstes absolut im Klaren. Das sehen wir in Kapitel 2,10. Dort bekommen wir ein Gefühl dafür, worum es ihm im Hinblick auf Gemeindeentwicklung und Gemeindewachstum ging. „Ihr selbst seid Zeugen, und auch Gott, wie heilig, gerecht und untadelig wir bei euch, den Gläubigen, gewesen sind; ihr wisst ja, wie wir jeden Einzelnen von euch ermahnt und ermutigt haben wie ein Vater seine Kinder.“
Das macht deutlich, dass Paulus sich wirklich Mühe gegeben hatte. Aber was wollte er damit erreichen? „Dass ihr so wandeln sollt, wie es Gottes würdig ist, der euch zu seinem Reich und seiner Herrlichkeit beruft.“ Sein Ziel für die Gemeinde war, dass sie so wandeln sollten, wie es Gottes würdig ist, der sie berufen hatte.
In Kapitel 3,1 sagt er weiter: „Weil wir es nicht länger aushielten, zogen wir es daher vor, allein in Athen zu bleiben, und sandten Timotheus, unseren Bruder, der Gottes Diener und unser Mitarbeiter am Evangelium von Christus ist.“ Paulus konnte es nicht mehr ertragen, nicht zu wissen, wie es ihnen geht und nicht zu wissen wie es um ihren geistlichen Fortschritt steht. Deshalb schickte er Timotheus zu ihnen, auch wenn das bedeutete, allein in Athen zu bleiben, denn auch Silas war aus Mazedonien aufgebrochen. Die Gemeinde in Thessalonich wurde verfolgt. Und so sandte er Timotheus, „unseren Bruder, der Gottes Diener und unser Mitarbeiter am Evangelium von Christus ist, damit er euch stärke und euch tröste in eurem Glauben, damit niemand wankend werde in diesen Bedrängnissen. Denn ihr wisst selbst, dass wir dazu bestimmt sind. Als wir nämlich bei euch waren, sagten wir euch voraus, dass wir Bedrängnisse erleiden müssten, und so ist es auch gekommen, wie ihr wisst. Darum hielt ich es auch nicht mehr länger aus, sondern erkundigte mich nach eurem Glauben, ob nicht etwa der Versucher euch versucht habe und unsere Arbeit umsonst gewesen sei.“
Paulus war darum besorgt, dass sie würdig wandelten. Er war darum besorgt, dass ihr Glaube stark war und wuchs. Er war darum besorgt, dass sie mit Verfolgung und Schwierigkeiten fertig würden. In Vers 8 sagt er: „Denn nun leben wir, wenn ihr fest steht im Herrn!“ Er war um ihre geistliche Kraft besorgt. In Vers 10 heißt es: „Tag und Nacht flehen wir aufs Allerdringendste, dass wir euer Angesicht sehen und das ergänzen dürfen, was an eurem Glauben noch mangelt.“
Alles was er wollte, war ein starker, reifer Glaube und eine größere Liebe untereinander. Das war das Ziel seiner Gebete und seiner Bemühungen und er formuliert es in seinem Segenswunsch: „Er selbst aber, Gott, unser Vater, und unser Herr Jesus Christus lenke unseren Weg zu euch! Euch aber lasse der Herr wachsen und überströmend werden in der Liebe zueinander und zu allen, gleichwie auch wir sie zu euch haben, damit er eure Herzen stärke und sie untadelig seien in Heiligkeit vor unserem Gott und Vater“.
Paulus war auf Glauben, Liebe und Tugend aus und schreibt in Kapitel 4,1: „Weiter nun, ihr Brüder, bitten und ermahnen wir euch in dem Herrn Jesus, dass ihr in dem noch mehr zunehmt, was ihr von uns empfangen habt, nämlich wie ihr wandeln und Gott gefallen sollt.“ Sie sollen würdig wandeln und Gott gefallen.
Auch am Ende von Vers 10 spricht er von ihrer Liebe: „Wir ermahnen euch aber, ihr Brüder, dass ihr darin noch mehr zunehmt und eure Ehre darin sucht, ein stilles Leben zu führen, eure eigenen Angelegenheiten zu besorgen und mit euren eigenen Händen zu arbeiten, so wie wir es euch geboten haben.“
In 1. Thessalonicher 5,11 fordert er sie auf: „Darum ermahnt einander und erbaut einer den anderen, wie ihr es auch tut!“ Und in Vers 23 folgt der Segen: „Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch, und euer ganzes Wesen, der Geist, die Seele und der Leib, möge untadelig bewahrt werden bei der Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus!“
Paulus war sich also sehr im Klaren darüber, was er unter Gemeindewachstum verstand. Sein Ziel war, das Leben der Gläubigen zu vertiefen und zu stärken. Das tat er in dem Wissen, dass die Gemeinde an Kraft gewinnt, wenn man Hindernisse in Form von Menschen, die bremsen, aus dem Weg räumt. Paulus setzte also den Großteil seiner Energie, seiner Mittel, seiner Gebete und seiner Leidenschaft dafür ein, eine gesunde geistliche Herde aufzuziehen. Dazu verwandelte er die Eigensinnigen, die Besorgten, die Schwachen, die Anstrengenden und die Bösen in Gerechte, Starke und Wirksame.
Und wenn die Bemühungen erfolgreich waren, wie es in Thessalonich der Fall war, dann freute er sich. So drückt er es in Kapitel 1,3 aus: „Ich gedenke unablässig an euer Werk im Glauben und eure Bemühung in der Liebe und euer standhaftes Ausharren in der Hoffnung.“ Und in den Versen 6 bis 8 sagt er: „Ihr seid unsere Nachahmer geworden. Ihr seid Nachahmer des Herrn geworden, sodass ihr Vorbilder geworden seid für alle Gläubigen in Mazedonien und Achaja. Denn von euch aus ist das Wort des Herrn erklungen; nicht nur in Mazedonien und Achaja, sondern überall ist euer Glaube an Gott bekannt geworden.“ Jeder weiß, „dass ihr euch von den Götzen zu Gott bekehrt habt, um dem lebendigen und wahren Gott zu dienen.“ Jeder wusste, dass sie seinen Sohn aus dem Himmel erwarteten. Sie hatten großartige Arbeit geleistet beim Evangelisieren und beim Beweisen ihres Glaubens. Das war eine riesengroße Freude für Paulus.
