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Letzten Sonntag begann ich eine Serie über das Wirken des Heiligen Geistes. In dieser Predigt hob ich besonders die Person und das Wirken des Heiligen Geistes hervor, damit wir ihn so anbeten können, wie er es verdient. Ich erwähnte, dass der Heilige Geist meiner Meinung nach das am meisten missbrauchte Glied der Dreieinigkeit ist. Denn es gibt so viele Menschen, die den Heiligen Geist verantwortlich machen für ihr Verhalten, ihre Worte oder ihre Erfahrungen, dabei hat der Heilige Geist überhaupt nichts damit zu tun.

Es ist schon seltsam, dass trotz dem, was wir in Johannes 14 – 16 über den Geist der Wahrheit lesen, so viel Unwahrheit im Zusammenhang mit dem Heiligen Geist im Umlauf ist. So viele Lügen, so viele Betrügereien, so viele Täuschungen werden im Grunde genommen dem Heiligen Geist zugeschrieben. Der Heilige Geist wird für so viele schreckliche Dinge verantwortlich gemacht und das nur, um denen den Weg zu ebnen, die unrechte Wünsche und Ziele haben.

Die Bibel warnt uns davor, den Heiligen Geist zu lästern.  Aber trotz dieser Warnung geht es weiter. Wir werden davor gewarnt, den Heiligen Geist zu beleidigen. Dazu werde ich nächste Woche noch mehr sagen. Wir werden davor gewarnt, dem Heiligen Geist zu widerstehen. Wir werden davor gewarnt, den Heiligen Geist zu betrüben. Wir werden davor gewarnt, den Heiligen Geist auszulöschen. Alle diese Verben greifen die Art und Weise auf, wie wir uns auf den Heiligen Geist beziehen. Aber es geht nicht nur darum, Lästerung und Missbrauch zu vermeiden oder dem Heiligen Geist Dinge zuzuschreiben, mit denen er nichts zu tun haben möchte. Es ist mehr als das. Wir müssen nicht nur bestimmte Irrtümer in Bezug auf den Heiligen Geist vermeiden, sondern wir müssen den Heiligen Geist auch vollumfänglich für das verehren, was er getan hat und wer er wirklich ist.

Erst letzte Woche las ich einen Artikel von John Owen aus dem Jahr 1657. Er war einer der großen englischen Puritaner und überaus produktiv. Er schrieb Bände über Bände, die unser Verständnis der Heiligen Schrift und unsere Theologie bereichern. Eine sehr wichtige Abhandlung von ihm ist seine Analyse dessen, was es bedeutet, mit Gott zu sprechen, Gemeinschaft mit ihm zu haben und ihn wirklich anzubeten. In der üblichen puritanischen Ausdrucksweise lautet der Titel des Buches folgendermaßen: Von der Gemeinschaft mit Gott dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist, jede Person für sich, in Liebe, Gnade und Trost. Sein alternativer Titelvorschlag war: Die Entfaltung der Gemeinschaft der Heiligen mit dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist.

In dieser Abhandlung ruft John Owen dazu auf, sich bewusst zu machen, dass wir von jedem Glied der Trinität individuelle und spezifische Gaben erhalten haben. Und weil wir von jedem Glied der Trinität Gaben empfangen haben, sind wir wiederum aufgefordert, jedem Glied der Trinität auf diese Gaben zu antworten. Auf diese Weise geschieht unser trinitarischer Gottesdienst weniger vermischt, sondern vielmehr getrennt. Es gibt eine Stelle in der Heiligen Schrift, die uns helfen kann, das zu erkennen. So sagt der allerletzte Vers im 2. Korintherbrief Folgendes: „Die Gnade des Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“ Das ist ein trinitarischer Segen, der die jeweiligen Dienstmerkmale des Vaters, des Sohnes und des Geistes an uns Gläubigen herausstellt. Da ist zunächst die Liebe Gottes. Die göttliche, souveräne Liebe kommt von Gott. Vom Herrn Jesus Christus kommt die Gnade. Die göttliche, souveräne Gnade wird vom Sohn gewährt. Und es ist die Gemeinschaft des Heiligen Geistes. Vom Vater kommt also die göttliche Liebe, vom Sohn die göttliche Gnade und vom Geist die göttliche Gemeinschaft.

So grenzt der Apostel Paulus die einzelnen Glieder der Trinität voneinander ab und benennt unterschiedliche Aspekte ihres Dienstes. Unsere Teilhabe wird durch die Liebe des Vaters initiiert, durch die Gnade des Sohnes bekräftigt und durch die Gemeinschaft des Heiligen Geistes weitergegeben. Obwohl wir zustimmen würden, dass es in der gesamten Heiligen Schrift Überschneidungen im Wirken der Dreieinigkeit gibt, liegt die Betonung doch auf den spezifischen Werken, die jedes Glied auf einzigartige Weise vollbringt.

Die meisten von uns, die Gott wahrhaftig anbeten, wissen, dass er ein dreieiner Gott ist. Sie erkennen, dass er ein Wesen ist, aber drei Personen, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Daher neigen wir dazu, alles irgendwie zu vermischen und ihn ausschließlich als den dreieinen Gott anzubeten. Natürlich ist es legitim, Gott auf diese Weise anzubeten. Aber was Owen fordert, ist, dass wir anfangen, die Personen der Trinität zu unterscheiden. Wir sollen erkennen, was jede von ihnen für uns bereitgestellt hat und wie wir auf diese spezifischen Gaben reagieren sollten. In Bezug auf den Heiligen Geist schreibt John Owen: „Das Amt des Geistes besteht darin, uns die Verheißungen Christi ins Gedächtnis zu rufen, ihn in unseren Herzen zu verherrlichen, die Liebe Gottes in uns auszugießen, uns unseren geistlichen Zustand zu bezeugen, dass wir zu Gott gehören, uns zu versiegeln auf den Tag der Erlösung, das Unterpfand oder die Garantie unseres endgültigen Erbes zu sein, uns mit Trost zu salben, unsere Adoption zu bestätigen und bei uns zu sein in unserem Flehen.“

Dann antwortet Owen auf das Wirken des Geistes mit den folgenden Worten: „Darin besteht die Weisheit des Glaubens, den Tröster in all diesen Dingen zu finden und ihm zu begegnen, um nicht ihre Süße zu verlieren, indem wir über ihren Urheber im Unklaren bleiben und die von uns geforderte Gegenleistung nicht erbringen.“ Da jedes Glied der Trinität spezifische Dinge für uns getan hat, sollte auch jedes von ihnen als Antwort darauf in spezifischer Weise angebetet werden.

