Weil ich das Neue Testament abgeschlossen habe, muss ich jetzt nicht mehr über irgendetwas predigen, sondern darf predigen über was ich will. Das bringt mich völlig durcheinander, denn nun muss ich selbst entscheiden, worüber ich predigen möchte. Das ist eine ganz neue Erfahrung für mich, und ich arbeite daran, eine sinnvolle Reihenfolge zu finden. An diesem Punkt in meinem Leben kann ich alles tun, was mir am Herzen liegt. Das eröffnet mir eine wunderbare Gelegenheit. Ich wollte das Thema des Heiligen Geistes schon lange angehen, konnte es aber in den Predigtserien durch die Evangelien nur am Rande behandeln. Doch jetzt habe ich endlich die Möglichkeit, speziell über den Heiligen Geist zu predigen.
In den vergangenen 25 Jahren predigte ich durch die vier Evangelien hindurch und betonte dementsprechend natürlich die Person Christi. Genauso hob ich den Charakter und das Wesen Gottes hervor, wie es sich in Christus offenbart und auch an anderen Stellen in der Heiligen Schrift zu sehen ist. Jetzt ist es an der Zeit, die dritte Person der Trinität zu ehren, nämlich den Heiligen Geist. Der Heilige Geist ist die am meisten vergessene, am meisten falsch dargestellte, am meisten entehrte, am meisten betrübte, am meisten missbrauchte und man könnte sogar sagen, die am meisten gelästerte Person der Dreieinigkeit. Das ist leider die traurige Wahrheit.
Als unser Herr in Johannes 2 den Tempel reinigte, erfüllte er damit eigentlich Davids Haltung aus Psalm 69, wo dieser schrieb: „Denn der Eifer um dein Haus hat mich verzehrt, und die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen.“ Unser Herr wollte damit sagen: Wenn Gott entehrt wird, tut mir das weh. Ihr habt das Haus meines Vaters in eine Räuberhöhle verwandelt, das doch eigentlich ein Haus des Gebets sein sollte. Ihr habt das Haus meines Vaters verunreinigt, den Namen meines Vaters gelästert und entehrt. Ich selbst empfinde schon lange dasselbe in Bezug auf den Heiligen Geist. Natürlich bin ich traurig, wenn Gott entehrt wird, und es tut mir weh. Und ich bin traurig, wenn Christus entehrt wird.
In der heutigen christlich-evangelikalen Gemeindekultur haben die Menschen weniger Hemmungen, den Namen Gottes und den Namen Christi zu entehren. Aber in Bezug auf den Heiligen Geist glauben sie sogar noch mehr, völlig freie Hand zu haben, seinen Namen zu entehren und zu missbrauchen. Das kommt sehr häufig vor. Ich bin nicht hier, um den Heiligen Geist zu verteidigen, denn der kann sich selbst verteidigen. Aber ich bin hier, um zu sagen, dass die Schmähungen gegen seine heiligen Namen auch auf mich fallen. Am meisten kommt das in den bekennenden Pfingstgemeinden und charismatischen Gemeinden vor. Diese meinen, sie besäßen die völlige Freiheit, den Heiligen Geist zu missbrauchen und sogar seinem heiligen Namen zu lästern. Deshalb tun sie das ständig.
Wie tun sie das? Sie lästern den Heiligen Geist, indem sie ihm Dinge zuschreiben, die nicht das Werk des Heiligen Geistes sind. Sie schreiben ihm Worte zu, die er nicht gesagt hat, sie schreiben ihm Taten zu, die er nicht getan hat, und sie schreiben ihm Erfahrungen zu, die er nicht hervorgerufen hat. Sie sagen, dass zahllose menschliche Erfahrungen vom Heiligen Geist kommen, aber dabei sind sie bizarr oder emotional oder sogar dämonischer Art. Dem Heiligen Geist werden fälschlicherweise Visionen zugeschrieben, Offenbarungen, Stimmen aus dem Himmel, Botschaften des Geistes durch übernatürliche Mittel, Träume, Zungenreden, Prophezeiungen, außerkörperliche Erfahrungen, Reisen in den Himmel, Salbungen und Wunder. All das ist falsch, eine Täuschung und eine Lüge — wird aber dem Heiligen Geist zugesprochen.
Ihr wisst genug, um zu wissen, dass Gott nicht auf unrechte Weise angebetet werden will. Gott will für das angebetet werden, was er ist und für das, was er getan hat, so wie er es verkündet hatte. Aber diese Bewegung nimmt darauf keine Rücksicht und behauptet, dass der Heilige Geist Dinge sage, tue, oder bewirke, die überhaupt nichts mit ihm zu tun haben. Der Missbrauch des Heiligen Geistes hat Hochsaison und er wird auf ungeheuerliche Art und Weise entehrt. Dabei ist es eine schändliche und überaus gefährliche Sünde, den Heiligen Geist derart zu missbrauchen. Allein der Gedanke, den Heiligen Geist zu entehren, sollte eigentlich jeden vernünftigen Menschen erzittern lassen. Insgesamt scheinen die Menschen weniger daran interessiert zu sein, zu behaupten, dass Gott oder Christus bestimmte Dinge tun oder sagen würden. Hingegen stellen sie sehr gerne Behauptungen auf, dass der Heilige Geist dies oder jenes sage oder bestimmte Dinge hervorbringe und verursache. Und diese Dinge, die dem Heiligen Geist zugeschrieben werden, scheinen keine Schranken zu haben.
Um das zu verstehen, schauen wir uns Matthäus 12,31-32 an, wo das Gegenteil beschrieben wird. Dort begingen die Führer Israels die nicht vergebbare Sünde. Was ist die nicht vergebbare Sünde? Es ist die Sünde, dass sie das Wirken des Heiligen Geistes dem Satan zuschrieben. Was heute geschieht, ist das Gegenteil, nämlich dass dem Heiligen Geist das Wirken Satans zugeschrieben wird. Satan lebt und arbeitet mit Täuschung, falschen Wundern, schlechter Theologie, lügnerischen Visionen, lügnerischen Träumen und Offenbarungen, sowie trügerischen Lehrern, die es auf Geld, Macht und Einfluss abgesehen haben. Er ist lebendig und wohlauf, und dieses sein Werk wird dem Heiligen Geist zugeschrieben. Das ist schwere Gotteslästerung, ebenso wie es schwere Gotteslästerung ist, dem Satan das Wirken des Heiligen Geistes zuzuschreiben.
