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Vor vielen Jahren schrieb ich ein Buch mit dem Titel The Gospel According to Jesus (der deutsche Titel lautet Lampen ohne Öl). Das werden sicherlich einige von euch kennen. Danach folgte ein weiteres Buch: The Gospel According to the Apostels (auf Deutsch: Das Evangelium nach den Aposteln). Und im letzten Teil der Trilogie möchte ich The Gospel According to Paul (auf Deutsch: Das Evangelium nach Paulus) vorstellen. Aber dieses Buch muss ich erst noch schreiben. Das ist deshalb so wichtig, weil Paulus’ Lehre der Rechtfertigung heute stark angegriffen wird, vor allem von denen, die „Die neue Paulus-Perspektive“ vertreten. Für uns heißt das, dass wir das Neue Testament sehr gut kennen müssen. Aus diesem Grund beschäftigen wir uns seit Donnerstagabend damit, wie der Apostel Paulus das Evangelium –vom Heiligen Geist inspiriert – niedergeschrieben hat. In 2. Korinther 4 konnten wir sehen, dass es ein herrliches Evangelium ist. Aus Römer 3 konnten wir lernen, dass es ein zufriedenstellendes Evangelium ist. 2. Korinther 5 lehrte uns, dass es ein versöhnendes Evangelium ist. Gestern sahen wir uns an, dass es ein souveränes Evangelium ist. Und die letzte Predigt – heute Morgen – handelt von der Tatsache, dass es ein demütigendes Evangelium ist. In den meisten meiner Predigten gehe ich detailliert auf einzelne Bibelverse ein. Aber weil ich in den letzten Tagen in kurzer Zeit so viel wie möglich abdecken wollte, ging ich mit euch größere Abschnitte durch. Manchmal waren das sogar mehrere Kapitel auf einmal, wie beispielsweise am Samstag Römer 9, 10 und 11. Ein solch grober Überblick über die Schrift hilft uns dabei, das Evangelium nach Paulus zu begreifen.

Auch heute Morgen möchte ich unsere normale Froschperspektive verlassen, um euch aus der Vogelperspektive heraus einen Überblick über 1. Korinther 1 und 2 zu geben. Und wir werden feststellen, dass dieser Überblick am Ende in einem demütigenden Evangelium münden wird. Doch zu Beginn möchte ich eine Frage stellen: Warum lieben wir die Bibel? Warum hast du an dieser Konferenz Truth Matters (auf Deutsch: Wahrheit ist wichtig) teilgenommen? Warum kommst du Woche für Woche zur Grace Community Church? Warum gehst du in einen Hauskreis? Warum verkaufen wir hier so viele Bücher? Warum laden Menschen Predigten von der Grace To You-Webseite herunter? Warum hast du einen solch unstillbaren Hunger nach dem Wort Gottes? Warum hast du deine kostbare Zeit und Geld geopfert, um den ganzen Weg hierherzukommen, obwohl du weißt, dass es keine Unterhaltung geben wird, sondern nur eine intensive Auseinandersetzung mit dem Wort Gottes? Woher kommt diese Liebe? Warum liebst du das Evangelium und das Wort Gottes so sehr?

Das ist eine sehr wichtige Frage. Liegt es daran, dass du schlauer oder einsichtiger bist als der Rest der Welt? Liegt es daran, dass du überzeugendere Argumente für die Glaubwürdigkeit der Heiligen Schrift gehört hast? Hat dir jemand apologetische Argumente geliefert, die dir so vernünftig erscheinen, dass du die Schrift angenommen hast? Was hat diese Liebe in deinem Herzen hervorgerufen? Wir alle hier in der Grace Church scheinen nie genug vom Wort Gottes zu bekommen. Für uns ist es so wie mit Essen. Kein Essen macht uns dauerhaft satt. Wir müssen für unseren Körper immer und immer wieder Nahrung zu uns nehmen, und so ist es auch mit unserem Geist. Was ist es, das diesen Hunger weckt? Warum sehnt sich unser Herz nach der Bibel und dem Evangelium? Wie kommt es, dass wir wie die Jünger auf dem Weg nach Emmaus sind, denen das Herz brannte, als ihnen die Schrift erklärt wurde? Wie kommt es, dass unser Herz auch beim tausendsten Hören des Evangeliums buchstäblich wieder in Flammen steht? Warum sind wir nicht so gleichgültig oder feindselig gegenüber der Bibel wie die Welt? Die Menschen um uns herum haben kein Interesse an der Bibel.

Viele Gemeinden sehen das und nehmen an, dass die Bibel die Menschen nicht nur zu Tode langweilen, sondern sogar beleidigen würde. Deshalb streichen sie die Bibel aus ihrem Programm, um den Menschen das zu geben, was sie wirklich wollen. Warum sind wir anders? Warum lieben wir die Bibel? Und warum gibt es überall auf der Welt noch weitere Menschen, die sie lieben? Auf all diese Fragen gibt uns die Heilige Schrift eine direkte Antwort in unserem heutigen Text. Aber zuerst möchte ich festhalten, dass ein echter Christ die Bibel liebt. Es ist ganz einfach: wenn du ein echter Christ bist, dann liebst du die Bibel. Und so beschreibt Psalm 19,11 auch sicherlich deine eigene Erfahrung. Dort heißt es, dass das Wort „begehrenswerter ist als Gold und viel Feingold, süßer als Honig und Honigseim“. Warum ist die Wahrheit so süß und wertvoll für uns? Können wir mit David in Psalm 119,97 sagen: „Wie habe ich dein Gesetz so lieb!“? Im selben Psalm sagt er fünf weitere Male: Ich liebe dein Gesetz, ich liebe dein Gesetz. Dann sagt er: Ich habe Freude an deinem Gesetz. Und ich freue mich an deinem Wort und liebe deine Gebote.

Paulus betont sogar, dass Christen durch ihre Liebe zur Wahrheit charakterisiert werden. In 2. Thessalonicher 2,10 sagt er, dass im Gegensatz dazu Ungläubige die Wahrheit nicht lieben. Johannes drückt es so aus: Wenn du den Herrn liebst, dann halte seine Gebote. Deine Liebe zum Herrn zeigt sich in deinem Hunger nach dem Wort Gottes mit seinen Anweisungen und Geboten. Das finden wir in Johannes 14, Johannes 15 und in 1. Johannes 5,2-3. In Psalm 40,9 heißt es: „Deinen Willen zu tun, mein Gott, begehre ich“. Und dann heißt es weiter: „Dein Gesetz ist in meinem Herzen.“ Der wahre Gläubige hat also in seinem Herzen Hunger nach der Bibel, nach der Wahrheit und nach dem Evangelium. Darum sagt Petrus in 1. Petrus 2, dass wir Hunger nach dem Wort haben, so wie Babys nach Milch verlangen. Es ist ein einzigartiges, alles verzehrendes Verlangen, das nie gestillt wird. Nachdem Jesus in Johannes 6 die Menschenmengen gelehrt hatte und seine Botschaft sehr schwer zu verstehen war, verließen sie ihn. In Johannes 6,66 steht: „Aus diesem Anlass zogen sich viele seiner Jünger zurück und gingen nicht mehr mit ihm.“ Jesus sah die Übriggebliebenen an und fragte: „Wollt ihr nicht auch weggehen?“ Und Petrus sprach im Namen von allen wahren Gläubigen, als er sagte: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens“. Wir können ohne deine Worte nicht leben.