In Kapitel 2,13 geht es weiter: „Darum danken wir auch Gott unablässig, dass ihr, als ihr das von uns verkündigte Wort Gottes empfangen habt, es nicht als Menschenwort aufgenommen habt, sondern als das, was es in Wahrheit ist, als Gottes Wort, das auch wirksam ist in euch, die ihr gläubig seid. Denn ihr, Brüder, seid Nachahmer der Gemeinden Gottes geworden, die in Judäa in Christus Jesus sind, weil ihr dasselbe erlitten habt von euren eigenen Volksgenossen wie sie von den Juden.“ Das war ein weiteres Lob. Sie waren echt und wahrhaftig. Sie waren treu und blieben auch im Leid standhaft. Und darüber freute er sich.
Deshalb bezeichnet er sie in den Versen 19 und 20 sogar zwei Mal als seine „Freude“. Und in Kapitel 3,6 sagt er: „da Timotheus von euch zu uns zurückgekehrt ist und uns gute Nachricht gebracht hat von eurem Glauben und eurer Liebe, und dass ihr uns allezeit in gutem Andenken habt und danach verlangt, uns zu sehen, gleichwie auch wir euch, da sind wir deshalb, ihr Brüder, euretwegen bei all unserer Bedrängnis und Not getröstet worden durch euren Glauben. Denn nun leben wir, wenn ihr fest steht im Herrn!“
Paulus empfand solche Freude, weil die Gemeinde wuchs und Fortschritte machte. Er sagte sogar: „Ich muss mit euch nicht über Liebe reden, weil ihr von Gott gelehrt seid zu lieben, und ihr tut es. Ich kann nur sagen: Nehmt darin noch mehr zu.“ Und in Kapitel 4,9 bestätigt er ihre große Liebe noch einmal.
Das zeigt, dass es überaus beglückend ist, wenn man in einer Gemeinde dient, die wächst und Fortschritte macht; in einer Gemeinde, deren Glaube gestärkt wird und die stark genug ist, um mit Verfolgung umzugehen; in einer Gemeinde, die des Gottes würdig wandelt, der sie berufen hat; in einer Gemeinde, die in Heiligkeit wandelt und danach strebt, bei der Wiederkunft Jesu Christi untadelig zu sein; in einer Gemeinde, in der die Liebe aufblüht und wächst.
Eine gesunde Herde ist eine geliebte Herde und Paulus liebte diese Menschen von ganzem Herzen. Er konnte ihnen nicht widerstehen. Das heißt aber nicht, dass sie keine Probleme hatten. Die hatten sie. Und deshalb begegnen wir in den Versen 14 und 15 den „Problem-Fällen“:
„Wir ermahnen euch aber, Brüder: Verwarnt die Unordentlichen, tröstet die Kleinmütigen, nehmt euch der Schwachen an, seid langmütig gegen jedermann! Seht darauf, dass niemand Böses mit Bösem vergilt, sondern trachtet allezeit nach dem Guten, sowohl untereinander als auch gegenüber jedermann!“ Diese beiden Verse bilden ein wunderschönes Duett. Denn obwohl die Gemeinde in Thessalonich sich gut entwickelte und wuchs, hatte sie Probleme. Und dass sie Manches nicht erreicht hatte, lag an diesen schwierigen Menschen.
In dieser Gemeinde waren alle fünf Gruppen vertreten, genauso wie alle fünf Gruppen hier bei uns vertreten sind. Und wenn du dich jetzt umschaust, um zu sehen, wer in deiner Nähe sitzt und du dich fragst in welche Gruppe er oder sie passen könnte, dann erinnere dich bitte auch daran, dass wir alle irgendwann einmal in der einen oder anderen Gruppe waren.
In 2. Korinther 11,28 sagt Paulus: „Die Sorge um alle Gemeinden ist die größte Last des Dienstes. Sie übertrifft alle körperlichen Schmerzen, die ich ertragen habe. Zu all den Schmerzen, den Peitschen und den Ruten, die meinen Körper geschlagen haben, kommt noch die Sorge um die Gemeinden hinzu.“ Und in Kolosser 2,1: „Ich will aber, dass ihr wisst, welch großen Kampf ich um euch habe.“ Damit sagt er ihnen, dass er sich mit ihnen abmüht und es ihm sehr schwerfällt, all die Last aller unfertigen Gemeinden zu tragen.
In unseren beiden Versen definiert Paulus zunächst also diese fünf Gruppen und sagt dann, wie wir mit ihnen umgehen sollen. Deshalb gab ich diesem ganzen Abschnitt die Überschrift „Eine gesunde Herde aufziehen“. Wir haben schon in den Versen 12 und 13 die Beziehung der Hirten zu den Schafen und die Beziehung der Schafe zu den Hirten betrachtet. Ab Vers 16 wird es um die Beziehung der Schafe zum großen Hirten gehen. Und in unserem heutigen Text geht es um die Beziehung der Schafe untereinander. Dieser kurze Abschnitt deckt also alles ab.
In den Versen 12 und 13 erklärte Paulus den Hirten, wie sie die Schafe behandeln sollten, und wies sie an: „Arbeitet unter den Schafen. Übt Autorität über die Schafe aus und lehrt sie.“ Dann erklärte er den Schafen, wie sie die Hirten behandeln sollen und wies sie an: „Schätzt die Hirten. Achtet die Hirten und ordnet euch ihnen unter.“
Ab Vers 16 sagt er den Schafen, wie sie sich dem großen Hirten gegenüber verhalten sollen: „Freut euch allezeit. Betet ohne Unterlass und seid dankbar. Dämpft den Geist nicht“, und so weiter. Aber in Vers 14 und 15 spricht er zu den Schafen darüber, wie sie mit den anderen Schafen umgehen sollen. Das Schlüsselwort in Vers 14 ist daher das Wort „Brüder“. Zwar sind die Hirten verantwortlich dafür, diesen fünf Gruppen von schwierigen Christen mit besonderer Autorität zu begegnen. Aber die Grenzen zwischen dem Hirten und den Schafen sind in dieser Hinsicht sehr fließend. Er verwendet das Wort „Brüder“. Zum Vergleich schauen wir uns Vers 12 an, wo er sie anweist, ihre Hirten zu schätzen: „Wir bitten euch aber, ihr Brüder, dass ihr diejenigen anerkennt, die an euch arbeiten und euch im Herrn vorstehen und euch zurechtweisen.“
„Brüder“ in Vers 12 meint also die Gemeinde, deshalb gehen wir davon aus, dass „Brüder“ in Vers 14 ebenfalls die Gemeinde meint. Er spricht also mit den Schafen darüber, wie sie mit den anderen Schafen umgehen sollen. Das gilt für alle, nicht nur für die Leiter. Nebenbei bemerkt: Römer 12,14-17 weist sehr enge Parallelen zu diesem Text auf und dort richtet sich Paulus ebenfalls sehr deutlich an die ganze Gemeinde.
