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Ich komme gerade von einer vierwöchigen Reise zurück. Während dieser ganzen Zeit musste ich mehr als sonst mit Nichtchristen zusammen sein. Gleichzeitig war ich getrennt von meinem üblichen Kreis christlicher Freunde, in dem ich mich sonst bewege. Ich sah, wie sich Menschen ohne Christus durch das Leben kämpfen und wie sie versuchen, es irgendwie mit Sinn zu füllen. Das machte mich wieder einmal so dankbar für die Erlösung, die Gott mir schenkte. Es war ein Grund zu großer Freude. Ich durfte erkennen, wie privilegiert ich trotz meiner Unwürdigkeit bin und dass Gott in seiner unendlichen Gnade mich trotzdem retten wollte. So habe ich viel über den Tod Jesu Christi am Kreuz nachgedacht. Und darüber, was es für mein eigenes Leben bedeutet. Als jemand, der die Bibel lehrt und studiert, Bücher schreibt und sich mit Theologie und Kommentaren beschäftigt, stehe ich in der Gefahr, von all dem Kleinkram mitgerissen zu werden. Darum war es sehr gut für mich, so isoliert und ausgiebig mit Ungläubigen zusammen zu sein. Das führte mich zurück zu der einfachen Tatsache, dass meine Beziehung zu Christus allein durch seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung bereitgestellt wurde. So wurde mir diese Wahrheit ein weiteres Mal nahegebracht. Gleichzeitig bin ich mir bewusst, dass es in den Gemeinden viele Menschen gibt, die diese rettende Botschaft nicht wirklich verstehen. Als ich in Maryland auf einer Bibelkonferenz war, hörte ich täglich von Menschen, die jahrelang Gemeinden besucht hatten und nie zu einer persönlichen Beziehung zu Jesus Christus gelangt waren. Dies geschah erst, als sie bei Grace to You die klare Botschaft des Evangeliums hörten. Es erstaunt mich immer wieder, dass Menschen über lange Zeiträume hinweg am Gemeindeleben teilhaben können und trotzdem die rettende Wahrheit nicht kennen.

In einem vergangenen Urlaub las ich mit großem Interesse das Buch von Ian Murray über Jonathan Edwards. Ich fand dies Buch deshalb so interessant, weil das Ende von Jonathan Edwards so unglaublich war. Er war vielleicht der größte Theologe, den dieses Land je hervorgebracht hatte. Auf jeden Fall war er einer der tiefgründigsten. Und obwohl er 22 Jahre lang in der Gemeinde von Northampton den unerforschlichen Reichtum Christi predigte und die Heilige Schrift auslegte und Gottes wichtigstes Werkzeug in der Großen Erweckung war, und obwohl er treu den ganzen Ratschluss Gottes gepredigt hatte, wurde er nach 22 Jahren als Pastor von seiner Gemeinde abgewählt.

Der Grund für seine Abwahl war, dass er einführen wollte, dass niemand am Abendmahl teilnehmen sollte, der sich nicht zu Jesus als Retter und Herr bekannte. Das hielt seine Gemeinde für übertrieben und deshalb wählten sie ihn ab. 22 Jahre lang hatte er diese Menschen über die Tiefe der Theologie belehrt. Und doch musste er feststellen, dass es in der Gemeinde unbekehrte Menschen gab, als er kam, und dass es nach all der Zeit immer noch genug unbekehrte Menschen gab, um ihn abzuwählen und rauszuwerfen. Wenn er noch einmal die Chance gehabt hätte, vielleicht hätte er mehr über das einfache Evangelium gepredigt. Er hätte dafür gesorgt, dass niemand die Botschaft verpassen würde, die das Herzstück unseres Glaubens ist. Vor diesem Hintergrund möchte ich dich bitten, heute Morgen in deiner Bibel das dritte Kapitel des Römerbriefs aufzuschlagen. Ich möchte ganz am Anfang beginnen.

Es ist schon lange her, dass wir uns am Sonntagmorgen mit dem Werk Jesu Christi am Kreuz beschäftigten. Es ist also an der Zeit, dass wir das noch einmal betrachten. Nun kann der Tod des Herrn Jesus Christus auf verschiedene Weise und aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden. Wenn wir uns mit dem Tod Jesu Christi befassen, tun wir dies meist aus unserer Sicht. Wir kommen zum Kreuz und sehen es mit menschlichen Augen. Wir sehen das Kreuz Jesu Christi als die Tat, durch die Christus uns die Erlösung brachte und uns von der Sünde, dem Tod, der Hölle und der Macht des Fleisches errettete. Er befreite uns aus dem Reich der Finsternis und versetzte uns in das Reich des Sohnes seiner Liebe. Er führte uns an den Ort, an dem wir mit allen geistlichen Segnungen im Himmel gesegnet sind. Er erlöste uns von dem kommenden Zorn und machte uns, die wir Feinde waren, zu Freunden Gottes. Durch das Kreuz schenkte er uns das ewige Leben und alles, was dazu gehört. Das ist unser Blickwinkel und es ist auch ganz richtig, es so zu sehen. Aber wir könnten auch zum Kreuz kommen und es aus dem Blickwinkel der heiligen Engel betrachten.

Auch die Engel blicken auf das Kreuz. Sie untersuchen es und schauen in das Sühnewerk Christi hinein und versuchen, dessen große, tiefe Geheimnisse zu begreifen. Aber sie können diese Geheimnisse nie vollständig verstehen, weil sie das alles nie vollständig erfahren werden. Denn die heiligen Engel brauchen keine Erlösung. Trotzdem sehen sie darin, wie Gott für unwürdige Sünder sorgt. Sie sehen das Wunder, die Majestät und die Herrlichkeit der Gedanken Gottes und seine Güte und Liebe. Das ist eine faszinierende Perspektive. Wir könnten das Kreuz auch aus der Sicht Satans und seiner Dämonen betrachten. Diese sehen das Kreuz als den Moment, in dem der Sohn ein für allemal der Schlange den Kopf zertrümmert hat. Für sie ist es der Moment, in dem Satan, der die Macht des Todes hatte, vom Herrn Jesus Christus vernichtet wurde. Jetzt hat dieser die Macht des Todes und ist das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende. Dämonen haben ihren eigenen Blick auf das Kreuz. Sie hatten geglaubt, es sei ihr Augenblick des Sieges, und einen Sekundenbruchteil später tauchte Jesus in der Grube auf, um seinen Triumph über sie zu verkünden. Er stellte seinen Sieg über Fürstentümer und Mächte und Herrscher offen zur Schau. So würde das Kreuz aus dem Blickwinkel der Dämonen aussehen.

