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Göttliche Wahrheit ist das Allerwichtigste, was es gibt. Durch göttliche Wahrheit werden wir gerettet und geheiligt. Durch göttliche Wahrheit erhalten wir die Hoffnung der Herrlichkeit. Durch göttliche Wahrheit begreifen wir, was Gott von uns verlangt. Wir verstehen, wie wir gehorchen sollen und wir verstehen, wie wir sein sollen. Das bringt uns Segen auf unserem irdischen Weg und Belohnung in der Ewigkeit. Die Wahrheit ist also wichtiger als alles andere. Gott selbst ist wahrhaftig und kann nicht lügen. Christus ist die Wahrheit und der Heilige Geist ist der Geist der Wahrheit. Deshalb steht in der Schrift geschrieben: „Gott erweist sich als wahrhaftig, jeder Mensch aber als Lügner“. Und darum sagt Jesus in Johannes 17,17: „Dein Wort ist Wahrheit“.

Wir sind hier, weil Jesus uns aufgetragen hat, in der Wahrheit anzubeten, die Wahrheit zu glauben, die Wahrheit zu reden, über die Wahrheit nachzudenken, die Wahrheit zu verstehen, in der Wahrheit zu wandeln, die Wahrheit zu lieben, sich an der Wahrheit zu erfreuen und der Wahrheit zu gehorchen. Es geht einzig und allein um die Wahrheit. Vielleicht wäre ein besserer Name für unsere Gemeinde „Truth Community Church“ d. h. „Wahrheit-Gemeinschaft-Gemeinde“, denn im Kern geht es genau darum. Wahrheit ist, wie die Dinge wirklich sind. Das macht Wahrheit aus. Wahrheit ist Realität, und Gott ist ihr Urheber. Er hat bestimmt, was wahr ist, und er ist derjenige, der offenbart, was wahr ist.

Natürlich ist die Bibel wahr. Sie enthält die Wahrheit über den wahren Gott, den wahren Christus und den wahren Heiligen Geist. Als unerschöpfliche Quelle der Wahrheit enthält sie alles, was wir wissen müssen.

Ich habe 43 Jahre damit verbracht, Vers für Vers durch das Neue Testament zu predigen. Als letztes war das Markusevangelium dran, in dem ich ein paar Jahre verbrachte. Davor waren es zehn Jahre in Lukasevangelium, acht Jahre in Matthäus, ein paar Jahre in Johannes und im Rest des Neuen Testaments. Das Einzige, was ich bereue, ist, dass ich zu schnell war. Ich habe zu viel übersehen. Da ist so viel mehr drin. Ich könnte es immer und immer wieder durchgehen und würde doch die darin enthaltene Wahrheit nie ausschöpfen.

Aber da wir bis Sonntag nur vier Tage zusammen haben, müssen wir uns irgendwie auf einen Aspekt der Wahrheit konzentrieren. Diejenigen unter euch, die mich kennen, wissen, dass ich vor einigen Jahren ein Buch mit dem Titel The Gospel According to Jesus geschrieben habe (der deutsche Titel lautet Lampen ohne Öl). Das Buch hat mir selbst viel Klarheit gegeben und ich lege auch euch ans Herz, es zu lesen. Als ich mit der Bibelschule fertig war, war ich für den Umgang mit dem Wort Gottes sehr gut ausgebildet. Ich hatte Griechisch und Hebräisch, Theologie und Kirchengeschichte studiert. Ich wusste, wie man mit dem Wort Gottes umgeht, und ich dachte, ich wüsste, welche Probleme auf mich zukommen würden. Ich war darauf vorbereitet, die Wahrheit apologetisch zu verteidigen, weil diese auch damals schon umkämpft war. Aber mir war nicht klar, dass ich einen großen Teil meines Dienstes damit verbringen würde, das Evangelium der Gemeinde zu erklären. Und ich hätte nie gedacht, dass es dabei nicht um die Welt geht, sondern um eine sehr verwirrte Gemeinde, die das Evangelium verstehen muss.

Deshalb schrieb ich Lampen ohne Öl. Ein paar Jahre später folgte das Buch The Gospel According to The Apostles (auf Deutsch: Das Evangelium nach den Aposteln). Dieses Buch beantwortete viele der Fragen, die mir entgegengeschleudert wurden, nachdem Lampen ohne Öl veröffentlicht worden war. Und dann schrieb ich noch ein paar andere Bücher mit dem Ziel, zur Wahrheit des Evangeliums zurückzukehren, wie z. B. Der Kampf um die Wahrheit. Ein bestimmtes Buch wartet aber noch darauf, von mir geschrieben zu werden. Das ist der dritte Teil der Trilogie und der Titel wird lauten „The Gospel according to Paul“ Das Evangelium nach Paulus. In eurem Programm könnt ihr sehen, dass das das Thema dieser Woche ist. Es wurde mir von den höheren Mächten bei Grace to You zugewiesen. Und es lohnt sich, dieses Thema anzugehen, denn das Evangelium nach Paulus wird heute sehr angegriffen. Vielleicht habt ihr schon einmal von der „Neuen Paulus-Perspektive“ gehört? Das ist eine Strömung, die das ablehnt, was Paulus im Neuen Testament schrieb. Diese Strömung lehnt ebenfalls ab, wie die Gemeinde die Schriften von Paulus seit der Reformation verstehen, nämlich dass das Evangelium wiederentdeckt wurde.

Das Evangelium nach Paulus wird heute angegriffen. Es macht jedoch wenig Sinn, zu viel Betonung auf den Irrtum einzugehen. Ich konzentriere mich viel lieber auf die Wahrheit, dann könnt ihr den Irrtum selbst aufdecken. Deshalb sehen wir uns das Evangelium nach Paulus an. Es gibt jede Menge Material, das dieses Thema abdeckt. Allein schon in der Apostelgeschichte ist viel von Paulus und dem Evangelium zu lesen und dann haben wir auch noch die 13 Briefe von Paulus. Es gibt in Bezug auf Paulus also viel mehr, als wir jemals erfassen könnten.

Paulus beschreibt das Evangelium als das Evangelium Gottes, das Evangelium des glückseligen Gottes, das Evangelium seines Sohnes, das Evangelium von Christus oder das Evangelium unseres Herrn Jesus Christus. Er nennt es auch das Evangelium der Gnade, das Evangelium des Friedens und das Evangelium unserer Erlösung. Aber am schönsten ist es, wenn er es „mein Evangelium“ nennt. Das dehnt er sogar aus und nennt es „unser Evangelium“. Was war „sein Evangelium“? Was ist „unser Evangelium“? Was genau ist dieses Evangelium der Gnade, das Evangelium des Friedens, das Evangelium der Rettung, das Evangelium des Herrn Jesus Christus und des glückseligen Gottes? Für uns, die wir das Evangelium verkünden, ist es immens wichtig, zu wissen, was genau es ist.

Wir alle kennen Paulus‘ Worte in Römer 1,15: „Darum bin ich bereit, das Evangelium zu verkündigen. Denn ich schäme mich des Evangeliums von Christus nicht; denn es ist Gottes Kraft zur Errettung für jeden, der glaubt, zuerst für den Juden, dann auch für den Griechen“. Hier liegt ein chronologischer Aufbau vor. Schauen wir uns also an, welches Evangelium er unbedingt predigen wollte.

Wir wollen einen kurzen Blick darauf werfen, was man nicht tun sollte und schlagen unsere Bibel in Galater 1,6 auf. Dieser Vers warnt uns vor der tödlichen Gefahr, das Evangelium zu verfälschen. Dort heißt es: „Mich wundert, dass ihr euch so schnell abwenden lasst von dem, der euch durch die Gnade des Christus berufen hat, zu einem anderen Evangelium“.

Paulus sagt hier: „Mich wundert“. Das griechische Verb dafür ist thaumazō. Es wird in den Evangelien sehr oft verwendet, wenn Menschen über die unerklärlichen Wunder Jesu staunen. Paulus findet es also im wahrsten Sinn des Wortes unglaublich, dass jemand das Evangelium aufgeben könnte oder sich zu einem anderen Evangelium hingezogen fühlt. Er verwendet das Wort thaumazō für zwei verschiedene Begebenheiten. Eine davon steht hier, die andere in 2. Thessalonicher 1,7-10. Dort beschreibt er die Wiederkunft Jesu Christi, und was für ein Wunder es sein wird, wenn er in flammendem Feuer kommt und Rache an denen nimmt, die dem Evangelium nicht gehorchen.

