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In den vergangenen Tagen haben wir das Evangelium nach Paulus unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet. Dabei gab es immer wieder Überlappungen, und so sollte es auch sein. Denn unabhängig davon, wessen Evangelium es ist, das Evangelium nach Paulus, das Evangelium nach den anderen Aposteln, das Evangelium nach Jesus, das Evangelium Gottes oder das Evangelium der Erlösung durch unseren Herrn Jesus Christus, sie alle weisen eine bestimmte Komponente auf. Diese Komponente ist, dass es ein souveränes Evangelium ist. Weil man das auf keinen Fall ausklammern darf, hebt Paulus die Souveränität des Evangeliums besonders hervor und betont, dass die Kraft des Evangeliums und sein rettendes Werk nach dem Willen Gottes ausgeteilt wird. Wir lernten bei Paulus, dass die Gerechtigkeit, der Glaube und die Überzeugung von oben herabkommen. Der Heilige Geist überführt die Welt von Sünde, Gerechtigkeit und Gericht. Er ist es, der Umkehr schenkt. Ja sogar der Glaube selbst ist ein Geschenk Gottes. Somit kommen alle Elemente des Heils von oben herab.

Kein einziges davon entsteht in uns durch unseren eigenen Willen, unsere eigenen Werke, unsere eigene Intuition oder unsere eigenen guten Absichten. Sondern das Heil wird uns in jeder Hinsicht durch die souveräne Gnade Gottes zugeteilt, und wir empfangen es nur.

Das macht Paulus in Epheser 1 sehr deutlich, deshalb möchte ich heute dort beginnen. Wir werden uns eine Reihe von Stellen ansehen, die uns helfen, den souveränen Aspekt der Erlösung zu verstehen und wie er mit der menschlichen Verantwortung zusammenhängt. Ich spreche auf Konferenzen in der ganzen Welt. Und egal, wo ich bin, wenn es eine Zeit von Frage & Antwort gibt, wird überall dieselbe Frage gestellt: Wie können wir die göttliche Souveränität und die menschliche Verantwortung in Einklang bringen? Wie können wir verstehen, dass die Errettung eine Sache von Gottes Willen, Gottes Entscheidung, Gottes Absicht und Gottes Zeitplan ist, und gleichzeitig den Menschen in irgendeiner Weise für das Geschehen verantwortlich machen? Diese Frage ist unvermeidlich. Und ich kann euch nur sagen, dass ihr euch mit dem Spannungsfeld in dieser Frage abfinden müsst, weil ihr in diesem Leben keine ausreichende Antwort darauf erhalten werdet.

Aber vielleicht hilft es, wenn ich euch folgende, eigentlich ganz einfache und trotzdem unbequeme Frage stelle. Wie lautet die Antwort auf die Frage: Wer hat den Epheserbrief geschrieben? Da gibt es zwei Antworten, nämlich Gott und Paulus. Wer von beiden war es nun? Ihr Lieben, das ist eine ganz grundlegende Sache. Wer hat den Epheserbrief geschrieben? Man kann diese Frage nicht so einfach beantworten. Denn wenn man sagt: Paulus, dann muss man das relativieren. Sind es Paulus’ Worte? Ja. Sind es Paulus’ Gedanken? Ja. Sind es Paulus’ Argumente? Ja, und doch ist jedes Wort vom Heiligen Geist bestimmt und verfasst. Wir können also nicht einmal die einfache Frage beantworten, wer ein Buch der Bibel geschrieben hat. Es war kein mechanisches Diktat. Paulus schrieb den Epheserbrief aus seinem Herzen und seiner Seele, mit seinem Verstand, seinem Wortschatz und aus seiner Erfahrung heraus, und doch ist jedes Wort vom Heiligen Geist.

Eine andere grundlegende Frage ist: Wer lebt dein christliches Leben? Du sagst: Na ja, ich. Aber diese Antwort ist zu einfach. Wenn du dein christliches Leben lebst, bist es dann du oder der Heilige Geist? Es ist doch so, dass du nicht die Lorbeeren für die guten Dinge einheimsen willst, und ebenso möchtest du nicht den Heiligen Geist für die schlechten Dinge verantwortlich machen. Wer ist es also? Hier haben wir das gleiche Dilemma. Aber lass mich dir helfen. Der Apostel Paulus sagte nämlich folgendes: „Ich bin mit Christus gekreuzigt; und nun lebe ich, aber nicht mehr ich selbst“. Das zeigt, dass er es auch nicht verstanden hat.

