Ich muss euch gestehen, dass es für mich eine große Herausforderung ist, das Evangelium nach Paulus auf einige wenige Themen zu beschränken. Schlagt eure Bibel heute Abend in 2. Korinther 5 auf. Bisher haben wir über die Herrlichkeit des Evangeliums gesprochen. In unseren beiden Vorträgen heute Morgen befassten wir uns dann mit der Lehre der Rechtfertigung. Wir sprachen darüber, dass das Wesen des Evangeliums darin besteht, dass es die Gerechtigkeit Gottes hervorbringt. Die Gerechtigkeit Gottes ist ein Geschenk der Gnade und wird durch den Glauben empfangen. Auf diese Weise findet Erlösung statt.
Heute Morgen sahen wir außerdem, dass dieses herrliche Evangelium ein Evangelium der Stellvertretung ist. Das werden wir uns heute Abend noch genauer anschauen. Denn ich möchte, dass ihr dieses Konzept der Versöhnung versteht. Es ist ein Evangelium der Versöhnung, weil es den Sünder mit Gott versöhnt. Am Ende von 2. Korinther 5 gibt es einen Abschnitt, der für das Verständnis des Evangeliums nach Paulus von entscheidender Bedeutung ist. Es ist das Evangelium von Jesus Christus, das Evangelium des glückseligen Gottes, das Evangelium des Friedens, der Gnade und der Rettung. Paulus nennt es „mein Evangelium“ und sogar „unser Evangelium“.
Ich lese in 2. Korinther ab Vers 18: „Das alles aber kommt von Gott, der uns mit sich selbst versöhnt hat durch Jesus Christus und uns den Dienst der Versöhnung gegeben hat; weil nämlich Gott in Christus war und die Welt mit sich selbst versöhnte, indem er ihnen ihre Sünden nicht anrechnete und das Wort der Versöhnung in uns legte. So sind wir nun Botschafter für Christus, und zwar so, dass Gott selbst durch uns ermahnt; so bitten wir nun stellvertretend für Christus: Lasst euch versöhnen mit Gott! Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm zur Gerechtigkeit Gottes würden.“ Fünfmal erscheint in diesem Abschnitt das Wort „versöhnen“. In Vers 18: Gott hat uns versöhnt und uns den Dienst der Versöhnung gegeben. Vers 19: Gott hat in Christus die Welt versöhnt und das Wort der Versöhnung in uns gelegt. Und in Vers 20: „Lasst euch versöhnen mit Gott!“ Hier geht es also um Versöhnung.
Dort, wo Versöhnung geschieht, muss vorher Entfremdung stattgefunden und Feindschaft geherrscht haben. Paulus setzt hier voraus, dass alle Menschen Feinde oder schlimmer noch, gewalttätige Feinde sind. Deshalb muss Versöhnung stattfinden. Paulus sagt hier außerdem, dass uns der Dienst der Versöhnung gegeben wurde. Wir sind beauftragt, diesen Dienst durch das Wort der Versöhnung zu bewirken. Deshalb ist unsere Botschaft eine Botschaft der Versöhnung. Dieser gesamte Abschnitt hilft uns zu erkennen, wie grundlegend wichtig es ist, die Botschaft des Evangeliums als Versöhnung zu verstehen. Laut Vers 20 ist das Wesen unseres Botschafteramtes, diese Botschaft der Versöhnung zu verkündigen. Ein Botschafter war ein Vertreter eines Monarchen, der in eine fremde Kultur entsandt wurde, um diesen Monarchen dort zu vertreten. Und so ist es auch bei uns: Wir repräsentieren den König der Könige in einer fremden Kultur. Unsere Aufgabe ist, den Menschen in dieser fremden Kultur, die von Natur aus Feinde Gottes sind, zu sagen, dass sie mit Gott versöhnt werden können. Das ist unsere Botschaft.
Es kam schon manchmal vor, dass mich ein Nebensitzer im Flugzeug danach fragte, was ich beruflich mache. Ich erinnere mich, dass ich einmal während eines Flugs von New York nach L.A. auf diese Frage antwortete: Nun, ich predige das Evangelium. Und der Mann, neben dem ich saß und der auf jede erdenkliche Weise gepierct war, muss einen solchen Schrecken bekommen haben, dass er seinen Sitz verließ und nicht mehr zurückkehrte. Und das auf einem Fünf-Stunden-Flug. Ich habe gelernt, vielleicht nicht immer so direkt zu sein. Andererseits sage ich gelegentlich Folgendes: Oh, ich habe einen großartigen Job. Ich sage Sündern, dass sie mit Gott versöhnt werden können. Bist du interessiert? So kommt man auf den Punkt. Und genau das ist meine Aufgabe und die Verantwortung eines jeden Botschafters Christi. Wir verkündigen, dass Gott ein versöhnender Gott ist, der ein Mittel zur Versöhnung und eine Botschaft der Versöhnung bereitgestellt hat. Diese Botschaft setzt Entfremdung, sowie eine Art feindlicher Beziehung voraus, die jedoch umgewandelt werden kann in eine vollständige Versöhnung.
Ich möchte euch nun im vorliegenden Abschnitt mehrere Elemente aufzeigen, die diesen Dienst der Versöhnung ausmachen. Um uns das anzuschauen, müssen wir bis zu Vers 14 zurückgehen. Die erste Komponente der Versöhnung besteht darin, dass sie von der Liebe Gottes motiviert ist. Versöhnung ist von der Liebe Gottes motiviert. Darauf muss ich nicht weiter eingehen, denn ihr seid alle mit der Tatsache vertraut, dass Gott die Welt so sehr geliebt hat, dass er etwas gegeben hat: „Darin besteht die Liebe — nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und seinen Sohn gesandt hat als Sühnopfer für unsere Sünden.“ Paulus sagt hier, dass Gott uns geliebt hat, als wir noch seine Feinde waren. Und in Vers 14 stellt er fest: „Die Liebe des Christus drängt uns“. Das ist ein Verb, das aussagt, dass man Druck auf etwas ausübt, um eine Wirkung zu erzielen. Man könnte es auch übersetzen mit: Die Liebe Christi regiert uns. Ich liebe die Formulierung einer anderen Übersetzung, die sagt „die Liebe Christi kontrolliert uns“. Paulus spricht also nicht von seiner Liebe zu Christus, sondern von der Liebe Christi zu ihm. Wir sahen im 2. Korintherbrief, dass er die überragende Herrlichkeit des Evangeliums verstand und von seiner einzigartigen, unvergleichlichen Größe bewegt und angetrieben wurde. Er hatte die Liebe Christi in seinem eigenen Leben erfahren, weil dieser Anspruch darauf erhoben hatte, ihn zu retten. Paulus war von Christi rettender Liebe so überwältigt, dass er für nichts anderes mehr leben konnte als für die Verkündigung des Evangeliums dieser rettenden Liebe.