Darüber hinaus weist Paulus auf die Dringlichkeit hin. „Wir ermahnen euch“ dies kann auch bedeuten: „Wir bitten euch dringend“. Er verwendet das bekannte griechische Verb parakaleō: jemandem zur Seite stehen und ihm helfen. Es vermittelt Dringlichkeit. Er ermutigt die Schafe eindringlich, eifrig und leidenschaftlich, sich für die hilfsbedürftigen Schafe einzusetzen. Denn Gemeinde bedeutet nicht, am Sonntagmorgen aufzutauchen und sich selbst auf die Schulter zu klopfen, weil man ja so tiefgläubig ist.
Wirklich in die Gemeinde eingebunden zu sein, bedeutet weit mehr als eine Zuschauermentalität zu haben und anwesend zu sein. Es bedeutet, dass man sich aktiv mit diesen fünf Personengruppen beschäftigt, die das Wachstum der Gemeinde aufhalten.
Ich beginne mit der ersten Gruppe, den Eigensinnigen. In Vers 14 schreibt Paulus: „Wir ermahnen euch aber, Brüder: Verwarnt die Unordentlichen.“ Dieser kleine Satz, „Verwarnt die Unordentlichen“, macht uns mit den Eigensinnigen bekannt. Das Wort „ataktos“ wurde damals oft im militärischen Sinn verwendet. Es bezeichnete dann einen Soldaten, der aus der Reihe tanzte und sich nicht in die Truppenformation einfügte. Dieser Soldat machte sich eines ungebührlichen Verhaltens schuldig, indem er aufsässig war, sich nicht unterordnete, Befehle missachtete und seine Pflicht nicht erfüllte. Der Begriff wurde schließlich zu einem Synonym für jeden, der seine Pflicht vernachlässigte oder seiner Verantwortung nicht nachkam. Moffatt übersetzt es mit „Faulenzer“. Andere meinen, dass es sich um Drückeberger, Untätige, Langsame, Invalide oder Gleichgültige handeln könnte. Aber das ist nicht die einzige mögliche Bedeutung.
Es kann bedeuten, dass jemand seine Pflicht nicht erfüllt und zwar nicht nur aus Gleichgültigkeit, sondern aus Rebellion. Man findet dieses Wort im Neuen Testament nur an dieser Stelle im 1. Thessalonicherbrief. Und in 2. Thessalonicher 3,6.7.11 stehen noch weitere verwandte Formen dieses Wortes.
Dort wird der Begriff verwendet, um einige faule Wichtigtuer zu bezeichnen, die nicht arbeiten und von allen anderen erwarten, die ganze Arbeit zu machen und sich um sie zu kümmern. Die „Unordentlichen“ sind die Eigensinnigen, die aus der Reihe tanzen. Alle gehen in eine Richtung, nur sie nicht. Alle anderen verstehen, dass es geistliche Pflichten gibt. Alle anderen sind bereit, sie zu erfüllen und das zu tun, wozu Gott sie begabt hat. Alle anderen bringen sich in den Dienst ein, sei es, dass sie dem Herrn mit ihren Gaben dienen, mit ihrem Geben, oder allem anderen was Gott ihnen anvertraut hat. Alle anderen stehen hinter der Leitung der Gemeinde und unterstützen die Richtung, in die sie gehen. Alle anderen sind im Team, sind Teil des Ganzen und machen mit. Solche Menschen bringen Bewegung in die Gemeinde und lassen sie wachsen.
Die Eigensinnigen hingegen lehnen das alles ab, weil sie aus dem Tritt geraten sind. Dabei kann es sein, dass sie ihre Pflicht nicht erfüllen, weil es ihnen egal ist. Es kann aber auch sein, dass sie ihre Pflicht nicht erfüllen, weil sie wütend, rebellisch und streitsüchtig sind. Sie unterstützen andere einfach nicht und sind nicht involviert. Manchmal bleiben sie eine Zeit lang am Rande des Geschehens und sind schließlich so verbittert, dass sie einfach woanders hingehen. Sie sind die Bankdrücker, diejenigen die während dem Spiel oft auf der Ersatzbank sitzen.
In meiner Zeit als Sportler lernte ich einiges über Bankdrücker, unter anderem dass aus Bankdrückern häufig Kritiker werden. Die meiste Kritik kommt von Menschen, die ihre eigene Pflicht nicht erfüllen. Ich kann mich daran erinnern, dass ich während einer Footballsaison auf der Bank saß und dann das Privileg bekam, der Ballträger in der ersten Mannschaft zu sein. Dafür mussten andere auf der Bank sitzen bleiben. Anfangs feuerten sie mich noch an, weil sie dachten, sie würden auch ihre Chance bekommen. Als ihre Chance dann aber doch nicht kam, wünschten sie sich insgeheim, ich würde mir ein Bein brechen. Und als ich mir kein Bein brach, fingen sie an, über die Dummheit des Trainers zu schimpfen, der Talent nicht erkennen könne. So kam eins zum anderen und schließlich feuerten sie das gegnerische Team an.
Menschen, die sich weigern, sich zu beteiligen, wollen nie über ihre Zuschauermentalität hinauskommen, sei es aus Gleichgültigkeit oder aus Rebellion. Sie kommen hierher, um zuzuschauen, um dann im schlimmsten Fall nur zu kritisieren und im besten Fall nichts zu tun.
Ein Prediger sagte einmal, dass diese Menschen normalerweise hinten sitzen. Das kann ich nicht unbedingt bestätigen. Und dennoch kann man oft beobachten, wie eine kritisch werdende Person sich systematisch immer weiter nach hinten setzt. Ich beobachte euch: Wenn ihr euch jede Woche zwei oder drei Reihen weiter nach hinten setzt, weiß ich, was los ist.
Diese Art von Faulheit ist sträflich. Es sind die Leute, die sich ganz am Rand aufhalten und sich nicht zu sehr einbringen wollen. Sie wollen keine Rechenschaft ablegen müssen. Sie sind nicht im Gleichschritt mit den anderen und wollen auch gar nicht dazugehören. Dieses Verhalten kann man in einer wachsenden Gemeinde nicht hinnehmen. Wie sollen wir also damit umgehen? Das ist ganz einfach. Wir brauchen keine Formel dafür, auch kein Programm. Paulus sagt nur: Verwarnt sie.