Wir könnten das Kreuz sogar durch die Augen Jesu Christi betrachten. Er muss unerträgliche Qualen erlitten haben, als er die Sünden trug und abgelehnt wurde. Wir könnten das alles mitempfinden und würden ihn schreien hören: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Wir könnten das Kreuz auch als den Moment seiner Herrlichkeit sehen, denn er hatte gesagt: Wenn ich erhöht werde, werde ich alle Menschen zu mir ziehen. Wir könnten das Kreuz auch als die Bestätigung seines Wortes sehen, denn er hatte versprochen, dass er sterben würde, und sein Versprechen hatte sich erfüllt. Wir könnten es auch als den Moment seines größten Triumphs ansehen, als er der Schlange tatsächlich den Kopf zertrümmerte. Wir könnten es als einen großen Beweis seiner Liebe sehen, denn er sagte: „Größere Liebe hat niemand als die, dass einer sein Leben lässt für seine Freunde.“ Du kannst das Kreuz also aus vielen Blickwinkeln betrachten: entweder mit deinen eigenen Augen, mit den Augen der heiligen Engel, den Augen der gefallenen Engel, oder mit den Augen Christi; aber jedes Mal siehst du seine Herrlichkeit. Aber heute Morgen möchte ich das Kreuz in seiner Beziehung zu Gott, dem Vater betrachten. Was bedeutete das Kreuz für Gott? Wir wissen, was das Kreuz für uns bedeutete. Wir wissen, dass das Kreuz für die heiligen Engel bedeutete, dass sie eine neue Strophe für ihre großen Lobeshymnen erhielten. Wir wissen, dass das Kreuz für die Dämonen bedeutete, dass sie nicht länger die Kontrolle über ihr eigenes Schicksal hatten. Wir wissen, was das Kreuz für Christus bedeutete, aber was bedeutete es für Gott? Was ist Gottes Perspektive auf dieses große Ereignis? Wie stellte Christi Tod Gott dar und verherrlichte ihn? Um das zu verstehen, gehen wir zu Römer 3,24 und lesen: „sodass sie ohne Verdienst gerechtfertigt werden durch seine Gnade aufgrund der Erlösung, die in Christus Jesus ist. Ihn hat Gott zum Sühnopfer bestimmt, das wirksam wird durch den Glauben an sein Blut, um seine Gerechtigkeit zu erweisen, weil er die Sünden ungestraft ließ, die zuvor geschehen waren, als Gott Zurückhaltung übte, um seine Gerechtigkeit in der jetzigen Zeit zu erweisen, damit er selbst gerecht sei und zugleich den rechtfertige, der aus dem Glauben an Jesus ist. Wo bleibt nun das Rühmen? Es ist ausgeschlossen! Durch welches Gesetz? Das der Werke? Nein, sondern durch das Gesetz des Glaubens! So kommen wir nun zu dem Schluss, dass der Mensch durch den Glauben gerechtfertigt wird, ohne Werke des Gesetzes. Oder ist Gott nur der Gott der Juden und nicht auch der Gott der Heiden? Ja freilich, auch der Heiden! Denn es ist ja ein und derselbe Gott, der die Beschnittenen aus Glauben und die Unbeschnittenen durch den Glauben rechtfertigt.

Heben wir nun das Gesetz auf durch den Glauben? Das sei ferne! Vielmehr bestätigen wir das Gesetz.“ Dieser großartige Text sagt uns, was das Kreuz, was der Tod Christi, das Sühnewerk und das stellvertretende Opfer Christi — als er sein Blut vergoss — für Gott bedeutete. Dabei fallen vier Tatsachen auf:  Es verkündete Gottes Gerechtigkeit. Es verherrlichte die Gnade Gottes. Es offenbarte Gottes Beständigkeit und es bestätigte Gottes Wort. Wir feiern jetzt Gottesdienst und wollen Gott anbeten. Deshalb ist es nur richtig, dass wir bei unserer Anbetung das Kreuz in Beziehung zu ihm betrachten. Denn dann können wir ihn für seine Gerechtigkeit, seine Gnade, seine Beständigkeit und sein Gesetz, bzw. sein Wort anbeten.

Die erste Tatsache steht in Vers 24: Das Kreuz offenbarte Gottes Gerechtigkeit. „sodass sie ohne Verdienst gerechtfertigt werden durch seine Gnade aufgrund der Erlösung, die in Christus Jesus ist. Ihn hat Gott zum Sühnopfer bestimmt, das wirksam wird durch den Glauben an sein Blut, um seine Gerechtigkeit zu erweisen“. Christus starb am Kreuz, um Gottes Gerechtigkeit zu demonstrieren und zu verkünden.

Mit diesem extrem wichtigen Punkt haben sich die Menschen schon immer schwergetan. Denn wenn man Gott als gerechten Gott versteht und sich selbst als Sünder sieht, gerät man in eine sehr schwierige Lage. Denn wie kann ein sündiger Mensch mit Gott versöhnt sein? Die uralte Sehnsucht des Menschen ist doch, Gott zu erkennen. Wie kann ich also von Gott Vergebung erhalten und mit ihm versöhnt sein? Aus dieser Frage heraus entstand die Religion. Religion versucht, diesen Schrei des menschlichen Herzens zu stillen. Religion versucht, die Gottheit zu besänftigen, an die er glaubt, unter deren Autorität er sich fühlt und vor deren Urteil er sich fürchtet. Wie kann ich mit Gott versöhnt sein? Wie kann ich diesen rechtschaffenen, heiligen, gerechten Gott besänftigen? Wie kann ich seine Anforderungen an Heiligkeit, Vollkommenheit, Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit erfüllen und mit ihm versöhnt werden? 

Ein Sünder formulierte seine Überlegungen einmal auf folgende Weise: „Wenn ein Mensch mit ihm rechten wollte, so könnte er ihm auf tausend nicht eins antworten. Er hat ein weises Herz und ist von ungebrochener Kraft; wer hat ihm je getrotzt und ist heil davongekommen? Er versetzt Berge, und man merkt es nicht; er kehrt sie um in seinem Zorn. Er stört die Erde auf, so dass ihre Säulen erzittern. Er gebietet der Sonne, und sie geht nicht auf; er verschließt die Sterne mit einem Siegel. Er allein spannt den Himmel aus und schreitet auf Meereswogen einher. Er machte den Großen Bären, den Orion und das Siebengestirn, samt den Kammern des Südens. Er tut große Dinge, die unerforschlich sind, und Wunderwerke ohne Zahl. Siehe, er geht an mir vorüber, und ich sehe ihn nicht; er zieht vorbei und ich bemerke ihn nicht. Siehe, wenn er dahinrafft, wer kann ihn hindern? Wer kann ihm zurufen: Was machst du da? Gott lässt von seinem Zorn nicht ab; selbst Rahabs Helfer müssen sich unter ihm beugen. Wie viel weniger könnte ich ihm da antworten, und Worte finden, um mit ihm zu reden! Auch wenn ich im Recht wäre, könnte ich ihm nichts erwidern, sondern müsste meinen Richter um Gnade anflehen. Wenn ich rufe, wird er mir antworten? Ich glaube nicht, dass er auf meine Stimme hört; denn im Sturm zermalmt er mich und fügt mir ohne Ursache viele Wunden zu. Er lässt mich nicht einmal Atem holen, sondern sättigt mich mit bitteren Leiden. Kommt’s auf die Kraft des Starken an, siehe, er hat sie, und wenn aufs Recht, wer lädt mich vor.