Man kann es tatsächlich nicht verstehen, denn das wäre, als würde man versuchen, das Unergründliche zu ergründen. Wir können diese göttlichen Spannungen nicht wirklich auflösen. Man kann nicht über die Sicherheit des Gläubigen sprechen und dass wir von Christus bewahrt werden, ohne es umzudrehen und über das Ausharren der Heiligen zu sprechen. Denn gleichzeitig heißt es ja, dass wir in die Herrlichkeit eingehen, wenn wir im Glauben verharren. Ihr seht: Jede grundlegende Lehre der Heiligen Schrift in Bezug auf die Erlösung beinhaltet ein scheinbares Paradoxon, das von menschlicher Seite her nicht aufgelöst werden kann. Das ist einer der Beweise dafür, dass Gott die Bibel geschrieben hat und nicht Menschen. Menschen hätten all diese unauflösbaren Paradoxa beseitigt.

Nun habe ich eure Verwirrung noch ein wenig vergrößert, damit ihr versteht, dass das Dilemma nicht auf die Frage der Souveränität und der menschlichen Verantwortung beschränkt ist. Diese Art von Spannung wird bleiben, bis wir eines Tages verstehen werden, wenn wir in der Gegenwart Gottes erkennen, wie wir erkannt worden sind. Aber bis dahin sind wir in dieser Welt mit unseren armseligen, gottfernen Spatzenhirnen ernsthaft eingeschränkt. Du musst dich also mit dem Dilemma anfreunden, und dabei werde ich dir heute Morgen ein wenig helfen.

Schau dir mit mir Epheser an ab Kapitel 1, Vers 3: „Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit jedem geistlichen Segen in den himmlischen Regionen in Christus,  wie er uns in ihm auserwählt hat vor Grundlegung der Welt, damit wir heilig und tadellos vor ihm seien in Liebe. Er hat uns vorherbestimmt zur Sohnschaft für sich selbst durch Jesus Christus, nach dem Wohlgefallen seines Willens, zum Lob der Herrlichkeit seiner Gnade, mit der er uns begnadigt hat in dem Geliebten.“ Das ist deutlich. Warum bist du gerettet? Bist du gerettet, weil du vernünftig genug bist, um das Evangelium zu glauben? Nein. Sondern weil Gott so gnädig war, dich vor Grundlegung der Welt zu erwählen. Das ultimative Ziel dieser Erwählung ist, dass du heilig und untadelig vor ihm bist. Das ist Rechtfertigung durch zugerechnete Gerechtigkeit. Wie wir in 2. Korinther 5 gesehen haben, hat er uns durch seine Liebe dazu vorherbestimmt, als seine Söhne adoptiert zu werden. All dies geschah entsprechend der gütigen Absicht seines Willens, damit ihm alles Lob und alle Ehre zuteilwerde. Und das wiederholt sich in diesem langen Satz. Die Verse 3 bis 14 in Epheser 1 sind ein einziger Satz, der längste Satz in der gesamten Literaturgeschichte. Alles ist zum Lob seiner Herrlichkeit, wie es in den Versen 12 und 14 heißt. Und in Vers 6 heißt es, alles ist zum Lob der Herrlichkeit seiner Gnade.

Wir müssen den gesamten Heilsplan also als Verwirklichung einer göttlichen Absicht verstehen, die vor Grundlegung der Welt bestand. Damals hatte Gott bestimmt, wer gerettet werden sollte. Ihre Namen wurden in das Buch des Lebens des Lammes eingeschrieben. Es heißt, dass das Lamm selbst seit grundlegend der Welt geschlachtet ist, das bezieht sich auf die göttliche Absicht. In dem schönen Vers Matthäus 25,34 heißt es: „Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, und erbt das Reich, das euch bereitet ist seit Grundlegung der Welt!“

Der Apostel Paulus hatte verstanden, was Jesus in Johannes 15 gesagt hatte: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt“. Das ist die große Lehre der Prädestination, die Lehre der Erwählung. Sie stößt auf großen Widerstand und wird von manchen sogar gehasst und abgelehnt. Für Menschen, die daran gewöhnt sind, in einer Demokratie zu leben und immer hörten, dass sie ihr Leben frei nach ihrem Willen und ihren eigenen Entscheidungen gestalten sollten, ist diese Lehre inakzeptabel. Hingegen zeigen Menschen, die in Monarchien aufwachsen, ein wenig mehr Verständnis für souveräne Macht und Autorität über ihr Leben. Unsere Republik ist ein großes demokratisches Experiment, das es in der ganzen Weltgeschichte bis zur Gründung unserer Nation nicht gab. Diejenigen, die in diesem Land aufgewachsen sind, haben nie unter einem Herrscher gelebt und meinen deshalb, dass sie alles selbst bestimmen können sollten.