Er geht mit diesem Wort also ziemlich sparsam um und verwendet es nur zweimal. Hier sagt er: Ich bin erstaunt, dass ihr so schnell abtrünnig werdet und euch von dem abwendet, der euch gerufen hat. Das meint einen wirksamen Ruf, einen inneren Ruf, einen echten Ruf, einen Ruf zur Erlösung. Paulus spricht hier also von Menschen, die wirksam berufen sind, d. h. er spricht von wiedergeborenen Gläubigen. Und diese werden von einem anderen Evangelium weggezogen und verführt. Sie sind geistlich betört und fasziniert von diesem anderen Evangelium. Und dann sagt er in Vers 7, „während es doch kein anderes gibt; nur sind etliche da, die euch verwirren und das Evangelium von Christus verdrehen wollen.“ In der darauffolgenden Warnung benutzt er ein Pluralpronomen. Dies tut er immer wieder gerne, um auf eine bescheidene Art und Weise von sich selbst zu reden. Deshalb sagt er: „Aber selbst wenn wir oder ein Engel vom Himmel euch etwas anderes als Evangelium verkündigen würden als das, was wir euch verkündigt haben, der sei“ anathema. Das bedeutet verflucht, oder der Zerstörung gewidmet. Er verwendet es auch in 1. Korinther 16,22: „Wenn jemand den Herrn Jesus Christus nicht liebt, der sei verflucht!“

Zwar sind alle Wahrheiten wichtig, aber die allerwichtigste Wahrheit ist das Evangelium. Wir müssen uns also mit Paulus’ Evangelium befassen, welches auch das Evangelium des Herrn Jesus Christus ist und das Evangelium des glückseligen Gottes. Es ist das Evangelium des Friedens, der Gnade und der Erlösung.

Ich werde versuchen, all das auf unsere vier gemeinsamen Tage zu verteilen. Heute Abend möchte ich zu euch über das herrliche Evangelium sprechen und morgen Vormittag über das zufriedenstellende Evangelium. In der ersten Predigt werden wir sehen, wie das Evangelium den Sünder zufrieden stellt und in der zweiten Predigt, wie es Gott zufrieden stellt. Morgen Abend geht es dann um das versöhnende Evangelium. Am Samstagmorgen gibt es also zwei Vorträge, und am Sonntagmorgen geht es um das demütigende Evangelium. Am Sonntagabend werden wir schließlich bei einer gemeinsamen Frage & Antwort - Zeit versuchen, alle offenen Fragen zu klären. Das wird eine tolle Zeit werden.

In unserem heutigen Vortrag geht es also um die Herrlichkeit des Evangeliums. Ich habe dabei nicht vor, es in einer chronologischen Abfolge auszulegen. Sondern es handelt sich vielmehr um eine Reihe von Aussagen, die mir beim Nachdenken über das Evangelium wichtig geworden sind. Dabei kommt mir eine bestimmte Stelle immer wieder in den Sinn. Ich muss gestehen, dass es mir eigentlich egal war, welches Thema ihr mir gebt, denn ich würde so oder so über dieses Kapitel predigen. Ich würde immer irgendwie einen Weg finden, um dorthin zu gelangen. Alle Wege führen zu 2. Korinther 4. Schlagt also eure Bibel im 2. Korintherbrief, Kapitel 4 auf.

Ich bin sehr froh, dass ich diesen Brief in meinem Lehrdienst erst ziemlich spät durchgenommen habe. Denn als junger Pastor verstand ich den zweiten Korintherbrief noch gar nicht und hätte daher auch nicht über ihn predigen können. Man muss eigentlich jahrzehntelang verprügelt worden sein, um überhaupt erfassen zu können, was Paulus da durchmacht. Und um das Herz des Paulus in diesem erstaunlichen Brief verstehen zu können, muss man schon viele Jahre Erfahrung im Dienst haben. Wenn ihr das Herz und die Seele des Apostel Paulus kennenlernen wollt, dann kauft euch den Kommentar zum 2. Korintherbrief. Lest jeden Tag ein Kapitel darin und ihr werdet diesen Mann durch und durch kennenlernen. Denn in diesem unglaublichen Brief zeigt er sein Herz.

Ich weiß, wenn ihr an das Evangelium denkt, dann denkt ihr an Galater, an Römer, an Kolosser und an den Abschnitt, den wir gerade gelesen haben. Vielleicht denkt ihr noch an andere Predigten von Paulus in der Apostelgeschichte, in denen er das Evangelium deutlich machte. Aber ihr werdet sehen, dass wir in den kommenden Tagen immer wieder in die Korintherbriefe schauen werden, um das Evangelium zu verstehen. In dieser Hinsicht werden sie oft übersehen.

Das vierte Kapitel des zweiten Korintherbriefs gibt uns einen Einblick in die Herrlichkeit des Evangeliums. Das große Thema des 2. Korintherbriefs ist Leiden. Und das ist für uns ein perfekter Einstieg, weil es so viel über die Herrlichkeit des Evangeliums erklärt. Wenn ihr zu Vers 4 hinuntergeht, seht ihr an dessen Ende die Formulierung: „Evangelium von der Herrlichkeit des Christus“. Das ist unser Thema für diesen Eröffnungsvortrag: Das Evangelium von der Herrlichkeit Christi. Wir schauen uns das herrliche Evangelium an. Es ist entscheidend, die Herrlichkeit des Evangeliums zu verstehen: seine alles überragende Bedeutung, sein Wesen, das alles andere übertrifft, seine überzeugende Realität, seine unvergleichliche Wichtigkeit und Tragweite. Die Herrlichkeit des Evangeliums ist das, was das Evangelium über alle anderen Wahrheiten und Botschaften erhebt. Wenn ich sage, dass es im 2. Korintherbrief um Leid geht, kommt unmittelbar die Frage auf, weshalb Paulus sich all diesem Schmerz aussetzte. Und seine Antwort lautet: Wegen der Herrlichkeit des Evangeliums. Weil es nichts Vergleichbares gibt, nichts, was ihm nahekommt, nichts, was an seine Priorität, seine Bedeutung, seine Wichtigkeit heran reicht. Es ist eine Botschaft, die alles andere übertrifft. In der evangelikalen Gemeinde von heute fehlt diese Tatsache. Sie würdigt das Evangelium herab und macht es billig.

Wenn man das Leben des Apostel Paulus betrachtet, sieht man ein Leben voller Leid. Im Gegensatz dazu haben heute viele Menschen es geschafft, ein anderes Evangelium zu erfinden, bei dem sie nicht leiden müssen. Das ist zwar dann nicht wirklich ein anderes Evangelium, denn ein anderes Evangelium gibt es nicht. Aber es ist eine Abwandlung davon, mit dem Ziel, die Konfrontation und den Anstoß daraus zu entfernen. Im Kern ist das gar kein Evangelium mehr. Nicht so Paulus. Sein ganzes Wirken für das Evangelium machte die Menschen wütend, zornig, feindselig und gewalttätig, und trotzdem rüttelte er nie an der Botschaft.

In 2. Timotheus 4,6 befindet sich Paulus am Ende seines Lebens. In seinen Abschiedsworten sagt er: Ich bin bereit. „Denn ich werde schon geopfert, und die Zeit meines Aufbruchs ist nahe. Ich habe den guten Kampf gekämpft.“ Ich habe den guten Kampf gekämpft. Es war von Anfang bis Ende ein Kampf, und wisst ihr, wie er für ihn ausging? Er legte seinen Kopf auf einen Holzblock, eine Axt blitzte in der Sonne auf und trennte seinen Kopf von seinem Körper. Und dann war er endlich bei seinem Herrn. Zuvor hatte er wiederholt im Gefängnis gesessen. Wenn er in eine Stadt kam, fragte er deshalb nicht als erstes, wie das Hotel aussah. Sondern er fragte, wie es im Gefängnis aussah, weil er wusste, dass er früher oder später dort landen würde.