Wenn ich mich auch rechtfertige, so wird mich doch mein Mund verurteilen. Und bin ich auch untadelig, so wird er mich doch für versehrt erklären.“ Das sind die Gedanken eines Mannes, der befürchtet, er könne nie mit Gott versöhnt sein. All die Vorschläge, wie der Mensch sich mit Gott versöhnen könnte, nennen wir Religion. Aber abgesehen vom Christentum geht es bei allen Religionen um menschliche Leistungen und Werke. Diese befriedigen weder Gott, noch treffen sie Vorkehrungen für uns. Sie versöhnen uns nicht mit ihm. Erinnerst du dich an Bildad, den Freund von Hiob? Er wiederholte Hiobs Ausruf: Wie kann ein Mensch mit Gott versöhnt und rein sein? Oder erinnerst du dich an die Frage von Paulus auf der Straße nach Damaskus, als er sagte: Was soll ich tun? Dieselben Worte riefen die, die Petrus zuhörten: Was sollen wir tun? Erinnerst du dich an die, welche Jesus hörten und sagten: „Was sollen wir tun, um die Werke Gottes zu wirken?“ Ebenso fragte auch der Kerkermeister in Philippi: „Was muss ich tun, um gerettet zu werden? Wie kann ich mit einem rechtschaffenen, heiligen, gerechten Gott zusammenkommen?“ Das war schon immer der Schrei des menschlichen Herzens. Aber wenn Gott sich nun einfach herablassen würde und den Menschen vergeben würde, dann wäre das ein Schlag gegen seine Gerechtigkeit. Dann könnte man sagen, Gottes Gerechtigkeit und seine Rechtschaffenheit sind launisch. Er sei mal so mal so, weil er manche Sünder richte und verdamme und andere vergebe. Man könne seiner Heiligkeit nicht trauen, und man könne nicht vertrauen, dass seine Gerechtigkeit absolut sei. Gott möchte jedoch, dass du weißt, dass jede Eigenschaft seines Wesens unveränderlich ist und dass seine Gerechtigkeit, Heiligkeit und Rechtschaffenheit unveränderlich, unwandelbar und absolut beständig sind. Und so ersann Gott einen Plan, der seine Gerechtigkeit demonstrieren und offenbaren sollte. In Vers 24 heißt es, dass wir gerechtfertigt und mit Gott versöhnt sind, und zwar durch seine Gnade aufgrund der Erlösung, die in Christus Jesus ist. Hör gut zu: Es gibt nichts, was ein Mensch tun kann, um mit Gott versöhnt zu werden oder seine Forderung nach Heiligkeit und Gerechtigkeit zu erfüllen. Nichts, was ein Mensch tun kann, würde Gottes Gerechtigkeit zufriedenstellen.

Wenn wir also nichts tun können, muss die Initiative von Gott kommen. Deshalb sagt Paulus, dass wir durch seine Gnade gerechtfertigt sind. Gott schenkt uns unsere Rechtfertigung und Rechtschaffenheit. Gott schenkt uns eine rechte Beziehung zu ihm. Wir konnten das nicht tun, weil wir seine gerechten Forderungen nach Vollkommenheit niemals erfüllen könnten. Denn Jesus sagte: „Seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.“ Und bei Jesaja heißt es: „Alle unsere Gerechtigkeit ist wie ein beflecktes Kleid.“ Selbst im besten Fall können wir nur wie ein beflecktes Kleid oder ein schmutziger Lumpen sein. Wir können niemals vollkommen sein, und deshalb können wir niemals eine Beziehung zu Gott erreichen, die Gott zufriedenstellt.

Also musste Gott uns ein Geschenk machen. Er musste uns das geben, was wir selbst nicht verdienen konnten. Das Wesen eines Geschenks ist, dass man es sich nicht verdient. Wenn du es verdient hast, ist es kein Geschenk, sondern dein Lohn. Er machte uns also ein Geschenk. Nun könnte aber jemand einwenden, dass Gott kein gerechter Gott sei, weil es nicht gerecht sei, dir ein Geschenk zu machen, wenn du es nicht verdient hast. Man könnte ebenfalls einwenden, dass Gott kein heiliger Gott sei, weil er deine Sünde übersieht. Oder Gott sei kein gerechter Gott, weil er deine Ungerechtigkeit duldet. Wenn Gott dich so annimmt, so wie du bist, würde es bedeuten, dass er seine Ansprüche gesenkt habe. Schon Paulus stellte fest, dass dieser Vorwurf einem Pharisäer sehr leicht über die Lippen käme. Aber Gott machte uns dieses Geschenk aus reiner Gnade. Das heißt, wir hatten es nicht verdient und trotzdem gab er es uns durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist. Das Wort Erlösung bedeutet Lösegeld. Lösegeld wird zum Beispiel fällig, wenn jemand ein Kind entführt und 200.000 Euro Lösegeld fordert. Um das Kind zurückzuerhalten, muss man diesen Preis zahlen. Lösegeld bedeutet demnach, dass man einen Preis zahlt, um jemanden freizukaufen. In der Antike wurde damit ein Sklave aus der Knechtschaft freigekauft. Und so sagt Gott: „Seht her, ich gebe euch das Geschenk einer richtigen Beziehung zu mir, das Geschenk der Vergebung der Sünden und das Geschenk des ewigen Lebens. Aber der Preis muss bezahlt werden. Und er wurde bezahlt in Christus Jesus.“ Es ist nicht so, dass Gott willkürlich oder launisch seine Gerechtigkeit, seine Rechtschaffenheit und seine Heiligkeit beiseiteschiebt und sagt: „Ich werde eine Zeit lang lieben und noch eine Weile gnädig sein und diese anderen Dinge ignorieren.“ Nein, so ist es nicht.

Gottes Heiligkeit, Gottes Gerechtigkeit und Gottes Recht können niemals außer Kraft gesetzt werden. Gott wird immer im Einklang mit seinem Wesen handeln. Darum wird alles, was er tut, sowohl was gut, gnädig und barmherzig sein, als auch heilig, gerecht und rechtschaffen. Wie erreicht Gott das? Das erreichte er dadurch, dass der Preis von Jesus Christus bezahlt wurde. Mit anderen Worten: Gott ist so heilig und gerecht, dass ein Preis für die Sünde gezahlt werden muss. Dieser Preis war festgesetzt, nämlich der Tod. Aber zugleich ist Gott so liebevoll, gnädig und barmherzig, dass er seinen eigenen Sohn gab, um diesen Preis zu bezahlen.

Auf diese Weise wurde sowohl der Gerechtigkeit Genüge getan, als auch der Gnade und Liebe. Sowohl die Heiligkeit als auch die Barmherzigkeit wurden befriedigt. Darum heißt es dann weiter in Vers 25, dass Gott Christus als Sühneopfer in seinem Blut öffentlich zur Schau stellte und ihn erhob. Alle konnten es sehen. Das Wort hilastērion im Griechischen bedeutet Genugtuung, Zahlung, Befriedigung. Am Ende von Vers 25 heißt es, dass Gott in der Vergangenheit nachsichtig über die früher begangenen Sünden hinweggegangen war. Aber auch dafür könnte Gott kritisiert werden: Wie kann er gerecht und heilig sein, wenn er die Sünde einfach übersieht?! Wie könnte er das tun und gleichzeitig gerecht sein? Wie könnte er, wie es in der Apostelgeschichte heißt, die Sünden all dieser Generationen einfach ignorieren? Wie könnte er das alles ertragen? Die Antwort ist, dass er das konnte, weil jemand den Preis dafür zahlen würde. Er konnte Sündern vergeben und trotzdem gerecht sein, weil der Preis bezahlt werden würde. Und damit wäre seiner Gerechtigkeit, Heiligkeit und Rechtschaffenheit Genüge getan. Manchen scheint es, als würde die göttliche Gerechtigkeit schlafen, als wäre die göttliche Rechtschaffenheit im Urlaub oder als läge die göttliche Heiligkeit im Koma. Denn die Menschen hier unten sündigen und kommen damit sogar davon. Sie leben und es geht ihnen gut. Wo ist der Lohn ihrer Sünde? Was ist damit, dass die Seele, die sündigt, die soll sterben? Und dann kommen auf einmal diese Prediger daher und sagen: Gott ist gnädig und liebevoll und barmherzig, er wird vergeben. Da kommt doch sofort die Frage auf: Moment mal, Gott ist doch heilig und gerecht, er kann doch nicht einfach Sünde übersehen. Das muss doch bestraft werden. Sünde kann doch nicht einfach entschuldigt oder ignoriert werden und sie verschwindet auch nicht einfach so. Und das stimmt. Kein noch so großes Maß an Optimismus, Liebe, Gnade oder Barmherzigkeit kann die Sünde beiseiteschieben oder aufhören, die Strafe dafür zu fordern. Ein heiliger Gott könnte niemals die Sünde umgehen und sich mit dem Bösen zufriedengeben. Und auch wenn er den Sünder zutiefst liebt, kann er ihm nicht vergeben, solange seine Gerechtigkeit nicht befriedigt ist. Es stellt sich also die Frage: Wie kann ein sündiger Mensch für einen gerechten Gott annehmbar werden? Jemand muss den Preis dafür bezahlen. Und Gott beschließt aus Liebe, nicht den Sünder zu bestrafen, sondern seinen Sohn zu bestrafen. So bleibt er seinem Wesen treu, bewahrt seinen Ruf und gibt gleichzeitig der Gnade Raum. Wenn der Sünder für seine eigene Sünde leiden würde, müsste er ewig leiden, denn selbst die Ewigkeit kann den Preis nicht bezahlen, sonst wäre die Ewigkeit endlich.