Wer nun aber in das Reich Gottes kommt, lebt unter einem Herrscher. Und dieser Herrscher hat alles bestimmt. Es ist sein Wille, dass wir heilig und untadelig werden und in Vollkommenheit und gerechtfertigt vor ihm stehen. Aufgrund seiner Vorherbestimmung sind wir als Söhne adoptiert. All das entspricht der freundlichen Absicht seines Willens. Paulus’ Sprache in Epheser 1,3-6 zeigt unmissverständlich, dass wir aufgrund von Gottes Willen Erlösung haben. Vers 7 sagt, dass uns nach seinem Willen die Vergebung unserer Schuld geschenkt wurde. Und in Vers 9 sehen wir, dass er uns durch seinen Willen seine freundliche Absicht für unsere Zukunft offenbart hat. Mit anderen Worten vermittelte uns Paulus in diesem Abschnitt der Heiligen Schrift ein umfassendes Verständnis unserer zukünftigen Hoffnung. Das Erbe, das uns erwartet und von dem er von Vers 11 bis Vers 14 spricht, ist das Ziel von Gottes Vorherbestimmung gemäß seines Plans.

Alles — von der Erwählung bis zur Verherrlichung und dazwischen die Rechtfertigung und Heiligung — entsprechen seinem göttlichen Willen und seiner Absicht. Dies ist auch in Römer 8 nicht zu übersehen. Ich möchte euch gleich zu einigen Texten führen, die ihr wahrscheinlich noch nicht auf diese Art und Weise betrachtet habt, wie wir sie jetzt betrachten werden.

In Römer 8,29 heißt es: „Welche er zuvorerkannt hat, die hat er auch vorherbestimmt“ (ELB). Zuvorerkannt bedeutet nicht, dass Gott etwas vorher weiß, sondern dass er etwas vorherbestimmt hat. Das Wort „erkennen“ kann eine intime Bedeutungsebene haben. Adam erkannte seine Frau, und sie gebar ein Kind. Das heißt aber nicht, dass er einfach nur wusste, wer Eva war, sondern es bedeutet, dass er eine intime Beziehung zu ihr hatte. Jesus sagte: „Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie.“ Das bedeutet nicht, dass er einfach nur weiß, wer sie sind, sondern dass er eine innige Beziehung zu ihnen hat. Dies ist eine vorherbestimmte, vertraute Beziehung, die von Gott entworfen ist. Und deshalb hat er uns dazu vorherbestimmt, dem Bild seines Sohnes gleichgestaltet zu werden. In Vers 30 heißt es: „Die er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen, die er aber berufen hat, die hat er auch gerechtfertigt, die er aber gerechtfertigt hat, die hat er auch verherrlicht.“ Der Vorherbestimmung folgt die wirksame Berufung zum Heil, dann die Rechtfertigung und schließlich die Verherrlichung.

In Johannes 6,37 sagt Jesus: „Alles, was mir der Vater gibt, wird zu mir kommen; und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.“ Wer zu mir kommt, den nehme ich auf, den behalte ich und werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag. Und ich werde keinen von ihnen verlieren. So ist die großartige Lehre der Vorherbestimmung zu verstehen, die in Paulus’ Theologie eine so große Rolle spielt. Und dieselbe Lehre kommt auch an vielen anderen Stellen vor.

Die Frage über die wir heute Morgen noch weiter nachdenken wollen, lautet: Schaltet die Tatsache der göttlichen, souveränen Gnade, der göttlichen souveränen Vorherbestimmung und Erwählung, die in der Bibel unmissverständlich zum Ausdruck kommt, den menschlichen Willen aus? Das ist die große Frage.

Um uns einen Überblick zu verschaffen, was der Apostel Paulus zu diesem Thema sagt, möchte ich den alttestamentlichen Propheten Jesaja zu Rate ziehen. Schlagt mit mir Jesaja 10 auf. Es ist ein sehr beliebter Vorwurf an uns, die wir biblische Theologie lehren, dass wir uns der Abschaffung der menschlichen Freiheit und des menschlichen Willens schuldig machen. Dieser Vorwurf kommt von denen, die an der Lehre der Vorherbestimmung und der souveränen Erwählung Anstoß nehmen. Im Laufe der Jahre habe ich mit vielen Pastoren gesprochen, die der Meinung sind, dass diese Lehre die Leidenschaft für Evangelisation wegnehmen und eine Gleichgültigkeit gegenüber den Verlorenen erzeugen würde. Aber Paulus sagte in 2. Korinther 5: Mein Leben wird nur für eine Sache gelebt. Es wird beherrscht und kontrolliert von der Liebe, die Christus für mich hat. Und er ist nicht nur für mich gestorben, sondern für alle, die in ihm gestorben sind. Deshalb bin ich ein Botschafter für dieses herrliche Evangelium, das ich predige. Ich gebe mein Leben hin für den Dienst der Versöhnung. Wir sehen also, dass diese Lehre sich ganz und gar nicht negativ auf seine Leidenschaft ausgewirkt hat. Im Gegenteil führte seine Leidenschaft für das Evangelium und dessen Verkündigung an die Verlorenen sogar dazu, dass er den Märtyrertod starb.