Und wahrscheinlich kam immer wieder mal jemand zu ihm, der sagte: „Paulus, warum lässt du nicht locker? Man muss wirklich nicht in jeder Stadt im Gefängnis landen oder aus der Stadt gejagt werden. Denkst du, dass dein ganzes Leben so sein muss, dass die Verschwörung der Juden, die Verschwörung der Heiden, die Verschwörung des Volkes und die Verschwörung der Führer versucht, dich zu töten? Das muss doch nicht sein. Nimm doch einfach ein paar Anpassungen vor!“

Wie konnte Paulus all das ertragen? Die Antwort ist, dass er die Herrlichkeit des Evangeliums verstanden hatte. Nun gehen wir zu 2. Korinther 4, und ich weiß, dass ich normalerweise sehr langsam vorgehe und maximal ein paar Verse abdecke. Ich erinnere mich, wie ich den Römerbrief begann. Unsere Gemeinde war so gespannt. Alle kamen, und der Römerbrief beginnt mit dem Wort: „Paulus“. Also ging meine erste Predigt über das Wort „Paulus“. Und alle dachten: „Ach du meine Güte. Er wird Wort für Wort vorgehen.“ Ich bin mir also bewußt, dass ich sehr oft tiefer grabe und weiter forsche. Aber heute werden wir gemeinsam einige größere Abschnitte betrachten.

Das vierte Kapitel des 2. Korintherbriefes ist eingeklammert. In Vers 1 sagt er am Anfang des Verses: „Darum lassen wir uns nicht entmutigen“. Und in Vers 16, am Ende des Kapitels, sagt er es noch einmal: „Darum lassen wir uns nicht entmutigen“. Das zeigt, dass es wirklich wichtig ist. Leider ist das nicht die beste Übersetzung. Im Griechischen gibt es ein Verb, egkakeō, und kakeō ist die Wurzel des Wortes kakos, was böse bedeutet. Es geht darum, sich schlecht zu verhalten und Böses zu tun. Paulus sagt eigentlich: Seht, in dem Wunsch, mir das Leben leichter zu machen, geriet ich oft genug in Versuchung, Böses zu tun, indem ich von der Wahrheit des Evangeliums abweiche. Aber das tue ich nicht. Das tue ich nicht.

Oder folgt seinen Einleitungsworten in 2. Korinther 1,3: „Gelobt sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott alles Trostes, der uns tröstet in all unserer Bedrängnis“. Schon nach wenigen Briefzeilen spricht er in den Versen 4 und 5 über all seine Bedrängnisse und von den Leiden Christi, die ihm im Überfluss zuteilwerden. In Vers 6 sagt er: „Wir haben Bedrängnis“ und „Wir ertragen geduldig die Leiden“. In Vers 8 sagt er: „Denn wir wollen euch, Brüder, nicht in Unkenntnis lassen über unsere Bedrängnis“. Er bestätigt, dass es schlimm war: „Dass wir übermäßig schwer zu tragen hatten, über unser Vermögen hinaus, sodass wir selbst am Leben verzweifelten“. Er wurde regelmäßig im wahrsten Sinn des Wortes an den Rand des Todes geführt.

In Vers 9 berichtet er: „Ja, wir hatten in uns selbst schon das Todesurteil“. Soweit wir die Situation einschätzen konnte, war es vorbei. Die Feinde hatten alle Macht und Möglichkeiten, und wir hatten keinerlei Vertrauen in uns selbst. Wir vertrauten auf Gott, und zwar nicht, weil wir glaubten, dass Gott uns retten würde, sondern weil wir wussten, dass Gott uns von den Toten auferwecken würde, wenn sie uns töteten. Und Gott hat uns aus der großen Gefahr des Todes errettet und wird uns auch weiter retten. Es war eine entsetzliche Situation nach der anderen.

In Kapitel 2 spricht Paulus über eine andere Art von Kummer, den ihm die Korinther bereiteten. Die Korinther waren eine Gemeinde, die jeden Pastor traurig machen würde. Deshalb sagt er in Vers 2: „Denn wenn ich euch betrübe, wer ist es dann, der mich erfreut, wenn nicht der, welcher von mir betrübt wird? Darum habe ich euch dies auch geschrieben, damit ich nicht, wenn ich komme, von denen Betrübnis habe, über die ich mich freuen sollte; da ich doch zu euch allen das Vertrauen habe, dass meine Freude euer aller Freude ist. Ich habe euch nämlich aus viel Bedrängnis und Herzensnot heraus geschrieben, unter vielen Tränen“. Mit anderen Worten sagt Paulus hier: Ihr seid eine Qual für mich, und deshalb bin ich eine Qual für euch, und das Ganze ist einfach ein Trauerspiel. Ich mag es nicht, wie ihr mich behandelt, und ihr mögt es nicht, wie ich euch behandle, und das quält mich zutiefst.

Es war tatsächlich so, dass er noch einmal nach Korinth zurückkehrte, nachdem er die Stadt verlassen hatte. Und jemand aus der Gemeinde stand auf und bot ihm die Stirn. Dieser klagte Paulus öffentlich an und verurteilte ihn, aber niemand kam zu seiner Verteidigung. Er verließ die Stadt mit gebrochenem Herzen. So können Gemeinden sein.

Gehen wir zurück zu Kapitel 4,8: „Wir werden überall bedrängt, aber nicht erdrückt; wir kommen in Verlegenheit, aber nicht in Verzweiflung; wir werden verfolgt, aber nicht verlassen; wir werden niedergeworfen, aber wir kommen nicht um; wir tragen allezeit das Sterben des Herrn Jesus am Leib umher, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib offenbar wird.“ Damit meint er, dass wir tatsächlich mit dem Bewusstsein umhergehen, dass wir jeden Tag für die Sache Christi sterben könnten.

Deshalb sagt Paulus in Vers 11: Wir „werden beständig dem Tod preisgegeben“ und in Vers 12: „So ist also der Tod wirksam in uns“. Das war das Leben, das er führte. Wir werden es später noch ein wenig genauer betrachten. In Kapitel 6,4 schreibt er dann: „Sondern in allem empfehlen wir uns als Diener Gottes: in viel standhaftem Ausharren, in Bedrängnissen, in Nöten, in Ängsten, unter Schlägen, in Gefängnissen, in Unruhen, in Mühen, im Wachen, im Fasten“. In Vers 8 beschreibt er seine völlig gegensätzlichen Erfahrungen: „Unter Ehre und Schande, bei böser und guter Nachrede; als »Verführer« und doch wahrhaftig, als Unbekannte und doch wohlbekannt, als Sterbende — und siehe, wir leben; als Gezüchtigte, und doch nicht getötet; als Betrübte, aber immer fröhlich, als Arme, die doch viele reich machen". So sah sein Leben aus.

In Kapitel 10,10 spricht er über die Art und Weise, wie er behandelt wurde: „Denn die Briefe, sagt einer, sind gewichtig und stark, aber die leibliche Gegenwart ist schwach und die Rede verachtenswert.“ Wisst ihr, was das bedeutet? Es bedeutet, dass er hässlich war und sich nicht gut ausdrücken konnte. Denn wenn du gut aussiehst, spielt es keine Rolle, ob du dich ausdrücken kannst. Dann kannst du auch einfach nur dastehen und alle sind glücklich. Oder aber wenn du hässlich bist und dich ausdrücken kannst, werden sie dir zuhören. Aber wenn man hässlich ist und sich nicht ausdrücken kann, hat man keine Chance. Das war also ein Angriff gegen die Person. Sie machten ihn einfach nieder, indem sie ihm vorwarfen, dass seine Präsenz unscheinbar und seine Rede verachtenswert sei.