Aber Gott ist gnädig und bietet ein Opfer an. Jesus Christus starb den Tod, den du verdienst. Er, der keine Sünde kannte, wurde zur Sünde gemacht. Er starb an deiner Stelle und ist dein Stellvertreter. Er musste ein Mensch sein, um als Mensch zu sterben. Zugleich musste er Gott sein, um Tod und Sünde zu überwinden. Er musste als Gott-Mensch leiden. Deshalb sagte Jesus, dass der Menschensohn leiden und getötet werden müsse. Und auch die frühe Kirche predigte, dass Christus leiden musste, weil die Opfer aller Stiere und Böcke nicht ausreichten. In Hebräer 10 heißt es, dass durch das Blut von Stieren und Böcken kein Fleisch geheiligt würde. Diese Tieropfer waren nur ein Bild für das künftige Opfer. Kein Mensch konnte dies aus eigener Kraft erreichen. Und auch nichts, was du tust, wird Gott zufrieden stellen. Deshalb muss ein Preis gezahlt werden. Es ist der Preis des Blutvergießens und des Todes und Christus hat ihn bezahlt. In Psalm 49,8-9 heißt es: „und doch vermag kein Bruder den anderen zu erlösen; er kann Gott das Lösegeld nicht geben – zu teuer ist die Erlösung ihrer Seelen“. Der Preis ist höher als ein Mensch je bezahlen könnte, deshalb wurde er von Christus bezahlt. Kein Sünder konnte die Sünden seiner Mitsünder sühnen, also zahlte Christus, der Vollkommene, den Preis der göttlichen Gerechtigkeit und trug die Sünden der ganzen Welt. Der Tod Christi war also nicht nur ein Akt der Gnade, sondern auch ein Akt der Gerechtigkeit.

Bitte beachte, dass es in Vers 25 heißt, dass Christus die Versöhnung ist, die wirksam wird durch den Glauben an sein Blut. Und am Ende von Vers 26 rechtfertigt Gott denjenigen, der an Jesus glaubt. Das bedeutet, dass dieses bereitgestellte Opfer Christi uns durch den Glauben zu eigen wird. Es geschieht durch den Glauben. Das ist so wichtig und für unseren Glauben grundlegend. Wahrer Glaube ist, dass du dir das Werk Christi durch den Glauben aneignest. Gott stellte also am Kreuz seine Gerechtigkeit, seine Rechtschaffenheit und seine Heiligkeit zur Schau. Er ist so gerecht und so heilig, dass er dem Sünder zwar vergeben will, dies aber nur tun kann, wenn der Preis dafür bezahlt wird, selbst wenn der Preis von seinem eigenen Sohn bezahlt werden muss. So gerecht ist Gott. Man kann ihm niemals vorwerfen, dass er ungerecht oder unredlich sei. Seine Gerechtigkeit wurde durch das vollkommene, makellose Lamm befriedigt, das den vollkommenen Preis bezahlt hat. Wir wurden also nicht durch vergängliche Dinge erlöst, sondern durch das kostbare Blut Christi. Deshalb sehen wir im Kreuz die Gerechtigkeit und die Rechtschaffenheit Gottes.

Die zweite Tatsache ist, dass das Kreuz die Gnade Gottes verherrlicht. Das sehen wir in Vers 27. Und wieder mag jemand die Frage stellen: Wenn das alles Gottes Werk ist, welchen Anteil haben wir dann daran? Die Antwort ist, dass wir im Grunde nichts dazu beitragen und kein Platz für unser Rühmen bleibt. Deshalb heißt es auch: „Wo bleibt nun das Rühmen? Es ist ausgeschlossen!“ Es ist ausgeschlossen, weil die Erlösung ganz und gar Gottes Werk ist. Die Schrift macht das in Epheser 2,8-9 überdeutlich: „Denn aus Gnade seid ihr errettet durch den Glauben, und das nicht aus euch – Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme.“ Jeder Bestandteil der Erlösung ist Gottes Werk. Damit wir überhaupt glauben können, macht Gott sogar unseren Glauben erst lebendig und aktiviert ihn. Deshalb betont Paulus so stark, dass es keinen Raum für Prahlerei gibt. Durch das Gesetz der Werke? Nein, sondern Vers 27 sagt „durch das Gesetz des Glaubens“. Das ist eine bestimmte Art von Gesetz, wobei das Wort „Gesetz“ hier eher im Sinn von „Prinzip“ verstanden werden muss. Es ist nicht so sehr ein „Fiat“, ein Dekret, ein „es werde“, wie zum Beispiel bei den zehn Geboten oder irgendeinem anderen von Gott festgelegten Gesetz. Sondern es ist ein operatives Prinzip, das auf die gleiche Weise in Römer 7 und anderen Stellen verwendet wird. Paulus sagt, dass ihre Errettung nicht durch ihre eigenen Werke geschieht und sie sich deshalb nicht damit rühmen können. Dieses Gesetz des Glaubens, nach dem die Erlösung funktioniert, ist demnach ein methodisches Prinzip. Es ist nicht nach dem Prinzip der Werke, sondern nach dem Prinzip des Glaubens. Nur das Prinzip des Glaubens wird Gott verherrlichen, weil es dem Menschen alles aus der Hand nimmt. Und die Tatsache, dass wir nichts weiter tun können, als das Geschenk im Glauben anzunehmen, macht deutlich, dass es sich um ein Geschenk der Gnade handelt. Deswegen wird hier Gottes Gnade verherrlicht und der Einzige, der sich rühmen kann, ist Gott. Vers 24 zeigt, dass er uns aus Gnade ein Geschenk machte, das wir entweder annehmen oder ablehnen können. Wir haben nichts weiter damit zu tun, als es einfach anzunehmen. Damit zieht er denen den Boden unter den Füßen weg, die sagen: „Ich tue immer mein Bestes und lebe anständig. Ich bin ein guter Mensch, deshalb wird Gott mich sicher nicht übersehen.“