Ich könnte euch gar nicht alle diesbezüglichen Beispiele aufzählen. Ihr habt selber genug davon vor Augen. Wenn ihr den Fernseher einschaltet, könnt ihr euch jede beliebige Litanei dieser trügerischen Lehrer anschauen. Um ihren ganzen Lügen Glaubwürdigkeit zu verleihen, verbinden sie sie mit dem Heiligen Geist – als wäre es ein Gratisgeschenk, als gäbe es für diese Art von Lästerung keinen Preis zu zahlen.
Aber ein Beispiel möchte ich euch nennen, denn die jüngste Welle dieser Entwicklung gewinnt immer mehr an Fahrt. Sie schaffte es sogar in die nationalen Nachrichten. Dabei handelt es sich um eine neue Form von Charismatikern, die den Heiligen Geist in Verruf bringen. Sie wird als Neue Apostolische Reformation bezeichnet - die NAR. Dabei ist sie weder neu, noch ist sie apostolisch. Und sie ist auch keine Reformation. Es ist wie mit dem Trauben-Nuss-Müsli – es sind weder Trauben noch Nüsse drin. Und es ist wie mit der Christlichen Wissenschaft, die weder christlich noch wissenschaftlich ist. Die Neue Apostolische Reformation ist also weder neu noch apostolisch, und sie ist keine Reformation. Aber es handelt sich um eine schnell wachsende Bewegung. Sie wird von einigen derselben beunruhigenden Irrlehrer und falschen Führer hervorgebracht, die seit Jahrzehnten bei den Charismatikern unterwegs sind. Und immer entehren sie den Heiligen Geist und die Heilige Schrift und beanspruchen Zeichen, Wunder, Träume und Visionen für sich. Das sind neben Peter Wagner die Kansas City „Propheten“ wie Mike Bickle, Cindy Jacobs, Lou Engle, und viele, viele weitere.
Das Ganze wächst sogar so schnell, dass es inzwischen ein Netzwerk von 50 Staaten umfasst. Es ist eine neue Art von Charismatik, als wäre sie voll gedopt. Ein Autor nannte es Charismatik mit einem Schuss Adrenalin. Ihre grundlegende Behauptung ist, dass ihnen der Heilige Geist offenbart habe, dass wir im Jahr 2001 in das zweite apostolische Zeitalter eingetreten seien. Was bedeutet das? Das würde bedeuten, dass die lange verlorenen Ämter der neutestamentlichen Propheten und Apostel wiederhergestellt worden seien. Und es würde bedeuten, dass der Heilige Geist seit 2001 bestimmten Menschen in dieser Gemeindegeneration die Macht der Prophetie und die Macht und Autorität eines Apostels gegeben hätte. Mir erscheint das sehr merkwürdig, dass der Heilige Geist diese Dinge Menschen geben sollte, die eine völlig unbiblische und verdrehte Theologie haben. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Heilige Geist keine falschen Lehrer beglaubigen würde, also wissen wir, dass es nicht der Heilige Geist dahintersteckt. Aber genau das behaupten sie. Der Heilige Geist wird für alles verantwortlich gemacht und das ist lediglich der neueste Trend.
So besitzen sie seit 2001 zum Beispiel die gleiche Autorität wie die Apostel. Sie haben die gleiche Macht, um Wunder zu tun, die die Apostel durch den Heiligen Geist hatten. Und einige von ihnen würden in die Kategorie der Propheten fallen, andere in die Kategorie der Apostel. Sie behaupten sie sagen das, was der Heilige Geist ihnen offenbart mit derselben Autorität wie die ursprünglichen Apostel. Einer dieser neuen Apostel behauptet, dass er den Rinderwahn in Deutschland gestoppt habe und deswegen Autorität und Macht weltweit gezeigt habe. Die gesamte Bewegung ist durch übermäßig ekstatisches, bizarres Verhalten gekennzeichnet wie z. B. Emotionen, die Amok laufen, sowie alle möglichen Arten von verrückten Enthüllungen und Verhaltensweisen. Peter Wagner ist der Vater dieser Bewegung. Er war im Laufe der Jahre an allen möglichen Irrwegen beteiligt, unter anderem an der Gründung der Gemeindewachstumsbewegung. Aus dieser ging die allgegenwärtige Pragmatismus-Bewegung hervor. Ihr Einfluss nahm immer mehr zu und sprang vor kurzem auf die politische Ebene über.
Dies geschah folgendermaßen: Vor einigen Wochen fand in Houston ein Gebetsfrühstück statt, von dem ihr vielleicht schon gelesen habt. Die Veranstaltung wurde von der Neuen Apostolischen Reformation und ihren Führern und Gästen gesponsert. Der Hauptredner war Rick Perry, der für die Republikaner für das Amt des Präsidenten kandidiert. Diese Veranstaltung wurde von zwei Pastoren geleitet, zwei Aposteln, denen vom Heiligen Geist das Apostelamt übertragen worden war. Sie riefen im Büro von Rick Perry, dem Gouverneur des Bundesstaates Texas, an und teilten ihm mit, dass der Herr ihnen etwas durch den Heiligen Geist offenbart habe. Texas sei der Staat, den Gott dazu auserwählt habe, die Vereinigten Staaten in eine Erweckung und eine gottesfürchtige Regierung zu führen, und Rick Perry solle darin eine Schlüsselrolle spielen. Bei dieser Veranstaltung legten diese beiden Apostel der Neuen Apostolischen Reformationsbewegung Rick Perry die Hände auf und beteten für ihn. Sie behaupteten, dass Gott direkt zu ihnen sprechen und ihnen konkrete Anweisungen geben würde. Und wenn wir Menschen nicht auf diese göttliche Offenbarung hören würden, würde es mehr Erdbeben, mehr Terroranschläge und schlechtere wirtschaftliche Bedingungen geben.