Das Kennzeichen eines wahren Christen ist also ein Hunger nach der Bibel, ein Hunger nach der Schrift. Es reicht nicht aus, dass wir Brot zum Essen haben. Wir leben nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus dem Mund Gottes kommt. Gottes wahre Gemeinde hungert zu allen Zeiten und an allen Orten nach der Wahrheit der Heiligen Schrift. Gottes wahre Gemeinde will sie lesen und verstehen, um sich an ihr zu erfreuen, um sie anzunehmen, zu verkünden, anzuwenden und um Gott um ihretwillen anzubeten. Leider hat die falsche Gemeinde ein anderes Interesse. Und zwar steht dies dem Hunger der wahren Gläubigen diametral entgegen. Diese falsche Gemeinde hat es nicht mehr zur höchsten Priorität gemacht, ernsthaft und fleißig die Bibel zu studieren, um die wahre Gemeinde Gottes nähren zu können. Vor ein paar Jahren schrieb Jim Packer eine Einleitung zu einem sehr alten Buch von Richard Baxter. Richard Baxter war ein Puritaner und lebte von 1615 bis 1691. In den 76 Jahren seines Lebens dachte er tiefgründig über die Heilige Schrift nach. Seine Gedanken schrieb er auf und nannte sein Buch A Christian Directory (auf Deutsch: Das christliche Verzeichnis). Dies ist ein dicker Wälzer. Ich habe ein Exemplar davon. Es ist ein christlicher Leitfaden, der Christen auf der Grundlage der Heiligen Schrift zeigt, wie sie ihr Leben vor Gott führen sollen.

Packer sagt in seiner Einleitung des Buches Das christliche Verzeichnis: „Der zeitgenössische Evangelikalismus ist egozentrisch, verrückt, simpel, degeneriert und eine Mischung aus halb magischem Zauberunsinn und einer Aneinanderreihung von Praxistipps.“ Dann fährt er fort: „Vergleichen Sie das mit Baxters christlichem Verzeichnis, das mehr als eine Million Wörter tiefgründiger Auslegung und Anwendung der Bibel enthält.“ Packer sagt: „Das Buch Das christliche Verzeichnis beinhaltet ein hohes Maß an intelligenter, biblisch fundierter, theologisch verankerter Weisheit von unfehlbarer und ungetrübter Klarheit, die den Verstand schärft.“ Was ist seither mit uns geschehen? R.C. Sproul sagt: „Unsere Kultur ist eingebettet in stolze Mittelmäßigkeit. Unsere Kultur ist Mist, unsere Musik ist Mist und unser Denken ist Mist. Und all das beherbergen wir in einer ebenso unbrauchbaren Gemeinde.“ Wir ernten Mittelmaß, weil wir Mittelmäßigkeit wollen. Unsere Kultur akzeptiert nicht nur Durchschnittlichkeit, sondern sie strebt danach. Und die zeitgenössische Gemeindekultur übernimmt diese Werte. Als Folge davon beschlossen die so genannten Gemeinden, alles Übernatürliche und Tiefgründige zu beseitigen. Sie beschlossen, die Bibel zu verdrängen und auf die Auslegung des Wortes zu verzichten. Stattdessen füttern sie die Durchschnittlichkeit, um den hungrigen Massen zu geben, wonach sie lechzen. Das stellt jedoch die wahre Gemeinde nicht zufrieden, weil sie regelrecht ausgehungert wird. Auch euch stellt das nicht zufrieden, deshalb seid ihr hier. Es stellt auch mich nicht zufrieden. Denn wir lieben die Bibel. Wir lieben Theologie. Wir lieben theologisch fundierte Anbetung. Ich kann nie genug davon bekommen.

Warum also lieben wir die Bibel? Warum vertrauen wir darauf? Warum glauben wir der Schrift? Warum studieren wir die Schrift? Warum lernen wir sie auswendig? Warum reden wir über sie? Warum lehren wir sie? Warum wenden wir sie an? Sind wir besser als andere Menschen? Sind wir schlauer oder intelligenter? Haben wir bessere Beweise dafür, dass die Bibel vertrauenswürdig und glaubwürdig ist? Luther gab uns einen Hinweis auf die Antwort mit folgenden Worten: „Die Bibel kann nicht einfach durch Studium oder Talent verstanden werden. Es muss vom Heiligen Geist kommen.“ Der große Zürcher Reformator Zwingli sagte: „Auch wenn du das Evangelium Jesu direkt von einem Apostel empfängst, kannst du nicht danach handeln, wenn dich nicht dein himmlischer Vater lehrt und durch seinen Geist zu sich zieht.“ Johannes Calvin war derselben Ansicht, dass die Bibel nur dann geglaubt, verstanden, befolgt und geliebt werden kann, wenn Gott den toten Sünder durch die Kraft des Heiligen Geistes erneuert und ihm Leben schenkt. Warum glaubst du der Bibel? Warum liebst du die Bibel? Warum hungerst du nach der Bibel? Warum erfreust du dich an der Wahrheit der Heiligen Schrift? Warum hörst du sie gerne? Warum löst es eine solche Freude in dir aus, wenn dir biblische Wahrheit eröffnet wird? Warum ruft das ein solches Lob und solche Anbetung hervor? Die Antwort darauf ist, dass der Heilige Geist ein mächtiges Werk in deinem Herzen vollbracht hat. Er ließ dich buchstäblich von den Toten auferstehen. Das ist die Wiedergeburt und darüber werden wir sprechen.