Gläubige können den Heiligen Geist dämpfen, aber es geht nicht nur darum, dass wir das nicht tun wollen. Gläubige können den Heiligen Geist betrüben, aber es geht nicht nur darum, dass wir das nicht tun wollen. Wir wollen dem Heiligen Geist auch nicht widerstehen. Trotzdem geht es nicht nur darum, was wir nicht tun wollen. Sondern es geht darum, dass wir in unserer normalen Gemeinschaft, in unserem normalen Gottesdienst und in unserem normalen Lobpreis die drei Personen der Gottheit im Nachsinnen, im Gebet und in der Unterordnung erkennen müssen.  Wir müssen uns auf die besondere Barmherzigkeit und den besonderen Dienst jeder Person der Dreieinheit an uns besinnen. Und dann müssen wir jedem Glied der Dreieinheit eine spezifische Antwort der Liebe, der Unterordnung, der Freude und der Dankbarkeit entgegenbringen. So würde laut John Owen die vollkommene Gemeinschaft mit Gott aussehen.

Ein weiterer meiner Lieblings-Puritaner ist Thomas Goodwin. Thomas Goodwin schreibt: „Unsere Anbetung richtet sich manchmal an den Vater, dann an den Sohn und dann an den Heiligen Geist. Manchmal werden unsere Herzen dazu hingezogen, die Liebe des Vaters zu betrachten, der uns erwählt hat. Manchmal werden unsere Herzen von der Liebe Christi angezogen, der uns erlöst hat. Und manchmal werden unsere Herzen von der Liebe des Heiligen Geistes ergriffen, der die Tiefen Gottes erforscht und uns offenbart und der alle unsere Mühen auf sich nimmt. Hast du jemals daran gedacht, dem Heiligen Geist dafür zu danken, dass er sich die Mühe macht, an deiner Heiligung zu arbeiten? Danke, Heiliger Geist. Danke, Heiliger Geist, dass du mich lehrst, danke, dass du gegen das Fleisch kämpfst, danke, dass du für mich eintrittst, danke, dass du mich versiegelst und sicherst, danke, dass du mich vom Pfad der Versuchung wegführst, danke, dass du mich im Angesicht der Sünde stark machst.

Dazu ruft Thomas Goodwin uns auf, und sagt: „Nur wenn wir das Wirken jedes Gliedes der Trinität ganz klar verstehen, haben wir wahre Gemeinschaft mit Gott.“ Er sagt außerdem: „Wir sollten nie zufrieden sein, bis uns alle drei Personen gleich wichtig sind.“ Das ist schön ausgedrückt. Wir befinden uns sozusagen mitten unter ihnen, während sie uns alle ihre Liebe erweisen. Die höchste Erfahrung, die Christus jemals für dieses Leben versprochen hat, ist, dass wir in der Mitte der Dreieinigkeit sein dürfen, um die ganze Liebe des Vaters, die ganze Liebe des Sohnes und die ganze Liebe des Geistes für uns zu empfangen. Das ist wahre Anbetung.

Wir haben viel Zeit damit verbracht, über die Liebe des Vaters nachzudenken. Als Gläubige sinnen wir nach über seine erwählende, souveräne Liebe, über das Opfer des Sohnes, sowie die Gnade, die uns geschenkt wird. Das kann man auf viele verschiedene Weisen betrachten. Der Vater bewirkt unser Heil, der Sohn bestätigt unser Heil, der Heilige Geist verkündet uns unser Heil. Der Vater erwählt uns zum Leben, der Sohn bringt das Opfer, das zum Leben führt, und der Heilige Geist schenkt uns das Leben. Wenn wir den Dienst eines jeden Glieds der Dreieinheit erkennen, ermöglicht uns das, einen erfüllten Gottesdienst und ein erfülltes Abendmahl zu feiern.

In dieser kurzen Reihe wollen wir also versuchen, das Wirken und den Dienst des Heiligen Geistes besser zu verstehen. Damit wollen wir unsere eigene Dankbarkeit und Anbetung ihm gegenüber verbessern und bereichern. Vielleicht einer der erstaunlichsten Verse, der unserem Herrn jemals über die Lippen kam und aufgeschrieben wurde, steht in Johannes 16,7. Unser Herr sagt dort: „Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich hingehe“.

Wir halten an dieser Stelle kurz inne. Wie haben die Jünger das wohl aufgenommen? Da waren sie drei Jahre lang praktisch rund um die Uhr mit dem Herrn zusammen und er war absolut alles für sie. In Johannes 6 fragte Jesus sie bei einer Gelegenheit, nachdem eine Gruppe von Menschen weggegangen war: „Wollt ihr nicht auch weggehen?“ Petrus antwortete für alle anderen, als er sagte: „Herr, zu wem sollen wir gehen?“ Du und du allein hast Worte des ewigen Lebens. Wir werden nirgendwo hingehen. Alles, was wir wissen wollen, alles, was wir sehen wollen, alles, was wir brauchen, hast du und bist du. Wie in aller Welt sollten sie mit der Aussage umgehen: „Es ist gut für euch, dass ich hingehe“? Was könnte besser sein, als dass er hier war?