Wenn wir jedoch auf sie hören würden, würden gute Dinge geschehen. Als Beispiel dafür behaupteten sie, dass sie es gewesen seien, die Texas nach der Dürre ein wenig Regen beschert hätten. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen, jemand hätte die Hintertür des Irrenhauses geöffnet. Einer dieser Apostel sagt, die Demokratische Partei werde von Isebel und drei geringeren Dämonen kontrolliert. Sie sehen Dämonen an öffentlichen Orten und konfrontieren sie mit aufwendigen Ritualen, Brandeisen, Pflöcken und Senkbleien. So zogen sie durch den ganzen Staat Texas, rammten Pfähle in den Boden, brandmarkten bestimmte Dinge und beanspruchten jeden Bezirk in Texas für Gott. Einer von ihnen sagt, ich zitiere: „Wir sind zur Weltherrschaft berufen“. Sie gingen zu jeder Freimaurerloge in Texas, um den Dämon Baal auszutreiben, weil der Dämon Baal die Freimaurer kontrolliere.
Auf einem Treffen in Houston im Jahr 2009 sei durch die Salbung des Heiligen Geistes Isebel sichtbar geworden. Eine Frau namens Alice Patterson, eine dieser Apostelinnen, schrieb ein Buch mit dem Titel Die rassische und politische Kluft überbrücken. Es klingt wie ein politisches Buch und wurde 2010 veröffentlicht. Darin sagt sie, sie habe Isebel gesehen. Isebel habe ihren Rock hochgehoben, und als Isebel ihren Rock hochhob entblößte sie, ich zitiere, „den kleinen Baal, Aschera und ein paar andere Dämonen, kleine, kauernde, zitternde Geister, die bis zum Knöchel hoch auf Isebels dünnen Beinen saßen“, Zitatende. Das steht in einem Buch mit dem Titel Die rassische und politische Kluft überbrücken. Und all das wird dem Wirken des Heiligen Geistes zugeschrieben, der all diese Dinge offenbare.
Aber ihr wisst, woher das alles kommt. Auch hier wurde dem Heiligen Geist das Wirken Satans zugeschrieben. Ich bin mir nicht sicher, was Rick Perry über all das weiß oder nicht weiß. Im Wahljahr nimmt man Gebete von jedem an, vor allem, wenn man sich nicht sicher ist, worum es eigentlich geht. Aber das ist nur ein Beispiel für die Entgleisungen, die immer wieder im Namen des Heiligen Geistes stattfinden, als wären es Dinge, die er tun würde. Diese Form der Lästerung des Heiligen Geistes ist wirklich erschreckend. Nach vielen anderen Formen ist diese hier die Neueste, die in den Medien zu finden ist.
Ich erinnere mich, dass ich zu Beginn meines Dienstes viele Jahre lang herumgereist bin. Nach meinem College-Abschluss, während meiner Zeit an der Bibelschule und noch einige Jahre danach reiste ich umher und sprach vor Jugendgruppen, Hochschulgruppen, Studentengruppen und Kirchengemeinden. Ich war dauernd unterwegs und sprach ständig über das Wirken des Heiligen Geistes. Und alle stellten Fragen über die Heiligung: Wie werde ich Sünde in meinem Leben los? Wie komme ich geistlich voran? Wie kann ich Jesus Christus ähnlicher werden? Wie kann ich mich von der Welt unterscheiden? Wie kann ich siegreich über Versuchung sein? Was ist der richtige Weg? Wie kann ich die Frucht des Geistes hervorbringen? Wie kann ich im Geist wandeln und nicht die Begierde des Fleisches erfüllen? All dies ist ganz einfach Heiligung nach dem Neuen Testament. Und die jungen Leute stellten ständig diese Fragen.
Ich sprach viel mit Studenten, auf dem Campus, und ich nahm an einer Konferenz nach der anderen teil. Die Fragen lauteten immer wieder: Wie kann ich geheiligt werden? Wie kann ich mehr wie Christus werden? Wie kann ich die Sünde in meinem Leben besiegen? Wie kann ich in der Gnade und in der Erkenntnis Christi wachsen? Was bedeutet es, vom Geist erfüllt zu sein? Was bedeutet es, mit dem Geist getauft zu werden? Versiegelt zu sein durch den Geist? Vom Geist erfüllt zu sein?
Heute werden mir diese Fragen nicht mehr gestellt. Sie scheinen kein Thema mehr zu sein, für das sich jemand interessiert. Die charismatische Bewegung hat den Heiligen Geist gestohlen und ein goldenes Kalb geschaffen, um das sie herumtanzen, als ob das goldene Kalb der Heilige Geist wäre. Aber es ist eine falsche Form des Heiligen Geistes. Sie haben sich den Heiligen Geist zunutze gemacht und verlangen, dass sie das tun können, ohne dafür kritisiert zu werden. Niemand kann etwas dagegen sagen, denn wenn man das tut, ist man spalterisch, lieblos und streitsüchtig. Deshalb sagte Benny Hinn über mich: „Wenn es nach mir ginge, würde ich mein Heiliger-Geist-Maschinengewehr nehmen und ihm das Hirn wegblasen.“ Es ist nicht erlaubt, irgendeine ihrer Aussagen über den Heiligen Geist in Frage zu stellen. Und so machen sie mit ihrer Ausbeutung weiter. Das bewährte Zeugnis über den Heiligen Geist wird in den Hintergrund gedrängt, weil es Spaltungen hervorrufen würde. Es wird unterdrückt, weil es ihnen nicht gefällt und jemanden beleidigen könnte.
Die charismatische Version des Heiligen Geistes ist also nicht Gott, sondern ein goldenes Kalb. Es ist nicht Gott, der Heilige Geist, sondern eine falsche Schöpfung. Es ist ein Götze, um den sie in ihren entehrenden Praktiken herumtanzen. Derzeit befinden wir uns in einer Zeit des zunehmenden Interesses an reformierter Theologie und der neuen evangelikalen Welle. Aber es wird sehr wenig über den Heiligen Geist gesprochen oder diskutiert. Es gibt keine starke Lehre der Heiligung, keinen verzehrenden Wunsch nach Heiligkeit und Trennung von der Welt. Ich habe sogar den Eindruck, dass ein Großteil dieser neuen evangelikalen Bewegung immer weltlicher wird. Sie scheint dem Wirken des Heiligen Geistes gegenüber gleichgültig zu sein. Es ist so, als ob man, wenn man das Evangelium richtig versteht, bei allem anderen freie Bahn hätte. Es besteht wenig Interesse daran, darüber zu sprechen, was die Taufe des Geistes ist, was die Erfüllung mit dem Geist oder die Versiegelung mit dem Geist ist. Was bedeutet es, im Geist zu wandeln und nicht die Begierde des Fleisches zu erfüllen? Was bedeutet biblisches Unterscheidungsvermögen? Was ist persönliche Heiligkeit und Heiligung? Das Interesse daran scheint einfach gering zu sein.