Es gibt keinen besseren Text zu diesem Thema als 1. Korinther 1,18 bis einschließlich zum Ende von Kapitel 2. Natürlich werden wir uns nur einen groben Überblick über das Ganze verschaffen können, aber ich denke, ihr werdet die Botschaft verstehen. Ich möchte, dass ihr zwei Punkte aus diesem Text versteht und lernt, sie zu differenzieren. Erstens, warum Nichtchristen die Bibel ablehnen. Und Zweitens, warum Christen die Bibel lieben. Es gibt eine Menge Überschneidungen, Verknüpfungen und Wiederholungen im Text. Aber das werden nicht alles durchgehen, sondern nur das große Ganze betrachten. Frage Nummer eins: Warum lehnen Nichtchristen die Bibel, und damit auch das Evangelium, ab? Paulus nennt uns dafür fünf Gründe. Erstens: Die Botschaft des Evangeliums ist unvernünftig. Die Botschaft des Evangeliums ist unvernünftig. Oder anders ausgedrückt: sie scheint für den Verstand des natürlichen Menschen wider die Vernunft zu gehen. Und dabei ist der Mensch ja so verliebt in seinen eigenen Verstand, nicht wahr?

Vielleicht war es vor der Aufklärung nicht ganz so schlimm. Aber seit der Aufklärung betet der Mensch die menschliche Vernunft an. Das liegt nun schon Jahrhunderte zurück und wir sind die Erben dessen. Wir befinden uns mitten im Zeitalter der Vernunft. Darin hat die Bibel einfach keinen Platz, ebenso wenig wie das biblische Evangelium. 1. Korinther 1,18 beschreibt es so: „Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verlorengehen“. „Die verlorengehen“ meint eine Kategorie von Menschen, die sich auf dem Weg zur Hölle befinden. Für diese Menschen ist das Evangelium eine Torheit, mit seiner Botschaft von der Erlösung durch den Tod Christi am Kreuz. Das Wort „Torheit“ ist so wichtig, dass es am Anfang dieses Abschnitts ein halbes Dutzend Mal auftaucht. Das griechische Wort für Torheit ist übrigens sehr bekannt. Es ist das englische Wort moron, auf Deutsch: Schwachkopf. Das meint: Etwas ist dumm, sinnlos, töricht oder schwachsinnig. Es entspricht nicht der menschlichen Weisheit zu sagen, dass es nur einen Gott gibt und nur einen Weg zu Gott, und dass dieser Weg zu Gott durch den Gott-Mensch führt. Es ist menschlich gesehen sinnlos, dass der Jude Jesus Christus von seinem Volk abgelehnt und von den Römern hingerichtet und ans Kreuz geschlagen wurde. Und es ist für sie vollkommen schwachsinnig, dass die Erlösung dadurch kommt, dass man jedes eigene gute Werk ablehnt, seine elende Sündhaftigkeit erkennt und im Glauben das Opfer Christi an seiner Stelle annimmt. Das widerspricht jeglicher menschlichen Weisheit. Der gefallene Verstand sagt im Gegenteil: Du bist gut, und wenn du wirklich gut bist, wird es dir gut gehen. Hier spricht der Stolz aus der gefallenen Vernunft der menschlichen Weisheit.

Die ganze Botschaft des Kreuzes ist für Nichtchristen dumm und sinnlos. Der menschlichen Vernunft widersteht es, den Menschen zu sagen, dass sie unentrinnbar auf dem Weg in die Hölle sind. Und dem menschlichen Stolz passt es gar nicht, dass sie vor Gott ohnmächtig sind und weder den Willen haben, noch die rationale, moralische oder geistige Kraft haben, ihren Zustand zu ändern. Und weil die Bibel genau dies lehrt, lehnen die Menschen sie ab und lieben sie nicht. Im Grunde genommen ist die Bibel den Menschen so lange egal, so lange sie nicht hören, was die Bibel sagt. Wenn sie dann aber hören, was sie zu sagen hat, werden sie ihr gegenüber feindselig. Denn die ganze Idee des biblischen Evangeliums ist für sie einfach nur unvernünftig, irrational, töricht und schwachsinnig.

Zweitens: Das Evangelium ist unerreichbar. Wir müssen zugeben, dass der Mensch das Evangelium auch deshalb ablehnt, weil er es nicht erreichen kann. Denn der gefallene Mensch versucht gemäß seiner natürlichen Logik, Probleme mit menschlicher Vernunft zu lösen. Aber genau das klappt beim Evangelium nicht. Zwar gab Gott uns tatsächlich menschliche Vernunft, um bestimmte Ziele im materiellen, physischen Bereich zu erreichen. Aber der Mensch verlagert das einfach in den geistlichen Bereich und glaubt, dass er selbst eine Lösung finden kann. Gelegentlich hört man Menschen sagen: Ich bin ein sehr spiritueller Mensch. Sie tun so, als ob sie sich in eine Art Harry-Potter-Welt katapultieren könnten, in der Menschen herumfliegen und Geisterwesen-ähnliche Dinge tun. Oder als ob sie Dinge wahrnehmen könnten, die der Rest von uns Normalsterblichen nicht begreifen kann. Aber wenn du meinst, dass du als spiritueller Mensch durch deinen Verstand, deine Intuition oder deine Sinne ein wahres Verständnis vom biblischen Evangelium erhalten könntest, dann liegst du falsch. Geht zu 1. Korinther 1,19: „Denn es steht geschrieben: ‚Ich will zunichtemachen die Weisheit der Weisen, und den Verstand der Verständigen will ich verwerfen‘. Wo ist der Weise, wo der Schriftgelehrte, wo der Wortgewaltige dieser Weltzeit? Hat nicht Gott die Weisheit dieser Welt zur Torheit gemacht? Denn weil die Welt durch ihre Weisheit Gott in seiner Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott, durch die Torheit der Verkündigung diejenigen zu retten, die glauben.“

Dies ist ein Zitat aus Jesaja 29,14 und bedeutet, dass du durch rationale, logische menschliche Weisheit nicht zu Gott gelangen kannst. Viele der griechischsprachigen neutestamentlichen Schreiber kannten dieses Zitat aus der Septuaginta. Jesaja warnte das Nordreich Israel vor dem kommenden Gericht, weil der assyrische König Sanherib an ihren Grenzen Feuer schürte und das Nordreich bedrohte. Die Befreiung würde aber nicht von Menschen kommen. Wenn es eine befreiende Rettungstat geben sollte, dann nicht durch die Weisheit der Menschen. Deshalb schrieb er: „Die Weisheit seiner Weisen soll zunichtewerden, und der Verstand seiner Verständigen unauffindbar sein.“ Das Volk konnte trotz aller Weisheit und Strategien seiner Führer keinen Weg finden, um mit den Assyrern fertig zu werden. Deshalb kümmerte sich Gott später selber um die Assyrer. In Jesaja 37,36 lesen wir, dass er einen Engel schickte, der 185.000 von ihnen tötete. Das zeigt, dass Gott in einer Dimension handelt, die dem Menschen in seiner menschlichen Weisheit nicht zugänglich ist.