Man muss bedenken, dass die Menschen buchstäblich seit Jahrtausenden auf das Kommen des Messias gewartet hatten. Jede Generation des jüdischen Volkes wartete auf den Messias und wünschte sich, dass er zu ihren Lebzeiten kommen würde. Doch wir wissen, dass ihn die Menschen seiner Zeit, als er dann kam, ablehnten. Aber eine Gruppe von Menschen, bestehend aus seinen Nachfolgern und Jüngern, nahm ihn an. Mit seinem Kommen erfüllte sich die bis zur Zeit des Sündenfalls zurückreichende Heilsgeschichte. Damals hatte Gott die Verheißung gegeben, dass einer kommen und der Schlange den Kopf zertreten würde. Für seine Jünger war es wunderbar, dass der Messias gekommen war und bei ihnen war. Sie wollten nicht, dass er irgendwo hinginge. Sondern sie wollten, dass er bleiben und sein Reich errichten solle, und das wäre dann das Ende, der Höhepunkt und die Erfüllung von allem.

Doch an diesem letzten gemeinsamen Abend im Obergemach, bevor er weggeführt und gekreuzigt wurde, sagt er zu ihnen: Ich werde weggehen, und ihr werdet nicht zu mir kommen können, aber ich sage euch, es ist gut für euch, dass ich weggehe. Das ist eine erstaunliche Aussage. Wie kann das sein? Er sagt: „Wenn ich nicht hingehe, so kommt der Beistand nicht zu euch. Wenn ich aber hingegangen bin, will ich ihn zu euch senden.“ Was wäre besser, als Jesus zu haben? Den Heiligen Geist zu haben. Es war nicht so, dass der Heilige Geist nicht da war. Ich habe aus demselben Abschnitt der Heiligen Schrift vorgelesen: Er war bei euch und er wird in euch sein. Der Heilige Geist war immer da. Er war der Schöpfer, der in 1. Mose über der Wasseroberfläche schwebte und alles hervorbrachte. Der Heilige Geist war schon immer der Lebensspender. Er war schon immer der Überführer und in 1. Mose 6 heißt es, dass er mit den Menschen gerechtet hat.

Der Heilige Geist war schon immer derjenige, der geistlich tote Menschen zum Leben erweckte. Seit dem Sündenfall sind alle Menschen tot. Und im Alten Testament gäbe es ohne den Heiligen Geist keine Rettung, keinen lebendigen Glauben, keine erlösende Buße und keine echte Bekehrung. Der Heilige Geist war da, um sie zu leiten und zu führen. Bis zu einem gewissen Grad lässt sich das Wirken des Heiligen Geistes also schon im Alten Testament erkennen. Die Aussage: „Er ist bei euch“, könnte daher zu verstehen geben, dass für diese notwendigen Dinge wie Erlösung und Heiligung der Heilige Geist erforderlich war. 

Aber hier war der Sohn. War das nicht besser? Man könnte durchaus meinen, dass es doch noch viel schöner ist, in der Gegenwart des menschgewordenen Gottessohnes zu sein. Es war also wahrscheinlich ein Schritt über das hinaus, was sie im Alten Testament hatten. Damals war der Geist da und der Sohn war verheißen. Aber nun war der Geist immer noch am Werk und der Sohn war auch da. Wie konnte Jesus also sagen: Es ist besser, wenn ich weggehe?

Die Antwort darauf lautet, dass der Heilige Geist den Gläubigen seit der Gründung der Gemeinde einen Dienst erweist, den es nie zuvor gegeben hatte. Es geht nicht darum, ob der Heilige Geist da war, es ist keine Frage von abwesend oder anwesend, es ist eine Frage des Ausmaßes, des Umfangs. Das Beste, was einem Volk passieren kann, sogar noch besser als Jesus Christus in seiner Mitte zu haben, ist, den Heiligen Geist zu haben. Und das betrifft uns heute. Wir leben in dieser überaus wundervollen Erkenntnis, dass es besser war, dass Jesus zum Vater ging, damit er den Heiligen Geist senden konnte.

Wenn das wahr ist, dann ist der Heilige Geist etwas ganz, ganz Besonderes. Und das ist er auch. Und anstelle der schrecklichen Dinge, die dem Heiligen Geist zugeschrieben werden, wollen wir einen Blick auf das echte Wirken des Heiligen Geistes werfen, damit wir ihn anbeten können. Und damit uns, wie Goodwin sagte, alle Glieder der Dreieinheit gleich wichtig werden und gleich viel Lob erhalten.

Wir haben uns für Römer 8 entschieden, um das Wirken des Heiligen Geistes kennenzulernen. Nach dieser kurzen Einführung möchte ich euch bitten, Römer 8 aufzuschlagen. Im weiteren Verlauf werden wir vielleicht ein wenig abschweifen und noch über einige andere Dinge sprechen. Natürlich werde ich nicht versuchen, alle neutestamentlichen Stellen zu behandeln, die sich mit dem Heiligen Geist befassen. Sondern ich werde nur auf die für uns am wesentlichsten und wichtigsten Dinge eingehen. Römer 8 bietet uns einen guten Ausgangspunkt dafür, denn hier wird das Wirken des Heiligen Geistes im Hinblick auf die Errettung dargestellt.

Erinnert euch, dass sich die ersten sieben Kapitel des Römerbriefs thematisch auf die Heilsgeschichte beziehen. Es geht um die Erlösung. Es beginnt in Kapitel 1,16 mit dem Evangelium.  Paulus sagt, dass er sich dessen nicht schämt, sondern es predigt, weil es die Kraft Gottes ist, die uns rettet. Dann beginnt er, das Wesen des Evangeliums zu entschlüsseln. Er spricht über Sünde und Gericht und dann über unsere vergeblichen Versuche, aus eigener Kraft gerecht zu werden. Er spricht über Gnade und Glauben und verwendet Abraham als Beispiel. Es geht um die Bedeutung des Kreuzes und unsere Vereinigung mit Christus, und bis Kapitel 8 dreht sich alles um die Erlösung. Nun kommen wir zu Kapitel 8 und damit zu einem Abschnitt, der die Herrlichkeit der Erlösung und die Bedeutung der Errettung abschließend zusammenfasst. Und diese ultimative gute Nachricht wird uns durch niemand anderen als dem Heiligen Geist zugesichert. 