Das bedeutet, dass einzelne Schafe zu den Schafen am Rand gehen, die ihre Pflicht vergessen haben. Sie stehen diesen Schafen zur Seite, die ihre Gaben nicht einsetzen, nicht dienen, nicht mitmachen, nicht unterstützen, nicht mit dem Programm mitgehen und dadurch nicht den Weg gehen, den alle anderen gehen. Sie begleiten die, die aus der Reihe tanzen, unordentlich oder unerlaubt abwesend sind.
A.T. Robertson übersetzt das Verb noutheteō mit „Vernunft einflößen“, d. h. ihnen zur Seite zu stehen und ihnen Vernunft einflößen. Ein anderer Autor sagt: „Es geht dabei um Folgendes: Man kommt zu jemandem, der einen Weg mit letztlich schwerwiegenden Konsequenzen geht, und führt ihm die Unvermeidbarkeit dieser Konsequenzen vor Augen.“ Deshalb kann dieses Wort auch mit „jemanden warnen“ übersetzt werden.
Das bedeutet nicht, dass man jemanden aus ferner Distanz verurteilt oder ihn von einem überlegenen Standpunkt aus kritisiert. Sondern es bedeutet, jemandem nahe zu kommen, miteinander vertraut zu sein und diesem Menschen die Konsequenzen seines Verhaltens aufzuzeigen. Es kann etwas so Einfaches sein, wie zu sagen: „Ich habe dich beobachtet und ich sehe deine Gleichgültigkeit. Du kommst ab und zu in die Gemeinde, aber nicht treu und regelmäßig. Du hast keinen Dienst übernommen. Und du bist kritisch gegenüber bestimmten Dingen.“ Aber dabei bleiben wir nicht stehen, sondern gehen weiter und sagen: „Dir ist doch klar, was die Konsequenzen sind, wenn du diesen Weg weitergehst. Und ich glaube nicht, dass du diese Konsequenzen willst; und auch ich möchte nicht, dass du diese Konsequenzen zu spüren bekommst.“
Mit so einer sanften Warnung stehen wir dieser Person zur Seite und weisen sie darauf hin, dass am Ende ihres Weges eine große Enttäuschung auf sie wartet. In Apostelgeschichte 21,31 sehen wir, wie Paulus die Ältesten in Ephesus unter Tränen davor warnte. Eine solche Warnung ist verbunden mit Leidenschaft und Schmerz. Eine solche Person sagt: Ich will nicht, dass du so weitermachst, weil dich am Ende dieses Weges schwerwiegende Konsequenzen erwarten. Denn Gott wird eine solche Gleichgültigkeit, eine solche Rebellion, einen solchen Ungehorsam und ein solch unordentliches Verhalten züchtigen.
Wenn du jemanden wirklich liebst, zögerst du nicht, ihn zu warnen. Ich zögere nicht, meine Frau zu warnen, oder meine Kinder und die Menschen, die mir nahestehen. Ich sage ihnen, dass sie sich einordnen sollen. Und das sage ich nicht, weil ich irgendwelche selbstsüchtigen Ziele verfolge, sondern weil ich nicht möchte, dass sie die Konsequenzen eines solchen Lebens tragen müssen. Ich möchte, dass sie Gottes Segen in Fülle erfahren, ebenso wie seine Versorgung. Und ich möchte die Gemeinde so sehen, wie sie sein sollte.
Ich glaube nicht, dass wir eine leistungsfähigere Gemeinde haben könnten, wenn wir nur auf der Bühne etwas geschickter vorgehen würden. Das stimmt nicht. Wenn wir eine leistungsfähigere Gemeinde haben wollen, um die Welt zu beeinflussen, dann geht es nicht darum, wie clever wir auf der Bühne sind. Sondern es geht um unsere Bereitschaft, Gläubigen, die vom Weg abgekommen sind, zur Seite zu stehen und sie liebevoll auf den rechten Weg zu bringen. Dann beginnt die Kraft Gottes zu wirken und die Gemeinde beginnt, Spuren in der Welt zu hinterlassen. Diese Konfrontation ist notwendig.
Gemeinde bedeutet nicht, sich am Sonntag auf einen Stuhl zu setzen und jemandem auf den Hinterkopf zu starren. Das ist es nicht. Lobe dich nicht selbst dafür, dass du hier bist. Gemeinde bedeutet, sich in das Leben anderer Menschen einzumischen, in das Leben solcher die Probleme machen oder schwierig sind. Diesen musst du zur Seite stehen. Du musst diejenigen einbeziehen, die abseits stehen und die Grenzen ausloten und tagtäglich in ihrem Eigensinn leben. Und du tust das aus Liebe, weil du die Konsequenzen kennst.
Die zweite Gruppe sind die Besorgten. Diese findet man nicht am Rande des Geschehens. Im Gegenteil: Sie sind zusammengekauert in der Mitte und wollen dem Rand nicht einmal nahe kommen. Über diese sagt Paulus: „Tröstet die Kleinmütigen.“ Das ist ein sehr interessanter Begriff, der auch nur hier verwendet wird. Der Begriff „oligopsychos“ setzt sich aus den beiden griechischen Wörtern für „Seele“ und „klein“ zusammen. Das Wort beschreibt die mit einer kleinen Seele.
Am besten lässt sich das mit dem Gegenteil veranschaulichen, „megalopsychos“. „mega“ bedeutet groß, weit, beträchtlich. Das sind die mit einer großen Seele. Aristoteles sagte: „Der „megalopsychos“ ist der Mensch, der viel erreicht hat, viel beansprucht hat und viel verdient.“ Alle denken, Gandhi sei so bescheiden. Aber als er sich einen Namen geben wollte, wählte er Mahatma. Das ist die Sanskritform des Wortes „megalopsychos“. Es bedeutet „mit weiter, großartiger Seele“. Er schätzte sich als fähig ein, die massiven Probleme und Bedürfnisse eines großen Teils der Menschheit voll zu erfassen. Er sah sich als jemand mit großer Seele.
Der Begriff beschreibt eine Person, die große Risiken eingeht, weil ein großartiges Prinzip und die Wahrheit auf dem Spiel stehen. Der Begriff beschreibt eine mutige und kühne Person, die ihr Leben für eine edle Sache aufs Spiel setzt; … eine abenteuerlustige Person, die die Herausforderung liebt und den Wettbewerb sucht; … eine Person, die den Kampf liebt, weil sie den Sieg schmeckt; … eine Person, die angesichts von Schwierigkeiten furchtlos ist; … eine Person, die keine Angst vor Verfolgung hat; … eine Person, die eine Vision hat und große Dinge erreicht, weil sie jede Gelegenheit erkennt, die sich ihr bietet.