Wo der Heilige Geist ist, da ist Demut. Wo immer man also sieht, dass ein Mensch verherrlicht wird, ist das nicht das Werk des Heiligen Geistes. Wenn man sich eine Bewegung ansieht, die behauptet, evangelikal zu sein, und man sieht die Verherrlichung von Menschen, dann ist das nicht das Werk des Heiligen Geistes. Wo der Heilige Geist wirkt, wird Jesus Christus verherrlicht, und alles andere verblasst. Wenn man sich alle Zeitalter der Kirchengeschichte anschaut, ist unser Zeitalter am ehesten geeignet, Stolz zu nähren. Warum? Weil es so viele Möglichkeiten gibt, sich den Menschen auf der ganzen Welt zu präsentieren. Unsere Zeit macht es stolzen Menschen leicht, das Beste für sich herauszuholen. Es scheint einfach kein Interesse an der Arbeit und dem Wirken des Heiligen Geistes zu geben.
Es wird im Gegenteil sogar eine geradezu ketzerische Auffassung vom Heiligen Geist toleriert. Man könnte sie wohl als Modalismus bezeichnen. Ich weiß, das ist ein technischer Begriff. Er bedeutet einfach, dass es nur einen Gott gibt, der jedoch nicht drei Personen ist. Sondern es ist ein Gott, der in drei Formen erscheint, nicht gleichzeitig, sondern getrennt. Manchmal ist er der Vater, manchmal ist er der Sohn, manchmal der Heilige Geist. Aber nie ist er drei in einem. Das ist zum Beispiel die Ansicht von T.D. Jakes, einem Vertreter des Sabellianismus oder Modalismus. Es scheint viele Leute nicht zu stören, dass er einen Gott hat, der nicht der Gott der Bibel ist, dass seine Sicht des Heiligen Geistes eine Irrlehre ist, und dass seine Auffassung vom Sohn und vom Vater ebenso irreführend ist. Wir müssen die Trinität aber richtig verstehen, und wir müssen dem Heiligen Geist genauso wie dem Sohn und dem Vater die gebührende Verehrung zuteil werden lassen.
Diese Dinge gingen mir also durch den Kopf und noch vieles mehr, aber ich denke, ihr versteht, was ich meine. Wir haben uns bisher noch nicht intensiv genug mit dem Wirken des Heiligen Geistes befasst, um wirklich zu verstehen, wofür wir ihn anbeten und wie wir ihm am besten das gebührende Lob und die Ehre geben.
Das Desinteresse am Heiligen Geist bringt Pragmatismus hervor. Wir haben das Übernatürliche, das Wirken des Heiligen Geistes, durch Pragmatismus ersetzt. Damit haben wir die Sünde der Galater begangen. In Galater 3 sagt Paulus nämlich: „Im Geist habt ihr angefangen und wollt es nun im Fleisch vollenden?“ Damit sagt Paulus, dass es unmöglich ist, gerettet zu werden, außer durch das Wirken des Heiligen Geistes. Seid ihr jetzt, wo ihr gerettet seid, so vom Fleisch eingenommen worden, dass ihr alles durch das Fleisch vollenden wollt? Der Stolz hat die Demut besiegt, und das ist immer eine Beleidigung des Heiligen Geistes. Wo sind die Sanftmütigen, die Demütigen, wo sind die Niedrigen? Wo der Heilige Geist ist, wird Christus verherrlicht. Christus und nur Christus und Christus allein erhält alles Lob und alle Ehre und allen Ruhm. Der Heilige Geist ist betrübt, wenn Christus nicht verherrlicht wird. Denn wenn das Fleisch erhoben wird, wird sein Werk ausgelöscht.
Wir hätten uns damit also vielleicht schon im Laufe der Jahre beschäftigen können. Und natürlich sahen wir uns alles an, was das Neue Testament über den Heiligen Geist lehrt. Vermutlich haben wir im Verlauf der letzten 40 Jahre schon alles abgedeckt. Aber ich möchte in den nächsten Wochen einen Blick auf den Dienst des Heiligen Geistes werfen. Ich weiß wirklich nicht, wie lange ich dafür brauchen werde. Und das ist in Ordnung. Dabei werden wir nur ein Kapitel behandeln und uns Römer 8 ansehen. Heute werde ich nur ein paar Bezüge dazu herstellen, aber ihr könnt trotzdem eure Bibeln dort aufschlagen.
Es ist ziemlich offensichtlich, weshalb ich gerade dieses Kapitel ausgewählt habe, um etwas über den Heiligen Geist zu lernen. In Römer 8,2 ist vom Geist die Rede. Wenn ihr weitergeht, bezieht sich auch Vers 4 auf den Geist. Auch die Verse 5, 6, 9, 11, 13 und 14 beziehen sich auf den Geist und ebenso Vers 16. Dies ist das Kapitel des Geistes, bis hinunter zu Vers 26, wo es heißt, dass der Geist unserer Schwachheit hilft und für uns eintritt. Der Heilige Geist ist also der Hauptakteur in Römer 8. Das ermöglicht uns, eine solide Theologie über den Dienst und das Wirken des Heiligen Geistes aufzubauen. Wir könnten dieses Kapitel „Das Leben im Geist“ nennen. Das Leben im Geist.
Ihr werdet sehen, wir werden viel Freude mit diesem Kapitel haben werden. Doch vorher möchte ich euch einen Überblick verschaffen. Bevor wir uns der Froschperspektive zuwenden, möchte ich euch eine Art Vogelperspektive geben. Der Heilige Geist ist keine unpersönliche Kraft, kein „Es“. Der Heilige Geist ist keine Wirkung. Der Heilige Geist ist nicht eine Art Energie, die von Gott ausgeht. Sondern der Heilige Geist ist Gott. Er ist ein Glied der Trinität und damit eine Person, die ganz dem Wesen Gottes entspricht, mit einer eigenen Identität und Persönlichkeit. In dieser Hinsicht ist die Heilige Schrift eindeutig. Der Heilige Geist ist in seinem Wesen und seinen Eigenschaften dem Vater und dem Sohn gleich. Er ist in keiner Weise geringer, sondern voll und ganz Gott, so wie es der Vater und der Sohn sind.