Aber der Vorwurf lautet häufig, dass die Aussage, alles sei das Werk Gottes, der Evangelisation das Leben entzieht. Fangen wir also an, es mit den Worten Jesajas zu verstehen, und zwar in einem ganz besonderen Kontext. In Jesaja 10,5 heißt es: „Wehe Assyrien, der Rute meines Zorns, der in seiner Hand den Stock meines Grimms trägt!“ Das ist eine seltsame Bezeichnung. Assyrien wird hier als Gottes Rute dargestellt, die er benutzen wird, um seinen Zorn über das abtrünnige Israel zu entfesseln. Somit ist Assyrien Gottes Instrument des Gerichts gegen das abtrünnige Israel. In Vers 6 beauftragt Gott souverän Assyrien, als Zerstörer Israels aufzutreten.

„Gegen eine gottlose Nation werde ich ihn senden“. Damit ist Israel gemeint. „Gegen das Volk, dem ich zürne, will ich ihn aufbieten“, das sind die Juden in Israel. „Damit er Beute macht und Raub holt und es zertritt wie Kot auf der Gasse!“ Das ist ein göttlicher Erlass, der besagt, dass Gott die assyrische Invasion über das Königreich Israel bringen wird. Wir müssen feststellen, dass dies nichts mit den Absichten der Assyrer zu tun hat. Gott hat Assyrien nicht gefragt, ob sie das tun wollen. Die Assyrer planten das nicht. Es geht weiter in Vers 7. „Aber er meint es nicht so“. Assyrien plante nicht, das Werkzeug Gottes bei der Zerstörung Israels zu sein. Assyrien hatte kein Interesse daran, als Vertreter Jehovas aufzutreten, denn es hatte ja gar keine Beziehung zu dem wahren und lebendigen Gott. Vers 7 sagt, dass sie nicht solche Pläne in ihrem Herzen hatten. Vielmehr war es ihr Ziel, viele Völker zu vernichten und auszurotten, denn sie sprachen: „Sind nicht alle meine Fürsten Könige? Ist nicht Kalne wie Karkemisch, Hamat wie Arpad, Samaria wie Damaskus?“ Für sie gab es keinen Unterschied. Sie hatten nicht mehr Interesse an der Zerstörung Israels und der Hauptstadt Samarias, als an der Zerstörung jeder anderen Nation. „Wie meine Hand sich der Königreiche der Götzen bemächtigt hat, deren Götterbilder doch mächtiger waren als die von Jerusalem und Samaria, und wie ich es mit Samaria und ihren Götzen gemacht habe, sollte ich es nicht auch mit Jerusalem und ihren Götzenbildern so machen?“

Man kann Assyrien nicht vorwerfen, wählerisch zu sein. Sie waren damit zufrieden, alle Nationen um sich herum zu zerstören und hatten kein besonderes Interesse an Israel. Aber Gott würde die Kontrolle über Assyrien übernehmen und Assyrien als Rute seines Gerichts für die Zerstörung des Nordreichs benutzen, von der sich dieses Reich übrigens nie erholt hat. Dennoch bringt all dies Assyrien nicht in eine bevorzugte Position vor Gott, denn wir lesen in Vers 5, wie Gott über Assyrien ausruft: „Wehe Assyrien“. Gott benutzt eine Nation buchstäblich als seinen Richterstab, obwohl diese Nation selbst keine Absicht dazu hat. Somit dient sie zwar den Zwecken Gottes, wird aber selbst verflucht, gerichtet und verurteilt werden. Es geht weiter in Vers 12. „Und es wird geschehen: Wenn einst der Herr sein ganzes Werk am Berg Zion und an Jerusalem vollendet hat, so will ich Vergeltung üben an der Frucht des überheblichen Herzens des Königs von Assyrien und an dem Trotz seiner hochfahrenden Augen!“ Hier sehen wir auf beeindruckende Weise einen souveränen Gott, der durch Assyrien handelt. Und doch wird Assyrien für die Taten, die Assyrien begeht, die volle Verantwortung tragen.

Das bedeutet, dass göttliche Souveränität und menschliche Verantwortung nebeneinander stehen. Assyriens Hochmut zeigt sich, als es „sprach: ‚Durch die Kraft meiner Hand habe ich es vollbracht und durch meine Weisheit; denn ich bin klug; ich verrücke die Grenzen der Völker, und ihre Vorräte plündere ich und stürze wie ein Starker die Thronenden hinab. Meine Hand hat nach dem Reichtum der Völker gegriffen wie nach einem Vogelnest, und wie man verlassene Eier zusammenrafft, so habe ich die ganze Erde zusammengerafft, und keiner war da, der mit den Flügeln schlug, den Schnabel aufsperrte und piepte!‘ Rühmt sich auch die Axt gegen den, der damit haut? Oder brüstet sich die Säge gegen den, der sie führt? Als ob der Stock den schwänge, der ihn aufhebt, als ob die Rute den erhöbe, der kein Holz ist!“ In anderen Worten schreiben sie die Macht der Rute sich selbst zu und nicht dem, der die Rute führt. Deshalb sagt Gott, dass er gegen Assyrien vorgehen und es vernichten wird. Er wird es verbrennen und verschlingen. Vers 18 sagt: „Und er wird die Herrlichkeit seines Waldes und seines Fruchtgartens mit Stumpf und Stiel ausrotten“, usw.