Aber Paulus sagt, dass die „Oligopsychos”, also die mit kleiner Seele, vor Angst zitternd zusammengekauert leider mitten in der Gemeinde sitzen. Sie hassen Veränderungen und lieben die Tradition. Sie wollen Dinge immer auf die gleiche Weise machen, weil sie das Unbekannte fürchten. Sie sorgen sich um alles. William Hardy beschrieb sie als solche, die auf einer Wiese nur die Kuhfladen sehen. Sie haben keinen Mut und trauen sich nicht, etwas Neues zu machen, das noch nicht gemacht wurde. Sie lieben die Sicherheit und wollen nur auf geebneten Wegen gehen. Deshalb wollen sie nur das tun, was jemand anderes schon einmal gemacht hat. Sie wollen ein risikofreies Leben mit absoluter Sicherheit. Meist sind sie melancholisch. Ihnen fehlt die Kraft, mit der Gemeinde hinauszugehen und die Herausforderung anzunehmen, neue Dienste zu übernehmen. Sie haben Angst vor Verfolgung und wollen nicht mit anderen über Christus sprechen. Sie haben Angst vor Widerstand, sind meist traurig, ständig besorgt, sehr oft deprimiert, verzweifelt und entmutigt.
Auch in Thessalonich gab es eine kleine Gruppe solcher Menschen. Jeder bemühte sich darum, diese in Bewegung zu setzen. Aber sie litten am meisten unter den folgenden zwei großen Problemen. Das erste Problem war die Verfolgung. Sie wurden verfolgt und Paulus sagt in Kapitel 2, dass sie damit hätten rechnen müssen. Schließlich hatte er es ihnen geschrieben. Aber sie waren entmutigt und befürchteten, dass der Tag des Herrn gekommen war und sie die Entrückung verpasst hatten. Sie hatten Angst davor, alle vernichtet zu werden. Und so musste Paulus ihnen schließlich schreiben, dass dies noch nicht der Tag des Herrn war.
Und dann waren sie wahrscheinlich dadurch tief verletzt, dass einige ihrer Freunde gestorben waren, bevor Jesus wiedergekommen war. Sie befürchteten, dass diese die Entrückung verpassen würden. Also muss Paulus der Gemeinde auch dazu schreiben und sagen, dass die Toten in Christus zuerst auferstehen werden. Mit diesen Worten sollen sie diese Menschen trösten.
Solche Menschen gibt es in jeder Gemeinde. Sie sind nicht abenteuerlustig. Alles belastet sie und sie können ihre Probleme nicht überwinden. Sie sind überfordert und niedergeschmettert von all den Problemen des Lebens. Sie sind wie Gewichte, die man gewissermaßen mit herumschleifen muss. Und wenn man die Gemeinde als Parade betrachtet, sind sie oft diejenigen, die die Warnflaggen tragen, und damit signalisieren: Halt! Stopp! Alle anderen sind in Bewegung, aber sie stellen das Stoppschild auf, weil es ihnen an Weitblick fehlt. Sie haben Angst zu scheitern und sind nicht kühn. Ich glaube, dass ihr geheimer Held trotzdem Indiana Jones ist, aber sie würden es nie zugeben.
Wie geht man nun mit diesen Menschen um? In Vers 14 sagt Paulus: „Tröstet sie einfach.“ Das ist ein schönes Wort. Es bedeutet, zu jemandem zu sprechen, indem man nahe an ihn herankommt. Es gibt leider keine Abkürzung: Man muss von Schaf zu Schaf sprechen. Wenn du jemanden kennst, der ängstlich und besorgt und ständig verzweifelt und traurig ist, weil er die Probleme des Lebens nicht überwinden kann, dann musst du eine Freundschaft zu ihm aufbauen, ihm zur Seite stehen und mit ihm sprechen. In dem Wort schwingt die Bedeutung mit, jemandem zur Seite zu stehen, um zu trösten, zu ermuntern, zu stärken, zu beruhigen und zu erfrischen. Aber all das kann nur in einer Beziehung stattfinden.
Man kann sehr theoretisch über Jüngerschaft sprechen, aber im Grunde geht es um eine persönliche, vertraute Gemeinschaft mit Christen, die stärker sind. Und das ist eine Freude. Ihr wisst das wahrscheinlich nicht, aber es gibt solche Menschen in dieser Gemeinde und ich treffe mich regelmäßig mit ihnen, um ihnen eine neue Portion Zuversicht zu geben. Das ist ein Privileg, das ich sehr schätze.
Es geht nur darum, in einer vertrauten Gemeinschaft mit stärkeren Christen dieser Person zur Seite zu stehen und sie liebevoll zu ermutigen. Paulus drückt es 1. Thessalonicher 2,7 so aus: „Wir sind in eurer Mitte zart gewesen, wie eine stillende Mutter ihre Kinder pflegt“. Wir waren euch so zugeneigt und liebten euch so sehr, dass wir euch an die Brust nahmen und stillten.
Das ist liebevolle Ermutigung. Das kann bedeuten, dass du jemanden durch persönliche Gemeinschaft ermutigst. Du ermutigst ihn sich im Gebet an den Gott aller Ermutigung zu wenden. Du ermutigst ihn mit der Hoffnung des Evangeliums, mit der Sicherheit der Erlösung, mit dem Bewusstsein, dass Gott souverän ist, und er seinen Willen mit Absicht und Vorsehung ausführt. Du ermutigst ihn mit der Liebe Christi und mit der Auferstehung. Du ermutigst ihn, dass wir Anteil haben an den Leiden Christi. Es gibt so viele Ermutigungen.
Wenn die Gemeinde leistungsfähig und einflussreich sein soll, wenn sie wachsen und stark sein soll, dann müssen wir uns persönlich um die Eigensinnigen und die Besorgten kümmern. Das Hindernis wird dadurch beseitigt, dass die Eigensinnigen sich einfügen und die Besorgten sich auf das Abenteuer einlassen. Erst dann kann die Gemeinde vorangehen.
Dann sind da noch die Schwachen. Sie sind die dritte Kategorie. Über sie sagt Paulus in Vers 14 einfach: „Nehmt euch der Schwachen an.“ Wen oder was meint er mit den „Schwachen“? Nun, ein Teil davon ist sicherlich ein schwacher Glaube. Vielleicht erinnerst du dich, dass man in 1. Korinther 8-10 und in Römer 14 und 15 ein Konzept des Apostels Paulus findet, das als „der schwächere Bruder“ bezeichnet wird.