Die rettende Liebe Christi zu Paulus kontrollierte ihn, beherrschte ihn, motivierte ihn und drängte ihn. Und er sah diese Liebe nicht als etwas Eigenes oder Eigennütziges nur für sich selbst an, denn in Vers 15 sagt er: Er ist „für alle gestorben“. Was Gott durch seine großzügige, rettende, vergebende und gnädige Liebe für ihn getan hatte, war nicht nur für ihn. Sondern Christus starb für alle, damit die Lebenden nicht mehr für sich selbst leben, sondern für den, der für sie gestorben und auferstanden ist.
Was Paulus antrieb und motivierte, war somit nicht nur die Herrlichkeit des Evangeliums im weitesten Sinne. Zwar konnte er die Herrlichkeit des Evangeliums darin erkennen, dass das Evangelium sich so großzügig in der göttlichen Liebe gegenüber einem unwürdigen Sünder und Gotteslästerer wie ihm ausdrückte. Zugleich erkannte er jedoch, dass diese Liebe, die Gott ihm in Christus geschenkt und die sein Leben so völlig verändert hatte, nicht nur für ihn selbst galt. Christus war für alle gestorben, damit die Lebenden nicht mehr für sich selbst leben würden, sondern für den, der für sie gestorben und auferstanden ist. Christus starb für alle.
Was heißt das? „Für alle“ meint, dass er für alle starb, die an ihn glauben. Er starb für sie und ist wieder auferstanden. Am Ende von Vers 14 heißt es: „Wenn einer für alle gestorben ist, so sind sie alle gestorben“. Ich will hier nicht zu technisch werden. Es reicht, zu sagen, dass er für alle gestorben ist, die in ihm gestorben sind. Es bedeutet nicht, dass er für die ganze Welt gestorben ist. Denn wenn Christus für die ganze Welt gestorben wäre, würde die ganze Welt gerettet werden. Verstehst du das? Wenn Christus die Strafe tatsächlich vollständig für die ganze Welt bezahlt hätte, dann müsste die ganze Welt gerettet werden. Es gibt Leute, die das lehren. Wenn man jedoch lehrt, dass er für die ganze Welt gestorben ist, also für jeden, der jemals gelebt hat, dann wäre sein Tod ein potenzieller Tod gewesen und kein tatsächlicher Tod. Dann würde es sich um eine potenzielle Sühnung handeln und nicht um eine tatsächliche Sühnung. Wenn man sagt, dass er allgemein für alle gestorben ist, dann ist er für niemanden im Besonderen gestorben.
Und dann hätten wir ein Problem. Die Schrift sagt, dass er gestorben und auferstanden ist für alle, die in ihm gestorben sind und durch den Glauben offenbart werden. Das meint eine tatsächliche Sühnung. Christus hat unsere Sünden an seinem eigenen Körper am Kreuz getragen und die Strafe vollständig bezahlt. Sein Tod war kein potenzieller Tod, sondern ein tatsächlicher Tod. Er „ermöglichte“ Erlösung nicht nur, sondern er verwirklichte sie. Der Tod Christi war der Tod seines Volkes, seiner Auserwählten, die an ihn glauben würden. Der Tod Christi war die Strafe für ihre Sünden, die er bezahlt hat.
Ich weiß genau, dass ihr sagen wollt: Das klingt aber doch nach Vorherbestimmung?! Richtig! Jeder stellt sich diese Frage. Und deshalb werde ich morgen früh darüber sprechen, wie Paulus’ Sicht der Vorherbestimmung zu seiner Leidenschaft für das Evangelium passt. Bis dahin müsst ihr euch gedulden.
Paulus verstand, dass dieses von Christus empfangene lebensbestimmende Liebesgeschenk des Heils nicht von ihm zurückgehalten werden konnte. Denn Christus ist für alle gestorben, die in ihm gestorben sind. In manchen Fällen waren sie noch gar nicht geboren worden oder hatten die Botschaft des Evangeliums noch nicht gehört. Aber sie würden sie in Zukunft hören, glauben und gerettet werden. Paulus’ Leben wurde nun von der Liebe beherrscht, die Gott ihm in Christus gezeigt hatte, um ihn von seinem Elend und seiner ewigen Verdammnis zu erlösen. Er wusste, dass er von nun an ein Werkzeug sein sollte, um die Botschaft dieser Liebe zu jedem zu bringen, den er erreichen konnte.
Sein ganzes Leben änderte sich von Grund auf. Schaut euch an, was er in Vers 16 sagt: „So kennen wir denn von nun an niemand mehr nach dem Fleisch“. Plötzlich betrachtete er die Menschen nicht mehr von außen. Er sah Menschen nicht mehr als physische Wesen. Es interessierte ihn nicht mal besonders, wie sie aussahen, oder wie sie sich äußerlich verhielten. Sondern vom Augenblick seiner Errettung an kannte er „niemand mehr nach dem Fleisch“. Auch wir beurteilen Menschen nicht nach ihrem äußerlichen Leben, das wir sehen oder erfahren können. Dann stellt Paulus fest: So habe ich es früher auch mit Christus gemacht, als ich „Christus nach dem Fleisch gekannt“ habe. Es gab eine Zeit, in der ich Christus nur nach dem Fleisch kannte. Ich hatte für mich beschlossen, dass Christus ein Gotteslästerer war, ein Betrüger und falscher Messias. Christus war ein Problem für das Judentum und hatte es verdient, gekreuzigt zu werden, ebenso wie seine Verkündiger. Erinnert ihr euch, wer bei der Steinigung von Stephanus dabeistand und zu wessen Füßen man die Kleider ablegte? Das war Paulus. Er hatte Christus von außen beurteilt, und das war völlig falsch. Jetzt aber sagt er: „So kennen wir ihn doch nicht mehr so.“ Paulus sagt: „Meine gesamte Meinung über Christus hat sich seit der Begegnung auf dem Weg nach Damaskus geändert“. Ich betrachtete die Menschen nicht mehr von außen. Mein Urteil über Christus war das schrecklichste Resultat dieses Handelns. So machten es auch die Pharisäer und alle falschen Religiösen und verlorenen Menschen. Ich habe mich gewaltig geirrt und sehe jetzt alles aus einem geistlichen Blickwinkel.