In Jeremia 8,9 heißt es: „Denn siehe, die Weisen haben das Wort des Herrn verworfen — was für eine Weisheit bleibt ihnen da noch übrig?“ Weil sie Gottes Weisheit verwerfen, bleibt ihnen nichts mehr übrig. Darum ruft Paulus in 1. Korinther 1,20 allen Weisen und Experten zu: „Wo ist der Weise, wo der Schriftgelehrte, wo der Wortgewaltige dieser Weltzeit? Hat nicht Gott die Weisheit dieser Welt zur Torheit gemacht?“ Damit sind alle Philosophen, alle Pädagogen, alle Theoretiker, alle Theologen, kurz gesagt, alle Narren gemeint. Dieser Vers enthält mehrere Anspielungen. Zum einen spielt er auf Jesaja 19,12 und Jesaja 33,18 an, zum anderen auf die angeblichen Ratgeber Ägyptens und die Schriftgelehrten der Assyrer. Sie alle wurden von Gott zu Narren gemacht. Und Paulus fasst hier alle Narren zusammen und schreibt weiter in Vers 21, dass die Welt durch ihre eigene Weisheit nicht zur Erkenntnis Gottes kommt. Paulus zitiert hier einfach kurze, allgemein bekannte Ausschnitte aus dem Alten Testament. Damit belegt er seinen Punkt, dass selbst die besten Weisen, Juristen und Philosophen der Welt zusammengenommen in ihrer Weisheit und Klugheit Gott nicht erkennen können. Das ist auch heute noch so. Denn selbst der besten und höchsten Form der menschlichen Weisheit gelingt es aus sich selbst heraus nicht, Gott zu erkennen. Warum also lehnen Nichtchristen die Bibel ab? Warum haben sie kein Interesse an der Bibel? Warum sind sie der Bibel gegenüber gleichgültig oder feindselig eingestellt? Ganz einfach, weil das biblische Evangelium für sie unsinnig und ohnehin unerreichbar ist.

Drittens: Selbst, wenn sie es erreichen könnten, fänden sie es unglaubwürdig und unbegreiflich. Das überschneidet sich ein wenig. In Vers 22 sagt Paulus: „Während nämlich die Juden ein Zeichen fordern und die Griechen Weisheit verlangen, verkündigen wir Christus den Gekreuzigten, den Juden ein Ärgernis, den Griechen eine Torheit“. Das Kreuz war das Problem. Die Juden konnten das nicht ertragen. Für sie war das Kreuz ein unüberwindliches Problem. Sie wollten die Zeichen haben, die von den Propheten für das Kommen des Herrn und die Aufrichtung des verheißenen Reiches vorausgesagt worden waren. Sie wollten Zeichen am Himmel sehen, den Mond und die Sterne. Sie hatten viele Zeichen bekommen. Denn Jesus hatte Macht gezeigt über Krankheiten, Dämonen, den Tod und die Natur. Er hatte während der Dauer seines Dienstes alle Krankheiten im Land Israel regelrecht ausgemerzt. Sie hatten seine große Macht gesehen. Und niemand hatte jemals seine Wunder in Frage gestellt, oder versucht, sie unglaubwürdig erscheinen zu lassen. Sie wussten sogar, dass er von den Toten auferstanden war. Auch die Führer wussten, dass die Auferstehung wirklich geschehen war. Deshalb bestachen sie die Soldaten, damit sie logen und sagten, sein Körper sei gestohlen worden. Man kann diesen Leuten nie genug Zeichen geben. All die Fernsehprediger liegen falsch, wenn sie unter großen Menschenmassen falsche Wunder, scheinbare Wunder tun, und glauben, dass sie dadurch Menschen zum Evangelium führen könnten. Das bringt Menschen nicht zum Evangelium. Man kann so viele falsche Zeichen tun, wie man will, das überzeugt die Leute nicht. Der einzige Grund, warum Menschen an das Evangelium glauben, ist der Heilige Geist, der ihnen Leben schenkt. Der einzige Weg, wie er ihnen Leben schenken kann, ist durch die Verkündigung der Wahrheit. 1. Petrus 1,23 sagt, dass wir durch das Wort der Wahrheit wiedergeboren sind.

Für die Juden war das alles also unglaubwürdig. Sie wollten Zeichen, aber vor allem wollten sie den Messias kommen sehen, wie er Zeichen im Himmel tun würde. Denn ihnen ging es nur darum, dass der Messias sie in ihrer Religion bestätigte. Sie dachten, wenn Jesus der Messias ist, wird er uns auf die Schulter klopfen, weil wir die wahren Religiösen sind. Aber als Jesus kam, richtete er seine schärfsten Worte an die religiösen Führer von Israel und verurteilte sie. In Matthäus 23 sehen wir, dass er sie getünchte Gräber nennt, „die äußerlich zwar schön scheinen, inwendig aber voller Totengebeine und aller Unreinheit sind!“ Er warf ihnen sogar vor, sie hätten Söhne der Hölle hervorgebracht. Sie hatten nicht erwartet, dass der Messias sie angreifen würde, sondern dass er die Römer angreifen würde. Aber stattdessen wurde er von den Römern getötet. Das war ein großer Stolperstein für sie. Wie könnte er der Messias sein, wenn das Volk ihn verwarf, die Führer ihn ablehnten und die Römer ihn töteten? Die Griechen fanden die ganze Idee lächerlich. Für sie waren die Juden ein sehr unbedeutendes Volk im Land Israel, einem gänzlich unbedeutenden Vorposten im Römischen Reich. Dass ausgerechnet ein gekreuzigter Jude der ewige, einzige und wahre Gott sein sollte, der sogar von seinem eigenen Volk abgelehnt und von den Römern gekreuzigt wurde, das war für sie vollkommen absurd. Und ebenso unglaubwürdig war für sie, dass Gott in menschlicher Gestalt in die Welt kommen würden und der einzige Weg, um Sündern Erlösung zu bringen, Jesu stellvertretender Tod sein würde.

Wenn man heute in der Stadt Rom zum Circus Maximus geht, findet man dort einen Platz mit zum Teil gut erhaltenen Steinmetzarbeiten. Es handelt sich um die Schnitzerei eines Kreuzes, an dem ein Mann mit dem Kopf eines Esels hängt. Darunter verbeugt sich ein Mann, und daneben steht: „Alexus Menos betet seinen Gott an“. Damit machten sie sich über das Christentum lächerlich. Denn welcher Mensch würde sich verneigen, um einen gekreuzigten Esel anzubeten? Das wäre völlig sinnlos und dumm. Wir sehen also, dass das Evangelium für die Menschen töricht und verrückt ist. Es ist nicht glaubwürdig. Und weil sie ihm nur mit menschlicher Vernunft nachgehen, bleibt es für sie unerreichbar. Und selbst wenn sie in der Lage wären, es zu verstehen, würden sie es nicht tun, weil es ihnen zu bizarr ist.