Das bedeutet, dass der Glaube dieses Bruders schwach ist. Sein Glaube ist nicht stark genug, um die ganze Freiheit zu erleben, die er in Christus hat. Ein schwacher Glaube macht Probleme, weil ein schwacher Glaube bedeutet, dass diese Person gegenüber Versuchungen und Sünde sehr empfindlich ist. Solche Menschen sind sogar so überempfindlich, dass sie Dinge als Sünde ansehen, die in Wirklichkeit überhaupt keine Sünde sind. Darum neigen sie dazu, sich zurückzuziehen.
Und Paulus sagt: „Das kann man nicht erzwingen. Man darf jemanden, der schwach im Glauben ist, nicht zu schnell drängen. Man treibt ihn sonst in eine Freiheit oder eine Erfahrung, für die er noch nicht bereit ist, oder in eine Versuchung, der er nicht gewachsen ist.“
Nehmen wir zum Beispiel an, du hättest Götzen verehrt wie die Artemis oder die Diana der Epheser. Aber nun hast du dich zu Jesus Christus bekehrt, und jemand setzt dir ein Abendessen vor, das sehr lecker ist und du fragst, woher es stammt. Der andere antwortet, dass er es im Tempel gekauft habe, wo es Diana geopfert worden war. Dir raubt das den Atem und du bist völlig entsetzt. Deswegen weigerst du dich, Fleisch zu essen, das Götzen geopfert worden war. Aber der Andere antwortet einfach: „Hey, du bist frei in Christus. Ein Götze ist nichts und auch das Fleisch, das einem Götzen geopfert wird, ist gar nichts. So steht es in der Bibel.“
Das Problem ist aber, dass solch ein Mensch, sobald er von diesem Fleisch isst, wieder in die Situation zurückgeworfen wird, aus der er herausgekommen war. Das Heidentum, der Götzendienst, die Sittenlosigkeit, der ganze Müll, der zu diesem falschen System gehörte, all das strömt wieder auf diesen Menschen ein. Dies passiert solange, bis sein Glaube groß genug ist und er die Umgestaltung seines Lebens richtig angenommen hat. Bis dahin wird ihn das Götzenopferfleisch dazu bringen, alles noch einmal zu durchleben und in Gedanken zu sündigen. Aus diesem Grund darf man so jemanden nicht so schnell drängen.
Schau, das Gewissen an sich ist nicht moralisch. Das Gewissen aktiviert nur das, was unser Verstand für moralisch oder unmoralisch hält. Und bei solchen Menschen ist das Gewissen zu schwach und zu sehr an die Vergangenheit gebunden, deswegen können sie sich nicht frei verhalten. Also bedränge so jemanden nicht, sonst stürzt du ihn in den Abgrund. Es gab auch bei den Thessalonichern einige, die einen schwachen Glauben hatten. Sie konnten die Freiheit in Christus nicht genießen. Sie waren anfällig für ein belastetes Gewissen, das sie zu noch mehr Sünde und Schwäche verleiten konnte. Aber es gibt noch eine andere Gruppe, die hier vielleicht eher gemeint ist, nämlich die moralisch Schwachen.
Paulus verwendet dieses Wort im Neuen Testament meistens um jemanden zu beschreiben der anfällig ist für Sünde. Damit meint er die schwachen Menschen, die man kaum aus dem Loch der Sünde herausgeholt und sauber gemacht hat, und schon sind sie wieder drin. Es sind die Menschen, denen es so furchtbar schwerfällt, Gottes Willen zu tun. Sie fallen immer wieder in die gleichen Sünden. Man arbeitet so hart mit ihnen daran und im nächsten Augenblick geht es wieder los.
Vermutlich meint Jakobus in Jakobus 5,14 diese Menschen, wenn er sagt: „Ist jemand krank unter euch“. Das Wort, das gewöhnlich mit „krank“ übersetzt wird, ist dasselbe Wort wie „schwach“ in unserem Text. „Ist jemand krank oder schwach unter euch? Geh zu den Ältesten.“ Diese sind stark, halten ihn und beten für ihn. Und wenn er gesündigt hat, wird ihm vergeben werden. Deshalb soll der, der geistlich und moralisch schwach ist, zu den geistlich Starken gehen.
Die Gemeinde ist voll von solchen Menschen. Und sie sind wirklich Hindernisse und Stolpersteine, die die Entwicklung der Gemeinde hemmen. Sie hemmen das Wachstum und die Kraft der Gemeinde. Was sollen wir also mit ihnen machen? Wir sollen ihnen helfen. „Hilfe“ ist ein ganz einfaches Wort im Griechischen, hat aber ein großartiges Konzept. Das griechische Wort bedeutet „festhalten“, „sich klammern an“, „unterstützen“, oder auch „aufrecht halten“. In Galater 6,1 steht: Wenn ein Bruder von einer Übertretung übereilt wird, so sollen die, die geistlich sind, ihm zurechthelfen. Und dann heißt es: „Einer trage des anderen Lasten.“
Das ist der zweite Schritt: Ihn zu stützen und immer weiter zu stützen. Und auch das geschieht wieder durch Vertrautheit, indem man jemandem zur Seite steht. Die Gemeinde wächst dann, wenn die Schafe anfangen, sich um die Schafe zu kümmern. Die Gemeinde wächst, wenn es ihnen wichtig ist, dass sie zu den Eigensinnigen gehen und sie ermahnen; wenn es ihnen wichtig ist, zu den Besorgten zu gehen und sie ermutigen; wenn es ihnen wichtig ist, zu den Schwachen zu gehen und sie zu stützen. So sollte es aussehen, sich in die Gemeinde einzubringen.