Wie erklärst du die Tatsache, dass Assyrien keine Wahl hat, was sie Israel antun, und dass sie dennoch von Gott für ihre Gräueltaten gegen Israel voll verantwortlich gemacht werden? Das ist ein Dilemma, mit dem du dich anfreunden musst. Denn die Heilige Schrift gibt uns weder eine Erklärung noch eine philosophische Rechtfertigung. Wie kannst du, Gott, diese Nation als Instrument deiner heiligen Gerechtigkeit benutzen und sie dann anschließend für die Sünden vernichten, die in diesem Prozess begangen wurden? Sollte der Richter der ganzen Welt nicht gerecht richten?

Schlag Johannes 3 auf. Dieser Abschnitt ist so wichtig. „Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern namens Nikodemus, ein Oberster der Juden.“ Das bedeutet eigentlich ein Lehrer der Juden. Es handelt sich also um einen Mann, der ein bemerkenswerter Lehrer war, einer der führenden Lehrer. „Der kam bei Nacht zu Jesus und sprach zu ihm: Rabbi, wir wissen, dass du ein Lehrer bist, der von Gott gekommen ist; denn niemand kann diese Zeichen tun, die du tust, es sei denn, dass Gott mit ihm ist.“ Er bestätigt also die Tatsache, dass alle es bejahten: die Pharisäer, die Sadduzäer, die gesamte Führung Israels. Obwohl sie Jesus ablehnten und ihn kreuzigten, leugneten sie niemals seine Wunder. Denn das konnten sie gar nicht. Die Wunder waren allgegenwärtig. Sie geschahen jeden Tag. Sie waren nicht zu leugnen, also versuchten sie diese erst gar nicht zu leugnen. Aber hier ist das Zeugnis von einem, der für alle spricht und sagt: „Niemand kann diese Zeichen tun, die du tust, es sei denn, dass Gott mit ihm ist.“ Das liegt auf der Hand. Jesus tat Wunder und hatte Macht über Dämonen, Macht über Krankheiten, Macht über den Tod, Macht über die Natur. Aber Jesus wusste, dass Nikodemus eine Frage auf dem Herzen lag, die er nicht ausgesprochen hatte, und so wandte er sich direkt an sein Herz und sagte: „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen! Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist?“

Er verstand sehr gut, dass Jesus metaphorisch gesprochen hatte, als er sagte: Du musst wiedergeboren werden. Du musst zurückgehen und noch einmal ganz von vorne anfangen. Es geht nicht um religiösen Aufstieg, sondern um Geburt. Also fragte er nach: „Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist?“ Wie geht das? Wie kann ich zum Anfang zurückkehren? Ich bin jetzt ein alter Mann, und ich habe all die Jahre, mein ganzes Leben lang, in dieser Gesetzlichkeit gelebt. „Der Mensch kann doch nicht zum zweiten Mal in den Schoß seiner Mutter eingehen und geboren werden, oder?“ Auch Nikodemus spricht hier metaphorisch. Er macht keine Witze. Er versteht wirklich, dass es nicht um die körperliche Ebene geht. Jesus antwortet ihm: „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird“. Damit lehnt Jesus sich an Hesekiels Passage über den Neuen Bund an. Dort heißt es, dass sie mit Wasser gewaschen werden müssen, um sie zu reinigen. Auch müssen sie ein neues Herz bekommen, das das steinerne Herz ersetzt. Jesus spricht also mit Hesekiels Worten zu einem Lehrer des Alten Testaments und sagt ihm, dass er die Erfahrung des Neuen Bundes braucht. Er braucht das, wovon auch Jeremia 31 spricht: Er musst gereinigt werden. Er braucht ein neues Herz, und der Geist muss in ihn eingepflanzt werden, bevor er in das Reich Gottes eintreten kann. Das ist der Neue Bund. Er muss von neuem geboren werden. Er muss verändert werden, denn: „Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch, und was aus dem Geist geboren ist, das ist Geist“. Wenn er nicht zum Anfang zurückgeht und durch den Heiligen Geist geistlich wiedergeboren wird, setzt er einfach den Prozess des Fleisches fort. Erst durch die Wiedergeburt kann er das Reich Gottes betreten. „Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe: Ihr müsst von neuem geboren werden!“