Es gibt ein viertes Problem, warum Menschen nicht an das Evangelium glauben. Und das wäre, dass seine Vertreter nichts hermachen. Neben dem, dass die Botschaft unvernünftig und unerreichbar und ihre Wahrheit unbegreiflich ist, sind ihre Vertreter unscheinbar. Vielleicht denkst auch du: „Sieh mal, Gott, wenn du diese Sache durchsetzen willst, musst du deine Botschaft in die Hände der Mächtigen legen.“ Nur die großen Tiere können sie glaubhaft weitergeben. Aber das entspricht überhaupt nicht Gottes Plan. Geh zurück zum Text in 1. Korinther 1,26: „Seht doch eure Berufung an, ihr Brüder! Da sind nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme“. Dreimal steht hier „nicht viele“, „nicht viele“, „nicht viele“. Die Mehrzahl der Gläubigen sind nicht sehr beeindruckend, vor allem nicht für die Welt der geistigen Elite. Wir sind nicht die geistige Elite dieser Welt. Wir sind nicht die Mächtigen in dem Sinne, dass wir in großen Machtpositionen viel Einfluss nehmen könnten. Wir sind nicht vornehm. Damit meine ich, dass wir nicht hochwohlgeboren, wohlhabend, gesellschaftlich angesehen oder königlich sind. Sondern Vers 27 sagt, dass wir töricht und schwach sind und in Vers 28 heißt es, dass wir unedel und verachtet sind und „das, was nichts ist“. Wenn man diese beiden Verse nimmt, sind wir eher töricht als weise und eher schwach als mächtig. Auch sind wir nicht edel, sondern unedel.

Vers 28 spricht von dem „Unedlen der Welt“. Das griechische Wort für unedel ist agenēs. Genos bedeutet „geboren werden“, davon stammt auch das Wort Genetik ab. Wir sind agenēs. Das bedeutet, dass wir nicht geboren wurden, dass wir ungeboren sind. Man könnte auch sagen: Wir existieren nicht. Das Wort wurde zum Synonym für das Unbedeutende. Wir sind nicht die großen Macher. Und als würde es nicht genügen, agenēs zu sein, ungeboren, nicht einmal existent, geht er sogar noch weiter und nennt uns verachtet. Dann sagt er, Gott hat die Dinge oder diejenigen erwählt, die nichts sind. Eimi ist das Partizip Präsens des Verbs „sein“, und wird hier im verächtlichsten Ausdruck der gesamten griechischen Sprache verwendet. Es bedeutet: „Du existierst ja nicht einmal.“ Das sagt man nur, wenn man jemanden wirklich runtermachen will. Gott hat also nicht viele Weise nach dem Fleisch erwählt, nicht viele Mächtige, nicht viele Edle. Der Ausdruck „hat Gott erwählt“ wird immer wieder wiederholt. Das ist wichtig zu sehen, falls du immer noch mit der Lehre der souveränen Erwählung zu kämpfen hast. Viermal sagt Paulus, „Gott hat erwählt“, „Gott hat erwählt“, „Gott hat erwählt“, und dann in Vers 29, „damit sich vor ihm kein Fleisch rühme“.

Der Kernpunkt, auf den ich hier hinauswill, ist, dass wir nicht weiter bemerkenswert sind. Im ersten Gottesdienst kam mir eine Illustration dazu in den Sinn. Ich sprach einmal zwischen den Aufnahmen einer Fernseh-Talkshow mit Deepak Chopra. Er ist ein Hindu-Mystiker, der auch als Arzt tätig ist. Er ist sehr intelligent. Er fand heraus, wie man Menschen von ihrem Geld trennt, er muss also wirklich ein kluger Kopf sein. Aber trotzdem glaubt er, dass er Gott sei und schrieb eine Menge darüber. Er ist sehr spirituell, sehr esoterisch, sehr hinduistisch, und es war für ihn sehr schwierig, mit mir umzugehen. Als wir einmal miteinander redeten, sagte er zu mir: Nun, davon haben Sie sowieso keine Ahnung. Und ich antwortete ihm: Ich verstehe Ihre Philosophie tatsächlich. Ich verstehe ganz genau, was Sie meinen. Dann führte ich das ein wenig aus und erzählte ihm, dass ich darüber sogar ein Buch geschrieben habe. Dann sagte er – ich zitiere: „Ich würde nie etwas lesen, was Sie geschrieben haben.“ Ihr seht, für ihn existierte ich nicht einmal. Er wollte mich nur loshaben. So denken diese Elitemenschen über uns. Und das ist auch der Grund, weshalb sich die Ungläubigen in der Situation befinden, in der sie sind. Sie sind weder von uns, noch von unserer Botschaft beeindruckt, sondern nur von sich selbst. Das Problem ist, dass sie ihrem eigenen Verstand folgen wollen, und auf diese Weise kommt man nicht ans Ziel.

Ein weiteres Problem ist, dass sie die Prediger nicht zeitgemäß finden. Paulus schreibt in 1. Korinther 2,1 über das erste Mal, als er nach Korinth kam, um zu predigen und eine Gemeinde zu gründen: „Als ich zu euch kam, Brüder, kam ich nicht mit überlegener Rede oder Weisheit“. Sie waren von Lehrern und Philosophen anderes gewohnt. Die Griechen liebten die Redekunst. Sie mochten intellektuelle Gedankenspiele. Sie interessierten sich für philosophische Komplexität und vielschichtige Argumente. Und weil die Botschaft vom Evangelium einfach nicht beeindruckend ist, lehnten sie sie ab. Wenn Paulus daher sagt: „Denn ich hatte mir vorgenommen, unter euch nichts anderes zu wissen als nur Jesus Christus, und zwar als Gekreuzigten.“, dann antworteten sie ihm: Du erzählst immer wieder denselben lächerlichen, törichten Unsinn über diesen Mann und sein Kreuz. Wo bleibt die esoterische Raffinesse? Wo bleibt die rationale Spekulation? Wo bleibt die philosophische Komplexität? Auch deshalb heißt es in 2. Korinther 10,10 über Paulus, dass sein persönliches Auftreten unscheinbar und seine Rede verächtlich war. Wer würde auf ihn hören? Er war nicht klug. Er hatte nichts von dieser Sophia, nichts von dieser Redegewandtheit und kultivierten Weisheit. Die Botschaft des Evangeliums ist anstößig, die Boten des Evangeliums sind unscheinbar und die Prediger des Evangeliums sind nicht zeitgemäß.