Paulus sagt einfach, dass alles Gottes Werk ist. Und in Vers 28 heißt es: „So kommen wir nun zu dem Schluss, dass der Mensch durch den Glauben gerechtfertigt wird, ohne Werke des Gesetzes.“ Der einzige Beitrag, den wir leisten, ist der Glaube, und selbst der Glaube ist etwas, das Gott in uns bewirkt. Deshalb sagt Paulus in 1. Korinther 15,10: „Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin“. Und ein Liederschreiber formulierte es folgendermaßen: „Mein Glaube fest sich bauen kann auf das, was Gott für mich getan. Ein froh Gefühl gar bald zerstäubt, Christus der ew’ge Felsen bleibt.“ Paulus bekräftigt also, dass das Prinzip, nach dem wir in Bezug auf die Erlösung handeln, das ‚Prinzip des Glaubens als Antwort auf die Gnade‘ ist. Wir schauen auf das Kreuz, und während Christus das Lösegeld für die Strafe zahlte, sehen wir dort neben Gottes Gerechtigkeit auch seine Gnade. Er tat alles, indem Christus den Preis zahlte und Gott uns nun entgegenkommt und uns Gnade schenkt. Wir können sie nur ablehnen oder annehmen. Dies ist das Herzstück der Erlösung: rettender Glaube. Dieses Thema zieht sich durch den ganzen Abschnitt durch: In Vers 24 heißt es: gerechtfertigt durch Gnade. Verse 25 und 26: Wir empfangen es durch den Glauben. Vers 27: Es ist nicht das Gesetz, sondern der Glaube. Vers 28: Es ist der Glaube, nicht das Gesetz. Er betont den Glauben sehr stark, weil der Glaube der Kern unseres Christentums ist. Du kannst deinen Glauben anhand eines kleinen Tests prüfen. Ich bin davon überzeugt, dass Gemeinden leider mit Menschen gefüllt sind, die einen Glauben haben, der sie nicht rettet. Jakobus nannte dies einen toten Glauben. In 2. Korinther 13,5 heißt es: „Prüft euch selbst, ob ihr im Glauben seid“. Wenn du nun sichergehen möchtest, dass dein Glaube echt ist, dann betrachte dich selbst und frage dich: Bin ich wirklich ein Christ? Habe ich dieses Geschenk wirklich angenommen, das Gott mir machte? Habe ich aufrichtig geglaubt? Wie kannst du in deinem Leben erkennen, ob dein Glaube echt ist? Worauf musst du achten und was sind die Anzeichen für echten Glauben? Zunächst einmal gibt es einige Dinge, die den rettenden Glauben weder beweisen noch widerlegen. Diese Dinge kann man als Christ oder als Nicht-Christ haben. Aber du musst um diese Dinge wissen, damit du nicht getäuscht wirst. Nummer eins: sichtbare Moral. Mit sichtbarer Moral meine ich, dass manche Menschen einfach gute Menschen sind. Sie können sehr religiös sein, wie zum Beispiel Mormonen, Katholiken oder andere Sekten oder Religionen. Solche erscheinen nach außen hin sehr moralisch. Sie sind ehrlich, aufrichtig in ihrem Handeln, und sie sind dankbar. Es sind einfach gute Menschen, freundlich, mit einer äußerlich sichtbaren Moral. Genau darauf stützten übrigens die Pharisäer ihre Hoffnung. Es sind liebevolle Menschen und einige von ihnen haben ein weiches Herz. Aber sie wissen nichts von Liebe und Dienst für Gott und empfinden auch nichts für ihn. Was immer diese Menschen tun oder lassen, hat nichts mit Gott zu tun. Diese Personen sind ehrlich im Umgang mit allen, außer mit Gott. Sie berauben niemanden außer Gott. Sie sind allen gegenüber dankbar und loyal, außer gegenüber Gott. Sie sprechen über niemanden verächtlich und vorwurfsvoll, außer über Gott.

Sie haben gute Beziehungen zu allen, außer zu Gott. Eine solche Person gleicht dem reichen Jüngling, der sagt: „Das alles habe ich gehalten. Was fehlt mir?“ Eine solche sichtbare Moral bedeutet daher nicht unbedingt gerettet zu sein. Menschen können ihr Verhalten verbessern und ändern, aber deshalb findet noch keine Erneuerung statt.

Zweitens: Eine weitere Sache, die den rettenden Glauben weder bestätigt noch widerlegt, ist intellektuelles Wissen. Intellektuelles Wissen ist kein Beweis für wahren Glauben. Die Erkenntnis der Wahrheit ist notwendig für die Errettung, und die sichtbare Moral ist die Frucht der Errettung, aber keines von beiden ist gleichbedeutend mit der Errettung. Du kannst alles über Gott oder über Jesus wissen. Du kannst wissen, dass er am Kreuz starb, dass er auferstand, dass er wiederkommen wird und so weiter. Und dennoch kannst du ihm den Rücken kehren. Der Schreiber des Hebräerbriefs schreibt in Kapitel sechs an solche, die all das wussten und Christus dennoch ablehnten. Und in Kapitel 10 sagt er: „Ihr tretet das Blut Christi mit Füßen, wenn ihr das nicht glaubt, von dem ihr wisst, dass es wahr ist.“ Ohne dieses Wissen wirst du nicht gerettet, aber dieses Wissen zu haben, rettet dich nicht unbedingt. Darum gibt es viele Menschen, die zwar die Heilige Schrift kennen und Wissen haben, aber trotzdem auf die Hölle zusteuern.

Drittens: religiöses Engagement. Auch religiöses Engagement ist nicht unbedingt ein Beweis für wahren Glauben. Paulus schreibt in 2. Timotheus 3,5 von Menschen, die den Anschein der Frömmigkeit haben, deren Kraft aber verleugnen. Ihre Frömmigkeit ist damit nur eine leere Form der Religion. So war es auch bei den Jungfrauen in Matthäus 25. Sie warteten und warteten und warteten auf die Ankunft des Bräutigams, der Christus ist. Aber trotz allen Wartens gingen sie nicht hinein, als er kam, weil das Öl in ihren Lampen fehlte und damit das, was am Nötigsten ist. Das Öl ist wahrscheinlich ein Symbol für das Innewohnen des Heiligen Geistes. Sie waren nicht erneuert. Sie waren zwar religiös, aber nicht wiedergeboren. Man kann also äußerlich sichtbare Moral, intellektuelles Wissen und religiöses Engagement haben, ohne dass dies auf echten Glauben hindeutet.