Kapitel 11 kennt ihr, nicht wahr? Dort sagt er in Vers 6, dass er ihrer Meinung nach der Rede unkundig sei. Und dann kommt ab Vers 23 ein wirklich vertrauter Abschnitt. Dort vergleicht er sich als Diener Christi mit den falschen Aposteln, auf die er sich weiter oben bezieht. Er bezeugt anhand einiger Beispiele die Gültigkeit seines Apostelamtes. Dabei geht es ihm nicht darum, wie viele Bekehrte er vorweisen kann, wieviele geschriebenen Bücher oder gesprochenen Worte. Sondern weil er Christus in einer feindseligen Welt vertritt, sehen seine Zeugnisse folgendermaßen aus: „Ich habe weit mehr Mühsal, über die Maßen viele Schläge ausgestanden, war weit mehr in Gefängnissen, öfters in Todesgefahren. Von den Juden habe ich fünfmal 40 Schläge weniger einen empfangen; dreimal bin ich mit Ruten geschlagen" – durch die Römer – „einmal gesteinigt worden; dreimal habe ich Schiffbruch erlitten; einen Tag und eine Nacht habe ich in der Tiefe zugebracht. Ich bin oftmals auf Reisen gewesen, in Gefahren auf Flüssen, in Gefahren durch Räuber, in Gefahren vom eigenen Volk, in Gefahren von Heiden, in Gefahren in der Stadt, in Gefahren in der Wüste, in Gefahren auf dem Meer, in Gefahren unter falschen Brüdern; in Arbeit und Mühe, oftmals in Nachtwachen, in Hunger und Durst; oftmals in Fasten, in Kälte und Blöße; zu alledem der tägliche Andrang zu mir, die Sorge für alle Gemeinden.“

Über diese Stelle hörte ich einmal jemand predigen, dass Paulus durch die Verwaltung belastet gewesen sei. Aber darum geht es hier nicht. In Vers 29 erklärt er, wovon er spricht. „Wer ist schwach, und ich bin nicht auch schwach?“ Wisst ihr, was das bedeutet? Er war ein solcher Hirte, dass er den Schmerz eines Gläubigen spürte, wenn dieser schwach war. Deshalb sagt er auch weiter: „Wem wird Anstoß bereitet, und ich empfinde nicht brennenden Schmerz?“ Sein Herz war gebrochen über die Sünden seiner eigenen Herde. Das ist eine große Last für einen einzelnen Mann.

Wir wollen uns nun in Kapitel 4 der Frage widmen, was um alles in der Welt Paulus tut, um diesen ganzen Ärger zu ernten? Wegen dem was er sagt hat er sowohl Probleme mit den Ungläubigen als auch mit der Gemeinde. Er sollte sich lieber zurückhalten.

Ich traf mich mit dem Leiter einer der größten Mega-Gemeinden in Amerika, die ihr alle kennt. Ich saß in seinem riesigen Büro, und er sagte: MacArthur, ich habe nur ein Wort für Sie. Ich sagte: Toll, welches? Er sagte: Bleiben Sie locker. – Was? Ich soll locker bleiben? – Und er meinte: Ja, Sie sollten sich einfach mal entspannen und es gut sein lassen.

Wenn jemand mich fragen würde, wer mein Held im Gemeindedienst wäre, dann wäre das Paulus. Ich spüre die ganze Zeit sein Gewicht auf meinen Schultern. Ich glaube nicht, dass eine solche Aussage wie die von dem Pastor eben gut bei ihm angekommen wäre. Hey, Paulus, komm schon, entspann dich. Na los! Nimm die Ungläubigen nicht zu hart ran. Nimm die Gemeinde nicht so ernst. Komm schon, lass mal gut sein. Nein, das war nicht Paulus’ Stil. Und warum? Weil er verstanden hatte, dass man mit der göttlichen Wahrheit nicht zweideutig umgehen kann. Man kann sie nicht einfach anpassen. Man kann sie nicht an den Rand drängen. Man kann nicht an ihr herumbasteln. Man kann sie akzeptieren oder ablehnen, aber man kann nichts an ihr ändern. Paulus verstand die Herrlichkeit des Evangeliums. Das war der Grund dafür, dass er bis zum Äußersten ging, indem er ein ganzes Leben voller Schmerz und Leid lebte und als Märtyrer endete. Paulus sah also sein Leben im Lichte der Herrlichkeit des Evangeliums.

Mit diesem Gedanken im Hinterkopf kehren wir zu Kapitel 4 zurück. Ich werde euch zwischen vier und zehn Punkte nennen je nachdem, wie weit wir kommen.

Erstens verstand Paulus, dass der Neue Bund besser war. Der neue Bund ist erhabener. Denn ein Teil der Herrlichkeit des Evangeliums bestand natürlich darin, dass es der Neue Bund war, auf den man schon so lange gewartet hatte. Versteht ihr, was Paulus in Vers 1 meint, wenn er sagt: „Weil wir diesen Dienst haben“? Warum beginnt der Satz mit einem „weil“? Das „weil“ ist eine überleitende Aussage, die sich aus dem ergibt, was gerade gesagt wurde: „Weil wir diesen Dienst haben“. Von welchem Dienst spricht Paulus hier? Geht zurück zu Kapitel 3 Vers 8. Dort spricht er vom „Dienst des Geistes“. „Wie sollte dann nicht der Dienst des Geistes von weit größerer Herrlichkeit sein“, wenn doch der Dienst der Verdammnis das Gesetz war? Das Gesetz hatte doch auch seine Herrlichkeit. Ist euch bewusst, dass das Gesetz Herrlichkeit hatte? Das ist das Thema von Kapitel 3. Denn als Mose das Gesetz empfing, lag die Herrlichkeit Gottes auf seinem Angesicht, weshalb er eine Decke brauchte. Das Gesetz war ein direkter Abglanz von Gottes Wesen. Deshalb besaß es eine Herrlichkeit und es heißt in Vers 9: „Denn wenn der Dienst der Verdammnis Herrlichkeit hatte, wie viel mehr wird der Dienst der Gerechtigkeit von Herrlichkeit überfließen!“

Paulus sagt hier: Seht, das Gesetz hatte eine Herrlichkeit und Menschen gaben für das Gesetz ihr Leben. Aber beim Neuen Bund, dem Neuen Testament, dem Wirken des Geistes handelt es sich um den Dienst, in Vers 6, „nicht des Buchstabens, sondern des Geistes; denn der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig.“ Der Dienst des Geistes oder der Dienst der Gerechtigkeit ist von überwältigender Herrlichkeit. Er ist das Heil des Neuen Bundes. Wenn wir Zeit hätten, Kapitel 3 zu studieren, würdet ihr dort die Vergleiche sehen, die Paulus anstellt. Er vergleicht den Alten mit dem Neuen Bund. In Kapitel 3 Vers 6 sagt Paulus dass der Neue Bund Leben gibt. In den Versen 7 bis 9 bringt der Neue Bund Gerechtigkeit. In den Versen 7, 10 und 11 ist der Neue Bund dauerhaft. In Vers 12 bringt der Neue Bund Hoffnung. In den Versen 13 und 14 wird der Neue Bund aufgedeckt. In den Versen 16 bis 18 ist der Neue Bund Christus-zentriert, und in den Versen 17 und 18 ist der Neue Bund durch den Geist bevollmächtigt.

Wir haben diesen Dienst empfangen. Dieser Dienst schenkt Leben und Gerechtigkeit. Es ist ein andauernder Dienst, der niemals ersetzt werden kann, wie es beim Alten Bund der Fall war. Der Neue Bund bringt eine bleibende, ganz klare Hoffnung, die christuszentriert und vom Geist bevollmächtigt ist. Das ist das Wunder und die Herrlichkeit des Neuen Bundes.

Wisst ihr, wie das Leben von Paulus vor seiner Erfahrung auf der Straße nach Damaskus aussah? Er verfolgte Christen. Er war ein anspruchsvoller Gesetzeshüter, ein Jude unter Juden, durch und durch koscher. Er war ein Pharisäer. Er eiferte für das Gesetz und war in Bezug auf das Gesetz äußerlich untadelig. All das steht in Philipper 3. Und es war für ihn ein Gewinn, bis Christus ihm begegnete. Diese Begegnung änderte seinen Blickwinkel vollständig und er erkannte, dass es alles „Dreck“ gewesen war.

Was denkt ihr, wie wichtig war es für Paulus, die Wahrheit des Neuen Bundes zu entdecken? Glaubt ihr, dass das für ihn ein Durchbruch war? Es war in der Tat eine unglaubliche Befreiung für einen Gesetzeshüter ohne Hoffnung. Denn Paulus war eine Rarität. Im Neuen Testament kommen nur sehr wenige Pharisäer zu Christus. Sie waren so sehr in ihrer Gesetzlichkeit gefangen, dass man sich das auch gut vorstellen kann. Für den Apostel Paulus war es deshalb ein herrliches Wunder. Er ist der seltene Fall, wie der ältere Bruder in der Geschichte vom verlorenen Sohn, der seine Heuchelei bereut, Buße tut und seine Sünde annimmt.

Viele Menschen erkennen die Sündhaftigkeit ihrer Sünde, aber nicht ihrer Religion. Für Paulus war es der Anbruch eines unglaublich herrlichen Tages. Und als diesem Pharisäer des Alten Bundes die Herrlichkeit des Neuen Bundes dämmerte, war er fortan nie mehr derselbe. Weil nun auch wir diesen Dienst erhalten haben, versündigen wir uns nicht dadurch, dass wir an der Botschaft herumpfuschen.