Er hat Persönlichkeit. Manchmal sprechen die Menschen von dem Heiligen Geist als „Es“. Das ist nicht richtig. Er verfügt über Verstand, Gefühl und Willen, wofür es überall in der Heiligen Schrift reichlich Belege gibt. Er kennt zum Beispiel die Tiefen Gottes in 1. Korinther 2. Er hat die ganze Tiefe des göttlichen Wissens erforscht und damit das gleiche Wissen wie der Vater und der Sohn. Römer 5,5 sagt, dass er die Heiligen liebt, und seine Liebe der Liebe gleich ist, die Christus und Gott zu eigen ist. Er trifft göttliche, souveräne Entscheidungen. Laut 1. Korinther 12,11 entscheidet er zum Beispiel, welche geistlichen Kapazitäten und Gaben er welchem Gläubigen geben wird. Der Heilige Geist spricht. Dabei spricht er immer die Wahrheit. Er betet für uns, wie wir in Römer 8,26 sehen werden. Er lehrt uns alle Dinge und ist laut 1. Johannes 2,27 die Salbung, die von Gott kommt. Wir brauchen keinen menschlichen Lehrer, weil er uns alles lehrt. In Johannes 16,13 steht, dass er uns führt. Hier in Römer 8 heißt es, dass er uns leitet, und dass alle, die vom Geist Gottes geleitet werden, Söhne Gottes sind.
Er befiehlt. Ein paar seiner Befehle finden sich zum Beispiel in Apostelgeschichte 16,6-7. Er pflegt die Gemeinschaft mit uns, wie wir in 2. Korinther 13,13 sehen. Dort ist die Rede von der Gemeinschaft des Heiligen Geistes. In Epheser 4,30 steht, dass er betrübt werden kann. All das deutet darauf hin, dass er eine Person ist. In Apostelgeschichte 5,3 kann er belogen werden, wie es Ananias und Saphira taten und Petrus fragte: Warum habt ihr den Heiligen Geist belogen? Er kann versucht werden. Das ist in der gleichen Stelle zu finden. Warum versucht ihr den Heiligen Geist? Er kann sich ärgern und gemäß Jesaja 63,10 könnte man sagen, zornig sein. Man kann ihm widerstehen, wie in Apostelgeschichte 7,51, wo es heißt: „Ihr widerstrebt allezeit dem Heiligen Geist“. Laut Markus 3, sowie Matthäus 12 kann ihm gelästert werden. Gemäß 1. Thessalonicher 5,19 kann er gedämpft werden, d. h. seine Bemühungen werden vereitelt oder zumindest behindert. All das sind Beweise dafür, dass er eine Person ist, die denkt, fühlt, handelt und in jeder Hinsicht Entscheidungen trifft, wie es eine Person tut.
Es gibt auch keinen Zweifel an seiner Gottheit oder dass er absolut Gott ist. Ich werde euch nur eins von vielen Beispielen dafür zeigen. Gehen wir kurz zu Apostelgeschichte 5 zurück zu dem faszinierenden Bericht über Ananias und Saphira. Sie belogen den Heiligen Geist, indem sie sagten, sie hätten alles Geld abgegeben, was sie aus dem Verkauf des Grundstücks eingenommen hätten. In Wahrheit behielten sie aber einen Teil des Geldes für sich. In Kapitel 5,3 stellt Petrus am Tag des Herrn Ananias in der Gemeinde zur Rede. „Warum hat der Satan dein Herz erfüllt, sodass du den Heiligen Geist belogen hast?“ Geht nun zu Vers 4, zum Ende des Verses. „Du hast nicht Menschen belogen, sondern Gott!“ Gott ist der Heilige Geist. Der Heilige Geist ist Gott. Hier wird die Gottheit des Heiligen Geistes vollkommen deutlich.
Des weiteren gibt es trinitarische Formeln, wie z. B. in Matthäus 28,19: „Tauft sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“. Alle sind gleichwertige Glieder der Heiligen Dreieinheit. Sie können keine getrennten Glieder sein. Modalismus ist eine lächerliche Idee. Es ist die Vorstellung, dass Gott manchmal der Vater ist und dann den Hut des Sohnes und dann den Hut des Heiligen Geistes aufsetzt. Wie erklärt man sich dann die Taufe Christi, wo der Vater sagt: „Das ist mein geliebter Sohn“, und der Geist wie eine Taube herabkommt? Hier tauchen alle drei Personen gleichzeitig auf. Dies stellt ein kleines Problem für die Modalisten dar.
Der Heilige Geist ist Gott. Das wissen wir, weil er Eigenschaften Gottes besitzt. In Hebräer 9,14 heißt es, dass er der ewige Geist ist. Er ist genauso ewig wie Gott, weil er von Ewigkeit her Gott ist. Er ist allwissend. Das geht wieder zurück auf Johannes 16,14, wo es heißt, dass er die Quelle aller Wahrheit ist, in alle Wahrheit führt und alle Wahrheit offenbart. Laut 1. Korinther 2 kennt er die Tiefen Gottes, die nur Gott und nur dem Geist Gottes bekannt sind. Er ist also ewig, er ist allwissend. Und er ist allmächtig. Wie mächtig ist der Heilige Geist? Er ist genauso mächtig wie Gott. Das wissen wir, weil er laut 1. Mose der Schöpfer ist, von allem, was existiert. Am Anfang war die Schöpfung formlos und leer, sie war tohu und bohu, sie war Leere und Nichts, und der Geist Gottes bewegte sich über dem Wasser, und die Schöpfung begann.