Viertens: aktiver Dienst. Bileam war ein Prophet. Saulus von Tarsus dachte, er diene Gott, indem er Christen tötete. Judas war ein öffentlicher Prediger und ein Apostel. Darum heißt es in Matthäus 7,22: „Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt und in deinem Namen Dämonen ausgetrieben und in deinem Namen viele Wundertaten vollbracht? Und dann werde ich ihnen bezeugen: Ich habe euch nie gekannt; weicht von mir, ihr Gesetzlosen!“ Also ist auch aktiver Dienst nicht unbedingt ein Beweis für den rettenden Glauben. Nummer fünf: Überführt-sein von Sünde. Viele Menschen fühlen sich wegen ihrer Sünde schlecht. Die ganze Welt ist voller Menschen, die sich durch und durch schuldig fühlen. Vor 15 Jahren kam es auf, dass viele Leute zum Psychologen gingen. Und man stellte fest, dass tatsächlich die meisten Leute, die zum Psychologen gingen, unter Schuldgefühlen litten. Darüber wurden sogar Bücher geschrieben und die Menninger-Klinik veröffentlichte eine enorme Menge an Material über all diese Menschen, die mit Schuldgefühlen beladen waren. Dabei haben die Psychologen dieser Welt überhaupt keine Antwort auf die Schuldfrage, weil die einzige Antwort das Evangelium ist. Deshalb wurde im Verlauf der letzten 15 Jahre eine neue Therapie entwickelt, wie Schuldgefühle beseitigt werden können. Das Resultat ist, dass es heute keine Menschen mehr gibt, die sich schuldig fühlen. Alles, was wir jetzt tun, ist, dass wir die Schuld auf jemand anderen abwälzen. Die neue Therapie besteht darin, die Person die in ihrem Inneren Schuld empfindet, ihrer Verantwortung für die Schuldgefühle zu entheben. Wir befreien sie von ihrer Schuld, indem wir Stolz, Selbstverwirklichung, Selbsterhöhung, Selbstruhm und Selbstachtung zur ultimativen Tugend machen. Und damit beseitigen wir die Notwendigkeit, sich schuldig zu fühlen. Wir entwickelten also eine ganz und gar gottlose, unchristliche, unbiblische Psychologie, die das Problem der Schuld aus der Welt schaffen sollte. Das hat auch Auswirkungen auf die Gemeinde, weil die Menschen nun vom Prediger erwarten, dass er nicht zu schuldigen Sündern über die Freiheit von Schuld spricht, sondern dass er egozentrischen Menschen Selbstachtung predigt. Das gesamte Klima hat sich verändert. Und unsere Botschaft wurde verzerrt, weil wir zugelassen haben, dass die Philosophie unserer Zeit eine neue Art von Sündern schuf, die sich nicht mehr schuldig fühlen. Dabei ist das Wichtigste, was man einem Haufen Sündern predigen kann und muss, dass sie wegen ihrem sündigen Leben den Anforderungen und dem Gesetz Gottes nicht genügen und dass sie deshalb Gottes Gericht erwartet. Aber diese Botschaft ist nicht beliebt, weil die neue Philosophie und die neue Psychologie Schuld längst abgeschafft haben. Die Menschen haben keine Schuldgefühle mehr, weil sie in der Therapie lernten, diese Schuld auf jemand anderen zu schieben, der ihnen etwas angetan hat. Und unabhängig davon, mit wem sie sprechen, werden sie unweigerlich sagen: „Ich bin missbraucht worden. Ich bin das Opfer, deshalb bin ich nicht dafür verantwortlich, wie ich bin.“ So wird der Sünder scheinbar von seiner Schuld befreit und zugleich vom direkten Zugang zum Evangelium abgehalten. Ich mochte Sünder lieber, als sie sich noch schuldig fühlten. Damals war es viel einfacher, mit ihnen umzugehen. Aber es gibt in der Tat auch heute noch Menschen, die sich wegen Sünde schuldig fühlen. Felix zum Beispiel zitterte unter der Predigt des Paulus, verließ aber trotzdem nicht seine Götzen. Der Heilige Geist überführt viele von Sünde, Gerechtigkeit und Gericht, und doch reagieren viele, die er überführt, nicht mit aufrichtiger und wahrer Buße. Manche bekennen vielleicht sogar ihre Sünden. Sie geben vielleicht sogar ihre Sünden auf und sagen: „Ich möchte nicht mehr so leben. Ich möchte mich verändern und besser werden, aber ich möchte dazu nicht unbedingt zum rettenden Glauben kommen.“

Das ist Veränderung ohne Wiedergeburt. Deshalb ist das Überführt-sein von Sünde kein schlüssiger Beweis für rettenden Glauben. Schließlich werden sogar die Dämonen von ihrer Sünde überführt. Das ist der Grund, warum sie zittern. Aber sie sind nicht gerettet.

Nummer sechs: Heilsgewissheit. Manche Menschen sagen: „Ich muss ein Christ sein. Ich fühle mich wie ein Christ, also glaube ich, dass ich einer bin.“ Aber denk doch einmal darüber nach: Wenn die Tatsache, dass du glaubst, ein Christ zu sein, dich zu einem Christen machen würde, dann könnte nie jemand getäuscht werden. Denn sobald du glauben würdest, dass du ein Christ bist, wärst du einer. Doch der ganze Sinn von Satans Täuschung besteht doch darin, Menschen im Glauben zu lassen, dass sie Christen seien, obwohl sie es nicht sind. Genau das ist doch der Punkt. Viele Menschen fühlen, dass sie gerettet sind und sind es doch nicht. Es gibt Millionen von Mormonen, Zeugen Jehovas und christlichen Wissenschaftlern, die glauben, dass sie auf dem Weg in den Himmel sind, aber das stimmt nicht.

Solche Menschen sagen: „Gott wird mich nicht verdammen. Ich fühle mich wohl in meiner Haut und habe die Gewissheit des Heils. Mir geht es gut.“ Aber das heißt gar nichts. Zu guter Letzt kommt Nummer sieben: der Moment der Entscheidung. Oft höre ich Leute sagen: „Ich weiß, dass ich Christ bin, weil ich mich ganz genau daran erinnere, wie ich diese Karte unterschrieben habe“. Oder „wie ich damals ein Übergabegebet gesprochen habe“. Oder „ich erinnere mich daran, wie ich im Gottesdienst nach vorne ging“. Oder „Ich weiß noch genau, wo ich war als ich es tat.“ Hör gut zu: Nur, weil du dich an einen solchen Moment erinnerst, heißt das noch lange nicht, dass dieser Moment etwas bedeutet oder dass diese Entscheidung rettend war. Niemandes Erlösung wird durch einen vergangenen Moment bestätigt. Menschen beteten, gingen in Gottesdiensten nach vorne, unterschrieben Kärtchen, gingen in Gebetsräume, ließen sich taufen und traten Gemeinden bei, ohne je zum rettenden Glauben zu finden. All dies waren einige der Nicht-Beweise, die den rettenden Glauben nicht wirklich beweisen. Aber was ist dann ein Beweis für rettenden Glauben?

Ich gebe dir dazu auch eine kurze Liste. Erstens: Liebe zu Gott. Der Nicht-Christ redet von oben herab, denn in Römer 8,7 steht, dass „das Trachten des Fleisches Feindschaft gegen Gott ist.“ Er ärgert sich über Gott und lehnt sich innerlich gegen ihn auf. Aber der Wiedergeborene wird den Herrn lieben mit ganzem Herzen, ganzer Seele, ganzem Verstand und ganzer Kraft. Seine Freude liegt darin, dass Gott vortrefflich ist. Ihm gilt die vorrangige und höchste Zuneigung seiner erneuerten Seele. Gott wird sein größtes Glück.

Übrigens besteht ein großer Unterschied zwischen einer solchen Liebe zu Gott und einer selbstsüchtigen Haltung, die nur auf das eigene Glück bedacht ist. Diese Selbstliebe sieht Gott nur als Mittel zu meinem Zweck. Der wirklich Gerettete sieht sich selbst als Mittel zum Zweck: nämlich um Gott zu verherrlichen. Jesus sagte in Matthäus 10,37: „Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert. Der ist nicht einmal mein Jünger.“ Liebst du Gott? Liebst du sein Wesen? Liebst du seine Herrlichkeit? Liebst du seinen Namen? Liebst du sein Reich? Liebst du seine Heiligkeit? Liebst du seinen Willen? Die höchste Liebe zu Gott ist der entscheidende Beweis für einen wahren Glauben. Erhebt sich dein Herz, wenn du sein Loblied singst, weil du ihn liebst?

Zweitens: aufrichtige Buße über Sünde. Eine wahre Liebe zu Gott muss folgerichtig einen Hass auf die Sünde beinhalten. Wenn ich jemanden liebe, bemühe ich mich um sein Wohlergehen. Wenn ich sagen würde: „Ich liebe meine Frau, aber es ist mir egal, was mit ihr passiert“, dann würdest du an meiner Liebe zweifeln. Wahre Liebe strebt das höchste Wohl des Anderen an. Wenn ich also sage, ich liebe Gott, dann muss ich die Sünde hassen. Denn Sünde beleidigt Gott. Sünde lästert Gott. Sünde verflucht Gott. Sünde versucht Gott, sein Werk und sein Reich zu zerstören. Es war die Sünde die den Sohn tötete. Wenn ich nun behaupten würde, Gott zu lieben, und würde zugleich Sünde tolerieren, dann hättest du allen Grund, meine Liebe in Frage zu stellen. Ich kann Gott nicht lieben, ohne das zu hassen, was ihn zerstören will.