Nimm einmal an, du würdest zu jemandem sagen, dass er wiedergeboren werden muss. Und dieser jemand fragt dich: Wie geht das? Wie mache ich das? Was würdest du ihm antworten? Würdest du sagen: Bete dieses Gebet, sprich mir einfach nach? Oder: „du musst nur Buße tun und glauben!“? Jesus gibt Nikodemus in Vers 8 eine wirklich seltsame Antwort: „Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist jeder, der aus dem Geist geboren ist.“ Nun stellen wir uns noch einmal vor, dass jemand zu dir kommt und sagt, dass er eine neue Geburt brauche, um aus diesem unerbittlichen Leben des Fleisches herauszukommen. Er brauche ein neues Herz und einen neuen Geist. Was muss er tun? Eigentlich müsstest du ihm nach dem Vorbild Jesu antworten: Du kannst überhaupt nichts tun, denn es ist das Werk des Geistes, und er kommt und geht, wann er will, zu wem er will. Das widerspricht jeglicher Methodik der Evangelisation in unserem Regelbuch. Und es entkräftet auch den Standard: Bete einfach dieses Gebet. Aber das hier ist Jesus und nicht irgendein Anfänger, der die evangelistische Technik noch nicht ganz verstanden hat. Es ist Jesus und er sagt zu Nikodemus, dass er wiedergeboren werden muss. Er muss anōthen, buchstäblich von oben geboren werden, und er ist nicht dafür verantwortlich, wann das geschieht.

Das ist eine unglaubliche Aussage, die Jesus hier macht, als er sagt: Ich weiß, was du brauchst und mir ist auch bewusst, dass du nicht für die Umsetzung verantwortlich bist. Der Geist kommt und geht, wie er will, und deshalb werden Menschen im Geist geboren. Ich denke dies ist die vielleicht am meisten übersehene Aussage der Heiligen Schrift über göttliche Souveränität in der Erlösung. Man kann die göttliche Souveränität nicht bestreiten. Aber wir gehen in diesem Kapitel noch ein wenig weiter zu Johannes 3,27. Auch Johannes der Täufer war ein Calvinist. Das wusste er nicht, weil nur sehr wenige Baptisten Calvinisten sind. Johannes sagte: „Ein Mensch kann sich nichts nehmen, es sei denn, es ist ihm vom Himmel gegeben.“ Man kann nichts empfangen, es sei denn, es ist vom Himmel gegeben. Johannes war der letzte alttestamentliche Prophet und er wusste, dass die Erlösung ein souveränes göttliches Werk des Himmels ist.

Lasst uns zu Vers 15 zurückkehren. „Damit jeder, der an ihn glaubt [...] ewiges Leben hat.“ Was macht dieses Wort „jeder“ dort? Jeder, der an ihn glaubt, hat ewiges Leben. Und in Vers 16 heißt es: „Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verlorengeht, sondern ewiges Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richte, sondern damit die Welt durch ihn gerettet werde. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, weil er nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes geglaubt hat.“

Werden Menschen verurteilt und kommen in die Hölle, weil sie nicht erwählt wurden? Nein, sondern weil sie nicht glauben. „Darin aber besteht das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Werke waren böse. Denn jeder, der Böses tut, hasst das Licht und kommt nicht zum Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt werden. Wer aber die Wahrheit tut, der kommt zum Licht, damit seine Werke offenbar werden, dass sie in Gott getan sind.“

Geh weiter zu Vers 36: „Wer an den Sohn glaubt, der hat ewiges Leben; wer aber dem Sohn nicht gehorcht, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm.“ Der ewige Zorn Gottes fällt auf die Menschen, weil sie nicht glauben. Hast du Schwierigkeiten, das alles zusammenzubringen? Das ist gut. Diese Schwierigkeiten musst du haben, denn das bedeutet, dass du beides verstehst. Suche keinen Mittelweg, der diese beiden Wahrheiten aufhebt.

Schauen wir uns Johannes 6 an. Spurgeon wurde dafür kritisiert, dass er das predigte, und jemand fragte ihn: Warum predigst du nicht einfach nur zu den Erwählten? Er antwortete: Nun, wenn du ihre Hemdzipfel hochziehst, damit ich sehen kann, ob sie ein „E“ für „erwählt“ auf dem Rücken haben, werde ich das tun. In Johannes 6,37 kommen wir wieder zu dem zurück, was ich vorhin schon angesprochen habe: „Alles, was mir der Vater gibt, wird zu mir kommen“. Jesus macht hier eine absolute Aussage. Es ist die Absicht des Vaters und das Werk des Geistes und es kommt vom Himmel herab. „Alles, was mir der Vater gibt, wird zu mir kommen; und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen. Denn ich bin aus dem Himmel herabgekommen, nicht damit ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat.“ Wenn es also sein Wille ist, mir diese Menschen zu geben, dann werde ich sie auch ganz sicher aufnehmen. „Und das ist der Wille des Vaters, der mich gesandt hat, dass ich nichts verliere von allem, was er mir gegeben hat, sondern dass ich es auferwecke am letzten Tag.“ Ich werde also tun, was der Vater von mir möchte. Und was er von mir möchte, ist, dass ich die Menschen, die er mir gibt, annehme, sie bewahre und sie zur ewigen Herrlichkeit auferstehen lasse. Und da ich gekommen bin, um den Willen des Vaters zu tun, werde ich auch genau das tun.