Wenn man Kinder hat, die den Herrn nicht kennen, können sie sich zum Ausgehen herausputzen und gut aussehen, und trotzdem bricht es den Eltern das Herz. Auch wenn jedes Haar genau so liegt, wie es soll, interessiert mich doch nur das Herz. Vielleicht hast du einen attraktiven Ehepartner, der Christus nicht kennt, aber dich interessiert das Herz weitaus mehr als die äußerliche Attraktivität. Wir sehen die Welt nicht so, wie sie sich selbst sieht.
Vor einigen Jahren war ich während der Bush-Ära im Weißen Haus. Dort konnte ich mit den Mitarbeitern sprechen. Ich sagte ihnen, dass sie ein Problem hatten! Und zwar weil sie so sehr darauf versessen waren, die Demokraten als ihre vermeintlichen Gegner anzugreifen, dass sie das eigentliche Missionsfeld zu ihrem Feind gemacht hatten. Ich machte ihnen deutlich, dass das nicht geht. Man mag vielleicht mit der Politik der Anderen nicht übereinstimmen, aber man sollte sie nicht fleischlich beurteilen. Es ist ein geistlicher Kampf. So sah Paulus die Welt und so muss auch jeder Gläubige die Welt sehen. Deshalb gibt es die bekannten Worte des Paulus aus Vers 17: „Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen; siehe, es ist alles neu geworden!“ Das Wort „jemand“ ist hier von entscheidender Bedeutung. Ich weiß es nicht, wer alles in Christus gestorben ist und für wessen Sünden er tatsächlich vollständig bezahlt hat. Aber ich weiß, dass jeder, der glaubt, in diese Kategorie passt. Jeder, der in Christus ist, ist eine neue Schöpfung.
Paulus erfuhr aus erster Hand die Liebe Gottes in Christus und wurde in den Dienst der Versöhnung regelrecht hineinkatapultiert. Diese Liebe verwandelte seine eigene Seele geistlich. Diese Liebe veränderte sein ewiges Schicksal. Und diese Liebe verlieh ihm die Gerechtigkeit Gottes anstelle der menschlichen Gerechtigkeit, die nur zu seiner Verdammung geführt hätte. Es ist die Liebe Christi, die ihn beherrscht und also auch uns. Die Liebe Christi wurde die Leidenschaft seines Lebens. Dafür steht das Pronomen in Vers 14. Wir alle werden von der Tatsache beherrscht, dass wir durch die Liebe Gottes in Christus zu einer neuen Schöpfung gemacht wurden. Und weil uns bewusst ist, dass das nicht nur auf uns beschränkt sein kann, sehen wir die Menschen nicht mehr so wie früher. Wir wissen, dass jeder eine neue Schöpfung ist, der in Christus ist. Wenn ihr Paulus fragen würdet, würde er sagen: In Christus gibt es weder Mann noch Frau, weder Sklave noch Freien, weder Jude noch Heide. Für ihn gab es keinen Unterschied mehr. Er sah jeden Menschen als eine ewige Seele.
Ich bin mir sicher, dass es auch euch so geht. Von mir selbst weiß ich, dass ich durch eine Person hindurchschaue, egal wer sie ist, ob ich sie kenne oder nicht. Ich denke über ihre Seele nach. Wir kennen Menschen nicht mehr nur auf oberflächliche Weise. Sondern uns ist bewusst, dass wir in einer Welt voller verlorener Seelen leben. Sie sind überall um uns herum. Vielleicht gefällt uns ihre Politik nicht, vielleicht gefällt uns ihr Verhalten nicht, vielleicht gefällt uns ihr sozialer Status nicht, oder vielleicht gefällt uns ihre Persönlichkeit nicht. Aber darüber müssen wir hinwegsehen. Denn für einige dieser Menschen ist Christus gestorben und hat die Strafe für ihre Sünde in vollem Umfang bezahlt. Und wenn du bereit bist, kannst du das Instrument sein, das Gott benutzt, um diese Menschen zum Heil zu bringen, das er vor Grundlegung der Welt für sie vorgesehen hat. Uns wurde der Dienst der Versöhnung übertragen, und wir sollen ihn mit Leib und Seele erfüllen. Dieser Dienst besteht darin, Männer und Frauen mit Gott zu versöhnen. Das ist unsere Verantwortung als Gläubige und so sah Paulus sein Leben. Die Beziehung zwischen Gott und den Menschen ist von Feindschaft, Hass und Entfremdung geprägt. Aber wir verkündigen die gute Nachricht, dass sie völlig verändert werden kann. Sünder können mit dem allmächtigen Gott versöhnt werden.
Das ist immer in meinen Gedanken. Vielleicht habt ihr mich das auch schon in einem Interview oder einer Predigt sagen hören. Einmal saß ich in einem Flugzeug der Southwest Airlines auf dem Weg nach El Paso. Eingequetscht auf dem gefürchteten Mittelsitz bereitete ich mich auf eine Männerkonferenz im El Paso Civic Center vor. Ich schlug mein kleines Neues Testament auf und machte mir ein paar Notizen, worüber ich sprechen wollte. Neben mir saß ein arabischer Mann, das konnte ich deutlich erkennen. Wir hatten kaum abgehoben, als er zu mir herüberschaute und fragte: „Entschuldigen Sie, Sir. Ist das eine Bibel?“ Ich sagte: „Ja, das ist eine Bibel.“ Er sagte: „Darf ich Ihnen eine Frage stellen?“ Ich sagte: „Natürlich können Sie mir eine Frage stellen.“ Er sagte: „Ich komme aus dem Iran, ich bin neu in Amerika. Ich bin gerade dabei, einzuwandern und verstehe die amerikanische Religion nicht. In meinem Land ist jeder Muslim, jeder. Ich verstehe nicht, wie die amerikanische Religion funktioniert. Könnten Sie mir bitte den Unterschied zwischen einem Katholiken, einem Protestanten und einem Baptisten erklären, Sir?“ Er nannte genau diese drei Kategorien: Katholiken, Protestanten und Baptisten. Zumindest mit diesen hatte er schon zu tun gehabt. Also sagte ich zu ihm, dass ich das gerne tun könne und erklärte ihm auf einfache Art und Weise, dass Katholizismus eine sakramentale Form der Zeremonie ist, und einiges mehr. Und dass der Protestantismus ein Protest dagegen ist und die Rückbesinnung auf eine persönliche Beziehung zu Gott durch Christus. Dann ordnete ich für ihn die Baptisten in die Kategorie der Protestanten ein, wo sie hingehören.