Echte Buße beinhaltet also, dass ich meine Sündhaftigkeit bekenne und mich von der Sünde abkehre. Bin ich über meine Sünde betrübt? Bin ich fest davon überzeugt, dass Sünde wirklich schlecht ist? Erscheint mir die Sünde als so böse und bitter, wie sie tatsächlich ist? Werde ich innerlich immer mehr von Sünde überführt, während ich mit Christus wandle? Hasse ich Sünde? Nicht nur, weil sie meiner eigenen Seele schadet, sondern weil sie meinen Gott, den ich liebe, beleidigt? Wenn ich sündige: Betrübt es mich mehr, dass ich sündige, als die Schwierigkeiten die das mit sich bringt? Oder anders ausgedrückt: Was betrübt mich mehr, mein Unglück oder meine Sünde? Sind meine Sünden zahlreich, häufig und schwerwiegend? Bin ich mehr über meine eigene Sünde betrübt als über die Sünde anderer? Wenn das so ist, dann ist das ein Zeichen der Errettung und eines wahren rettenden Glaubens. Ich liebe Gott und hasse, was Gott hasst, nämlich die Sünde. Drittens zeigt sich wahrer Glaube in echter Demut. Das wird deutlich in den Seligpreisungen, wo es um die Armen im Geiste geht. Damit sind jene gemeint, die nach Rechtschaffenheit hungern und dürsten. Sie sind laut Matthäus 18,1-4 wie kleine Kinder: demütig und abhängig. Sie verleugnen sich selbst und sind bereit, ihr Kreuz auf sich zu nehmen und ihm zu folgen.

Der Herr nimmt die auf, die mit einer zerbrochenen und zerknirschten Haltung kommen. Jakobus sagt, dass Gott den Demütigen Gnade gibt. Wir müssen wie der verlorene Sohn zu Gott kommen, der in Lukas 15,21 sagte: „Vater, ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen.“ In Bezug auf unsere religiösen Leistungen gibt es keinen Stolz und kein Ego. Wir sollten unsere geistlichen Aufgaben mit echter Demut erfüllen. Viertens: Hingabe an Gottes Ehre kennzeichnet echte Errettung. Wahrer rettender Glaube und echte Errettung zeigen sich in der Hingabe an Gottes Herrlichkeit. Ob wir essen oder trinken oder sonst etwas tun, wir werden buchstäblich von Gottes Herrlichkeit verzehrt. Wir tun, was wir tun, weil wir ihn verherrlichen wollen. Natürlich versagen wir in all diesen Dingen. Aber unser Leben ist darauf ausgerichtet, ihn zu lieben und die Sünde zu hassen. Unser Leben ist darauf ausgerichtet, wahrhaftig demütig zu sein und uns selbst zu verleugnen. Es ist darauf ausgerichtet, unsere eigene Unwürdigkeit zu erkennen und uns ganz der Herrlichkeit Gottes hinzugeben.

Nummer fünf: beständiges Gebet. Demütiges, unterwürfiges, gläubiges Gebet kennzeichnet den wahren Glauben. Wir rufen „Abba Vater“, weil der Geist in uns diesen Schrei hervorruft. Johnathan Edwards hielt einst eine Predigt mit dem Titel „Heuchler erfüllen nicht die Pflicht des geheimen Gebets“. Und das stimmt. Heuchler lieben es, öffentlich zu beten, um damit Menschen zu beeindrucken. Aber sie erfüllen nicht die Pflicht des geheimen Gebets. Ein wahrer Gläubiger mit echtem rettendem Glauben jedoch sucht die Gemeinschaft mit Gott und hat ein privates und ganz persönliches Gebetsleben.

Nummer sechs: Ein weiteres Merkmal rettenden Glaubens ist selbstlose Liebe. Johannes fragt: Wenn du deinen Nächsten nicht liebst, sei es ein Bruder oder ein Bedürftiger, wie sollen wir dann glauben, dass Gottes Liebe in dir wohnt? Und in 1. Johannes 3 sagt er: Wenn du Gott liebst, wirst du lieben, wen Gott liebt. Wir lieben den, den Gott liebt. Das ist unsere Antwort darauf, dass er uns liebt. In Johannes 13 sagt Jesus: „Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.“

Nummer sieben: Die Trennung von der Welt. Paulus sagte den Korinthern, dass wir nicht den Geist der Welt empfangen haben, sondern den Geist, der von Gott kommt. Und Johannes drückte es in 1. Johannes 2,15 so aus: „Habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist! Wenn jemand die Welt lieb hat, so ist die Liebe des Vaters nicht in ihm.“ Ein wahrer Gläubiger ist von der Welt getrennt. Wie ich schon sagte, versagen wir in all diesen Bereichen, aber trotzdem bewegt sich unser Leben in diese Richtung. Wir sind bei weitem noch nicht perfekt und sind noch nicht angekommen, aber wir lieben Gott und wollen ihn noch mehr lieben. Wir hassen die Sünde und wollen sie noch mehr hassen. Wir besitzen echte Demut und wollen mehr davon. Wir haben uns Gottes Herrlichkeit verpflichtet. Wir haben ein privates und persönliches Gebetsleben und eine Liebe für andere, die von Gott kommt. Und normalerweise sind wir von der Welt distanziert. Nummer acht: geistliches Wachstum. Wenn du ein echter Christ bist, wirst du wachsen. Das bedeutet, dass du Christus immer ähnlicher wirst. Leben bringt Leben hervor und wenn du lebendig bist, wirst du definitiv wachsen.

Du wirst dich bessern, du wirst zunehmen, du wirst wachsen, denn Philipper 1,6 sagt, dass der, der das neue Werk begonnen hat, es auch vollenden wird. Darum wird es immer weitergehen und du wirst dich immer weiterbewegen. Der Geist wird dich von einer Stufe der Herrlichkeit zur nächsten bringen, also schau dir dein Leben an. Siehst du geistliches Wachstum? Kannst du erkennen, dass die Sünde weniger häufig wird und dass du an Rechtschaffenheit und Hingabe an Gott zunimmst? Zu guter Letzt kommt Nummer neun: Gehorsam. Wir leben im Gehorsam und wie in Johannes 15,2 bringt jede Rebe an Christus Frucht. In Epheser 2,10 schreibt Paulus, dass wir seine Schöpfung sind, „erschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen.“ Das ist Gehorsam. Wir wurden zum Glaubensgehorsam gerettet.

Betrachte dein Leben genau. Kannst du all diese Dinge darin erkennen, einschließlich selbstloser Liebe, Trennung von der Welt, geistlichem Wachstum und Gehorsam? Wenn das der Fall ist, dann hast du den Beweis für einen rettenden Glauben. 

Nun kehren wir zu unserem Text in Römer 3 zurück. Das Kreuz verkündet Gottes Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit. Es verherrlicht Gottes Gnade, die uns durch den Glauben angeeignet wird. Drittens offenbart das Kreuz Gottes Beständigkeit. Das sehen wir in Vers 27. Die Juden sagen: „Wir werden durch die Werke des Gesetzes gerechtfertigt!“. Und nun kommt Paulus daher und predigt den Heiden, dass sie durch Glauben gerechtfertigt würden.