Ich möchte heute zumindest mit den Versen 1 und 2 anfangen. Aus diesem Kapitel geht eine ganze Reihe von Dingen hervor, die der Heilige Geist tut, und die wir betrachten werden. Aber zunächst müssen wir verstehen, wo alles beginnt. Römer 8,1 sagt: „So gibt es jetzt keine Verdammnis mehr für die, welche in Christus Jesus sind“. Wie ist es möglich, dass es keine Verdammnis mehr für Sünder gibt? Die Antwort folgt in Vers 2: „Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat mich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes.“ Es gibt keine Verdammnis für die, die in Christus sind, weil der Geist des Lebens etwas getan hat. Der Geist des Lebens ist der Heilige Geist. Wir begegnen also dem Heiligen Geist in Vers 2, und sehen als Erstes, dass er uns vom Tod befreit, indem er uns das Leben schenkt. Der Heilige Geist befreit uns vom Tod, indem er uns Leben schenkt. Das ist das erste Merkmal eines Lebens ohne Verdammnis.

Aber gehen wir noch einmal zurück zum ersten Vers. Wir müssen beachten, dass das erste Wort in diesem Vers „So“ mit allem, was vorher war, zusammenhängt und daran anknüpft. Es hängt mit allem zusammen, was über die Erlösung in ihrer ganzen Herrlichkeit und Schönheit gesagt wurde. Paulus geht nicht nur bis zu Kapitel 7,25 zurück, sondern er geht den ganzen Weg zurück bis zu Kapitel 1,16, wo er anfing, über das Evangelium zu sprechen. Der Kern seiner ganzen Lehre des Evangeliums ist also, dass es keine Verdammnis mehr gibt für diejenigen, die in Christus Jesus sind. Du kannst als völlig verdorbener Sünder vor einem unendlich heiligen Gott stehen und trotzdem nicht verurteilt werden, weder jetzt, noch in der Zukunft. Das ist die gute Nachricht.

Um diese gute Nachricht zu verstehen, muss man die schlechte Nachricht verstehen. Die schlechte Nachricht ist, dass die Heilige Schrift in Epheser 2,3 jeden Menschen, der in diese Welt hineingeboren wird, als ein Kind des Zorns bezeichnet. Wir waren alle „von Natur Kinder des Zorns“. Das ist eine hebräische Ausdrucksweise. Mit anderen Worten ausgedrückt bedeutet das, dass wir die Natur derer geerbt haben, die verdammt werden. Wenn du ein Sohn der Verdorbenheit bist, bedeutet das einfach, dass deine Natur verdorben ist. Wenn du ein Sohn des Zorns bist, bedeutet das, dass du zum Gericht verurteilt bist. Alle Menschen sind Kinder des Zorns und stehen unter Verdammnis. Und das ist ein elender Zustand.

Welche Merkmale hat dieser Zustand? Wir werden von der Sünde beherrscht und haben deshalb alle die Herrlichkeit Gottes verfehlt. Wir sind alle unter dem Fluch. Wir werden von der Sünde beherrscht, ja sogar regelrecht überrannt und überwältigt. Die Sünde ist eine Krankheit, die die Seele jedes Menschen beschmutzt. Sie erniedrigt jeden Menschen und versetzt ihn in Unruhe. Sie raubt den Frieden und die Freude und ersetzt sie durch Ärger, Schmerz und Angst. Sie pflanzt in jedes Herz tödliche Verdorbenheit, die kein Mensch je überwinden oder heilen kann.

Es ist sogar noch schlimmer als das. Wir sind nicht nur unheilbar sündig und böse, sondern wir werden auch noch vom Teufel selbst beherrscht, dem Satan, dem Engel der Bosheit. Wir sind Teil seines Reiches. Wir sind Teil seiner Familie. In Johannes 8,44 drückt Jesus das so aus: „Ihr habt den Teufel zum Vater“. Wir sind die Kinder des Teufels. Wir werden gemäß Epheser 2,2 beherrscht vom Fürsten, der in der Luft herrscht, von dem Geist, der in den Söhnen des Ungehorsams wirkt. Er wirkt in allen Menschen, die nicht nur von Natur aus verdorben sind, sondern durch das Wirken Satans in ihnen noch weiter verdorben werden. Deshalb sagt Jesus: Ihr tut seine Begierden. Was er begehrt, tut ihr.

Römer 8,20 beschreibt, dass wir als Folge davon der Vergänglichkeit unterworfen sind. Wir sind von Sünde überwältigt und werden vom Satan beherrscht. Das bedeutet, dass wir in diesem Zustand für alles Schlechte und Abscheuliche anfällig sind. Das Leben ist sinnlos und leer, wir sind bitter, haben Kummer und Schmerz. Wir sind zum Unheil geboren. Wir haben keinen Frieden. Wir fürchten den Tod. Wir sind voller Ängste und hoffnungslos. So bleibt uns nach Hebräer 10,27 nichts anderes übrig als voller Schrecken ein feuriges Gericht zu erwarten. Alles, was die Menschheit zu erwarten hat, ist die Hölle. Das Elend aller Menschen ist, dass sie gemäß Offenbarung 20,14 für immer durch den zweiten Tod zum Feuersee verdammt sein werden.

Römer 3,8-9 bestätigt, dass es eine gerechte Verurteilung ist, wenn diese Strafe verhängt wird. Wir haben das Gesetz Gottes gebrochen. Und Galater 3 sagt, dass man das ganze Gesetz gebrochen hat, wenn man auch nur ein Gesetz bricht. Deshalb ist unsere Verurteilung gerecht. Wie der Dieb am Kreuz, genauso leiden wir tatsächlich zu Recht.