Er bedankte sich sehr. Darauf antworte ich: „Darf ich Ihnen eine Frage stellen, Sir?“ Er sagte: „Natürlich, natürlich.“ Also fragte ich: „Begehen Muslime Sünden?“ Und ich kannte die Antwort, aber ich wollte sie von ihm hören. Er sagte: „Ob wir Sünden begehen? Wir begehen so viele Sünden, dass ich nicht einmal alle kenne.“ Ich fragte: „Und begehen Sie selber Sünden?“ Seine Antwort war: „Andauernd.“ Dann sagte er: „Ich fliege nach El Paso, um ein paar Sünden zu begehen.“ Ich war baff. Das war ja ein ziemlich ehrlicher Kerl, der da nach El Paso flog. „Ja,“ sagte er, „ich habe eine Frau getroffen, als ich eingewandert bin – das gibt einen Einwanderungspunkt – und wir wollen uns treffen und ein paar Sünden begehen.“ Das war nun wirklich mehr Information als ich brauchte. Ich sagte: „Darf ich Ihnen noch eine Frage stellen?“ „Natürlich.“ Ich fragte: „Wie steht Allah zu Ihren Sünden?“ Er antwortete: „Oh, er findet das gar nicht gut, sondern sehr, sehr schlecht. Ich werde dafür in die Hölle kommen.“ Ich fragte: „Warum hören Sie nicht damit auf?“ Darauf antwortete er: „Ich kann nicht, ich kann nicht.“ Ich fragte: „Sie begehen also weiterhin Sünden, die Sie in die Hölle schicken könnten, in die ewige Hölle?“ Und seine Antwort war: „Ich hoffe, Gott wird mir verzeihen. Ich hoffe, Allah wird mir vergeben.“ Und ohne nachzudenken sagte ich ihm: „Nun, ich kenne ihn persönlich, und ich kann Ihnen sagen, dass er das nicht tun wird.“
Er sah mich an, als ob er dächte: Wie können Sie Gott persönlich kennen und im mittleren Sitz bei Southwest landen? Das macht keinen Sinn. Dann sagte er laut: „Nun, ich hoffe, er wird vergeben.“ Ich sagte ihm, dass ich eine gute Nachricht für ihn hätte und wie er mit Gewissheit wissen könne, wie er mit Gott versöhnt werden könnte. Ich sagte ihm, dass ihm vollkommen vergeben werden kann und dass er ein Freund Gottes und ein Sohn Gottes werden kann, der alles, was Gott besitzt, als Geschenk von ihm erhalten wird. So etwas hatte er in seinem Leben noch nie gehört, denn im Islam gibt es keine Erlösung. Und dann habe ich ihm das Evangelium verkündet. Er hat in dem Moment nicht auf Christus reagiert, aber ich glaube, ich habe ihm das Wochenende versaut. Das Mädchen muss sehr verwirrt gewesen sein. Ich bin sicher, sie konnte sich nicht erklären, was passiert war. Ich gab ihm einen Haufen Material, schickte ihm einige Sachen zu, sagte ihm, wo er in seinem Wohnort in eine Gemeinde gehen könnte, habe jedoch nie eine Antwort bekommen. Aber das ist die Wahrheit. Genau das tun wir: Wir sagen den Menschen, dass sie mit Gott versöhnt werden können.
Gehen wir zurück zu 2. Korinther 5,19. Dort heißt es: Er hat uns das „Wort der Versöhnung“ gegeben. Gott hat buchstäblich das Logos in uns gelegt, im Gegensatz zum Mythos. Logos meint das Wort, das wahr ist, Mythos meint das Wort, das nicht Wahrheit ist. Er hat uns das Logos der Versöhnung eingepflanzt. Wir sind also berufen, den Dienst der Versöhnung zu predigen und den Sündern zu sagen, dass sie mit Gott versöhnt werden können. Aber das setzt voraus, dass du den Menschen helfen musst zu verstehen, dass sie derzeit von Gott entfremdet sind und ein Feind des heiligen Gottes sind.
Damit du das Wesen dieses großen Versöhnungsdienstes verstehst, möchte ich ein paar wichtige Dinge nennen, die dir helfen werden. Erstens: Versöhnung geschieht durch den Willen Gottes. Versöhnung geschieht durch den Willen Gottes. Bitte geht zurück zu Vers 18. „Das alles aber kommt von Gott, der uns mit sich selbst versöhnt hat durch Jesus Christus.“ Hier bezieht sich Paulus auf all die Dinge, von denen er ab Vers 14 gesprochen hat: Die Erlösung, die Bereitstellung im Tod Christi, eine neue Schöpfung zu werden, das Alte ist vergangen und das Neue ist gekommen. Hier geht es nicht um Rechtfertigung, sondern um Wiedergeburt, die nach dem Willen Gottes geschieht. All diese Dinge kommen von ihm, wie Vers 19 sagt: „Es ist Gott in Christus, der uns versöhnt“ und Vers 20: „Gott selbst ermahnt durch uns“. Versöhnung erfolgt durch den Willen Gottes. Das ist die zugrundeliegende Wahrheit. Wir können uns nicht dafür entscheiden, mit Gott versöhnt zu werden. Wir haben keine Macht, Gottes Zorn zu stillen. Wir sind nicht in der Lage, sein Gericht beiseite zu schieben oder seine Gerechtigkeit zu erreichen. Sondern wir sind die Übeltäter. Wir waren für immer aus seiner Gegenwart verbannt. Jede Veränderung in unserer Beziehung zu Gott muss von ihm kommen. Jede Versöhnung muss nach seinem Willen erfolgen. Das ist der Kern des Evangeliums.