Denn wenn du die Herrlichkeit des Evangeliums der Erlösung wirklich verstanden hast, siehst du das Evangelium in seiner ganzen Majestät, Schönheit und Fülle. Und dann könntest du es niemals verfälschen. Darum sollten wir den Menschen nicht ein verkürztes, übersättigtes, minimalistisches Verständnis des Evangeliums vermitteln. Sondern sie müssen die Herrlichkeit des Evangeliums in seiner ganzen törichten Schlichtheit zu spüren bekommen.

Zunächst also erduldete Paulus alle seine Leiden, weil er die Herrlichkeit des Evangeliums aus einem persönlichen Blickwinkel sah. In Philipper 3 beschreibt er, wie er früher versucht hatte, seine eigene Gerechtigkeit zu erlangen. Dann erkannte er, dass das alles nichts wert war, und fand die Gerechtigkeit Gottes in Christus. Wenn man wirklich wiedergeboren ist, versteht man, dass das die Botschaft ist, die um jeden Preis gepredigt werden muss.

Zweitens verstand Paulus den Dienst auch als Gnade. Paulus verstand den Dienst als Gnade und nahm ihn als Gnade an. Das mag ein interessantes Konzept sein, aber schaut euch Vers 1 an. „Weil wir diesen Dienst haben gemäß der Barmherzigkeit, die wir empfangen haben“. Es gibt einige Leute, die meinen, sie hätten sich das Recht erworben, das Evangelium zu predigen. Ich will dir etwas sagen. Ich bin nicht würdig. Du bist nicht würdig. Niemand von uns ist würdig, dieses Evangelium zu verkünden. Wir dürfen das nur tun, weil Gott uns gnädig ist. Hör auf die Worte des Apostels Paulus in 1. Timotheus 1,12: „Und darum danke ich [...] Christus Jesus, unserem Herrn, dass er mich treu erachtet und in den Dienst eingesetzt hat, der ich zuvor ein Lästerer und Verfolger und Frevler war. Aber mir ist Erbarmung widerfahren“.

Weißt du, warum ich im Dienst bin? Weil Gott barmherzig ist. Ich selbst hätte kein Recht dazu, denn ich habe es nicht verdient. Es reicht nicht, dass ich auf der Bibelschule war, oder dass ich eine Gabe zum Reden habe. Es ist reine Gnade, dass ich unwürdiger Sünder hier stehen, das Wort Gottes aufschlagen und das herrliche Evangelium von Christus verkünden darf. Dieses Privileg überwältigt mich immer wieder.

Das ist eine gute Nachricht: So, wie es nicht meine Stärke war, die sich dieses Recht verdiente, ist es auch nicht meine Schwäche, die es einbüßt. Gott schenkt es mir als Gnade. Ich habe es nicht verdient. Aber trotz meiner Schwäche und meines Versagens schenkt er mir diese Gnade weiterhin. Und weil ich den Dienst als Gnade verstehe, habe ich nicht viele Erwartungen an das, was ich erreichen kann. Ist dieser Gedanke nachvollziehbar?

Ich höre von Pastoren, die unter Burnout leiden. Burnout hat nichts mit harter Arbeit zu tun. Ich habe noch nie einen Klempner oder einen Bauarbeiter gesehen, der ausgebrannt war. Es geht also nicht um die körperliche Anstrengung. Sondern Burnout ist ein Phänomen, das bei Menschen auftritt, deren Erwartungen nicht erfüllt werden. Sie glauben, etwas Besseres zu verdienen und denken: Ich sollte nicht so behandelt werden.

Sie wollen einfach nicht so behandelt werden, wie sie es verdienen. Dabei behandelt Gott sie nicht einmal so, wie sie es verdienen. Menschen können im Dienst für die Gemeinde verwundet werden und ausbrennen. Sie werden müde, weil sie unrealistische Erwartungen an das haben, was sie zu verdienen glauben. Ihre Erwartungen sind daran geknüpft, dass sie qualifiziert sind, hart arbeiten und vorbereitet sind. In Wahrheit ist es jedoch so, dass es an jedem einzelnen Tag meines und deines Lebens reine Gnade ist, wenn der Herr uns die Gelegenheit gibt, sein Evangelium zu verkünden. Es ist Gnade, und ich werde diese Gnade niemals begreifen. Als ich in der High School war, wusste ich nicht, was ich werden wollte. Mein Vater war ein Prediger, ebenso wie mein Großvater und einige Generationen vor ihnen. Das beeinflusste mich schon ein wenig, fiel aber insgesamt nicht so sehr ins Gewicht. Eigentlich dachte ich, dass ich Profisportler werden wollte, denn ich bekam viel Lob, wenn ich einen Ball in der Hand hatte. Die Leute jubelten mir zu und mochten mich, und ich war einigermaßen berühmt.

Ich hätte wohl noch viele andere Wege einschlagen können, aber Gott hatte einen anderen Dienst für mich vorgesehen. Und die Gnade, dass ich das tun darf, hat nie aufgehört, mich zu überwältigen. Seit über fünfzig Jahren komme ich jeden Sonntag hierher. Gibt es ein größeres Privileg als dieses? Gibt es eine größere Ehre als diese für einen unwürdigen Diener?

Paulus kam ebenfalls nie über die Herrlichkeit des Evangeliums hinweg. Das wird im weiteren Verlauf dieses Abschnitts deutlich.

Für Paulus zeigte sich die Herrlichkeit des Evangeliums darin, dass erstens, der Neue Bund besser war, und zweitens sein Dienst Gnade war. Drittens zeigte sich ihm die Herrlichkeit des Evangeliums darin, dass ein reines Herz notwendig ist.

Während das zwar einerseits Gnade ist, lässt es andererseits trotzdem keinen Raum für Sünde. Mir gefällt, was er in Vers 2 sagt: „Wir haben den geheimen Dingen, deren man sich schämen muss, entsagt“ (ELB). Ich führe kein geheimes Leben. Hasst ihr es nicht auch, wenn sich herausstellt, dass ein Pastor ein geheimes Leben geführt hat? Das ist schrecklich, nicht wahr. Er führt ein verstecktes Leben voller Schande, das plötzlich im Fernsehen und in den Zeitungen zu einem Skandal breitgetreten wird. Paulus sagt: Ich habe kein verstecktes Leben. Ich lebe nicht in zwei Welten.

Wie würdet ihr euch verteidigen, wenn euch das jemand vorwerfen würde? Denn das war es ja, was sie taten. Sie beschuldigten ihn, ein geheimes Leben zu führen. Wenn man zwischen den Zeilen des 2. Korintherbriefs liest, heißt es, er sei wegen des Geldes in den Dienst getreten. Das wurde mir auch schon vorgeworfen. Und er sei wegen der Gefälligkeiten von Frauen in den Dienst getreten. Dem widerspricht Paulus, indem er sagt: Ich habe kein geheimes Leben, sondern ich habe dem entsagt. Seine Verteidigung finden wir in 2. Korinther 1,12: „Denn dies ist unser Ruhm: das Zeugnis unseres Gewissens“. Ihr könnt mich beschuldigen, so viel ihr wollt. Mein Gewissen klagt mich nicht an.

Genau dort wird die Schlacht gewonnen oder verloren. Nach Jakobus 1 wird die Sünde im Inneren gezeugt und zeigt sich schließlich nach außen hin. Paulus sagt: „Bringt eure Anklagen vor. Mein Gewissen bezeugt mir, dass wir uns in Heiligkeit und göttlicher Aufrichtigkeit, nicht in fleischlicher Weisheit, sondern in der Gnade Gottes in der Welt und besonders euch gegenüber verhalten haben. Mehr kann ich euch Anklägern nicht dazu sagen.“ Gerade zu dieser Zeit waren in Korinth Irrlehrer hinter Paulus her. Sie wollten mit einer bösartigen Kampagne seine Glaubwürdigkeit zerstören. Deshalb bestätigt er in seinem Brief: Mein Gewissen ist rein.