Er verkündete außerdem nicht nur andauernd dieselbe engstirnige, simple Botschaft aus 1. Korinther 2,2, sondern sagte darüber hinaus in Vers 3: „Ich war in Schwachheit und mit viel Furcht und Zittern bei euch.“ Er ließ jegliche Selbstsicherheit vermissen. Aber man muss sich doch etwas trauen, oder? Man muss frech sein, selbstsicher auftreten, ein gewisses Selbstvertrauen haben und eine gewisse Dominanz ausstrahlen. So waren zumindest die dreisten Philosophen und Lehrer der damaligen Welt. Aber Paulus kam in Schwachheit, in Furcht und Zittern, und seine Botschaft und seine Predigt, Vers 4, „bestand nicht in überredenden Worten menschlicher Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft, damit euer Glaube nicht auf Menschenweisheit beruhe, sondern auf Gottes Kraft“. Paulus verstand, worum es ging. Hier ging es nicht um Apologetik oder Beweise. Es ging nicht darum, sie zu überzeugen und ihren Intellekt zu mobilisieren. Es ging nicht darum, die Vernunft in die richtige Bahnen zu lenken. Sie waren gefallene Menschen, die im Dunkeln tappten. Sie waren von Natur aus tot, weil sie von Satan doppelt geblendet waren. Sie waren dem Leben Gottes entfremdet und konnten nicht glauben, und sie wollten es auch nicht.

Nichtchristen glauben im Grunde deshalb nicht an die Bibel, weil sie es einfach nicht können. Und man kann es ihnen auch nicht vernünftig erscheinen lassen. Alle Bemühungen, modern und clever zu sein, um sie zu beeindrucken, werden nicht funktionieren. Mit menschlicher Vernunft kann man weder Gott finden, noch Christus, noch das Evangelium, noch Erlösung. Man kann auch die Schrift nicht lieben. Die Weisheit des Menschen kann in der physischen, zeitlichen Welt Erstaunliches bewirken. Sie feiert alle möglichen Erfolge in der Wissenschaft, Technik, Genetik, Medizin, Industrie oder auch in der Kunst, Kultur und Bildung. Aber die Weisheit des Menschen kann – weder einzeln noch in Summe – Gott und seine Rettung erkennen. Sie können laut Römer 1 wissen, dass Gott existiert. Sie können wissen, dass Gott ein moralisches Gesetz hat, wie es Römer 2 sagt. Aber sie können Gott nicht erkennen. Menschliche Weisheit kann das Evangelium nicht begreifen. Genau das ist das Problem. Die Menschen finden nur den Weg, der ihnen gefällt, nämlich den Weg der selbstgefälligen menschlichen Vernunft. Aber auf diesem Weg können sie nicht zum Ziel kommen.

Die letzten Minuten wollen wir der Frage widmen, warum wir dann überhaupt glauben. Wenn du sagst, wir glauben, weil wir die Klügsten von allen sind, dann liegst du leider falsch. Warum glauben wir? In Vers 6 kommt eine dramatische Wende. Paulus sagt dort: „Wir reden allerdings Weisheit“. Die Menschen verstehen nicht, dass Christen die weisesten Menschen des gesamten Planeten sind. Wisst ihr, dass genau jetzt, in diesem Moment, in diesem Raum die reinste, wahrste, tiefgründigste, genaueste, allumfassendste und größte Sammlung menschlicher Weisheit in der Stadt Los Angeles oder im Staat Kalifornien versammelt ist? Und das Traurige daran ist, dass wir alle Antworten haben und niemand da draußen fragt uns etwas. Wir sprechen doch Weisheit. Aber ich warte immer noch darauf, dass mich jemand aus Washington anruft und mich etwas fragt. In einem Radiointerview wurde ich einmal von jemandem verspottet, der mich fragte: Wo haben Sie denn Jura studiert? Meine Antwort war: Ich habe kein Jura studiert, ich habe nur die Bibel gelesen. Das machte ihn sehr wütend.

„Wir reden allerdings Weisheit unter den Gereiften“. Das Schlüsselwort hier ist das Wort teleios. Es meint gereift, ausgereift. Man kann auch lesen vollständig, vollständig gerettet, vollständig gemacht. Denn ihr seid vollständig in ihm. Das ist die Wiedergeburt. Wir sprechen also Weisheit, weil wir vollständig gemacht wurden. Der Kolosserbrief sagt, dass wir zu Christus kamen, in dem alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen sind. Das ist Gottes gnädiges Geschenk an uns bei unserer Wiedergeburt. Dieses Geschenk bekamen wir nicht, weil wir klüger waren als andere. Sondern er gab es uns, weil der Geist uns das Leben schenkte. Der Geist erleuchtete uns, belebte uns, machte uns lebendig, nahm uns die Scheuklappen ab und half uns, die Wahrheit des Evangeliums zu sehen. Erinnern wir uns an 2. Korinther 4,6: „Denn Gott, der dem Licht gebot, aus der Finsternis hervorzuleuchten, er hat es auch in unseren Herzen licht werden lassen, damit wir erleuchtet werden mit der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi.“ Gott zündete durch den Heiligen Geist das Licht an und gab uns Leben. Und weil der Heilige Geist in uns wirkt, lieben wir die Bibel. Er schenkte uns das Leben, und dieses geistliche Leben wird ebenso durch Nahrung erhalten, wie unser körperliches Leben. Und die Nahrung, um die es sich hier handelt, ist das Wort Gottes. Unsere Nahrung ist das Wort Gottes.

Zurück zu 1. Korinther 2,6. Dort heißt es: Die Weisheit, die wir als in Christus Vollendete haben, ist „nicht die Weisheit dieser Weltzeit, auch nicht der Herrscher dieser Weltzeit, die vergehen“. Es geht nicht um irdische Weisheit, so wie Jakobus es Jakobus 3,15-18 beschreibt. Sondern es geht um die Weisheit von oben, die rein und friedfertig ist. Wir besitzen die wahre Weisheit. Aber schaut euch unsere Kultur an. Wenn es nach den Machthabern in dieser Gesellschaft ginge, würden sie jeden bibeltreuen Christen aus dem öffentlichen Dialog für immer ausschließen. Sie wollen nichts von uns hören. Denn unsere Weisheit ist das Gegenteil ihrer Weisheit. Wir haben die Weisheit, die nicht vergeht. Vers 7 sagt: „Wir reden Gottes Weisheit“. Das zeigt sehr deutlich, wie wichtig wir für die Welt sind. Wir sind nicht unbedingt „in“. Meine Predigten sind nicht das, was die Welt gerne zu ihrer Unterhaltung hört. Du und ich sind wirklich nichts Besonderes. Wir sind hier nur das gemeine Volk. Aber du sprichst Gottes Weisheit, weil der Heilige Geist dir Leben gab, und du liebst seine Wahrheit. Paulus benutzt für das Evangelium hier das Wort mustērion, d. h. Geheimnis. Er sagt, dass wir Gottes Weisheit im Geheimnis reden und dass diese Weisheit Gottes „die verborgene ist, die Gott vor den Weltzeiten zu unserer Herrlichkeit vorherbestimmt hat“. Die Weisheit, von der wir reden, ist also Teil eines Geheimnisses, das im Alten Testament verborgen war und erst im Neuen Testament vollständig offenbart wurde. Gott hatte die Weisheit des Evangeliums vorherbestimmt, in dieser Zeit und diesem Zeitalter enthüllt zu werden. So wollte er sein Volk zur Herrlichkeit führen. Deshalb reden wir Gottes Weisheit.