Noch erstaunlicher ist die Macht seiner Schöpfung in Lukas 1,35, als der Engel zu Maria kam und sagte: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten.“ Damit ist die Macht des Allerhöchsten Gottes gemeint, El Elyon, des obersten souveränen Gottes des Universums. Und diese Macht des obersten Gottes wohnt vollständig im Heiligen Geist und wird durch ihn ausgeteilt. Er hat alles Geschaffene genauso erschaffen, wie Gott es erschaffen hat und wie der Sohn es erschaffen hat. Er ist allmächtig und allgegenwärtig, deshalb heißt es in Psalm 139,7: „Wo sollte ich hingehen vor deinem Geist“? Erinnerst du dich an diese Worte des Psalmisten? Wo sollte ich hingehen vor deinem Geist? Wo finde ich im Universum einen Ort, der vor deinem Geist verborgen ist? Einen solchen Ort gibt es nicht. Der Geist ist die ganze Zeit überall.
In Römer 1,4 wird er der Geist der Heiligkeit genannt. Gott ist heilig, heilig, heilig. Der Vater ist heilig, der Sohn ist heilig, und der Geist ist heilig. Das ist das Trihagion aus Jesaja 6. Er ist der Geist der Heiligkeit. In 1. Petrus 4,14 wird er der Geist der Herrlichkeit genannt. Er ist wie der Gott der Herrlichkeit und wie die Herrlichkeit Gottes, die im Angesicht Jesu Christi herrlich leuchtet. Er ist der Geist der Herrlichkeit. In 2. Korinther 3,6 wird er der lebendig machende Geist genannt. Er ist die Quelle des Lebens. Alle diese Eigenschaften gehören zu Gott, und der Heilige Geist besitzt sie ebenfalls. Deshalb ist der Heilige Geist Gott. Und weil er Gott ist, sollte er wie Gott angebetet werden, wie Gott geehrt werden und wie Gott behandelt werden. So wie du Gott den Vater und Gott den Sohn behandeln würdest, solltest du auch den Heiligen Geist behandeln. Und wie ich bereits sagte, scheinen die Menschen etwas zurückhaltender zu sein, wenn es darum geht, den Vater und den Sohn zu lästern. Hingegen scheinen sie kein Problem damit zu haben, den Namen des Heiligen Geistes ins Lächerliche zu ziehen und zu verhöhnen.
Es trägt ein wenig zum Verständnis bei, über die Titel zu sprechen, die der Heilige Geist trägt. Oft wird er Gott genannt, wie wir gerade in Apostelgeschichte 5,4 sahen. Viele Male wird er Herr genannt. In 2. Korinther 3,18, einem meiner Lieblingsverse, heißt es zum Beispiel: „Wir alle aber, indem wir [...] die Herrlichkeit des Herrn anschauen [...] werden verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, nämlich vom Herrn, dem Geist (ESV).“ Der Geist ist der Herr. Er wird Gott und er wird Herr genannt und beides sind Titel Gottes.
Er trägt noch weitere Titel. In 1. Mose 1,2 wird er der Geist Gottes genannt: „Der Geist Gottes schwebte über den Wassern.“ In Matthäus 3,16 und in Lukas 4 wird er der Geist des Herrn genannt. In 4. Mose 11,29 wird er „sein Geist“ genannt, d. h. Gottes Geist. In Richter 3,10 wird er der Geist Jahwes genannt. In Jesaja 61 wird er der Geist Gottes, des Herrn genannt, in Matthäus 10,20 der Geist eures Vaters und in 2. Korinther 3,3 der Geist des lebendigen Gottes. Alle Titel, die zu Gott gehören, werden auch dem Geist verliehen. In Apostelgeschichte 16,7 wird er der Geist Jesu (ELB) genannt, in Römer 8,9 der Geist des Christus, in Galater 4,6 der Geist seines Sohnes und in Philipper 1,19 der Geist Jesu Christi. Das ist ein klarer Hinweis darauf, dass er vollkommen Gott ist.
Je mehr ich in den letzten Tagen darüber nachgedacht und mich damit beschäftigt habe, desto mehr schmerzt es mich, wie falsch der Heilige Geist behandelt wird. Ich sage es noch einmal: Ich bin nicht hier, um den Heiligen Geist zu verteidigen, denn er kann sich selbst verteidigen. Aber ich bin hier, um dir zu sagen, dass du nicht in diese Verhöhnung des Heiligen Geistes verwickelt werden solltest. Du musst ihn für das anbeten, wer er ist.
Manchmal werde ich gefragt: Kann ich zum Heiligen Geist beten? Natürlich kannst du das. Er ist Gott. Darf ich nicht nur zum Vater beten? Nein, bete zum Vater, bete zum Geist, bete zum Sohn. Bete zu allen dreien, bete zu zwei beliebigen. Oder ich höre die Frage: Kann ich den Heiligen Geist anbeten? Ja, fall nieder und bete den Heiligen Geist an, so wie du es mit Christus und dem Vater tust. Du würdest kein Wort gegen den Vater oder den Sohn sagen, also sag auch nichts gegen den Heiligen Geist. Schreib Gott nichts zu, was nicht wahr ist, schreib Christus nichts zu, was nicht wahr ist, und schreib dem Heiligen Geist nichts zu, was nicht wahr ist. Wenn wir uns davon verabschieden, würde es das Bild der Gemeinde völlig verändern.
Um über die Werke des Heiligen Geistes nachzudenken, muss man mit der Schöpfung beginnen. Und im Alten Testament sehen wir außerdem, dass der Geist die Menschen überführt. Erinnerst du dich an die Aussage in 1. Mose 6: „Mein Geist soll nicht für immer mit dem Menschen rechten“? Er ist bestrebt, zu überführen, so wie ich es in Johannes 16,8 las: „Und wenn jener kommt, wird er die Welt überführen von Sünde und von Gerechtigkeit und vom Gericht“.
Im Alten Testament sieht man, wie er bestimmten Menschen für einen bestimmten Dienst innewohnt und sie erneuert. Und das kann nur durch ein göttliches Wunder geschehen. Er ist der lebensspendende Geist. Er gibt Leben. Im Alten Testament wird er als Schöpfer angesehen und er wird als derjenige angesehen der die Gläubigen erneuert. Er wird als derjenige gesehen, der die Menschen der Sünde überführt und sie zum Dienen befähigt. Wir lesen in 2. Mose 31, Richter 3 und Richter 6, dass der Geist Gottes kommt, um die Menschen zum Dienen zu befähigen. Deshalb sagte David in Psalm 51, seinem Bußpsalm: „Nimm deinen Heiligen Geist nicht von mir.“ Er sprach nicht davon, dass der Heilige Geist, der ihn erneuert und für sein geistliches Leben befähigt hatte, plötzlich weg sein würde. Stattdessen sprach er von dem besonderen Wirken des Heiligen Geistes, mit dem er die Menschen für einen bestimmten Dienst befähigte und auf sie kam.