Wenn man das alles zusammennimmt, kommt man zu folgendem Ergebnis: Der Sünder steht als Kind des Zorns unter der Verurteilung eines heiligen Gottes, der an jeder Sünde Anstoß nimmt und ein gerechtes Urteil fällt. Und dementsprechend ist die ewige Hölle das unausweichliche Ende. Das ist der Zustand eines jeden Menschen, bis der Heilige Geist eingreift. Unser Text bringt in die Dunkelheit dieses Bildes ein herrliches Licht hinein. Es gibt jetzt keine Verdammnis mehr für die, die in Christus Jesus sind. Denn das Gesetz, die Kraft und der Einfluss des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat uns frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes.

Ich muss zugeben, dass die Bibel ein sehr verurteilendes Buch ist. In Römer 5 heißt es, dass in Adam alle gestorben sind, weil wir alle die sündige Natur von Adam geerbt haben. Das wird in Römer 5 immer wieder wiederholt. In 2. Thessalonicher 1 finden wir ein erschreckendes Bild des zukünftigen Endgerichts, das über alle Sünder hereinbrechen wird. Dort heißt es, dass der Herr Jesus vom Himmel her mit seinen mächtigen Engeln in flammendem Feuer offenbart werden wird, um Vergeltung zu üben an denen, die Gott nicht kennen und die dem Evangelium unseres Herrn Jesus nicht gehorchen. Sie werden die Strafe des ewigen Verderbens zahlen, weit entfernt vom Herrn und von der Herrlichkeit seiner Macht. 

Es gibt zwei Aspekte der ewigen Hölle. Der eine betrifft die Wahrnehmung, d. h. echten Schmerz. Der andere betrifft die Abwesenheit von Gott. Das ist die echte Hölle. Du fragst dich vielleicht: Hat Gott nicht sein Gesetz gegeben, damit wir einen Maßstab haben, dem wir gerecht werden können? Und wenn man diesem Maßstab erfüllt, dann wird alles gut, dann kommen wir in den Himmel? Das ist das Missverständnis, das in der Welt am weitesten verbreitet ist, und es ist ein ebenso verhängnisvolles Missverständnis. Das Gesetz ist heilig. Es ist vollkommen heilig, weil es ein Abbild Gottes ist. Es ist die festgehaltene, niedergeschriebene und formulierte Ethik gemäß der Natur und des Wesens Gottes. So heilig das Gesetz selbst auch ist, es kann uns doch nicht heilig machen. Weder kann das Gesetz mit unserer Sünde fertig werden, noch kann es uns einen Weg aufzeigen, der Verdammung zu entkommen.

Hör zu, was Römer 3 dazu sagt: „Wir wissen aber, dass das Gesetz alles, was es spricht, zu denen sagt, die unter dem Gesetz sind, damit jeder Mund verstopft werde und alle Welt vor Gott schuldig sei“. Alles, was das Gesetz tut, ist, dir den Mund zu verstopfen, wenn du meinst, gut zu sein. „Weil aus Werken des Gesetzes kein Fleisch vor ihm gerechtfertigt werden kann; denn durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde.“ Das Einzige, was das Gesetz tut, ist, dir deine Sünde vor Augen zu halten. Es ist nicht der Weg, um Sünde zu überwinden, oder der Verurteilung als Konsequenz deiner Sünden zu entgehen. Das kann es nicht. Es kann deinen Zustand nicht verändern, sondern nur aufdecken. Es kann nichts an deiner Verurteilung ändern, sondern es verstärkt sie nur noch.

Das Gesetz macht die Dinge sogar noch schlimmer, weil es die Zahl der Übertretungen vergrößert. Niemand wird also durch das Gesetz mit Gott versöhnt werden. Vielmehr wird durch das Gesetz unsere Schuld und unsere Sünde vergrößert. Und weil das Gesetz nicht retten kann, gibt es ausschließlich Verurteilung für die, die unter dem Gesetz stehen. Diese Verurteilung kann nicht durch das geschriebene Gesetz beseitigt werden. Genau das ist in Römer 8,3 gemeint, wo es heißt: „Denn was dem Gesetz unmöglich war — weil es durch das Fleisch kraftlos war —“. Das heißt, dass das Gesetz im Menschen keine Rettung bewirken kann. Katakrima ist das Wort für Verdammnis und bezieht sich mehr auf die Strafe nach der Verurteilung als auf das Urteil selbst. Es gibt noch ein anderes griechisches Wort, das sich mehr auf das Urteil oder die Gerichtsentscheidung an sich bezieht. Aber das Wort katakrima an dieser Stelle, geht über die Verurteilung hinaus und bezieht sich auf die eigentliche Strafe.

Somit wird hier gesagt, dass es keine Strafe gibt für die, die in Christus Jesus sind. Trotz aller Übertretungen, trotz des Verstoßes gegen Gottes Gesetz, trotz der Tatsache, dass wir uns in einem Zustand befinden, in dem eine Verurteilung gerecht und heilig und richtig und verdient wäre, trotz unserer Verdorbenheit, trotz unserer Zugehörigkeit zum Reich der Finsternis und zu Satan selbst, können wir durch die Erlösung in einen Zustand gelangen, in dem es keine Verdammnis gibt. „Keine“ ist ein starkes Wort, eine starke Verneinung. Unter all den Möglichkeiten im Griechischen, etwas zu verneinen, ist das hier eine sehr starke Variante. Sie macht absolut und unmissverständlich klar, dass es keine Verdammnis gibt.