Das sagte er noch einige weitere Male, z. B., als er in Apostelgeschichte 23 und 24 Zeugnis ablegt. Und in den Pastoralbriefen schreibt er, dass sein Gewissen rein ist, obwohl er mit Sünde in seinem Leben zu tun hatte. Diese hatte er bekannt und sich davon abgewandt, wie er den Korinthern in Kapitel 7,1 schrieb: „So wollen wir uns reinigen von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes zur Vollendung der Heiligkeit in Gottesfurcht!“ Für Paulus zeigte sich die Herrlichkeit des Evangeliums demnach auch in der Integrität seines Lebens. Wie könnte man die Herrlichkeit des Evangeliums und die erstaunliche, privilegierte Gnade, dieses Evangelium verkünden, bejahen und dann wie ein Heuchler leben?

Wenn jemand also die Herrlichkeit des Evangeliums versteht und die Gnade des Vorrechts, dieses zu verkündigen, dann ist er zur selben Reinheit gezwungen wie Paulus. Dann willst du ein Gefäß zur Ehre sein und sicherstellen, dass dein Leben rein ist.

Kapitel 4 nennt noch einen vierten Punkt. Wenn du die Herrlichkeit des Evangeliums verstehst, dann bist du verpflichtet, die Schrift sorgfältig und korrekt zu predigen. Ich schaue gelegentlich – in Anführungszeichen –christliches Fernsehen, und Patricia —meine Frau— fragt mich immer: Warum schaust du dir das schon wieder an? Ich habe nicht immer eine gute Antwort. Über etwas bin ich am meisten entrüstet, und zwar über Menschen, die das Wort Gottes verfälschen, so wie es hier steht. Und vielleicht muss ich einfach meinen heiligen Zorn anfeuern. Ich weiß es nicht. Während in diesen Shows Menschen diesen Verführern Geld überweisen, würde ich am liebsten die Rachepsalmen über ihre Köpfe beten, und ich frage mich, wie Gott sie laufen lassen kann!? Menschen, die die Heilige Schrift verfälschen, verletzen mich mehr als alles andere, denn dies ist mein Leben. Sie ist das Leben und die Wahrheit, und damit darfst du nicht leichtfertig umgehen.

In 2. Korinther 2,17 sehen wir, warum Menschen genau das tun. „Denn wir sind nicht wie so viele, die das Wort Gottes verfälschen“. Hier spricht Paulus von Hochstaplern, Schwindlern, Scharlatanen und Betrügern, von denen es auf den Märkten der Antike viele gab. Sie verdünnten Wein mit Wasser, oder verkauften unreine Seife. Ihre Töpferwaren hatten Risse, die sie mit Wachs überdeckt hatten. Und sobald man es über das Feuer hielte, würde es schmelzen. Sie waren nicht aufrichtig. Sie waren kapēlos. Das ist das Wort für Hausieren oder Feilbieten. kapēlos, das waren Gauner, Fälscher und Betrüger. Hier in Kapitel 4,2 sagt Paulus: „Wir gehen nicht mit Hinterlist um“, panourgia. Panourgia setzt sich zusammen aus ourgia, die Energie zum Arbeiten und pan, was alle bedeutet. Also alle, die alles tun, um zu täuschen. Das Wort Gottes zu verunreinigen bedeutet, es zu verfälschen. Es ist vor allem ein Wort, das im Zusammenhang mit dem Verdünnen von Wein verwendet wird, im Sinn von ‚die Wahrheit nicht ans Licht kommen zu lassen‘.

Wenn du an die Herrlichkeit des Evangeliums glaubst, dann bastele nicht daran herum. Du darfst es nicht verfälschen. Menschen, die im Fernsehen das Evangelium verdrehen, um kranken, alten und sterbenden Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen, oder Menschen, die auf ein Wunder wie auf einen Lottogewinn warten, verstehen die Herrlichkeit des Evangeliums nicht. So sagt Paulus: Wir „fälschen auch nicht das Wort Gottes; sondern indem wir die Wahrheit offenbar machen, empfehlen wir uns jedem menschlichen Gewissen vor dem Angesicht Gottes.“

Du musst verstehen, dass die Wahrheit wirklich Kraft hat, sich selbst zu bestätigen. Das hat zur Folge, dass sie sich dem Gewissen des Ablehnenden empfiehlt sogar dann wenn sie abgelehnt wird. Aber dieser kämpft dagegen an.

Einige von euch wissen wahrscheinlich, dass ich vor einigen Jahren viel Zeit mit Larry King verbrachte. Ich mag ihn wirklich, und er ist mir wichtig. Wir hatten ein paar großartige Gespräche unter vier Augen. Er hörte die Wahrheit, und ich glaube, er hat nie wirklich mit mir darüber diskutiert. Denn die Wahrheit empfiehlt sich einfach selbst, sogar für den, der sie ablehnt.

Ich vermute, dass die ungläubige Welt diese in Anführungszeichen „christlichen“ Schwindler im Fernsehen besser als Gauner entlarvt, als die durchschnittlichen Kirchgänger.

Manche sagen mir: Weißt du, wir müssen die Botschaft ändern, weil wir keine Ergebnisse erzielen. Ich kann nicht glauben, dass sie das ernst meinen. Wenn du die Herrlichkeit des Evangeliums verstehst, dann wirst du kein Interesse daran haben, an der Wahrheit herumzupfuschen. Du willst ein reines Leben führen. Du verstehst, dass das Privileg des Dienstes reine Gnade ist. Und du feierst die Herrlichkeit des Evangeliums, das Teil des Neuen Bundes ist.

Der nächste Punkt, den ich euch mit auf den Weg geben möchte, ist dieser. Wenn du die Herrlichkeit des Evangeliums wirklich verstehst, weißt du, dass die Ergebnisse von Gott abhängen. Erinnerst du dich an das Gleichnis vom Sämann? Dort steht überhaupt nichts über den Sämann. Es wird weder gesagt, ob er seine linke oder rechte Hand benutzte, noch ob er den Samen hoch oder flach warf. Über den Sämann wird nichts gesagt, ebensowenig wie über den Beutel, in dem er das Saatgut transportierte, oder über seine Sämethode. Es ist ein Gleichnis über den Boden, nicht den Sämann. Es wird nicht einmal etwas über den Samen gesagt, außer dass der Same die Wahrheit ist, das Evangelium. Es geht nicht um die Technik, mit der du den Samen säst. Sondern es geht um den Zustand des Bodens. Ich bearbeite den Boden nicht. Das ist das Werk des Heiligen Geistes.

Ich liebe dieses Gleichnis in Markus 4,26, wo Jesus sagt, dass der Bauer die Saat sät und dann einschläft, und die Saat geht auf, ohne dass er weiß wie das geschieht. Wenn du sagst, dass du keine Ergebnisse bekommst, muss ich dich fragen: Glaubst du wirklich, dass du für die Ergebnisse verantwortlich bist? Ich habe gehört, dass es einige Diskussionen gibt bezüglich des Verbraucherwiderstandes, den es zu überwinden gilt. Ich wünsche dir viel Glück damit. Diesen Verbraucherwiderstand bezeichnet die Schrift als Verdorbenheit. Verbraucherwiderstand bedeutet, dass der Sünder unfähig und unwillig ist und sich selbst überlassen bleibt.

Wir gehen zurück zu 2. Korinther 4,3. Diese ganze Darstellung von Paulus ist so vernünftig und macht so viel Sinn. Er schlägt genau die Richtung ein, die man erwartet. Einige von euch sagen jetzt schon: „Paulus, du bist echt entmutigend. Du ziehst von Stadt zu Stadt zu Stadt zu Stadt. Die Gemeinden sind klein und trotzdem voller Probleme. Die Stadt, die Führer und die Bevölkerung lehnen dich ab und wollen dich töten. Die Juden sind hinter dir her. Du bist wirklich nicht sehr erfolgreich.“

Darauf lautet seine Antwort, dass dies nicht sein Problem wäre. Sondern unser Evangelium ist „bei denen verhüllt, die verlorengehen“. Damit meint er eine bestimmte Kategorie von Menschen. Er beschreibt hier die Standardeinstellung der gesamten Menschheit. Den Grund, weshalb sie so wurden, nennt er in Vers 4: „Bei den Ungläubigen, denen der Gott dieser Weltzeit die Sinne verblendet hat, sodass ihnen das helle Licht des Evangeliums von der Herrlichkeit des Christus nicht aufleuchtet, welcher Gottes Ebenbild ist.“ Das Problem ist nicht die Technik des Säens, sondern das Problem ist das Herz, also der Boden. All diese Prediger suchen daher pragmatische Wege, um effektiv zu evangelisieren. Sie wollen die Botschaft schmackhafter machen, um den Verbraucherwiderstand zu überwinden. Davon werden wir in einigen anderen Passagen der Heiligen Schrift noch mehr sehen.