In Vers 8 heißt es: Es ist die Weisheit, „die keiner der Herrscher dieser Weltzeit erkannt hat – denn wenn sie sie erkannt hätten, so hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt“. Zur Zeit Jesu gab es auf der ganzen Welt keine besser ausgebildete und bibelkundigere Gruppe von Führern als die Pharisäer und die Führer Israels. Sie kannten das Alte Testament und damit die einzige Quelle göttlicher Offenbarung besser als jeder andere. Aber sie hatten es nicht verstanden, sonst hätten sie ihn nicht gekreuzigt. Vers 9 sagt uns, dass sie Gottes Weisheit im Geheimnis nicht verstanden, weil sie Dinge enthält, die das Auge nicht sehen und das Ohr nicht hören kann. Das heißt, dass sie einem nicht empirisch oder experimentell von außen vermittelt werden kann. Darum heißt es in Vers 9: Es ist „keinem Menschen ins Herz gekommen“. Man kann dieses Geheimnis, dieses rettende Evangelium von Christus nicht einfach intuitiv oder spirituell von innen heraus erkennen. Man kann es aber auch nicht experimentell, also durch äußere Erfahrung erkennen. Man kann es nicht einfach so wissen, denn „Gott hat es denen bereitet [...], die ihn lieben“. Und dann kommt Vers 10: „Uns aber hat es Gott geoffenbart durch seinen Geist“. So ist es: zuerst schenkte Gott uns in der Wiedergeburt das Leben und dann die Offenbarung.

Wozu sollte es gut sein, wiedergeboren zu werden, wenn wir diese Offenbarung nicht hätten? Wir können die Weisheit Gottes nur verstehen, wenn wir die Weisheit Gottes haben. Deshalb gab der Geist uns Leben, und dann gab er uns das lebenspendende Wort. Warum lieben wir die Bibel? Wir lieben sie, weil wir durch den Heiligen Geist wiedergeboren sind und weil der Heilige Geist uns die Offenbarung gegeben hat. Er ist der Autor der Heiligen Schrift. Die verborgene Weisheit in Vers 10 ist demnach das vollständig offenbarte Evangelium, das uns nur durch den Geist bekannt ist. Dann belegt Paulus gewissermaßen seine Aussage, indem er sagt: „Denn der Geist erforscht alles, auch die Tiefen Gottes.“ Es ist ein herrlicher Gedanke, dass der allwissende Heilige Geist die Tiefen Gottes erforschte und seine Ergebnisse den Schreibern der Heiligen Schrift offenbarte. Dieses Buch beinhaltet den Schatz der Tiefen Gottes, der uns vom Heiligen Geist weitergegeben wurde. Dies ist ein unermesslich großer, unbezahlbarer Schatz.

Das ist das Werk des Geistes. In Vers 11 folgt eine Analogie: „Denn wer von den Menschen kennt die Gedanken des Menschen als nur der Geist des Menschen, der in ihm ist? So kennt auch niemand die Gedanken Gottes als nur der Geist Gottes.“ Der Unterschied zwischen Menschen und Tieren ist, dass dein Geist dich kennt. Ein Tier weiß nicht, dass es existiert, aber du weißt, dass du existierst. Du bestimmst deine Gedanken. Du denkst deine Gedanken. Und dann bewertest du deine Gedanken. Und wie dein Geist in dir dich kennt, so kennt der Heilige Geist Gott vollständig. Der Heilige Geist ist allwissend. Weil er ganz Gott ist, weiß er alles, was Gott weiß, und Gott weiß alles, was man wissen kann. Der Heilige Geist schenkt uns also die volle Erkenntnis Gottes. Mit ihr haben wir alles, was für das Leben und die Heiligkeit wichtig ist. Vers 14: „Der natürliche Mensch aber nimmt nicht an, was vom Geist Gottes ist; denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt werden muss.“ Der natürliche Mensch ist geistlich tot. „Der geistliche Mensch dagegen beurteilt zwar alles, er selbst jedoch wird von niemand beurteilt“. Wir Christen stehen im wahrsten Sinn des Wortes mitten in dieser Welt. Ich kann meine Bibel nehmen und alles beurteilen, und niemand kann dieser Beurteilung widersprechen. Anhand dessen, was in diesem Buch steht, kann ich genau sagen, was richtig und falsch ist und wie es sein sollte. Das einzige Urteil, dem ich unterworfen bin, ist dieses Buch. Wir wurden also wiedergeboren und uns wurde Offenbarung zuteil.

Der dritte Punkt, weshalb wir die Bibel lieben, ist, weil wir erleuchtet wurden. Denn in Vers 13 heißt es: Wir reden „nicht in Worten, die von menschlicher Weisheit gelehrt sind, sondern in solchen, die vom Heiligen Geist gelehrt sind“. Der Heilige Geist wohnt in uns und 1. Johannes 2,20.27 heißt es: „Ihr habt die Salbung von dem Heiligen Geist [...] und ihr habt es nicht nötig, dass euch jemand lehrt“. Ihr wisst alles, weil der Heilige Geist als Lehrer der Wahrheit in euch wohnt. Er ist zugleich der Autor und Lehrer der Offenbarung aller Wahrheit. Und darüber hinaus gab er euch auch noch das Leben, um all das zu begreifen. Deshalb leben und handeln wir im Geist.