Und in Vers 44 sagt er weiter: „Niemand kann zu mir kommen, es sei denn, dass ihn der Vater zieht, der mich gesandt hat; und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag.“ Das ist unsere Sicherheit, dass wir von Christus bewahrt werden bis zur ewigen Herrlichkeit. Er wird keinen von uns verlieren. Geh nochmal zurück zu Vers 35. Inmitten all dieser Worte die wir gerade gelesen haben sagt Jesus: „Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, den wird niemals dürsten.“ Einerseits kann niemand gerettet werden, es sei denn, es geschieht durch den Willen des Vaters vom Himmel herab und er ist vom Vater erwählt und von Ewigkeit her dazu bestimmt. Niemand kann gerettet werden, es sei denn sein Name steht im Buch des Lebens des Lammes geschrieben und er ist durch die Absicht Gottes vorherbestimmt, ohne dies in irgendeiner Weise zu irgendeiner Zeit beeinflusst zu haben. Niemand wird ohne Gottes souveränes Wirken gerettet, und doch sagt Jesus: Ich bin das Brot des Lebens. „Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, den wird niemals dürsten.“ Und in Vers 36: „Aber ich habe es euch gesagt, dass ihr mich gesehen habt und doch nicht glaubt. Vers 47: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der hat ewiges Leben.“ Es geht um den Glauben an Christus. In Vers 57 sagt er: „Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und ich um des Vaters willen lebe, so wird auch der, welcher mich isst, um meinetwillen leben.“

Vers 63 fasst das alles zusammen: „Der Geist ist es, der lebendig macht, das Fleisch nützt gar nichts. Die Worte, die ich zu euch rede, sind Geist und sind Leben. Aber es sind etliche unter euch, die nicht glauben. Denn Jesus wusste von Anfang an, wer die waren, die nicht glaubten, und wer ihn verraten würde. Und er sprach: Darum habe ich euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, es sei ihm denn von meinem Vater gegeben!“ Diese beiden Wahrheiten sind miteinander verflochten ohne eine weitere Erklärung.

Jesus sagt, dass du glauben musst, und wenn du nicht glaubst, bist du verdammt. Und doch kannst du nicht glauben, wenn du nicht von seinem Vater gerufen, gezogen und mit Leben erfüllt wirst. Ihr Lieben, ich kann nichts weiter tun, als euch aufzuzeigen, was die Heilige Schrift über diese beiden Wahrheiten sagt. Ich kann mit der ganzen Leidenschaft meines Herzens über die Herrlichkeit der Lehre der souveränen Erwählung predigen. Und mit derselben Leidenschaft kann ich über die Wahrheiten der Lehre der menschlichen Verantwortung predigen. Ich kann dir sagen, dass du, wenn du nicht glaubst, sterben und in die Hölle kommen wirst. Aber wenn du glaubst, wirst du auferstehen und in den Himmel eingehen. Und ich kann dir sagen, dass du Buße tun und glauben musst. Das ist genau das, was die Schrift sagt. Aber zugleich kann ich sagen, dass es ein souveränes Werk Gottes ist. Zu diesem Thema gibt es auch noch einige weitere Schriftstellen.

Du musst verstehen, dass die Bibel nicht versucht, dies zu erklären, sondern dass sie diese bedingen Wahrheiten einfach verwebt und nebeneinander stehen lässt. Dazu gibt es eine gute Illustration in Apostelgeschichte 2. Glaubst du, der Teufel wollte, dass Jesus gekreuzigt wird? Nein. Nein, der Teufel wollte nicht, dass er gekreuzigt wird. Der Teufel kam zu Jesus und sagte: Sieh mal, du kannst das Kreuz umgehen. Verbeuge dich einfach vor mir und ich werde dir die Reiche der Welt geben. Er wollte definitiv nicht, dass Jesus am Kreuz hängen würde. Deshalb führte er Jesus auch im Garten Gethsemane in Versuchung, wo Jesus betete: „Lass diesen Kelch an mir vorübergehen“. Wer wollte Jesus am meisten am Kreuz sehen? Das war Gott, denn Jesus war das Lamm Gottes. Jesus war das Lamm Gottes. Am Pfingsttag sagte Petrus: „Ihr Männer von Israel, hört diese Worte: Jesus, den Nazarener, einen Mann, der von Gott euch gegenüber beglaubigt wurde durch Kräfte und Wunder und Zeichen, die Gott durch ihn in eurer Mitte wirkte, wie ihr auch selbst wisst, diesen, der nach Gottes festgesetztem Ratschluss und Vorsehung dahingegeben worden war, habt ihr genommen und durch die Hände der Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und getötet.“ Wir sehen, dass Petrus eine akkurate Theologie hatte, als er sagte, dass gottlose Menschen Gottes Werk taten, indem sie ihn nach Gottes festgesetztem Ratschluss und Vorsehung dahingegeben und ans Kreuz genagelt hatten.