Gott liebt Sünder und will sie versöhnen und zu Söhnen machen. Dazu schuf Gott ein Mittel. Er ist es, der handelt und deshalb ist er der Versöhner. Das zu verstehen ist so wichtig. Neulich sahen wir, dass man in keiner Religion der Welt eine Gottheit finden kann, die versöhnt. Kein anderer Gott ist seinem Wesen nach überhaupt zur Versöhnung bereit. In 1. Timotheus 4,10 heißt es: „Gott ist ein Retter aller Menschen [...] besonders der Gläubigen.“ Was bedeutet das?
Nun, in einem sehr allgemeinen und weiten Sinn ist er der Retter aller Menschen. Und zwar sowohl physisch als auch zeitlich. Die Bibel sagt: „Der Lohn der Sünde ist der Tod“ und ebenso: „Die Seele, welche sündigt, die soll sterben“. Die Bibel sagt auch: „Wenn du gegen ein Gesetz verstößt, wird die ganze Last des Gesetzes auf dich fallen.“ Die Bibel sagt weiter: „Siehe, in Schuld bin ich geboren, und in Sünde hat mich meine Mutter empfangen.“ Warum bin ich am Leben? Ich bin am Leben, weil Gott von seinem Wesen her ein Retter ist. Jeder Sünder, der einen weiteren Atemzug tut, ist der lebende Beweis dafür, dass Gott von seinem Wesen her ein Retter ist. Das finden wir auch in Römer 2. Gott ist der Retter und führt Sünder zur Umkehr.
Gottes Geduld und Nachsicht mit Sündern zeigt sich allein schon in der Tatsache, dass wir als Sünder Gnade erfahren: Der Geruch von Kaffee, einen geliebten Menschen küssen, Kinder haben, einen Sonnenuntergang genießen, eine wunderbare Mahlzeit essen, einen schönen Urlaub verbringen, Erfolg haben, Musik schätzen. All das tun Sünder. Und jeder, der so etwas genießt und noch einen Atemzug tut, bezeugt dadurch, dass Gott von seinem Wesen her ein Retter ist. Wenn es nicht so wäre, würde er jeden Sünder vernichten, noch bevor der seinen ersten Atemzug tun könnte.
Die gute Nachricht ist also, dass man nicht versuchen muss, Gott zu überzeugen dass er retten soll. Man muss nur den Sünder überzeugen die Errettung anzunehmen. Eines der vielen Dinge, die mich an der katholischen Kirche ärgern und was Gott am meisten lästert, ist, dass sie sagen: Wenn du willst, dass Gott kommt und dich aus deiner Not befreit, dann geh nicht direkt zu Gott. Denn er ist sehr beschäftigt. Und er ist wirklich heilig. Er ist dreimal heilig. Deshalb hat er keine Zeit für dich. Gott ist hart und schroff. Du willst gar nicht zu Gott gehen und zu ihm rufen.
Du könntest stattdessen zu Christus gehen. Denn Christus war ein Mensch und hat all die Dinge erlebt, die Menschen erleben. Er wurde in allen Punkten genauso versucht wie wir und ist wahrscheinlich ein wenig mitfühlender. Aber weißt du: er ist auch ziemlich hart und schroff. Wenn du also wirklich ein Problem hast und in Not bist, dann geh zu Maria. Jesus kann Maria nichts abschlagen. Er kann vielleicht dir etwas abschlagen, aber nicht seiner Mutter. Geh also zu Maria. Das ist Gotteslästerung gegen das Wesen Gottes, denn Gott ist ein versöhnender, liebender Gott und er wartet nur darauf, dass der Sünder in seine Gegenwart kommt und ihn um Vergebung bittet. Du musst nicht zu Maria gehen. Seit ihrer Ankunft im Himmel hat Maria noch nie das Gebet eines Menschen gehört. Und das gilt auch für alle anderen im Himmel, außer für die Trinität. Gott jedoch ist von seinem Wesen her ein versöhnender Gott. Du magst einwenden, dass man sich nur das Alte Testament anschauen muss. Wie kann Gott ein liebender, versöhnender Gott sein, wenn ein paar dumme Jungs einen Propheten verspotten: Hey, Glatzkopf, Glatzkopf, Glatzkopf!, und Gott daraufhin Bären aus dem Wald schickt, die sie in Stücke zerreißen? Was für ein Gott tut so etwas?
Das ist jedoch nicht die Frage. Du fragst: Was für ein Gott reißt den Erdboden auf und verschlingt ein paar Leute? Aber auch das ist nicht wirklich die Frage, ebensowenig wie: Was für ein Gott lässt das Haus der Philister einstürzen? Was ist das für ein Gott, der die Israeliten anweist, die Kanaaniter zu töten? Die Frage ist auch nicht: Warum nahm Gott im Alten Testament das Leben von Sündern auf solch katastrophale Weisen? Die Frage ist vielmehr, warum er den meisten Sündern erlaubte, weiterzuleben? Die Bibel sagt: „Denn der Lohn der Sünde ist der Tod, und Tod war das, was sie verdient hatten. In Lukas 13 kamen Menschen zu Jesus und sagten: Weißt du, wir verstehen etwas nicht. Einige Galiläer kamen in den Tempel, beteten dort an, und Pilatus' Leute kamen mit Messern herein, stachen auf sie ein und töteten sie alle. Warum ist das passiert?
Immerhin beteten sie gerade Gott an. Sie waren im Tempel und taten, was sie tun sollten. Wie konnte Gott so etwas zulassen? Und Jesus antwortete: Ihr werdet auch zugrunde gehen. Sie fragten ihn ein zweites Mal, denn sie hatten in der Jerusalemer Zeitung gelesen, dass ein Turm umgestürzt war und eine Reihe von Menschen erschlagen hatte. Was für ein Gott würde so etwas zulassen? Aber das ist nicht die Frage. In regelmäßigen Abständen in der Menschheitsgeschichte gab Gott immer wieder durch Katastrophen und ähnliche Ereignisse Zeugnis von dem, was alle Sünder verdienen. Aber die Masse der Sünder, die weiterleben und alle Vorteile der allgemeinen Gnade genießen, ist ein Beweis dafür, dass Gott seinem Wesen nach ein rettender Gott ist. Er stellt sein Mitleid und seine Barmherzigkeit für Sünder durch die allgemeine Gnade zur Schau, um Sünder zur Umkehr zu ermahnen. In diesem Sinne ist er der Retter aller Menschen. Aber er ist vor allem der Retter derer, die glauben, weil er sie nicht körperlich und zeitlich, sondern geistlich und ewig rettet. Gott ist die Quelle der Versöhnung. Ich bin so froh, dass ich Gott nicht überreden muss, einen Sünder anzunehmen.