Warum also lieben wir die Bibel? Wir lieben sie, weil sie Wiedergeburt, Offenbarung und Erkenntnis bewirkt. Einer meiner Lieblingsverse in der Heiligen Schrift ist 1. Korinther 2,16: „Denn ‚wer hat den Sinn des Herrn erkannt, dass er ihn belehre?‘“ Das ist ein Zitat aus Jesaja 40,13, wo es heißt: „Wer hat den Geist des Herrn ergründet?“ Wer kann die Gedanken Gottes kennen? Vielleicht fragst du dich, wer denn überhaupt wissen kann, was Gott denkt. Ich weiß, was Gott denkt, und der Rest des Verses sagt, warum ich es weiß: „Wir aber haben den Sinn des Christus.“ Hast du jemals etwas gehört, das wunderbarer ist als das? Wir haben den Sinn Christi. Deshalb kann ich in jede Universität gehen und sagen: Ich bin hier, um euch mitzuteilen, was Christus über alles denkt. Er ist der Schöpfer des Universums und ohne ihn wurde nichts geschaffen, was geschaffen wurde. Er ist derjenige, der das Geschick eines jeden Menschen bestimmt. Er ist der Richter des Universums. Er ist der Urheber aller Moral, aller Beziehungen und aller Wahrheit, und er wird der Richter über alles Böse sein. Ich bin hier, um euch absolut alles zu sagen, was er denkt. Ich probierte das einmal aus, in einem Philosophiekurs an der California State University Northridge. Das hat sie völlig aus dem Konzept gebracht. Ihr Dozent Dr. Kramer wollte im Unterricht einen Fundamentalisten vorstellen und lud mich dazu ein. Und ich sagte zu diesen Elitestudenten: Ich weiß, was Gott über alles denkt, deshalb werdet ihr von mir die Wahrheit über alles hören. Als ich das sagte, konnte man förmlich zusehen, wie sie sich innerlich wanden.

Und ich fuhr fort: Aber ich muss euch sagen, dass niemand von euch irgendetwas von dem glauben wird, was ich sage. Und ein Schüler fragte: Moment mal, was soll das heißen, wir werden es nicht glauben? Ich antwortete ihm: Weil du es nicht kannst. Das brachte sie in ein Dilemma, denn jetzt wollten sie mir beweisen, dass sie es glauben konnten. Und ich erinnere mich, dass ich ihnen einfach sagte: Ich kann euch jede Wahrheit sagen, die ihr braucht. Weil ich den Sinn Christi habe, weiß ich alles, was wichtig ist und kenne jede Wahrheit, die ihr braucht. Wisst ihr, manche Leute sagen, sie hoffen, dass sie in dieser oder jener Sache den Sinn Christi hätten. Aber bei diesem Ausdruck es geht nicht um das, was Jesus von dir will. Ob du ein blaues oder ein rotes Auto kaufen sollst. Oder ob du dieses Mädchen heiraten sollst oder nicht. Das ist mit dem Sinn Christi nicht gemeint. Den Sinn Christi zu haben heißt, zu wissen, wie er über alles denkt, was hier offenbart wird. Das ist der Sinn Christi. Deshalb sagt Jesus in Johannes 15: Ich nenne euch nicht länger Sklaven, sondern Freunde, weil der Vater euch alles offenbart hat.

Es ist wirklich traurig, dass unser Publikum nur so klein ist, obwohl wir so viel zu sagen hätten. Es gibt keinen Ort, wo wir nicht hingehen und zu den Menschen sagen könnten: Ich bin hier, um euch genau mitzuteilen, wie Gott über all das denkt. Deshalb lieben wir das Wort und können nicht genug davon bekommen. Das ist wie bei den Jüngern, die auf dem Weg nach Emmaus waren. Ihr erinnert euch sicher an sie. Jesus ging mit ihnen, und als er die Heilige Schrift öffnete und alles erklärte, heißt es, dass ihre Herzen in ihnen brannten. Es war eine Gemeinschaft der brennenden Herzen, zu der auch wir heute gehören. Denn auch unsere Herzen brennen. Warum lieben wir die Bibel? Wir lieben die Bibel, weil der Herr uns in seiner Souveränität auserwählt und uns das Leben geschenkt hat. Er hat uns wiedergeboren. Er gab uns Glauben und wir haben geglaubt. Wir sind lebendig geworden. Er legte eine Offenbarung in unsere Hände. Und damit wir sie verstehen, gab er den Autor dieser Offenbarung in unser Herz. Und dann ging er sogar noch weiter und verordnete der Gemeinde Vorsteher. Sie sollen in der Kraft des Heiligen Geistes unsere Lehrer und Hirten sein und uns tiefer in die göttliche Wahrheit einführen.

Nachdem wir all das gehört haben, möchte ich zum Schluss noch darauf eingehen, dass das Evangelium uns demütig macht. Geht zurück zu 1. Korinther 1,30: „Durch ihn aber seid ihr in Christus Jesus“. Ihr seid in der Lage, das Evangelium zu lieben, die Schrift zu lieben, die Wahrheit zu lieben. Warum ist das möglich? Weil Gott es bewirkt hat. „Durch ihn aber seid ihr in Christus Jesus, der uns von Gott gemacht worden ist zur Weisheit.“ Durch Gottes souveränes Wirken seid ihr in Christus, habt göttliche Weisheit und Gerechtigkeit und Heiligung und Erlösung. So, wie Jeremia in Jeremia 9,22–23 schreibt: Wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er Einsicht hat, und nicht seiner selbst. Das ist ein demütigendes Evangelium, nicht wahr? Es macht uns demütig.

Vater, wir danken dir für diese wunderbaren gemeinsamen Tage und wir danken dir für dein mächtiges Wort. Es ist so wertvoll für uns. Danke für die Freude, die wir in den letzten Tagen haben durften, zusammen mit allen unseren geliebten Freunden aus der ganzen Welt. Danke für unsere geliebte, kostbare Gemeinde. Danke für die Menschen hier, die dir so treu dienen. Danke, dass sie einander lieben und den Sinn Christi auf so wunderbare Weise in – und außerhalb der Gemeinde zeigen. Danke für alles, was du hier tust. Danke für die treuen Männer, die du in der Gemeinde in die Leitung gesetzt hast. Und danke für die Männer und Frauen, die in verschiedene Dienste eingesetzt wurden, um zu dienen und den Menschen hier Christus zu sein. Denn wir wissen, dass du in unseren Brüdern und Schwestern zu uns kommst und dass wir sogar in der ganzen Welt Evangelisten sein sollen. Wir beten, Herr, dass du diese Gemeinde weiterhin in ihrer Liebe zu dir und deinem Wort aufblühen lässt. Vertiefe unsere Liebe und Zuneigung zur Heiligen Schrift. Wir danken dir, dass wir den Sinn Christi haben. Wir wissen, wie du denkst. Mögen wir diese Wahrheit so lieben, dass sie sich in unserem Gehorsam zeigt. Wir danken dir in Jesu Namen. Amen.

ENDE

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