War Israel schuldig? Definitiv. Jesus schaut am letzten Tag der Passionswoche auf den Tempel und sagt: Es wird kein Stein auf dem anderen bleiben. Siehe, euer Haus wird euch verwüstet gelassen werden. Das Gericht kam in Form der Römer im Jahr 70 n. Chr., und es wurden Hunderttausende von Juden abschlachtet. In den folgenden Jahren ermordeten die Römer massenweise Juden in nahezu tausend Städten im ganzen Land Israel und ließen nur Leichen zurück. Das Gericht über Israel wegen seiner Ablehnung des Messias war sehr schwer und dauert noch bis heute an.

Ich weiß nicht, welche Gedanken euch in den Sinn kommen, wenn ihr euch die Nation Israel heute anschaut. Denn es ist keine Nation, die unter göttlicher Gunst steht, sondern es ist eine Nation, die unter göttlichem Gericht steht. Und sie wird weiterhin unter diesem Gericht stehen, bis sie auf den blicken, den sie durchbohrt haben und um ihn als einzigen Sohn trauern. Erst dann wird sich mit den Worten Sacharjas eine „Quelle der Reinigung“ für Israel auftun. Aber bis das geschieht, steht diese Nation unter Gericht. Es ist allerdings genau das gleiche Gericht, unter dem jeder unerlöste Sünder steht, weil er Jesus Christus ablehnt. Indem sie Christus kreuzigten, taten sie den Willen Gottes, und doch waren sie gottlose Menschen, die für ihre Taten voll zur Rechenschaft gezogen wurden.

Mir ist so wohl mit diesem göttlichen Geheimnis, weil es bedeutet, dass Gott so viel größer ist als ich und seine Wege nicht meine Wege sind. In Apostelgeschichte 4,27 heißt es: „Ja, wahrhaftig, gegen deinen heiligen Knecht Jesus, den du gesalbt hast, haben sich Herodes und Pontius Pilatus versammelt zusammen mit den Heiden und dem Volk Israel“. Im Tod Christi kamen alle zusammen. Es waren nicht nur die Juden, sondern hier steht, dass es auch Herodes, Pontius Pilatus, die Heiden und das Volk Israel waren. Wenn dir jemand die Frage stellt: Wer ist schuldig an der Kreuzigung Christi?, dann verweise ihn auf diesen Vers.

Aber es geht in Vers 28 noch weiter, als der Schreiber zu Gott spricht: „Um zu tun, was deine Hand und dein Ratschluss zuvor bestimmt hatte, dass es geschehen sollte.“ Auch hier tragen Herodes, Pontius Pilatus, die Heiden, die Römer und die Juden, also das Volk Israel die volle Verantwortung. Und doch taten sie das göttliche und souveräne Werk Gottes.

All das sind Beispiele dafür, dass die Heilige Schrift diese beiden Wahrheiten konsequent zusammenfügt, ohne jemals zu versuchen, das Unerklärliche zu erklären. Erinnerst du dich an die Begebenheit von Judas? War er für seine Taten verantwortlich? War es von Gott bestimmt, dass er Jesus verraten sollte? Im Alten Testament gibt es sogar Prophezeiungen über ihn, wo es heißt: „Auch mein Freund, dem ich vertraute [...] hat die Ferse gegen mich erhoben.“ Und doch sagte Jesus: „Einer von euch [ist] ein Teufel“. Und Jesus sagte weiter, dass dieser sterben und an seinen eigenen Ort gehen würde.

Wir müssen verstehen, dass jeder von uns die Verantwortung trägt, zu glauben. Wir werden dafür zur Rechenschaft gezogen werden, ob wir glauben oder nicht glauben. Das hat Konsequenzen für die Ewigkeit. Als Gläubige sind wir dafür verantwortlich, unser christliches Leben zu leben. Und dennoch ist auf unerklärliche Weise alles Gute in uns das Werk des Heiligen Geistes, während alles Schlechte an uns liegt. Auf der anderen Seite müssen wir im Glauben verharren. Gleichzeitig werden wir aber durch die Kraft Gottes in der Hand Christi bewahrt. Das ist eine tiefgründige Wahrheit. Sie zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Heilige Schrift. Darüber freue ich mich und beschäftige mich schon sehr, sehr lange damit. Und je länger ich lebe, desto mehr freue ich mich über diese Lehren, die ich nicht auflösen kann, weil sie von der Größe Gottes sprechen.

Das war die Einleitung. In der nächsten Predigt werde ich mit euch Römer 9, 10 und 11 betrachten, denn letztendlich müssen wir bei Paulus landen, nachdem wir uns bisher mit Johannes, Lukas und Jesaja beschäftigt haben. Es wird euch Freude bereiten, Römer 9, 10 und 11 zu lesen – einen der umstrittensten Abschnitte der Heiligen Schrift.

 

ENDE

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Unleashing God’s Truth, One Verse at a Time
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