Vielleicht kennen einige von euch mein Buch Slave (Sklave). Stellt euch vor, ihr würdet versuchen, in einer Welt voller Sklaven folgende Botschaft zu verkaufen: „Ach übrigens, in Jerusalem ist ein gekreuzigter Jude von den Toten auferstanden. Er wurde von seinem Volk und seinen Führern abgelehnt und von den Römern als gewöhnlicher Verbrecher hingerichtet. Er ist der wahre und lebendige Gott, der einzige Erlöser, und er möchte, dass du sein Sklave bist. Und außerdem musst du alle anderen Herren ablehnen, deine Sünde bekennen, Buße tun und dich an ihn als einzige Quelle des Heils wenden.“ Das würde unter den Sklaven sicherlich für große Verwunderung und Kopfschütteln sorgen.

Doch genau so ist es: Paulus verkündigt den Heiden einen gekreuzigten Juden, an den sie nicht nur glauben müssen. Sondern sie müssen ihn ebenfalls als Herrn bekennen und sogar sein Sklave werden. Das ist schwer zu verkaufen. Die Heiden besitzen keinen alttestamentlichen Hintergrund und verstehen deshalb das Opfersystem nicht. Und trotzdem verlangt man von ihnen zu glauben, dass dieser gekreuzigte Jude der fleischgewordene Gott ist, der einzige Erlöser, der einzig wahre und lebendige Gott, dessen Sklave man werden soll. Menschlich gesehen funktioniert das garantiert nicht. Deshalb heißt es in 1. Korinther 1, dass die Verkündigung des Kreuzes Torheit ist.

Die Ergebnisse unserer Verkündigung hängen allein von Gott ab. Ich habe Freude am Dienst, weil ich nur für die Aussaat zuständig bin und nicht für das Wachstum. Denn ich kann kein Leben schenken, nur Gott allein schenkt Leben. Darum mag ich 2. Korinther 5,4 sehr, wo es heißt: „Denn wir verkündigen nicht uns selbst“. Wir verkündigen keine selbsterdachten Methoden oder persönliche Geschichten über uns, „sondern Christus Jesus, dass er der Herr ist“. Und wir rufen alle Menschen dazu auf, um Jesu willen Sklaven zu werden.

Die Frage kommt auf, wie um alles in der Welt man mit einer solchen Botschaft überhaupt etwas erreichen kann. Und die Antwort darauf gibt Vers 6: „Denn Gott, der dem Licht gebot, aus der Finsternis hervorzuleuchten, er hat es auch in unseren Herzen licht werden lassen, damit wir erleuchtet werden mit der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi.“ Ist das nicht der tiefgreifendste und wichtigste Vers überhaupt? Er ist einfach wunderbar! Er spricht von der Schöpfung, wo Gott sprach: „Es werde Licht“ und es ins Dasein rief. Das ist das Modell für Errettung. Gott tritt in die Dunkelheit, die im Herzen des Sünders herrscht, und schaltet das Licht der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Christi an.

Das ist es, was den Dienst so aufregend macht. Wenn du dich zu sehr auf die Ergebnisse konzentrierst, wirst du am Ende nur dich selbst und deine Technik predigen. Du kümmerst dich nur noch um deine Garderobe, deinen Stil und deine Musik und verlierst dich in kulturellen Anpassungen. Aber wenn du die Herrlichkeit des Evangeliums verstehst, dann verstehst du auch, dass du persönlich völlig unbedeutend bist. Ich fasse das alles noch einmal zusammen. Wenn du die Herrlichkeit des Evangeliums verstehst, begreifst du, dass der Neue Bund besser ist. Du verstehst, dass der Dienst reine Gnade ist, dass ein reines Herz notwendig ist und dass die Heilige Schrift korrekt gepredigt werden muss. Außerdem verstehst du, dass geistliche Ergebnisse allein von Gott abhängen und dass du selbst unbedeutend bist.

Ich kam im Laufe der Jahre immer wieder auf diesen siebten Vers zurück, wo es heißt: „Wir haben diesen Schatz in irdenen Gefäßen“. Damit sind der Schatz des Evangeliums und ein Tontopf gemeint. Man verwendet einen Tontopf dazu, Erde einzufüllen, in die man dann Pflanzen einsetzt. In der Antike war ein Tontopf ein zerbrechlicher und hässlicher Wegwerfartikel. Den vielleicht besten Einblick in die Verwendung von Tontöpfen gibt 2. Timotheus 2,20, dort heißt es: „In einem großen Haus gibt es aber nicht nur goldene und silberne Gefäße, sondern auch hölzerne und irdene, und zwar die einen zur Ehre, die anderen aber zur Unehre.“ Die goldenen und silbernen Gefäßen waren zur Ehre, denn dort servierte man das Essen. Aber die Holz-, Steingut- und Tontöpfe wurden als Mülleimer verwendet. Man sammelte in ihnen den täglich anfallenden Müll und brachte diesen dann raus.

Laut diesem Vers haben wir also diesen großen Schatz in Mülleimern. Das vermittelt ein Gefühl von persönlicher Demütigung, wenn er sagt, dass jeder von uns nur ein völlig unbedeutender Tontopf ist. In 1. Korinther 4,13 benutzt Paulus ähnlich beunruhigende Worte, um die Selbstherrlichkeit mancher Pastoren zu dämpfen. Hör zu, was er dort sagt: „Zum Kehricht der Welt sind wir geworden, zum Abschaum aller bis jetzt.“ Diese Worte beziehen sich auf das Essen, das am Boden des Topfes klebt und abgeschabt werden muss. Paulus drückt damit aus, dass wir in gewisser Weise nur Abschaum sind. Wir sind nur die letzten Reste am Boden des Topfes. Wir sind nur Tontöpfe. Weißt du, wenn du die Herrlichkeit des Evangeliums verstehst, ist es sehr wichtig, dass du nicht mit dem Evangelium konkurrierst, indem du dich selbst erhöht. Denn das ist abscheulich.

Der Zeit zuliebe möchte ich langsam zum Ende kommen. Ein weiterer Punkt ist, dass Paulus die Vorteile des Leidens erkannt hat. Wenn du die Herrlichkeit des Evangeliums begreifst, dann verstehst du auch, wozu das Leiden gut ist. Wer effektiver sein will, muss mehr leiden. Deshalb sagt Jakobus: „Freut euch, wenn ihr in viele Prüfungen geratet, denn sie dienen der Vervollkommnung“. Dienst und Wirksamkeit kann man nur verstehen, wenn man selbst leidet. In 2. Korinther 4,8-10 lesen wir: „Wir werden überall bedrängt, aber nicht erdrückt; wir kommen in Verlegenheit, aber nicht in Verzweiflung; wir werden verfolgt, aber nicht verlassen; wir werden niedergeworfen, aber wir kommen nicht um; wir tragen allezeit das Sterben des Herrn Jesus am Leib umher, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib offenbar wird.“ Und in Vers 11 sind wir „dem Tod preisgegeben um Jesu willen“. Vers 12 sagt: „So ist also der Tod wirksam in uns, das Leben aber in euch.“ Genau das ist der Schlüssel. Der Tod wirkt in uns, aber das Leben in euch. Je mehr du dein eigenes Leben opferst und je mehr du leidest, desto stärker wirst du.

Wir dürfen 2. Korinther 12,7 nicht auslassen. Dort steht: „Wegen der außerordentlichen Offenbarungen“. Paulus hatte mehrere Male eine persönliche Audienzen mit dem aufgefahrenen Christus, unter anderem auf der Straße nach Damaskus. Einmal sprach er sogar von einer Reise in den Himmel, wo er Dinge sah, über die er nicht sprechen konnte. Darauf hätte er sehr stolz sein können. Um ihn also davon abzuhalten, sich selbst zu überhöhen, „wurde [ihm] ein Dorn für das Fleisch gegeben“ (ELB). Das Wort „Dorn“ meint eigentlich einen Speer, eine Lanze, die buchstäblich durch sein stolzes Fleisch gerammt wird. Diese Lanze wird als Aggelos, also als Bote des Satans beschrieben. Es ist ein Dämon, der Paulus angriff. Die beste Erklärung hierfür ist, dass es sich um den dämonischen Anführer der Irrlehrer handelt, die seine geliebte Gemeinde in Korinth angriffen. Und weil Paulus diese Gemeinde so liebte, trieb der dämonisch geleitete Irrlehrer damit einen Pfahl durch Paulus’ Herz. Der Schaden, den diese Irrlehrer in der Gemeinde in Korinth anrichteten, quälte Paulus. Und der Herr ließ es zu, um ihn davon abzuhalten, sich selbst zu überheben.