Ich kann mich an einen bestimmten jungen Mann erinnern, der zu mir kam, weil er mit Homosexualität zu kämpfen hatte. Er hatte sein Leben Christus übergeben und befand sich gerade in einem schrecklichen Kampf, nachdem er jahrelang in Homosexualität gelebt hatte. Er konnte sich nicht davon trennen und fiel immer wieder bestimmten homosexuellen Handlungen zum Opfer. Er kam völlig verzweifelt, niedergeschlagen und weinend zu mir herein und sagte: „Ich komme nicht darüber hinweg. Ich kann es einfach nicht überwinden und hinter mir lassen.“
Und ich sagte: „Ich möchte dir helfen. Ich habe zwar nicht die Zeit, jeden Tag bei dir zu sein, um dich zu beschützen und zu überwachen. Aber ich sage dir, was du tun sollst.“ Ich gab ihm einen kleinen Notizblock und sagte: „Ich will, dass du jeden Wochentag auf ein Blatt schreibst. Und dann schreibst du am Ende eines jeden Tages alle homosexuellen Handlungen auf, die du an diesem Tag getan hast. Egal ob du allein warst oder mit jemandem zusammen oder ob du nur etwas gelesen hast oder was auch immer du getan hast. Alles, was deine Homosexualität erregt hat. Alles, was du als Verunreinigung empfindest, sollst du detailliert aufschreiben und mir am Ende der Woche bringen, damit ich alles lesen kann.“
Sieben Tage später kam er zur Tür herein, aber diesmal weinte er nicht, sondern er lächelte. Ich begrüßte ihn und fragte, ob er seinen kleinen Notizblock dabei habe. Er antwortete: „Ja, aber es steht sehr wenig drin. Ich kämpfte nur ein paar Mal in meinen Gedanken mit der Versuchung, aber ich habe nie etwas getan.“ Ich fragte ihn, was diesmal anders war. Und er sagte: „Meinst du, ich wollte den Block hierher bringen und dich das lesen lassen?“
Das war eine einfache Möglichkeit für mich, ihn zu stützen, indem ich ihn zur Rechenschaft mir gegenüber verpflichtete. Die Schwachen benötigen Unterstützung. Vergiss alle Gemeindewachstumsbewegungen! Auf diese Weise wächst die Gemeinde. Das ist unser Ziel.
Dann gibt es noch die vierte Gruppe, die Anstrengenden. Paulus sagt: „Habt Geduld mit allen Menschen.“ Hier muss man näher bestimmen, wer mit „alle Menschen“ gemeint ist. Das Wort „alle“ muss sich auf die Menschen beziehen, bei denen wir leicht ungeduldig werden würden. „Habt Geduld mit allen Menschen, die eure Geduld auf die Probe stellen.“
Man kann wegen manchen Menschen leicht frustriert werden. Oder wütend, enttäuscht, entmutigt und verzweifelt, wenn man gibt und gibt und gibt und doch so wenig zurück kommt. Das passierte mir auch. Und auch ihr habt das in Jüngerschaftsbeziehungen bestimmt schon erlebt.
Wenn man lange genug Menschen in der Nachfolge angeleitet hat, weiß man, wie sich große und sehr große Enttäuschungen anfühlen. Die Gemeinde ist voll von Menschen, die einfach nur dasitzen und belehrt, unterwiesen, in der Nachfolge angeleitet, ermahnt, gestärkt, inspiriert, motiviert und ermutigt werden. Und doch ist bei ihnen kaum Wachstum zu erkennen. Sie scheinen sich einfach nicht normal zu entwickeln. Alles lenkt sie ab und bremst sie im Rennen aus. Es fällt ihnen sehr schwer, sich auf etwas zu konzentrieren. Sie haben keinerlei Disziplin in geistlichen Dingen, und sind ebenso undiszipliniert darin, die Gnadenmittel anzuwenden. Sie können einem wirklich das Herz brechen.
Viele Pastoren überleben die Eigensinnigen und sogar die Besorgten und die Schwachen. Nur, um dann zum Opfer derer zu werden, die einen zur Verzweiflung treiben. Sie knicken schließlich vor den anstrengenden Menschen ein und sagen sich: „Ich investiere mein ganzes Leben in diese Sache und je schneller ich mich bewege, desto mehr hänge ich sie ab. Es ist unmöglich, sie in Bewegung zu bringen. Sie werden gelehrt, leben aber das Gelernte nicht aus. Sie wissen alles, aber sie tun einfach nicht das, was wir ihnen beibringen.“ Das ist wirklich schwierig.
Und man kann es sogar in Jesu Stimme hören, als er mit einer gewissen Verzweiflung, aber doch ohne Sünde sagt: „O, ihr Kleingläubigen.“ Wann werdet ihr das endlich kapieren? Laut Paulus sollen wir mit diesen Menschen geduldig sein. Du fragst: „Wie geduldig?“ Geduldiger, als du es bisher warst. So geduldig, wie Gott mit dir ist … und das ist ziemlich geduldig.
Wenn wir Zeit hätten, könnten wir das Alte Testament durchgehen und Gottes Geduld genauer betrachten. Lies dazu 2. Mose 34,6. Oder Jesaja 63,7-9. Und es gibt noch viele andere Stellen. Aber du weißt auch ohne einen Bibelvers, wie geduldig Gott mit dir ist, nicht wahr? Und so geduldig sollst du auch mit anderen sein.
Petrus stellte dieselbe Frage: „Herr, wie geduldig sollen wir vergeben? Siebenmal?“ Und der Herr antwortete: „Nein. Siebzigmal siebenmal.“ Auch wenn diese Menschen immer das Gleiche tun, sollen wir geduldig sein. Auch wenn sie uns zur Verzweiflung treiben, sollen wir geduldig sein und sie begleiten. Die Eigensinnigen müssen ermahnt werden. Die Besorgten brauchen Ermutigung. Die Schwachen brauchen Unterstützung und die Anstrengenden brauchen unsere Geduld.
Es geht darum, dass wir einander mit Mitgefühl, persönlicher Liebe und persönlicher Fürsorge begegnen müssen. So reinigt sich die Gemeinde selbst und so wächst die Gemeinde.
Und schließlich komme ich zu den Bösen. Das sind die Schlimmsten von allen. Um herauszufinden, was wir mit ihnen machen sollen, müssen wir sie erst kennenlernen. Wir finden sie in Vers 15. Sie haben einen ganzen Vers für sich alleine. „Seht darauf, dass niemand Böses mit Bösem vergilt.“
Dies deutet darauf hin, dass jemand einem anderen etwas angetan hat, sonst müsste Gott ja nicht Rache und Vergeltung verbieten. Jemand hat einem anderen Böses erwiesen, griechisch „kakos“, auch Niederträchtigkeit, Gemeinheit oder Boshaftigkeit. Das ist meiner Meinung nach der schwierigste Umstand oder der schwerste Missbrauch, mit dem wir als Christen konfrontiert werden. Am meisten schmerzt uns nicht die Bosheit, die von der Welt ausgeht, sondern von unseren Brüdern und Schwestern. Aber auch auf dieser Ebene, wo unser tiefster Schmerz ist, muss unser christlicher Glaube funktionieren.
Paulus sagt also: Schaut, es gibt Menschen in der Gemeinde, die euch wehtun werden. Sie werden euch Böses antun. Sie werden euch direkt mit bösen Worten angreifen und euch verletzen. Sie werden euch indirekt schaden, indem sie über euch tratschen und schlecht über euch reden. Manchmal schaden sie euch direkt, indem sie euch aus ihrer Gemeinschaft und ihrem sozialen Umfeld ausschließen oder euch von ihrem Dienst fernhalten. Und das alles aus Eifersucht, Neid, Hass, Bitterkeit oder Wut heraus.