Zur Zeit Jesu gab es im Tempel einen Vorhang, der Gott von allen Menschen trennte. Er war ein Symbol der Gegenwart Gottes. Als Jesus am Kreuz starb, zerriss Gott ihn von oben bis unten. Er öffnete den Zugang weit, damit alle Sünder, die kommen würden, Zugang hätten zu dem, der seinem Wesen nach ein versöhnender Gott ist. Das sagt auch der Text. Es ist Gott, der uns mit sich selbst versöhnt. Es ist Gott in Christus, der die Welt versöhnt. Es ist Gott, der bittet und ruft. Nie bist du mehr im Einklang mit dem Willen Gottes, als wenn du das Wort der Versöhnung verkündest.
Versöhnung erfolgt also in erster Linie durch den Willen Gottes. Zweitens erfolgt sie durch den Akt der Vergebung. Versöhnung erfolgt durch den Akt der Vergebung. Wie Gott das tun kann, steht in Vers 19. Der einzige Weg, wie Gott sich mit Sündern versöhnen kann, ist, dass er ihnen ihre Schuld nicht anrechnet. Das betrifft Menschen aus allen Nationen. Er muss ihre Sünden beiseite legen und sie ihnen nicht anrechnen.
Darüber sprachen wir schon. Micha 7 sagt: „Wer ist ein Gott wie du, der die Sünden vergibt“? Oder 2. Mose 33: „Gott ist von seinem Wesen her barmherzig und gnädig. Er ist ein Gott, der vergibt.“ Das Alte Testament ist voll davon. Und auch das Neue Testament ist voll davon. Gott vergibt bußfertigen Sündern gerne und rechnet ihnen ihre Schuld nicht an. Das ist es, was wir Sündern sagen müssen. Wir müssen Sündern folgende Frage stellen: „Du kannst mit Gott versöhnt werden. Er wird dir alle deine Sünden für immer vergeben. Bist du interessiert?“ Das ist der entscheidende Punkt. Wenn Menschen evangelisieren, stellen sie oft Fragen wie: Willst du einen Sinn in deinem Leben haben? Willst du eine bessere Ehe führen? Willst du deinen Schlagstil auf dem Golfplatz verbessern? Willst du mehr Touchdowns im Football erzielen? Und ähnliche Sachen. Wonach suchst du im Leben? Nach Glück, Zufriedenheit, Wohlbefinden? Das ist aber nicht alles. Es geht um die Frage, ob du in deinen Sünden sterben willst und für immer in die Hölle gehen willst? Oder ob du an voller und ewiger Vergebung interessiert bist? Das ist die Botschaft, die wir bringen müssen.
Diese Botschaft steckt auch hinter Psalm 32,2, wo es heißt: „Wohl dem Menschen, dem der Herr keine Schuld anrechnet“. Wahrscheinlich hatte Paulus gerade hierüber nachgedacht, als er in Römer 4,8 schrieb: „Glückselig ist der Mann, dem der Herr die Sünde nicht anrechnet!“ Das ist eine freie Übersetzung von Psalm 32. Gott ist bereit, Sünde zu tilgen. Im Alten Testament heißt es sogar, dass er sie so weit entfernen wird, wie der Osten vom Westen entfernt ist. Er wird sie in den Tiefen des tiefsten Meeres versenken und sich nicht mehr daran erinnern. In Kolosser 2,13 steht, dass Gott uns alle unsere Übertretungen vergeben hat. Freunde, wenn wir dem Evangelium nach Paulus treu bleiben, dann muss es bei dem, was wir Sündern sagen, um die Vergebung ihrer eigenen Sünden gehen. Unsere gute Nachricht für sie ist: Gott wird dir alle deine Sünden vergeben. Das ist die Botschaft der Versöhnung. Lasst uns doch die ganze Oberflächlichkeit des Wohlstandsevangeliums hinter uns lassen, dass Jesus dich gesund, wohlhabend, reich und erfolgreich machen will. Was er anbietet, ist nichts von alledem. Vielleicht bist du nach deiner Errettung kränker als je zuvor. Vielleicht bist du nach deiner Errettung ärmer als je zuvor. Aber du bist in der Obhut des souveränen Gottes, der dafür sorgt, dass das zu deinem Besten und zu seiner Ehre geschieht. Worauf du dich nach deiner Errettung verlassen kannst, ist, dass du auf dem Weg in den Himmel bist, weil er dir deine Sünden nicht mehr anrechnet.
Ich liebe die Formulierung im Kolosserbrief, in der es heißt, dass er die Übertretung auslöscht, die gegen uns geschrieben wurde. Er räumt sie aus dem Weg. Er entfernt sie. Diese Art Versöhnung kennt Paulus. Er hat sie persönlich erlebt. Sie geschieht durch den Willen Gottes in einem Akt der Vergebung. Drittens geschieht Versöhnung durch den Gehorsam des Glaubens. Auch darüber sprachen wir schon und ich möchte nicht viel Zeit auf diesen Punkt verwenden. Dass Versöhnung durch den Gehorsam des Glaubens erfolgt, wird in Vers 20 angedeutet. Damit das geschehen kann, muss der Sünder reagieren. Alles beginnt damit, dass wir Botschafter für Christus sind. Wir sind die Vertreter des großen Königs, der sich mit seinen entfremdeten Untertanen versöhnen will. Wir können gute Nachrichten überbringen und dürfen Sündern sagen: „Gott will sich mit euch versöhnen. Er wird euch eure Sünden nicht anrechnen und euch vergeben. Bitte nehmt dieses Geschenk an.“ Genau das sagt Vers 20 aus. Es ist, als ob Gott durch uns einen Aufruf macht: Wir bitten euch im Namen Christi: Lasst euch mit Gott versöhnen.
Das klingt jetzt nicht sehr calvinistisch, oder? Wir gehen doch nicht umher und flehen die Leute an, sich versöhnen zu lassen, umzukehren, zu glauben, ihre Sünden zu bekennen, sich von ihren Sünden abzuwenden und Christus anzunehmen. Nein, wir sind schließlich Calvinisten und glauben, wenn es passieren soll, dann wird es schlussendlich auch passieren. Wirklich? Hört gut zu, nicht nur wir sollten Sünder anflehen, sich mit Gott zu versöhnen, sondern es ist Gott selbst, der durch uns fleht. Man könnte zu dem Schluss kommen, dass nicht einmal Gott ein besonders guter Calvinist sei. Gott bittet Sünder sich versöhnen zu lassen? … das klingt absolut arminianisch. Aber so steht es hier. Wir werden uns morgen mit diesem Dilemma befassen.