Das ist das Evangelium und die gute Nachricht. So sündig du auch bist, es besteht die Möglichkeit, in einen Zustand zu gelangen, in dem es überhaupt keine Verdammnis mehr gibt. Die Bedingung lautet, dass man dafür in Christus sein muss, wie es Vers 1 sagt: „Die, welche in Christus Jesus sind“. Oder Vers 2: „In Christus Jesus“. Es geht um das Einssein mit Christus. Was bedeutet es, in Christus zu sein? Es bedeutet ganz real, auf einer geistlichen Ebene in ihm zu sein. Zwei Kapitel vorher in Römer 6,3 heißt es: „Oder wisst ihr nicht, dass wir alle, die wir in Christus Jesus hinein getauft sind?“ Hier ist nicht von der Wassertaufe die Rede, sondern das Wort wird im übertragenen Sinne für untergetaucht verwendet. Und dann geht es weiter: „Dass wir alle, die wir in Christus Jesus hinein getauft sind, in seinen Tod getauft sind? Wir sind also mit ihm begraben worden durch die Taufe in den Tod, damit, gleichwie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters aus den Toten auferweckt worden ist, so auch wir in einem neuen Leben wandeln.“ Mit anderen Worten: Wir werden in Christus sowohl buchstäblich in seinen Tod als auch in seine Auferstehung hineingestellt. Wir sterben in ihm, wir werden lebendig in ihm.

Vers 5: „Denn wenn wir mit ihm einsgemacht und ihm gleich geworden sind in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein; wir wissen ja dieses, dass unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, damit der Leib der Sünde außer Wirksamkeit gesetzt sei, sodass wir der Sünde nicht mehr dienen; denn wer gestorben ist, der ist von der Sünde freigesprochen. Wenn wir aber mit Christus gestorben sind, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden, da wir wissen, dass Christus, aus den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt; der Tod herrscht nicht mehr über ihn. Denn was er gestorben ist, das ist er der Sünde gestorben, ein für alle Mal; was er aber lebt, das lebt er für Gott. Also auch ihr: Haltet euch selbst dafür, dass ihr für die Sünde tot seid, aber für Gott lebt in Christus Jesus, unserem Herrn!“ In Christus sterben wir, und in ihm werden wir wieder lebendig. Das ist unsere Einheit mit Christus.

All das wird schon in Kapitel 6 erklärt, weshalb wir in Kapitel 8 keine weitere Definition davon finden, was es bedeutet, in Christus zu sein. Alles, was wir hier wissen müssen, ist: Für die, die in Christus sind, gibt es keine Verdammnis mehr, überhaupt keine. Wir sind aus der Reichweite der Verdammnis herausgeholt worden. So beginnt das Kapitel, und so endet es auch.

Am Ende von Kapitel 8 lesen wir in Vers 35: „Wer will uns scheiden von der Liebe des Christus? Drangsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert?“ Nichts davon. Und in Vers 38 heißt es: „Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendein anderes Geschöpf uns zu scheiden vermag von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“

Das bedeutet, dass nichts von dem, was man sich vorstellen oder nicht vorstellen kann, unseren Zustand ändern kann. Nichts kann etwas an dem Status „keine Verdammnis“ ändern. Wir sind aus der Reichweite der Verdammnis herausgehoben worden. Dieses ganze Kapitel ist ein langer und wirklich spannender Beweis für die Sicherheit der Gläubigen. Und darum geht es. Es geht um die Sicherheit derer, die in Christus sind. Es geht um Sicherheit vor jeglicher Verdammnis und um ihre Geborgenheit jetzt und in Zukunft. Selbst Satan wird uns nicht mehr vor Gott anklagen können, wie es weiter unten im Kapitel heißt. Niemand wird das jemals können, denn wir sind jeglicher Verdammnis entzogen. Und das alles wird auf wunderbare Weise dem Heiligen Geist zugeschrieben, der es für uns tut. Der Grund dafür, dass wir nicht verdammt sind, ist laut Vers 2, dass das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus uns von dem Gesetz der Sünde und des Todes befreit hat.

Das Wort „Gesetz“ wird hier nicht im biblischen Sinn eines festgeschriebenen Gesetzes verwendet, sondern im Sinne eines Prinzips, einer beherrschenden Kraft. Die beherrschende Kraft des Geistes des Lebens hat uns von der beherrschenden Kraft der Sünde befreit, die zum Tod führt. Dies ist einfach eine erstaunliche, klare, spezifische Aussage über das Wirken des Heiligen Geistes. Diejenigen von uns, die in Christus sind, sind wirklich in Christus. Wir sind mit ihm verbunden.

Wie kam es, dass wir in Christus sind? Wir wurden durch den Heiligen Geist buchstäblich in ihn hineinversetzt. Er nahm uns aus dem Zustand der Sünde, der zum Tod führt, heraus und schenkte uns Leben. Deshalb nennt man ihn den Geist des Lebens, den erneuernden Geist, den Geist, der Leben ist oder den Leben spendenden Geist.

Martin Luther sagte einmal: „Es ist unmöglich, Christ zu sein, ohne Christus zu haben, und wenn man Christus hat, hat man zugleich alles, was in Christus ist. Das gibt dem Gewissen Frieden: Durch den Glauben gehören unsere Sünden nicht mehr uns, sondern Christus. Gott hat sie alle auf ihn gelegt. Andererseits gehört die ganze Gerechtigkeit Christi uns, denen Gott sie gegeben hat. Christus legt seine Hand auf uns und wir werden geheilt. Er wirft seinen Mantel über uns, und wir sind bekleidet, denn er ist unser herrlicher Retter, gesegnet in Ewigkeit.“ Diese Einheit, die wir jetzt mit Christus haben, ist das Werk des Heiligen Geistes. Er holt uns aus dem Zustand des Todes heraus und versetzt uns in die Einheit mit Christus. Dann sind wir lebendig in Christus.