Aus der Perspektive des Neuen Testaments sticht aus all den Dingen, die den Dienst des Geistes im Alten Testament ausmachen, eines besonders hervor. Das ist die Tatsache, dass er der Autor der Schrift ist. Petrus sagt in 2. Petrus 1,21, dass kein Teil der Schrift das Ergebnis von menschlichem Willen ist: „Denn niemals wurde eine Weissagung durch menschlichen Willen hervorgebracht, sondern vom Heiligen Geist getrieben haben die heiligen Menschen Gottes geredet.“ So wurde das Alte Testament durch menschliche Werkzeuge geschrieben, während der Heilige Geist der Verfasser ist. Und genauso wurde auch das Neue Testament geschrieben. Es ist gottgehaucht. Das Wort für Atem ist pneuma. Der Geist Gottes schrieb die Heilige Schrift, indem er sie einhauchte. In der ganzen Heiligen Schrift finden sich Stellen, wo der Heilige Geist dies und jenes sagt. Er ist der Autor der Heiligen Schrift. Sie ist von Gott verfasst als die Offenbarung Gottes durch den Heiligen Geist.
Ein Beispiel finden wir in Apostelgeschichte 1,16: „Es musste dieses Schriftwort erfüllt werden, das der Heilige Geist [...] vorausgesagt hat“. Wann immer die Schrift etwas sagte, war es der Heilige Geist, der sprach. In Johannes 16,14 lesen wir, dass die Hauptaufgabe des Heiligen Geistes darin besteht, Christus zu verherrlichen. Jesus sagt dort: Er ist der Geist der Wahrheit, aber er weist auf mich hin und verherrlicht mich. Dasselbe sehen wir in der gesamten Schrift, sogar im Alten Testament. Deshalb ist Lukas 24,27 so wichtig, wo geschrieben steht: „Und er begann bei Mose und bei allen Propheten und legte ihnen in allen Schriften aus, was sich auf ihn bezieht.“ Im gesamten Alten wie im Neuen Testament weist demnach der Heilige Geist als Autor auf Christus hin. Es geht immer um Christus. Wo immer ihr also ein echtes Wirken des Heiligen Geistes seht, wird sich das darin zeigen, dass Menschen gedemütigt werden und Christus erhöht wird.
Und dann sieht man das Wirken des Heiligen Geistes sogar im Leben Christi. Er ist da und schenkt ihm Leben. Der Heilige Geist ist bei seiner Taufe dabei, als er wie eine Taube auf ihn herabkommt. Damit gibt er den Startschuss für den Dienst Christi. Der Heilige Geist kommt auf ihn, als er 30 Jahre alt ist, und Jesus beginnt sein öffentliches Wirken. Auch während seiner Versuchung ist der Heilige Geist da. Ihr erinnert euch, dass der Heilige Geist ihn in die Wüste und durch die Versuchung hindurchführte, bis er auf der anderen Seite wieder herauskam. Er ist die Salbung in Apostelgeschichte 10,38, wo Petrus über Jesus predigte und sagte, dass er mit dem Heiligen Geist gesalbt wurde. Der Heilige Geist kam auf Jesus. Deshalb sagte er: Wenn ihr leugnet, dass die Werke, die ich tue, von Gott stammen, lästert ihr den Heiligen Geist, denn es ist der Heilige Geist, der durch mich wirkt.
Wisst ihr eigentlich, dass es der Heilige Geist war, der durch Christus lehrte? So sehr hat er sich selbst entleert. Er überließ sogar seine Lehre dem, was der Geist durch ihn tat. Johannes 3,34 sagt dazu: „Denn der, den Gott gesandt hat, redet die Worte Gottes; denn Gott gibt den Geist nicht nach Maß.“ Christus spricht die Worte Gottes, weil er den Geist hat, der durch ihn wirkt. Die Wunder, die Christus tat, und die Botschaft, die er verkündete, waren das Wirken des Geistes durch ihn. Er stimmte vollkommen damit überein, aber es war die Botschaft des Vaters durch den Geist. Der Geist war die Kraft hinter seinen Wundern. Deshalb war es Gotteslästerung zu sagen, sie seien von Satan.
Weißt du, dass sogar der Tod Jesu Christi, über den wir so oft sprechen, ein Werk des Heiligen Geistes war? Falls du darüber noch nie nachgedacht hast, tun wir das jetzt. In Hebräer 9,14 heißt es: „Wie viel mehr wird das Blut des Christus, der sich selbst durch den ewigen Geist als ein makelloses Opfer Gott dargebracht hat“. So wie jedes Wunder, das er tat, durch die Kraft des Geistes geschah, so auch sein Tod. Seine Geburt erfolgte durch die Kraft des Geistes. Er lebte und lehrte in der Kraft des Geistes. Und sein Tod geschah durch die Kraft des Geistes. Und was ist mit seiner Auferstehung? Römer 8,11 sagt dazu: „Der Geist dessen, der Jesus aus den Toten auferweckt hat“.
Wenn man anfängt, das Wirken des Heiligen Geistes zu begreifen, ist es einfach unglaublich. Wir sind überwältigt, wie überaus weitreichend und einschneidend es ist. Dabei sind wir noch nicht einmal bei dem Teil angelangt, der uns betrifft. Das wollen wir jetzt betrachten. Was tut der Heilige Geist in der Welt? Er überführt von Sünde, Gerechtigkeit und Gericht. 1. Mose 6,3 sagt, dass er mit den Sündern rechtet. Er ist die verurteilende Kraft. Nach 2. Thessalonicher 2,13-14 beruft er die Sünder mit einem wirksamen Ruf. Laut Johannes 3 erneuert er. Man muss aus dem Geist wiedergeboren werden. Er überführt also die Welt, er beruft, er schenkt erneuerndes Leben und bezeugt die Wahrheit Christi, wie wir in Apostelgeschichte 5,30-32 sehen. Der Dienst des Heiligen Geistes am Sünder ist es, den Sünder zu überführen, ihn zu berufen, wenn er die Herrlichkeit Christi versteht und seine Wiedergeburt zu bewirken.