Es gibt keine Rettung ohne Glauben. Es gibt keine Rettung ohne die Bereitschaft des Sünders. Wie heißt es in Johannes 1,12? „Allen aber, die ihn aufnahmen, denen gab er das Anrecht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben“. Und gleichzeitig heißt es, dass sie „nicht aus dem Blut, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren“ sind. Wir wissen, dass es sich um ein Werk Gottes handelt, aber dennoch ist es nicht unabhängig vom Willen des Sünders. Gott ist ein Bettler, der sich flehend an Sünder wendet.
Seht euch Jesus an, der ausrief: „Ihr wollt nicht zu mir kommen, damit ihr Leben habt. Oh Jerusalem, Jerusalem […]. Wie oft habe ich deine Kinder sammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken unter die Flügel sammelt, aber ihr habt nicht gewollt! Siehe, euer Haus wird euch verwüstet gelassen werden.“ Und er weinte. Erinnert ihr euch daran? Er weinte. Auch Jeremia weinte die Tränen Gottes in seiner Prophezeiung. „Meine Augen zerfließen in Tränen Tag und Nacht“, weil sie nicht glauben wollten. Gott selbst wendet sich durch uns an Sünder. Wir sind die Vertreter eines flehenden Gottes, eines bittenden Gottes. Er schreit zu Sündern und bittet sie, zu glauben, gerettet zu werden und sich mit ihm zu versöhnen.
Der Dienst und das Werk der Versöhnung geschehen also nach dem Willen Gottes durch Vergebung. Und das Mittel, durch das es geschieht, ist der Glauben. Das bringt uns zum vierten und letzten Punkt. Dieser fasst zusammen, worüber wir den ganzen Tag geredet haben: Versöhnung geschieht durch das stellvertretende Werk. Versöhnung geschieht durch Stellvertretung. Wir befassen uns die ganze Zeit schon mit der Frage: Wie in aller Welt kann Gott einfach beschließen, uns unsere Sünden nicht zuzurechnen?
Wie kann er die Gottlosen rechtfertigen, um es mit den Worten aus Römer 4,5 zu sagen? Diese Aussage, dass Gott Gottlose rechtfertigt, ist sowieso der am wenigsten akzeptable Satz, den Paulus überhaupt in einem jüdischen Kontext äußern konnte. Für Juden war es ein absoluter Skandal, dass Gott bestimmen sollte, dass Gottlose gerecht waren. Wie konnte er das tun? Heute früh hatten wir uns schon einmal das Beispiel eines Richters angesehen, dem ein Verbrecher vorgeführt wird, und wegen mehreren Morden angeklagt wird. Wenn dieser Verbrecher nun alles gestehen und sagen würde: „Ja, ich habe sie alle umgebracht, dann habe ich sie zerstückelt und überall vergraben. Ich fühle mich wirklich schlecht deswegen. Es tut mir so leid für die Familie. Herr Richter, es tut mir wirklich leid. Würden Sie mir bitte verzeihen und mich gehen lassen?“ Wenn der Richter antworten würde: „Wissen Sie, weil Sie darum gebeten haben, vergebe ich Ihnen, Sie können gehen“ … nun, dann wäre er sehr schnell seinen Job los. Er wäre kein Richter mehr, weil er sich nicht an das Gesetz halten würde. Das wäre ein Skandal. Ist das nicht dasselbe, was Gott tut? Hat Gott nicht auch gesagt: Oh ja, sicher, geh nur?
Nein, das sagt er nicht. In Vers 21 heißt es, dass seine Gerechtigkeit gestillt werden musste durch das stellvertretende Werk Christi. Damit schließt sich der Kreis zu dem, was wir heute Morgen gehört haben. B. B. Warfield drückt es so aus: „Das stellvertretende Werk ist das Herzstück des Evangeliums.“ Ich möchte euch helfen, Vers 21 zu verstehen. Im gesamten Neuen Testament erklären diese 15 griechischen Wörter am komprimiertesten, klarsten und umfassendsten die Bedeutung des stellvertretenden Sühneopfers: „Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm zur Gerechtigkeit Gottes würden.“ Wie kann Gott unsere Schuld nicht zurechnen und immer noch gerecht bleiben? Wie kann Gott uns Gerechtigkeit bescheinigen und immer noch gerecht bleiben? Das geht nur auf eine einzige Art und Weise. Und zwar auf folgende Weise: indem er „den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht“ hat. Was ist damit gemeint? Nun, Kenneth Copeland, Kenneth Hagen und andere Leute von der Word of Faith - Bewegung (Wort des Glaubens - Bewegung) sagen, dass dies bedeut, dass Jesus am Kreuz ein Sünder geworden sei. Darum habe er in die Hölle gehen und drei Tage lang für seine Sünden leiden müssen. Und weil er so für seine Sünden bezahlt habe, hätte der Herr ihn von den Toten auferstehen lassen.
Das ist Gotteslästerung. Er war ein Lamm ohne Makel und ohne Flecken. Er war am Kreuz genauso sündlos, wie er es in aller Ewigkeit ist. Deshalb rief er aus: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Wäre er ein Sünder, gäbe es kein „Warum“. Als Jesus am Kreuz hing wurde er nicht zum Sünder! Aber was bedeutet der Ausdruck, dass er „zur Sünde gemacht“ wurde? Er wurde nur in einem einzigen Sinn zur Sünde gemacht: und zwar Gott behandelte ihn, als ob er ein Sünder sei, obwohl er es nicht war.
Das heißt, dass Gott Christus am Kreuz so behandelte, als ob dieser jede Sünde persönlich begangen hätte, die je von einem gläubigen Menschen begangen wurde, obwohl er in Wirklichkeit keine von ihnen begangen hat. Verstehst du das? Am Kreuz behandelte Gott Christus so, als hätte er persönlich jede Sünde eines jeden Gläubigen begangen, obwohl er keine davon begangen hat. Ich möchte es auf eine noch persönlichere Weise sagen. Am Kreuz behandelte Gott Jesus so, als hätte er dein oder mein Leben gelebt. Das hat er nicht, aber Gott behandelte ihn so, als ob er es getan hätte. Gott der Vater goss die ganze Wut seines Zorns über unsere Sünde über Christus aus, als wäre er der Schuldige. Genau das wird im Opfersystem in 3. Mose 1,1-9 dargestellt.