Wir wissen außerdem, dass das durch den Glauben geschieht. Luther sagt weiter: „Die Seele ist vereint mit Christus wie eine Ehefrau mit ihrem Mann. Alles, was Christus hat, wird zum Eigentum der gläubigen Seele, alles, was die Seele hat, wird zum Eigentum von Christus. Christus besitzt allen Segen und das ewige Leben. Das ist von nun an Eigentum der Seele. Die Seele hat alle ihre Missetaten und Sünden, danach werden sie zum Eigentum Christi. Dann beginnt ein segensreicher Tausch. Christus, der Gott und Mensch zugleich ist, Christus, der nie gesündigt hat und dessen Heiligkeit vollkommen ist, Christus, der Allmächtige und Ewige, nimmt durch seinen Ehering des Glaubens alle Sünden der Gläubigen auf sich. Diese Sünden sind in ihm verloren und aufgehoben, denn vor seiner unendlichen Gerechtigkeit gibt es keine Sünden. So wird die Seele des Gläubigen durch den Glauben von der Sünde befreit und mit der ewigen Gerechtigkeit, der Gerechtigkeit ihres Bräutigams Christus, bekleidet.“ Diese glückselige Einheit ist das Werk des Geistes des Lebens, der uns aus der tödlichen Verbindung mit Sünde und Satan herauslöst und uns das Leben schenkt. Es ist das Werk der Wiedergeburt des Heiligen Geistes. Das ist die Bedeutung von Vers 2.

Geht noch einmal für einen Moment zurück und seht euch das Ende an. Wir wurden befreit von dem beherrschenden Prinzip der Sünde, das den Tod verursacht. Wir wurden vom Zustand des geistigen Todes als Folge der Sünde befreit. Wir wurden befreit durch die vorherrschende Kraft des Geistes des Lebens. Das kann sich nur auf den Heiligen Geist beziehen, denn er ist der Geist des Lebens. So wird er in 2. Korinther 3 bezeichnet. Dort sehen wir in den Versen 6.17.18, dass das Gesetz und der Buchstabe töten, der Geist aber Leben gibt. In Galater 6,8 ist er der Leben spendende Geist. Der Heilige Geist ist derjenige, der uns Leben schenkt.

Solltest du dich immer noch darüber wundern, dann denke daran, dass Jesus zu Nikodemus sagte: Wenn du in das Reich Gottes eingehen möchtest, dann musst du aus Wasser und Geist geboren werden. Du musst von Neuem geboren werden. Der Geist ist die Quelle des Lebens. Er ist der, der Leben schenkt. Er ist der Erneuerer.

In Titus gibt es eine wunderbare Aussage über die Errettung, die meine Aussage untermauern und vielleicht etwas mehr Klarheit schaffen wird. Titus 3,3: „Denn auch wir waren einst unverständig, ungehorsam, gingen in die Irre, dienten mannigfachen Lüsten und Vergnügungen, lebten in Bosheit und Neid, verhasst und einander hassend.“ Das ist kein schönes Bild, und doch ist es die Beschreibung eines jedes Menschen. „Als aber die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Retters, erschien, da hat er uns [...] errettet“. Hier sehen wir die Güte Gottes. Alles beginnt mit der Liebe Gottes, wirkt durch die Gnade Christi und endet mit der Gemeinschaft des Geistes.

Wie hat er uns gerettet? Wie hat er uns aus dem Zustand des Verderbens und der Verdammnis befreit? Wie hat er uns aus dem Herrschaftsbereich Satans befreit? Wie hat er uns von der Tyrannei der Sünde befreit? „Er hat uns nicht aufgrund von Taten gerettet, die wir in Gerechtigkeit getan haben“. Es war also nicht durch das Gesetz und es lag auch nicht daran, dass wir gut waren. „Sondern aufgrund seiner Barmherzigkeit — errettet durch das Bad der Wiedergeburt und durch die Erneuerung des Heiligen Geistes, den er reichlich über uns ausgegossen hat durch Jesus Christus, unseren Retter.“ Ich bin mir nicht sicher, ob wir uns des ganzen Reichtums des Heiligen Geistes wirklich bewusst sind, aber wir werden gemeinsam daran arbeiten, ihn zu ergründen. Wie kam es zu dieser Erneuerung? Wie kam es zu diesem Bad der Wiedergeburt? Wie kam es zu diesem neuen Leben? Wie und von wem sind wir lebendig gemacht worden? Das war kein anderer als der Geist des Lebens.

Und wie er das macht, sehen wir in Johannes 16: Er überführt uns von Sünde, Gerechtigkeit und Gericht. Das Werk des Heiligen Geistes ist die Überführung des Sünders. Dann hat er uns das Evangelium gebracht, weil er der Autor der Heiligen Schrift ist. Die gesamte Heilige Schrift ist von Gott inspiriert, pneuma, von Gott eingehaucht. Petrus beschreibt es so, dass heilige Männer vom Heiligen Geist bewegt wurden, die Heilige Schrift zu schreiben. Der Geist ist also der Autor der Heiligen Schrift. So ist der Geist erstens der Überführer der Sünder. Zweitens ist er der Urheber des Evangeliums. Er bringt uns das Evangelium, so dass wir gemäß Jakobus 1,18 durch das Wort der Wahrheit neu gezeugt werden. 1. Petrus 1 sagt das Gleiche. Wir sind durch das Wort der Wahrheit gezeugt worden. Der Geist wird zu unserem Lehrer, öffnet unseren Verstand durch seine erneuernde Kraft, und wir glauben dem Evangelium. Dann wenden wir uns von der Sünde ab. Das alles ist das Werk des Heiligen Geistes. Er ist der Leben spendende Geist, der Geist des Lebens.

Ich frage dich, ob du dir jemals wirklich Zeit genommen hast, dem Heiligen Geist für das zu danken, was er dir gegeben hat: Dass er dich von Sünde, Gerechtigkeit und Gericht überführt hat, dass er die Heilige Schrift geschrieben hat, das herrliche Evangelium, das Wort der Wahrheit. Er ist der Geist der Wahrheit, der dir das Wort der Wahrheit brachte, und dir dann Leben und Verständnis gab, so dass du die Wahrheit hörtest und lebendig wurdest, Buße tatest und der Wahrheit geglaubt hast. Du wurdest aus einem Zustand der Sünde und des Todes zum Leben befreit. Jetzt bist du nicht nur lebendig, sondern auch mit der Gerechtigkeit Christi bekleidet und damit ist keine Verdammnis mehr möglich. Verdammnis ist nicht mehr möglich.