Was tut er nun im Gläubigen? Er verherrlicht Christus und erhebt Christus durch das Wort. Aber darüber hinaus wohnt er im Gläubigen, wie es in Römer 8,9 heißt: Der Geist Gottes wohnt in euch. Paulus sagt in 1. Korinther 6: Ihr seid der Tempel des Heiligen Geistes. Er wohnt in uns. Jetzt wird es persönlich. In Epheser 5,18 heißt es: „Werdet voll Geistes“. Das kann so veranschaulicht werden: wie der Wind, der die Segel füllt und das Schiff bewegt, so erfüllt er uns und seine Macht wirkt in uns. Laut Epheser 1 versiegelt er uns und sichert uns für die Ewigkeit. Er gibt uns die Frucht des Geistes: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung. Und laut Römer 5,5 schenkt er uns Liebe.
Er gibt uns Gaben des Geistes. Das sehen wir in 1. Korinther 12. Er verteilt mehrere Gaben gleichmäßig unter dem Volk Gottes. Er lehrt uns. Er führt uns in alle Wahrheit. Er leitet uns in das Verständnis der Schrift, mit einer Salbung, die wir von Gott haben, so dass wir alles wissen. Römer 8,26 sagt, dass er für uns betet. Laut Galater 5,17 kämpft er in unserem Namen gegen unser Fleisch und gegen die Sünde. Johannes 14,16 sagt, dass er uns tröstet. Römer 8,14 erwähnte ich bereits: Er leitet und führt uns. Galater 3: Er heiligt uns. Apostelgeschichte 1,8: Er befähigt uns, Zeugen zu sein zur Evangelisation. All das tut der Heilige Geist und wir müssen all diese wunderbaren, wertvollen Dinge verstehen.
Es gab eine Zeit, in der das ein sehr wichtiger Teil des christlichen Dienstes und Denkens war. Aber versuch mal heute, ein Buch über den wirklichen Dienst des Heiligen Geistes zu schreiben und es in einer christlichen Buchhandlung unterzubringen. Wenn man in diesem Buch tatsächlich auf alle Fehler eingehen würde, die gemacht werden im Umgang mit dem Heiligen Geist, dann wäre es ziemlich aussichtslos. Und ich erwarte nicht, dass wir die Flut dieses schrecklichen Missbrauchs des Heiligen Geistes eindämmen können. Vielleicht können wir das unter uns tun und in den Kreisen, die wir erreichen. Aber wir als Gemeinde und Gläubige müssen den Heiligen Geist so ehren, wie es ihm gebührt. Wir müssen diese leichtfertige, oberflächliche, missbräuchliche Herangehensweise ersetzen. Mehr noch, wir müssen den Heiligen Geist aus dem Schatten holen, damit er nicht das vergessene Glied der Trinität ist, das nie die Ehre erhält, die ihm gebührt.
Wie du dein christliches Leben lebst, ist ein Werk des Heiligen Geistes. Der gesamte Dienst der geistlichen Gaben, was irgendeine Wirkung, einen Einfluss, ein Ziel oder einen Erfolg hat, ist das Werk des Heiligen Geistes. Das betrifft alles, was ich tue, alles, was du tust und alles, was irgendjemand im Reich Gottes im Leib Christi tut. Wie können wir das ignorieren und durch so verrückte Dinge ersetzen, die ihn entehren? Damit wären wir bei Römer 8 angelangt, und nächste Woche werden wir mit diesem Kapitel fortfahren.
Unser Vater, wir danken dir, dass wir heute Morgen Zeit hatten, dich anzubeten. Es war so erfrischend. Danke für diese gesegnete Gemeinde, diese wertvollen Menschen, ihre Liebe zu dir und deinem Wort.
Heiliger Geist wir danken dir für dieses unbegreifliche Werk, das du getan hast, nicht nur in der Schöpfung, sondern auch in der Wiedergeburt. Du hast uns das Leben geschenkt. Du hast uns die Erlösung geschenkt, die Vergebung, und du hast uns befähigt. Jetzt heiligst du uns und bringst uns zur Herrlichkeit. Wir werden durch deine Macht verherrlicht und verändert. Durch deine Kraft werden wir bereit gemacht für den Himmel. In der Zwischenzeit bist du da und bringst Früchte hervor, gibst unseren Gaben Kraft und befähigst uns, Zeugen zu sein. Du kämpfst gegen unser Fleisch und betest für uns und sorgst dafür, dass alles zum Guten zusammenwirkt, indem du uns bewahrst und versiegelst bis zum Tag der Erlösung.
Wir lieben dich, wir ehren dich, wir beten dich an, wir preisen dich. Und wir sind zutiefst betrübt, wie du es auch sein musst, und zwar über die Art und Weise, wie du falsch dargestellt wirst. Hilf uns, Herr, all das zu sein, was wir sein sollten, wenn wir dich, unseren dreieinigen Gott - Vater, Sohn und Heiliger Geist - anbeten. Mögen wir dich in Wahrheit anbeten, so wie du wirklich bist, mit all unserer Kraft, sowohl im Lobpreis selbst als auch im Gehorsam. Uns bleibt nur zu sagen, o Heiliger Geist, dass du all das für uns getan hast und gerade tust, während wir beten. Und auch, dass du es weiter tun wirst, bis wir Jesus von Angesicht zu Angesicht sehen und durch deine Macht seinem Ebenbild gleich werden.
Wir beten dich heute an und bitten dich, dass du geehrt wirst. Mögest du geehrt werden, nicht nur in unserem Leben und in unserer Mitte, sondern auch in deiner Gemeinde, die du erneuert hast, der du Leben gegeben hast und durch die du wirkst. Du übersteigst alles, was wir erbitten oder erflehen können, nach der Kraft, die in uns wirkt. Denn es ist auch die Kraft, die Jesus von den Toten auferweckt hat, deine Kraft, Heiliger Geist. Wir bitten dich, dass du deine Macht in deiner Gemeinde zeigst. Mögest du geehrt und verherrlicht werden. Amen.
ENDE
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