Deshalb behandelte Gott Jesus am Kreuz, als wäre er ein Sünder, obwohl er kein Sünder war. Warum tat er das? Er tat es in unserem Interesse für uns. Denn Gottes Gerechtigkeit musste gestillt werden. Und ich sagte euch schon heute Morgen, weshalb er in drei Stunden Dunkelheit die unendliche, ewige Strafe aller Menschen tragen konnte, die jemals glauben werden. Er konnte es, weil er eine unendliche Person mit unendlicher Kraft ist. Seine Kraft, die Strafe zu tragen, hatte keine Grenzen.
Das ist lediglich die eine Seite der Lehre des stellvertretenden Werks. Die Kehrseite dieser Lehre steht dann am Ende von Vers 21: „Damit wir in ihm zur Gerechtigkeit Gottes würden.“ Um diesen großartigen Vers vollständig zu erfassen, müssen wir auch das verstehen. Bist du gerecht? Vor Gott stehst du als gerecht da, aber bist du auch gerecht? Wenn du irgendwelche Zweifel dazu hast, dann frag einfach mal deinen Sitznachbarn, und du wirst eine ehrliche Antwort bekommen. Du bist nicht gerecht. Was sagt Paulus auf dem Höhepunkt seiner geistlichen Reife? Ich bin der größte von allen Gerechten? Nein. Nein, das sagte er natürlich nicht. Sondern er sagte: Ich bin der größte aller Sünder. Das heißt, dass du nicht gerecht bist. Aber Gott behandelt dich so, als wärst du gerecht. Ich möchte sogar noch einen Schritt weiter gehen. Am Kreuz behandelte Gott seinen Sohn so, als hätte er dein Leben gelebt, damit er dich so behandeln kann, als hättest du das Leben seines Sohnes gelebt. So sieht Gott dich. Er schaut auf das Kreuz und sieht dich. Er schaut dich an und sieht seinen Sohn. Deshalb gibt es auch keine Verurteilung mehr für dich.
Nun könnte jemand sagen: Naja, wenn ich Gott wäre, hätte ich diesen Deal wahrscheinlich anders gestaltet. Warum musste Jesus 33 Jahre lang hier sein und all diese Mühen auf sich nehmen? Warum sagte ihm der Vater nicht einfach: „Kann ich dich für ein Wochenende hier auf der Erde in Anspruch nehmen? Du gehst an einem Freitag runter auf die Erde. Sie bringen dich um, du stehst am Sonntag von den Toten auf und bist am späten Sonntagabend nach ein paar weiteren Auftritten wieder hier im Himmel. Damit wird die Erlösung vollbracht. Ich brauche dich nur für das Wochenende.“ Doch so war es nicht. Die Heilige Schrift sagt uns, wofür die 30 Jahre gut sind. Jesus war zu jedem Zeitpunkt in allen Belangen versucht wie wir, doch ohne Sünde. Zu jedem Zeitpunkt bedeutet chronologisch, von Geburt an. Er war von Geburt an in allen Punkten ohne Sünde. Er lebte ein vollkommenes Leben als Säugling, als Kind, als Jugendlicher, als junger Erwachsener, als reifer Erwachsener. Sein ganzes Leben lang erfüllte er alle Gerechtigkeit. Dies tat er, damit dieses Leben auf deinem Konto gutgeschrieben werden würde. Das ist die aktive Gerechtigkeit Christi, über die wir gesprochen haben.
Am Kreuz behandelte Gott Jesus also so, als hätte er dein Leben gelebt, und jetzt behandelt er dich so, als hättest du sein Leben gelebt. Das ist ganz schön großzügig, nicht wahr? Er schaut auf das Kreuz und sieht dich. Er sieht dich an und sieht seinen Sohn. Das ist eine gute Botschaft für Sünder. Paulus weiß, dass er jeden Menschen als ein geistliches Wesen sehen muss, das dringend die Botschaft der Versöhnung braucht. Wir haben das Amt erhalten, diese Botschaft als Botschafter in eine fremde Welt zu bringen. Wir können die Menschen nicht mehr nur äußerlich betrachten, sondern müssen sie als das ansehen, was sie wirklich sind: ewige Seelen, die die Ewigkeit entweder im Himmel oder in der Hölle verbringen werden. Die Botschaft, die wir ihnen überbringen müssen, ist die Botschaft der Versöhnung. Wir müssen ihnen sagen, dass Gott sie so sehr liebt, dass er eifrig ist, zu vergeben. Er ist bereit, ihre Sünden von ihnen zu nehmen und sie durch seine eigene Gerechtigkeit zu ersetzen, die sein Sohn in einem vollkommenen Leben zeigte und bekundete. Die Herrlichkeit des Evangeliums ist, dass Gott seinen Sohn gerichtet hat, als hätte er dein Leben gelebt, damit er dich belohnen kann, als hättest du sein Leben gelebt.
Vater, wir danken dir für deine Wahrheit. Diese Wunder sind für uns kaum zu begreifen. Wir sind so unbedeutend, so absolut sündig und unwürdig und verdienen diese großartige Rettung in keinerlei Weise. Und doch hast du sie uns gewährt. Mögen wir wie Paulus sein, und von dieser Liebe beherrscht sein. Mögen wir erkennen, dass du das nicht nur für uns getan hast, sondern für alle gestorben bist. Und mögen wir unser Leben unermüdlich und eifrig dem Dienst der Versöhnung widmen, um den Sündern zu sagen, dass sie mit einem liebenden, vergebenden Gott versöhnt werden können. Und dass er sie so behandeln wird, als wären sie so gerecht wie sein vollkommener Sohn. Das ist durch den Glauben an den Namen Jesu möglich. Vielen Dank für einen wunderbaren Abend der Gemeinschaft. Danke für das Privileg, dich anbeten zu dürfen. Du willst, dass wir dich im Geist und in der Wahrheit anbeten. Und das taten wir, als wir gesungen haben. Und nun, da wir durch die Wahrheit bereichert worden sind, erfülle unsere Herzen mit Freude, während wir dich weiterhin im Namen deines Sohnes anbeten. Amen.
ENDE
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