Sie schaden euch vielleicht direkt, indem sie euch eure Tugend durch sexuelle Sünde rauben, eure Ehe zerstören, euch etwas Wertvolles wegnehmen oder eines eurer Kinder zu Bosheit anstiften. Und zugleich werden sie euch indirekt schaden, indem sie euch zur Sünde verleiten. Paulus sagt: Glaubt mir, es gibt Menschen in der Gemeinde, die anderen Böses antun werden. Damit meint er böswilligen Schaden wie Klatsch, Verleumdung und sexuelle Sünde in der Gemeinde.
Bevor du so etwas Böses tust, rate ich, dir Matthäus 18 genau anzusehen. Denn dort sagt Jesus: „Es wäre besser für dich, einen Mühlstein um deinen Hals zu tragen und im Meer zu ertrinken, als einem anderen Gläubigen zu schaden.“ Es wäre besser für dich, von einem Mühlstein ertränkt zu werden, als dass du einem der Kleinen, die an Jesus glauben, etwas antust. Jesus meint mit dem „Kleinen“ übrigens kein Baby, sondern einen anderen Gläubigen.
Er sagt sogar: „Wenn deine Hand Schaden anrichtet, haue sie ab. Wenn dein Fuß den Schaden verursacht, haue ihn ab. Wenn dein Auge den Schaden verursacht, reiß es heraus. Wehe dem, der einem meiner Kleinen einen Stolperstein in den Weg legt. Sie sind mir so wertvoll, dass meine Engel immer das Angesicht des Vaters schauen, der auf seine Kinder blickt. Und wenn auf dem Gesicht des Vaters Sorgenfalten sichtbar werden, kommen die Engel den Kleinen zu Hilfe.“
Wer sich mit Gottes Leuten anlegt, legt sich mit denen an, die Gott wertvoll sind. Und trotzdem sündigen Christen ohne nachzudenken gegen andere Christen. Was sollen wir dagegen tun? Wie behandeln wir die Bösen? Paulus sagt: „Seht darauf, dass niemand Böses mit Bösem vergilt.“ Übt keine Vergeltung. Rächt euch nicht. Das ist ein Imperativ Plural, ein Befehl an die ganze Gemeinde.
In der Gemeinde ist kein Platz für Vergeltung oder persönliche Rache. Der Einzige, der das Recht hat, Vergeltung zu üben, ist Gott. Römer 12,19 liefert eine sehr enge Parallele zu diesem Text. Dort sagt Paulus klar und deutlich: „Rächt euch nicht selbst, Geliebte, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes.“ Halte dich fern vom Zorn und räche dich nicht selbst.
Du sollst dem Zorn Gottes Raum geben, „denn es steht geschrieben: ‚Mein ist die Rache; ich will vergelten, spricht der Herr.‘“ Das ist ein Zitat aus dem Alten Testament, wo Gott sagt: „Mein ist die Rache. Ich will vergelten.“ Ich kümmere mich darum, nicht du. Aber du hingegen, „wenn dein Feind Hunger hat, so gib ihm zu essen; wenn er Durst hat, dann gib ihm zu trinken! Wenn du das tust, wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln. Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse durch das Gute!“ Das ist genau dasselbe wie in unserer Stelle in 1. Thessalonicher.
Der Einzige, der das Recht hat, Vergeltung zu üben, ist Gott. Du fragst dich jetzt vielleicht: Und was ist mit „‚Auge um Auge und Zahn um Zahn und Leben um Leben‘?“ Das war ein Regierungsauftrag, der die Regierung dazu berechtigte, den Verbrecher entsprechend seiner Tat zu bestrafen. Die Regierung hatte das Recht, Leben um Leben, Auge um Auge und Zahn um Zahn zu fordern. Es war nie eine Anleitung für persönliche Rache. Das wollte Jesus in der Bergpredigt seinen Jüngern vermitteln und auch die Juden sollten es hören. Und so sagte er: „Ihr denkt, ihr sollt eure Feinde hassen. Aber ihr habt Gottes Gesetz vollkommen verdreht. Ich bin gekommen, um euch zu sagen, dass ihr eure Feinde lieben sollt und dass ihr denen Gutes tun sollt, die euch Böses antun.“
Wie behandeln wir also diejenigen, die uns Böses antun? Wir hören nie auf, eifrig nach dem Guten, Schönen, Edlen und Exzellenz zu streben. Für dich heißt das konkret, dass du dich entscheidest: Trotz allem, was sie mir angetan haben, werde ich alles Mögliche tun, um ihnen Gutes zu erweisen. Ich werde das tun, was für sie edel, großmütig und ausgezeichnet ist. Ich werde auf ihre Feindseligkeit voller Güte mit einer Liebestat antworten. Und das werde ich nicht nur ihnen gegenüber tun, sondern gegenüber allen anderen Menschen auch. Besonders gegenüber den Hausgenossen des Glaubens, wie Paulus an anderer Stelle sagte. Aber auch allen anderen gegenüber.
Eine wachsende Herde zeichnet sich dadurch aus, dass sie sich in Glauben, Liebe und Reinheit auf das Maß der vollen Größe des Christus zubewegt. Dieses Wachstum wird behindert durch die Eigensinnigen, die Besorgten, die Schwachen, die Anstrengenden und die Bösen. Wenn die Gemeinde wächst, dann nicht, weil jemand eine Strategie gefunden hat, um das Problem zu umgehen. Sondern die Gemeinde wächst, weil die Hirten und die Schafe in vertrauter, inniger Beziehung zueinander stehen. Und innerhalb dieser Beziehungen ermahnen sie die Abtrünnigen, ermutigen die Besorgten, richten die Schwachen auf, ertragen die Anstrengenden mit großer Geduld und erweisen den Bösen liebevolle Güte.
Wenn eine Gemeinde das tut, wird sie wachsen und leistungsfähig sein. Wir müssen uns verpflichten, das zu sein, was die Gemeinde wirklich ist, nämlich genau so, wie ich sie eben beschrieben habe.
Vater, wir danken dir heute Morgen für die Zeit, die du uns geschenkt hast. Zeit, um anzubeten und Zeit, damit unsere Herzen und unser Verstand mit deiner Wahrheit konfrontiert werden. Versiegle das Gehörte in unseren Herzen. Hilf uns, als Schafe die richtige Beziehung zueinander zu haben, damit wir eine Gemeinde sind, die du auf mächtige Weise gebrauchen kannst. Wir danken dir für dieses Vorrecht in Christi Namen. Amen.
ENDE
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