Wenn du ein Pastor bist, wird der Herr dir genug Schwierigkeiten geben, um dich davon abzuhalten, dich selbst zu überheben. Er wird notfalls sogar Dämonen dazu einsetzen. Paulus bat den Herrn dreimal, das zu beenden: „Seinetwegen habe ich dreimal den Herrn gebeten, dass er von mir ablassen soll. Und er hat zu mir gesagt: Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft wird in der Schwachheit vollkommen!“ Je mehr du dich selbst überhebst, desto mehr zwingst du den Herrn, dich zu demütigen. Wenn du die Herrlichkeit des Evangeliums verstehst, verstehst du auch den Nutzen des Leidens. Leiden macht dich als Werkzeug effektiver, weil es dir Kraft verleiht, die in der Schwachheit vollkommen wird. Paulus hatte diese Botschaft verstanden, denn er sagt: „Darum will ich mich am liebsten vielmehr meiner Schwachheiten rühmen, damit die Kraft des Christus bei mir wohne. Darum habe ich Wohlgefallen an Schwachheiten, an Misshandlungen, an Nöten, an Verfolgungen, an Ängsten um des Christus willen; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.“ Das heißt, dass man umso nutzloser wird, je mehr man sich selbst überhebt.

Mit den beiden folgenden Gedanken komme ich zum Schluss. Wir müssen in Bezug auf die Herrlichkeit des Evangeliums verstehen, dass es notwendig ist, davon überzeugt zu sein. Ich kehre oft zu 2. Korinther 4,13 zurück, wo Paulus den Psalm 116 zitiert: „Weil wir aber denselben Geist des Glaubens haben, gemäß dem, was geschrieben steht »Ich habe geglaubt, darum habe ich geredet«, so glauben auch wir, und darum reden wir auch“.

Im Laufe der Jahre warfen die Leute mir immer wieder vor, dass ich wenig Zurückhaltung zeige. Einmal stellte mich ein Mann auf einer Buchhändlertagung mit den Worten vor: „John MacArthur ist persönlich viel netter als in seinen Predigten.“ Und in gewisser Weise kann ich das verstehen. Ich versuche nicht, mit jedem Menschen einen Streit anzufangen. Ich versuche nur, die Wahrheit zu verkünden, und ich verstehe, dass die Wahrheit sich ihre eigenen Feinde schafft. Aber hier geht es darum, dass es notwendig ist, eine eigene Überzeugung zu haben. Das ist, was Integrität ausmacht. Man kann nicht etwas predigen und sich dann nicht darum kümmern, ob es umgesetzt wird. Man kann nicht sagen: „Ich glaube daran, aber ich werde es nicht sagen, weil es die Menschen beleidigen könnte.“ Ich habe geglaubt, darum habe ich geredet. Wenn es wahr ist, dann haben wir den Auftrag, es zu verkünden. Was immer ihr mich sagen hört, ist das, was ich glaube.

Die Leute fragen mich auch, warum ich so leidenschaftlich bin. Das ist ganz einfach: Wenn ich überzeugt bin, dass alles, was das Wort Gottes sagt, so gemeint ist, dann bin ich begeistert, weil es die Wahrheit ist. Ich habe geglaubt, darum habe ich geredet. Geistliche Männlichkeit zeigt sich darin, dass man mit Überzeugung spricht.

Heute Abend lernten wir also, dass es alle möglichen Auswirkungen auf das eigene Leben hat, wenn man wie Paulus die Herrlichkeit des Neuen Bundes versteht. 1. Du wirst nie etwas Besseres als die Herrlichkeit des Neuen Bundes finden. 2. Du wirst das Privileg des Dienstes immer als unverdiente Gnade verstehen. 3. Du wirst dich zu einem reinen Herzen verpflichten, weil du nichts tun willst, was dich bei der Verkündigung dieses herrlichen Evangeliums weniger nützlich machen würde. 4. Du wirst die Verantwortung dafür übernehmen, die Heilige Schrift richtig auszulegen und sie niemals zu verfälschen. 5. Du wirst wissen, dass die Ergebnisse allein von Gott abhängen, dem durch das Evangelium die Ehre zuteilwird. Das sind die ganz grundlegenden Dinge. 6. Außerdem wirst du dich selbst als einen völlig unbedeutenden Tontopf ansehen. 7. Du wirst die Früchte des Leidens annehmen, weil sie göttliche Stärke in menschlicher Schwäche zum Vorschein bringen. 8. Du wirst verstehen, dass es ein Evangelium ist, das der Überzeugung würdig ist. Du wirst erkennen, dass du mit einem aufrichtigen Leben zeigst, dass du es glaubst. So wirst du ein herrliches Evangelium verkündigen.

Und schließlich, wenn du die Herrlichkeit des Evangeliums verstehst, wirst du die zukünftige Belohnung wichtiger einordnen als gegenwärtige Schwierigkeiten. In den Versen 13, 14 und 15 sagt Paulus: „Ich habe geglaubt, darum habe ich geredet.“ Er sagt damit: Wenn ich sterbe, wird Jesus mich auferwecken. Und er wird euch auferwecken und uns vereinen. Deshalb werde ich weiterhin die Wahrheit predigen. Und die Wahrheit über die Gnade wird immer mehr Menschen erreichen. Sie wird ein großes Loblied auf die zukünftige Herrlichkeit Gottes im Himmel anstimmen. Mit dieser Sicht auf den Himmel am Ende von Vers 15 kommt er zu Vers 16. Das überfliegen wir nur kurz: „Darum lassen wir uns nicht entmutigen“. Schon in Vers 1 sagte er, dass das so ist, weil wir das Ewige höher schätzen als das Zeitliche und die Zukunft höher als die Gegenwart. Er schreibt weiter: „Wenn auch unser äußerer Mensch zugrunde geht, so wird doch der innere Tag für Tag erneuert. Denn unsere Bedrängnis, die schnell vorübergehend und leicht ist, verschafft uns eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit, da wir nicht auf das Sichtbare sehen, sondern auf das Unsichtbare; denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.“

Es geht mir in meinem Leben nicht um meinen guten Ruf oder um Erfolg. Es geht mir vielmehr um das ewige Gewicht der Herrlichkeit, und darum, treu zu sein. Denn diese Treue wird in der Zukunft von einem treuen Gott belohnt werden. Ich kümmere mich nicht um mein vorübergehendes leichtes Leiden. Im Vergleich zu vielen anderen musste ich nicht viel leiden. Ich schaue nicht auf die Dinge, die man sieht, und ich möchte nicht, dass mein Leben auf menschliche Weise erklärt wird. Ich möchte, dass mein Leben allein auf göttliche Weise erklärt wird. So verstand Paulus die Herrlichkeit des Evangeliums.

Morgen werden wir uns die Tatsache ansehen, dass das Evangelium uns zufriedenstellt und wir werden erkennen, was diesen Neuen Bund so herrlich macht.

Unser Vater, wir danken dir für deine große Güte, in der du uns die Heilige Schrift geschenkt hast. Danke, dass sie den Klang der Wahrheit hat, und dass sie uns immer frisch und lebendig erscheint unabhängig davon, wie oft wir sie lesen. Danke, dass dein Wort unangreifbar ist und dass es Leben ist. Danke, dass es einleuchtend und klar ist, und danke, dass wir es verstehen. Es erfüllt unseren Verstand mit Wahrheit und erwärmt unsere Herzen mit Eifer und Leidenschaft. Es bewegt unsere Füße zum Gehorsam. Mögest du in diesen Tagen geehrt und verherrlicht werden, wenn wir das Wort Gottes zusammen betrachten. Wir beten in Jesu Namen, dass du deine guten Absichten in jedem Leben verwirklichst. Amen.

 

ENDE

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