Ich möchte nächstes Mal genauer darauf eingehen, wie der Geist das tun kann. Das sehen wir nämlich in Vers 3. Dort finden wir Gottes Vorkehrung, weil es dem Gesetz unmöglich war. Das Gesetz war kraftlos, weil es das Fleisch nicht zur Besserung befähigen konnte. Das Gesetz konnte den perfekten Standard setzen, aber es konnte keinen Menschen schaffen, der ihn halten könnte. Das Gesetz war kraftlos durch das Fleisch. Das Gesetz war nicht in sich selbst kraftlos, sondern in dem Sinne, dass das Fleisch es nicht halten kann. Aber Gott tat durch den Heiligen Geist das, was das Gesetz nicht tun konnte. Er tat es durch das Opfer Christi, indem er seinen eigenen Sohn in der Gestalt des sündigen Fleisches als Opfer für die Sünde sandte. Er hat die Sünde im Fleisch verurteilt.

Ich will dir den Unterschied zeigen. Schau dir die letzte Zeile an: „Er hat die Sünde im Fleisch verurteilt“. Das Gesetz verurteilt den Sünder, während das Kreuz die Sünde verurteilt hat. Siehst du den Unterschied? Das Gesetz kann die Sünde nicht verurteilen, aber das Kreuz hat die Sünde verurteilt. Das Gesetz verurteilt den Sünder zum Tod, das Kreuz verurteilt die Sünde zum Tod. Wenn die Sünde stirbt, ist sie nicht mehr die Kraft, die uns beherrscht. Sie kann nicht mehr zu einer gerechten Strafe und Hinrichtung aufrufen. Das Gesetz verurteilt den Sünder; das Kreuz verurteilt die Sünde.

Wie ist das möglich? Das ist möglich, weil Jesus am Kreuz das von Gott festgelegte Strafmaß für die Sünde vollständig bezahlte. Mit ihm in seinem Tod gleichgemacht zu werden bedeutet, dass in dem Moment, als er starb, alle unsere Sünden auf ihm lagen und er sie vollumfänglich bezahlte. Das war dem Gesetz nicht möglich. Glaub mir, das Gesetz verurteilt jeden Sünder. Es kann keine Sünde verurteilen, aber für diejenigen, die in Christus sind, verurteilt das Kreuz die Sünde. Das ist das Werk des Heiligen Geistes.

Ich suchte diese Woche nach Liedern über den Heiligen Geist und fand einige. Die meisten sind irgendwie schnulzig, kitschig oder sentimental. Schließlich beschloss ich, es mit einem presbyterianischen Gesangbuch zu versuchen. Die Presbyterianer sind in der Regel ein wenig theologischer. Und darin habe ich schließlich folgendes Lied gefunden, das ich noch nie gehört habe. Ich könnte die Melodie summen, aber das würde niemandem helfen. Es ist eine alte Hymne an den Heiligen Geist, und sie geht so: „Geist, wir beten dich an, du krönendes Geschenk der Auferstehung, gesandt von deinem erhabenen Thron, du Fülle der Gottheit selbst, komm, um dein Leben zu unserem zu machen.“ Das ist genau das, was der Heilige Geist tat. Er kam, damit das Leben Gottes zu unserem eigenen Leben würde.

Vielleicht ist dir die Autorin bekannt, sie heißt Margaret Clarkson. Ich habe die Hymne ein wenig bearbeitet und sie geht folgendermaßen weiter. Sie richtet sich an den Heiligen Geist: „Du, der du in der Morgendämmerung der Schöpfung über der leblosen Tiefe gegrübelt hast, bewegst dich immer noch durch die Dunkelheit unserer Natur, um unsere Seelen aus dem Schlaf zu wecken. Du bewegst dich, um zu rühren, zu ziehen, zu beleben, du durchdringst uns mit dem Bewusstsein der Sünde. Du bringst uns zur Welt und besiegelst und erfüllst uns, bist der rettende Fürsprecher in uns. Du selbst, der lebendige Urheber, erweckst das heilige Wort zum Leben, liest mit uns seine heiligen Seiten und offenbarst unseren auferstandenen Herrn. Du bist es, der in uns wirkt und rebellische Herzen das Beten lehrt. Du, dessen heilige Fürbitte für uns Tag und Nacht aufsteigt.“ Das ist absolut wahr, und Grund genug, dem Heiligen Geist die Ehre zu geben. Amen?

Vater, wir danken dir für die Zeit heute Morgen, um über diese Wahrheiten nachzudenken. Wir kratzen nur an der Oberfläche dieser großen Wahrheiten. Und doch wissen wir bereits so viel, dass wir ergänzen und begreifen können, dass all das, was Christus am Kreuz getan hat, es dem Heiligen Geist ermöglicht hat, uns Leben zu geben. Christus hat unsere Sünden am Stamm getragen. Er wurde um unserer Übertretungen willen verwundet und um unserer Missetaten willen zerschlagen. Die Strafe lag auf ihm, damit wir Frieden hätten und durch seine Wunden sind wir geheilt. Er, der keine Sünde kannte, wurde für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm zur Gerechtigkeit Gottes würden. Er wurde für uns zum Fluch. All diese großartigen Wahrheiten des stellvertretenden Werkes Christi, die notwendige Bereitstellung und Bestätigung der göttlichen Initiative ermöglichen es dem Heiligen Geist, uns Leben zu schenken. In diesem Leben gibt es keine Verdammnis mehr, weil wir wissen, dass Christus vollständig für unsere Sünden verdammt wurde. Nichts und niemand kann uns jemals verdammen. Das ist solch eine großartige Nachricht!

Vater, wir danken dir so sehr, dass du aus Liebe den ersten Schritt machst. Christus, wir danken dir für ein solches Gnadenopfer. Und wir danken dir, Heiliger Geist, dass du uns Leben schenkst und dieses Leben erhältst, bis wir Christus von Angesicht zu Angesicht sehen und ihm gleich sind. Wir beten dich an, unseren dreieinen Gott, und wir tun es mit Freude und Dankbarkeit. Amen.

ENDE

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