Deshalb fragt Paulus: „Hat Gott wohl zwei unterschiedliche Wege?“ Verlangt er von ihnen Werke und von den anderen Gnade und Glauben? Ist Gott gegenüber den Heiden ein barmherziger, rettender Gott, aber den Juden gegenüber ein gesetzlicher, verurteilender Gott? Gibt es zwei verschiedene Arten der Erlösung? Nun glaubten die Juden natürlich, dass sie durch ihre Werke gerettet würden. Daher kamen sie zu dem Schluss, dass Paulus einen neuen Weg des Heils predigte, der nicht mit Gottes Weg vereinbar war.

Deshalb fragt Paulus „ist Gott nur der Gott der Juden? Nein! Ist er nicht auch der Gott der Heiden? Ja, absolut!“ Jesaja 54 sagt, dass Gott ein Gott der ganzen Erde genannt werden soll. Gott ist also der Gott aller Menschen. Und auch in Jeremia 16,19 heißt es, dass die Heidenvölker zu ihm kommen werden von den Enden der Erde. Oder Sacharja 2,15 sagt: „An jenem Tag werden sich viele Heidenvölker dem Herrn anschließen, und sie sollen mein Volk sein“. Sie wussten also, dass er der Gott der Juden und Heiden war. In Vers 30 sehen wir, dass Gott „ein und derselbe“ ist. Im Griechischen ist die Reihenfolge wie folgt: Gott rechtfertigt die Beschnittenen, also die Juden, durch den Glauben, und dann rechtfertigt er die Unbeschnittenen ebenfalls durch den Glauben. Daran kannst du erkennen, wie beständig Gott ist. Du schaust auf das Kreuz. Und weil Gott einer ist und er der Gott aller Menschen ist, und weil er der Gott der Juden und der Heiden, gibt es auch nur einen Weg des Heils. Er wird alle durch den Glauben rechtfertigen. Gott rettet alle auf dieselbe Weise, so, wie er es schon immer tat. Er rettete immer durch den Glauben, unabhängig von Werken. Er ist ein und derselbe Gott mit einem einzigen Weg der Errettung für alle Menschen.

Gott ändert sich nie, er ist absolut beständig. Das Kreuz führt keinen neuen Weg des Heils ein. Sondern es bedeckte einfach die Sünden aller früheren Gläubigen, sowie die aller zukünftigen Gläubigen, die durch den Glauben dazukamen und noch kommen. Wie wurde Noah gerettet? Im ersten Buch Mose heißt es, dass Noah Gnade fand in den Augen des Herrn. Wie wurde Mose gerettet? Im zweiten Buch Mose heißt es, dass auch er Gnade fand in den Augen des Herrn. Wie wurde Abraham gerettet? Römer 4,3 sagt: „Abraham aber glaubte Gott und das wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet.“ Das wird schon in 1. Mose 15 deutlich. Es ist immer dasselbe: Wir werden aus Gnade durch den Glauben gerettet. Im Alten Testament glaubten sie das, was Gott bis dahin offenbart hatte. Sie hatten Christus noch nicht. Im Neuen Testament hatten sie Christus, und trotzdem wurde und wird niemand je auf eine andere Weise gerettet werden als allein durch den Glauben. Immer bat und bietet Gott gnädig Vergebung durch das Opfer seines Sohnes an, das die Sünden der Sünder vor und nach Christus bedeckt. Das Kreuz erklärt also aus der Sicht Gottes seine Gerechtigkeit, verherrlicht seine Gnade und offenbart seine Beständigkeit.

Und zu guter Letzt sagt Vers 31, dass das Kreuz das Gesetz Gottes bestätigt. Einige Juden werden sagen, dass man ja dann das Gesetz weglassen könnte, wenn doch die Erlösung aus Gnade durch den Glauben erfolgt. Denn wenn es keine Werke gibt, dann ist das Gesetz nutzlos und sinnlos. Wozu braucht man das Gesetz, wenn man doch nicht durch das Halten des Gesetzes gerettet werden kann? Macht man dann nicht das Gesetz ungültig? Doch dazu sagt Paulus im Griechischen: me genoito. Das heißt nein, nein, nein, nein! „Das sei ferne! Vielmehr bestätigen wir das Gesetz.“ Damit meint er, dass die Tatsache, dass Jesus Christus am Kreuz hing, um die Strafe für die Sünde zu bezahlen, aufzeigen sollte, wie ernst es Gott mit dem Gesetz ist. Das Gesetz fordert den Tod für die Sünde. Und selbst wenn es das Leben seines eigenen Sohnes kosten würde, um diese Forderung zu erfüllen, würde Gott diesen Preis bezahlen. Der Tod Christi beweist, dass sein Gesetz heilig und gerecht ist. Nichts spiegelt das heilige Gesetz Gottes besser wider als der Tod Christi. Es war Gottes Gesetz, das ihn dorthin brachte, weil alle Verstöße gegen dieses Gesetz mit einer Strafe belegt werden mussten. Gott konnte nicht gegen sein Gesetz oder das Strafmaß verstoßen und hängte deshalb Christus ans Kreuz. Darum ist das Gesetz Gottes heilig, gerecht und gut. Es ist der Maßstab, nach dem wir leben sollen.

Der Zweck des Gesetzes war, uns die Sünde aufzuzeigen. Und das tut es. Der Zweck des Gesetzes war, uns Gottes Muster für ein heiliges Leben zu zeigen, und auch das tut es. Seine Forderung nach Tod wurde von Christus bezahlt und erfüllt. Und seine Forderung nach Leben wird durch die Erlösung ermöglicht und erfüllt. Das Kreuz ist also eine großartige Bestätigung des Gesetzes. Schau dir das Kreuz an. Es ist alles zu seiner Ehre. Du kannst darin Gottes Gerechtigkeit, Gottes Gnade, Gottes Beständigkeit und Gottes Gesetz erkennen. Kein Wunder, dass die Reformatoren sagten: Sola gratia, sola fide, soli Deo gloria, allein durch Gnade, allein durch Glauben, allein zur Ehre Gottes. Und der Liederdichter sagte: „Oh, welch ein Retter ist mein, in ihm zeigt sich Gottes Erbarmen. Seine Liebe wird nie zu Ende sein, und er liebt mich“.

Ihr Lieben, es ist ein kostbarer Schatz, die Erlösung so zu sehen, wie Gott sie sieht. Die Erlösung auf diese Weise zu sehen bringt uns auf den Weg zur Anbetung. Wir beten unseren großen Gott an für das, was er für uns getan hat. Wir schätzen ihn und bringen unsere Liebe und Zuneigung zum Ausdruck. Wir neigen uns zum Gebet.

Unser Vater, jemand drückte es so aus: „Wenn vor deinem Thron stehe ich steh, gekleidet in deine Schönheit und ich dich seh, wie du bist, und voller Liebe, lieb ich dich, frei aller Sündentriebe. Dann, o Herr, nur dann allein, versteh ich’s völlig, dein Schuldner zu sein.“ Wir beten dich an. Wir bewundern dich. Wir drücken dir unsere Liebe und Zuneigung aus. Wir preisen dich für diese große Rettung, die du für uns vorgesehen hast. Wenn du Christus nicht kennst, aber das Heil empfangen willst, das er anbietet, die Vergebung der Sünden und das ewige Leben, dann kannst du still in deinem Herzen sagen: mein Herr und mein Gott, ich glaube an Jesus Christus. Ich glaube, dass er, Gott in Menschengestalt, am Kreuz gestorben ist, um die Strafe für meine Sünde zu bezahlen. Ich glaube, dass er auferstanden ist, vollkommene Genugtuung geleistet hat und ich in seinem Namen das Geschenk der Erlösung empfange. Ich wende mich von meiner Sünde ab und verpflichte mich, ihm zu folgen. Wir beten dieses Gebet, und möge euch an diesem Tag das wahre Heil zuteilwerden. Amen.

 

ENDE

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